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Full text of "Journal für Ornithologie"

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20 5 


JOURNAL 
ORNITHOLOGIE 


DEUTSCHES CENTRALORGAN 
für die 
gesammte Ornithologie. 


In Verbindung mit der 


Allgemeinen tentschen urnithulagiachen Gegellschaft zu Berlin, 


mit Beiträgen von 


Kronprinz Rudolf von Oesterreich, Eug. F. v. Homeyer, Dr. A. v. Brehm, Dr. @. 
Hartlaub, Prof. Dr. Altum, Aug. v. Pelzeln, Dr. R. Blasius, Dr. Kutter, Victor 
v. Tschusi-Schmidhoffen, Forstmeister H. Goebel, Dr. Ant. Reichenow, W.v. Na- 
thusius, Graf v. Berlepsch, A. Nehrkorn, Herm. Schalow, Dr. J. A. Palmen, 
Dr. @. A. Fischer, J. Rohweder, Dr. R. Böhm, Prof. E. A. Goeldlin, Stud. Aug. Müller 
und anderen Ornithologen des In- und Auslandes, 
herausgegeben 
von 


Prof. Dr. Jean Cabanis, 


Custos am Königl. Zoologischen Museum der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin; 
General-Secr. d. Allgem. deutschen ornithologischen Gesellschaft zu Berlin. 


XXVII Jahrgang. 
Vierte Folge, 7. Band. 


Mit 2 colorirten Tafeln. 


Leipzig, 1879. 
Verlag von L. A. Kittler. 


LONDON, PARIS, NEW-YORK, 
Williams & Norgate, 14. A, Franck, rue Richelieu, 67. B. Westermann & Co. 
Henrietta Street, Coventgarden, 524 Broadway, 


Preis des Jahrganges (4 Hefte mit Abbildungen) 20 Rmk. praen. 


Vs Be Te 


Inhalt des XXVII. Jahrganges. (1879.) 
Vierte Folge, 7. Band. 


I. Heft, No. 145, 


Aufsätze, Berichte, Briefliches ete.: er 
1. Zwölf Frühlingstage an der mittleren Donau. Von Kronprinz 

Rudolf von Oesterreich, E. F. von Homeyer und Brehm 1 
Allgemeine deutsche ornith. Gesellschaft zu Berlin; 


2. Mitglieder-Verzeichniss der Gesellschaft . . > . 84 
3. Benachrichtigung für die Mitglieder ee eo. 0. 8 
4. Statut der Gesellschaft. . ce vo ce oe oe 0 00 o. 0000. W 


Nachrichten: 
5. An die Redaction eingegangene Schriften . » » co 0.0... 9 


II. Heft, No. 146. 


Aufsätze, Berichte, Briefliches etec.: 


1. Omithologische Beobachtungen in den Auwäldern der Donau bei 
Wien. Vom Kronprinzen Rudolf von Oesterreich und 

Beeahul... s:.....% . a: 
PR. Ornithologische Male a aus en aba ae (1878). 

Von Victor Ritter von Tschusi zu Schmidhoffen . . . . 129 
8. Ueber die Fortschritte auf dem Gebiete der Ornithologie vom Jahre 

1875 bis zur Gegenwart. Von Herman Schalow. 2... ... 131 


mv INHALT. 


4. Beiträge zur Geschichte des Chculus canorus. Von Forstmeister 
H.Goebel . ». un. um ne, wa 
5. Meine ornithologische Sammlung. Von E. F. von Homeyer . » 
6. Ueber einige seltene Vögel der Bremer Sammlung. Von Dr. G. Hart- 
lanb .. „ 0 Sevemiune ne te nen 
7, Ueber die Adelsdorfer Colonie von Laru 
mann - en un de © 2 ja 
8. Zur Discussion über die Zugstrassen. Von Dr. J. A. Palmen. - 
9, Ueber ein neues Genus und neue Arten aus Südamerica. Von Hans 
Grafvon Berlepsch -.. se. u 0 a Ve 


Allgemeine deutsche ornith. Gesellschaft zu Berlin: 
10. Bericht über die November-Sitzung 1878. (Cabanis: Ueber die 


ridibundus. Von Neu- 


Gattung Psittacula. — R eichenow: Ueber Palaeornis rosa und 
cyanocephala.) . . . o . . . . . . [ . . . . . [2 . ° . 
11. Bericht über die December-Sitzung 1878. (Schalow: Ueber Lanius- 


Arten) e’e 0. gene me Stat, 21,5 441° 5 
12. Bericht über die Januar-Sitzung 1879. (Altum: Ueber die Vogel- 
sammlung der Forstakademie zu Eberswalde. — Brehm: Häufiges 
Vorkommen der Strix nisoria in den Karpathen. — Altum: Ap- 
ternus tridactylus in der Mark. — Brehm: Ueber das Leben des 
Vanellus gregarius). » «een. 
13. Bericht über die Februar-Sitzung 1879, (Cabanis: Passer domesticus 


. . . D 21,8 


auf Cuba) - «> oe. une en + 071 Fe 
14. Bericht über die März-Sitzung 1879. (Cabanis: Ueber Conurus 
pertinaw. und verwandte Arten. — Graf von Berlepsch: Neue 
südamericanische, Arten.) ».».+ .e. »iwie, u.a. a eEwisEen see 
Nachrichten: 
:15. An die Redaction eingegangene Schriften . = rn Vesmbastrsiieen 


III. Heft, No. 147. 


Aufsätze, Berichte, Briefliches etc.: 

1. Betrachtungen über die Selectionstheorie vom Standpunkt der Oologie 
aus. Von W. v. Nathusius „a. oo 0... V esaneru 

2, Ueber Morphnus taeniatus Gurney und M, gwianensis Daud. Von 
Augustv, Pelzeln . „0. ..0=. ©. EEE 

3. Ueber Vögel des Uman’schen Kreises. (Nachtrag) Von Forstmeister 


H. Goebel ... . - BT 18 


4. Briefliche Reiseberichte aus Ost-Africa. IV. Von Dr. G. A. Fischer 
5. Zur Naturgeschichte des Icos zanthopygius Hempr. u. Ehrb, Von 
Stud. Aug. Müller. (Hierzu Taf. I. Fig. 4. 5.) 


6. Compendium der neu beschriebenen Gattungen und Arten. I. Von , 


Ant. Reichenow und Hermann Schalowi,. in. ro nen £ 


7. Ueber Domicella Kuhli. Von Dr. O.. FEinsch . “.) u.a uugn 


Selte 


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195 


206 


210 | 


212 


INHALT. u 
Seite 
Allgemeine deutsche ornith. Gesellschaft zu Berlin: 

8. Bericht über die April-Sitzung. Verhandelt Berlin, 7. April 1879. 
(Hausmann: Ueber Otis tetrax in Mecklenburg. — A. Brehm: 
Ueber das Brutvorkommen von Erismatura I in Sieben- 
bürgen.) . - 331 

9. Bericht über ii Mar Sram Verbändelt, Beid, En Mai 1879. 
(Cabanis: Ueber Aulanaz latirosiris und Tomi Arten) . . 335 

Nachrichten: 

10, An die Redaction eingegangene Schriften. - - » » 2. 2.2... 886 


IV. Heft, No. 148. 


Aufsätze, Berichte, Briefliches etc.: 
1. Uebersicht der von Dr. G. A. Fischer auf einer zweiten Reise durch 
das ostafrikanische Küstenland von Mombassa bis Wito und am 
Tana-Fluss gesammelten Vögel, Von Dr. G. A. Fischer und 
Dr. Ant. Reichenow ... ee RR 
2. Nest und Ei von Fihynchocyclus Uimereickps Sclat. “ A. Nehr- 


Komm u... % ® ee 0 
3. Verzeichniss der im Kanton Bebakhanzen en Vögel. 
Von Prof. Emil Aug. Goeldlin. .. . 0 80 


4. Zur Ornithologie der Insel Cypern. Von Stud, N Müller. . 385 
5. Mittheilungen über Nester und Eier des Museum’s Godeffroy zu 
Hamburg. Von A, Nehrkorn . .... See. Od 
6. Ueber den Gebrauch der Trinomina in der ar Nomen- 
elatur. Von Robert Ridgway. Bericht von H. Schalow „ 410 
7. Vögel des Uman’schen Kreises, Von E. F, von Homeyer . . 47 
8. Compendium der neu beschriebenen Gattungen und Arten. IL, Von 
Ant. Reichenow und Herm. Schalow, (Fortsetzung von 
Sa ER ee VA) 


Allgemeine deutsche ornith. Gesellschaft zu Berlin: 


9. Bericht über die September-Sitzung. Verhandelt Berlin, 1. Sep- 
tember 1879, (Cabanis: Ueber Macronys tenellus als Typus von 
Tmetothylacus n. gen. — Reichenow:; Bericht über neue Arten 


von Ost-Africa.) ® [ ® ° . o . D . 437 
10. Bericht über die Doler Sikzune, Werhandelt en 6. eb 1879. 
(A. Brehm: Jagdausflug nach Spanien.) . . : 441 


11. Bericht über die November-Sitzung. Verhandelt Bein, 3, No 
1879. (Cabanis: Ueber Corythaix Schuetti n. sp. von Angola.) . 445 


Nachrichten: 
12. An die Redaction eingegangene Schriften . » «© oe oe 0 0 0. 47 


Index der systematischen Namen des XXVII, Jahrganges, 1879 . . 449 


I INHALT. 


Tafeln des Jahrganges, 


I. Fig. 1. Cosmopsarus regius Rchnw. Siehe Seite 324. 

Fig. 2. 3. Speculipastor bicolor Rchnw. 2 $ 3 2 Siehe Seite 324. 
Fig. 4. 5. Eier von Ixos zanthopygius Hmpr. Ehbg. Siehe Seite 304. 
II. Fig. 1. 2. Uraeginthus ianthinogaster Rchw. 1. $ 2. 2 Siehe Seite 353, 

Fig. 3. Pitylia caniceps Rchw. Siehe Seite 352. 
Fig. 4. Euplectes diadematus Rchw. Siehe Jahrg. 1878 Seite 354. 


JOURNAL 


für 


ORNITEHOLOGIE 


Siebenundzwanzigster Jahrgang. 


Zwölf Frühlingstage an der mittleren 
Donau. 


Von Kronprinz Rudolf von Oesterreich, 
E. F. von Homeyer und Brehm. 
Vorbemerkung: 

Angeregt durch empfangene Berichte hatte Erzherzog Rudolf 
- beschlossen, in vergangenem Frühjahre das mittlere Donauthal zu 
besuchen, um grössere Raubvögel an den ihm bekannt gewordenen 
Horsten zu beobachten und zu erlegen. Eingeladen zur Jagdreise 
_ waren Seine Königliche Hoheit, Prinz Leopold von Bayern, 
Seine Excellenz, Graf Bombelles, ÖObersthofmeister des Kron- 
prinzen, und die beiden Mitverfasser nachstehender Zeilen. Zwölf 
volle Tage konnten der Jagd und der Beobachtung gewidmet werden; 

- die Ergebnisse der letzteren sind es, welche nachstehend folgen. 
Wohl wissen wir, dass es ein misslich Ding ist, gemeinschaft- 
lich einen Reisebericht zu verfassen; wenn aber drei Vogelkundige 
zu gleicher Zeit und am gleichen Orte beobachten, dürfte ein Zu- 
 sammenfassen ihrer Forschungen doch wohl -die geeignetste Form 
der Darstellung sein. Dies schliesst nicht aus, dass der eine oder 
_ der andere gelegentlich allein das Wort nehmen wird; nur möchten 


lieh inhaltlosen Beobachtungen als gemeinsames Eigenthum be- 
trachtet wissen. Schon an Ort und Stelle wurden allabendlich die 
über Tags gewonnenen Erfahrungen gegenseitig ausgetauscht und 


 mitzutheilenden Maasse und Färbungen nackter Theile die Frucht 
emeinschaftlicher Arbeit sind. 
Cab. Journ. f. Ornith. XXVIL, Jahrg, No. 145. Januar 1879. 1 


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2 Kronprinz Rudolf, E. v. Homeyer u. Brehm: . 


Reisebericht. 

Ein herrlicher Morgen begrüsst uns in Pest, welches wir 
nach nächtlicher Bahnfahrt in der Frühe des 23. April erreichen. 
Das stolze Kaiserschloss in Ofen liegt frühlingsduftig, übergossen 
von der reinen Morgensonne, vor uns; das erste Grün des jungen 
Jahres schmückt die Gärten an den Bergen. Nur wenige Minuten 
verweilen wir in Pest. Schon um sieben Uhr rauscht das schnellste 
Schiff der Donau-Dampfschifffahrtsgesellschaft „Kronprinz Rudolf“ 
auf dem stattlichen Strome dahin. Nicht mehr die „grüne Donau“ 
Ober- und Unterösterreichs ist es, welche uns zur Strasse wird, 
sondern die „blonde“ Donau Ungarns, getrübt durch das fette 
lehmige Erdreich, welches der rasche Strom inzwischen von seinen 
Ufern abgespült oder durch Nebenflüsse erhalten hat. An den 
mit Weinbergen bedeckten, hier und da aber als steile Felsen- 
wände vor das Auge tretenden Bergen des rechten Ufers, auf 
denen der Mauerläufer vorkommen soll, geht es vorüber; aber nur 
noch eine kurze Strecke weit begleiten sie das Ufer. Bald unter- 
halb der Stadt verflachen sie sich; an Stelle der Berge treten 
kahle Sand- oder Lehmhügel, hier und da steilwandig zum Strome 
abfallend; dann und wann säumt auch schon frisches Grün das 
eine wie das andere Ufer oder überzieht kleine Inseln und Halb- 
inseln. Weisspappeln bilden auch hier den Hauptbestand; da- 
zwischen sind Weiden, Weissbuchen, wie einzelne Rüstern und 
Eichen eingesprengt. Das linke Ufer ist gänzlich flach und aus- 
druckslos; erst tiefer im Innern begrenzt Wald den Gesichtskreis. 
Flache, wiesenartige Stellen bieten hier dem Kibitze erwünschte 
Aufenthaltsplätze. Im Strome selbst liegen viele Schifismühlen 
vor Anker: einfache Bauten mit Schindeldach, auf dem die Bach - 
stelze Kerbthiere fangend dahinschreitet. Dann und wann gleiten 
wir an einem Dorfe vorüber, dessen einfache Häuser Rauch- 
schwalben, einmal auch Mehlschwalben, umschweben. 

Unterhalb und gegenüber dem Städtchen Ereseni beginnen 
Auen, theils auf die Inseln sich beschränkend, theils beide Ufer 
des Stromes einnehmend. Auf der Insel Adony laden Reiher 
und Milane zum Aussteigen ein, und ein ziemlich stark bevöl- 
kerter, über den ganzen Wald auf mehre Kilometer hin ausge- 
dehnter Reiherstand bietet Gelegenheit zu ergiebiger Jagd. Kräch- | 
zend erheben sich die massenhaft hier hausenden Saatkrähen von | 
ihren Horsten; mit ihnen entfliehen erschreckt die Fischreiher, | 
während einzelne bereits vertretene Nachtreiher die Horste | 


{ Zwölf Frühlingstage an der mittleren Donau. %) 


umkreisen, und die in einer mässig grossen, gedrängten Colonie 
wohnenden Scharben aus sicher scheinender Höhe auf uns her- 
niederblicken, bis das Gewehr auch unter ihnen aufzuräumen be- 
ginnt. Der Lärm, welchen in dieser gemischten Ansiedelung die 
Krähen verursachen, ist so bedeutend, dass das heisere Gekrächze 
der Reiher davon fast verschlungen wird. Der Boden der Inseln, 
üppiger Schlammgrund, welchen der Blüthe nahe Maiblumen stellen- 
weise so dicht bedeeken, dass sie einen ununterbrochenen Teppich 
bilden, trägt vielfach die Spuren der oben in der Höhe hausenden 
schwarzen und grauen Gesellen. Auf höher gelegenen Stellen 
wuchert die Brombeere in solcher Fülle, dass man schon jetzt viel- 
fach am Gehen gehindert wird. Glücklicher Weise trägt dieselbe, 
wie wir sie am ganzen Donaulaufe fanden, keine Stacheln. Nesseln 
von ungemein üppigem Wuchse und Hartriegel vervollständigen 
den Unterwuchs, welcher in späterer Zeit durch vielen Hopfen noch 
dichter wird. 

Abgesehen von den grossen Brutvögeln ist der Wald arm; 
freilich werden Stimmen, Schläge und Gesänge, wenn vorhanden, 
von jener Geschrei meist übertönt; aber die kleinen Vögel lieben 
es auch nicht, die unmittelbare Nähe so lärmender Nachbarn auf- 
zusuchen, ja verlassen sogar langjährig bewohnte Orte, wenn Saat- 
kräben sich dort ansiedeln. Ein dem Sprosserschlag täuschend 
ähnlicher Gesang fesselt die Aufmerksamkeit und lockt in niederen, 
von mehren gleichartigen Vögeln bewohnten Bestand; der Schuss 
aber, welcher einen der genannten Sänger fällt, bereichert die be- 
ginnende Sammlung nicht mit dem Sprosser, sondern mit dem 
Zweischaller, einem von der Nachtigall nicht zu unterschei- 
denden Vogel. Spärlich lässt das Müllerchen sich vernehmen, 
wogegen das Schwirren des Waldlaubsängers öfter gehört 
wird. Ein Buntspecht erscheint, angelockt durch nachgeahmtes 
Pochen, in der Nähe des Beobachters; von anderen Arten seiner 
Familie ist nichts zu sehen. | 

Die eben besuchte Insel Ädony ist von manchen früheren 
Reisenden als ein Hauptbrüteplatz verschiedener Vögel gerühmt 
worden. Ausser Ardea cinerea, Ardea nycticorax (in Menge) und 
Carbo cormoranus nistet daselbst Ardea garzetta in bedeutender 
Anzahl. Landbeck giebt das ungefähre Verhältniss so an: Ardea 
nycticorax 2000, A. einerea 500, A. garzetta 100 und Carbo cormo- 
ranus 200 Stück. Von Raubvögeln Aguila albieilla und A. im- 
perialis. Damals, vor etwa vierzig Jahren, war die Insel sehr 


4 Kronprinz Rudolf, E. v. Homeyer u. Brehm: 


sumpfig, mit fast undurchdringlichem Untergebüsch bewachsen und 
mit riesigen Weisspappeln bestanden, so hoch, dass ein Schrot- 
schuss die Spitzen der Bäume kaum erreichte. Heute ist der 
Wald sehr gelichtet und der Boden trocken gelegt, daher weder 
ein Urwald, noch eine Wildniss und nicht mehr das Eldorado für 
die Vogelwelt, wie in früherer Zeit. 

Von hohem Interesse ist, was Landbeck über diese Insel 
mittheilt. Wir sehen daraus, dass die Bevölkerung derselben im 
Laufe der Zeit wesentliche Aenderungen erlitten. Landbeck 
erhielt diese Mittheilungen durch den damaligen Aufseher der 
Insel Franz Müller, einen Mann, welcher sich für die Vogelwelt 
lebhaft interessirte und sich durchaus zuverlässig zeigte. 

Vor dem Jahre 1817 gab es weder Reiher noch Scharben auf 
der Insel; aber die Saatkrähen waren so zahlreich vertreten, dass 
viele Bäume im wörtlichen Sinne mit ihren Nestern bedeckt waren, 
Das erwähnte Jahr war — wie bekannt — durch ganz Europa 
ein Nothjahr, und die Landleute kamen auf die Idee, dass die 
schwarzen Vögel die Schuld trügen. Ein Vertilsungskrieg gegen 
dieselben wurde unternommen, so dass die Krähen die Insel fast 
gänzlich mieden. | 

Im Jahre 1818 erschienen nun vier Paare grauer Reiher, welche 
im nächsten Jahre mit einigen hundert ihrer Art wiederkehrten 
und die Krähen von ihren besten Plätzen verdrängten, so dass die 
Mehrzahl die Insel verliess. 

Im Jahre 1821 zeigten sich eine Menge Nachtreiher, welche 
die verlassenen Krähennester in Besitz nahmen, später aber auch 
angriffsweise gegen die Krähen vorgingen. 

Im Jahre 1826 fanden sich die ersten Silberreiher ein, ver- 
mehrten sich jedoch nicht, wie die Nachtreiher, indem ihnen wegen 
der schönen Rückenfedern zu sehr nachgestellt wurde. 

Das folgende Jahr brachte die ersten Scharben, welche sich 
unter heftigen Kämpfen mit den grauen Reihern daselbst nieder- 
liessen, später jedoch friedlich neben denselben horsteten. 

Nach ungefähr fünfstündiger Jagd fahren wir weiter. Die 
Landschaft wird wechselvoller als bisher; grosse Dörfer mit zwei 
bis drei stattlichen Kirchen an beiden Ufern bieten oft recht be- 
lebte Bilder. Zahllose Schiffsmühlen bekunden den Getreidereich- 
thum des Landes. Nach kurzer, freilich sehr rasch fördernder 
Fahrt folgen Auwälder in meilenweiter Ausdehnung, dann wiederum 
Felder und Dörfer. Die Waldungen schliessen oft nach allen Seiten 


Zwölf Frühlingstage an der mittleren Donau. 5 


hin den Gesichtskreis ab. Ein dichter Ufersaum von Weiden be- 
grenzt sie nach dem Strom zu; sie überhöhen höhere Bäume der- 
selben Art oder Weisspappeln; weiter nach innen endlich erheben 
die ältesten und riesigsten Stämme des Bestandes ihre mächtigen 
Kronen: prachtvolle Silberpappeln und einzelne Eichen, theilweise 
noch strotzend in der Fülle des Lebens, theilweise wipfeldürr, 
theilweise gebrochen, theilweise am Boden liegend und hier ver- 
‘ morschend und vermodernd. Hier und da trifft das Auge auf eine 
Lichtung mitten im grünen Walde; dann und wann weilt es auf 
einer wenig über dem Spiegel sich erhebenden, oft überflutheten 
Insel oder einer über und über mit dichtem Weidengestrüppe be- 
deckten Sandbank. Es sind Auen, zwischen denen wir uns be- 
wegen, Auen, welche in vieler Hinsicht denen der oberen Donau 
ähneln, sie an Grossartigkeit überbieten, an Anmuth und Wechsel 
aber weit hinter ihnen zurückstehen. Der Strom theilt sich fort- 
während in neue Arme, umschliesst mit ihnen Hunderte von grösseren 
und kleineren Inseln, breitet sich demgemäss weit nach rechts und 
links und beherrscht vollkommen die Landschaft; doch gestatten 
die Waldungen dann und wann noch einen Blick auf den Hügelzug, 
welcher in grösserer Entfernung vom Ufer als bisher den Strom 
begleitet. Einen Blick in das innere Land zu werfen, ist selten 
erlaubt; wenn es der Fall, lachen fruchtbare Ebenen mit blühenden 
Rapsfeldern dem Auge entgegen. 

Von Vögeln sieht man wenig. Was in dem Innern der Wälder 
lebt, bleibt verborgen; nur was in der Höhe zieht und schwebt oder 
auf dem Flusse schwimmt und taucht, kommt zu Gesicht. All- 
überall beschreibt der Milan seine sanft geschwungenen Kreise; 
sehr einzeln zieht auch ein Königsmilan seine Bahn; eine und 
die andere Nebelkrähe schwebt vorüber; Enten!), welche im 
Strome fischten, erheben sich, eilen längs einer der grünen Wald- 
_ hecken dahin und verschwinden zwischen den Wipfeln der höheren 
Bäume. 

Abends fahren wir bis Batina, wo wir vor Anker gehen. 
Eine kalte Nacht bannt uns in das Innere der Cajüte, und der 
_ unter heftigen Winden hochgehende Strom wiegt uns bis zum 
nächsten Morgen, welcher, obgleich sich der Wind noch nicht 
gänzlich gelegt hat, einen schönen, sonnigen Tag verspricht. 

In der ersten Dämmerfrühe des 24. April hat unser Schiff den 


') Anmerkung. Gewöhnlich Anas boschas und Anas querquedula. 


6 Kronprinz Rudolf, E. v. Homeyer u. Brehm: 


Ankerplatz verlassen und uns dem Städtchen Apatin zugeführt. 
Musik und Hochrufe begrüssen, Hochrufe und Böllerschüsse verab- 
schieden den Erzherzog nach kurzem Weilen an der Landungs- 
brücke des Städtchens, welches wir. nur aufgesucht haben, um 
helfende Leute an Bord zu nehmen. Stromaufwärts geht es wieder 
bis zur sogenannten Alten Donau, von welcher sich ein Arm, der 
Speckgraben, abzweigt. Ihn mit dem Dampfer zu durchfahren, 
wagt unser Schiffsführer nicht; wir steigen daher bei einer Fischer- 
hütte an’s Land und sodann in das ziemlich grosse Reiseboot 
„Vienna“ des uns begleitenden strom- und vogelkundigen Sammlers 
Hodek, welcher die Verpflichtung übernommen hat, die gewonnene 
und noch zu gewinnende Jagdbeute zu präpariren. Nicht weniger 
als - fünfzehn kleine Nachen, wahre ‚Seelenverkäufer“, Szickeln 
(spr. Tschickeln), folgen uns wie junge Enten der führenden Alten. 
Bald umgiebt uns rechts und links dichter Auwald, dessen Inneres 
der Schauplatz unserer heutigen Jagd sein soll. Nach etwa andert- 
halbstündigem Rudern in dem genannten Arme empfängt uns der 
Wirthschaftsdireetor der Herrschaft Bellye, eines 109,960 Joch 
oder fast elf geographische Geviertmeilen umfassenden Besitz- 
thumes des Erzherzogs Albrecht, theilt Jedem von uns eine 
Strecke des Waldes zu, giebt uns einen ortskundigen Förster, 
grössere und kleinere Ruderboote mit und wünscht uns nach 
Jägerbrauche Waidmannsheil. 

Nunmehr dringen wir zum ersten Male, bald auf trockenen, 
bald auf nassen Pfaden vorschreitend, in das Innere des Waldes, 
einer Wildniss, wie sie innerhalb der Grenzen Deutschlands kaum 
gefunden werden kann. Der Wald ist nur auf wenigen Stellen 
zugänglich, im grossen Ganzen nichts anderes als ein ungeheures 
Bruch, aus welchem sich riesige Bäume, Eichen, Weiden, Pappeln 
und Weissbuchen, erheben. Mächtige Stämme, vom Alter, vom 
Sturme, vom Blitze, vom leichtsinnig angezündeten Feuer des Hirten 
gefällt, liegen vermorschend und verfaulend im Wasser, nicht selten 
schon zum Nährboden jüngeren, üppig aufgeschossenen Busch- 
werkes geworden, andere, noch weniger von Verwesung ergriffen, 
sperren Weg und Steg. Abgefallenes Holz, von dicken Stamm- 
theilen an bis zu den dünnsten Aesten, zusammengeschwemmt vom 
Winde, stellt schwimmende Inseln und Zungen dar, welche den 
kleinen Booten nicht allzu selten Halt gebieten. Aehnliche Schwimm- 
bänke, aus Rohr und Schilf bestehend, bedecken oft weite Strecken 
des Bruches. Auf erhöhten Schlammbänken wuchern verschiedene 


Zwölf Frühlingstage an der mittleren Donau. 7 


Weiden- und Pappelarten üppig auf. Weite Strecken sind mit Schilf 
und Rohr bestanden, Flächen von meilenweiter Ausdehnung nichts 
anderes als Rohrwaldungen, aus denen kein Baum, nur hier und da 
eine Zwergweide sich erhebt. Was jene Dickichte und die Rohr- 
bestände bergen, bleibt jetzt Geheimniss; denn noch sind die meisten 
Stellen der Brüche so gut als unbevölkert; nur die Säume dieser 
Waldwildnisse vermögen wir zu durchforschen, nur auf breiter 
Wasserstrasse uns zu bewegen. Es ist noch zu früh im Jahre, als 
dass unsere Erwartungen befriedigt werden könnten; .aber es er- 
scheint auch ausserordentlich schwierig, von dem wirklichen Vogel- 
leben innerhalb dieser Auwaldungen ein richtiges Bild zu gewinnen. 
Ihr Saum ist weniger bevölkert, wie dies bei grösseren Wäldern 
sonst zu sein pflegt, vielleicht theilweise deshalb, weil das Innere 
ganz ähnliche Plätze bietet, theils aber und wesentlich wohl wegen 
der häufisen Ueberschwemmungen, welche es vielen Vögeln zeit- 
weise erschweren, ihre Nahrung zu suchen, auch viele Nester zer-_ 
stören. Daneben ist auch die frühe Jahreszeit zu berücksichtigen. 
Immerhin ist die kleine Vogelwelt, etwa mit Ausnahme von Fink 
und Staar, nur schwach vertreten. Und noch Eins fehlt uns: der 
Gesang der Vögel ist hier nicht unerheblich verschieden von dem, 
welchen wir in Deutschland zu hören gewohnt sind. Singdrossel 
und Fink, gegenwärtig noch zweifellos die häufigsten Sänger des 
Waldes, schlagen zwar sehr fleissig, jedoch so stümperhaft, wie wir 
es noch nirgends gehört. Nicht einmal Nachtigallenschlag und 
Grasmückengesang können sich mit dem unserer Heimath messen, 
und nach dem Sprosser lauschen wir vergeblich. 

Nach mehrstündiger Jagd vereinigen wir uns wieder an der- 
seiben Stelle, von welcher wir auszogen. Fünf am Horste erlegte 
Seeadler, drei einem der Horste entnommene Junge dieses Vogels, 
ein Waldkauz, zwei Kukuke, ein Bunt- und ein Klein- 
specht, eine weissäugige Ente bilden die Jagdbeute. 

Der nächstfolgende Tag findet uns jagend in einem anderen 
Theile des Gebietes. Wiederum sind es vornehmlich Seeadler- 
horste, welche uns zur Jagd locken. Ausserdem besucht Erzherzog 
Rudolf einen Uhu- und einen Kolkrabenhorst. Brehm und 
Homeyer widmen den Tag vorzugsweise der Beobachtung. 

Der 26. April ist zu einem Ausfluge nach dem Keskenderwalde 
bestimmt. Morgens um fünf Uhr verlassen wir das Schiff und fahren 
vom ersten Damme ab, zunächst durch den Auwald, welcher hier 
nur als schmaler Saum den Strom begrenzt, dem Innern des Landes 


8 Kronprinz Rudolf, E. v. Homeyer u. Brehm: 


zu. Nach wenig Minuten erreichen wir eine erst am fernsten Ge- 
sichtskreise durch niedere Hügel begrenzte Ebene, welche bis auf 
wenige Teiche und Sümpfe vollständig in regelmässigen Anbau 
genommen ist. Tiefgründiger Boden von ausgezeichneter Be- 
schaffenheit lohnt alle Mühe des Landwirthes reichlich; nur die 
Trockenheit, welche im Sommer zu herrschen pflegt, verursacht 
zuweilen Missernten. Das Land ist trotz der spärlichen Be- 
völkerung der Herrschaft vorzüglich bewirthschaftet und zeigt 
überall, dass die Leitung sich in besten Händen befindet. Unser 
Weg führt uns durch Felder, an herrlichen jungen Eichenculturen 
vorüber nach der Ortschaft Albertsdorf, und von hier aus dem 
vor uns liegenden Keskenderwalde zu. Letzter, welchen wir nach 
etwa zweistündiger Fahrt erreichen, besteht der Hauptsache nach 
aus Weissbuchen (Hornbäumen), demnächst aus Eichen (Quereus 
pendula), weniger Q. robur, viel Linden, Vogelkirschen, wilden 
Obstbäumen, Ahorn, sehr einzelnen Pappeln; auch sollen nach Aus- 
sage der Förster einige Rothbuchen vorhanden sein. 

Ausserordentlich reich in ist diesem überall schön gepflegten 
Walde das Unterholz vertreten, sobald das Alter der Bäume dies 
gestattet. Dasselbe besteht aus Liguster, Hartriegel, Zwergahorn, 
Schwarz-, Kreuz- und Weiss-Dorn, einzelnen Ulmen und vielen 
Linden (Tilia parvifolia). Ausserordentlich üppig, trotz der frühen 
Jahreszeit, war auch der Pflanzenwuchs. Der fast überall am 
Boden wuchernde Epheu wuchs oft bis in die Kronen hoher Bäume, 
ähnlich, doch nicht ganz so hoch, der viel vertretene wilde Wein, 
von welchem zwei Arten — mit rother und mit weisser Frucht — 
vorkommen. Grosse Strecken waren mit Immergrün dicht bedeckt, 
der eben in voller Blüthe stand, was für Norddeutsche um so in- 
teressanter war, als diese Pflanze in ihrer Heimath fast nie im 
wilden Zustande blüht. Arum maculatum, verschiedene Digitarien 
und manche andere Pflanzen zeugten von dem Reichthume dieses 
Waldes für den Botaniker in einer späteren Zeit. 

In diesem Walde sahen wir auch eine Nadelholzeultur ( Pinus 
austriaca), die einzige auf unserer ganzen Reise. Ueberhaupt war 
die Beschaffenheit des Waldes gänzlich abweichend von dem, was 
wir-in der Nähe der Donau gesehen, und auch das Vogelleben reicher. = 

Felder umgeben den Wald ringsum, und somit bildet er 
einen herrlichen Aufenthalt für verschiedene Adler, Falken, Wald- 
störche und andere grosse Horstvögel. Schön begraste breite Ge- 
stelle durchziehen ihn in regelmässigen Abständen und werden so 


z 


Zwölf Frühlingstage an der mittleren Donau. 1) 


zu bequemen Wegen. Eine von den Forstleuten kurz vorher auf- 
genommene Karte bezeichnet jeden der aufgefundenen Horste in 
übersichtlicher Weise. 

Nach kurzer Rast trennt sich die Jagdgesellschaft, und auf 
leichtem Bauernwagen eilt Jeder dem ihm zugewiesenen Theile des 
Waldes zu. Abgesehen von den in demselben horstenden grossen 
Gesellen, sehen wir besonders Finken, Singdrosseln, Staare, 
Buntspechte, Spechtmeisen und Meisen, nicht selten den 
Waldlaubsänger undden Halsbandfliegenfänger; ausser 
ihnen aber bemerkt man nur wenig kleines Volk. Dabei ist jedoch 
zu berücksichtigen, dass der Zug der Sylvien, wenigstens in der 
Mehrzahl der Arten, noch kaum begonnen hat, was für die elima- 
tischen Verhältnisse zwar auffallend erscheinen mag, jedoch mit 
den Beobachtungen früherer Reisenden durchaus übereinstimmt. 

Obwohl erst vor wenig Tagen von dem Eintreffen des Erz- 
 herzogs benachrichtigt, hatten Förster und Waldläufer, welche im 
Allgemeinen nicht besonders auf die Raubvögel des Waldes zu 
achten pflegen, doch die Horste von einem Schlangenbussard, 
vier Fischadlern und einundzwanzig Waldstörchen aufder 
erwähnten Karte verzeichnet. Dass bei weitem nicht alle Horste 
gefunden sein konnten, bewiesen uns sechs Schreiadler, mehre 
Edelfalken und eine grosse Eule, welche gesehen wurden. Was 
- sich sonst noch von kleineren Räubern im Walde aufhalten mochte, 
blieb gänzlich unbekannt. Ein Schlangenbussard, zwei 
Fischadler und neun schwarze Störche nebst einigen kleinen 
- Vögeln bilden das Ergebuiss der heutigen Jagd. 
| Der Rückweg führt uns über mehre Dörfer auf einer guten 
 Hochstrasse dahin. Auf den Bäumen am Wege sitzen viele Thurm- 
falken, Elstern, Blauraken, Nebelkrähen und sehr zahl- 
reich Grauammern. Die Blauraken befinden sich offenbar auf 
_ dem Zuge, wahrscheinlich auch die Mehrzahl der Thurmfalken. 

Y Im Vorüberfahren werden denn auch noch eine Anzahl ver- 
 schiedener Vögel für die Sammlung erlegt. Nach fünfstündiger, 
_ obwohl rascher Fahrt durch das fruchtbare Land erreichen wir 
mit der Dunkelheit und hart vor Ausbruch eines heftigen Ge- 
_ witters wiederum unser Schiff. 

Trübe und regnerisch ist der folgende Tag, ungünstig zum 
Jagen und zum Beobachten. Wir verweilen daher nur am Morgen 
in den Wäldern und brechen schon um die Mittagszeit zur Weiter- 
reise auf, Das Gepräge der Landschaft verändert sich nicht we- 


10 Kronprinz Rudolf, E. v. Homeyer u. Brehm: 


sentlich. Die Ufer sind eintönig, jedoch nicht reizlos. Die ver- 
schiedenen Weiden und Pappeln, jetzt ausnahmslos im frischen 
Frühlingsgrüne, zum grössten Theile auch noch im Schmucke ihrer 
Blüthenkätzchen, mögen im Sommer wohl sehr einförmig sein, 
bieten aber gegenwärtig noch so viel Abwechselung der Färbung, 
dass die Wälder hier und da geradezu bunt erscheinen. Wenn aber 
des Nachmittags, wie zur Zeit fast die Regel, wiederum ein Ge- | 
witter aufsteigt, der Himmel dunkelt, die düsteren Wolken sich 
schichten, bieten Luft und Wald und Strom ein geradezu gross- 
artiges, obschon mehr erhabenes als schönes Landschaftsbild. 
Auffallend ist die Oede und Vogelarmuth der ungeheuren Wasser- 1 
flächen. Keine Möve, keine Seeschwalbe, nur wenige Enten 
zeigen sich auf dem Strome; blos der unvermeidliche Milan, 
welcher über allen Wäldern schwebt, und dann und wann ein See- 
adler, ein Reiher, vielleicht auch ein Flug Nachtreiher ziehen 
in hoher Luft vorüber: von dem reichen Vogelleben aber, wie wir 
es uns geträumt, bemerken wir nichts. 

Wir landen in später Abendstunde bei Gombosch und fahren 
am Morgen des 28. April bis zu dem Dorfe Czerevitz, von 
welchem aus wir bis zum 2. Mai die herrliche Fruszka Gora durch- 
streifen. Graf Rudolf Chotek empfängt und begrüsst uns zu- | 
gleich im Namen seines Bruders Otto, des Grundherrn und be- 
ziehentlich Pächters unseres Jagd- und Beobachtungsgebietes, und 
seine Anordnungen sind so umsichtig getroffen, seine Aufmerksam- 
keit, Liebenswürdigkeit und Zuvorkommenheit so unerschöpflich, 
seine Kenntnisse des Landes, der Leute und der Thierwelt so tief- 
gehende, dass die in der Fruszka Gora verlebten Tage zu den 
schönsten der ganzen Reise werden. Führer, Wagen und Reitpferde 
stehen bereit, uns in die Berge zu führen. Wir brechen daher auf, 
sobald die sonntäglichen Pflichten dies gestatten, und wenden uns 
den grünen Wäldern zu. 

Die Gegend, welche wir durchfahren, um zu den von Graf 
Chotek’s Leuten erkundeten Horsten des Kuttengeiers (Vultur 
cinereus) zu gelaugen, ist sehr anmuthig. In der Nähe des Dorfes 
breiten sich Felder aus, über denselben an den Höhen vor dem 
Walde Weinberge, dahinter in den Schluchten des Gebirges grosse | 
Obst-, namentlich Pflaumengärten, deren Ertrag ein bedeutender 
sein soll. Die Wege führen hier vielfach in und neben den kleinen 
Wasserläufen und bilden tiefe Einschnitte in das hügelige Land, 
oder folgen diesen Einschnitten. Die Hänge an den Wegen sind 


Se Sei ei nee 


Zwölf Frühlingstage an der mittleren Donau. 11 


vielfach mit dichtem Gebüsch bekleidet, darunter prächtig blühende 
Cidonien (Crdonia vulgaris), Flieder (Syringa vulgaris) und Zwerg- 
kirschen (Prunus chamaecerasus.). 

Der Pflanzenwuchs am und im Walde ist herrlich und soll 
in späterer Jahreszeit von unbeschreiblicher Pracht sein. In der 
That, er muss schön sein; denn er zieht den berühmten Botaniker 
Erzbischof Heynald fast jährlich herbei, und auch der einfache 
Waldläufer wusste davon zu erzählen. Von der ersten Höhe 
aus bietet sich ein prachtvoller Anblick des Stromes und seiner 
Arme, der Auwaldungen und der weiten Ebene. Bald aber ver- 
schwinden Strom und Dörfer, und ein stilles Waldthal nimmt uns 
auf. Steil fallen von beiden Seiten die Bergwände zu ihm ab; zwar 
nicht hoher, aber dichter Wald deckt sie wie die Höhe der Berge. 
Weiss- und Rothbuchen, Linden (Tilia pannonica, parvifolia und 
grandifola, vorzüglich aber Eichen (Quercus pendula, robur und 
cerris), mehrere Ahorn, Ulmen und Frasinus ornus bilden den 
Hauptbestand; niedere dichte Gebüsche umsäumen überall die 
Ränder, und hundert Nachtigallenkehlen schmettern uns aus ihnen 
Willkommengrüsse entgegen. Augen und Ohren in gleicher Weise 
erlabend, streben wir dem vor uns liegenden Höhenrücken des Ge- 
birges zu. Die Fruszka Gora ist ein Zweig der carnischen Alpen, 
wesentlich aus Kalkstein bestehend, doch mit Sandstein untermischt. 
Die Abhänge erhalten dadurch ein gelbröthliches Ansehen, was 
jedoch ihrer Fruchtbarkeit keinen Abbruch thut. 

Je tiefer wir in die Berge eindringen, umsomehr befriedigen 
sie uns. Die Fruszka Gora ist ein Waldgebirge der köstlichsten 
Art. Nicht oft lohnen weite Blicke den Wanderer, welcher ihre 
Gipfel erklimmt, aber heimliches Waldesdunkel umgiebt ihn. Die 
höchsten Punkte steigen bis ungefähr 900 Meter Seehöhe auf und 
bilden mit flach eingesenkten Sätteln dazwischen einen Kamm, welcher 
wesentlich in östlich-westlicher Richtung verläuft, aber nach Osten 
wie nach Süden hin mehr oder weniger steil abspringende niedere 
Ketten entsendet, welche, von irgend einer der Höhen aus be- 
trachtet, einen entzückenden Anblick gewähren. Klettert man an 
einer dieser Wände -aufwärts, so gelangt man oft an Stellen des 
Waldes, denen die Axt bisher fremd geblieben, weil jene die Ab- 
fuhr gefällten Holzes kaum gestatten. Auf solchen Stellen fesselt 
urwüchsige Waldespracht Herz und Sinn. Riesenhafte Buchen, 
glattstämmig bis zum mächtigen Wipfel, erheben sich aus moderndem 
Laube und Geniste, in welches der Fuss des Wanderers einbricht 


12 Kronprinz Rudolf, E. v. Homeyer u. Brehm: 


bis zum Knie; knorrige Eichen recken ihre dürren zackigen 
Wipfeläste in die Luft, als ob sie einen der gewaltigen Raub- 
vögel einladen wollten, auf ihnen den Horst zu erbauen; hohe | 
Linden bilden auf Strecken hin ein so geschlossenes Blätterdach, ' 
dass der Sonnenstrahl nur als vielfach gebrochener Widerschein 
zum Boden herabzittert. Wenn nun auch hier, wenigstens um 
die jetzige Zeit, das Vogelleben nicht so reichartig ist, als es 
wohl sein könnte, fehlt es doch nicht an Sang und Klang. Edel- 
fink und Singdrossel, Amsel und Rothkehlcehen füllen 
den Wald mit frischem Schlage und melodischem Liede; der Kukuk 
ruft seinen Frühlingsgruss von Berg zu Berge, der Grünspecht 
seinen schallenden Paarungslaut aus der Tiefe einsamer Schluchten ' 
herauf, der erst jüngst eingetroffene Pirol flötet sein einfaches ' 
und doch so wohltönendes Frühlingslied; Ringel- und Hohl- 
taube rucksen um die Wette; der Waldlaubsänger schwirrt ' 
seine Strophe ab; Kleiber und Meisen lassen sich ver- 
nehmen: ganz besonders aber belebt die Fruszka Gora die in ihr 
überaus häufige Nachtigall, welche in der Tiefe, aber auch auf 
der Höhe zusagende Wohnplätze findet und um die jetzige Zeit in 
vollem Feuer schlägt vom frühesten Morgen an bis zum späten 
Abende. Mehr als zu hören, giebt es zu sehen. In der Fruszka | 
Gora brütet eine viel grössere Anzahl von Geiern und Adlern, als 
man erwarten kann, wenn man von der Donau aus einen und den 
anderen der stolzen Vögel in ungemessener Höhe seine Kreise 
ziehen sieht. Schon der erste Jagdtag lieferte zwei Kuttengeier | 
und einen Gänsegeier (Vultur cinereus und fulvus), die nächst- 
folgenden steigerten die Anzahl der erlegten Kuttengeier auf sieben 
und bereicherten die Sammlung durch Kaiser-, Schrei- und 
Zwergadler, sowie andere, jedem Jäger und Sammler willkommene 
Beutestücke. Allmorgentlich ziehen wir mit berechtigten Hoffnungen 
hinaus in die schönen Wälder; allabendlich kehren wir befriedigt 
zurück. Wenn aber der letzte Sonnenstrahl verglommen, sammelt 
sich um das uns zum gemüthlichen Heim gewordene Schiff der ' 
jüngere Theil der serbischen Bewohner von Czerevitz. Geige und | 
Dudelsack einigen sich zu wundersamer, obgleich überaus einfacher 
Weise, und Burschen und Mädchen schwingen sich, zu eigener 
Lust und uns zu Ehren, im volksthümlichen, ebenmässig wogenden ei 
Reigen. E 
Das rechte Donauufer in der Nähe von Czerevitz fällt hier ' 
und da steilwandig zum Strome ab und zeigt an allen geeigneten 


Zwölf Frühlingstage an der mittleren Donau. 13 


"Stellen die Brutlöeher des Bienenfressers neben denen der 
"Uferschwalbe. Aber vergebens spähen wir nach erstgenanntem 
Vogel, von dem Jedermann uns sagt, dass er hier häufig vorkommt. 
eine Zeit ist noch richt erschienen; die Ankunft mag vielleicht 
‚in ‚einer Woche erfolgen. Dagegen Döherberkt eine steile Wand, 
wie sie der Bienenfresser liebt, einen Brutvogel, welchen wohl 
2 ca hier erwartet haben möchte, den Uhu, dessen Horst dem 
‚Erzherzoge angezeigt wird und zu eludcheher Jagd Gelegenheit 
bietet. Weiter vom Strome ab, auf den Feldern und Weinbergen, 
N hat der Steinröthel seinen Stand genommen; auf den die Felder 
 durchziehenden Wegen treiben sich Haubenlerchen umher; die 
inzelstehenden Obstbäume gewähren der theils jüngst ange- 
"kommenen, theils noch auf dem Zuge befindlichen Turteltaube 
erwünschten Aufenthalt; die Gärten am Dorfe und alle Gebüsche 
-schallen wieder von dem Rufe des Pirols und dem Klappern des 


eben und in a Weidendickicht übergehen, vernehmen wir 
"immer und überall den Schlag der Nachtigall, nicht aber den 
des Sprossers. 

3 Am Nachmittage des 2. Mai setzen wir auf das linke Ufer 
(des Stromes über ‚ landen am oberen Ende der ziemlich grossen, 
"echt ungarischen Stadt Futtak, besteigen bereitstehende, vor- 
"züglich bespannte Wagen und en uns, wie immer verschiedene 
"Wege einschlagend, nach benachbarten Wäldern, um die dort er- 


Er die Gegend en in welcher wir uns befinden. In ideni 
Valdungen horsten Kaiser-, Schrei- und Zwergadler, 
Pate und Milane un vielleicht manch’ anderer Raub- 


B er und Brehm inlen: ein Paar Wespenbussarde, 
‘von denen keiner der Jäger etwas weiss, ihren schönen Flugreigen 
auf. Mit reicher Beute beladen kehren Erzherzog Rudolf und 
Prinz Leopold nach der gewöhnlichen Landungsstelle der Dampf- 
Schiffe zurück, an welcher inzwischen unsere schwimmende Woh- 
Mung angelangt ist. Mit warmem Danke und aller Befriedigung 


EEE 


14 Kronprinz Rudolf, E. v. Homeyer u. Brehm: 


scheiden wir von Graf Rudolf Chotek, dessen vorzügliche An- 
ordnungen unvergessliche Tage geschaffen haben, dessen herzge- 
winnende Persönlichkeit uns Allen lieb geworden war. Aber auch 


Graf Chotek darf mit Genugthuung auf die Jagdtage zurückblicken; 


war es doch seinen echt waidmännischen Anordnungen gelungen, 
nicht allein seinen allerhöchsten Gästen, sondern uns Allen die 
vollste Befriedigung in Ausübung seltener Jagden zu verschaffen, 
auch uns Gelegenheit zu geben, unserer Wissenschaft zu dienen. 
Unter lauten Hochrufen verlässt unser Dampfschiff die Lan- 
dungsstelle von Futtak. Grüsse von beiden Seiten, gleich herzlich 
gespendet, fliegen herüber und hinüber; dann entschwinden Menschen, 
Häuser und Thürme der Ortschaft unseren Blicken, nur noch die 


herrliche Fruszka Gora bleibt in Sicht: Nach ungefähr drei- 


viertelstündiger Fahrt erreichen wir Peterwardein, die kleine, 
jetzt veraltete, aber schmucke und hübsche, malerisch und wohl 
gewählt gelegene Festung. Dann gehen wir in der Nähe von 
Karlowitz vor Anker. 

In der Frühe des Morgens fahren wir am 3. Mai bis zu der 
an einem schmalen Arme der Donau gelegenen Ortschaft Kovil. 
In der Nachbarschaft dieses grossen Dorfes liegen rings von Fel- 
dern umgebene Waldungen gemischten Bestandes mit sehr dichtem 
Unterholze, worin noch Wolf und Wildkatze hausen trotz, der 
vielen und grossen Ortschaften ringsum. In diesen Waldungen 
befinden sich Horste des See-, Kaiser-, Schrei- und Zwerg- 
adlers, beider Milane, des Habichts, Sperbers, Thurm- 
falken, des Uhu und anderer Raubvögel mehr, und ausserdem 


sind sie reich bevölkert mit vielen kleinen Vögeln, von der Taube 


an bis zum Zaunkönige herab. 


Während Kronprinz Rudolf und Prinz Leopold der Adler- 
jagd obliegen und reicher Beute sich erfreuen, schwimmen Ho- 


meyer und Brehm in kleinen Czickeln einem oberhalb der Ort- 
schaft liegenden, durch das gegenwärtig herrschende Hochwasser 


zum weiten See gewandelten Sumpfe zu. In ihm herrscht, obwohl nur 


der geringste Theil seiner Bevölkerung eingetroffen, der Zug vielmehr 


noch in vollem Gange ist, bereits Leben. Zahlreiche Flüge von 
Trauerseeschwalben (Serna nigra) ziehen, der Donau folgend, 


nach Norden, Hunderte von Sichlern, noch zu grossen Flügen 
geschaart, und jeder dieser Flüge gewöhnlich ein einziges Dreieck 
bildend, wandern, offenbar Brutplätze aufsuchend, hin und her; 
Fisch-, Purpur- und Rallenreiher stehen einzeln oder in 


Zwölf Frühlingstage an der mittleren Donau. 15 


kleinen Gruppen auf ihnen zugänglichen Stellen des Sumpfes; viele 
Stock- und Knäckenten halten sich paarweise auf; Rohr- 
weihen tragen in den Fängen lange Rohrstengel zum schwimmenden 
Horste; Steissfüsse und Wasserhühner zeigen sich. Ein 
Förster empfängt uns in einem rings von der Ueberschwemmung um- 
gebenen kleinen Hause und wird uns zum Führer in einem Walde, 
welchen wir zum grossen Theile mit dem Kahne durchfahren müssen, 
da der Hochstand des Flusses alle Auwaldungen bis an den Deich 
unter Wasser gesetzt hat. Auf dieser Fahrt kommen wir an mehren 
brütenden Stockenten, welche ihr Nest auf alten Kopfweiden ge- 
baut hatten, vorüber, so nahe, dass die ausgestreckte Hand die 
Vögel hätte erreichen können. Ohrensteissfüsse, welche auf 
unserer Strasse fischten, schwimmen bei unserem Kommen seit- 
- wärts in’s grüne Dickicht der tief im Wasser stehenden Weiden; 
 Bachstelzen laufen und fliegen, Kerbthiere fangend, von einem 
Treibholzstücke zum andern; Buntspecht und Kleiber hängen 
‚sich dicht über der Wasserfläche an die Stämme oder klettern bis 
zu ihr herab, um in gewohnter Weise ihrer Nahrung nachgehen 
zu können. Ein Bild aus dem Vogelleben verdrängt das andere; 
jedes aber erscheint ungewöhnlich, denn es ist durch die obwaltenden 
Verhältnisse mehr oder weniger verändert. Um zu einem See- 
adlerhorste zu gelangen, müssen wir erst eine weite Strecke durch 
das Wasser und den jetzt zum Sumpfe gewandelten Auwald wandern, 
um einen Kolkrabenhorst zu besuchen, einen weiten Umweg nehmen. 
An regelrechtes Jagen ist unter solchen Umständen kaum zu 
denken; immerhin aber fällt so reiche Beute in unsere Hände, dass 
der Ausflug auch jagdlich lohnt. Besonders beglückt ist Brehm, 

_ weil er über einer breiten Wassertrasse ein im Bau begriffenes 
Nest der Beutelmeise entdeckt und, später zu ihm zurück- 
- kehrend, auch eine dieser Meisen erlegt. Der heutige Tag hat 
auch darum ein besonderes Interesse, als in der Vogelwelt ein be- 
-sonderes Leben herrscht; denn wie auf Verabredung ziehen die 
_ verschiedensten Vögel. Recht auffällig zeigte sich dies bei Stern« 
nigra. Am Morgen des Tages kamen Brehm und Homeyer an 
2 einem noch schwach besetzten Brutplatz vorüber, am Nachmittage 
bei strömendem Gewitterregen waren die Seeschwalben nicht allein 
in grosser Zahl angelangt, sondern griffen auch die Jäger auf eine 
Weise an, welche deutlich zeigte, dass sie sich am Brutplatze befanden. 
Der 4. Mai versammelt die ganze Jagdgesellschaft in einem 

- der geschilderten Feldgehölze, welches von den umwohnenden 


16 Kronprinz Rudolf, E. v. Homeyer u. Brehm: 


Bauern abgetrieben wird, in der Hoffnung, dass einer der hier 
hausenden Wölfe zu Schuss gebracht werden könne. Die Wolfs- 
jagd liefert wie gewöhnlich kein Ergebniss und wird deshalb bald 
abgebrochen, um die wenige noch übrige Zeit lohnender Beobach- 
tung der Vogelwelt des Waldes zu widmen. In der That war dieser 


Wald vorzugsweise belebt, und wenn nicht die kleine Vogelwelt 


noch reicher vertreten war, so liegt der Grund wohl in der grossen 


Menge von Feinden, welche dieselbe überall in Ungarn und auch 


hier hat. Abgesehen von Wolf, Fuchs und den marderartigen Raub- 
thieren, ist die Anzahl der dort hausenden Raubvögel eine ausser- 
ordentlich grosse, und es kann daher nicht verwundern, dass bei 
so vielen Feinden die Anzahl der kleinen Vögel nicht im Verhält- 
nisse steht zu dem schönen Walde mit alten Bäumen und dichtem 
Unterholze auf dem fruchtbarsten Boden, umgeben von weiten 
Feldern, eine Vereinigung von Lebensbedingungen, wie sie kaum 
geeigneter sein kann. Gegen sechs Uhr Abends verlassen wir Kovil 
und wenden den Bug des Schiffes wieder stromaufwärts. Nach 


Sonnenuntergang erreichen wir Peterwardein; im Laufe der Nacht 


fahren wir an Futtak und Czerevitz vorüber; gegen Morgen landen 


wir in der Nähe des grossen Rohrsumpfes Hulo, in der Herrschaft 
Bellye, um auch ihm noch flüchtig einen Besuch abzustatten. Doch 
ist ein tieferes Eindringen in den Sumpf, trotz des hohen Wasser- 
standes, in der kurz gemessenen Zeit nicht möglich. Das alte 


noch stehende Rohr hat eine Höhe von über fünf Meter und ver- 
hältnissmässige Stärke, und die leichten Kähne können nur zoll- 


weise fortbewegt werden, zumal unsere Ankunft unerwartet und 


die Ausrüstung der Kähne nicht auf den zeitweiligen hohen Wasser- 
stand eingerichtet war. Wir müssen uns begnügen, den herrlichen 
Edelreiher, nach dem wir vor Allem verlangt haben, in weiter 
Ferne auf- und niederfliegen zu sehen. Eine Graugans (Anser 


cinereus), welche Erzherzog Rudolf erlegt, und deren Eier, welche 
er dem Neste entnimmt, ein Purpurreiher und ein schöner Baum- 


falk bilden die unseren verwöhnten Augen spärliche Jagdbeute. 


Noch im Laufe des Vormittags setzen wir die Fahrt fort und 


gelangen am anderen Morgen nach Pest, früh genug, um den 


Schnellzug benutzen zu können. Am 6. Mai Nachmittags erreichen 
wir, dankbar der letztverflossenen Tage gedenkend und gleichwohl 


ihre Kürze beklagend, Wien, den Ausgangspunkt unserer Reise. !) 


yA nmerkung. Bei Gelegenheit dieser — wenn auch kurzen — Reise 


ınusste es uns auffallen, dass die Zugzeit vieler Vögel für die elimatischen 


Mn Wen a RER Pr Kr AA EEE : 


Zwölf Frühlingstage an der mittleren Donau. 17 


Verzeichniss der erlegten und beobachteten Vögel. 


1. Vultur einereus, Kuttengeier. 

Der Kuttengeier ist Standvogel in der Fruszka Gora, unter- 
nimmt im Herbste und Winter aber weite Streifzüge durch’s Land 
und erscheint bei dieser Gelegenheit nicht allzu selten auch in 
ÖOberungarn, so, nach Beobachtung Erzherzog Rudolf’s, allherbst- 
lich regelmässig in der Nähe des kaiserlichen Lustschlosses Gö- 
döllö. Nach vollkommen verlässlichen Aussagen des Forstmeisters 
Dittrich wird der Vogel bei jeder Viehseuche in Nord-Ungarn 
bemerkt, und zwar erscheint er bereits beim Beginne des Ster- 
bens. Die ungarischen Bauern haben die Unart, gestorbenes Vieh 


Verhältnisse des Landes ungemein spät eintrat; bei manchen Arten nicht 
‚oder unwesentlich früher, als in Norddeutschland, während doch Syrmien 
"eine mittlere Temperatur von 9° R., beziehentlich 10° hat, also ähnliche 
- Wärmegrade, wie der grösste Theil der europäischen Türkei, Griechenlands, 
-Dalmatiens, Nord-Italiens und Südfrankreichs. Die Verschiedenheit in der 
"Ankunft der Vögel in den eben genannten Ländern und Syrmien ist aber 
‚eine sehr grosse. Bei den Wasservögeln liessen sich manche Erscheinungen 

durch den sehr hohen Wasserstand, der oft (auch in diesem Jahr), ja viel- 

‚leicht gewöhnlich, Ende April und Anfang Mai eintritt, erklären, bei den 
Landvögeln jedoch — mit Ausnahme der Bewohner der Flussniederungen — 
reicht diese Erklärung nicht aus. So sahen wir in den ersten Tagen des Mai 

die Würger (Lanzius minor und L. collurio) ankommen, auch Sylvia cinerea 

zuerst in den letzten Apriltagen, zu einer Zeit, wo in früheren Jahren die- 
selben Vögel auch in Norddeutschland eintrafen. 
| Auch die Brütezeit mancher Raubvögel ist im südlichen Ungarn nur 
‚um Weniges früher, als in Norddeutschland, z. B. beim Seeadler, der da- 
‚selbst in den ersten Tagen des April, oft schon im März Eier hat, während 
in Ungarn manche Horste gegen Ende April noch kleine Junge hatten. 

Der Schlangenadler jedoch brütete bereits am 26. April, während dies in 
"Norddeutschland drei Wochen später stattfindet. Auch die Wachtel soll 
nach Aussage zuverlässiger Leute in diesem Jahre bereits Mitte April ge- 
‚hört sein. 

Das von Brehm beobachtete Hin- und Herziehen mancher Vögel, nament- 

‚lich der Ibisse, am 3. Mai, steht wohl unzweifelhaft mit dem Hochwasser 
in den Sümpfen in Verbindung, indem die gewohnten Brutplätze ihnen 
unzugänglich geworden waren. Nur auf dem von Winterstürmen gebroche- 
nen und zusammengetriebenen alten Rohr konnten die Vögel in den Sümpfen 
"Ruheplätze finden, denn das Wasser stand etwa zwei Meter hoch. Natür- 
lich war das junge Rohr noch vom Hochwasser bedeckt, und auch dies trug 
"wesentlich zu der Vogelarmuth in den Sümpfen bei. Recht auffällig zeigte 
‚sich dies auf der Bootsfahrt am 3. Mai, wo sich auf den an der Donau 
gelegenen Sümpfen auch nicht ein Rohrsänger hören liess, während hinter 
‘dem Deiche in einem ziemlich trockenen Sumpfe einer neben dem andern 
aus voller Kehle sein knarrendes Lied sang. (Calamoherpe turdina.) 

1 Cab. Journ. f. Ornith. XXVII. Jahrg. No. 145. Januar 1879. 2 


18 Kronprinz Rudolf, E. v. Homeyer u. Brehm: 


ausserhalb der Dörfer auf das freie Feld zu werfen und in den 
meisten Fällen gar nicht oder doch nur höchst liederlich zu ver- 
graben. So reichliche Nahrung nun, wie eine Viehseuche sie bietet, 
lockt die Geier herbei. Vor mehreren Jahren geschah es, dass 
ein Jäger am Rande eines Waldes nicht weniger als zwölf 
Kuttengeier um Aas versammelt fand. Auch als im vorigen, Jahre, 
im Monat September, eine unbedeutende, auf ein Dorf beschränkte 
Viehseuche ausbrach, erschienen die Geier in grösserer Anzahl, 
so dass ein anderer Jäger in der Nähe des Dorfes ihrer fünf, auf 
alten, dürren Eichen sitzend, erblickte. Hierdurch dürfte bewiesen 
sein, dass ausser der Brutzeit fort und fort Kuttengeier auch 
durch das ganze nördliche Ungarn streichen. Wahrscheinlich ziehen 
sie, durchaus entsprechend den von Brehm in Afrika gesammelten 
Beobachtungen, in so bedeutender Höhe dahin, dass sie für 
gewöhnlich nicht bemerkt werden. Ihr für uns fast unbegreif- 
lich scharfes Auge lässt sie die zufällig sich ihnen bietende 
Nahrung entdecken, einer zieht dem anderen nach, und so er- | 
scheinen sie für uns überraschend und plötzlich in Gegenden, 
welche wahrscheinlich noch innerhalb ihres Jagdgebietes liegen. Die 
grosse Mehrzahl aller in der Fruszka Gora horstenden Kuttengeier 
verweilt jedoch jahraus jahrein annähernd in demselben Gebiete, 

als dessen Mittelpunkt wahrscheinlich der Horst angesehen werden 
muss. Dass letzterer lange Zeit hindurch alljährlich benutzt wird, 
hat Graf Chotek mehrfach beobachtet. Im Winter schaaren sich 
die Kuttengeier des Gebirges zu stärkeren Flügen als im Sommer | 
und es kann dann geschehen, dass man zuweilen ihrer zwanzig bis | 
dreissig vereinigt sieht; namentlich erfolgt eine bedeutende Zusammen- | 
rottung dann, wenn ein Thier ausgelegt wird, um Wölfe anzukirren. 

Aus gleicher Ursache versammeln sich nach unseren Beobachtungen | 
alle in der Umgegend befindlichen Kuttengeier auch im Sommer. | 
So sah Brehm an einem Morgen mindestens ihrer fünfzehn in der 
Nähe der altgewohnten Luderstätte auf freie Umschau gewährenden | 
Bäumen sitzen und in mehr oder minder bedeutender Höhe über | 
dem Platze schweben. Zu lebhaftem Bedauern des Jagdherrn ' 
Chotek, welcher sie mit Recht als nützliche Vögel betrachtet und | 
ihnen Schutz angedeihen lässt, verlieren im Winter nieht wenige | 
dadurch ihr Leben, dass sie von vergiftetem, für die Wölfe ausge- | 
legtem Fleische fressen, trotzdem man die Vorsicht gebraucht, | 
den für die Wölfe bestimmten Köder stets unter niedrigen, mit | 
Brettern bedeckten Gerüsten auszuwerfen. Ein grösseres Thier wird | 


Zwölf Frühlingstage an der mittleren Donau. 19 


‘den Geiern dann immer zum Festschmause, weil sie sich oft 
kümmerlich behelfen müssen. In den Kröpfen der von uns er- 
legten fanden wir unter anderm die Reste von Zieseln und Eidechsen. 
Solche Thiere mögen es sein, welche ihnen zeitweilig ausschliesslich 
zur Nahrung dienen müssen. Da man nun aber nur höchst selten 
einen ausserhalb seiner Höhle verendeten Ziesel oder eine todte 
Eidechse findet, lässt sich annehmen, dass die südungarischen 
‚Hirten nicht mit Unrecht die Kuttengeier als Vögel bezeichnen, 
welche keineswegs blos vom Aase leben, sondern gelegentlich auf 
lebendes Wild jagen. Hiermit steht eine von Reinhold Brehm 
in Spanien gemachte Beobachtung (Brehm’s Thierleben, zweite Auflage, 
‘Band V, Seite 40) und eine von Heuglin (Ornithologie Nordost- 
afrikas, Seite 11 und 12) gegebene Mittheilung vollständig im 
Einklange. 

- Das tägliche Leben des Kuttengeiers verläuft auch in der 
Fruszka Gora in sehr regelmässiger Weise. Da in diesem Gebirge 
nacktes Felsgestein äusserst selten und blos broekenweise zu Tage 
tritt, schlafen alle grösseren Raubvögel nur auf Bäumen, und zwar 
wählen sich, nach Aussage der dortigen Förster und Waldläufer, 
die Kuttengeier nicht etwa wipfeldürre Bäume zu ihren nächtlichen 
Eihesitzen, sondern regelmässig solche, welche im dichteren Be- 
'stande stehen und blos ihrer sperrigen Aeste halber vor anderen 
bevorzugt werden. Ein solcher Baum, welchen Brehm besuchte, 
schien auch jetzt noch als Schlafstelle benutzt zu werden; denn der 
Boden ringsum war unter allen passenden Sitzstellen bedeckt mit 
einer Kothkruste, deren Ausdehnung und Dicke bestimmt auf re- 
gelmässiges und längeres Verweilen vieler Geier hinwies. Vom 
‚Schlafplatze aus treten die Vögel etwa in der achten Morgenstunde 
ihre Streifzüge an, schrauben sich zunächst kreisend zu sehr be- 
deutender Höhe über das Gebirge empor und ziehen dann nach 
allen Richtungen der Windrose durch das Land, erscheinen daher 
auch sehr regelmässig über den Dörfern am Donauufer und über 
den Auwaldungen. Haben sie früh am Tage Beute gewonnen, und 
Sind sie noch nicht durch die Ernährung ihrer Jungen in Anspruch 
genommen, so versammeln sie sich in den Nachmittagsstunden gern 
auf unbewaldeten Stellen des Gebirges, auf weichem einige ver- 
witterte Felsblöcke erwünschte Ruhesitze gewähren. Hier sahen 
Homeyer und Brehm eines Nachmittags nicht weniger als zehn 
von ihnen auf den Felsen wie auf dem Boden sitzen, träger Ruhe 


sich hingebend. In den späteren Nachmittagsstunden trennen sich 
n DES 


20 Kronprinz Rudolf, E. v. Homeyer u. Brehm: 


die versammelten, um einen zweiten Jagdzug anzutreten; schon 
vor Sonnenuntergang aber finden sie sich auf den Schlafplätzen 
ein. Anders gestalten sich die Verhältnisse, wenn die Kuttengeier 
von dem Vorhandensein eines Aases Kunde erlangt haben. Als 
Graf Chotek in der Nähe seiner Schiesshütte ein Pferd auslegen 
liess, um in den nächsten Tagen Kuttengeier herbeizulocken, unter- 
liessen diese, obgleich sie nicht zu dem verdeckten Thiere gelangen 
konnten, ihre gewohnten Ausflüge und sassen schon am frühen 
Morgen, mit Gänsegeiern gemischt, Jungernd auf den nächsten Hoch- 
bäumen an den Gehängen. Obwohl weder gegen drückende Hitze 
noch gegen bedeutende Kälte besonders empfindlich, bekunden sie 
doch durch ihr Benehmen, dass ihnen die erste widerwärtig ist. 
Im Winter sitzen sie, nach den uns gewordenen Mittheilungen, oft 
stundenlang mit gesträubtem Gefieder auf einer und derselben Stelle, 
kreisen jedoch nach den Beobachtungen von Sintenis bei einer 
Kälte von über 20° R. hoch und anhaltend; aber an sehr heissen 
Sommertagen suchen sie an schattigen Waldesdiekiehten Kühlung. 
Zu diesem Zwecke lassen sie sich auf einem Fahrwege, welcher 
ihnen den Niederflug erleichtert oder ermöglicht, zum Boden herab, 
trippeln vom Wege aus dem Dickichte zu, zwängen sich mit knapp 
angelegten Flügeln zwischen den Stämmchen der Bäume hindurch, 
kriechen förmlich unter den niedersten Aesten weg und gerathen 
unter Umständen derart in die Klemme, dass sie angesichts eines’ 
sie überraschenden pürschenden Jägers nicht im Stande sind, ihre‘ 
Flügel zu breiten, und mit den Händen ergriffen werden können. 
Geht eine solche Gefahr glücklich an ihnen vorüber, so suchen sie 
mit Eintritt der Kühlung auf demselben Wege, wie sie gekommen, 
die Fahrstrasse wieder auf, nehmen, wie üblich, ihren Anlauf und’ 
erheben sich dann ohne weitere Schwierigkeit, obgleich sie die, 
Zweige rechts und links mit den Spitzen ihrer Schwingen streifen.’ 

In der Fruszka Gora schreitet der Kuttengeier nicht vor dem 
Ende des März zur Fortpflanzung; denn noch in den ersten Tagen 
des Mai sassen auf allen Horsten, welche wir besuchten, die Weibchen 
brütend auf den Eiern. Der Horst wird selbstverständlich alljähr- 
lich etwas aufgebessert und nimmt infolge dessen im Laufe der’ 
Jahre allmählich an Grösse zu, ist aber kein so ungeheurer Bau, 
als man von vornherein annehmen möchte. Hier steht er unter 


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Zwölf Frühlingstage an der mittleren Donau. 21 


scheint zu sein, dass der zu erwählende Horstbaum mehrere breit 
ausgeleste Wipfeläste und mindestens einige dürre Zacken hat. 
Auf ersteren und ausnahmsweise nur auf Nebenästen der Krone steht 
der Horst, gewöhnlich so, dass er von eben nicht eingesehen und 
selbst von unten nicht ohne weiteres wahrgenommen werden kann. 
Einer, welchen Erzherzog Rudolf und Brehm besuchten, war 
von unten recht gut sichtbar, aber durch aufgeschossene junge 
Zweige ringsum so verhüllt, dass der brütende Vogel von keiner 
Seite aus bemerkt werden konnte. Freilich hat jeder Horst immerhin 
einen so bedeutenden Durchmesser, dass selbst ein brütender Geier 
durch die Ränder ringsum vollständig gedeckt wird. Die Bau- 
stoffe bestehen aus verschieden starken, jedoch nicht allzu dicken 
"Prügeln, Aesten und Zweigen. Die Mulde ist, nach Aussage der 
Steiger, sehr flach und kaum regeimässig ausgekleidet. Nach den 
Beobachtungen Erzherzog Rudolf’s, welcher Männchen und 
Weibchen am Horste sich abwechseln sah, brüten beide Ge- 
schlechter; jedoch waren die meisten Kuttengeier, welche wir vom 
Horste trieben und dabei erlegten, Weibchen. Während letztere 
brüten, sitzen die Männchen oft stundenlang neben, beziehentlich 
schief über ihnen, auf einem der erwähnten dürren Zacken. Das 
Weibchen sitzt ziemlich fest im Horste, lässt sich jedoch regel- 
mässig durch Anklopfen vertreiben. Ehe es die Schwingen breitet, 
erhebt es sich auf seine Ständer, schreitet bis zum Horstrande 
vor und wirft sich nunmehr von diesem aus mit einem Sprunge 
in die Luft, gleichzeitig die Flügel breitend, schwebt fast ohne 
Flügelschlag sausend nieder, gewinnt schon, nachdem es wenige 
Meter zurückgelegt, so viel Höhe, dass es über die Spitzen der 
nächsten Bäume hinwegstreicht, wendet sich, sobald es ausser 
Gefahr zu sein glaubt, und beginnt nunmehr zu kreisen. War es 
‚noch nicht oft gestört worden, so kehrt es schon nach kurzer Zeit, 
‚gewöhnlich im Verlaufe weniger Minuten, zum Horste zurück, 
bäumt auf einem benachbarten Aste, springt von ihm aus auf den 
"Horst, nimmt die zum Abfliegen bequemste Richtung an und lässt 
‘sich wieder zum Brüten nieder. Kreist es aus irgend einem Grunde 
längere Zeit, so findet sich in der Regel auch das Männchen ein; 
"beide fliegen dann in Schraubenlinien über dem Horste umher, 
äugen nach unten herab und fallen endlich gleichzeitig, schon 
"hundert Meter über den Spitzen des Horstbaumes die Fänge 
‚Jang von sich streckend, wieder auf den Horst. Zur Zeit, unserer 
-Jagden, also wohl gegen Ende der Bebrütung hin, waren die 


22 Kronprinz Rudolf, E. v. Homeyer u. Brehm: 


Weibchen so bruteifrig, dass sie selbst nach einem Fehlschusse, 
und zwar binnen nicht allzu langer Zeit, wieder am Horste er- 
schienen, infolge eines solchen Angriffes die Bebrütung jedenfalls 
nicht unterbrachen, beziehentlich das Ei nicht verliessen,. Brehm 
stellte sich am 1. Mai unter einem Horste an, welchen Erzherzog 
Rudolf bereits zwei Tage vorher besucht hatte. Auf Anklopfen 
strich das brütende Weibchen so schnell ab, dass zum sicheren 
Zielen mit der Büchse keine Zeit blieb, und jenes unbelästigt freie 
Flugbahn erreichte. Da es in den letzten Tagen zuerst durch den 
die Horste suchenden Jäger, sodann durch den Kronprinzen wieder- 
holt gestört worden war, verging ziemlich lange Zeit, bevor es 
sich wieder zeigte. Endlich fiel es auf den Horst nieder, jedoch 
so geschickt, dass es gefehlt wurde, Wiederum strich es ab, und 
nunmehr vergingen mehre Stunden, bevor es sich von neuem 
zeigte. Brehm verliert endlich die Geduld und beschliesst heim- 
zukehren, um unterwegs andere Vögel zu erlegen. Ein von ihm 
aufgefundener Baum in der Nähe, welcher als Schlafplatz dient, 
bewegt ihn, rasch einen Schirm zu errichten und unter diesem 
auf andere Kuttengeier zu lauern. Während dies geschieht, meldet 
der begleitende Waldläufer, dass das Weibchen in der Nähe des 
Horstes aufgebäumt habe. Brehm begiebt sich nunmehr zum 
Horste zurück, versucht zunächst, den Geier anzuschleichen, und 
setzt sich, nachdem letzter schon aus weiter Ferne abgeflogen, 
wiederum im Schirme unter dem Horstbaume nieder. Nach 
wenigen Minuten erscheinen beide Gatten des Paares gleichzeitig 
auf dem Horstbaume, und als das Weibchen in den Horst springt, 
empfängt es die tödtliche Kugel, bricht auch, ohne sich weiter zu 
regen, in der Horstmulde zusammen. Das Männchen fliegt weg, 


kehrt aber unmittelbar darauf wieder zurück, um zu sehen, was. 


dem Weibchen geschehen. Die auf den Schuss herbeikommenden 
Leute verscheuchen es; gleichwohl kommt es nach wenigen Minuten 
wieder und kreist über dem Horste, zu welchem währenddem ein 
Steiger emporklettert. Als dieser ungefähr dreifünftel der Horst- 


höhe erstiegen hat und auf einigen schwachen Aesten zögernd 


stehen bleibt, fällt das Männchen, weder den Steiger noch Brehm 


und seine beiden Begleiter beachtend, auf den Horstbaum und 


büsst seine Treue mit einem Schusse, welcher es schwer verwundet, 
ihm aber doch noch so viel Kräfte lässt, dass es bis in die Tiefe 
des Thales hinabfliegend dem Schützen verloren geht. 

Eine im hohen Grade bemerkenswerthe Beobachtung machte 


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Zwölf Frühlingstage an der mittleren Donau. 23 


- Erzherzog Rudolf. „Ich fand, dass zwischen Kuttengeiern und 


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Steinadlern eine ausgesprochene Feindschaft besteht, welche sich 
beim Horste des ersteren bis zu heftigen Kämpfen steigert. Bei 


- vier von mir beobachteten Geierhorsten erschienen Steinadler, 
 kreisten über den Horsten und stiessen nach den unter ängst- 


liehen Rufen herbeieilenden Geiern. Sobald sich der Adler in den 
Lüften zeigt, kehrt einer der Geier zurück und versucht durch 


seinen eigenen Körper die Brut zu decken. Gerathen die beiden 


Vögel in den Lüften zusammen, so ist es immer der Geier, welcher 
vor seinem wehrhaften Verwandten flieht. An einem Horste beob- 


- achtete ich einen Kampf, welcher eine Ausdehnung annahm, wie 


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- ich früher nicht für möglich gehalten haben würde. Ich sass in 


den Nachmittagsstunden unter einer alten Eiche, auf deren oberen 
Zweigen der Horst eines Kuttengeiers stand. Die beideu Geier 
waren einige Male unweit meines Versteckes umhergekreist und 
dann in einem Waldthale verschwunden. Wohl schon eine halbe 
Stunde mochte ich erwartend gesessen haben, als über mir lautes 
Rauschen hörbar wurde. Der Lärm nahm zu, und ich bemerkte 
einen grossen Klumpen von dicht aneinander gedrängten Flügeln, 
Köpfen und Fängen zweier Vögel, welche gegen den Horst stürzten 
und in demselben verschwanden. Staub und Aeste fielen hernieder, 
und lautes Getöse liess auf die Fortsetzung des Kampfes im Innern 
des Horstes schliessen. Nach wenigen Secunden erschien in kurzen 
Abständen der grosse Flügel des Kuttengeiers, sodann sein unbe- 


- fiederter Kopf, darauf wieder ein kleinerer Adlerflügel und endlich, 


für mich deutlich sichtbar, der Kopf und darauf ein Fuss des 
Steinadlers. Leider ging alles so rasch vor sich, dass es unmög- 
lich war, auf die mir nur auf Augenblicke sich zeigenden Körper- 
theile einen Schuss abzugeben.“ 

„Plötzlich dröhnte es im Horste, der ganze Bau wankte, und 
ein Kuttengeier fiel über den Rand heraus längs des Stammes 


_ der Eiche bis zu einem der untersten Aeste herab. Hier fing sich 
- der plumpe Vogel und strebte seine Flügel zu breiten; doch diesen 
- Moment benutzend, sandte ich ihm eine Ladung groben Schrotes 
_ mitten auf die Brust. Kaum dass der Schuss durch den Wald 
 hallte, als auch schon ein starker Steinadler leichten Fluges den 


Horst verliess. Mein zweiter, nachgesandter Schuss holte den 


-_ kühnen Räuber leider nicht herab. Ein eingeborener, kundiger 


Jäger, welcher mich begleitete, erzählte mir bald darauf, dass 
kurz vor meinen beiden Schüssen ein Kuttengeier und ein Stein- 


24 Kronprinz Rudolf, E. v. Homeyer u. Brehm: 


adler hoch in den Lüften sich verfolgt hatten, kämpfend aneinander 
gerathen waren und gegen mein Versteck sich herabgesenkt hatten.“ 

Aus dem Gefangenleben des Kuttengeiers theilte uns Graf 
Chotek folgende Thatsache mit: „Als Knabe erhielt ich von 
unserem Pfarrer zu Futtak, Dechant Werner, einen lebenden 
Kuttengeier zum Geschenk. Derselbe hatte schon beiläufig zwölf 
Jahre im Pfarrhofe gelebt und war seiner Zeit von Fischern, 
mitten in der Donau treibend, aufgefunden worden. Nach Angabe 
der Leute hatte der Geier einen grossen Fisch fangen wollen, war 
dabei in die Fluthen gefallen und unfähig geworden, mit den 
nassen Schwingen sich wieder zu erheben. Diesen Geier nahm 
ich nun von Futtak mit nach Korompa, wo er ungefähr vom An- 
fange der dreissiger Jahre bis 1859 verblieb. Um diese Zeit 
schenkte ich ihn meinem seither verstorbenen Freunde, Fürst 
Gustav Lamberg; dieser pflegte ihn zu Steier in den Gärten 
des alterthümlichen Schlosses ferner zwei Jahre, und wahrschein- 
lich würde „Hansi“ noch heute munter in die Welt blicken, wäre 
er nicht eines Tages von dem in demselben Garten freilebenden 
Edelhirsche, mit welchem er sonst auf gutem Fusse stand, todt- 
geforkelt worden. Dieser Geier war ein Weibchen, wie sich schon 
in Korompa herausstellte, indem er ein Ei legte. Im nahen Hofe 
des Schlosses, wo er sich aufhielt, oder richtiger, wo er während 
der ersten Jahre meist eingesperrt lebte, hatte sich aus dem 
Hühnerhofe ein mutterloses, dorthin gebrachtes junges Haushuhn 
ihm zugesellt. Dasselbe schlüpfte zwischen den ziemlich weiten 
Latten des Geierkäfigs nach Belieben aus und ein, ohne vom 
„Hansl“ behelligt zu werden. Im Laufe der Zeit bildete und be- 
festigte sich zwischen beiden eine so innige Freundschaft, wie 
zwischen einer Pflegemutter und einem Kinde überhaupt entstehen 
kann. Allabendlich oder bei regnerischem und kaltem Wetter 
suchte das Hühnchen den Geier auf, schmiegte sich dicht an 
dessen Leib, kroch förmlich unter dessen Flügel und liess sich 
von dem rauhen Freunde pflegen, wie ein Küchlein von der 
Henne. Die buchstäbliche Wahrheit dieser Mittheilung kann ich 
aus eigener Anschauung verbürgen, da ich beide Vögel sehr oft 
in der beschriebenen Weise zusammen gesehen habe. Was aus dem 
Huhne später wurde, weiss ich mich nicht zu erinnern; so viel 
kann ich aber versichern, dass dasselbe nicht von dem Geier ge- 
tödtet worden ist und auch, nachdem es erwachsen war, stets in 


Zwölf Frühlingstage an der mittleren Donau. 25 


dessen unmittelbarer Nähe, ja dicht an ihn angedrückt, zu 
schlafen pflegte.“ 

Maasse.!) 
| L. B. F. Schz. Schl. Fw. Mz. 
Männchen: 1065 265 75 38,5 11 12,, > 


"Weibehen: 111 2834 82 40 11l3; 13 10,; 
Männchen: 103,, 280 76 40,, 11, 2, 11 
‚Männchen: 104 270 78 als, 5 13 9 
BiWieibchen: 109... 287 . 765 33 11 13 ul 


Iris des alten Männchens dunkelbraun mit einem Stiche in’s 
"Rothbraune, Wachshaut, Unterschnabel bis zum Vorderrande der 
"Wachshaut und Augengegend bleigrau mit röthlichem Scheine, 
‚Schnabel licht hornbraun, oben und in der Mitte dunkelbraun, 
nackte Halsstelle grau mit einem Stiche in’s Grünliche, rs 
‚grünlich blauweiss. Bei einem zweiten Männchen ist das Dunkel- 
braun am Schnabel wenig verbreitet; bei einem Weibchen die Iris 
Eothlich dunkelbraun, der ganze Fuss hellgrünlich blauweiss. 

2. G@yps fulvus, Gänse- oder Fahlgeier. 

| Als wir unter Führung unsers Jagdgebers, des Grafen Chotek, 
‚sein in einem der reizenden Thäler des Gebirges gelegenes an 
haus betraten, machte uns derselbe aufmerksam auf zwei in 
früheren Arten von ihm erlegte Gänsegeier und bemerkte, dass 
dieselben die einzigen seien, welche er im Laufe einer Reihe von 
‚Jahren in dieser Gegend beobachtet habe. Wenige Stunden später 
sollte Graf Chotek zu seiner nicht geringen Verwunderung er- 
fahren, dass die Verhältnisse sich inzwischen geändert hatten. 
"Während Erzherzog Rudolf und Prinz Leopold zu den nächst- 
gelegenen Geierhorsten geführt wurden, fuhren Homeyer und 
Brehm einem entfernteren zu und scheuchten bei ihrer Ankunft 
‚das Weibchen vom Horste, dem das Männchen sich alsbald anschloss. 
Da die Geier die Gegend umkreisten, stellte sich Homeyer 
bei dem ihm zugetheilten Horste an, während Brehm die Ge- 
legenheit zur Beobachtung benutzte. 

- Es dauerte auch nicht gar lange, bis die Geier sich näherten 
und Homeyer den einen deutlich hinter sich aufbäumen hörte. 
"Eine rasche Wendung; war jedoch unmöglich und die mangelhafte 


| 
| 
| 


“ ‘) Anmerkung. Alle Maasse sind in Centimetern angegeben. L. be- 
‚deutet die ganze Länge vom Schnabel bis zur Schwanzspitze; B. die Flug- 
"breite, F. die Fittiglänge, Schz. die Schwanzlänge, Schl. die Länge des 
"Schnabels, Fw. die Höhe der Fusswurzel, Mz. die Länge der Mittelzehe, 


26 Kronprinz Rudolf, E. v. Homeyer u. Brehm: 


Deckung liess den Geier alsbald die drohende Gefahr erkennen, 
so dass er abstrich. Es verfloss nun eine längere Zeit, bis die 
kreisenden Geier sich wieder näherten, stets ohne auf den Horst 
einzufallen, der in naher Büchsenschussweite am Hange des Berges, 
auf einer alten, jedoch nicht besonders starken Eiche mit dürrem 
Gipfel, frei, etwa 15—18 Meter hoch, stand. Inzwischen war die 
Tageszeit bereits vorgeschritten, noch ein weiter Weg, zum Theil 
auf schmalen Waldwegen, auf engen Felsengraten zurückzulegen, 
und Homeyer entschloss sich die Büchse wegzustellen und die 
Flinte zu nehmen, um auf einen der vorüberziehenden Geier einen 
Flugschuss anzubringen. Es dauerte ziemlich lange, bis einer der 
mächtigen Vögel zum vierten Male vorüberzog und auf den Schuss, 
unter dem Feuer herabstürzte. Obgleich das alte Jägerohr das 
Aufschlagen des fallenden Geiers deutlich gehört, war an der Stelle 
nichts zu sehen. Ein Blick nach oben aber zeigte den Geier etwa 
vier Meter hoch in einer Baumgabel — verendet. 

Wie erstaunt waren aber Brehm und Homeyer, als sie 
statt des vermutheten Vultur cinereus einen Vultur fulvus vor sich ' 
sahen. Manche Ornithologen werden über ein solches Vorkommen | 
wohl den Kopf schütteln, zumal diejenigen, welche nie einen Geier | 
über sich kreisen sahen. Denn so leicht es ist, beide Arten, auch | 
in der Ferne, von der Seite zu erkennen, so schwierig wird dies 
in der Höhe,. indem die Unterseite der Flügel auch bei Vultur 
fulvus fast schwarz ist. Dazu kam nun noch in diesem besonderen 
Falle, dass ein Vultur fulvus nach den empfangenen Mittheilungen 
hier durchaus nicht als Brutvogel zu erwarten war, um so weniger, | 
als diese Art bisher mit voller Sicherheit nicht auf Bäumen horstend | 
beobachtet ist. !) 

Der erlegte Vogel war aber auch noch in der Hinsicht merk- 
würdig, als er noch die Halskrause des mittlen Kleides trägt. 

Uebrigens sahen wir Vultur fulvus, wenn auch sehr viel 
weniger als V. cinereus, doch in den folgenden Tagen gar nicht 
selten, und ist wohl anzunehmen, dass derselbe in dem weiten 
Waldgebirge bisweilen horste und der von uns beobachtete Fall 


!) Anmerkung. Landbeck führt zwar bei Gelegenheit seiner Reise 
in Ungarn ganz allgemein an, dass V. fulvus bisweilen auf Bäumen horste, | 
hat dies jedoch offenbar nicht selbst beobachtet. Die Gebrüder Sintenis 
geben an, dass ihnen während ihrer vierjährigen Reise in der Dobrudscha | 
ein Fall vorgekommen, dass V. fulvus auf einem Baume gehorstet, doch 
auch hier wohl nach empfangenen Mittheilungen der einheimischen Jäger. 


Zwölf Frühlingstage an der mittleren Donau. 20 


an 0 Sn a 22 Zr Auer ala ne 


nicht allein dastehen werde. Es ist sehr möglich, dass die dortigen 
i rörster diesen Vogel verkannt haben, und dies muss uns um so 
} wahrscheinlicher erscheinen, als es uns ebenso ergangen ist. 
| Uebrigens ist Vultur uhr weiterhin die Donau abwärts, 
zahlreicher vertreten als V. cinereus. Schon Loebenstein sah 
; nicht gar fern von unserer Beobachtungs-Gegen deinstmals gegen 
sechzig Geier vereint, von denen die Mehrzahl Vultur fulvus war. 
Da wir nur einen einzigen von Gänsegeiern besetzten Horst 
aufgefunden haben, vermögen wir über die Lebensweise der der- 
 zeitigen Nestinhaber wenig mitzutheilen. In dem Thun und Treiben 
- beider Geierarten vermochten wir wesentliche Unterschiede nicht 
zu erkennen. Beide verliessen am Morgen ungefähr zu derselben 
Zeit die Horste, flogen, ebenso, oft einer dem andern folgend, 
als sich mit ihresgleichen zusammenhaltend, in der geschilderten 
Weise auf Beute aus und hielten auch gemeinschaftlich ihre Mittags- 
"ruhe auf der bereits erwähnten felsigen Stelle an der einen Wand 
‚des Gebirges. Beide fliegen nach Art ihrer gesammten Verwandt- 
-sehaft fast ohne Flügelschlag in ziemlich hoher Luft dahin, heben 
"sich, indem sie sich gegen den Wind stellen, merklich und gewinnen 
"kreisend bald jede beliebige Höhe; beide stellen auch ungefähr 
dasselbe Flugbild dar; doch unterscheidet sich das des Kutten- 
geiers dadurch von dem des Gänsegeiers, dass die Schwingen- 
spitzen des erstern nach oben aufgebogen sind, während sie beim 
 Gänsegeier mit dem übrigen Flügel in einer geraden Ebene liegen. 
Der lange Gänsehals des Fahlgeiers kommt im Fluge in keiner 
"Weise zur Geltung, wird vielmehr so eingezogen, dass der Vorder- 
Stheil des Flugbildes nicht im geringsten gestreckter oder spitziger 
Serscheint, als beim Kuttengeier. Auch an beider Horste vermochten 
"wir besondere. Unterschiede nicht zu erkennen. Der von Brehm 
und Homeyer besuchte Horst stand nahe am Stamm frei im 
ipfel des Baumes, überragt durch die abgestorbene Spitze des 
‚Stammes, wie erwähnt 15—18 Meter hoch. Der Baum hatte wenig 
über einen halben Meter Durchmesser. Der Horst war dem des 
. cinereus ganz ähnlich, von etwa anderthalb Meter Durchmesser 

pr mindestens fünfundsiebenzig Centimeter Höhe. 

% L. B. Beesyschz® ‚schl. Fw. Mz. 

; 08 266 1.33 gu 10 0 10, 

- Iris hell umbrabraun, nackte Stellen am Kopfe und Halse blei- 
3 lau, Schnabel schwarzbraun, Füsse gelblichgrau. 


Er 


28 Kronprinz Rudolf, E. v. Homeyer u. Brehm: 


3, Haliaötus albicilla, Seeadler. 

Der häufigste aller grössern Raubvögel des mittlen Donau- 
thales ist der Seeadler. Ihn sahen wir tagtäglich und zu ver- 
schiedenen Zeiten des Tages, einzeln, paarweise oder selbst in 
kleinen Gesellschaften, und seine Horste waren es, welche wir an 
jeder geeigneten Stelle der Auenwälder zu finden mit Sicherheit 
erwarten durften. Eingehende Erkundigungen bei den uns be- 
gleitenden Förstern, insbesondere bei dem in erzherzoglichen 
Diensten stehenden Herrn Josef Ruzsovitz, setzen uns in den 
Stand, auch über das Winterleben des mächtigen Adlers einiges 
mittheilen zu können, und unsere eigenen, an nicht weniger als 
neunzehn besetzten Horsten gesammelten Beobachtungen, geben 
iiber diesen Lebensabschnitt des Vogels ein klares Bild. 

Im Spätherbste und im Winter sieht man an der mittleren 
Donau erheblich mehr Seeadler als im Sommer. Nicht blos die 
hier geborenen Jungen, deren Anzahl, gering angeschlagen, mehrere 
Hundert betragen muss, treiben sich dann mit den Horstvögeln | 
und beziehentlich ihren Eltern in der Nähe ihrer Brutstätten um- 
her, sondern auch Wanderer derselben Art finden sich ein, um | 
hier zu überwintern. So lange die Donau nicht mit Eis bedeckt 
ist, wird es ihnen nieht schwer, sich zu ernähren: man sieht sie 
dann nach Art des Flussadlers, oft gemeinschaftlich, über dem 
Strome und seinen Armen schweben, auf Beute spähend und, wenn 
sie einen Fisch in’s Auge gefasst, in’s Wasser hinabstürzen, ähnlich 
wie Homeyer dies oft gesehen, selbst in der Ostsee, wenn dieselbe | 
nicht zu stark vom Winde bewegt war. Wie sie in der „blonden“, 
das heisst trüben Donau die Fische wahrzunehmen vermögen, 
bleibt fraglich; jedenfalls aber sind sie im Stande, mit grossem 
Geschick und mit Sicherheit dies zu thun. Beim Stossen auf 
einen Fisch verschwinden sie nicht allein, ebenso gut wie der 
Flussadler, zeitweilig vollständig unter dem Wasser, sondern 
dringen wohl tiefer in dasselbe wie dieser, arbeiten sich auch mit 
Hülfe einiger kräftiger Flügelschläge rasch wieder empor, schütteln 
die Wassertropfen von ihrem glatten, fettigen Gefieder und fliegen 
davon. Bei dem im Vergleiche zu andern deutschen Strömen un- 
gewöhnlichen Fischreichthume der Donau und der im ganzen dort, 
sehr wenig entwickelten Fischerei betrachtet man ihr Wirken | 
keineswegs mit schelem Auge und rechnet ihre nutzenbringenden | 
Werke ihnen wenigstens eben so hoch an als ihre schädliche Thätig- | 
keit, Im Bewusstsein dieses Schutzes zeigen sie sich im Winter 


Zwölf Frühlingstage an der mittleren Donau. 29 


verhältnissmässig wenig scheu, nähern sich insbesondere den be- 
deutenderen Fischereistellen und lungern hier auf Beute. Solche 
wird ihnen stets, da die Fischer tagtäglich abgestandene Fische 
weg- und mit einer gewissen Gutmüthigkeit zum Theile ihnen zu- 
werfen. Der erwähnte Förster versichert, mehrfach gesehen zu 
haben, dass auch alte Seeadler in einer Entfernung von kaum 
fünfzig Schritten rings um die Fischerhütten aufbäumten, vertrauens- 
voll das Treiben der Fischer beobachteten und im rechten Augen- 
blick erschienen, um sich ihre Beute zu holen. Da Brehm genau 
dasselbe am Saisansee gesehen hat, liegt kein Grund vor, diese 
Angabe zu bezweifeln. Ebenso wie der Fischer trägt aber auch 
der ungarische, slavonische und serbische Bauer dazu bei, sie zu 
ernähren, indem gefallene Thiere nicht verscharrt, . sondern 
einfach auf freiem Felde auswirft, Hunden und Wölfen, oder 
Geiern und Adlern zur Beute. Bei solchem Frasse sieht man 
oft eine namhafte Menge von Seeadlern versammelt, nicht allzu 
selten gleichzeitig mit ihnen auch Geier, welche dann Gegenden 
besuchen, in denen man sie während der Brutzeit selten bemerkt. 

Noch ehe es dort Frühling wird, verlässt der grössere Theil 
aller Seeadler, welche an der Donau den Winter verlebten, diese 
Gegend. Die jungen, unreifen Vögel beginnen, wie andere Adler, 
ein mehrjähriges Wanderleben, und nur die alten Horstvögel bleiben 
zurück. Jedes Paar bezieht, nicht ohne Kämpfe mit Eindring- 
lingen, in der Regel den alten Horst und fängt im Februar an, 
ihn auszubessern. Die dazu erforderlichen Aeste nehmen beide 
Gatten von den erhöhten Stellen zwischen den Sümpfen und tragen 
sie mit den Fängen, oft aus grössern Entfernungen zum Horste. 
Ende Februar oder anfangs März legt das Weibchen zwei bis drei 
Eier, und beginnt nunmehr eifrig zu brüten. Nach ungefähr vier- 
wöchentlicher Brutzeit entschlüpfen die Jungen und gegen Ende 
des Mai sind sie flugfähig. 

Von den neunzehn Horsten, welche wir besuchten, standen nur 
zwei frei auf den höchsten Wipfelzweigen, alle übrigen auf Quer- 
ästen, mehr oder minder nahe am Stamme, drei auf Seitenästen, 
sechzehn unmittelbar am Stamme selbst. Sechs von ihnen waren 
auf Eichen, sechs auf Schwarz-, fünf auf Weisspappeln, zwei auf 
Buchen errichtet. Nur sechs von ihnen bestanden zum Theil aus 
- sehr starken Knüppeln, alle übrigen aus verhältnissmässig schwachen 
Zweigen, das heisst solchen von Daumenstärke, etwas darüber und 
darunter. Auffallend grosse Horste fanden wir in der Minderzahl; 


30 Kronprinz Rudolf, E. v. Homeyer u. Brehm: 


die Mehrzahl war anscheinend klein, oder hielt schwerlich viel 
über anderthalb Meter im Durchmesser, wogegen die grössten 


mindestens zwei Meter Durchmesser haben mochten. Diese letzten, 


wie überhaupt alle grossen Horste, waren von den ältesten See- | 
adlern besetzt. Mit Ausnahme von zwei Horsten boten alle übrigen 
dem Feldsperlinge (Passer montanus) Nistplätze, und einzelne 
von ihnen waren so reichlich bevölkert, dass man von förmlichen 
Ansiedelungen sprechen könnte. Während der Zeit unseres Be- 
suches enthielten, wie zu erwarten, sämmtliche Horste Junge; diese 
aber befanden sich in sehr verschiedenem Zustande der Entwicke- 
lung. In einzelnen Horsten fanden sich bereits sehr grosse, in 
anderen noch sehr kleine junge Adler; aber auch die Geschwister 
selbst änderten in der Grösse ausserordentlich ab, wie man dies 
jedoch bei verschiedenen Raubvögeln findet: drei Junge eines 
Horstes, welche Prinz Leopold ausnehmen liess, erwiesen sich 
so ungleich, dass der grösste mindestens doppelt so gross als der 
kleinste war. Nur in einem der vier Horste, welche wir unter- 
suchten, befanden sich drei, in allen übrigen zwei Junge. Ein 
junger Adler wurde von Brehm und Homeyer unter dem Horste, 
auf dem Boden hockend, gefunden, bewies aber durch sein Befinden, 
dass er auch hier von den Eltern treulich gefüttert worden war. 
Nur in sechs Horsten trafen wir bei unserer Ankunft die Weibchen 
anwesend. Die meisten von ihnen sassen sehr locker, wie dies 
gewöhnlich bei allen Raubvögeln der Fail ist, sobald dieselben 
nicht mehr Eier oder ganz kleine Junge haben, eins aber, welches 
Erzherzog Rudolf beobachtete, so fest, dass es erst nach wieder- 
holtem Klopfen den Horst verliess. Wenn die alten Vögel keine 
Gefahr ahnten, kamen sie stets langsam angeflogen, fielen aber 
immer unmittelbar nach ihrer Ankunft und so rasch in den Horst, 
dass man sie von unten nicht mehr sehen konnte. Vier von denen, 
welche beobachtet wurden, brachten den Jungen Fische, zum Theil 
noch in lebendem Zustande, obwohl sie von der Donau bis zum 
Horste in der Luftlinie mindestens vier Kilometer durchmessen 
haben mussten. Ein Männchen trug zwei Fische gleichzeitig herbei, 
warf einen in den Horst, behielt den anderen, einen sehr starken 
- Karpfen, in den Fängen und bäumte mit ihm, wobei es den Fisch 
offenbar nur mit einem Fusse halten konnte. Als der Vogel ge- 
schossen wurde, blieb der Karpfen auf dem Aste liegen. Ungefähr 
eine halbe Stunde später kam das Weibchen, setzte sich auf dem- 
selben Aste nieder, entrann ungefährdet einem ihm zugesandten 


Zwölf Frühlingstage an der mittleren Donau. 31 


Schusse und liess einen Fisch auf den Boden herabfallen, welcher 
aufgenommen und später von den Leuten gegessen wurde. Graf 
Bombelles, der Beobachter an diesem Horste, verliess denselben, 
kehrte nach einer Stunde zurück und fand, dass der Fisch, welcher 
auf dem Aste gelegen hatte, verschwunden, aber auch nicht am Boden 
zu finden, also offenbar von dem wieder zurückgekehrten Weibchen 
aufgenommen und den Jungen zugetragen worden war. Graf 
Bombelles erlegte bei einem Horste Männchen und Weibchen, 
beide noch im mittleren Alter, analog mit dem von uns beobachteten 
frühen Brüten bei Vultur fulvus. 

Bei den meisten Horsten befindet sich in der Nähe, zuweilen 
auch in einer nicht unbeträchtlichen Entfernung, ein Baum mit 
einem oder mehren dürren Zacken, auf denen der eine Adler, 
welcher nicht am Horste beschäftigt ist, aufzubäumen pflegt. Dies 
geschieht so regelmässig, dass man sich unter solchen Bäumen auf- 
stellen und den Adler, welcher vom Horste vertrieben wird, er- 
lesen kann.) Erkennt oder fürchtet einer der beiden Vögel Ge- 
fahr, so giebt er dem anderen durch lautes, gellendes Geschrei 
davon Kunde, worauf beide sich vereinigen und über dem Horste 
kreisen. 

Die oft bestrittene und eben so oft bestimmt ausgesprochene 
Behauptung, dass auch Seeadler unter Umständen erwachsene 
Menschen angreifen, scheint durch zwei verschiedene Beobachtungen, 
welche wir machten, Bestätigung zu finden.2) Als Kronprinz 
Rudolf dem Baumsteiger den Auftrag gab, die Jungen eines von 
ihm erfolglos beschossenen Seeadlerpaares aus dem Horste zu 
nehmen, erschien in hoher Erregung das Männchen und stiess 
einisemal bis dieht über den Kopf des kletternden Mannes 
herab. Der Jäger des Erzherzogs versichert, dass er letzteres 
leicht durch einen Schuss habe erlegen können, so fest und 
so nahe stand der Adler, nach Falken-Art rütfelnd und laut 
'schreiend, über dem Horste. Auch Brehm glaubt durch eine 
‚höchst eigenthümliche Beobachtung folgern zu dürfen, dass 


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\ 
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1) Anmerkung. Homeyer fand in der Nähe aller der vielen von 
‚ihm besuchten Horste einen bestimmten Baum, auf welchem das Männchen 
regelmässig auffusste, sei es zur Nacht- oder zur Tagesruhe. 


} 


x 


2) Anmerkung. In Norddeutschland geschieht dies sicher nicht; 

wenigstens ist niemals dergleichen beobachtet worden, obgleich während 

ines langen Zeitraumes alljährlich verschiedene Horste bestiegen wurden. 
Homeyer. 


‘ 


32 Kronprinz Rudolf, E. v. Homeyer u. Brehm: 


Seeadler auf erwachsene Menschen stossen. Um Geier auf 
dem Aase zu schiessen, war auf der von ihnen zu mittäglicher 
Ruhe gewählten Stelle ein getödtetes Lamm ausgelegt worden, 


welches auch bald Geier und Adler herbeizog, aber nur einen See- 
und einen Steinadler veranlasste, aus hoher Luft herabzukommen. 
Als der Seeadler in nächster Nähe des errichteten Schirmes bäumte, 
schoss Brehm auf ihn und verwundete ihn schwer, aber nicht 4 
tödtlich, so dass der Vogel noch im Stande war, halb flatternd, y 
halb schwebend die Tiefe des Thales zu gewinnen. Da geraume 
Zeit später auch ein auf den Steinadler abgegebener Schuss die- 


selbe Wirkung hatte, sandte Brehm den ihn begleitenden erz- 


herzoglichen Büchsenspanner Loschek in die Tiefe des Thales, 


um nach beiden Adlern zu suchen. Geraume Zeit nach dem Weg- 


x 
- 


gange Loschek’s vernimmt Brehm ein starkes, hohles Brausen, 


vergleichbar einem in der Ferne tosenden Wirbelsturme oder dem 
f 


Geräusche, welches der durch eine weite Röhre entweichende Dampf 
verursacht, und erwartet, einige Augenblicke später einen aus be- 
deutender Höhe auf das Aas herabstürzenden Geier schussgerecht 


vor sich zu sehen. Das Brausen hält jedoch länger an als nöthig, 
um den schweren Vogel bis zur Höhe des Gebirges zu fördern, 
und klingt zuletzt aus der Tiefe des Thales herauf. Zurückkehrend 


giebt Loschek unerwartete Aufklärung, indem er mittheilt, dass 


auch er, in der Tiefe nach dem angeschossenen Adler suchend und | 


um alles übrige wenig sich kümmernd, durch das Brausen auf- 


merksam geworden sei und einen Seeadler bemerkt habe, welcher ' 
mit weitausgestreckten Fängen aus grosser Höhe herab auf ihn ) 
gestossen und sich ihm bis zur Entfernung eines halben Flinten- | 


schusses genähert, ihn, den Unbewafineten, auch genöthigt habe, 
hinter einem Stamme Deckung zu suchen, worauf der Vogel über 


ihn weggestrichen und sodann kreisend wieder zu annähernd der- | 
selben Höhe, aus welcher er gekommen, hinaufgestiegen sei. Da 
an der Wahrheit der Mittheilung Loschek’s auch aus dem Grunde 
nicht gezweifelt werden dürfte, als der Büchsenspanner, ein be- | 
währter Gebirgsjäger, die ganze Angelegenheit zwar mit unver- ) 
hehlter Verwunderung und gelindem Grimme, aber doch mit grösster 


Ruhe, jedenfalls ohne die geringste Furcht zu verrathen, behandelte, 


auch nicht abgesehen werden könnte, was der in die Tiefe hinab- | 
stürzende Adler sonst beabsichtigt haben möchte, lässt sich wohl | 
nur annehmen, dass er das Männchen des vor seinen Augen ver- | 
wundeten und seiner Meinung nach durch den zu ihm herab- | 


Zwölf Frühlingstage an der mittleren Donau. 33 


steigenden Jäger gefäbrdeten Weibchens gewesen sei und diesem 
habe zu Hülfe kommen wollen. !) 

Um schwache und wehrlose Vögel, welche sich dem Horste 
eines brütenden Seeadlers nähern, beküimmert sich derselbe nicht 
und bekundet ihnen gegenüber Gleichgültigkeit. Wiederholt wurden 
kleinere Vögel, Falken, Turteltauben u. s. w., unter dem Horste 
‚gesehen, ohne dass die Adler Miene gemacht hätten, sie zu 
-beunruhigen. In der Nähe eines Horstes, und zwar nur wenige 
"Schritte von ihm entfernt, fand Erzherzog Rudolf auch das Nest 
einer Stockente. Aehnliche Erscheinungen fand Homeyer viel- 
fach bei den verschiedensten Raubvögeln, sogar beim Hühnerhabichte 
Erd dem Sperber; ja es scheint sogar Regel zu sein, dass die 
Raubvögel ihre Nahrung nieht in unmittelbarer Nähe ihres Horstes 
‚suchen. 

\ Um mit Sicherheit zu erfahren, ob das Männchen auch nach 
dem Tode seines Weibchens sich der Pflege der Jungen widmet, 
"beziehentlich sie allein aufzieht, baten wir den Förster Ruzsovitz, 
‘einen Horst, von welchem Homeyer das Weibchen erlegt hatte, 
fernerhin zu beobachten und uns später Bericht zu geben. Dieser 
lautete dahin, dass das überlebende Adlermännchen die Jungen 
‚nicht verlassen, sondern sie getreulich aufgezogen habe, und dass die 
"Jungen am 31. Mai, dem Datum des Briefes, bereits flugfähig seien. 

Auffallend erschien uns, dass der Seeadler so wenig von an- 
deren Vögeln verfolgt wurde. Förster Ruzsovitz erklärte diese 
Thatsache wohl nicht mit Unrecht durch das häufige Vorkommen 
unserer Raubvögel, an welche sich alle übrigen gewöhnt, und fügte 
E- dass hier zu Lande auch der Uhu, weil er von der ge- 
sammten Vogelwelt kaum beachtet werde, vor der Hütte keines- 
= den Erwartungen des Jägers entspreche. 2) 
en 
2 


2) Anmerkung. Vielleicht lässt sich jedoch die vorstehend berichtete 
- Thatsache auch dadurch erklären, dass der hochfliegende Adler seinen 
verwundeten Gefährten erblickt uiel auf diesen herabstossend, zufällig in 
die Nähe des Mannes gekommen. Diese Erklärung dürfte an Wahrscheinlich- 
keit gewinnen, wenn man erwägt, dass Vögel der verschiedensten Arten ihre 
'verwundeten Genossen umfliegen und umflattern, und dass der Adler sich 
dem Manne nur auf halbe Schussweite näherte, wahrscheinlich bis zu dem 
‚Punkte, wo er den Jäger erblickte. Homeyer. 
2) Anmerkung. Obige Erklärungen sind unzweifelhaft aus dem 
Leben gegriffen, doch ist zu bemerken, dass der Seeadler auch in Nord- 
deutschland in der Nähe seines Brutplatzes von anderen Vögeln wenig 
‚verfolgt wird. Homeyer. 
Cab. Journ. f. Ornith. XXVIL Jahrg. No. 145. Januar 1879. 3 


EEE SEGEN NEL RRE NE 


34 Kronprinz Rudolf, E. v. Homeyer u. Brehm: 


Geschlecht. L. B. RM; Schz. Schl. Fw. Mz. 


a 


Männchen (alt):84 212 60 29 T,9 9 7 
Männchen: 1 1 23868 30 8 9,5 8,5 
Männchen: 83 214° 6 29,5 5 95 7,9 
Weibchen: 91 235 » 64 51 9 9,9 0 
Männchen: 931233 64 31 ke ae; 8,5 
Männchen: 837213. : 60 28,5 8,7 8,5 8,9 
Männchen: 87 7° 240 68 28,8 9 10 9 
Weibchen: 90, 232 66 28,5 9 10 55 
Weibchen: 96 234 69 28 7,0. WE 10,3, 
Männchen: 87." 239. 63 32 Sg 9 943 
Weibchen: 95 #213 7%361,,)"2130 8 9 Tg: 
Männchen: 834 214 60,5 30 8 9 Ts 


No. 3 und 4 der Liste geben die Maasse eines am Horste er- 
legten zusammengehörigen Paares. 
Bei vier Stück sehr alten und übereinstimmenden Vogehm war 


die Farbe der Iris schwefel- bis citrongelb, die des Schnabels 


wachsgelb, die der Wachshaut ähnlich, jedoch etwas in’s Citron- 


gelbe, die der Füsse eitrongelb, der Nägel schwarz. Beim fünften 


zeichneten bräunliche Punkte, namentlich an der Unterseite des 
Auges, die schwefelgelbe Iris. 
4. Aguila fulva, Steinadler. 


Der Steinadler ist, mindestens während des Sommers, im Be- 
obachtungsgebiete selten und wurden nur jüngere Vögel in und | 


an der Fruszka Gora gesehen. 
5. Aquila imperialis, Kaiseradler. 


Erst von Czerevitz an donauabwärts wurde der Kaiseradler ' 
bemerkt. Hier aber war er nirgends selten. Die beste Gelegenheit, ' 
ihn zu beobachten, hatte Kronprinz Rudolf. „Zum ersten Male,“ ' 
berichtet er, „sah ich Kaiseradler eine Gehstunde stromaufwärts | 


von Futtak über der Donau kreisen. Später bemerkten wir vom 


Dampfschifie aus einige Adler dieser Art, wie sie von dem sla- | 
vonischen Waldgebirge nach dem flachen ungarischen Ufer in den 
Morgenstunden auf Raub auszogen. In den eigentlich syrmischen | 
Bergen, der Vrtnik oder Fruszka Gora horstet unser Adler wohl ' 


überall, zieht jedoch die niederen Vorberge und die Waldränder, 
welche schon an das Flachland grenzen, den höheren, von Buchen- | 
wäldern bedeckten Gebirgszügen vor. Zwar fand ich auch im | 
Innern des Gebirges einige Horste von ihm, viel häufiger jedoch | 
begegnete ich ihm auf den niedrigen Hügelketten.“ | 


Zwölf Frühlingstage an der mittleren Donau. 35 


„Der Grund hierfür ist einleuchtend. Wie Brehm auch in den 


 Steppen Sibiriens beobachtete, besteht die Hauptnahrung dieses 
Vogels in Zieseln. Diesen zu Liebe nimmt er seinen Aufenthalt; 


der kleine Nager ist Lebensbedingung für ilın. Da aber der Ziesel 
bekanntermassen nur auf Feldern, Wiesen und Haiden vorkommt, 
zieht es auch der Kaiseradler vor, sich in Feldgehölzen und Vor- 
bergen anzusiedeln. In den grossen, aus verkümmerten Bäumen 


_ bestehenden Wäldern, welche sich im ganzen Flachlande vor der 
- Mündung der Theis in die Donau erstrecken, findet man ihn sehr 
häufig und darf ihn wohl als Charaktervogel derselben bezeichnen. 
In derselben Gegend aber treten die Ziesel in so grosser Menge 
auf, dass sie die Felder nicht blos beleben, sondern auch zerstören.“ 


„Während unserer Reise hatte ich Gelegenheit, sieben Horste 


- des Kaiseradlers zu untersuchen. Alle standen auf Eichen, zum 
- Theile auch auf sehr jungen und schwachen Bäumen, im Gegen- 
_ satze zu denen anderer Adler, welche bekanntlich mit wählerischer 
- Vorsicht nur alte, hohe Bäume zum Horstbaue aussuchen. Der 
‘ Horst selbst ist im Vergleiche mit dem anderer Raubvögel nicht 


gross, für das Körpermaass des Thieres sogar auffallend unbe- 


- deutend‘ und zeichnet sich ausserdem durch sehr liederlichen Bau 
aus. Wie bei den von mir untersuchten Seeadlerhorsten fand ich 
auch den Unterbau der Kaiseradlerhorste regelmässig mit Feld- 


sperlingen bevölkert, welche förmliche Siedelungen bildeten und 


mit lautem Gezwitscher die Behausung ihres Hausherrn umflatterten. 
Einer der Horste stand am Rande des grossen Kovilerwaldes, 
höchstens dreihundert Schritt entfernt von einer viel befahrenen 
Strasse. In den ersten Tagen des Mai waren einzelne Kaiseradler- 
_ paare noch mit dem Ausbaue des Horstes beschäftigt, andere 
_ dagegen sassen auf den Eiern, und einige hatten schon Junge, 
wenn auch nur solche im ersten Dunenkleide. Bei einem der 
Horste, welcher in einem der entlegensten Thäler der Fruszka 


Gora stand, sah ich das Männchen dem brütenden Weibehen Futter 
_ zutragen.“ 


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u = 


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„Der Kaiseradler ist in Ungarn scheu und geht dem Menschen 
"rechtzeitig aus dem Wege; beim Horste dagegen bekundet er nicht 
die oft überraschende Umsicht des Seeadlers. Er verlässt bei der 


ersten Annäherung des Jägers zwar rascher und früher als der 


- 


; 


2 ig. a 


- jetztgenannte Verwandte den Horst, erscheint dafür aber auch bald 
wieder und streicht, den Jäger oft ganz vergessend, in gerader 
"Linie ohne Aufenthalt zu seiner Behausung zurück.“ 


3* 


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36 Kronprinz Rudolf, E. v. Homeyer u. Brehm: 


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„Im Walde bei Kovil verbarg ich mich auf die wirklich unzu- | 
länglichste Weise in einem kleinen Weissdornstrauche, welcher die 


einzige Deckung bot, in der Nähe des Kaiseradlerhorstes. Das 


Adlerpaar war noch dureh nichts aufmerksam gemacht worden, 
und so kam auch das Weibchen, ohne nur im geringsten umher- 
zuspähen, direct auf mich zugeflogen, so dass ich es leicht er- 


beuten konnte.“ !) 


„Die jungen, noch nicht zur Paarung gelangten Kaiseradler 
ziehen ebenso wie andere ihres Geschlechtes jagend im Lande 


umher. Die Ausdehnung ihrer Streifzüge ist jedoch eine viel be- 
schränktere als beim Steinadler.“ 

Geschlecht. L. B. F. Schz. Schl. Fw. Mz. 
Männchen: 80, 19 62 3ls Tg 95 7 


Weibchen: 86 213 58 32 Tg 8,5 8 
Männchen: 8 203 60 29.5 %n 95 655 
Weibchen: 82 210, 62 32,5 7 9,5 6 
Weibchen: 82293, 6, Ts 10 6,5 
Männchen: 81, 204, 61, 31, Te 10 7 
Männchen: 75 184 57 29 6,5 9 Du 


Iris hellgelb, bräunlich gepunktet, Schnabel hornblau, an der 
Spitze schwarz, Wachshaut und Mundwinkel sowie die Zehen 
citrongelb, Krallen schwarz. Bei einem anderen Stücke ist die 
Iris silbergrauweiss, mit gelbem Anfluge und braunen Punkten und 
Strichelchen, der Schnabel hellhorngrau, an der Spitze schwarz, 
die Wachshaut, der Mundwinkel und der Fang citrongelb. Bei 
einem Dritten sind die Farben folgende: Iris gelblich silberweiss 
mit braunen Punkten, Wachshaut und Mundwinkel hellgelb, Schnabel 


!) Anmerkung. Dazu bemerktHomeyerin Erinnerung seiner, während 
einer langen Reihe von Jahren, alljährlich gemachten Erfahrungen am Horste: 
Auch ich habe sehr oft ganz ähnliche Beobachtungen bei den verschiedensten 
Raubvögeln gemacht. In der Regel war vor meiner Ankunft der Wald 
nach den Horsten abgesucht, gewöhnlich auch der brütende Vogel abgejagt, 
ja es kamen nicht selten Fälle vor, wo dies von verschiedenen Forst- 
beamten mehrfältig geschah. Die Wirkung soleher Störungen zeigte sich 
denn auch in der Regel durch sehr vermehrte Vorsicht des Brutvogels. 
Achnlich erging es bei dem Baue der Schirme, wenn man — was ich jedoch 
in der Regel verbat — mir dadurch förderlich sein wollte. Nach meinen 
Erfahrungen ist dabei besonders zweierlei zu berücksichtigen. Der Platz, 
wo der Schirm gebaut wird, muss nicht allein einen freien Blick auf den 
Horst, sowie die Möglichkeit eines Flugschusses gewähren, sondern auch 
so gewählt werden, dass der Bau mit der Umgebung harmonirt, nichts 
Auffälliges bietet und doch so dicht ist, dass der Vogel vor Allem den 


Zwölf Frühlingstage an der mittleren Donau. 37 


hornblau mit schwarzer Spitze. Bei einem vierten ist die Iris!) 
auf selbem Grunde so stark braun gepunktet und gestrichelt, dass 
‚letzte Färbung vorherrschend wird. ?) 
| 6. Agucla naevia, Schreiadler. 

Keineswegs selten innerhalb des Beobachtungsgebietes, brütet 
der Schreiadler doch kaum in den eigentlichen Auwäldern, be- 
 vorzugt vielmehr, wie der Kaiseradler, zu seinen Horststätten von 
Feldern umgebene Waldungen -der Ebene, welche hier wesentlich 
- Eichwaldungen sind. Im Keskenderwalde horsteten sicherlich mehrere 
Paare; in der Umgegend von Futtak und Kovil trat der Vogel so 
zahlreich auf, dass er nächst dem Seeadler wohl als der häufigste 
‚aller Adler bezeichnet werden dürfte. Die drei Stücke, welche wir 
‚erbeuteten, wurden an ihren Horsten erlegt. Letzte fand Homeyer 
"sanz ebenso wie in Pommern, wie denn auch der Vogel mit den 
"norddeutschen und südrussischen übereinstimmt. 
Geschlecht. L. B. F. Schz. Schl. Fw. Mz. 
"Männchen: 59,, 155, 47 23 > 95 du 
"Weibchen: 68 164, 49, 24 5 Is D,5 
Weibchen: 65,5 172, 47, 24 4, 10 d,8 
i Die Iris eines sehr alten Vogels ist goldiggelb mit gelbbraunen 
"Punkten an der unteren Hälfte des Auges; Wachshaut und Mund- 
winkel sind hoch wachsgelb ; der Schnabel ist an der Wurzel horn- 


"Schützen nicht bemerken kann. Ein vorhandener Busch muss, wo möglich, 
 vergrössert und verdichtet werden, nur mit Zweigen derselben Art. Es 
‚liegt nun wohl klar auf der Hand, dass sehr selten ein Waldläufer oder 
"Förster im Stande sein wird, einen zweckmässigen Schirm zu bauen, und 
es daher besser ist, wenn dies ganz unterlassen und die Aufmerksamkeit 
des Vogels nicht unnöthig erregt wird. Baut sich jedoch der Schütze 
"selbst den Schirm, so ist es wesentlich, dass der Vogel diesen Bau nicht 
"beobachtet; denn geschieht dies, so wird verdoppelte Vorsicht angewendet. 
Es ist daher rathsam, den Bau möglichst zu beschleunigen und dabei recht 
laut zu sprechen. Wenn dann die Anwesenden — fortwährend sprechend — 
‘sieh entfernen und nur der Schütze im Schirme zurückbleibt, wird der 
"Raubvogel gewöhnlich in wenig Minuten zur Stelle sein. Durchaus zu 
vermeiden ist es, dass der Schütze sich angesichts des kreisenden Vogels 
‚anders in den Schirm begiebt, als in völliger Deckung durch seine Begleiter. 
ı) Anmerkung. Die mehr oder weniger silbergraue Zeichnung der 
Iris zeigt ein besonders hohes Alter an, die mehr braune Zeichnung grössere 
Jugend. 
2%) Anmerkung. Der Ziesel, welcher die Hauptnahrung nicht allein 
ieses Adlers, sondern auch verschiedener anderer Raubvögel bildet, lebt 
in den vom Kaiseradler bewohnten Gegenden ausserordentlich zahlreich, 
'so dass er zur Landplage wird. 


38 Kronprinz Rudolf, E. v. Homeyer u. Brehm: 


blaugrau, an der Spitze schwarz, der Fang ist pommeranzengelb. 
Bei einem etwas jüngeren Vogel war die Iris bräunlichgoldgelb 
und die aus Punkten bestehende Fleckung des Auges besonders 
deutlich. 

7. Aquila pennata, Zwergadler. 

Die Beschaffenheit der Waldungen der Fruszka Gora liess im 
Voraus annehmen, dass der Zwergadler in ihnen horsten müsse, 
und diese Annahme erwies sich als richtig. Jedoch schien es, als 
ob der Vogel sehr einzeln vorkommt, da er während der ganzen 
Reise nur noch an drei anderen Orten und zwar unweit Apatins, 
oberhalb Czerevitz und in den Waldungen in der Nähe Kovils‘ 
beobachtet wurde. Ein offenbar zusammengehöriges Paar, welches 
Erzherzog Rudolf kreisen sah, bestand aus einem lichten und 
einem dunklen Vogel. Da der ebengenannte Mitarbeiter den Zwerg- 
adler als regelmässigen Brutvogel des kaiserlichen Thiergartens bei 
Lainz, unweit Wien, kennen und lieben gelernt hatte, schonte er ein 
Paar, um Lebensbeobachtungen anzustellen: 

„Es ward mir“, sagt er, „während der Reise mehrmals die Freude 
zu Theil, Aguila pennata sowohl in den Auwäldern, als auch in den | 
Landwäldern und in den Gebirgen der Fruszka CHR zu beobachten | | 
und zu erlegen. In den Auen bei Apatin kreiste auf nahe Schrot- 
schussweite ein Zwergadlerpaar über mir umher; das kleinere 
Exemplar, offenbar das Männchen, trug das schöne weisse, und 
das grössere Weibchen das dunkelbraune Kleid. In der Fruszka- 
Gora bemerkte ich wieder ein Paar dieser Gattung, bei dem sich ' 
die Farben ebenso verhielten wie bei dem früheren. An einem Horste, 
welcher von den Jägern genau als der eines Königsweih gekannt 
wurde, erlegte ich ein prachtvolles Exemplar der Aquila pennata 
im lichten Kleide; erst auf mehrfaches Klopfen verliess es den 
inneren Raum des Horstes. Es war dies schon das zweite Mal, | 
dass ich diesen kleinen Adler am Horste des rothen Milanes, | 
jedesmal auf einer Buche erlegte; das erste Mal geschah es im 
Mai des Jahres 1876 im Wienerwilde bei Hüttendorf. Im Koviler- 
walde fand ich in einem fälschlich als Schreiadlerhorst angegebenen 
Zwergadlerhorste ein brütendes Weibchen, im dunklen Kleide; das’ 
Männchen im lichten Kleide stand auf einem der unteren Aeste/ 
eines daneben stehenden Baumes,“ 

„Ausserdem begegnete ich im Kovilerwalde noch mehren ein-| 
zeln umherstreichenden Zwergadlern, meistens der lichten Farben-| 
Varietät.“ 


Zwölf Frühlingstage an der mittleren Donau. 39 


Homeyer bemerkt dazu: Vorstehende Beobachtungen be- 
stätigenüber jeden Zweifel, dass die Färbung der Zwergadler eine 
Artverschiedenheit nicht begründet und wohl anzunehmen ist, dass 
die Mehrzahl der Männchen in Ungarn ein lichtes, die der Weibchen 
ein dunkles Kleid trägt. Ob dies überall so ist, bleibt noch zu 
‚beobachten. Von Herrn Ludwig Holtz erhielt ich von seiner 
‚südrussischen Reise drei beim Horste erlegte Zwergadler, dabei 
‘ein sehr dunkles schönes Männchen und ein lichtes Weibchen, 
letztes jedoch ein wenig dunkler als die ungarischen Männchen 
‚und alte Vögel aus Spanien. 
| DB 2. 3..u..Sehz:. ; ‚Schl.;, ı. Ew. .,.Mz. 

5 130 40 22 BIN 6,5 5 
Bars, 132:..,39,; 22 Bis 6,5 5 

Iris röthlich braungelb, Wachshaut und Mundwinkel blassgelb, 
‚Zehen ebenso, Schnabel hornblau, mit schwarzer Spitze. Bei dem 
‚zweiten: Iris bräunlich goldgelb, an der Unterseite des Auges mit 
bräunlichen verschwommenen Punkten, Wachshaut und Mund- 
"winkel citrongelb, Zehen matteitrongelb, Schnabel hornblau, Spitze 
schwarz. 

8. Pandion haliaötus, Fischadler. 

Der Fischadler zählt keineswegs zu den seltenen Brutvögeln 
‚des Gebietes, horstet aber, soweit wir in Erfahrung bringen konnten, 
nicht in den Auwäldern, sondern stets in den im Innern des 
Landes gelegenen ausgedehnteren Feldgehölzen. Von diesen aus 
‚besucht er während der Zugzeit alle grösseren und kleineren 
"Wasserbecken des Landes und meidet, wie es scheint, die Donau 
so lange, als seine Jagd dort ergiebig ist. Im Vergleiche zu seinem 
‚sonstigen Auftreten zeigt er sieh in Ungarn auffallend wenig scheu, 
‚nähert sich beispielsweise vorüberfahrenden Wagen bis auf Schuss- 
weite und lässt sich auch am Horste verhältnissmässig leicht be- 
rücken. Letzter stand im Keskenderwalde, woselbst mehre Paare 
"nachbarlich !) brüten, ganz in gewohnter Weise auf den obersten 
"Wipfelästen alter Eichen, hatte die übliche korbartige Gestalt, 


g 


Ü 


"unterschied sich überhaupt in keiner Weise von der regelmässigen 
‚Bauart. 

we 

; 1) Anmerkung. Homeyer bemerkt dazu: Der Fischadler lebt ge- 
‚selliger als die meisten Raubvögel, indem die Horste nicht so selten 
"ganz nahe bei einander stehen, ist auch in Norddeutschland beim Horste 
"nicht so vorsichtig, wie die grossen Adler, so lange er nicht gestört wurde, 


\ 


40 Kronprinz Rudolf, E. vv. Homeyer u. Brehm: 


Geschlecht. L. B. F. Schz. Schl. Fw. Mz. 
Weibehen: 61 168 bi 24, 5 6,5 5 
Männchen: 57 160 49 ° 2 2 Sion 4 
Iris eitrongelb, Schnabel schwarz, an der Wurzel sowie die 
Wachshaut bleiblau, Füsse weisslich hornblau, Krallen schwarz. 
9. Circaötus brachydactylus, Schlangenbussard. 
(Schlangenadler). ; 

Zwei Horste wurden aufgefunden, von denen sich der eine im 
Keskenderwalde, der andere in der Fruszka Gora befand; letzterer 
wurde vom Prinzen Leopold beobachtet. Wahrscheinlich kommt 
jedoch dieser Raubvogel öfter vor, als dies den Anschein hat, da er sich | 
sehr still verhält und nur im Anfang der Brutzeit über dem Brut- 
platz — nach Art anderer Raubvögel — in hoher Luft schöne Kreise 
zieht, wie Homeyer dies in Pommern beobachtete. Derselbe sah 
unsern Vogel auch sehr spät am Abend noch in niederem Fluge 
in der Nähe seines Brutplatzes dahinstreichen, was in sofern auf- 
fallen muss, als Schlangen und Eidechsen zu später Tageszeit — 
bei schon eingetretener Dämmerung — nur in warmer Jahreszeit 
sichtbar sein möchten. !) 
Der im Keskenderwalde befindliche Horst stand nach der Be- 
obachtung des Erzherzogs Rudolfund nach Homeyer später an 
Ort und Stelle niedergeschriebenen Notizen, nur etwa achtzig Schritt 
von einem Hauptgestelle, auf einer alten knorrigen, bis in die 
Krone dicht mit Epheu bewachsenen, oben breitästigen Eiche. Die- 
selbe war rings von jüngeren — etwa funfzigjährigen — Weissbuchen 
dicht umgeben, nahe über deren höchsten Spitzen der grosse Horst 
auf einem starken, oben im Winkel von 45 Grad vom Stamme 
ablaufenden Aste weitab von diesem und rings von Epheu um- 
rankt stand. \ 
Ueber das Betragen der Vögel bemerkt Erzherzog Rudolf: 
„Als ich mich dem Horste näherte, war das Weibchen im 
innern Raume der Behausung, während das Männchen auf dem 
Gipfelaste eines nebenstehenden Baumes kauernd sass. Nach dem 
ersten erfolglos abgefeuerten Schusse kreisten die aufgescheuchten 
Vögel nur wenige Minuten über dem Platze; dann trennte sich das 
Weibchen vom Männchen und strich mit angelegten Flügeln sausenden 
Fluges zum Horste, um sich an den Baum auf eine sehr merk- % 


W 
d 


) Anmerkung. Uebrigens deutet das sehr grosse Auge dieses Vogels 
auf solche Liebensart hin, 


Zwölf Frühlingstage an der mittleren Donau. 4i 


- würdige Weise, anzuklammern, in welcher Stellung das tödtliche 
Blei den allzu dreisten Vogel ereilte.“ 

Geschlecht. L. B. F. Schz. Schl. Fw. Mz. 
Weibchen: 70 179,8 56 29,5 D,5 8,5 5 

Iris goldgelb, Schnabel und Wachshaut horngrau, Schnabel 
an der Spitze schwarz, Fusswurzel und Zehen weisslich horngrau. 

Das aus dem Horste genommene Ei weicht in sofern von der 
gewöhnlichen Eiform dieses Vogels ab, als dasselbe nicht so rund, 
sondern weit spitzer und gestreckter ist. 

10. Buteo vulgaris, Bussard. 

Wie überall ist der Bussard auch in Ungarn verbreitet, jedoch 
nicht so häufig, wie in vielen Wäldern Deutschlands, wo er ge- 
wöhnlich zahlreicher lebt, als alle übrigen Raubvögel zusammen- 
genommen. Es wurden gelegentlich drei Stück erlegt, wahrschein- 
lich alles Weibchen. 

L. B. F. Schz. Schl. Fw. Mz. 


Ban sh 49,128 a Br; 
Baal: 48 23 3% Tisoaeerd 
Bnsa A 23 4 7 3% 


11. Pernes apevorus, Wespenbussard. 

Obwohl wir den Wespenbussard einigemal beobachteten, so 
am 24. April in der Gegend von Apatin und am 2. Mai in der 
Nähe von Futtak, wurde doch kein Vogel erlegt und eben so wenig 
ein Horst gefunden. 

12. Falco lanarcus, Würgfalk. 

In unserem ganzen Beobachtungsgebiete ist der ständig vor- 
- kommende grosse Edelfalk nicht der Wander-, sondern der Würg- 
falk. Ersteren haben wir nirgends zu Gesichte bekommen, letzteren 
oft beobachtet und zwar eben so wohl in der Fruszka-Gora wie in 
den Auwäldern. Auf einem am 14. April in der Nähe von Wien 
unternommenen gemeinschaftlichen Jagdausfluge fanden wir in 
den Donauauen unfern Aspern ein Paar Würgfalken, ofienbar am 
Brutplatze, von denen das Männchen beim Verfolgen einer Taube 
durch den ziemlich dichten Hochwald, aus grosser Entfernung, 
vom Kronprinz Rudolf erlest wurde, Schon vier Tage später 
war dasselbe ersetzt. 

Es ist sehr wahrscheinlich, dass der Würgfalk von Wien 
an donauabwärts überall in den Auen und anderen passenden 
Localitäten vorkommt. 

Dem geübten Blicke eines scharfen Beobachters fällt es nicht 


42 Kronprinz Rudolf, E. vv. Homeyer u. Brehm: 


schwer, den Würgfalken mit Sicherheit anzusprechen, beziehentlich 
ihn mit Bestimmtheit vom Wanderfalken zu unterscheiden. Das 
Flugbild beider verwandten Arten ist doch ein wesentlich ver- 
schiedenes: Der Leib des Würgfalken erscheint gestreckter, der 
Flügel länger und spitzer, jedoch der Arm- und Schulterschwingen- 
theil merklich breiter als beim Wanderfalken. Es ist schwer diese 
Unterschiede mit Worten wiederzugeben; dass sie aber vorhanden 
sind, bewies die übereinstimmende, sicher ausgesprochene Mei- 
nung von Brehm und Homeyer beim Erblicken des jagenden 
Falken über die Art desselben. Nicht ganz stimmen beide Beob- 
achter über die Fluggewandheit des Würgfalken im Vergleiche zum 
Wanderfalken überein. 

Brehm glaubt den Flug des Würgfalken besser mit dem 
Lerchenfalken als mit dem Wanderfalken vergleichen zu können, 
meint auch, dass der Würgfalk schneller, gewandter und wahr- 
scheinlich kühner sei, als der Wanderfalk; Homeyer will 
nach der kurzen Beobachtung des Würgfalken nicht mit voller 
Sicherheit aussprechen, ob diesem oder dem Wanderfalken der 
Preis zu ertheilen sei, glaubt jedoch den Wanderfalken für 
mindestens eben so schnell, gewandt und kühn halten zu müssen 
als den Würgfalken. 

Geschlecht. L. B. FE. Schz. Schl. Fw. Mz. 
Männchen: 48 88 24 12,, Ts 
Iris dunkelbraun, Füsse bläulichgelb. 
13. Falco subbuteo, Baumfalk. 

Den Baumfalken fanden wir auf unserer Reise nur sehr einzeln. 
Die grossen Wälder der Donau-Niederungen sagen ihm auch meist 
wenig zu, und die kleineren Gehölze der Umgegend besuchten wir 
nur gelegentlich. Es wurde kein Horst beobachtet und nur ein 
.sehr schönes altes Männchen erlegt. 

Einen Baumfalken beobachtete Erzherzog Rudolf unter eigen- 
thümlichen Umständen. Auf einer hochstämmigen Eiche in den 
Auwaldungen der Herrschaft Bellye stand ein ziemlich grosser 
Horst, dessen Bewohner der Förster bisher niemals hatte genau 
bestimmen können. Auf den ersten Blick hin hätte man den Horst 
für die Behausung eines Mäusebussards halten mögen. Ein Schlag 
an die Rinde des Stammes trieb einen Lerchenfalken weg, welcher 
von dem Beobachter angeschossen, leider aber nieht aufgefunden 
werden konnte. „Es schien mir unfasslich,“ bemerkt Erzherzog 
Rudolf, „dass dieser so grosse Bau einem so kleinen Vogel zur 


i Zwölf Frühlingstage an der mittleren Donau. 43 


- Wohnung dienen sollte. Auch der Jäger meinte, dass der Raub- 
_ vogel, den er sonst hier bemerkt hatte, viel mächtiger sei. Aus 
Ä diesem Grunde beschloss ich, unter dem Horste mich zu verstecken, 
_ und schickte den Jäger auf die Waldblösse zurück. Nach einiger 
- Zeit strich ein Würgfalk hoch über mich weg. Schon hoffte ich, 
\ dass dieser seltene Räuber der Bewohner des Nestes sein möge; 
- doch nach einigen Secunden war er meinen Blicken entschwunden. 
Wenige Minuten später erschien rechts von mir, niedrig zwischen 
- den Zweigen der nächsten Bäume, ein ziemlich bedeutender Raub- 
pyosel fast von der Grösse eines Mäusebussards, strich aber so 
rasch zum Horste, dass ich nicht Zeit hatte, ihn genau zu erkennen. 
Bevor er sich einschwingen konnte, verwundete ihn mein erster 
Schuss. Langsam senkte er sich zwischen den Stämmen der 
- Bäume der Erde zu und verschwand meinen Blicken in einem 
dichten Gebüsche. Alles wurde nun genau abgesucht, Staude für 
} 
| 


- Staude; doch das hohe Riedgras vereitelte unsere Bestrebungen. 
- Dieser Unfall that mir sehr leid; denn es wäre erstens von hohem 
_ Interesse gewesen, zu wissen welcher Gattung dieser grössere 
- Raubvogel angehöre und welcher Grund den kleinen Lerchenfalken 
in dessen Horst getrieben hatte. Ich kann mir diese Erscheinung 
in keiner Weise erklären. So viel ich erkennen konnte, hatte ich 
es mit einem Zwergadler zu thun, bin jedoch nicht im Stande, diese 
- Vermuthung zu bekräftigen.“ 

Br enleeht I. DB. FE. : Schz.'  Schl.... Ewun.luMaz. 

E Männchen: 32, 75 14, ..14 2 3 35 

| Iris dunkelbraun, Augenrand und Augengegend, Wachshaut 
_ und Füsse hocheitrongelb, Schnabel hornblau, an der Spitze 
schwarz, Nägel schwarz. 

| 14. Falco tinnunculus, Thurmfalk. 

Nicht seltener Brutvogel des ganzen Beobachtungsgebietes, 
| bevorzugt der Thurmfalk doch, wie zu erwarten, weiter im Lande 
gelegene Feldgehölze. Zahlreich, doch wohl noch theilweise auf 
- dem Zuge trafen wir ihn in der Herrschaft Bellye, auf dem Rück- 
_ wege vom Keskenderwalde, woselbst er die Bäume an der Strasse 
- zu seinen Warten gewählt. 

E Geschlecht. u: °. B, “ F. Schz»} sell. aucrkwsik , Mz: 


E Männchen: 33. 72,24 16 2 4 2,8 
- Männchen: — 72, 235 — 1,9 4 3 
- Männchen: 33 73 a N 3 Bil üaa 


Weibchen: 4 5 23, .18 2 ee: 


44 Kronprinz Rudolf, E. v. Homeyer u. Brehm: 


Iris nussbraun, Schnabel hornblau, an der Spitze schwärzlich; 
Wachshaut, Mundwinkel und nackte Stelle am Auge wachsgelb; 
Füsse trüb wachsgelb; Krallen schwarz. 

15. Falco vespertinus, Rothfussfalk. 

Während wir in der Fruszka Gora Geier und andere grosse 
Horstvögel beobachteten, wurde von einem der Jäger des Grafen 
Chotek ein Rothfussfalk erlegt, und zwar aus einem auf zwei- 


hundert Stück geschätzten Fluge, welcher langsam donauabwärts 


zog und im Wesentlichen die Richtung der das Ufer begleitenden 
Strasse einhielt, wo die einzelnen Vögel bald kreisend jagten, bald 
auf den Bäumen am Wege ausruhend sich niederliessen. Einen 
Tag später traf Prinz Leopold noch einen Flug an und ver- 
wundete einen Rothfussfalken, vermochte ihn jedoch nicht auf- 
zufinden. 

Geschlecht. L. B. F. Schz. Schl. Fv. Mz. 
Weibchen: 31 12° 23,5 14 42 2y 2,6 

Iris dunkelbraun, Schnabel hellbleiblau mit schwarzer Spitze 
und hochgelber Wurzel, Wachshaut, Mundwinkel, nackte Augen- 
kreise und Füsse lebhaft mennigroth, Krallen schwarz. 

16. Falco cenchris, Röthelfalk. 

Unter den Rothfussfalken befanden sich auch mehrere, dem be- 
treffenden Jäger wohlbekannte Röthelfalken, welche, wie immer, 
mit den Verwandten zusammenhielten. Erlegt wurde keiner der 
schmucken Vögel. 

17. Astur palumbarius, Habicht. 

Obwohl wir den Habicht nicht tagtäglich zu Gesichte bekamen, 
dürfen wir doch mit Bestimmtheit annehmen, dass er keinem Theile 
unseres Beobachtungsgebietes fehlt; er findet in ihm überall zu- 
sagende Wohn- und Horstplätze und ebenso reichliche Beute. Die 


Horste, welche wir besuchten, befanden sich ausnahmslos in den 


Feldgehölzen des linken Ufers; Habichte wurden jedoch auch im 
Keskenderwalde beobachtet und werden unzweifelhaft dort horsten. 
Homeyer bemerkt dazu: Wiederholt habe ich zwar Männchen 
und Weibchen beim Horste, oft kurz nacheinander erlegt, jedoch 
bisher stets zuerst das Weibchen. Es war mir daher sehr inter- 
essant, in einem Walde bei Futtak zuerst das vom Horste ab- 
fliegende sehr kleine alte Männchen zu erlegen. Das Weibchen 
zeigte sich auch bald, war jedoch so scheu, dass es sich nicht nahe 
kommen liess. 


Zwölf Frühlingstage an der mittleren Donau. 45 


| 


; “Geschlecht, L. B. F. Schz. Schl. Fw. Mz. 


Weibchen: BOT. 28 3 Du, 5 
Männchen: 53, 101, 31 DIS 28 6,8 4,5 
"Männchen: 53 102 31, 25 3 Ta 5 

| Weibchen: 60, 114 35 22 4 6 6 

| Iris rothgelb, Füsse und Wachshaut citrongelb, Nägel schwarz. 
| 18. Nisus communes, Sperber. 

| Den Sperber sahen wir auffällig selten, ja in den Auwäldern 
= gar nicht. In der Nähe des Keskenderwaldes machte einer 


mit Erfolg Jagd auf eine der wenigen Lerchen. Im Walde von 
Kupincua, an der Save, fand ihn Landbeck zahlreich. 
19. Melvus ater, Schwarzer Milan. 
| Unzweifelhaft der häufigste aller Raubvögel des ganzen Ge- 
- bietes ist der schwarze Milan. Er begrüsste uns bereits mitten in 
‚der Stadt Pest und wurde fortan tagtäglich und allerorten, am 
häufigsten aber doch überall in unmittelbarer Nähe der Donau be- 
-obachtet. Hier in den Auwaldungen stand auch regelmässig sein 
_ Horst auf schwächeren oder stärkeren Bäumen in sehr verschiedener 
- Höhe und eben so verschiedenen Stellungen im Baume, wie dies mit 
‘den Verhältnissen an anderen Orten auch ganz übereinstimmt. 
Alle Milane, welche wir am Horste beobachteten, sassen noch 
; brütend auf Eiern, und zwar einzelne so ungewöhnlich fest, dass 
wir den Horst beschiessen mussten, um sie überhaupt aufzutreiben. 
Alle Beobachtungen, welche Erzherzog Rudolf über die Lebens- 
weise gesammelt und in Brehm's ‚‚Thierleben“ (zweite Auflage, 
Band IV, Seite 690) niedergelegt hat, wurden vollkommen be- 
 stätigt, so dass wir auf das dort Gesagte verweisen dürfen. 
4 An der Donau, und der ungarischen Umgegend, gehört der 
Poohwarze Milan wohl zu den unzweifelhaft nützlichen Vögeln. Wie 
überall lebt er vorzugsweise von todten Fischen und vom Aase, 
auch daneben von Fröschen. Lebende Thiere der höheren Klassen 
greift er wohl sehr selten an und wird deshalb neben den Geiern 
E: die Gesundheitspolizei wichtig. Wenn schon in Norddeutsch- 
land es öfter vorkommt, dass mehre Horste nahe bei einander 
"stehen, so ist dies in m noch weit öfter der Fall und zeigt 
"sich der schwarze Milan auch hierin als ein geselliger Vogel. Wenn 
‚er aber auch ungewöhnlich fest brütet, so ist er deshalb durchaus 
nicht zu den dummen Vögeln zu rechnen. In den von uns be- 
‘suchten Gegenden hat er keinerlei Nachstellungen zu ertragen, 
und sein Zutrauen zu dem Menschen ist wohl begründet. Anders 


46 Kronprinz Rudolf, E. v. Homeyer u. Brehm: 


ist dies in andern Gegenden, wo er einmal gestört, Beweise 
grosser Vorsicht und Klugheit giebt. Aber auch in Ungarn war 
sein Benehmen sehr verschieden, und manche bereits mehrmals 
gestörte Vögel waren ebenso vorsichtig wie in Norddeutschland. 
Geschleht. .L_ B. F. Sch Sch. Fw Mz 2 


Männchen: 55, 137 44 2D,5 3 5 4 
Weibchen: 58 145 46, 238 35 5 4, 
Weibehen: 57: 136: 45, .26,; 4 5,5 3, 
Weibchen: 58, 141 46, 28; 4, Du 4 
Weibchen: 58 142 46 Ta 34 Bu: 3 
Weibchen: 59 145 47 29 36 5 3,5 
Weibchen: 59 145 45, 27 34 5 4 
Weibchen: 58 12 46 28 ah dc 
Weibchen: 59 144 48 28,5 3% 5 Iy 


Iris schwefelgelb, beim Weibchen mit gewässerten bräunlichen i 
Flecken, Schnabel schwarz, Wachshaut und Mundwinkel citron- 
gelb, Füsse chrom- oder pommeranzengelb, Nägel schwarz. 

20. Milvus regalis, Königsmilan — Königsweih. 

Ungleich seltener als der schwarze Milan tritt der verwandte 
Königsweih oder Königsmilan auf. Ihn sahen wir nur einzeln oder 
paarweise, fanden auch keinen Horst, und es ist daher möglich, dass 
die wenigen von uns beobachteten Vögel in diesem Jahre überhaupt 
nicht brüteten. 

Weiter die Donau abwärts wird er immer zahlreicher und. 
kommt in der Dobrudscha ausserordentlich häufig vor, unter Ver- 
hältnissen, welche denen Ungarns ähnlich sind. | 

21. Circus cyanus, Kornweihe. \ 

Wir sahen diese Weihe nur ganz gelegentlich ein- oder zweimal; 
auch Landbeck giebt dieselbe als für Syrmien selten an. In den 
Fluren Enns soll sie nicht selten sein. 1 

22. Circus cineraceus, Wiesenweihe., 

Da wir keine Feldweihe erlegten und diejenigen, welche wir 
bemerkten, immer nur aus sehr bedeutender Entfernung zu sehen 
bekamen, sind wir ausser Stande, mit Sicherheit anzugeben, ob wir 
neben der Kornweihe auch die Wiesenweihe oder nur die eine 
oder die andere gesehen haben. Nach den ein eRERNER Beob- 1 
achtungen Erzherzog Rudolf’s, welche inBrehm’s „Thierleben‘“ 
(zweite Auflage, Band IV, Seite 701 fi.) veröffentlicht wurden, tritt | 
in den Auen der Umgegend von Wien die Wiesenweihe viel häu- 
figer auf als die Kornweihe, und wir können daher unter Berück- | 


Zwölf Frühlingstage an der mittleren Donau. 47 


sichtigung des Verbreitungskreises beider Arten wohl mit Sicher- 
heit annehmen, dass donauabwärts dasselbe der Fall ist. ') 
23. Circus aeruginosus, Rohrweihe. 

Alle Sümpfe, Brüche und mit Rohr bestandene Seen Ungarns 
sewähren der Rohrweihe so vorzügliche Aufenthaltsplätze, dass sie 
geeigneten Ortes keinem Theile unseres Beobachtungsgebietes fehlt 
und an besonders günstigen Stellen häufig auftritt. Ein schwimmender 
Horst von ihr wurde am 3. Mai von Brehm in dem grossen 
Sumpfe oberhalb Kovils gefunden. Derselbe stand, wie hier ge- 
wöhnlich, im alten Rohre,und schien erst durch das Hochwasser 
gehoben worden zu sein. Obwohl bereits fünf Eier in demselben 
lagen, schleppte das Weibchen noch eifrig lange Rohrstengel 
herbei und bemühte sich, dieselben nach Thunlichkeit zu ordnen. 
Einen ähnlichen schwimmenden Horst mit nur einem Ei fand Ho- 
meyer am 5. Mai im Sumpfe Hullo auf altem zusammengetriebenen 
Rohr, über zwei Meter tiefem Wasser. Hinsichtlich des Auftretens 
und der Lebensweise verweisen wir auf die eingehende Schilderung 
Erzherzog Rudolf’s in Brehm’s „Thierleben“ (zweite Auflage, 
Band IV, Seite 705 ff.). 

Geschlecht. L. B. F. Schz. Schl. Fw. Ma». 
Weibchen: 55 136 43 24,, is 85 5 

Iris hellgelb, Schnabelwurzel und Wachshaut hornblau, Schnabel- 

spitze schwarz, Füsse hellgelb, Krallen schwarz. 
24. Bubo mazximus, Uhu. 

Fast möchte man annehmen, dass der Uhu die häufigste Eule 
unseres Beobachtungsgebietes ist. Keine andere seiner Familien- 
Verwandten wurde so häufig gesehen und erlest als er, keine auch 
erschien so wenig wählerisch hinsichtlich ihrer Aufenthaltsorte. 
‚Die alte Regel, dass reichliche Nahrung und die Leichtigkeit solche 
zu gewinnen, Vögel an einen bestimmten Ort fesselt, und dass 
‘sie dann in derartigen Gebieten meist häufig auftreten, bestätigt 
‘sich auch in diesem Falle. Den uns begleitenden Jägern waren 
mehrere Horste bekannt; wir fanden Uhus aber auch zufällig auf, 
‚beim Durchstreifen der Waldungen. Einer von ihnen, welcher am 
25. April von Prinz Leopold erlegt wurde, sass auf einem Aste 


!) Anmerkung. Nach den Beobachtungen früherer Reisenden kommt 
"die Wiesenweihe weiter östlich zahlreich vor und mit ihr auch gar nicht 
‚selten die Steppenweihe als Brutvogel. Uebrigens mochte auch der hohe 
Wasserstand dazu beitragen, diese Vögel die von uns besuchten Gegenden 
meiden zu heissen. 


48 Kronprinz Rudolf, E. v. Homeyer u. Brehm: 


unter dem nicht bewohnten Horste eines Seeadlers !) so fest, dass 
er das Zusammenklatschen der Hände nicht beachtete, sich daher 
ohne Weiteres unterlaufen liess und im Sitzen herabgeschossen 
wurde. Ein anderes Paar hatte zum Horste, und somit auch zu 
seinem Wohnsitze, eine höchstens fünfzehn Meter hohe, steil ab- 
fallende Erdwand gewählt, deren Fuss ohne die geringste An- 
strengung erreicht, und deren oberer Rand eben so leicht begangen 
werden konnte. Weinberge umgaben die Abrutschung, und gerade 
während der Nistzeit waren die Bauern ringsum beschäftigt ge- 
wesen, ohne den Uhu, dessen Horst sie wussten, zu vertreiben, 
freilich hatten sie ihn weder belästigt noch behelligt.?) Wenn 
diese Horsistelle als eine ungewöhnliche bezeichnet werden muss, 
so ist es eine andere, welche Erzherzog Rudolf besuchte, in noch 
höherem Grade.) In ‘einem Auwalde unweit der Stadt Apatin 
hatte das Uhupaar die Höhlung eines sehr starken wagerechten 
Astes zum Brutplatze erwählt, und das brütende Weibchen sass 
hier so tief im Innern, dass es von aussen nicht bemerkt werden 
konnte, wusste sich auch in der Brutkammer trotz einer echten 
Höhleneule zu benehmen und so geschickt und rasch das Freie zu 
gewinnen, dass es beim Abtreiben glücklich entkam. In zwei von 
unseren Steigern ausgenommenen Horsten lagen je drei Junge, 
welche sämmtlich noch das Dunenkleid trugen. “ 
In den Augen der ungarischen und serbischen Förster gilt der 
Uhu keineswegs als besonders schädlicher Raubvogel. Man be- 
hauptet, dass er sich vorzugsweise von Zieseln ernährt, und macht 
wegen eines etwaigen Uebergriffes auf dieses oder jenes Jagdthier 
wenig Aufhebens, lässt ihn daher ziemlich ungestört gewähren und 
nimmt höchstens auf Verlangen seine Jungen, um diese donauauf- | 
wärts zu verkaufen. Dass in Ungarn die Vögel den Uhu weit 


!) Anmerkung. Es wäre möglich, dass dieser Horst vom Uhu zum | 
Brutplatz erwählt war, vielleicht, nachdem seine erste Brut umgekommen. | | 

=) Anmerkung. Homeyer bemerkt hierzu: Der Uhu ist auch in | 
Pommern in der Wahl seiner Brutplätze oft recht unvorsichtig. So fand 
ich einstmals ein Weibchen im hohen Kieferwalde hinter einem ganz 
kleinen Wachholderbusch auf zwei Eiern an der Erde sitzend, fast ohne 4 
jegliche Unterlage und an einer Stelle, wo eine Schafheerde täglich in 
einer Entfernung von dreissig Schritt torabarkam, Der Vogel liess sich bie 
auf wenige Schritte nahe gehen, und die stark bebrüteten Eier bewiesen 
die Dauer dieser Zustände, #4 

®) Anmerkung. Eines ähnlichen Falles erwähnt Landbeck bei 
Gelegenheit seiner ungarischen Reise, | 


Zwölf Frühlingstage an der mittleren Donau. 49 


weniger verfolgen als anderswo, und zwar wohl theils aus dem 
Grunde, weil sie sich bei seinem häufigen Auftreten an ihn ge- 
"wöhnt haben, theils vielleicht, weil er in der That mehr den Zieseln, 
als den Vögeln nachstellt, wurde bereits (Seite 33) erwähnt. 
‚Geschlecht. I. B. F. Schz. Schl. Fw. Mz. 
"Männchen: 62,5. 1153 45 25,5 55 cz er 
Weibehen: 77 176.45 28 6 Ts [P 
Iris röthlich goldgelb, Schnabel und Krallen schwarz. 
| 25. Syrnium aluco, Waldkauz. 
Wahrscheinlich ist auch der Waldkauz an der mittlern Donau 
‚nirgends selten, doch ist: wohl sehr erklärlich, dass bei seiner am 
Tage stillen Lebensweise er sich der Beobachtung entzog. Der 
"einzige, welcher von Brehm erlegt wurde, ein altes Weibchen mit 
noch nicht wieder befiedertem, grossem Brutflecke, gelangte am 
2. April in unsere Hände; drei Junge wurden einige Tage später 


ausgenommen. 
‚Geschlecht. L. B. F. Schz. Schl. Fw. .Mz. 
een, 28 el ee Eee 


Iris dunkelbraun, Schnabel bläulich hornweiss, nach der Spitze 
zu rein hornweiss, Krallen an der Spitze dunkelhornbraun, nach 
der Wurzel zu hornweiss. 
| 26. Syrnium uralense, Habichtseule. 

h Während unseres kurzen Aufenthalts in der Fruszka Gora 
bemühten wir uns vergeblich, die Habichtseule zu Gesichte zu be- 
"kommen oder ihren Horst aufzufinden; dass sie jedoch zu den 
ständigen Bewohnern des Gebirges zählt, unterliegt, nach den 

"Aussagen der dortigen Förster und Waldläufer, keinem Zweifel. 
Die einen wie die anderen kannten sie sehr ah beschrieben sie 

‚uns mit hinlänglicher Genauigkeit und gaben an, dass sie aus- 
‚nahmslos in Baumhöhlungen horste. ?) 

27. Cuculus canorus, Kukuk. 

- Der Kukuk, dessen Ruf wir zuerst am 15. April in den Donau- 


I 


gen bei Wien vernommen hatten ?), zählt zu den häufigsten Vö- 

1) Anmerkung. Landbeck fand den Steinkauz (G@laueidium noctua) 
En Sirmien ziemlich gemein, den Rauchfusskauz (Glaueidium dasypus) an 
"der Save nicht selten, die Schleiereule (Strix flammea) einzeln in den 
Dörfern und die Wendehrenke mehr in den Nadelwäldern höherer Ge- 
|birge, selten in den Ebenen der Save. u: ist von diesen Eulen keine zu 
Gesichte gekommen. 
u > Anmerkung. Bereits einige Tage zuvor hatte Kronprinz Rudolf 
ihn auf einem Jagdausfluge gehört. 

Cab, Journ. f, Ornith, XXVII, Jahrg. No. 145. Januar 1879. 4 


50 Kronprinz Rudolf, E. v. Homeyer u. Brehm: 


geln unseres Beobachtungsgebietes und macht, wie überall, keinen | 
Unterschied zwischen den Waldungen der Höhe oder der Tiefe, 
den Auwäldern und den Feldgehölzen. Schon am 23. April und) 
fortan während der ganzen Zeit unserer Reise rief er mit vollem 
Feuer. !) 
Geschlecht. L. B. F. Schz. Schl. Fw. Mz. 
Männchen: 35, 62 22 17 2,5 1,5 2,4 
Männchen: 36 5 Pu 7} 18,5 2,3 1,0 2,3 
Männchen: 33, 594 "21 16,5 23 2, 2 
Iris eitrongelb, Oberschnabel und Spitze des Unterdckiiabene 
hornbraun, Unterschnabel und Rand des Oberschnabels hellhorn- 
braun, Mundwinkel und Füsse chromgelb, Nägel weisslich horn- 
braun. | 
28. Alcedo ispida, Eisvogel. 

Dem Eisvogel bietet die mittle Donau wenig geeignete Stellen 

zur Ansiedelung, und er zählt deshalb zu den seltenen Erschei- 
nungen. Während der ganzen Zeit wurde er nur ein einziges Mal, 
und zwar an einer mit Stauwasser angefüllten Ausschachtung, be- 
obachtet; in der einen Wand derselben befand sich auch, nicht sehr 
günstig, seine Nisthöhle. | | 
29. Merops apiaster, Bienenfresser. | 

Am 15. April besuchten wir die in der Nähe von Wagram, 
also in Niederösterreich, gelegenen Niststätten des Bienenfressers, 
welche noch vor einigen Jahren regelmässig bevölkert waren, nun- 
mehr aber verlassen sind. Auf unserer Reise sahen wir Bruthöhle 
erst in der Nähe von Czerevitz, zur Zeit jedoch noch ohne ihr 
Bewohner, da deren Ankunft in Süd- und Mittelungarn kaum vo 
Ablauf des ersten Drittels des Mai zu erfolgen pflegt.?) Ei 
einziger Vorläufer der Ankömmlinge wurde am 1. Mai vom Jäge 
Beck gesehen. Später belebten, wie uns Graf Rudolf Chote 
mittheilt, die schönen Vögel die Umgegend von Czerevitz in Menge 
Ihre Nisthöhlen befinden sich dort in senkrechten Wänden un 
Abrutschungen nicht unmittelbar an der Donau, sondern tiefer im 
Lande an den Ufern, welche der Strom bespülte, bevor der stark 
Durchbruch bei dem eisernen Thor erfolgt war, zur Zeit, als er 


!) Anmerkung. Vergleiche was in der Schlussbemerkung gesagt. 
2) Anmerkung. Im April vorigen Jahres wurde auf der Stolpe 
Feldmark bei einem kleinen Gebüsche ein Bienenfresser erlegt, der sich seh 
munter zeigte, obgleich während der Nacht noch ein leichter Schneefall 
gekommen war. Homeyer. 


Zwölf Frühlingstage an der mittleren Donau. Si 


hier noch den grossen Süsswassersee Mare dulce bildete und fast 
das ganze Tiefland von Pannonien bedeckte. Ende Juli waren, 
nach gefälliger Mittheilung Chotek’s, die Jungen bereits halb 
ausgewachsen. 

30. Coracias garrula, Blaurake. 

Die Auwaldungen sind wegen der häufigen Ueberschwemmungen 
für die Blaurake nicht oder wenig geeignet, desto mehr die Feld- 
gehölze, welche ihnen in nächster Nähe ihre Nahrung in Cicaden 
und anderen Insecten bieten, was in den Niederungen durch die 
häufigen und andauernden Ueberschwemmungen unterbrochen wird. 
Zahlreich beobachteten wir sie während der Fahrt vom Keskender- 
walde zur Donau, auf Bäumen im Felde und am Wege. !) 
Geschlecht. L. B. F. Schz. Schl. Fw. Mz. 

32,5 62,5 19, 1 lg 2,8 1, 28 
32,5 6355 19,5 12,, 2,8 l,o 2,3 


B2,,,766,, 20 2.012, I 2 2 
330.265,5.411.20,5 19413 > 2 2 
33,8 65,3 119) 12,, Ir: 2 2,3 


Iris prahrann; Füsse horngelb; Schnabel schwarz. 
31. Be amulgus europaeus, Ziegenmelker. 

Der Ziegenmelker gehört innerhalb unseres Beobachtungsge- 
bietes vielleicht nur den Feldgehölzen, vielleicht noch der Fruszka 
Gora an. Kronprinz Rudolf erlegte am 26. April einen, welcher 
auf freiem Felde am innern Saume der Auwaldungen sass. Der 
Paarungsruf wurde von uns nicht vernommen. 

Geschlecht. L. B. F. Schz. Schl. Fw. Mz. 
28 1,59,5.20,,0, 9 14 Osg 2 Ly 

Iris dunkelbraun; Augenrand gelblich; Schnabel schwarz; 

Füsse hornbraun mit weisslichen Schildrändern; Nägel schwarz. 
32. Cypselus apus, Mauersegler. 

In den ersten Tagen unserer Reise schien auch in Ungarn der 
Mauersegler noch nicht eingetroffen zu sein; dagegen umflog er 
am 4. Mai in namhafter Menge die Mauern und höher gelegenen 
Gebäude der Festung Peterwardein. 

39. Picus martius, Schwarzspecht. 

Der Schwarzspecht soll Standvogel der Fruszka Gora sein. 

Brehm glaubt ihn gehört zu haben, auch die Förster und Wald- 


1) Anmerkung. Wahrscheinlich noch auf dem Zuge. Es konnten 
von Kronprinz Rudolf fünf Stück vom Wagen erlegt werden. 
4* 


52 Kronprinz Rudolf, E. v. Homeyer u. Brehm: 


läufer wollen ihn kennen. Gesehen wurde keiner. Auch Land- 
beck hat ihn nicht daselbst gesehen. 
34. Picus viridis, Grünspecht. 

Obwohl in allen Waldungen unseres Beobachtungsgebietes vor- 
kommend, zählt der Grünspecht doch nicht zu den häufigen Arten 
seiner Familie, findet sich vielmehr immer nur sehr vereinzelt. 

35. Picus canus, Grauspecht. 

Brehm hat auch diesen Specht gehört. Gesehen, oder gar 
erlegt, wurde keiner. Landbeck nennt ihn selten, und dies erklärt 
sich auch wohl, wie beim Grünspecht und Wendehals, durch den 
Mangel der Ameisen. 

36. Picus major, Buntspecht. 

Auch an der mittlen Donau ist der Buntspecht die häufigste 
Art seiner Familie und überall zu finden, wo es für ihn geeignete 
Bäume giebt. Besonders zahlreich tritt er im Keskenderwalde und 
in der Fruszka Gora auf; aber auch in den Auwaldungen und an- 
deren Feldgehölzen sahen und hörten wir ihn tagtäglich. 

L. B. F. Schz. Schl. Fw. Ma». 
25 425 125 Bus 3 21 1, 
24 Ada 1dıs 8 2 2 1,5 

Iris rothbraun, Schnabel schwarz, an der Unterseite bläulich, 
nach der Wurzel zu in Hornweiss übergehend, Füsse schwarz, an 
den Gelenken und Schildrändern weisslich, Nägel schwarz, horn- 
weiss überlaufen. 

37. Picus minor, Kleinspecht. 

Brehm hat bereits im „Thierleben“ ausgesprochen, dass der 
Charakterbaum des Kleinspechts die Weide ist. Auf unserer Reise 
fanden wir dies im vollsten Umfange bestätigt. In den Auwal- 
dungen war der Kleinspecht überall eine gemeine Erscheinung, und 
wenn wir ihn wirklich einmal nicht zu sehen bekamen, bekundeten 


uns unzählige Löcher in halb vermorschten Bäumen sein Vorhan- 


densein. Homeyer bemerkt hierzu: Für die mit Weichhölzern 
bewaldeten Niederungen grosser Ströme mag dies richtig sein, um 
so mehr, als sowohl am Ob wie an der Donau die Buche fehlt. 
In Deutschland, namentlich im Norden, ist nach meinen vieljährigen 
Beobachtungen einzig oder doch fast ausschliesslich die Rothbuche 
der Baum, in welchem der Kleinspecht seine Bruthöhle anlegt. Hier 
sind es jedoch stets halb vermorschte Stellen, an welchen der kleine ° 
Vogel einschlägt und die es ihm ermöglichen, sich eine Nesthöhle 
zu meisseln. Gesundes Holz — auch nicht bei Weichhölzern — 


Zwölf Frühlingstage an der mittleren Donau. 53 


_ habe ich ihn nie angreifen sehen. Uebrigens ist der Zwergspecht 
_ auch in Pommern durchaus nicht selten, nur hält er sich stiller 


als andere Spechte und wird deshalb und bei seiner geringen Grösse 


4 


leicht übersehen. 
Geschlecht. L. B. F, Schz. Schl. Fw. Ma». 
Weibchen: 15,; 28 Sr Du 1155 Ihr O, 


ä 


Iris gelblich rothbraun, Schnabel bleiblau, an der Firste und 


- an der Spitze schwärzlich, Füsse bleigrau, Sohlen gelbbräunlich; 


' Nägel schwarz. 


38. Jynz torguilla, Wendehals. 
Der Wendehals kommt in den von uns besuchten Gegenden 
sehr einzeln vor, und dies erklärt sich auch theils durch den 


- Mangel an Ameisen, theils durch den Mangei der Obstgärten mit 


alten hohlen Bäumen in der Umgebung der Dörfer. In den Donau- 


- auen findet er, schon der häufigen Ueberschwemmungen wegen, 
_ noch weniger die ihm passenden Oertlichkeiten. 


39. Zuscinia vera, Nachtigall, 
Mit Bestimmtheit hatten wir erwartet, in den von uns be- 
suchten Gegenden auch dem Sprosser zu begegnen; immer und 


_ überall aber fanden wir nur die Nachtigall. Auf der Insel Adony 
- glaubten wir erstern zu hören; als wir jedoch den schlagenden 


Vogelerlegt hatten, entpuppte sich derselbealsderZweischaller!), 
beziehentlich als eine Nachtigall, welche sprosserähnlichen Schlag 


- hat. In den Weidediekichten an den Ufern und auf den Inseln 


der Donau war übrigens dieser Zweischaller eben so wenig häufig 


als die eigentliche, nach Schlag und Wesen unverkennbare Nachti- 


gall. Letzter Gebiet begann erst auf der Höhe des Ufers. Hier 


- belebte sie die ganze Gegend. Jeder grössere geeignete Busch 


beherbergte ein Paar, und das Wohngebiet des einen stiess un- 
mittelbar an das des anderen. Alle Oertlichkeiten aber, mochten 


- sie auch von Nachtigallen noch so reich belebt sein, wurden über- 


* boten durch die Fruszka Gora. Hier begrüsste uns allüberall aus 


1) Anmerkung. AuchLandbeck fand vor vierzig Jahren in den von 
uns besuchten Gegenden die Nachtigall vorwiegend vertreten und erwähnt 
des Sprossers, als nur einzeln vorkommend, ohne ausdrücklich zu sagen, dass 
er ihn in Händen gehabt. Es wäre daher denkbar, dass Landbeck sich 
durch den Schlag des Zweischallers habe täuschen lassen und, wie wir, 
nur die Nachtigall gefunden habe. 

Der Sprosser kommt in den Gebirgen des Nordens und Ostens von 
Ungarn zahlreich vor und lebt — wenn überhaupt — in den von uns be- 
suchten Oertlichkeiten gewiss sehr ausnahmsweise, 


54 Kronprinz Rudolf, E. v. Homeyer u. Brehm: 


vielen Kehlen der Nachtigallenschlag; hier übertönte derselbe, na- 
mentlich in den Vorbergen jeden anderen Vogelgesang, und nur 
im eigentlichen Hochwalde kamen neben ihm auch Finken und 
Singdrosseln, Amsel, Rothkehlehen und Waldlaubsänger mit ihren 
Liedern zur Geltung. Den Feldhölzern fehlte die Nachtigall eben 
so wenig wie dem Auen- und dem Bergwalde, war jedoch in ihnen 
bei weitem nicht so häufig als in letztem. Leicht würde es ge- i 
"wesen sein, eine grosse Zahl von Nachtigallen zu erlegen, doch . 
liessen wir ihnen gänzliche Schonung angedeihen, was wir jetzt 
allerdings bedauern müssen, indem uns der Vogel des Südens zur 
Vergleichung mit dem Zweischaller fehlt. h 
Geschlecht. L. B. F. Schz. Schl. Fw. Mz. 
Männchen: 17, 26,5 5 Tag 10 2 1, 
Iris dunkelbraun, Oberschnabel braun, Unterschnabel und Ränder 

des Oberschnabels röthlich hornweiss, Füsse graulich fleischfarben. 
40. Erithacus rubecula, Rothkehlchen. 

Das freundliche Rothkehlehen verlangt so unbedingt trockenen 
Grund unter den Bäumen, dass es die Auwälder des unteren Theiles 
der mittleren Donau meidet. Dagegen lebtes häufig in den Feld- 
gehölzen und in sehr namhafter Anzahl in den Waldungen der 
Fruszka Gora. = 
41. Rutieilla phoenicurus, Gartenrothschwanz 
Unserm Beobachtungsgebiete fehlt der Gartenrothschwanz wohl i 
nirgends; wenigstens beobachteten wir ihn eben so wohl in allen 
Waldungen wie in den Obstpflanzungen oder in Weinbergen, in 
deren Nähe einige höhere Bäume stehen. Selten konnte man ihn 
nicht nennen; häufig trat er eben so wenig auf. Sein Sippenver- 
wandter, der Hausrothschwanz, wurde nicht wahrgenommen. 1) | 
42. Monticola sazatilis, Steinröthel. 

Erst in den Weinbergen, welche die Vorgebirge der Fruszka N 
Gora bedecken, begegneten wir dem Steinröthel. Die Ebene meidet 
er auch hier; denn Berge mit steil abfallenden Gehängen und, an 
Stelle zu Tage tretender Felsen, wenigstens Weinbergsmauern sind 
Bedingung für sein Auftreten. Sieht er diese Vorbedingung erfüllt, 
so kann ihm schon ein Weinberg genügen, welcher ein sanft ge- 
neigtes Gelände bedeckt und ausser einer roh übereinander ge 
schichteten Mauer keinen Stein aufweist. In einer geeigneten Ritze’ 
oder Höhlung dieser Mauer wird er sein Nest anlegen; zu Sing- 


1) Anmerkung. Auch Landbeck fand ihn als Brutvogel selten. 


Zwölf Frühlingstage an der mittleren Donau. 55 


_ und Ausruheplätzen dienen ihm die höchsten Spitzen der um- 

stehenden Bäume. Wer noch daran zweifelt, dass er ein grosser 
Rothschwanz, nicht aber eine Drossel ist, braucht ihn nur ein ein- 
ziges Mal sitzen oder fliegen zu sehen, um aller Zweifel für immer 
ledig zu werden. Was der Gartenrothschwanz bei uns zu Lande, 
ist er in solehem Weinberge, was der Hausrothschwanz auf un- 
serem Ziegeldache oder im Gebirge, ist er da, wo Felsen zu Tage 
- treten. 

| 43. Sazicola oenanthe, Steinschwätzer. 

Da das Donauthal, soweit wir es durchjagten, nur an wenigen 
Stellen steil zum Strome abfällt und an noch wenigeren zu Tage 
tretendes Gestein zeigt, gehört der Steinschwätzer in ihm zu den 
Seltenheiten, bekundet jedoch auch hier seine hervorragende Be- 
gabung, sich den verschiedensten Verhältnissen anzupassen. 

44. Pratincola rubicola, Schwarzkehlchen. 

Erlegt wurde nur ein Exemplar, gesehen wurde es mehrfach. 
-Landbeck nennt es den häufigsten Schwätzer in Syrmien. Wie 
überall sind es auch in den von uns besuchten Gegenden gewisse 
- Stellen, welehe dieser Vogel zu seinen Aufenthaltsplätzen wählt; 
- doch liess die Kürze unserer Reise zumal wir hauptsächlich das 
“Innere der Wälder aufsuchten, uns nicht Raum zur eingehenden 


Beobachtung. 
- Geschlecht. L. By a.#. Schz. Schl. Fw. Ma. 
Männchen: 14, 21, 6, 5 0,9 2,9 1,5 


Iris dunkelbraun, Schnabel und Füsse schwarz. !) 

45. Turdus musicus, Singdrossel. 
Wie oben bereits erwähnt, tritt die Singdrossel in allen 
- Waldungen der mittleren Donau zahlreich auf. Ihr Lied ist es, 
welches man in den Auwaldungen allüberall vernimmt; sie ist es, 
- welche die Feldgehölze wie die Bergwälder der Fruszka Gora be- 
lebt. Auf weite Strecken hin darf sie nächst dem Finken als der 
- häufigste aller vorkommenden Waldvögel gelten. Auffallend war 
es uns, unter den vielen, welche wir hörten, nicht einen einzigen 
guten Sänger zu finden. Wohl liessen sie den unverkennbaren 
Drosselschlag vernehmen; verglichen mit denen der Thüringer 
Wälder und Pommerns aber zählten sie sammt und sonders zu 
den Stümpern. 


1) Anmerkung. Den Wiesenschwätzer (Pratincola rubeira) sahen 
wir nicht mit Sicherheit. Derselbe ist jedoch nach Landbeck in manchen 
Gegenden gemein. 


56 Kronprinz Rudolf, E. v. Homeyer u. Brehm: 


46. Turdus viscivorus, Misteldrossel. N 

Die Misteldrossel wurde nur zweimal, und zwar von dem | 
Büchsenspanner Beck und Homeyer gesehen. Landbeck fand | 
sie nicht selten im Gebirge und in der Ebene. | 

47. Turdus merula, Amsel. 

Für die Amsel bieten die Auwälder namentlich da, wo ver- 
sumpfte, mit dichtem Gebüsche verwachsene Stellen von Stauwasser 
oder Lachen und ebenso vom Hochwalde umgeben werden, passende 
Aufenthaltsorte, und sie zählt daher schon an den Ufern der Donau 
zu den nicht seltenen Vögeln. In grösserer Anzahl beherbergen 
sie die Feldgehölze und die Wälder der Fruszka Gora. In den 
Gärten und Obstbaumpflanzungen der Dörfer leben sie ebenfalls, 
jedoch nur einzeln. 

48. Sylvia ndesorda, Sperbergrasmücke. 

Die Sperbergrasmücke fanden wir einzig und allein in den 
Feldgehölzen bei Kovil, müssen hierzu jedoch bemerken, dass sie 
wahrscheinlich auch anderen Theilen unsers Beobachtungsgebietes 
nicht fehlen wird, bei unserer Anwesenheit daselbst jedoch noch 
nicht eingetroffen war. In dem erwähnten Gehölze begegneten 
wir ihr am 3. Mai recht häufig; die Beschaffenheit dieser Waldungen 
war aber auch eine solche, wie sie dieselbe vor allem liebt; denn 
das Unterholz bestand aus so dichten und dornigen Gebüschen, 
dass es uns nicht möglich wurde sie zu erlegen, oder richtiger, 
die von uns erlegten aufzufinden. ?) 

49. Sylvia atricapella, Mönchsgrasmücke. 

Auch die Mönchsgrasmücke erschien erst in den letzten Tagen 
des April, war dann aber geeigneten Ortes nicht selten. 

50. Sylvia hortensis, Gartengrasmücke. 

Dasselbe, was wir von der Mönchsgrasmücke sagen können, 
gilt für die Gartengrasmücke, doch mit dem Unterschiede, dass sie 
merklich seltener ist als jene. Es musste uns das seltene Vor- 
kommen dieses herrlichen Sängers um so mehr auffallen, als die 
Oertlichkeiten so beschaffen sind, wie ähnliche ihn in Norddeutsch- 
land sicher in grosser Zahl beherbergt hätten. } 


!) Anmerkung. Wie fast überall wird auch in Ungarn das Vor- 
kommen der Sperbergrasmücke auf gewisse Localitäten beschränkt sein; 
denn mehr wie irgend eine ihrer Verwandten macht sie bestimmte An- 


sprüche und verlässt — bei Aenderungen in der Oertlichkeit — sehr leicht 


dieselbe, 


Zwölf Frühlingstage an der mittleren Donau. 57 


Auch Landbeck fand diese Art nur an gewissen Localitäten, 
während sie andern ganz zu fehlen schien. 

5l. Sylvia garrula, Klappergrasmücke. 

Die erste Grasmücke, welche wir vernahmen, war unser 
Müllerchen. Ihm begegneten wir schon auf der Insel Adony un- 
mittelbar nach unserm ersten Besuche des Landes, wie es ja auch 
in Deutschland der Vorläufer aller Verwandten ist. Von diesem 
Tage an führte jeder folgende neue Wanderer herbei, und bald 
klang uns der einfache Gesang aus jeder Hecke entgegen. 
Geschlecht. L. B. F, Schz. Schl. Fw. Mz. 
Neannchen: 1a, 19,5: 64 dur 0,8 Is Ihn 

Iris braun, Oberschnabel und Spitze des Unterschnabels schwärz- 
lich, Unterschnabel hornblau, Füsse horngrau, Nägel ebenso, jedoch 
ein wenig dunkler. 

52, Sylvia cinerea, Dorngrasmücke. 

Auch in Ungarn stellt sich nach unseren Beobachtungen die 
Dorngrasmücke nicht vor Beginn des Mai!) ein. Bis zum letzten 
April vernahmen wir noch keinen einzigen dieser Sänger: vom 
ersten Mai ab belebte er die Hecken und Gebüsche in den Gärten 
wie in den Weinbergen. 

Geschlecht. L. B. F. Schz. Schl. Fw. Mz. 
Weibehen: 15,, 213 7 6,5 O, 25 1 
Männchen: 415,,: 22,5. 7a 7 1 25 1, 

Iris hellgelbbraun, beim Weibchen hellumbrabraun, Schnabel 
oben hornbraun, unten röthlich hornweiss, an der Spitze braun, 
Füsse bräunlich fleischfarben. 

53. Phyllopneuste sibelatrix, Waldlaubsänger. 

Unbedingt der häufigste aller Laubsänger unseres Gebietes, 
soweit unsere Beobachtungen reichen, ist der schwirrende. Gewohnt, 
ihn bei uns zu Lande nur auf Buchen 2) und somit vorzugsweise 
in Buchwaldungen zu finden, nahmen wir wahr, dass er an der 
mittleren Donau den Auwaldungen eben so wenig fehlt wie den so 


1) Anmerkung. Landbeck sah sie jedoch bereits im April. 

?2) Anmerkung. Homeyer bemerkt hierzu: Diese Beobachtung ist 
allgemein angenommen, doch nicht allgemein gültig. In Norddeutschland, 
speciell in Pommern, lebt dieser Brutvogel eben so zahlreich und vielleicht 
zahlreicher im Kiefern- als im Buchenwalde und nicht eben um deswillen, 
weil ihm der Buchenwald fehlt. Der so leicht kenntliche Gesang erleichterte 
die langjährige Beobachtung, und ich kann mit voller Sicherheit aussprechen, 
dass ich den Waldlaubsänger in den pommerschen Kiefernwäldern so häufig 
fand, wie an irgend einem anderen Orte. 


58 Kronprinz Rudolf, E. vv. Homeyer u. Brehm: 


recht für ihn geeigneten Wäldern der Fruszka Gora, So zahlreich 
wie im Keskenderwalde oder in der ganzen Fruszka-Gora war er 
in den Auwaldungen freilich nicht. 

Geschlecht. L. B. F. Schz. Schl. Fw. Mz. 
Männchen: 13, 25 Ta Ds O,g 2 1 
Männchen: 13,3 21, Ts 4,9 0,9 1, 1 

Iris dunkelbraun, Oberschnabel braun, Unterschnabel und | 
Kante des Oberschnabels fleischbräunlich, Füsse ebenso, an den | 
Schilderrändern gelblich. | 

54. Acrocephalus turdoides, Drosselrohrsänger. 

Der gemüthliche Froschgesang des Drosselrohrsängers Klang 
uns bereits in der Herrschaft Bellye entgegen; der Vogel war also | 
schon frühzeitig in der zweiten Hälfte des April hier eingetroffen. 
Von nun an hörten wir ihn fast täglich an geeigneter Stelle, zahl- 
reich in der Nähe von Kovil, aber ganz unbeschreiblich häufig am 
3. Mai in einem gegenüber Carlowitz hinter dem Deiche belegenen 
und deshalb beinahe trockenen Sumpfe. Da fast die ganze Nach- 
barschaft tief unter Wasser stand und nur einige Spitzen des alten 
Ufers daraus hervorragten, waren die Rohrsänger auf einen ver- | 
hältnissmässig kleinen Raum von etwa zwanzig Morgen Fläche zu- | 
sammengedrängt, was sie jedoch nicht verhinderte, in unbeschreib- | 
lichem Durcheinander ihre Stimmen zu einem ohrbetäubenden 
Lärmen zu vereinigen. 

Geschlecht. L. B. F. Schz. Schl. Fw. - Ma. 
Männchen: 21 29, 9 8 1,; 2,7 l,g 

Iris röthlich umbrabraun, Oberschnabel und Spitze des Unter- 
schnabels hornbraun, Unterschnabel weisslich hornfarben, Füsse 
bräunlich fleischfarben, an den Zehen in’s Grauliche, Nagel hell- 
hornbraun. 

55. Acrocephalus arundinaceus, Teichrohrsänger. 

So häufig als der Drosselsänger, so selten scheint der Teich- 
rohrsänger zu sein. Wir vernahmen seinen Gesang nur ein einziges 
Mal, und zwar in der Herrschaft Bellye. 

56. Motacilla alba, Bachstelze. 

Niemals hätten wir geglaubt, dass es eine Oertlichkeit geben 
könnte, woselbst die Bachstelze selten ist; und doch mussten wir 
erfahren, dass es so sei. Während unserer Reise haben wir die | 
Bachstelze keineswegs .tagtäglich und, wenn wirklich, immer nur f 
höchst einzeln beobachtet, so dass sie uns als einer der weniger 
zahlreichen Vögel des Gebietes erscheinen musste. Worin die Ur- 


Zwölf Frühlingstage an der mittleren Donau. 59 


- sachen hierfür liegen mögen, ist uns zweifelhaft geblieben. An 
- Nistplätzen kann es dem in dieser Beziehung so wenig wählerischen 
- Vogel nicht fehlen; Nahrung muss er in Hülle und Fülle finden; 
- Verfolgungen erleidet er sicherlich nicht mehr als irgendwo anders; 
_ verdrängt durch einen andern Vogel kann er nicht werden, da er 
sich nicht verdrängen lässt: was ihn also behindert, sich ebenso 
- häufig anzusiedeln als in andern Gegenden, könnte einzig in dem so 
oft wiederkehrenden Hochwasser der Donau und ihrer Nebenflüsse 
- gesucht und gefunden werden, indem die frühen Bruten dieses Vogels 
- dadurch wohl regelmässig zum grösseren Theile zu Grunde gehen. 
57. Anthus arboreus, Baumpieper. 

Der Baumpieper ist an der ganzen mittleren Donau eine häufige 
Erscheinung und in allen Arten von Wald, vornehmlich aber in 
den Auwäldern zu finden. Die Auen in der Umgegend von Wien 
- beherbergen ihn in zahlreicher Menge; donauabwärts tritt er weit 
- seltener, immerhin aber noch ziemlich häufig auf. 

- Geschlecht. L. B. F. Schz. Schl. Fw. Mz. 

Männchen: 17,3 27, 8 6,5 1,3 2 l,s 

| Iris dunkelbraun, Oberschnabel hornbraun, Unterschnabel horn- 

weiss mit bräunlicher Spitze, Füsse gelbbräunlich fleischfarben. 
58. Alauda arvensis, Feldlerche. 

Es unterliegt wohl keinem Zweifel, dass die Feldlerche ia 
Nord- und Mitteldeutschland bei weitem zahlreicher lebt als weiter 
südlich. Schon in der Umgebung von Wien sahen wir sie weit 
seltener, und in den von uns besuchten Gegenden Ungarns war 
sie — auch auf den Feldern der Ebene — nur ausserordentlich 
sparsam vertreten. 

59. Galerita eristata, Haubenlerche. 

Die Haubenlerche, und zwar in derselben Färbung, wie wir 
sie in Norddeutschland sehen, ist an Strassen, Wegen und in den 
Weinbergen eine regelmässige Erscheinung; hier und da, beispiels- 
weise bei Czerevitz, tritt sie zahlreich auf, so dass sie weit häufiger 
ist, als die Feldlerchke.e Nach Landbeck soll es sich in den 
meisten Gegenden Ungarns ähnlich verhalten. 

Geschlecht. L. B. F, Schz. Schl. Fv. Mz. 
19,5 3,2 10, LM ljg 2,5 ly 

Iris braun, Schnabel licht horngrau, auf der Firste bräunlich, 

Füsse fleischröthlich lehmgelb. 
60. Emberiza miliaria, Grauammer. 
Alle Felder der Ebene zu beiden Seiten des Stromes belebt 


60 Kronprinz Rudolf, E. v. Homeyer u. Brehm: 


der Grauammer in ausserordentlicher Anzahl. Die einfache Strophe 
seines Liedes ist es, welche man, von den Bäumen neben der 
Strasse, fortwährend vernimmt; denn er sitzt nicht nur überall | 
einzeln, sondern auch in kleinen Trupps auf allen geeigneten Plätzen, ' 
so zahlreich, dass er wohl nächst dem Sperlinge in den ungarischen | 
Ebenen am meisten vertreten ist, ja in den von uns besuchten 
Gegenden diesem den Rang streitig macht. 
Geschlecht. L. B. F. Schz. Schl. Fw. Mz. 
IM 293° 55 75 1,4 2,2 1, 

Iris dunkelbraun, Schnabel graulich hornweiss, Firste dunkler, 

Füsse hellgraulich fleischfarben, Nägel weisslich hornbraun. 
61. Emberiza citrinella, Goldammer. 

Während der Grauammer die Felder der Ebene unbedingt 
beherrscht, macht der Goldammer sein altes Recht, das Gelände zu 
beleben, namentlich im hügeligen Lande geltend, ohne deshalb in 
den Ebenen, dem Rande der Feld- und selbst der Auwaldungen 
zu fehlen. Wir fanden ihn sogar hoch oben im Gebirge, jedoch 
überall in beschränkter Anzahl. 

Geschlecht. L. B. F. Schz. Schl. Fw. Mz. 
Weibchen: 17, 26, ' 8» In lg 1,9 ls 
Männchen: 185 299 8 8 1,3 21 ly 

Iris dunkelbraun, Schnabel hellaschgrau mit schwärzlicher 
Spitze und weisslichen Schneiden, Füsse gelbbräunlich fleisch- | 
farben, Nägel dunkelbraun. 

62. Passer domesticus, Sperling. 

In unserem Reisegebiete tritt der Sperling zwar in allen 
Dörfern, aber doch bei weitem nicht in so ungeheuren Schaaren auf, 
wie, nach Beobachtung Erzherzog Rudolf’s, im Innern des Landes. ' 
Die Sperlingsbevölkerung der Städte und Dörfer am Donauufer ist 
sogar als eine sehr mässige zu bezeichnen. Wird jedoch an einem 
Orte Getreide verladen, so sammeln sich auch hier zahlreiche | 
Schwärme, um die günstige Gelegenheit, mühelos Futter zu er- 
werben, üsich besten Kräften auszunutzen. 

Geschlecht. L. B. F. Schz. Schl. Fw. Mz. 
Männchen: 16 24, 7, 64 1 1, 1,5 
Männchen: 16, 25 8 6,5 1, 1,9 Tr 

Iris dunkelbraun, Schnabel schwarz, am Mundwinkel gelb, ' 
Füsse gelbbräunlich fiaschfarben, Sohlen gelblich, Nägel etwas j 
dunkler als die Zehen, an der Spitze hornbraun. | 


Zwölf Frühlingstage an der mittleren Donau. 61 


63. Passer montanus, Feldsperling. 

Ausser an den Rändern der von der Donau entfernten Wälder 
der linken Stromseite erinnern wir uns nicht, den Feldsperling in 
namhafter Anzahl irgendwo anders beobachtet zu haben, als in 
und unter den Horsten der grossen Horstvögel, namentlich der 
Geier, Adler und Waldstörche. Jeder dieser grossen Bauten wird 
zur Ansiedelung für unsere Vögel, und es ist wohl beachtenswerth, 
dass diese, der sicheren Wohnung zu Liebe, ihren Aufenthalt auch 
inmitten ausgedehnter Waldungen nehmen, während sie solche im 
Allgemeinen bekanntlich meiden. An passenden Baumhöhlungen 
für ihre Nester fehlt es ihnen nicht, und es unterliegt wohl auch 
keinem Zweifel, dass solche in der Nähe der Dörfer eben so gut 
"benutzt werden als anderswo; vererbte Gewohnheit aber hat an der 
‚ganzen mittleren Donau unseren Spatz zu einem Mitbewohner, be- 
ziehentlich wohl oder übel geduldeten Miether besagter Horste ge- 
"macht. Die Gewohnheiten aber müssen sich heranbilden, sie müssen 
"entstehen, ehe sie sich vererben können, und die Gründe müssen in 
‘eigenthümlichen Verhältnissen liegen. Theilweise mag nun die 
"Menge grosser Horste dazu Gelegenheit gegeben haben, demnächst 
‚aber auch die verhältnissmässige Sicherheit und in vielen Fällen 
‚auch gelegentliche reiche Nahrung, welche ihnen wohl oft durch 
die Körner zu Theil wird, welche sich in den Kröpfen vorher von 
"den Raubvögeln gefressener Vögel befinden. Das emsige und ge- 
‚schäftige Thun und Treiben der Feldsperlinge an solchem Horste 
erheitert den Beobachter. Sie gebaren sich, als ob die gewaltigen 
" Raubvögel!) gar nicht vorhanden wären, tragen ihren schilpenden 
Gesang dicht neben dem brütenden See- oder Kaiseradler mit ge- 
 wohnter Ausdauer vor, fliegen ab und zu, klettern auf und nieder, 
schlüpfen aus und ein, bekümmern sich mit einem Worte nicht im 
geringsten um ihre Haus- und Miethsherren. Genau ebenso ver- 
fahren sie auch in den Horsten der Schwarzstörche, obgleich sich 
wohl annehmen lässt, dass einer der letzteren dann und wann sie 
gefährdet. An Stellen, wo Getreide auf Schiffe verladen wird, 
finden übrigens auch si: sich regelmässig ein. 
enleeba, Ei 0ıB. 2. E.. \\ Schz. ı ..Schl; Bw 2 Mz. 
Weibchen: 1 a | d,9 In I; Is 
Männchen : Da | Dur 1 Ir = 
h 1) Anmerkung. Bei den Horsten des Hühnerhabichts begeben sie 


sich jedoch — wenn der Besitzer zu Hause — ganz bescheiden und still 
unter den Horst, wo auch die Eingänge zu ihren Nestern sind. 


62 Kronprinz Rudolf, E. vv Homeyer u. Brehm: 


Geschlecht. L. B. F. Schz. Schl. Fw. Mz. 


Männchen: 15, 223 7 Ds 1, 1, 1, 
Männchen: 15,, 21, 6,7 Du ls 1, 1,3 
Männchen: 15, 22 6,7 DA 1, 1 1,5 


| 

Iris tief dunkelbraun, Schnabel schwarz, wenig mit Bleigrau | 

angeflogen, Mundwinkel gelb, Füsse lichtbräunlich gelb, Nägel 
schwarz. 


64. Fringilla coelebs, Edelfink. 
Der häufigste und verbreitetste Bewohner unseres ganzen Be- 
obachtungsgebietes ist der Edelfink. Er bevölkert die Auwaldungen 
in nicht geringerer Anzahl als Feld- und Berggehölze, ist in allen 
Weidenbeständen eben so gemein wie in Buch- oder gemischten 
Waldungen, fehlt keinem Dorfgarten und schmettert seinen fröh- 
lichen Schlag von den Bäumen inmitten der ungarischen Ebene 
herab. So erfreulich dieses Allvorkommen des Vogels aber auch 
ist, so wenig befriedigt sein Gesang. Kein einziger von allen den 
vielen Finken, welche wir schlagen hörten, war mehr als ein er 
bärmlicher Stümper. | 
Geschlecht. L. B.: FF. ‚Schz. ı  Schl..)! SEw 
Männchen: 16, 7, Be CAR 1,4 1,g la 
Iris braun, Schnabel bleiblau, an der Spitze schwärzlich, Füsse 
hellbraun, an dan Sohlen weisslich. 3 
65. Carduelis elegans, Stieglitz. 
Nur in den Weinbergen darf man mit einiger Sicherheit daraul 
zählen, dem Stieglitze zu begegnen; zu den häufigen Vögeln des 
Landes aber gehört er nicht, oder er lebte wenigstens so zurück- 
gezogen, dass wir während der ganzen Reise nur einige Male, 
namentlich in der Gegend von Czerevitz, mit ihm zusammenge- 
troffen sind. ) 
66. Ohloris hortensis, Grünling. 
Auch der Grünling scheint in den von uns besuchten Gegenden 
nieht häufig zu sein; denn er wurde von uns ausschliesslich in den 
kleinen Thälern den, Fruszka Gora am Rande der Wälder und im 
Gebüsche der Wiesen im Thale bemerkt. ı 
67. Coccothraustes vulgaris, Kernbeisser. i 
Während unsers Aufenthaltes an der mittleren Donau sahen wir 
den Kernbeisser ausschliesslich im Buchenwalde. Hier, im Kes- | 
) Anmerkung. Landbeck fand ihn zahlreich brütend in den 
Pflaumengärten und in den Maulbeerbäumen der Dörfer. 


Zwölf Frühlingstage an der mittleren Donau. 63 


kenderwalde wie in der Fruszka Gora, trat er nicht selten auf, 
konnte jedoch eben so wenig als häufig bezeichnet werden. 
68. Sturnus vulgaris, Staar. 
Unser Staar ist ein allverbreiteter Vogel in den von uns durch- 


_ streiften Oertlichkeiten, jedoch nicht so zahlreich als in vielen 


Gegenden Deutschlands. Dies hat seinen Grund wohl theilweise 
darin, dass der ungarische Bauer oder Landwirth es bis jetzt noch 


- nicht für nöthig erachtet hat, diesem nützlichsten aller Vögel Woh- 
_ nungen zu bereiten, und der Staar gezwungen ist, nach Art seiner 


Urväter zu leben. Nun fehlt es zwar weder in den Auwaldungen 
noch in den Feldgehölzen oder Bergwäldern an geeigneten Nist- 
stellen; auf den weiten Getreideebenen aber, wo die Feldgehölze 


- doch immer nur verhältnissmässig wenig Raum einnehmen, tritt 


doch wohl Wohnungsnoth, mindestens Wohnungsmangel ein, und 


- damit dürfte das ziemlich spärliche Auftreten des Staares theilweise 


erklärt sein. Sehr wesentlich aber ist auch noch der Mangel von 


_ Wiesen in den von uns besuchten Gegenden. Mag nun zeitweise 
die Donauniederung diesen Mangel einigermassen ersetzen, zu anderen 
Zeiten, namentlich bei Hochwasser, ist dies nicht der Fall, und es 


ist dem Staar dann nicht so leicht, seine Nahrung zu finden. 


Geschlecht. L. B. F. Schz. Schl. Fw. Mz. 
Männchen: 23 39 12, 6,5 Dir 2,5 24 


Iris dunkelbraun; Schnabel mattgelb; Füsse röthlichbraun; 


Nägel schwarz. 


69. Corvus coraz, Rabe. 
-An der mittleren Donau sind die schlimmen Tage des Raben 


noch nicht angebrochen; er erfreut sich im Gegentheile hier noch 
 beneidenswerther Schonung, mindestens gleichgültiger Duldung. 


f 


- So häufig wie in Russland und Sibirien tritt er freilich nicht auf, 


und ausdrücklichen Schutz geniesst er wohl auch nicht. Aber man 


| 


+ 
3, 


EDLER SEE TEE VENEN IET EEE 


- lässt ihn gewähren und erlegt ihn höchstens zufällig, ebenso wie 
_ man ihm gestattet, seine Jungen aufzufüttern, ohne ihn während 


seiner Fortpflanzungszeit zu behelligen. Der Kolkrabe seinerseits 
erkennt diese wohlwollende Gesinnung in sofern an, als er, wenn 
auch nur ausnahmsweise, in der Nähe der Ortschaften oder doch 
bewohnter Gebäude und beziehentlich stark befahrener Wege seinen 
Horst errichtet. So wurde Erzherzog Rudolf zu einem Raben- 
horste geführt, welcher kaum dreihundert Schritt von einer leb- 
haften Strasse in einem wenige Hektar umfassenden Gehölze stand, 


und fand hier den Vogel so wenig scheu, dass er ihn, wenn auch 


64 Kronprinz Rudolf, E. v. Homeyer u. Brehm: 


mit der erforderlichen Vorsicht, beschleichen und erlegen konnte. 
Andere Horste wurden uns in den Auwaldungen, unter anderen in 
der Nähe von Kovil und ebenso in der Fruszka Gora gezeigt. Die 
Horste standen in sehr verschiedener Höhe über dem Boden, einige 
in den Wipfelzweigen, andere in Astgabeln, über der Mitte des 
Stammes. Sie waren offenbar von den Raben selbst erbaut), aber 
recht liederlich zusammengeschichtet und liessen daher wenig von 
der sonst bezeichnenden Form erkennen. Zur Zeit unseres Be- 
suches waren die Jungen selbstverständlich bereits sehr weit heran- 
gewachsen, einzelne Bruten auch wohl dem Ausfliegen nahe. Ab- 
gesehen von dem alten Weibchen, welches Erzherzog Rudolf er- 
legte, gelang es uns nicht, anderer erwachsener Kolkraben habhaft 
zu werden; denn so vertrauensvoll waren sie auch in Ungarn nicht 
überall, um sich ohne weiteres unterlaufen zu lassen. Bei zwei 
Horsten, welehe Brehm und Homeyer besuchten, liess das 
Männchen sofort beim Ansichtigwerden der bedrohlichen Fremd- 
linge seinen Warnungsruf erschallen. Das Weibchen kam herbei, 
und beide kreisten nun krächzend in hoher Luft über uns, so lange 


wir uns in der Nähe des Horstes befanden. 2) In wirkliche Schuss- ’ 


nähe kam kein einziger von ihnen; die Höhe, in welcher sie sich 
hielten, betrug mindestens sechzig Meter, und selbst als wir unter 
dem Horste standen, liess sich keins der Alten verleiten, tiefer 
herabzukommen. 
Geschlecht. L. B. F. Schz. Schl. Fw. Mz. 
Weibchen: 64, 125 44 26 8 65; Em 
Iris braun, Schnabel und Füsse schwarz. Iris junger Vögel 
mattbraun, Schnabel und Füsse schwarz, an den Schildern weisslich. 
70. Corvus cornix, Nebelkrähe. 


Wie von vornherein anzunehmen, ist die Nebelkrähe häufiger 
als jede andere Art ihrer Sippschaft. Sie fehlt keinem Theile 
unsers Beobachtungsgebietes und ist überall ansässig. Hier und 


da horstet sie, eben so gut wie die Saatkrähe, nur stets in un- 
gleich geringerer Anzabl, inmitten der Reiheransiedelungen. ®) 


1) Anmerkung. Der Rabe thut dies in der Regel, nimmt selten 
einen fremden Horst und hält fester an demselben als irgend ein anderer 
Vogel. 

2) Anmerkung. Ganz in derselben Weise, wie in Deutschland. 


3) Anmerkung. Von den erlegten Stücken war das eine — ein 
ganz alter Vogel — auffallend hell, so licht, als uns in Deutschland nie 


ein ähnliches Exemplar vorgekommen ist. 


3 


IT a 


Zwölf Frühlingstage an der mittleren Donau. 65 


Geschlecht. L. B. F. Schz. Schl. Fw. Mz. 
46,5 % 32,5 18,5 dr 44 5 
46,4 u 31 19 4,s 5 Ba 
Ab 793,538 19,; A,g 5 3 
Iris braun; Schnabel und Füsse schwarz. 
71. Corvus corone, Rabenkrähe. 
Als seltene Erscheinung unseres Gebietes haben wir auch die 
_ Rabenkrähe zu verzeichnen, da sie mehrmals beobachtet und ein- 
mal vom Horste aufgescheucht wurde. » 
72. Corvus frugilegus, Saatkrähe. 
In ungleich grösserer Anzahl als die Nebelkrähe tritt die 
Saatkrähe auf, ist jedoch keineswegs überall in Ungarn verbreitet 
wie die letztere, vielmehr auch hier immer nur auf gewisse Ge- 
- genden beschränkt. Die Ansiedelungen, welche wir an der mittleren 
- Donau kennen lernten, waren oft auch von Reihern, Scharben und 
- Krähen bevölkert. Dazwischen fanden sich noch einige Horste des 
; Milans und unter Umständen solche des Nachtreihers. Auf dem 
_ Reiherstande der Insel Adony bildeten die Saatkrähen die Mehrzahl. 
Man sah auch hier zehn bis fünfzehn, zuweilen zwanzig Nester auf 
- einem Baume, und das vereinigte Geschrei der Krähen übertönte 
das Gekreisch und Gekrächz der Reiher und Scharben. Nicht 
selten standen Reiher-, Scharben- und Krähenhorste auf einem 
‚ Baume, und häufig u man alle Arten der Ansiedler, vielleicht 
h mit nahme der Milane, auf einem und demselben Aste, manchmal 
in förmlichem Gedränge. Für das Leben der Thiere en solche 
# gemischte Colonien, wenn man dieselben mit dem ersten Zusammen- 
treffen der verschiedenen Arten auf einem Brutplatze vergleicht, 
- Gelegenheit zu hochinteressanten Beobachtungen. Gewöhnlich ist 
die erste Begegnung sehr feindlich; es kommen heftige Kämpfe!) 
_ vor und der schwächere Theil wird von dem stärkeren mehr oder 
weniger zurückgedräugt. Mit der Zeit bessern sich die Verhält- 


Re: 
En ) Anmerkung. Solche Kämpfe beliebt man in jetziger Zeit „Kämpfe 
_ um’s Dasein“ zu nennen. Wie wenig dies mit den thatsächlichen Ver- 
 hältnissen übereinstimmt, zeigt der eben erwähnte Fall, dem noch viele 
indere angereiht werden könnten, sehr deutlich. Wie so häufig im Leben 
spricht die grosse Menge ein Schlagwort nach, ohne sich die Bedeutung, 
die Richtigkeit oder he Zutreften für den gegebenen Fall im geringsten 
klar machen zu wollen oder zu können. Es genügt das Wort eines be- 
_ deutenden Mannes wiedergegeben zu haben, gleichsam als Würze des 
eigenen faden Gewäsches, aber man will oder kann nicht erwägen, wie 
sehr man gegen die beliebte Lehre der Anpassung verstösst. Homeyer. 
1 Cab. Journ. f, Oruith, XXVIL, Jahrg. No. 145. Januar 1879. 5 


66 Kronprinz Rudolf, E. vv. Homeyer u. Brehm: 


nisse; man scheint zu erkennen, dass für beide Theile aus dem 
Zusammenleben auch Vortheile erwachsen, und dass für friedliche 
Nachbarn Raum genug vorhanden ist. Ohne kleine Streitigkeiten | 
wird es zwar in solchen grossen Colonien nicht abgehen, aber die 5 
heftigen Kämpfe von Art gegen Art hören im wesentlichen auf. 
So beobachtete Homeyer, dass, als die Cormane auf der 
frischen Nehrung sich veranlasst sahen, im Jahre 1874 ihre alten | 
Brutplätze zu verlassen und zwei Kilometer weiter zu ziehen, alle | 
Reiher ihnen folgten, obgleich die Cormane in früherer Zeit den | 
Reihern die Horste geraubt hatten. Nicht allein für den Milan, 
welcher bei den meisten Reiherständen, so weit wir sie kennen, | 
als Schmarotzer auftritt, sondern auch für die Krähen fallen so 
viele Fische ab, dass es letztgenannten leicht sein muss, für ihre 
hungrigen Jungen einen wesentlichen Theil der Mahlzeit zu be- | 
schaffen. Gewiss fliegen die alten Saatkrähen von ihrer Ansiedelung | 
aus futtersuchend auch auf die Felder hinaus; aber eben so bestimmt | 
lesen sie unter den Reiher- und Scharbenhorsten manchen noch | 
recht brauchbaren Fisch für ihre Jungen zusammen, und zwar ge- 
schieht dies gerade in der Zeit, welche ihre Thätigkeit am meisten | 
in Anspruch nimmt, gegen Ende des Wachsthums der jungen Krähen. 

L.': Br... F« ..Schz, :.Schl.‘ Ew. es 

46 5314492 30 1.755 == — — 

Iris braun, Schnabel und Füsse schwarz. 
73. Corvus monedula, Dohle. 

Die Dohle zählt nicht zu den ee Bewohnern unseres | 
Beobachtungsgebietes, obgleich sie wohl an vielen Orten vor- | 
kommen mag. 

L. B. F. Schz. Schl. Fw. Mz. 
32,17... 08 22 12 2,9 4, 3 
Iris braun, Schnabel und Füsse schwarz. 
14. Pica caudata, Elster. 


hängen Vogel der mittleren Donau bezeichnen. Sie tritt ni 
einzeln auf, und scheint an manchen Orten gänzlich zu fehlen. 
Man verfolgt sie nicht; dem ungeachtet ist sie auch hier sehr scheu. | 
L. B. F. Schz. Schl. Fw. Mz. 
2 Pa 2lye 4 5 4 

Iris braun, Schnabel und Füsse schwarz. 
75. Garrulus glandarius, Eichelheher. | 
So günstig die Lebensbedingungen für den Eichelheher zu sein 


Zwölf Frühlingstage an der mittleren Donau. 67 


scheinen, in so unverhältnissmässig geringer Zahl sieht man ihn. 
Zwar fehlt er keiner der von uns durchstreiften Gegenden, ist aber 
überall bei weitem seltener als in Niederösterreich oder Deutschland. 
L. BR: F. Schz. Schl. Fw. Mz. 
30, 54 17 4; ‘8 4 2,6 

Iris perlfarben; Füsse bräunlich fleischfarben mit bräunlich 
gelbweissem Schein; Schnabel schwarz. 

16. Lanius minor, Grauwürger. 

Erst in den letzten Tagen unseres Aufenthaltes trafen die 
Würger, von ihrer Winterreise zurückkehrend, im Lande ein; wir 
sind daher nicht im Stande anzugeben, ob der Grauwürger später 
häufig oder selten sein mag. Beobachtet wurde er nur in der 
Umgegend von Czerevitz und Kovil. 

Geschlecht. L. B. F. Schz. Schl. Fw. Mz. 
Männchen: 22, 37, 12 Is I,e 2,4 1, 
an 2 35, 129 1, 2,6 ly 

Iris röthlich dunkelbraun; Schnabel und Füsse schwarz. 

77. Lanius collurio, Dorndreher. 

Während wir den Grauwürger nicht vor dem 1. Mai beobach- 
teten, sahen wir den Dorndreher bereits am 26. April und von nun 
an täglich in stets sich häufender Anzahl an allen geeigneten Orten 
unseres Beobachtungsgebietes, im ganzen aber doch kaum so häufig 
als unter ähnlichen Verhältnissen in Niederösterreich oder Deutschland. 

18. Muscicapa grisola, Fliegenfänger. 

Während der ganzen Reise wurde der Fliegenfänger nur zwei- 
mal, und zwar am 3. und 4. Mai, in der Nähe von Kovil beobachtet. 
Wahrscheinlich war er erst in diesen Tagen im Lande eingetroffen. 

79. Museicapa albdcollis, Halsbandfliegenfänger. 

Der häufigste Fliegenfänger unsers ganzen Gebietes schien 
der Halsbandfliegenfänger zu sein. Ihn beobachteten wir bereits 
am 26. April und fortan alltäglich in jedem Walde. 

Geschlecht. L. B. F, Schz. Sch.  Fw. Mz. 
Männchen: 15, 23, 8 Ds 0, Le 1; 
Männchen: 15; 24, 8, br O,5 1; 1,3 
Iris braun, Schnabel und Füsse schwarz. 
80. Musceicapa luctuwosa, Trauerfliegenfänger und 
81. Muscicapa parva, Zwergfliegenfänger 
sah Homeyer, ersteren im Keskenderwalde, den letzteren bei Kovil. 
82. Hirundo rustica, Rauchschwalbe. 
Gern gesehen und gehegt wie anderswo, nimmt die Rauch- 
HF 


68 Kronprinz Rudolf, E. vv. Homeyer u. Brehm: 


schwalbe wohl in jedem Dorfe unseres Gebietes Wohnung und zählt 
daher unter die häufigsten Vögel des Landes. Welche Ortschaften 
wir auch betraten, nirgends haben wir sie vermisst, und überall 
hat uns ihr gemüthlieher Gesang Gruss und Geleit geboten. 

83. Chelidon urbica, Mehlschwalbe. 

Obwohl die Bauart der Häuser innerhalb der von uns besuchten 
Gegend der Mehlschwalbe nicht verwehrt, ihre Nester anzubringen, 
ist sie doch an der mittlen Donau eine auffallend seltene Erschei- 
nung und nur höchst lückenhaft verbreitet. Wir beobachteten sie 
in den nächsten unterhalb Pest gelegenen Dörfern und dann erst 
wieder in Czerevitz, Futtak und Peterwardein. 

84. Cotyle riparia, Uferschwalbe. 

Keiner unserer mitteleuropäischen Ströme dürfte so viele und 
so grossartige Nistplätze der Uferschwalbe aufweisen, wie die Donau. 
Da wo das Ufer steil nach dem Strome abfällt, insbesondere da, 
wo Abrutschungen entstanden sind, fehlt der zierliche Vogel gewiss‘ 
nicht, da wo er sich festgesetzt, tritt er oft in ausserordentlicher | 
Menge auf. Brehm erinnert sich, nur an dem mittlern Ob noch 
ausgedehntere, von mehr Schwalben bewohnte Ansiedelungen ge-' 
sehen zu haben. Homeyer fand in Pommern eine grössere Co- 
lonie, welche am hohen Lehmufer bei Anclam, in früherer Zeit sogar 
auch von einer Menge Segler bewohnt war. 

85. Oriolus galbula, Pirol. 

Der Pirol liess sich bereits während der ersten Tage unserer 
Reise, zuerst am 25. April, vernehmen und zeigte sich von diesem 
Tage an in jedem Walde oder grösseren Baumgarten des ganzen 
Beobachtungsgebietes. 

86. Parus major, Kohlmeise. 

Innerhalb der Grenzen unsers Beobachtungsgebietes ist die 
Kohl- oder Finkmeise überall nicht selten zu finden. Jeder Au- 
wald, jede mit Weiden bestandene Viehtrift in der Nähe der Donau 
bietet ihr geeignete Höhlungen für ihr Nest; Wohnungsnoth, wie 
in Mitteldeutschland kennt sie nicht. ' 

1 B. F. Schz. Schl. Fw. Mz. 
16 24 %5 [ 15 2 1, 3 
15, 234 64 6,7 1, 2 1; ; 

Iris dunkelbraun ; Schnabel schwarz mit weisslichen Schneiden; 

Füsse Aunkeibleigreit, 
87. Parus coeruleus, Blaumeise. 
Nächt der Finkmeise tritt in den von uns durchstreiften Ge- 


Zwölf Frühlingstage an der mittleren Donau. 69 


4 


| senden die Blaumeise am häufigsten auf, ist an manchen Orten wohl 

| noch zahlreicher als jene. Entsprechend ihrer Eigenart, in jedem Be- 

stande sich anzusiedeln, findet man sie eben so wohl in den der. 

- Ueberschwemmung ausgesetzten Auwaldungen wie in den Feldge- 

- hölzen und Bergwäldern der Fruszka Gora, und ebenso ist sie in 

- Gärten und Weinbergen durchaus keine seltene Erscheinung. 

i 88. Parus paluster!), Sumpfmeise. 

| So ungemein sünstig die Lebensbedingungen für die Sumpf- 
meisen zu sein scheinen, so selten bemerkt man sie. Dieses aber 
"hat schwerlich in dem spärlichen Vorkommen des Vogels, als viel- 

mehr darin seinen Grund, dass die beliebtesten Aufenthaltsorte 

gerade dieser Meisen zur Zeit der Hochfluthen auf weite Strecken 

"hin vollkommen unzugänglich sind. Für das Boot zu seicht und 

Mi den Jagdstiefel zu tief, hindern Hochwasser das Durchstreifen 
der Waldungen auch dann, wenn der Unterwuchs solches gestatten 

B: ® und weit ausgedehnte Waldflächen bleiben daher der Be- 
obachtung vollständig entzogen. 

4 Eu Bi. 2, ‚Schz,....8chl. suEw.i... Mz 

% ST 19,9 6,4 d,s BE 1; 1, 

Iris tiefbraun, Sehnabel schwarz mit weisslichen Schneiden, 


89. Acredula aulatd, Schwanzmeise. 

Wie überall, tritt auch hier die Schwanzmeise nicht so häufig 
“auf, als die verwandten Arten; wenigstens sind wir nur einige Male 
it ihr zusammengetroffen. Demungeachtet müssen wir annehmen, 
‚dass sie nicht selten ist. Ihr bieten die mit Obstbäumen bestan- 
‚denen Thalsenkungen der höheren Ufer und die meist ebenfalls 
(baumreichen Weinberge viel zu günstige Aufenthaltsorte, als dass 
‚sie nicht eben so häufig vorkommen sollte wie irgendwo anders. 
; BI: IE... Schzi .nSehly.).EwW:- j0.. Mz 

ld, 185 6% 8, On 1; 1 
Iris dunkeibraun, Augenlider hochgelb, Schnabel und Füsse 
schwarz. 
N 90. Aegithalus pendulinus, Beutelmeise. 

Erst am letzten Beobachtungstage brachte uns der freundliche 
ufall mit der bis dahin eifrig, jedoch vergeblich gesuchten Beutel- 
Meise zusammen. Von ihrem Vorhandensein hatten wir schon in 


ir 
j\ 
IE, 


Anmerkung. Nicht, wie man gewöhnlich schreibt, palusiris. H. 


79 Kronprinz Rudolf, E.v. Homeyer u. Brehm: 


der Herrschaft Bellye durch Förster Ruzsovitz bestimmte Kunde 
erlangt, und drei Wochen später sandte uns der Genannte zwei 
aus dem Sumpfe Hullo stammende Nester mit Eiern zum Beweise, 
dass er uns der Wahrheit gemäss berichtet; denn zur Zeit unseres 
Hierseins war derselbe nicht im Stande, solche zu zeigen. So 
suchten wir bis Kovil vergeblich nach den unverkennbaren, 
luftigen Bauten. Erst auf der Heimkehr aus dem am 3. Mai fand 
Brehm ein halb fertiges Nest, welches jedoch einer der bauenden 
Vögel verliess, bevor das Boot in genügende Nähe gelangte. 
Obwohl der Himmel drohend dunkelte und ein Gewitter be- 
vorstand, liess sich Brehm doch nicht abhalten, in geeig- 


neter Entfernung auf das Wiedererscheinen der Vögel zu warten. 


Das Gewitter kam, die Meisen kehrten heute nicht zurück, 
und erst am nächstfolgenden Morgen gelang es, das bauende 
Weibchen neben dem Neste zu erlegen. Vergeblich aber waren 


alle Bemühungen, das Thun und Treiben des Vogels zu beobachten. 


Das Nest hing zwar wie gewöhnlich über dem Spiegel eines zur 
Zeit hochangeschwollenen Stromarmes und bot sich frei dem Blicke 
dar; die Vögel aber erschienen nur auf Augenblicke am Rande des 
bis zu den Kronen der Bäume unter Wasser gesetzten Weiden- 
waldes, und dieser gestattete das Eindringen im Boote blos an 
sehr wenigen Stellen. 

Geschlecht. L. B. F. Schz. Schl. Fw. Mz. 
Weibchen: 12, ' 175 5% D, 0,9 Ta, 1. 

Iris röthlich braunschwarz, Schnabel oben und unten dunkel- 
hornbraun, an den Seiten bleiblau, an der Schneide weisslich, Füsse 
dunkelbleigrau. 

91. Sitta caesia, Kleiber. 

Waldungen und Baumbestände, in denen die neuzeitliche Forst- 
wirthschaft erst beginnt, sind selbstverständlich mehr als unsere 
Forsten geeignet, dem Kleiber die erwünschten und möglichen An- 
nehmlichkeiten des Lebens zu bieten. Kein Wunder daher, dass 
er in allen Waldungen, welche wir besuchten, insbesondere aber 
in den köstlichen Buchenwäldern der Fruszka Gora, wie in den 
Eichenwaldungen unweit Futtaks eine recht häufige Erscheinung 


j 


ist.‘) Sein volltönender Pfiff erklingt aber auch auf den alten 


knorrigen Eichen, welche hier und da ein tiefer im Lande gelegenes 


2) Anmerkung. Doch keineswegs zahlreicher, als in den pommerschen 
Wäldern. Homeyer. 


 ! 


l 


Zwölf Frühlingstage an der mittleren Donau. 71 


Wohnhaus beschatten oder ihm doch zum schmückenden Hinter- 

srunde werden. In den Baumpflanzungen sahen wir ihn nicht, 

in den Auwaldungen auch nur an solchen Stellen, wo alte Baum- 

riesen hoch über das Gelaube des übrigen Waldes sich erhoben. 
92. Certhla familiarıis, Baumläufer. 

Wennschon der Kleiber innerhalb unsers Beobachtungsgebietes 

um geeignete Niststätten nicht verlegen ist, findet der Baumläufer 


noch weit leichter Unterkunft und eine passende Höhlung zur 
- Aufnahme seines Nestes. Dies sind die Gründe, weshalb er noch 
- allgemeiner verbreitet ist als der vorher genannte. Als bemerkens- 


werth heben wir hervor, dass ein Paar, welches Homeyer und 
Brehm geraume Zeit beobachteten, die verlassene Höhle 


eines Kleinspechtes zu seiner Niststätte erwählt hatte und 


seinen Jungen so fleissig Futter zutrug, dass die beiden Genannten 
es nicht über das Herz bringen konnten, ihn zu erlegen. Später 


- aber bot sich hierzu keine Gelegenheit, und wir können daher nicht 
- bestimmen, welcher Form die Baumläufer angehörten, die wir sahen. 


93. Upupa epops, Wiedehopf. 
Bei Berücksichtigung der wiederholt geschilderten Verhältnisse 


- erscheint es als selbstverständlich, dass der Wiedehopf innerhalb 
_ unseres ganzen Beobachtungsgebietes zu den häufigen Vögeln zählt. 


Wohl aber überrascht, dass er die Auwaldungen auch dann nicht 


- verlässt, wenn sie fast bis zu den Wipfeln der Bäume überschwemmt 
sind. Lieblingsaufenthalte von ihm bilden übrigens auch hier mit 
alten Weiden bestandene Viehtriften, die Gärten in der Nähe der 
- Dörfer und die Weinberge. 


j 


- Geschlecht. L. B. F. Schz. Sch.  Fw. Mz. 


# Männchen: 31,5. 475 164 108 ds 2,1 1 
fe Weibchen: 30,; 46 15 10,; ds 2,9 Ile: 


Iris braun, Schnabel schwarz, an der Wurzel weisslich, Füsse 


— schwarz. 


” 
y 
u 


94. Columba palumbus, Ringeltaube. 
Die Ringeltaube kommt zweifellos in jedem ausgedehnten 


i Walde der mittleren Donau vor, ist jedoch nicht die häufigste Art 


* 


ihrer Familie, im Gegentheile verhältuissmässig selten. Die Er- 


- klärung hierfür ist vielleicht darin zu suchen, dass Nadelholzbäume 


% _ erst neuerdings hier und da angesaamt wurden, alte Saamen tragende 


_ Bäume noch ganz fehlen. In den Auwaldungen unterhalb Wiens 


i beobachteten wir sie bei Weitem häufiger als auf ähnlichen Orten 
unseres Beobachtungsgebietes. 


ae 


12 Kronprinz Rudolf, E. v. Homeyer u. Brehm: 


95. Columba oenas, Hohltaube. 

Mehr als irgend ein anderer Vogel bewahrheitete die Hohl- 
taube die in immer weiteren Schichten sich bahnbrechende Erkennt- 
niss, dass der Mensch die Vögel einzig und allein durch Vernichtung 
ihrer Wohnplätze vertreibt. Wer weiss, wie ausserordentlich der 
Bestand der Hohltauben in Deutschland seit einem Menschenalter 
abgenommen hat, wird freudig überrascht, wenn er Hochwaldungen 
der mittleren Donau betritt. Hier, gleichviel ob in der Tiefe des 
Thales und unmittelbarer Nähe des Stromes wie im Gebirge oder 
tiefer im Lande, klingt das Rucksen der Taube noch freundlich 
im Walde wieder, ob auch Würgfalk, Habicht und Zwergadler 
ziemlich unbeschränkt schalten und walten. Grade die Hohltaube 
findet hier das, was ihr in manchen Gegenden Deutschlands fehlt: 
hohle Bäume in Hülle und Fülle und geeignete Nisthöhlungen, wie 
sie sich solehe nur wünschen mag. In einem grösstentheils über- 
schwemmten Weidenbestande oberhalb Kovils fanden wir sie häufiger 
als irgend sonstwo, häufiger sogar noch als in der Fruszka Gora, 
wo ihr klangvolles Rucksen uns die Stunden verkürzte, welche wir, 
auf Geier harrend, in den Laubhütten verbrachten. 

96. Turtur auritus, Turteltaube. 

Auch die Turteltaube lebt in den von uns durchforschten 
Gegenden zahlreich. Von dem dichten Ufersaume des Stromes an 
bis tief in’s flache Land hinein, oder zu den Höhenzügen der den 
Strom begleitenden Berge hinauf findet sie sich überall, jedoch 
nicht so häufig, wie in manchen Gegenden Norddeutschlands. Hier 
liebt sie vorzugsweise lichte Nadelholzwälder, und diese fehlen ihr 
in den von uns besuchten Gegenden. 

L. B. FE. Schz. Schl. Fw. Mz. 


30 555 175 11, 1 2,5 2,3 
TER: 12,5 14 2, 


Iris bräunlich orange, Augen und nackte Stellen um die Augen 
graulich dunkelpfirsichblutroth, die Stellen unter den Augen blei- 
grau, Schnabel bleigrau, Füsse graulich korallroth, an den Schild- 
rändern weisslich. 

97. Coturniz communis, Wachtel. | 

Aus der Familie der Feldhühner haben wir durch eigene Beob- 
achtung nur das Vorhandensein der Wachtel feststellen können, | 
und auch ihr Ruf wurde nur ein einziges Mal vernommen. Wären 
wir im Stande gewesen mit Musse die Ebenen zu durchstreifen, 
welche wegen ihrer Feldhuhn- und Wachtel-Jagden Berühmtheit 


Zwölf Frühlingstage an der mittleren Donau. 13 


erlangt haben, so würden wir wahrscheinlich ganz andere Er- 
"fahrungen gewonnen haben. 
98. Phasianus colchieus, Fasan. 

Erzherzog Rudolf vernahm am ersten Beobachtungstage auch 
den Ruf des Fasans; später wurde derselbe nicht mehr gehört, 
auch keiner der Vögel gesehen. In den Auwäldern der Umgegend 
von Wien lebt er sehr zahlreich. 

99. Otis tarda, Grosstrappe. 

Die ungarischen Ebenen bewohnt der Grosstrappe bekanntlich 
in sehr namhafter Menge; der Vogel meidet aber, wie leicht er- 
klärlich, die unmittelbare Nähe des Stromes und Waldes, aut 
dessen nächste Umgebung unsere diesmaligen Beobachtungen sich 
vorzugsweise erstrecken mussten. Demungeachtet konnten wir das 
Vorkommen des Trappen auf dem Wege zum Keskenderwalde 
feststellen. 

100. Oedicnemus crepitans, Dickfuss. 

Soweit die Donau mit ungehinderter Schnelle ihre Wasser 
thalabwärts führt, so weit sie das Gerölle mit sich trägt, welches 
ihre den Alpen entspringenden Zuflüsse ihr brachten, sind alle 
Inseln und ebenso die Uferränder nichts anderes als übersandete, 
überschwemmte und mehr oder weniger dicht bewachsene Geröll- 

_ haufen. Hier, insbesondere auf sicheren, ungestörten Inseln, wird 
man schwerlich eine mit Sand überdeckte Stelle überschreiten, 
ohne die Spuren des Dickfusses abgedrückt zu sehen. Der Vogel 

- gehört hier nicht allein zu den regelmässig vorkommenden, sondern 

- zu den häufigen Erscheinungen, und er behauptet auch dann seinen 

- Stand, wenn wiederholt auf ihn gejagt wurde, ebenso wie eine 

- besonders günstige Insel rasch wieder besetzt wird, wenn ihre 

_ früheren Bewohner dem Jäger zum Opfer fielen. Auf unserer 

ersten gemeinschaftlichen Jagd in den Auen unterhalb Wiens er- _ 
legte Erzherzog Rudolf an gewohnter Stelle wiederum ein ge- 
paartes Paar der grossäugigen Gesellen. Mehrere andere Paare be- 
wohnten die benachbarten Inseln, konnten jedoch nicht zu Schusse 
gebracht werden. Weiter donauabwärts, in unserm eigentlichen 

Beobachtungsgebiete, haben wir den Dickfuss allerdings nicht be- 

merkt; es unterliegt jedoch keinem Zweifel, dass er auch hier 

- geeigneten Strominseln, von denen ihn die derzeitige Ueberfluthung 
vertrieben hatte, nicht fehlt. 

101. Charadrius minor, Flussregenpfeifer. 

Unter den wenigen Strandvögeln, welche wir sahen, nahm der 


| 


74 Kronprinz Rudolf, E. v. Homeyer u. Brehm: 


Flussregenpfeifer in sofern eine hervorragende Stellung ein, als 
wir ihm an einigen Orten öfter begegneten. Häufig war er jedoch 
nirgends; wahrscheinlich hatte auch ihn das Hochwasser zeitweilig 
vertrieben. 

102. Vanellus eristatus, Kiebitz. 

Zu den regelmässigen Anwohnern des Stromes zählt der 
Kiebitz; in so namhafter Anzahl, ale man von vornherein an- 
nehmen müsste, trafen wir ihn jedoch nicht. Dies erklärt sich 
aus dem Baumreichthume der Donauufer zur Genüge. Nur da, wo 
das Hochwasser baumlose und auch nicht mit Röhricht bestandene 
Senkungen füllt, findet er Plätze, wie er sie liebt, und wenn er 
wirklich wie in der Nähe Kovils einmal auch auf bebuschten Inseln 
vorkommt, fügt er sich eben in’s Unvermeidliche. 

103. Totanus calidris, Rothschenkel. 


Der Rothschenkel wurde wiederholt, am häufigsten aber zwischen 


Kovil und Karlovitz auf zur Zeit zu einem riesigen Sumpfe ge- 
wandelten Flächen beobachtet, jedoch nicht erlegt. !) 
104. Ibis faleinellus, Sichler. 

Der Sichler, welcher an der mittleren Donau von den deutschen 
Jägern mit dem nicht unpassenden Namen „Storchschnepfe“ ?) be- 
zeichnet wird, kam uns erst in der Nähe von Kovil zu Gesichte. 
Vielleicht hatte der ungewöhnlich hohe Wasserstand der Donau 
auch ihn von seinen gewohnten Brutplätzen vertrieben; denn in 
den ersten Tagen des Mai hielt er sich noch in ungemein starken, 
unserer Schätzung nach zwischen zwei- bis vierhundert Stück zäh- 
lenden Flügen zusammen. Diese Flüge zogen hoch in der Luft 
zwischen Donau und Theiss hin und ber, jeder einzelne meist in 
strenger Ordnung, ein fast gleichschenkliges, an der Spitze stumpf- 
winkliges Dreieck bildend. Dass diese Vögel noch heutigen Tages 
. weiter donauaufwärts, beispielsweise bei Futtak vorkommen, erfuhren 
wir durch Graf Rudolf Chotek, welcher im Juli in dortiger 
Gegend einen Trupp derselben beobachtete. 

105. Cicondanigra, Waldstorch. 

Die umsichtigen Vorkehrungen des erzherzoglichen Wirthschafts- 

directors der Herrschaft Bellye liessen uns von den im Keskender- 


!) Anmerkung. Es ist wohl wahrscheinlich, dass wir auch den in | 
Ungarn gar nicht seltenen Totanus stagnatilis sahen; doch können wir dies 
nicht mit Sicherheit behaupten. 

®) Anmerkung. Storchschnepfe heisst in manchen Gegenden und 
vielleicht noch passender: Himantopus rufipes. 


Zwölf Frühlingstage an der mittleren Donau. 19 


walde horstenden Schwarzstörchen ein klares Bild gewinnen. Wie 
weiter oben bemerkt, hatte das erzherzogliche Forstamt eine Karte 
der ganzen Herrschaft ausarbeiten lassen, auf welcher alle bekannten 
Horststände verzeichnet waren. Ein einziger Blick auf diese Karte 
belehrte uns besser über die Vertheilung der bekannten Storch- 
horste und deren Anzahl, als dies die Begehung des Waldes selbst 
vermocht hätte. Aus gedachter Karte ersahen wir, dass im Kes- 
kenderwalde zwar eine förmliche Ansiedelung der Schwarzstörche 
nach Art eines Reiherstandes besteht, die einzelnen Paare ihre Horste 
jedoch viel weiter von einander entfernt als irgend eine Reiherart 
angelegt haben. Nur in einem Jagen standen die Horste dichter, 
durchschnittlich vielleicht dreihundert Schritt von einander entfernt; 
in den übrigen Waldestheilen waren sie so einzeln angebracht, dass 
von einem geselligen Nisten nicht die Rede sein konnte. Der Stand 
der Horste selbst war verschieden, die Regel blieb jedoch, dass der 
Vogel nicht die einzelnen Wipfelzweige, sondern mit Vorliebe einen 
starken Ast in halber oder in zweidrittel der Baumhöhe gewählt 
hatte. 1) Hinsichtlich der Bauart änderten die Horste unter sich 
wenig ab, ebenso wie sie sich nicht von dem bekannten Gepräge 
unterschieden. Alle ohne Ausnahme waren sehr flach und kein ein- 
ziger so regelrecht gerundet und geordnet, wie das bekannte Nest 
unseres Hausstorches. Die brütenden Vögel sassen ausnahmslos so 
fest, dass sie sich erst nach starkem Klopfen an den Stamm zum 
Auffliegen entschlossen. Bei den benachbarten Horsten abgegebene 
Schüsse wurden von ihnen wenig beachtet. Beim Abstreichen ge- 
fehlte Waldstörche erschienen nach kurzer Zeit wieder, kKreisten 
lange über dem Horste und bekundeten in ersichtlicher Weise das 
Bestreben, baldmöglichst wieder aufzusitzen.?) Eines der gefehlten 
Weibchen kehrte in Gemeinschaft des Männchens zurück; ein 
anderes kreiste längere Zeit allein, ohne dass das Männchen er- 
schienen wäre. Ob irgend ein Theil der Umgegend bevorzugtes 
Jagdgebiet sein mochte, blieb uns unklar. Die begleitenden Förster 


ı) Anmerkuug. Ebenso wie in Ungarn habe ich den schwarzen 
Storch auch stets in Pommern gefunden. Oft stand der Horst weit ab 
vom Stamme fast am Ende eines starken Astes frei, stets so, dass das 
Ab- und Zufliegen den Vögeln leicht wurde. | 

2) Anmerkung. Die Störche hatten offenbar sehr kleine Junge, 
oder im letzten Stadium befindliche Eier und trachteten daher — wie 
alle Vögel zu solcher Zeit — die Erwänrung ihrer Nachkommenschaft 
baldigst wieder zu übernehmen. Homeyer. 


76 Kronprinz Rudolf, E. v. Homeyer u. Brehm: 


wussten auf Befragen hierüber nur mitzutheilen, dass die Störche 
in weite Entfernungen auf Beute auszuziehen pflegen. 

L. B. F. Schz. Schl. Fw. Mz. 

109:  205.:.55 24 19,5 19;8 94 

108: 206. 58,, 24 19 20 8,5 


1022 191 53 23 19 18, 
112 193 55 PP‘) 20 8 
105,, 197 54 98: 18,20 
104 192 54 2.19 19 
Or 24 18 18, 
103 190 55 24 18. 12 AS 
105 201 54 SE RR 18: a 
REINE Bus BE re a 


Iris graubraun, mit weisslichem Ringe. Schnabel, nackte Stelle 
um das Auge und Füsse korallenroth, fast in’s Zinnoberrothe 
ziehend, ersterer an der Spitze gelblich, letztere mit schwärzlich 
gesäumten Schildern; Nägel schwarz. 

106. Ciconva alba, Hausstorch. 

Der Hausstorch kommt in unserm Beobachtnngsgebiete örtlich 
nicht selten vor, scheint jedoch manchen Gegenden zu fehlen. 

L. B. P. Schz. Schl. Fw. Mz. 
97..:.200,3:2.56 22 10 28,5 9,5 

Iris schwarzbraun mit silbergrauem Rande an der Aussenseite; 
nackte Stelle am Auge schwarz; Schnabel und Füsse korallroth, 
letztere an den Schildern weisslich. 

107. Ardea cinerea, Fischreiher. 

In den von uns durchforschten Gegenden der mittleren Donau 
ist der Fischreiher die häufigste Art seiner Familie. Wenn nun 
auch von den meisten Brutplätzen aus dieselben weite Flüge unter- 
nehmen, um ihre Nahrung zu suchen, so war dies in Ungarn bei 
der Menge der dortigen Gewässer nicht erforderlich, und wir sahen 
daher auch nur einzelne Reiher, fern von einer Colonie. Auf der 
vogelkundlich berühmten Insel Adony z. B. erschien uns die An- 
siedelung gegenwärtig schwach bevölkert. Zwar mochten auf ge- 
nanntem Eilande immerhin noch anderthalb- bis zweihundert Paare 
des Fischreihers horsten; dieselben hatten sich jedoch über einen 
so bedeutenden Theil deg Inselwaldes verbreitet, dass weit weniger 
besetzte Stände der Donau in der Nähe Wiens?) ein viel regeres 
2) Anmerkun g. In der Lausitz besuchte ich im Jahre 1838 einen 


Reiberstand, der allgemein und auch von mir auf 2000 Paare geschätzt 
wurde. Homeyer. 


Zwölf Frühlingstage an der mittleren Donau. 77 


Leben zeigen, als wir es hier vor Augen hatten. Es mag sein, 
dass der forstwirthschaftliche Betrieb der Inseln und des Ufer- 
streifens der Donau viele Reiher um ihre Horstplätze gebracht hat; 
ein Stand aber, welchen Brehm in der Nähe von Kovil besuchte, 
belehrte, dass der Fischreiher auch in veränderte Umstände sich 
zu finden weiss. Besagter Stand befand sich auf einer nur mit 
Weiden bewachsenen Insel, deren Bäume nicht über acht Meter 
Höhe hatten, jedoch, wenigstens mit ihren Wipfeln, ein so eng 
geschlossenes Dickicht bildeten, dass es schwer wurde, das kleine 
Boot zwischen dem Geäste durchzudrängen. Bei dem hohen Stande 
der Donau waren nicht wenige der besetzten Horste kaum drei 
Meter über dem Wasserspiegel befindlich; vier, höchstens fünf Meter 
über letzterem war die grösste Höhe !), welche die Horste einnehmen 
konnten. Auf diesem Stande wurde ausser dem Fischreiher keine 
andere Art dieser Sippschaft beobachtet. 

Geschlecht. L. B. NeSchz. Schl. Fw. Mz. 
Männchen: 106 178 46, 18 12); 16,, 9 
Männchen: 105 174 46, 21 13 15,; 9, 


Männchen: 104, 177 47 18 12 15 1) 
Männchen: 100 171 48 17 ns 16 9, 
Weibchen: 100 169 47 17 12 15 9,5 


Männchen: 106 179 48 18,, 12 16 10 
Weibehen: 98 169: 45, 11. 12 14,, 9 

Iris hochgelb, bei manchen in das Rothgelbe ziehend; Schnabel 
hochgelb, röthlich durehschimmernd; Füsse röthlich bräunlichgelb; 
Sohlen blassgelb, Nägel schwarz. 

108. Ardea purpurea, Purpurreiher. 

Erst gegen die untere Hälfte der mittlen Donau hin wurde 
der Purpurreiher häufiger. Erzherzog Rudolf beobachtete ihn in 
mehren Paaren im Sumpfe Hullo, woselbst er an denselben Stellen 
wie Anser cinereus brütete; ausserdem sahen wir ihn einzeln hier 
und da an der Donau und in den Sümpfen. Besonders zahlreich 
trat er in der Nähe von Kovil auf, und in dem von Brehm und 
Homeyer besuchten Sumpfe war er die vorherrschende Art seiner 
Familie. Unzweifelhaft befand sich hier in der Nähe ein Stand; 
die unsere Nachen führenden Fischer wussten uns jedoch hierüber 
nichts mitzutheilen. 

2) Anmerkung. Dass der graue Reiher bisweilen auch niedrig auf 


Weidenbüschen, ja im Sumpfe auf zusammengetriebenem alten Rohre nistet, 
ist von früheren Reisenden beobachtet. Homeyer. 


18 Kronprinz Rudolf, E. v. Homeyer u. Brehm: 


Geschlecht. L. B. F. Schz. Schl. Fw. Mz. 
Männchen: 90 137 37 13,5 12 10,3... 10,5 
Weibchen: 89, 128 535 LE 12 10,...,040 

Iris schwefelgelb oder hellgelb mit schmalem, röthlich braunem 
Aussenrande, Schnabel bräunlich horngelb, an der Wurzel graulich 
schwefelgelb, im Schnabelwinkel braun, an der Spitze röthlich, 
Fuss hellgelb, an der Vorderseite des Laufes und oben auf den 
Zehen hornbraun, Nägel hornbraun, an der Unterseite weisslich. 

109. Ardea nyceticorax, Nachtreiher. 

Auf den meisten Reiherständen horstet neben Fischreihern 
auch der Nachtreiher. Solche Plätze, wo nur Nachtreiher horsteten, 
fanden wir nicht; doch müssen dieselben wohl vorhanden sein, denn 
wir sahen ihn während der ganzen Reise wiederholt in mehr oder 
minder zahlreichen Trupps in hoher Luft ziehen. Sein Flugbild 
kennzeichnet ihn so bestimmt, dass es für uns unmöglich gewesen 
sein würde, ihn mit einem anderen Reiher zu verwechseln. Es ist 
weniger die verschiedene Grösse, welche ihn vom Fisch- oder vom 
Purpurreiher unterscheidet, als die kurze gedrungene Gestalt, die 
kaum vorragenden Ständer und endlich die gerundeten Flügel, 


welche ihn kennzeichnen. Dazu kommt, dass er viel rascher als 


jeder der beiden genannten Reiher die Schwingen bewegt und 
beim Schweben schneller dahingleitet als jene. Wir sahen ihn 
übrigens auch auf dem Zuge und in kleinen Trupps, und es mögen 
zwanzig Nachtreiher, zu einem Fluge geschaart, wohl die grösste 
Anzahl sein, welche uns gleichzeitig zu Gesicht gekommen ist. 
Geschlecht. L. B. F. Schz. Schl. Fw. Mz. 
Weibehen: 60 106 29, 115 ee Ts 6,9 
Männchen: 62, 111 31 11,, ng Ta Ta 
Weibchen: 58 106 29, 10,, 6,7 Te Tag 

Iris lebhaft korallroth, nackte Augengegend hellbräunlich- 
gelb, Schnabel schwarz, Unterschnabel an der Wurzel bis etwa | 
zwei Drittel seiner Gesammtlänge weisslich hornblau, Fusswurzel 
schwefelgelb, beim Männchen an den Zehen und am Fersengelenke 
roth durchschimmernd; Nägel schwarz. !) 

110. Ardea egretta, Edelreiher. 
Da der Edelreiher an der mittleren Donau ausschliesslich tief 


) Anmerkung. Kronprinz Rudolf beobachtete bei einem frisch ge- 
schossenen sehr alten Männchen eine schöne rotlıe Färbung des Schnabels 
und der Füsse, die sich jedoch in kurzer Zeit, am Schnabel ganz und an 
den Füssen schr wesentlich verlor. j 


Zwölf Frühlingstage an der mittleren Donau. 79 


in ausgedehnten, fast unzugänglichen Sümpfen horstet, wird sein Auf- 
treten, ganz abgesehen von unmittelbaren Nachstellungen, denen 
er mehr als jeder andere seines Geschlechtes ausgesetzt ist, wesent- 
lich beeinflusst durch den zeitweiligen Stand des Rohres. Wird 
letzteres in strengen Wintern eingeerntet oder abgebrannt, so findet 
der Edelreiher bei seiner Rückkehr im Frühjahr keine geeigneten 


- Niststätten vor und muss sich entschliessen, anderswo Unterkommen 


zu suchen. Da nun ausserdem alljährlich Land eingedeicht wird, 
und auch hier die Sümpfe mehr und mehr trocken gelegt werden, ver- 
ringert sich seine Anzaahl immer mehr. Wir unsererseits beobachteten 
ihn, und zwar wenige Paare, einzig und allein in dem grossen 
Sumpfe Hulo, unweit des Drauecks, also am Zusammenflusse der 
Drau und Donau, im Süden der Herrschaft Bellye. 
11l. Ardea comata, Rallenreiher. 

Dieser zierliche Reiher wurde vom Erzherzog Rudolf zuerst 

in der Nähe von Apatin über einen Donauarm streichend beob- 


achtet; dann zeigte er sich in der Nähe von Futtak und später der 
Stadt Carlowitz gegenüber sitzend und vorüberstreichend. Ueber die 


Nistplätze desselben konnte nichts in Erfahrung gebracht werden. 
112. Stagnicolachloropus, Teichhuhn. 
Die heimlichen Wildnisse, welche die Auwaldungen umschliessen, 
bieten nicht allein dem Teichhuhne, sondern auch den Zwergrohr- 


- hühnern äusserst günstige Wohnplätze. Während letztere, nach An- 


RT EIER WET ee a nn 


RE? 


gabe unserer kundigen Begleiter, erst dann gesehen werden, wenn 
die Nymphäen ihre Blätter bis zum Wasserspiegel emporgetrieben 
haben, war das Teichhuhn zur Zeit unseres Aufenthaltes bereits 
eingetroffen, jedoch so scheu, dass es uns nicht gelang, eines ein- 
zigen habhaft zu werden. 
113. Fulica atra, Blässhuhn. 
Ueberall und zahlreich verbreitet, am häufigsten unter allen 


' Wasserhühnerarten. 


Geschlecht. L. B. F. Schz. Schl. Fw. Mz. 
Männchen: 435 7 22 len 2,5 6 1,5 

Iris rothbraun, Schnabel und Schild weiss, Füsse bleigrau, an 
den Schildern und Gelenken schwarz, am Rande gelbbräunlich 
überlaufen und an den Zehen grüngelb. 

114. Anser cinereus, Graugans. 

Wildgänse wurden von uns mehrfach beobachtet, am häufig- 
sten aber in dem Rohrsumpfe Hulo gesehen. Erzherzog Rudolf 
erlegte hier ein Weibchen beim Neste und entnahm demselben fünf 


80 Kronprinz Rudolf, E. v. Homeyer u. Brehm: 


Eier. In Ungarn spricht man zwar von Saatgänsen, jedoch kommt 
dort, wie im ganzen südlichen Europa, nur allein die Graugans 
vor, welche man fälschlich Saatgans nennt. 

Geschlecht. L. B. F. Schz. Schl. Fw. Mz. 
Weibehen: 82 159 46 16 6,; 9,5 8,5 

Iris dunkel umbrabraun, Schnabel era fleischroth, Füsse 
weisslich fleischfarben. 

115. Anas boschas, Stockente. 

Die häufigste Entenart, welche an der mittlen Donau brütet, 
ist die Stockente. Ihr bieten die Weidenbestände, wie die vom 
Strome überschwemmten Senkungen zu beiden Seiten des Ufers 
höchst geeignete Aufenthaltsorte, nicht aber immer sichere Brut- 
plätze. Schon in der Gegend von Apatin musste uns auffallen, 
dass wir in den letzten Tagen des April noch überall Paare unserer 
Ente antrafen; in den darauf folgenden Tagen wurde es uns zur 
Gewissheit, dass diese Paare solche waren, welche sich wiederum 
zusammengethan hatten, nachdem das Weibchen durch Hochwasser 
aus dem Neste getrieben und dieses zerstört worden war. Bei 
unserem Eindringen in das Innere der überschwemmten Waldungen 
stiessen wir, wie schon oben bemerkt, wiederholt auf Nester unserer | 
Ente, in denen die Weibchen brütend sassen und ihre Mutterpflicht 
mit so hingebender Treue ausübten, dass sie ohne aufzufliegen An- 
näherung bis auf einen Meter Entfernung gestatteten.!) Alle diese 
‚glücklichen Mütter hatten ihre Brutplätze auf Weidenstämmen so 
hoch iber dem Grunde angelegt, dass das mindestens zwei Meter 
den Boden überfluthende Wasser noch nicht bis zu ihnen empor- 
gestiegen war. Alle auf dem Boden gebauten Nester, sowie die 
unter der jetzigen Wasserhöhe befindlichen waren zerstört. 

116. Anas querquedula, Knäkente. 
Nächst der Stockente ist die Knäkente am zahlreichsten ver- 


!) Anmerkung. So scheu diese Ente auch unter gewöhnlichen Ver- 
hältnissen ist, so ausserordentlich zahm findet man sie als Brutvogel. Als 
einstmals der mit Heidekraut (Calluna vulgaris) bestandene Rand eines 
kleinen Teiches angezündet wurde, verliess eine dort auf den Eiern sitzende 
Stockente dieselben erst, als das Feuer in dem brennenden Kraute ihr 
durch die Hitze lästig wurde, suchte sich jedoch beim Verlassen des Nestes 
den Blicken des Menschen zu entziehen, indem sie niedrig, dem Boden an- 
geschmiegt, auf das Wasser kroch und sich dort im Schilfe barg. Ganz 
zufällig war ich Zeuge dieses Herganges und. entdeckte das Nest erst 
durch die Bewegung der Ente, als die Flamme kaum noch einen Meter 
von ihr entfernt war. llomeyer. 


Zwölf Frühlingstage an der mittleren Donau. 81 


treten. Auch diese sahen wir noch vielfach paarweise, was sich 
jedoch theilweise auch dadurch erklärt, dass dieselbe ihr Brut- 
geschäft weit später beginnt, als die Stockente. 

117. Fuligula nyroca, Moorente. 

Auf denselben Stellen, welche Teich- und Blässhuhn bevölkern, 
ist auch die Moorente eine regelmässige, hier und da sogar häufige 
Erscheinung. Die Beschaffenheit der überschwemmten Waldes- 
theile erschwert jedoch die Jagd der schönen und gewandten 
Vögel in so hohem Grade, dass wir nur einen einzigen glücklichen 
Schuss abgeben konnten. 

Geschlecht. L. B. F. Schz. Schl. Fw. Ma». 
Männchen: 43 Or una kere 6,6 Ay 3 219 

Iris weiss, Schnabel dunkelbleiblau, Nägel schwarz, Füsse 
bleigrau, deren Gelenke und Schwimmhaut schwarz. 

Ausser den drei genannten Enten wurden durch unser Schiff 
noch zwei andere Entenarten vom Donauspiegel aufgetrieben und 
diese von Homeyer als 

118. Fuligula ferina, Tafelente und 
119. Dafila acuta, Spiessente 
angesprochen. Ebenso sah der Genannte einmal den 
120. Mergus serrator, Entensäger.!) 
121. Sterna nigra, Trauerseeschwalbe. 

Die einzige Seeschwalbe, welche wir mit Sicherheit ?) bestimmen 
konnten und beziehentlich erlegten, war die Trauerseeschwalbe. 
Die ersten Vorläufer der während unseres Aufenthaltes an der 
mittleren Donau eintreffenden Seeschwalben beobachteten wir be- 
reits auf dem Wege nach dem Keskenderwalde am 26. April. In 
den nächstfolgenden Tagen sahen wir den zierlichen Vogel aller- 
dings ebenfalls dann und wann in Gesellschaften donauaufwärts 
ziehen; der Tag der wirklichen Ankunft aber war der 3. Mai. 


- Schon am Morgen zogen Schwärme von zwanzig, dreissig, vierzig 


2) Anmerkung. Nach den Mittheilungen Landbeck’s nistet die 
Tafelente nicht selten bei Kupiuowa und Jakowa, wo derselbe Alte und 
Junge erlegte; auch die Spiessente fand derselbe als Brutvogel. Das Vor- 


kommen dieser beiden Arten ist in den von uns besuchten Gegenden daher 


unzweifelhatt. Auch Mergus serrator wurde von früheren Reisenden 
beobachtet. 

®2) Anmerkung. Mit gewisser Sicherheit glaube ich Sierna hörumdo 
erkannt zu haben, doch war die Entfernung eine so bedeutende, dass eine 


 Verwechselung mit Sterna leucopareja möglich wäre, Homeyer. 


> 


ia Hi 


Cab. Journ. f,; Ornith. XXVII. Jahrg. No. 145, Januar 1879. 6 


82 Kronprinz Rudolf, E. v. Homeyer u. Brehm: 


Stück an uns vorüber, alle dem Strome entgegenwandernd. Während 
unseres Ausfluges nach dem oftgenannten Sumpfe beobachteten wir 
fortwährend neue Flüge, und als wir einmal auf einem Damme 
zwischen zwei geeigneten Wasserflächen festes Land betreten 
konnten, sahen wir rechts und links mehrere Hunderte dieser 
Seeschwalben eifrig fischen. ‘Auf der Rückfahrt begegneten wir 
fort und fort neuen Ankömmlingen und konnten feststellen, dass 
dieselben Gewässer, welche am Morgen nur spärlich bevölkert 
waren, inzwischen wohl die zehnfache Bewohnerschaft erhalten 
hatten. Die Anzahl der Seeschwalben, welche an diesem Tage, 
aufwärts wandernd, an uns vorüberflogen, oder fischend uns zu 
Gesichte kamen, entzieht sich jeder Schätzung; mehrere Tausende 
aber waren es ganz gewiss, um welche es sich handelte. Der 
Zug hielt auch während der beiden folgenden Tage an, und daher 
fanden wir auf der Rückreise auch alle diejenigen Brutgewässer, 
welche bei der Thalfahrt noch nicht besetzt waren, stark bevölkert. 
Geschlecht. L. B. F. Schz. Schl. Fw. Mz. 


Männchen: 26, 62 20, 8 “ 1,7 lyz 
Männchen: 26, 64 22 8,9 3 1,7 1, 
Weibchen: 25 öl, 28 8,5 24 1yg l,g 
Männchen: 26, 60, 21 8, 2,8 L,, l;g 


Iris dunkelbraun, Schnabel schwarz, am Mundwinkel fleisch- 
roth, Füsse röthlich schwarzbraun. 

122. Carbo cormoranus, Scharbe. 

Die Scharbe, an der mittleren Donau auschliesslich Kormoran 
genannt, ist ein sehr häufiger Brutvogel des Stromgebietes. Wahr- 
scheinlich fehlt sie keinem grösseren Reiherstande, und möglicher- 
weise horstet sie noch ausserdem selbstständig in einzelnen Wal- 
dungen. Brehm und Homeyer wurden durch Kronprinz Ru- 
dolf darauf aufmerksam gemacht, dass man fast auf jedem Stande 
Brutvögel mit weissem oder doch grauweissem Bauche antreffe, 
und in der That beobachteten wir zweimal derartige Vögel. !) | 


!) Anmerkung. Die weisse Unterseite ist zwar ein Kriterium, 


welches der Regel nach den jungen Vogel erkennen lässt, doch ist dies 
keinesweges ausschliesslich der Fall. Nicht allein an der Donau, sondern 
auch in den Küstenländern der Ostsee kommen an den Brutplätzen der- 
gleichen alte Vögel einzeln vor, ebenso bei Carbo Desmarestii im Mittel- 
ländischen Meere. Diese lichte Abänderung hat Cara in seiner Ornithologie 
Sardiniens als Carbo leucogaster aufgeführt, es bleibt jedoch zweifelhaft, 
ob darunter eine seltene Färbung oder der junge Vogel zu verstehen ist 
Homeyer. 


Zwölf Frühlingstage an der mittleren Donau. 83 


Geschlecht. L. B. R: Schz. Schl. Fw. Mz. 

zenssort:; 92 151 37 18 Tg 64 7,5 
Männchen: 87 147 36, 18,; Us 6 Tg 
Männchen: 87 145 35 uflae Dve 6,3 Tg 


Werbehen: 82. 136 35 16,; 6 du Is 
Männchen: 85 142 35, 17 { Di Us: 
Männchen: 88 143 537 19 Kos Ds er 
Männchen: 87 i4d5 25; 18 4 6 ler 
Weineben., ;.81,, .135...38 16 6,7 Dis 6,9 


Iris dunkelgrün, Schnabel schwarz, unten bleigrau, Mund- 
winkel gelblich, Füsse schwarz. 
123. Podiceps eristatus, EHanhentamoher 
Alle ausgedehnten stillen Gewässer zu beiden Seiten des 
Stromes beherbergen den Haubensteissfuss; hier und da tritt er 
sogar nicht selten auf. 
124. Podiceps subcristatus, Rothhalssteissfuss. 
Weit seltener als der Haubensteissfuss lebt in dem ganzen 
Beobachtungsgebiete der Rothhalssteissfuss. Bei unserer Anwesen- 
heit war er in der letzten Zeit durch das Hochwasser von manchen 
Brutplätzen verdrängt, und wir trafen ihn merkwürdiger Weise in 
Waldwildnissen, die wir mit dem Kahne befuhren. Manche Indi- 
viduen scheinen sich noch auf dem Zuge zu befinden. 
125. Podvceps auritus, Ohrensteissfuss. 
So unzweifelhaft der Ohrensteissfuss ausserordentlich zahlreich 


_ auf den südungarischen Sümpfen lebt, so sehr einzeln kam er 


uns zu Gesichte, viel weniger bot sich eine Gelegenheit, einen 
Schuss anzubringen. 
126. Podeiceps minor, Zwergsteissfuss. 
Wir sahen ihn nur einmal, und auch Landbeck fand ihn sehr 


_ einzeln. 


ee en 6 ı 5 2 A 


Von den vorstehend aufgezählten Vögeln wurden beobachtet 
und beziehentlich erlegt: Am 23. April siebenunddreissig, am 
24. April vierundvierzig, am 25. April fünfundvierzig, am 26. April 
achtundfünfzig, am 27. April dreissig, am 28. April achtundzwanzig, 


am 29. April einunddreissig, am 30. April zweiunddreissig, am 


1. Mai. einundvierzig, am 2. Mai zweiundzwanzig, am 3. Mai drei- 


_ undfünfzig, am 4. Mai fünfunddreissig, am 5. Mai siebenundzwanzig 
Arten, 


6* 


84 Mitglieder-Verzeichniss 


Mitglieder -V erzeichniss 
der 
Allgemeinen Deutschen Ornithologischen Gesellschaft 


zu Berlin. 


Vorstand: 


E. F. v. Homeyer, Präsident. 
H. Golz, Vice-Präsident. 

J. Cabanis, General-Secretär. 
A. v. Brehm, Beigeordneter. 
R. Blasius, Beigeordneter. 


Ausschuss: 
A. v: Pelzeln: F. Wiepken. 
F. Heine sen. Bodinus. 
A.Reichenow (Stellvertr. Seer.) G. Hartlaub. 
Graf Roedern. v. Schlechtendal. 
Freih.R.König-Warthausen. W. Pralle. 
A. Nehrkorn. H. Schalow (Cassenführer). 
C. Bolle. C. Giebel. 
W. Blasius. v. Tschusi-Schmidhoffen. 


Ordentliche Mitglieder: 


1878. Se. Kaiserliche und Königliche Hoheit Erzherzog Kron- 
prinz Rudolf von Oesterreich und Ungarn, in Wien. BA 
1879. Se. KöniglicheHoheitPrinzLeopoldvonBayern, in München. 
1874. Se.Königliche Hoheit Prinz Ferdinand vonCoburg-Gotha, 
in Wien, Coburg’sches Palais. BE 
1870. Se. Durchlaucht Fürst von Bismarck-Schönhausen, Kanzler 
des Deutschen Reiches, in Berlin, 
1870. Se’ Durchlaucht Fürst Hermann von Hatzfeld auf Schloss 
Trachenberg, Schlesien. ® 
1873. Se. Durchlaucht PrinzLothar zu Ysenburg undBüdingen 
auf Schloss Ramholz bei Schlüchtern, Prov, Hessen, g 


d. Allgemeinen Deutschen Ornithologischen Gesellschaft z. Berlin. 85 


1870. 
1862. 
1873. 
1870. 


1862. 


1872. 


1870. 
1855. 
1876. 
1879. 


1870. 
1868. 
1879. 
1871. 


1853. 
1871. 


1879. 
1870. 


1878. 
1875. 
1851. 
1877. 
1879. 
1873. 
1868. 
A 1870. 
- 1832. 


1870. 


Herr d’Alton, Guido, Berlin W., Derflinger Str. 22. 
„ Altum, B. Dr., Professor a. d. Forstakademie zu Eberswalde. 
» Benzon, A., Apotheker, Kopenhagen. 
Graf von Berlepsch, Hans, Schloss Berlepsch bei Witzenhausen, 
Prov. Hessen-Nassau. 

Herr Blasius, Rud., Dr. med., Stabsarzt a. D., Braunschweig, Petri- 
thor-Promenade 2. 

Blasius, Wilhelm, Dr. med., Prof., Braunschweig. 

von Bleichroeder, G., Geh. Commerzien-Rath, Berlin W., 63 
Behrenstrasse. 

Bodinus, Dr. med., Director des Zoologischen Gartens, Berlin W,, 
Zoologischer Garten. 

„ Böhm, R., Dr. phil., Berlin W., 6 Sigismundstr. 

BaronvonBohlen-Bohlendorf, Julius, Erbkämmerer des Fürsten- 

thums Rügen und der Lande Barth, Rittergutsbesitzer auf Streu 
pr. Schaprode, Insel Rügen. 

Herr Böttcher, Dr. med., praet. Arzt in Görlitz. 

„ Bolle, Carl, Dr., Gutsbesitzer, Berlin W., 13 Leipziger Platz. 

Se. Excellenz GrafBombelles, Obersthofmeister Sr. K. K. Hoheit 

des Erzherzog Kronprinz Rudolf von Oesterreich, in Wien. 

Herr Born, Emil, Major im eidg. Generalstabe, Herzogenbuchsee 
(Schweiz). 

von Brehm, A. E., Dr., Berlin S. W., Hallesches Ufer No. 11. 

Brehm, Reinhold, Dr., Arzt der Kaiserl. Deutschen Gesandtschaft 
zu Madrid, 4 Calle Serrano. 

Graf Breunner-Enkevoerth, August, in Wien I. Singerstrasse 16. 

Herr Bucher, Lothar, Wirklicher Geh. Legationsrath, Berlin W., 39 
Lützowstrasse. 

Büchner, Eugen, St. Petersburg, Kazans Kaja Str. Haus No. 33. 
Qu. No. 3. 

Burmeister, Heinr., Arnstadt, Villa Burmeister. 

Cabanis, Jean, Dr. Prof., Custos am kgl. zoologischen Museum 
d. Friedr. Wilhelms -Universität, General-Secretär der 
Gesellschaft, Berlin S.W., Alte Jacobsstrasse 105a. 

von Chlapowski, Mathias, Rittergutsbesitzer auf Rothdorf bei 
Kriewen, Prov. Posen, z. Zt. in Berlin W., Behren-Str. 22 I. 

Graf Rudolf von Chotek. Adresse: Graf Chotek’sche Central- 

Kanzlei, Währinger Str. 28 in Wien. 

Herr Döring, Adolf, Dr. Prof., in Buenos Ayres, Süd-America. Adr. 
Deuerlich’sche Buchhandlung in Göttingen. 

Dohrn, H., Dr., Stettin. 

Dresser, H. E., London W., 6 Tenterden Street, Hanover Square. 

Dybowski, B., Dr., Warschau, Adr. Hrn. L. Taczanowski. 

Se. Excellenz der Graf Dzieduszycki, Vlodimir, Lemberg, 45. 

IV. Viertel. 
Herr Ebers, Martin, Dr., Rittergutsbesitzer, Berlin W., Links-Str. 30, II, 
Adr. Hrn. Insp. Güthling, 


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” 


» 


2» 


” 


86 


’ 


Mitglieder-Verzeichniss 


1872. Herr Elsner, G., Zuckerfabrikant, Rossla a. H. 


1879. 


1868. 


1872. 


n 


” 


„ 


1872. 


1870. 


1873 


1870. 


„ 


Dr. Carl Ritter von Enderes, in Wien, Josefstadt, Floriani- 
gasse No. 46. 

Euler, Carl, Rio de Janeiro, Brasilien. Adr. Hrn. Gustav 
Schneider, Zoologisches Comtoir in Basel. 

Falkenstein, Dr., Stabsarzt, Berlin N., Müller-Str. 179b. 

Fenker, Rittmeister, Inspeetor. Für den zoologischen Garten in 
Kopenhagen. 

Fiedler, H., Buchhändler, Agram. 


‚Se. Excellenz Herr J. C. H. Fischer, Kgl. dänischer Minister für 


1873. 


1879. 
1868, 


1875. 
1872. 
1871. 
1868. 


1872. 


” 


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1871. 
1851. 
1870. 


1878. 
1878. 
1870. 
1852. 
1862. 
1877. 
1870, 
1876. 
1856, 
1877. 
1868. 
1851. 


1862. 


Kirchen- und Unterrichtswesen, Kopenhagen. 


Herr von Fischer, Joh., Director des Zoologischen Gartens in Düssel- 


dorf a. Rh. 

Frick, C., Dr., Sanitätsrath, Burg bei Magdeburg. 

Friderich, C. @., Aquarellmaler, Stuttgart, Seiden-Str. 24. 

Fritsch, Anton, Dr., Custos am National-Museum in Prag, 
Brennte-Gasse 25. 

Gadow, H,, Dr. phil., z. Z. in Heidelberg, Heumarkt No. 4. 

Giebel, Ch. G., Dr., ord. Prof. a. d. Universität Halle a/S. 

Girtanner-Reiser, A., Dr., Neugasse 32, St. Gallen (Schweiz). 

Golz, H., Dr., Justizrath, Rechts-Anwalt u. Notar, Vice-Prä- 
sident der Gesellschaft, Berlin C., 10 Papenstr. 

Grunack, A., Geh. Registrator, Bibliothekar und Plankammer- 
Insp. beim Reichs-Eisenbahn-Amt. Berlin N. W., Louisen-Str. 3. 

Hagenbeck, Carl, Handelsmenageriebesitzer, Hamburg, St. Pauli. 

Hartlaub, Gust., Dr., Bremen. 

Hartmann, Rob., Dr, Prof., Berlin. W., Margarethen-Str. 8. II. 

von Haugwitz, R., Stud. jur,, Rosenthal bei Breslau. 

Hausmann, F. L. Berlin W., Schellings-Str. 5. 

Hecker, H. F., Kaufmann und Fabrikbesitzer, Görlitz. 

Heine, F., Oberamtmann, auf St. Burchard bei Halberstadt. 

Heine, F., Rittergutspächter, Emersleben bei Halberstadt. 

Hempel, Rudolf, Kaufmann, Berlin W., Kurfürsten-Str. 76. 

Henrici, Regierungs-Rath, Frankfurt a. O. 

Hesselink, H., Groningen, A. 238 Oude Boterengestraat. 

Holland, Th., Dr., Gymnasiallehrer, Stolp, Pommern. 

Hollandt, Advocat-Anwalt, Braunschweig. 

Holtz, Ludw., Greifswald, 25 Wolgasterstr, 

von Homeyer, Eug. Ferd., Präsident der Gesellschaft, 
Stolp, Pommern. 

von Homeyer, Alexander, Major im 2. Nassauischen Infanterie- 
Regiment No. 88, Mainz. 


1878. Graf Josef Hoyos auf Kreuzstetten, in Wien, Kolowrat-Ring 5. 
1877. Herr Huber, Apotheker in Basel, Schweiz, 


1868. 
1878, 
1876. 


’ 
, 


” 


” 


Jablonski, Max, Gutsbesitzer, Zion bei Stentsch. 
Jahrmargt, Carl, Xylograph, Berlin N., Elsasser Str. 76. 
Kessler, Dr., Vorsitzender des Vereins für Vogelkunde in Cassel, 


d. Allgemeinen Deutschen Ornithologischen Gesellschaft z. Berlin. 87 


1876. Herr Kiefer, J., Bürgermeister, Saarbrücken. 
1851, Freiherr Richard König- Warthausen, Kammerherr, Schloss 


Warthausen bei Biberach, Würtemberg,. 


1872. Grafvon Königsmarck, Herrschaftsbesitzer auf Camnitz, Kr. Conitz. 
1873. Herr Kricheldorff, Franz, Berlin S., Oranienstr. 155. 


1868. 
1878. 


1876. 
1874. 


1870. 


1879. 
1877. 
1874. 


1872. 
1870. 
1870. 
1855. 
1872. 
1876. 


1874. 
1872. 
1870. 
1868. 
1870. 
1877. 
1875. 
1868. 


1870, 
1873. 


E 1851. 


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1870. 


1868. 


1876. 
1870. 


1876. 


1852. 


1876, 
1868, 


” 


von Krieger, O., Kammerherr, Sondershausen. 

Krüger-Velthusen, Prem.-Lieutenant im Brandenburgischen 
Füsil.-Reg. No. 35, in Brandenburg. 

Kuntzen, W., Amtmann in Nortenhof bei Wolfenbüttel. 

Kutter, Dr., Oberstabs- u. Regimentsarzt im 2. Schles. Husaren- 
Regiment No. 6, Neustadt O/S. 

Landois, H., Dr. Prof. Für die zoologische Section d. westphäl. 
Vereins für Wissensch. u. Kunst in Münster. 

Leschke, Küster an St. Petri, Berlin C., Petri-Platz 2. 

Levy, Richard, Banquier, Berlin N. W., Dorotheen-Str. 32. 

Lestow, Georg, Kaufmann, Berlin S. ©., Köpnicker Str. 55b. 
Adr. Hrn. Fröhlich & Unger. 

Liebe, L. Th., Dr. Prof., Gera. 

Linden, Emil, Radolfszell, Baden. 

Luchs, Ernst, Dr., Warmbrunn, Schlesien. 

Meves, Wilhelm, Stockholm, Röhrstrandsgatan 32. 

Meyer, A.B., Dr., Director des Zoologischen Museums in Dresden. 

Moeser, W., Hofbuchdruckereibesitzer, Berlin $., 34/35 Stall- 
schreiberstr. 

Mützel, G., Thiermaler, Berlin S. W., Lichterfelder Strasse 33. 

von Nathusius, W., Rittergutsbes, auf Königsborn b. Magdeburg. 

Naumann, Alexander, Schriftsteller, Zittau, Reichenberg-Str. 43. 

Nehrkorn, Amtmann, auf Riddagshausen bei Braunschweig. 

Novicki, Dr., Prof. a. d. Universität in Krakau. 

Opitz, Dr. med., Stabsarzt, Berlin N., Königl. Charite. 

Palmen, J. A., Dr., Privatdozent, Helsingfors, Finnland. 

von Pelzeln, Aug., Custos am k.k. Natur. Cabinetin Wien. Stadt, 
Wipplinger Str. 18. 

Platho, Banquier, Berlin C., Breitestr. 6. 

Poll, Dr., Dom. Zurezin, Thure bei Nakel. 

Pralle, W., Postdireetor, Hannover, Nelkenstr. 8. 

Radde, Gustav, Dr., Director des kaukasischen Museums in Tiflis, 
Transkaukasien. 

Reichenow, Anton, Dr., Assistent am k. zool. Museum d. Friedr.- 
Wilhelms-Universität, Stellvertr. Seer. der Gesellschaft, 
Berlin $. W., Grossbeeren-Str. 52. 

Reinecke, Kreisgerichtsrath a. D., Wittstock. 

Rey, E., Dr., Naturalienhändler, Leipzig, Brandweg 4. 

Richter, F. W., Bahnhofs-Restaurateur, Halberstadt. 


GrafRoedern, Erdmann, Gerichts-Assesor a. D., Breslau, Agnesstr. 8. 
Herr Rohweder, J., Gymnasiallehrer, Husum. 


2 


Sachse, Carl, Baumeister, Altenkirchen, Reg.-Bez, Coblenz, 


88 Mitglieder-Verzeichniss 

1873. Herr Salzmann, Dr., Stabsarzt im I. Garde-Regiment zu Potsdam. 

1876. „ Samplebe, Thierarzt, Schöppenstedt. 

1870. Reichsgraf Ludwig Schaffgotsch, auf Warmbrunn, Schlesien. 

1869. Herr Schaitter, Ignaz, Kaufmann, Rzeszow, Galizien. 

1872. „ Schalow, Herman, Cassenführer der Gesellschaft, 
Berlin N., Nieder-Schönhausen. 

1876, Freiherr von Schilling, Grosshgl. Bezirksförster, Forsthaus 
Neckarschwarzach, Station Aglasterhausen in Baden, 

1870. Herr von Schlechtendal, Regierungs-Rath, Merseburg. 

1870. „ Schlüter, Wilhelm, Naturalienhändler, Halle a. S. 

1868. „ Schneider, Gustav, Zoologisches Comtoir, Basel. 

1868.. .„ Schütt, Emil, grossherzogl. Bezirksförster, Staufen, Freiburg i. Br. 

1870. „ Schumann, Gotthold, Spinnereibesitzer, Crimmitschau. 

1869. „ Schwab, Adolf, Apotheker, Misteck, Mähren. 

1856. „ Sclater, P.L., Dr., London, W., 44 Elvaston Place, Queen’s Gate. 

1869. Freiherr von 8 a e ie auf Kabendil, Jarmen, : 

1877, Herr Stechmann, Prem.-Lieutenant im Hessisch. Infant.-Reg. No. 83, F 
in Arolsen. 

1871. „ Stejneger, Leonh., Bergen, Norwegen. 

1870. „ Stoltz, Franz, Fabrikant, Berlin S. W., Lindenstr. 40. 

1870. „ 8y, Eugene, Kaufmann, Berlin W., Jägerstr. 40. 

1869. „ Taczanowski, L., Custos des Zool. Museums d. Kaiserl. Uni- 
versität, Warschau. 

1875. „ Tancere, Rud., Fabrikant, Anclam. 

1868. „ Tauber, Ed,, Habrikbesitzen, Tückelhausen, Ochsenfurt, Bayern. 4 

1878. „ Telsky, J DER, Oberlehrer, Neutitschein, Mähren. | 

1856. „ Theobald, P. W., Pastor, Kopenhagen. 

1872. „ Thiele, H., Baumeister, Cöpenick. 

1853. „ Thienemann, W., Pastor, Zangenberg bei Zeitz. #2 

1868. „ Vietor Ritter von Tschusi-Schmidhoffen, Villa Tännen- 
hof bei Hallein, Salzburg. u 

1875. „ Vieweg, Heinr., Buchhändler, Braunschweig. 

1874. „ Vogel, Georg, Fabrikant, Zürich. | 

1818. Mol ti änder-Tetzner, Carl, Fabrikant, Schweizerthal, Burgzi 

staedt, Sachsen. i 

1870. Graf von Waldburg-Zeil-Trauchburg, Carl, Schloss Zeil bei 
Leutkirch, Würtemberg. F 

1853. Herr Wiepken, C. F., Director. Für das grossherzogl. Naturalien- 
Cabinet, Oldenburg. 

1878. Se. Excellenz Graf Wilczek, in Wien, Herrengasse 5. 

1871. Herr von Wulffen, Max, Rittergutsbesitzer, auf Wiederau bei Herz- 
berg, Prov. Sachsen. | 

1872. „ von Wulffen, O., auf Pietspuhl bei Burg, Prov. Sachsen. 

1870. Graf York von Wartenburg, Peter, auf Schleibitz bei Hundsfeld. 

1871, Freiherr von Zedlitz-Leipe, Landrath, Schweidnitz. 3 

1868. Herr von Zitzewitz, Rittergutsbesitzer, Bornzin bei Denzin, Pommern, 


d. Allgemeinen Deutschen Ornithologischen Gesellschaft z. Berlin. 89 


Neu hinzutretende Mitglieder werden demnächst im Journal für Ornithologie 
und im ÖOrnithologischen Centralblatt verzeichnet werden. Um etwaige Berichti- 
gungen bei vorstehenden Adressen wird vorkommenden Falles ergebenst gebeten. 


Berlin, im Januar 1879, 
J. Cabanis, General-Secretär. 


Benachrichtigung für dieMitgliederderGesellschaft. 
(Journal-Angelegenheit.) 

Mit Bezug auf eine frühere Anzeige hat die Verlagshandlung 
sich bereit erklärt, der „Allgemeinen deutschen ornitho- 
logischen Gesellschaft“ die früheren Jahrgänge des Journals 
für Ornithologie, soweit die Vorräthe es erlauben, zu folgendem er- 
mässigten Preise pro Jahrgang zu liefern: 

Journal f. Orn. Jahrg. 1853 bis 1867 a 7 Mark. 
General-Index der vorstehenden 15 Jahrgänge 8%), Mark. 
Journ. f. Orn. Jahrg. 1868 und 1869 & 8"), Mark. 
Journ. f. Orn. Jahrg, 1870 und ff. & 15 Mark. 

Orn. Centralblatt I. (Halb-) Jahrg. 1876 1'/, Mark. 

Orn. Centralblatt II. Jahrg. 1877 und ff. a 6 Mark. 

Bei Abnahme der ganzen Reihe oder einer grösseren Partie 
soll der Preis noch in Etwas ermässigt werden. Einzelne Hefte 
dagegen können nicht, oder nur ausnahmsweise, wenn dergleichen 
vorhanden sind, und nur zu erhöhtem Preise abgegeben werden. 

Mitglieder der Gesellschaft und derselben befreundete Orni- 
thologen, welche hiervon zur Completirung Gebrauch machen wollen, 
erhalten gegen Einsendung des resp. Betrages an den General- 
'Secretär der Gesellschaft das Gewünschte (innerhalb des 
deutsch-österreichischen Postverbandes franco) zugesandt. 


90 


Statut 


der 


„Allgemeinen nentschen urmithulugischen Gexellschaft“, 


zu Berlin, 


81 

Die „Allgemeine deutsche ornithologische Gesellschaft“ ist ein 
naturwissenschaftlicher Verein, welcher seinen Sitz in der Reichs- 
hauptstadt Berlin hat. 

2. 

Zweck der Gesellschaft ist die Förderung der Ornithologie 
nach allen Richtungen, namentlich also Erforschung der gesammten 
Vogelwelt hinsichtlich der Systematik, des Körperbaues, der Lebens- 
weise und der Bedeutung ihres Lebens für den Haushalt der Natur. 

Dieser Zweck wird zu erreichen gesucht durch gegenseitigen 
Austausch der gesammelten Erfahrungen und Beobachtungen in 
regelmässig wiederkehrenden Sitzungen, Jahresversammlungen und 
in einem gemeinschaftlichen Organe. 


Ss 2. 

Die Gesellschaft ist eine geschlossene und zählt als solche nur 
ordentliche Mitglieder; doch soll der Vorstand das Recht haben, 
in besonderen Fällen auch Ehrenmitglieder zu ernennen. Zur 
Mitgliedschaft ist jeder in Deutschland oder im Auslande lebende 
Kenner und Liebhaber der Vögel berechtigt. Nach erfolgter Mel- 
dung auf Grund der Statuten ist der Vorstand befugt, die Aufnahme 


zu vollziehen; sprieht der Vorstand sich für Abweisung aus, so 
hat derselbe die definitive Entscheidung im Verein mit dem Aus- 


schusse zu treffen. Das Mitglied bleibt der Gesellschaft für das 
folgende Kalenderjahr verpflichtet, wenn es nicht spätestens vier 


Wochen vor Jahresschluss eine Austrittserklärung an den General- 


Secretair schriftlich abgiebt. 


Ueber Zulassung von Gästen zu den Sitzungen und Jahres- 


versammlungen entscheidet der Vorstand. 


S 4 


Die Angelegenheiten und Interessen der Gesellschaft leitet 
und wahrt ein geschäftsführender Vorstand und ein Ausschuss, 
welche aus der Zahl derjenigen Mitglieder periodisch gewählt wer- 
den, die als Schriftsteller, Reisende, Sammler oder Züchter Hervor- 
ragendes geleistet haben, oder überhaupt solcher, die vorzugsweise 
an der Förderung der Gesellschaft sich zu betheiligen und nach 
Möglichkeit den Sitzungen, beziehungsweise Jahresversammlungen, 


persönlich beizuwohnen gewillt sind, 


a 


91 


SD. 

Der Vorstand, welchem die Geschäftsführung der Gesellschaft 
obliegt, besteht aus fünf Mitgliedern: dem Präsidenten, dem Vice- 
Präsidenten, dem General-Secretair und zwei Beigeordneten, von 
denen wenigstens drei, darunter der General-Secretair, in Berliu 


_ ansässig sein müssen. Es bleibt dem Vorstande überlassen, wie 


er seine Thätigkeit auf die einzelnen Mitglieder vertheilen will, 


- und haftet er der Gesellschaft gegenüber solidarisch. 


Der Ausschuss besteht aus höchstens 16 Mitgliedern. Die- 


selben sind als Vertrauenspersonen der Gesellschaft in allen wich- 


tigen Fragen vom Vorstande zu Rathe und erforderlichen Falles 


zur Geschäftsführung oder Vertretung heranzuziehen. In dringenden 


Fällen soll der Ausschuss auf Antrag des Vorstandes provisorisch 
die Befugnisse der allgemeinen Versammlungen ausüben können. 
Der Vorstand und der Ausschuss bilden zusammen den Ge- 


. sammtvorstand. R 


S 6. 
Die Wahl des Vorstandes geschieht alle vier Jahre auf der 
Jahresversammlung durch den Ausschuss, mit Zuziehung der schrift- 


- lichen Voten der abwesenden Mitglieder desselben, soweit dergleichen 
- bis zur Wahl eingelaufen sind. 


Die Ausscheidenden können sogleich wieder gewählt werden. 


_ Bei unvorhergesehenen Vacanzen ergänzt sich der Vorstand nach 


eigenem Ermessen provisorisch bis zur nächsten J ahresversammlung. 
Von dem Ausschusse scheidet alljährlich, in einer anfangs durch 


_ das Loos zu bestimmenden Reihenfolge, der vierte Theil aus. Die 


_ Neuwahl, mit zulässiger Wiederwahl, geschieht auf Vorschlag des 


- Vorstandes durch die Jahresversammlung nach absoluter Majorität 


- der anwesenden Mitglieder. 


Die Jahresversammlungen ernennen für die Dauer ihres Zu- 


-sammenseins jedesmal ihre eigenen Vorsitzenden. 


ST. 


Am ersten Montage eines jeden Monats (ausgenommen Juli 


"und August) versammeln sich die in Berlin anwesenden Mitglieder 


der Gesellschaft zu einer Sitzung. 


| 


Ausserdem findet, um sämmtlichen Mitgliedern im voraus die 


Möglichkeit persönlicher Begegnung und Besprechung zu sichern, 
‚alljährlich im Sommer eine Jahresversammlung an einem Orte 
innerhalb Deutschlands statt, welche jedoch alle zwei Jahre am 
Sitze der Gesellschaft tagen soll. 


Auf der Jahresversammlung sind folgende Geschäfte zu erledigen: 
a. Neuwahl für die seit der letzten Versammlung statutenmäs- 


‚sig, beziehungsweise aussergewöhnlich ausgeschiedenen Mitglieder 


des Gesammtvorstandes. 


b. Entgegennahme des vom Vorstande vorzulegenden Berichtes 


“über die Geschäftsführung seit der letzten Versammlung. 


# ind s 


c. Prüfung und Decharge der im Auftrage des Vorstandes von 
dem Cassenführer vorzulegenden Rechnung, vorbereitet durch eine 
ad hoc gewählte Revisionscommission von drei anwesenden Mit- 
gliedern. 

d. Entgegennahme und Fesstellung des seitens des Vorstandes 
vorgelegten Budgets für das nächste Jahr durch den Ausschuss. 

e. Bestimmung des Ortes, der Zeit und der localen Geschäfts- 
führer für die nächste Jahresversammlung. i 

Ausserdem kommen alle von mindestens 5 Mitgliedern unter- 
stützten oder vom Vorstande eingebrachten Anträge, soweit es nach 
den Statuten zulässig ist, zur Verhandlung. 

Ausserordentliche Sitzungen und Versammlungen bleiben den 
Anordnungen des Vorstandes vorbehalten. | 


Ss 8. a 

Alle in den Versammlungen gehaltenen Vorträge und die sonst 

an die Gesellschaft eingehenden oder von derselben veranlassten 
ornithologischen Abhandlungen werden in dem 1853 begründeten 
„Journal fürOrnithologie“ oder im „Ornithologischen 
Centralblatt“ veröffentlicht, und gewährt die Gesellschaft die 
Mittel zur Herstellung naturgetreuer Abbildungen, um den- Anfor- 
derungen deutscher Wissenschaftlichkeit gemäss ein für die Orni- 
thologie in jeder Beziehung zweckentsprechendes Organ dauernd 
zu sichern und fortzuentwickeln. Die Protocolle und Sitzungsbe- 
richte, insofern sie wissenschaftliche Ergebnisse liefern, alle die” 
Gesellschaft betreffenden Bekanntmachungen und ebenso Wünsche 
und Anfragen der Mitglieder in Bezug auf Ornithologie werden 
ebenfalls durch das Journal oder Centralblatt zur allgemeinen 
Kenntniss gebracht. Von allen wichtigen ornithologischen Publi- 
cationen, zumal des Auslandes, werden diese Organe der Gesell- 
schaft thunlichst Besprechungen, Berichte oder Auszüge bezw. 
Uebersetzungen bringen. F 
89. } 


Zur Förderung der Zwecke und zur Bestreitung der Kosten 
der Gesellschaft zahlt jedes Mitglied einen jährlichen Beitrag von 1 
18 Reichsmark pränumerando im Laufe des Januar. *) 3 

Die erste Beitragszahlung gilt für das laufende Kalenderjahr. 
Mit dem neuen Jahre wird an jedes Mitglied ein gedrucktes und 
frankirtes Schreiben gerichtet, worin in Erinnerung gebracht wird, 
dass die Zahlung für das neue Jahr fällig ist und das Ausbleiben 
bis zum 1. Februar als die Erlaubniss angesehen wird, den Betrag‘ 
durch Postvorschuss einzuziehen. Nach erfolgter Zahlung empfängt 
jedes Mitglied für das laufende Jahr eine auf seinen Namen aus- 


92 


.— 


*) Das Jahresabonnement für das „Ornithologische Centralblatt“, welches 
den Mitgliedern zum ermässigten Preise von 6 Mark geliefert wird, kann 
zugleich mit dem obigen Jahresbeitrage von 18 Mark (mithin zusammen 
24 Mark) an den Cassenführer abgeführt werden, 


35 


gestellte Mitgliedskarte, welche dem Inhaber die Rechte und Vor- 
theile eines Gesellschaftsmitgliedes gewährleistet. 

Ebenso erhält jedes Mitglied jährlich 4 Hefte oder einen Band 
des Journals für Ornithologie unmittelbar nach Vollendung des 
Druckes geliefert.“) Die Versendung geschieht mittelst frankirter 
Streifband-Verpackung unter sorgfältiger Controlle an die im Mit- 
slieder-Verzeichnisse aufgegebene Adresse, jedoch ohne weitere 
Gewährleistung durch die Gesellschaft. Allen im Laufe des Jahres 
hinzutretenden Mitgliedern werden die bereits erschienenen Hefte 
des betreffenden Jahrganges nachgeliefert. 


8 10. 


Sämmtliche Meldungen und Zusendungen in Gesellschafts- 
Angelegenheiten sind frankirt an den General-Secretair zu richten, 
welcher dieselben dem Vorstande zu übermitteln oder sonstwie das 
Erforderliche zu veranlassen hat. 


Ss 11. 

Zusätze und Aenderungen der Statuten können nur auf einer 
Jahresversammlung am Sitze der Gesellschaft berathen werden. 

Darauf bezügliche Anträge sind wenigstens 6 Wochen vor der 
Versammlung an den General-Secretair schriftlich und präeisirt 
einzusenden und auf die Tages-Ordnung zu setzen. Zur Berathung 
solcher Anträge ist die Anwesenheit von wenigstens 25 Mitgliedern, 
zur Gültigkeit des Beschlusses die Majorität von dreivierteln der 
anwesenden Mitglieder und die Bestätigung des Gesammtvorstandes 
erforderlich. Zur Gültigkeit eines Beschlusses über Auflösung der 
Gesellschaft ist die Majorität von dreivierteln sämmtlicher Gesell- 
schaftsmitglieder erforderlich. Alle anderen, die Statuten nicht be- 
treffenden Anträge werden durch absolute Majorität der Jahres- 
versammlung erledigt. 

812% 

Ueber Erweiterungen ihrer Thätigkeit und über Einrichtungen 
zur Förderung der Gesellschaft, z. B. Anlegung einer ornitho- 
logischen Gesellschaftsbibliothek, Schriftenaustausch mit anderen 
‘ornithologischen Vereinen u. 5. w. beschliesst die Gesellschaft dureh 
ihren Gesammtvorstand. 


*) Das „Ornithologische aut alblatt“ wird monatlich zweimal, am 1. und 
15. jeden Monats, geliefert. 


Revidirt auf der Jahresversammlung zu Berlin im October 1878, 


Der Vorstand. 


94 Nachrichten: An die Redaction eingegangene Schriften, 


1483. 


1484. 
1485. 
1486. 


1487. 


1488. 


1489. 


1490. 


1491. 


1432. 


1493. 


1494. 


149. 


1496. 


Nachrichten. 


An die Redaetion eingegangene Schriften. 
(Siehe Jahrg. 1878, Seite 355— 356.) 


A. v. Pelzeln. Bericht über die Leistungen in der Natur- 
geschichte der Vögel während des Jahres 1877. [Aus Archiv 
f. Naturg. XXXXIV. Jahrg. 2 Bd.]| — Vom Verfasser. 
Th. Studer. Die Entwickelung der Federn. Inaugural- 
Dissertation. Bern 1873. — Vom Verfasser. 

H. Schacht. Die Schlafstätten unserer Vögel. |Sep.-Abdr. 
aus d. Zool. Garten Bd. XIX.| — Vom Verfasser. 
Dr. A.B. Meyer. Noch einmal die Geschlechtsverschieden- 
heiten der Papageiengattung Eclectus Wagl. |Sep.-Abdr. 
a. Zool. Garten Jahrg. XIX.| — Vom Verfasser. | 
A. Bouvier. Guide du Naturaliste, Revue bibliographique 
des Sciences naturelles, Bulletin mensuel. 1” Annde No. 1. 
Jauvier 1849. — Vom Herausgeber. | 
J. V. Barboza du Bocage. Aves dos possessöes por- 
tuguezas d’Africa oceidental. Decima sexta Lista. |Extr. 
Jorn. Sc. Math. Phys. et Nat. No. XXIII. Lisboa 1873.] — 
Vom Verfasser. 

Barboza du Bocage. Melanges ornithologiques. V. Espe- 
ces nouvelles d’Angola. |Extr. Jorn. Sc. etc. No. XXIV. 
Lisboa 1878.| — Von Demselben. 

Tommaso Salvadori. Monographia del Sottogenere 
@lobicera Bp. |Estr. d. Cronaca d. R. Liceo-Gennasio 
Cavour d. ann. 1877—738. Torino 1878.) — Vom Verfasser. 
Salvadori. Deserizione di tre nuove specie di Uccelli d. 
isole Sanghir. |Estr. dagli Atti d. Reale Academia Se. d. 
Torino, Vol. XUI. 1878.] — Von Demselben. 
Salvadori. Prodromus Ornithologiae papuasiae et Molluc- 
carum. VI. Pöicariae. |Estr. Ann. Mus. Civ. di St. Nat. d. 
Genova, Vol. XIII. October 1878.] — Von Demselben. 
Lettera del. Prof. Beccari a Giacomo Doria. |Estr. Ann. Mus. 
St. Nat. Genova, October 1878.] — Von Demselben. 
Leonhard Stejneger. Underslaegten Zanius med saer- 
ligt paa dens Norske Arten. |Separataftryk of Archiv for 
Mathematik og Naturvidenskab. Kristiania 1878.] — Vom 
Verfasser. 

George N. Lawrence. Description of a New Species of 
Oypselidae, of the Genus Ohaetura. |From Ann. of 
N. Y. Acad. Sc. Vol. I. No. 8.] — Vom Verfasser. 

G. N. Lawrence. Descript. of a New Species of Parrot 
ofthe Genus Ohrysotis. |FromAnn. N. Y. Acad. I. No. 4.] — 
Von Demselben. 


1497. 


An die Redaction eingegangene Schriften. 95 


Lawrence. Catalogue of the Birds of Antigua and Bar- 
buda, from Colleetions made for the Swithsonian Institution, 
by Mr. Fred. A. Ober, with his Observations. [From Proc. 
of United States National Museum, December 1878.| — 
Vom Verfasser. 


. Lawrence, Catalogue of the Birds of Dominica, from 


Collections etc. Washington 1878. — Von Demselben. 


» Lawrence. Catalogue Birds St. Vincent, from Collect. ete. 


Washington 1878. — Von Demselben. 


. D. 6. Elliot. On the Fruit-Pigeons of the Genus Philo- 


pus. |Cum Tabb. XXXIH. XXXIV. (Philopus pictiven- 
iris et Gestroi.)|From Proc. Z. S. London May 7, 1878.| — 
Vom Verfasser. 


. Elliot. Remarks upon the Phastanıs tynitus of La- 


tham and the allied Species, | From. The Ibis, 1878.) — Von 
Demselben. 


. Elliot. The Genus Porphyreo and its Species. |Cum 


Tab. (Phorphyrio Edwardsi.) |Ex „Stray Feathers“ 
1878.] — Von Demselben. 


. The Ibis. A Quarterly Journal of Ornitholosy. Edited 


by Salvin and Sclater. Fourth Series, Vol. II. No. 8. October 
1878, and Vol. III. No. 9. January 1879. — Von d. British 
Ornithologist’s Union. 


- R. B. Sharpe. Zooloey of Rodriguez. Birds. 4°. [Separat- 


abdr. aus ?] — Vom Verfasser. 

Sharpe. Notes from the Leyden Museum. Note VI-X11. 
Leyden Museum, Noy. 6, 1878. [Separatabdr. aus ?] — Von 
Demselben. 


- Prof. Alfr. Newton. Exhibition of „a stone“ in the 


„gesier“ of Pezophaps solitaria [From Proc Z. S. 
London, March 5, 1878.| — Vom Verfasser. 


. Arthur, Marquis of Tweeddale. On a new Philippine 


Genus and Species of Bird. (Cum Tab. IX. Dasyerotopha 
speceosa.) |From Proc. Z. S. London, Jan. 15, 1878.) — 
Vom Verfasser. 


. Marg. of Tweeddale. On a new Species of the Genus 


Buceros.) |From Proc. Z. S. London, Febr. 1878.| — Von 
Demselben. 


. Marg. of Tweeddale. Contributions fo the Ornithology 


of the Philippines. No. IV. On the Collection made in the 
Islands of Dinagat, Bazol, Nipah and Sakuyok. (Cum Tabb. VI. 
Ceyz argentata; VI. 1. Hypothymis coelestis. 
ızonnns copitalis. VI |. Dieaeum schista- 
ceum 2. D. Everetti. 3. Prionochilus olivaceus. 


|From Proc. Z. S. Lond., Jan. 1878.] — Von Demselben. 


. Marg. of Tweeddale. Contributions Ornithology Philip- 


pines. No. V. Colleet. Island of Negros. [From Pr. Z. S. 
Lond., Febr. 1878.] — Von Demselben. 


96 Nachrichten: An die Redaction eigegangene Schriften. 


1511. 
1512. 


1513. 
1514. 


1515. 


1516. 


1517. 


1518. 


Marg. of Tweeddale. Contrib. Ornithol. Philippines. 
No. VI. Collect. Island of Leyte. |From Pr. Z. S. L., March 
1878.]| — Von Demselben. 

Marg. of Tweeddale. Contrib. Ornith. Philipp. No. VII. 
Collect. Island of Panaon. |From. Pr. Z. S. L., Apr. 1873.] — 
Von Demselben. 

Marg. of Tweeddale. Contrib. Ornith. Philipp. No. VIII. 
On some Luzon Birds in the Museum at Darmstadt. (Cum 
Tab. XXIV. Pitta Koche.) [From Pr. Z. 8. L. Apr. 
1878.] — Von Demselben. 

Marg. of Tweeddale. Contrib. Ornith. Philipp. No. IX. 
Collection Island of Palawan. (Cum Tabb. XXXVU. Tiga 
Everetti;, XXXVIIL Trichostomus rufifrons.) [From 
Pr. Z. S. L., May 1878.] — Von Demselben. 

Margq. of Tweeddale. Contrib. Orn. Philipp. No. X. 
Collect. Island of Bohol. [From Proc. Z. S.L., June 1878.) — 
Von Demselben. 

Reports on the Colleetions of Birds made during the Voyage 

of H. M. S. „Challenger.“ — No. I. General Remarks on 
the Collections. By P. L. Sclater. — No. II. On the Birds 
of the Philippine Islands. By Margq. of Tweeddale — 
No. III. On the Birds of the Admiralty Islands. ByP.L. 
Selater. — No. IV. On the Birds of Tongatabu, the Fiji 
Islands, Api (New Hebrides), and Tahiti. By Dr. O. Finsch. — : 
No. V. On the Zaridae collected during the Expedition. 
By Howard Saunders. — No.VI. On the Birds of Ternate, 
Amboina, Banda, the Ke& Islands, and the Aru Islands. By 
T. Salvadori. — No. VI. On the Birds of Cape York 
and the neighbouring Islands (Raine, Wednesday, and Booby 
Islands). By W. A. Forbes. — No. VIII. On the Birds of 
the Sandwich Islands. By Sclater. — No. IX. On the Birds 
of Antarctic America. By Selater and Salvin. —No.X. 
On the Birds of the Atlantie Islands and Kerguelen’s Land, 
and on the Miscellaneous Oollections. By Selater. —No.XI. 
On the Steganopodes and Impennes. BySclater and 
Salvin. —No.XH. The Procellariidae. By O.Salvin. 
|From Proc. Z. Soc. London, June 1877 — June 1878.] — 
Von Dr. Sclater. u 
P. L. Selater. Further Remarks on Fuligula Nationi. 
(cum Tab. XXXIL) [From Proc. Z. S. L., May 7, 1878.] — 
Vom Verfasser. 

Sclater. On a third Collection of Birds made by the 
Rev. &. Brown in the Duke of York Group of Islands and 
its vieinity. (Cum Tab.XLIL.Carpophagamelanochroa.) 
[From Proc, 2. S. L., June 18, 1878.] — Von Demselben. 


G. Pätz’sche Buchdruckerei (Otto Hauthal) in Naumburg ad. » 


JOURNAL 


für 


ORNITHOLOGIE. 


Siebenundzwanzigster Jahrgang. 


Ornithologische Beobachtungen 
in den Auwäldern der Donau bei Wien. 
Vom Kronprinzen Rudolf von Oesterreich 
und Brehm. 


Wenige Städte Europas dürfte es geben, deren Umgegend 
eine so reiche Ornis aufzuweisen hat, wie Wien. Auf der einen 
Seite bis zu den Vorbergen des Wienerwaldes sich ausdehnend 
und durch diesen unmittelbar mit den Alpen zusammenhängend, 
auf der andern begrenzt durch die Donau, mit ihren vielen Armen 
und bewachsenen Inseln, auf der dritten endlich von der weiten, 
bis zum Leitha-Gebirge reichenden Ebene, bietet die Hauptstadt die 
vortrefflichste Gelegenheit zu ebenso lohnenden als wenig zeit- 
- raubenden Ausflügen. Wohl der lohnendste von allen ist der, 
welcher sich nach den Auwaldungen richtet. Diese Wälder, im 
- Munde des Volkes kurzweg „Auen‘‘ genannt, beginnen eigentlich 
bereits im allbekannten Prater und .erstrecken sich von hier aus 
in einer mehr oder weniger wechselnden, immer aber bedeutenden 
Breite längs beider Ufer der Donau, abwärts bis zur Stromenge 
bei Pressburg, aufwärts fast ununterbrochen bis in die Gegend 
_ von Krems. 

Ihr Charakter ist in dieser ganzen Ausdehnung derselbe. Die 
- Mitte etwa wird durch den Hauptstrom bezeichnet, welcher rechts 
und links ein Gewirr von breiteren und schmäleren, tieferen und 
- seichteren Armen entsendet, von denen die einen rasch dahin fluthen, 


_ die anderen stehende Lachen bilden. Dazwischen erheben sich 


 zahl- und namenlose, grosse und kleine Inseln mit sandigen oder 

- hohen Ufern, welche grösstentheils am unteren Ende in langgestreckte 

‚Sandbänke auslaufen und auch hier wiederum Raum zu kleinen, 

freien oder umbuschten Lachen geben. Der rastlos arbeitende 

Strom verändert, gestaltet und vernichtet fortwährend. Inseln, welche 
Cab. Journ. f. Ornith. XXVII. Jahrg. No. 146. April 1879, 7 


98 Kronprinz Rudolf von Oesterreich und Brehm: 


noch vor wenigen Jahren von breiten Stromarmen umgeben wurden, 
liegen jetzt tief im Lande, und Felder, auf denen man noch vor 
wenigen Jahren erntete, sind entweder zu Inseln umgewandelt oder 
aber gänzlich weggeschwemmt und die Stellen, auf denen sie gelegen, 
gegenwärtig zu einem Donauarme oder einer Lache geworden. 
Der Strom, welcher bis hierher noch das von ihm und seinen Zu- 
flüssen dem Gebirge entnommene Gerölle mit sich führt, schichtet 
aus diesem den Unterbau einer werdenden Insel auf, überlagert 
den Grundschotter mit einer Sandschicht von einem halben Meter 
Mächtigkeit und überlässt es nun den weiter oben oder seitlich 
gelegenen Waldungen, das so entstandene Land zu begrünen. Im 
Laufe weniger Jahre hat sich auf der Insel mehr oder minder 
dichter Aufschlag aus Weiden gebildet. Zwischen den ruthen- 
artigen Stämmchen sinkt weiter oben weggeschwemmtes, frucht- 
bares Land zu Boden, eine Humusschicht bildet sich, und nunmehr 
sind alle Bedingnisse zu überaus üppigem Wachsthume gegeben. 
Weisspappeln und Erlen, welche sich ebenfalls von selbst ansamen, 
vervollständigen und verdichten den Bestand. Brennnesseln, Ried- 
und andere Gräser, wilder Hopfen und rankende Pflanzen überhaupt 
fassen Boden, durchflechten und durchweben das ganze Unterholz 
und stellen so Dickichte her, welche selbst das Auge nicht leicht 
zu durchdringen vermag. Nach fünfzehn bis zwanzig Jahren sind 
die anbesamten Bäume bereits so hoch emporgeschossen und so 
wohl entwickelt, dass sie vollkommenen Auwald darstellen. Zehn 
Jahre später sind sie schlagbar und werden nunmehr in regel- 
mässigen Betrieb genommen. Aber auch im Inneren dieser 
Waldungen arbeitet der Strom noch fortwährend. Behindert durch 
das tief eingreifende, mannigfach verzweigte Wurzelwerk, wühlt er 
nur hie und da Gruben aus, lässt in denselben sein Wasser zurück, 


und gestaltet so heimliche Becken, Lachen, Teiche, selbst kleine | 


Seen, welche, rings vom dichtesten Walde umstanden, der Thierwelt 


Ruhe und Sicherheit und somit die annehmbarste Bedingung zu s 


behaglichem Leben bieten. 


Weiter nach dem Lande zu ändert sich allgemach der Charakter | 


dieser Waldungen. Sobald durch die angeschwemmten Inseln und | 


die auf ihnen entstandenen wilden Wälder Schutzwehren gegen den | 
eigenwilligen Strom geschaffen worden sind, bemächtigt sich der 
anwohnende Mensch des Gebietes, ebnet die nicht mit Bäumen be- | 


standenen Stellen, um sie zu ertragsfähigen Wiesen umzuwandeln, 
oder ersetzt die weichen Holzarten durch Anpflanzung von Eichen 


Örnith. Beobachtungen in den Auwäldern d. Donau b. Wien. 99 


oder anderen, höheren Ertrag abwerfenden Baumarten und bringt 
so Unterschiede hervor, welche im Volksmunde einfach durch 
„weiche und harte Auen“ ausgedrückt werden. Letztere sind stets 
aufgeforstete Waldungen, erstere ohne Zuthun des Menschen ent- 
standene, jene hier und da schon prachtvolle Forsten, diese immer 
und überall regellose, für den Vogelkundigen aber gerade deshalb 
besonders anziehende und im hohen Grade wichtige Bestände. 
Fügen wir dem Vorstehenden noch hinzu, dass noch heutigen Tages 
am Strome Gold gewaschen wird, so haben wir die Auen mit 
flüchtigen Strichen gezeichnet. 

Um eine bestimmte Stelle des Gebietes in’s Auge zu fassen, 
wählen wir eine von Menschen fast unberührte Gegend in der Nähe 
des Dorfes Mühlleuten unterhalb des Städtchens oder Stadtls 
Enzersdorf und des allbekannten Wagram am linken Donau- 
ufer. Die Strasse, welche man, um in dieses Beobachtungsgebiet. 
zu gelangen, von Wien aus einschlägt, führt bei der Stadt zunächst 
über die prachtvolle, neue Donaubrücke und von hier aus über schöne 
Dörfer zum Städtehen Enzersdorf. Pappeln besäumen sie in 
gleichförmiger Weise; links von ihr erstreckt sich das weite, frucht- 
bare und wohlbebaute Marchfeld; rechts zwischen ihr und den Au- 
waldungen liegen Felder, deren durchschnittliche Breite zwischen 
hundert und fünfhundert Schritten wechselt. Wer diese Strasse 
wandelt, gewinnt schwerlich eine Vorstellung oder auch nur Ahnung 
der reichen Thierwelt der Auen. Nur die eigentlichen Feldthiere 
bieten sich dem Auge. Auf den nahrungsreichen Fluren tummeln 
sich während des Frühlings und Vorsommers die jetzt geschützten 
und deshalb sorglos übermüthigen Hasen umher; auf den Feld- 
rainen schaut hie und da ein Kopf des Ziesels aus seiner Höhle 
hervor, oder einer und der andere dieser geschäftigen und schäd- 
lichen Nager eilt von seinem Weideplatze, erschreckt durch das 
Heranrollen des nahenden Wagens, dem Baue zu. Am Rande 
der Aue zeigt sich vielleicht auch ein Kaninchen, auf den 
Feldern diese oder jene Feldmaus; anderweitige Säugethiere 
bekommt man nicht zu Gesichte. Die Klasse der Vögel bietet 
kaum mehr. Abgesehen von Saat-, Raben- und Nebelkrähen, 
Rebhühnern, Feld- und Haubenlerchen, welche auch hier 
die Aecker beleben, oder Rauch- und Mehlschwalben, welche 
in allen Dörfern Herberge genommen haben, hie und da endlich 
Thurmseglern, welche die Kirchthürme in üblicher Weise um- 
fliegen, bemerkt man kaum einen andern Vogel noch als Würger . 

7* 


100 Kronprinz Rudolf von Oesterreich und Brehm: 


und Ammer. Auf den hohen Pappeln neben dem Wege nistet in 
erheblicher Anzahl der Grauwürger (Lanius minor) und wird gerade 
deshalb, weil er die Strasse kaum verlässt, zu einer wahren Zierde 
derselben und der ganzen Gegend überhaupt. Schon von weitem 
leuchtet die weisse, rosig angehauchte Brust des auf den höchsten 
Spitzen der Pappeln aufgebäumten, kleinen Räubers dem Wanderer 
entgegen, und rechts und links vom Wege sieht man ihn rüttelnd 
über den Feldern schweben, um nach Beute zu spähen. Jeder 
Bildstock, jeder Grenzstein fast dient einem der munteren Vögel 
zur Warte, jede Dornstaude ihm zum Auslugplatze. In der Nähe der 
Dörfer ersetzt ihn sein ebenso häufiger Verwandter, der Dorn- 
dreher (Lanius collurio). Ausserdem bemerkt man wohl auch 
einen oder den andern Rothkopfwürger (Zanius rufus); doch 
tritt der letztere stets in ungleich geringerer Anzahl auf als beide 
Sippschaftsgenossen. Nächst diesen hervortretenden Erscheinungen 
machen sich dem aufmerksameren Blicke besonders Ammern be- 
merklich, und unter ihnen ist wiederum der Grauammer (Em- 
beriza miliaria) der häufigste, häufiger jedenfalls als Haus- 
und Feldsperling, welche beide einem so reichen Gelände 
selbstverständlich nicht fehlen. Man sagt nicht zu viel, wenn man 
den Grauammer als Charaktervogel dieser Ebene bezeichnet. 
Im Frühlinge klingt sein kurzer, klirrender Gesang von jedem 
Busche herab, und gar nicht selten müssen mehrere Männchen mit 
einem einzigen Büschchen fürlieb nehmen, weil.es im Verhältnisse 


zur Menge der Vögel nur wenige ihnen zusagende Gebüsche giebt. 


Hinter Stadtl Enzersdorf verlässt man die Hauptstrasse und 
wendet sich auf einem Feldwege den Auen zu. Rechts von dem 
Wege zieht sich ein ziemlich breiter Wasserarm bis gegen die Donau 
hin; das jenseitige Ufer desselben ist bereits Auwald, und zwar 
ziemlich dichter Weidenbestand. Die so veränderte Landschaft 
bringt sofort andere Vögel vor das Auge. Ueber dem Wasserarme 
gaukelt die Flussseeschwalbe umher, hier in dem stillen Ge- 
wässer nach Beute suchend und in anmuthiger Weise abwechselnd 
niederstossend und auf und nieder schwebend. Ueber dem Walde 
kreist der Milan, über den Kornfeldern gleiten schwankenden 
Fluges Rohr- und Wiesenweihen auf und nieder. Lanius 
minor ist fast gänzlich verschwunden; nur der Dorndreher 
bleibt der Gegend noch treu. Mancherlei Vogelstimmen schallen 
aus dem dichten Walde herüber: Singdrosseln und Amseln 
lassen ihr hallendes Lied vernehmen; Rothkehlchen und Wald- 


_ 
I Ze u re a SE a 


De 


Ornith. Beobachtungen in den Auwäldern d. Donau b. Wien. 101 


rothschwänzchen singen hell und munter dazwischen; girrende 
Turteltauben, rucksende Hohl- und Ringeltauben begleiten 
die Sänger. Man merkt, dass man in einem von Menschen nicht 
beunruhigten Paradiese der gefiederten Welt angekommen ist und 
lernt bei jedem weiteren Schritte mehr und mehr den Thierreich- 
thum dieses Paradieses erkennen. Im Walde jauchzt der Grün- 
specht (Picus viridis) seinen Paarungsruf; diesem antwortet 
der kürzere und klangvollere Schrei des Grauspechtes (Picus 
canus);, am Rande der Waldungen wie im Innern sieht man alle 
drei Arten der Buntspechte eifrig beschäftigt; an einzelnen 
Stämmen rutscht der Baumläufer (Certhia familiaris) empor; 
auf abgestutzten Weidenköpfen sucht der Wendehals (Yunz 
zorquilla) nach Nahrung umher, und auf den Weiden treibt der 
Wiedehopf (Upupa epops) seine Possen. Mit jedem Schritte fast 


- mehren sich die Vogelstimmen, zeigen sich andere Gestalten dem 


Auge. Das muntere Volk der Meisen ist fast vollständig ver- 
treten: Parus major, wie zu erwarten, gemein, Parus caeruleus 


kaum minder häufig, Parus palustris hier und da die vorherrschende 


Art, Parus caudatus wohl in jedem Bestande zu finden, Farus ater 
auffallender Weise ebenfalls vorhanden. Heller Finkenschlag schallt 
hundertstimmig von den Wipfeln hernieder; der weittönende, ver- 
schlungene Ruf des Pirols mischt sich mit den trillernden Lauten 
der am Rande der Gewässer auf und nieder laufenden Uferläufer 
(Aetitis hypoleueus). Lauscht man aufmerksamer den verschiedenen 
Vogelstimmen, so erkennt man, dass alle mitteleuropäischen Gras- 
mückenarten hier vertreten sind, dass die Nachtigall zu den 
häufigsten Vögeln des Gebietes zählt, dass der Baumpieper eine 
der gemeinsten Erscheinungen der Auwaldungen ist, dass der 
Fitissänger in unschätzbarer Menge die ganze Gegend belebt. 
Selbstverständlich fehlt einem Gelände, welches für die Erziehung 
seiner Jungen so günstige Verhältnisse bietet, auch der Kukuk 
nicht, und ebenso selbstverständlich hat sich hier der nestraubende 
Eichelheher angesiedelt. 

Je tiefer man eindringt, umsomehr nehmen die Waldungen 
den Charakter von wirklichen Auen an: hohe Bäume bilden hier 
oft auf weite Strecken hin den Bestand; gleichwohl überzieht, man 
möchte sagen überfilzt, den Boden verworrenes Dickicht. Junger 
Aufschlag, Schlinggewächse, hohe Gräser und Brennnesseln stellen 
eine Wildniss her, wie sie undurchdringlicher in unseren Breiten 
kaum gefunden werden mag, und bieten dem verschiedensten Rlein- 


102 Kronprinz Rudolf von Oesterreich und Brehm: 


geflügel, insbesondere aber den Sängern im weitesten Sinne, von 
der Grasmücke an bis zu den Schilf- und Heuschrecken- 
sängern herab, die herrlichsten Wohnplätze. 

Endlich steht man an einem der breiteren Donauarme und ge- 
winnt mit einem freien Ausblicke auch eine Uebersicht über die 
Stromwildniss. Gerade gegenüber am anderen Ufer des Armes 
erstrecken sich auf weithin Sandbänke, auf denen die Weide noch 
nicht erstarkt ist, sondern nur dichte Gebüsche bildet. Dahinter 
erhebt sich höherer Wald. Wohin man aufwärts oder Kater; 
blickend, das Auge wenden mag: überall bietet sich ungefähr 
dasselbe Bild. Man ist endlich in die wirklichen Auen eingetreten. 

In einem kleinen Kahne, wie man sie hier zu benutzen pflegt, 
setzt man über den Stromarm. Uferschwalben umschweben 
das Boot; Uferläufer und Waldwasserläufer (Totanus 
ochropus) fliegen, durch den Ruderschlag aufgescheucht, längs des 
Ufers dahin, einer der zahllosen Sandbänke sich zuwendend; 
Milane streichen nach dem jenseitigen Ufer hintiber oder kommen 
von diesem zurück; ein Fischadler sitzt verdauend am Strande 
oder auf einem vom Strome herangeschwemmten Baume; Kukuk 
und Wildtaube kreuzen, vorsichtig dem Boote ausweichend, den 
Stromarm; ein Paar grosser Edelfalken spielt in hoher Luft, 
ein und der andere Fischreiher, eine oder die andere Scharbe 
zeigt sich ebenfalls; denn auf einer der benachbarten Inseln be- 
findet sich ein schon seit Menschengedenken stark bevölkerter 
Reiherstand, von welchem aus die gefrässigen Fischer ihre Raub- 
züge unternehmen. Man betritt die Sandbank und wird durch 
eine ungewöhnliche Fährte gefesselt, welche jene in allen Richtungen 
durchkreuzt und durch ihre Eigenart sofort auffällt. Es ist die 
Spur des Triel (Oedienemus crepitans), welcher hier seinen Wohn- 
sitz genommen hat und, nach seiner Fährte zu urtheilen, in viel 
grösserer Anzahl auftreten muss, als man im Stande ist festzu- 
stellen. Die einzige Fährte ist die seinige übrigens nicht. Am 
Wasserrande haben verschiedene Strand- und Regenpfeifer, 
Reiher und Scharben ihre Spuren hinterlassen; an anderen 
Stellen weisen einzelne Federn und die unverkennbaren Fährten 
darauf hin, dass sie Seeschwalben, Lachmöven und ver- 
schiedene Entenarten zu Ruheorten benutzten. Das kleinere 
Volk der Vögel belebt den Strand ebensowohl wie jeden einzelnen 
Busch. Bachstelzen, Ufer- und Flussregenpfeifer finden 
sich allerorten; Laubsänger, Baumpieper, Zaunschlüpfer, 


‚Ornith. Beobachtungen in den Auwäldern d. Donau b. Wien 103 


Klapper- und Dorngrasmücken scheinen erst hier ihre eigent- 
liche Heimath gefunden zu haben. 

Durchstreift man zu Fusse oder mit Hilfe des Bootes die 
Wildniss, so bieten sich die wechselvollsten Bilder dem Auge dar. 
Bald sind die Auen urwüchsig in des Wortes vollwürdigster Be- 
deutung, ohne Zuthun des Menschen aufgewachsen und von ihm 
noch unberührt; bald hat sich derselbe ihrer bereits bemächtigt 
und Regel und Ordnung an Stelle der Regellosigkeit und Unord- 
nung gebracht. Durch einen Stromarm getrennt, breitet sich, dem 
dichtesten Walde gegenüber, eine weite Fläche aus. Der aufge- 
wucherte Wald ist abgeschlossen und das Ganze zu einer Vieh- 
weide umgewandelt worden. Zwischen den Stöcken der Bäume 
senken sich Lachen ein; hier und da ist das Land auch wohl 
versumpft. Das ist der Aufenthaltsort des Kibitzes, welcher 
hier in beträchtlicher Anzahl wohnt und wie überall wesentlich 
dazu beiträgt, die Gegend zu beleben. Auf der Sandbank gegen 
den Strom hin nisten Halsbandregenpfeifer und Ufer- 
läufer, und im Walde gegenüber haben die Milane eine förm- 
liche Siedelung gebildet. 

Da wo die Bestände forstlich bewirthschaftet werden und in 
Folge dessen in „harte Auen“ übergegangen sind, finden sich die 
Wohnplätze der Turteltauben, und zahllose Fasanen gewähren 
hier allherbstlich reiche und ergiebige Jagden, ebenso wie während 
der Zugzeit Waldschnepfen oft in erheblicher Anzahl sich ein- 
stellen. 

Auf den uralten Bäumen einer andern Insel, unter deren 
starken Stämmen dichter Unterwuchs wuchert, befindet sich der be- 
reits erwähnte Reiherstand. Fast jeder Baum trägt mehrere Horste; 
einzelne Silberpappeln sind förmlich bedeckt mit denselben. Schon 
von weitem tönt das hungrige Kreischen der ausgeschlüpften Jungen 
und der krächzende Schrei der Alten dem Besucher entgegen. Bei 
grösserer Annäherung unterscheidet man auch das heisere Knarren 
der Scharben oder Cormorane, welche hier, wie fast überall an 
der Donau, stets gemeinschaftlich mit den Reihern horsten. Saat- 
krähen fehlen natürlich ebenso wenig, und Milane haben sich 
wenigstens in unmittelbarer Nachbarschaft des Standes angesiedelt. 
Obgleich letzterer wiederholt verändert werden musste, indem die 
Holzschläger die horstenden Vögel vertrieben, nimmt doch die An- 
. zahl der letzteren kaum merklich ab. In jedem Frühjahr kehren, 
wie es scheint, dieselben Brutgäste zurück, und wenn sie sich einmal 


104 Kronprinz Rudolf von Oesterreich und Brehm: 


eingefunden haben, sind sie hier in den Auen um andere, passende 
Wohnplätze nicht verlegen. 

Die ältesten, an Höhlungen reichen Bäume, insbesondere die- 
jenigen, welche den Rand der Auwaldungen begrenzen, geben regel- 
mässig noch zwei Vögeln unseres Gebietes Herberge: dem Thurm- 
falken und der Mandelkrähe, welche hier beide in den Höh- 
lungen zu nisten pflegen, an einzelnen Stellen aber durch die 
zudringlichen Dohlen, welche dieselben Höhlungen sich aneignen 
wollen, oft sehr bedrängt werden. Auch der Baumfalk wählt 
gern diese hohen Bäume zur Anlage seines Horstes, wogegen der 
Habicht, wie zu erwarten, die dicht geschlossenen Bestände 
bevorzugt. Besonders erwähnenswerth dürfte es sein, dass. nach 
unseren Beobachtungen auch der edle Würg- oder Blaufuss- 
falke (Falco lanarius) gerade in diesem Gebiete horstet, dass viel- 
leicht unsere Auen die westlichste Grenze seines Verbreitungskreises 
bilden. 

Wo irgend eine passende Uferwand steil zum Strome abfällt, 
haben Uferschwalben sich angesiedelt, und an einzelnen Stellen 
auch Bienenfresser ihre Wohnung genommen, 

Am rechten Ufer in der Gegend von Mannswörth und 
Kaiserebersdorf fällt das umliegende Land steil zur Donau ab; 
weit weniger Dörfer als am linken Ufer liegen hier in der Nähe 
des Stromes. In dem Gebiete herrscht daher noch grössere Ruhe 
als im Marchfelde, und die Folge davon ist, dass man hier einzelnen 
Vögeln in viel grösserer Menge begegnet als auf dem linken Ufer. 
In der eben genannten Gegend trennt ein Stromarm die Auen vom 
flachen und bebauten Lande; jenseit desselben liegen viele wiederum 
durch Arme oder durch Lachen von einander getrennte Inseln mit 
hochstämmigen Bäumen und fast undurchdringlichem Unterwuchse. 
Diese Auen sind unterbrochen durch Schläge und niedrige Dickichte, 
auf denen junger Aufschlag wuchert. Hier betreten wir das Brut- 
gebiet von nicht weniger als drei Weihenarten. In den aus 
Rohr bestehenden Säumen oder Rohrwänden horsten regelmässig 
fünf bis acht Paare Rohrweihen, auf den Schlägen mit jungen 
Baumschossen wohl noch einmal soviel Paare des Wiesenweih 
und ein und das andere Kornweihenpaar. Da die Horstplätze 
durch das aufschiessende Holz alljährlich sich verändern, drängen 
sie sich auf einen kleinen Raum zusammen, und man kann in Folge 
dessen das gewiss seltene Schauspiel geniessen, zu gleicher Zeit 
acht bis zehn Weihenpaare oder fünfzehn bis zwanzig Männchen 


a a 


Ornith,. Beobachtungen in den Auwäldern d. Donau b. Wien. 105 


der drei genannten Arten im geringen Umkreise auf- und nieder- 
streichen oder ihr köstliches Flugspiel ausführen zu sehen. Da 
nun auch Thurm- und Baumfalken, schwarze und rothe 
Milane, Bussarde und Habichte hier nicht fehlen, vereinigt 
sich eine so grosse Menge von Raubvögeln wie kaum in einem 
anderen Walde des mittleren Donaugebietes und belebt, zumal 
während der Brutzeit, die ganze Gegend in höchst anmuthiger 
Weise. Alte, verlassene Fischadler- und Schlangenbussard- 
Horste deuten darauf hin, dass auch diese Raubvögel früher hier 
heimisch waren, und einzelne, regelmässig sich auch im Frühlinge 
zeigende Vögel dieser Art scheinen zu beweisen, dass sie noch in 
der Nachbarschaft der geschilderten Gegend horsten mögen. 

Im Vergleiche zur Menge der Vögel, welche man sieht oder 
hört, scheint die Anzahl der hier ansässigen Säugethiere gering zu 
sein — scheint jedoch nur so. Die Wohnlichkeit des Gebietes 
auch für Säugethiere bezeugt vielleicht am besten die Thatsache, 


- dass bis zum Jahre 1850 gerade dieser Theil der Auwälder noch 


Biber beherbergte. Beck, einer der kaiserlichen Jäger, welcher 


von Jugend auf die Auen kennt, beobachtete dieses, gegenwärtig in 
ganz Westeuropa fast ausgestorbene Nagethier noch in dem ge- 
nannten Jahre fast alltäglich auf einer seiner Burgen in der so- 
genannten „Lacke“, einer zwischen Kreuzgrund und Rohrwörth ge- 


legenen Lache, und hätte diesen Biber wiederholt erlegen können, 
wenn er bei einem seiner morgendlichen Streifzüge an das genannte 
Gewässer kam. Der Biber lebte 'hier noch ganz nach Art seiner 


Genossen in den stillsten und entlegensten Waldungen, fällte Bäume 


bis zu zwanzig Centimeter Durchmesser, erbaute sich aus ihren 
Aesten seine Burg, war des Nachts in voller Thätigkeit und pflegte 
des Morgens ruhend auf seinem Baue zu sitzen, beim geringsten 
Geräusche aber in das Wasser zu gleiten und mit klatschendem 
Schlage das Warnungszeichen zu geben. Das von der Jägerei ge- 
- hegte Thier verschwand auf noch unaufgeklärte Weise, wahrschein- 
- lich den Fischern oder Wildschützen zum Opfer fallend. Der letzte 
_ Biber, welcher von der kaiserlichen Jägerei im Jahre 1847 gefangen 


\ und mit nicht weniger als hundertundsieben Gulden verwerthet 
worden war, mochte das Schicksal seiner noch übrigen Artgenossen 


 heraufbeschworen und alle Frevlerhände in Thätigkeit gesetzt 


u haben. Die Biber sind verschwunden, aber noch heutigen Tages 
bewohnt der ihm ähnlich lebende Fischotter in sehr grosser 
Anzahl die Auen. Seine Fährte sicht man überall auf den sandigen 


106 Kronprinz Rudolf von Oesterreich und Brehm: 


Inseln, seinen Bau in den steil abfallenden Wänden, und er ist es, 
welcher am häufigsten in den Garnsäcken der Fischer sich ver- 
strickt und elendiglich im Wasser erstickt. Auch an anderen Raub- 
thieren fehlt es nicht. Ungeachtet aller Jäger Hand über ihm ist, 
wechselt der Fuchs beständig durch das auch für ihn ungemein 
reiche Jagdgebiet, und ebenso wie er durchstöbern es verschiedene 
Marderarten, am häufigsten wohl der Hermelin, welcher in 
so bedeutender Anzahl auftritt, dass in jedem August zwanzig bis 
dreissig gefangen werden können, seltener der Iltis und am 

seltensten wohl der Edelmarder, welcher die Auen wohl eben- 
falls nur auf gelegentlich unternommenen Wanderungen besucht. Fest 
angesiedelt hat sich der Dachs, trotz aller Ueberschwemmungen, 

welche, wie man meinen könnte, gerade ihn auf das höchste ge- 
fährden müssen. Reicher als die Ordnung der Raubthiere ist die 
der Nagethiere vertreten. Wasserratten sind so gewöhnliche 
Erscheinungen in den langsamer fliessenden Stromarmen und Lachen, 
dass man sie selten vermisst; Waldmäuse verursachen oft er- 
heblichen Schaden in den jung aufgeforsteten, harten Auen; Ziesel 
bewohnen nicht allein die Ränder der Waldungen, sondern auch 
solche Theile, welche regelmässig überschwemmt werden und zur 
Zeit des Winterschlafes gedachten Nagers unter Wasser zu stehen 
pflegen; Kaninchen in überaus grosser Anzahl huschen vor dem 
ein Dickicht durchschreitenden Beobachter dahin und dürften ge- 
radezu als unausrottbar bezeichnet werden, so viele Gefahren sie 
auch zu bestehen haben. Hauptsächlich ihnen zu Liebe besuchen 
Füchse und Iltisse die Auen, und sie sind es wohl auch, welche in 
erster Reihe während des Winters die grossen Adler herbeilocken. 
Von ihnen werden alljährlich so viele erlegt, als der Jäger eben j 
will; alle Verfolgungen aber lichten ihre Bestände nicht, und selbst \ 
die Leberschwemmungen, welche den dümmeren Hasen so grosse 
Gefahren bringen, fechten sie verhältnissmässig wenig an. Vertreibt 
sie das Wasser aus ihren Bauen, so suchen sie auf den erhöhten 
Stellen der Insel Zuflucht; werden auch letztere überschwemmt, so 

erklettern sie mit vielem Geschicke dicht stehende Weiden, nicht 
allzu selten sogar die Wipfeläste derselben und verharren hier, bis 
das Wasser sich wieder verlaufen hat. Geübte Jäger begründen 
hierauf eine oft sehr ergiebige Jagd, indem sie im Boote zu den 
schon von weitem sichtbaren Kaninchen fahren und sie einfach mit 
langen, biegsamen Stangen von ihren hohen Sitzen herabschlagen. 
Die Hasen folgen dem Beispiele der gewandteren Kaninchen nicht 


Ende 5 BE 


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LIEF EM 7 


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2 
| 


"Ornith. Beobachtungen in den Auwäldern d. Donau b. Wien. 107 


| und gehen deshalb bei Hochwasser in erheblicherer Anzahl zu 


Grunde als sie. Weit empfindlicheren Schaden, als die niedere 
Jagd, erleiden Hochwild und Rehe, zumal während des Winters 
durch den überfluthenden Strom. Bei sommerlichen Ueberschwem- 
mungen oder überhaupt so lange, als die Donau nicht mit Eis geht, 


‘schwimmt das Hochwild von einer Insel zur andern und sucht an 


den Rändern der Waldungen gesicherte Zufluchtsorte; beim Eis- 
gange aber wagt es in der Regel nicht die Stromarme zu über- 


_ setzen, sondern rottet sich dann auf den höchsten Stellen der Insel 


zusammen, verweilt hier, nicht selten tief im Wasser stehend, bis 


- letzteres zurückgeht, fristet inzwischen durch Baumrinde küm- 
- merlich sein Dasein und vertheilt sich wieder, wenn der Strom in 
sein Bett zurückgetreten ist. Das Reh hingegen leidet sehr unter 
- Ueberschwemmungen, und sein Bestand kann durch länger an- 
- haltende Hochwasser auf das äusserste gefährdet werden. Wild- 
 sechweine kommen selten und immer nur als Wechselwild vor. 


Während des Sommers bieten die Auen im wesentlichen das- 


selbe Bild wie im Frühlinge, vielleicht mit dem einzigen Unter- 
- schiede, dass*sie mit jeder verlaufenen Woche dichter und unzu- 
- gänglicher werden. Aber auch das Herbstbild der Waldungen ist 


LE Ba a ee Be Take Be ER 


ET WERLERGLLECDELELELEHEH UN WERTE 


Fe 


nicht erheblich verschieden von dem, welches vorstehend zu schildern 
versucht wurde. Unter der sommerlichen Hitze hat das Laub der 
Bäume von seiner Frische eingebüsst; dem ungeachtet prangen 
noch fast alle Bäume im Blätterschmucke, und der Unterwuchs hat 
wohl erst jetzt seine grösste Dichtigkeit erlangt. In den Morgen- 
stunden liest, zumal im September und October, dichter Nebel 
über den Stromarmen und Waldungen, und erst in den mittleren 
Vormittagsstunden vermag man sie wieder zu überblicken. Reiher 
ziehen, vorsichtig wie immer ihre Strasse wählend, auf und nieder, 
um an einem möglichst ruhigen Orte ihren Fischfang zu treiben; 
die Scharben haben den Bereich ihrer Brutstätte kaum schon 
verlassen, Enten der verschiedensten Art in Menge sich ein- 
gefunden. Junge Fischadler sind erschienen, um vor der Ab- 
reise nach den Süden das nahrungsreiche Gebiet noch auszunützen; 
vielleicht zeigt sich auch schon ein junger Seeadler oder ein im 
_ vorigen Sommer dem Horste entflogener Steinadler, beabsich- 
Bsend, unsere Auen zur Winterherberge zu wählen. Die Milane 
_ haben sich zerstreut: denn man sieht sie nur noch sehr einzeln; 
_ die Weihen sind grösstentheils schon dem Süden zugeflogen; die 


r rkur mfalken haben sich mehr den Rändern zugewendet. Alle 


108 Kronprinz Rudolf von Oesterreich und Brehm: 


Dickichte sind still geworden; Sang und Klang ihrer zahllosen Be- 
wohner verstummten; nur eine Amsel oder Singdrossel lässt 


dann und wann noch einzelne ihrer vollen Töne erschallen. Die 


Turteltauben haben bis auf einige Nachzügler das Land ver- 


lassen, die jungen Ringeltauben in sehr starke Flüge sich ge- 
schaart und einen regelmässigen Tageslauf angenommen, indem sie 


in den Morgenstunden nach den jetzt reiche Nahrung bietenden 


Feldern hinausziehen und, abgesehen vielleicht von kurzen Ruhe- 
pausen um die Mittagszeit, erst gegen Abend zurückkehren. Die 


letzten Würger sitzen auf den Bäumen und die ersten Raub- 
würger zeigen sich da, wo während des Sommers ihre kleineren 


Verwandten hausten. Eichelheher haben sich in überraschender 
Menge eingestellt und ziehen oft in regelmässigen Flügen von einem 
Waldtheile zum anderen; zu den als Brutvögel ständig hier weilenden 
Rabenarten hat sich der Kolkrabe gesellt. Alle Diekichte be- 
herbergen jetzt Fasanen in Menge, die nunmehr erwachsenen, ohne 
jegliche Mithülfe des Jägers auf stillen Inseln erbrüteten Jungen wie 
solche, welche aus den Fasanerien am Rande der Auen zu den 
Inseln herübergeflogen waren. Auf allen passenden Stellen gaukeln 
Kibitze auf und nieder, und von allen geeigneten Eilanden er- 
klingt des Nachts und in den Morgenstunden der Ruf des Triel. 


Vernehmlicher als je aber giebt das Hochwild von seinem Vor- 


handensein Kunde. In den Morgen- und Abendstunden erschallt 
von allen Seiten her, aus den Hochwäldern und aus dem Dickichte 
heraus, von den Waldwiesen wie von den Rändern der Wasserarme 
her, selbst auf den kleinsten, mit niedriger Weide bewachsenen 


Inseln der Schrei des brunstenden Hirsches. Auf den gewohnten 
Stellen hat sich die Spur des Fischotters verzehnfacht; in den 


zur Sicherung der Fasane aufgestellten Fallen sitzt fast an jedem 


Morgen, verdriesslich in eine Ecke gekauert, irgend ein Mitglied 
der Marderfamilie. 

Einige Wochen später sind die weichen Auen entlaubt, die 
Blätter der Bäume in den harten vergilbt und verdorrt. Die zahl- 


losen Rankengewächse und Grasarten, welche den Boden hier wie 


dort bedeckten, durch Hirsche und Jäger niedergetreten. Die 


Hirsche haben sich wieder vereinzelt, nur die Rehe theilen, 
nach wie vor zu gleichen Trupps vereinigt, gemeinschaftlich Freud 
und Leid. Kaninchen und Hasen sieht man allüberall, viel- 
leicht auch ein versprengtes Wildschwein oder doch dessen 
Fährte. Fasanen beleben, bis jetzt noch unbehelligt, nach wie vor 


_ Ornith. Beobachtungen in den Auwäldern d. Donau b. Wien. 109 


in zahllosen Mengen die Dickichte, Rebhühner und einzelne 
Wachteln die Ränder der Auen, zahllose Enten, vielleicht auch 
- noch einzelne Lappentaucher und ebenso bereits erschienene 
 Seetaucher die Stromarme und Lachen. Nicht allwinterlich bildet 
' das Eis, welches weiter oben im Strome entsteht, eine feste Decke; 
- bei strenger Kälte aber stellt es sich oft überraschend schnell in 
_ einer einzigen Nacht oder selbst binnen wenigen Stunden und lässt 
‘ dann nur noch hier und da ofiene Wuhnen frei, in denen sich jetzt 
die gesammte Welt. der Schwimmvögel zusammendrängt und über 
- denen See- und Steinadler, meist auch noch Fischadler, 
beutesuchend schweben. Um diese Zeit verlassen die Saatgänse, 
‘ welche bis dahin einzelne Inseln in zahllosen Heerden bevölkerten, 
- die Auen, und nur noch die nordischen Enten bleiben diesen 
- treu, so lange Wuhnen sich offen erhalten. Wirkliche Verarmung 
beobachtet man in den Auen wohl nie; denn wenn die letzten 
_ Wintervögel diese verlassen, beginnt der Rückzug anderer, und 
neues Leben wird allerorten ersichtlich. — 
Ein so reiches und vielartig belebtes Gebiet verdient, dass 
wir die einzelnen, nachweislich vorkommenden oder doch vor- 
- gekommenen Vogelarten namentlich aufzählen. Auf Vollständigkeit 
_ kann die Liste der genannten Arten selbsverständlich noch keinen 
_ Anspruch erheben; einen Ueberblick der gesammten hier ver- 
_ weilenden oder doch durchziehenden Vogelwelt aber gewährt sie 
wohl. Als besonders lückenhaft muss ich die Aufzählung des Klein- 
 geflügels bezeichnen; Jeder aber, welcher die Auen kennt, wird 
auch begreifen und entschuldigen, weshalb dies so ist und zunächst 
nicht anders sein kann. Fortgesetzte Beobachtungen werden manche 
- dieser Lücken ausfüllen, auch, wie wir hoffen, andere Vogelkundige, 
- welche gleich uns die Auen durchstreift haben, auffordern, zur 
;  Vervollständigung des nachstehenden aan: beizutragen. 
j 1. Vultur fulvus. 
Während der Kuttengeier (Vultur cinereus), soviel bekannt, 

"in den Auwaldungen noch nicht beobachtet worden ist, kommt der 
Fahlgeier keineswegs selten hier vor. Er erscheint zwar nicht 
‚alle Jahre in unserem Gebiete, wird aber doch ziemlich regelmässig 
"beobachtet und hält sich, wahrscheinlich durch angeschwemmtes 
 Aas angelockt, zuweilen längere Zeit, bis vierzehn Tage, in den 
"Auen auf. Seiner Ankunft Zeit ist in der Regel das Ende des 
‚September oder der Anfang des October. 


110 Kronprinz Rudolf von Oesterreich und Brehm: 


2. Haliaötus albieilla. 

Der Seeadler gehört nicht zu den Brutvögeln der von uns 
in das Auge gefassten Auwaldungen, ist aber ein regelmässiger 
Gast derselben, welcher sich schon in den letzten Tagen des Sep- 
tember einstellt und je nach Umständen längere oder kürzere Zeit, 
günstigen Falls bis zum März, hier verweilt. Die kaiserlichen Jäger 
erlegten früher im Laufe des Winters vier bis sechs der gewaltigen 
Vögel. Ein Jäger fehlte im Laufe eines Tages vor dem Uhu nicht 
weniger als vier und erbeutete an einem folgenden Tage nicht 
weniger als drei. Gerade diesem Raubvogel bieten die Auen im 
Herbste und Winter die vortreftlicheste Gelegenheit zur ergiebigen 
Jagd. So lange die Donau offen ist, betreibt er in De 
Weise seinen Fischfang; später stellt er Hasen, Kaninchen und in. 
besonders überlegter Weise den Saatgänsen und Enten nach. Zum i 
Fange dieser ebenso vorsichtigen als gewandten Wasservögel ge- 
sellt er sich regelmässig mit einem zweiten, und beide wechseln 
nun mit einander ab, indem der eine verfolgt und der andere den 


Weg abzuschneiden sucht! 
3 Aguila si 


weilt bis zum Anfange des Februar in den Auen, jagt während 
dieser Zeit regelmässig auf dem Marchfelde auf Hasen, in den 
liehteren Auwaldungen auf Kaninchen, raubt ausserdem ebenfalls 
Enten und Gänse und leidet dem entsprechend niemals Noth. Gegen 
Abend fliegt er einer der geschützten Stellen der Auwaldungen zu h 
und hält hier auf einzelnen, hohen Bäumen, gewöhnlich gemein | 
schaftlich mit anderen seiner Art, die Nachtruhe, 
4. Aquila imperialis. | 
Der Kaiseradler findet sich in manchen Jahren als nicht 
seltener Zugvogel in den Auen ein, hält sich hier aber nie längere 
Zeit auf. Dass er früher gerade in unserem Gebiete gehorstet hat, 
ist bekannt. ® 
5. Aguila naevia. 
Der Schreiadler zeigt sich nur als Zugvogel und zwar 
keineswegs alljährlich, erscheint im September und verlässt die 
Waldungen im April wieder. | 
6. Aguela pennata. k 
Obgleich man den ziemlich still sein Wesen treibenden Zwerg- 
adler nicht eben häufig beobachtet, muss man ihn doch zu den 
regelmässigen Brutvögeln der Auwaldungen zählen. Seinen Horst 


Örnith. Beobachtungen in den Auwäldern d. Donau b. Wien. 1li 


hat man am Rande der Auen gegen die Felder hin, also zumeist 
in den harten Auen, zu suchen. 

7. Pandion halvaetus. 

Wie schon vorstehend bemerkt wurde, findet man den Fisch- 
adler abweichend von den sonst für ihn gültigen Verhältnissen 
fast jahraus jahrein, jedenfalls noch in den letzten Monaten des 
Jahres, während die Donau schon mit Eis geht, in unserem Ge- 
biete. Einzelne Wuhnen bilden in den Wintermonaten sein aus- 
schliessliches Jagdgebiet, scheinen ihm jedoch so reiche Beute zu 
gewähren, dass er auch dann noch auszuhalten vermag. Nach 
reichlicher Mahlzeit ist der sonst so vorsichtige Vogel zuweilen so 
wenig scheu, dass er, wenn er verdauend am Strande sitzt, von 
einem vorsichtig sich annähernden Boote aus erlegt werden kann. 

8. Circaetus brachydactylus. 

In manchen Jahren siedelt sich aueh ein Sehlangenbussard 
in den Auen an; vielleicht mag es ebenso vorkommen, dass derselbe 
hier einen Horst gründet oder benutzt. Im Allgemeinen gehört 
jedoch dieser Vogel zu den seltenen Erscheinungen. 

9. Buteo vulgaris. 

Nächst dem Thurmfalken und Milan ist der Bussard wohl 
der gemeinste Raubvogel des Gebietes, auch in fast annähernd 
gleicher Anzahl im Sommer wie im Winter zu finden. Sein Horst 
steht in den verschiedensten Beständen der Auen, ebensowohl auf 
den Inseln wie in den Vorhölzern. 

10. Archibuteo lagopus. 

Allherbstlich und zwar gegen den zwanzigsten October erscheint 
der Rauchfussbussard auf dem Marchfelde, um bis zum fünften, 
höchstens fünfzehnten März in der Winterherberge zu verweilen; 

- seine Nachtruhe wählt er dann mit grosser Regelmässigkeit in den 
- Aubeständen. 

1l. Pernis apivorus. 

Der Wespenbussard besucht die Auen wohl nur während 
| des Zuges, da er bekanntlich mehr Feldgehölze, als solche in der 

Nähe des Stromes liebt. 

12. Astur palumbarius. 

Dem versteckten Leben und den Sitten des Habichtes ent- 
_ sprechen die Auwälder in jeder Beziehung; er zählt daher ebenso wie 
13 Nisus communis, 
der Sperber, zu den häufigen Raubvögeln des Gebietes und 
- verlässt die Waldungen auch im Winter nicht. 


112 Kronprinz Rudolf von Oesterreich und Brehm: 


14. Falco peregrinus. 
Während des Zuges, zumal im Herbste, durchstreifen Wander- 
falken auch die Auwälder, verweilen selbst mehrere Wochen in 
ihnen und verlassen sie erst mit spätem Herbste; Brutvögel 
aber sind sie nicht. Ihre Stelle vertritt schon in der Umgegend 
von Wien | 

15. Falco lanarius, ; 
der Würg- oder Blaufussfalk, welcher von dem Kron- 
prinzen am Horste erlegt wurde und gegenwärtig unter Schutz 
gestellt worden ist, um weitere Beobachtungen über ihn sammeln 
zu können. 

16. Falco subbuteo. > 

Ein recht häufig auftretender, regelmässig in ihm brütender 
Raubvogel unseres Gebietes ist der Baumfalk. Demungeachtet 
kommt er keineswegs so oft zu Gesichte, als man annehmen möchte. 
Sein Horst wird ebenso am Rande der Wälder wie auf den Inseln 
gefunden. 

17. Falco aesalon. 

Als regelmässiger Zug- und Besuchsvogeli der Auen tritt der 
zierliche Merlin auf. Er erscheint allherbstlich, verweilt längere 
oder kürzere Zeit, vereinigt sich währenddem gesellschaftlich mit 
anderen seiner Art und verlässt das Gebiet erst beim Eintritte 
strengeren Winters, um es im Frühjahre auf der Heimreise wieder 
zu besuchen. { 

18. Falco tinnunculus. F 

Der Thurmfalk horstet, wie bereits bemerkt, in erheblicher 
Anzahl in den Auen und zwar regelmässig in Baumhöhlungen, hier N 
und da mit Dohlen und Mandelkrähen anscheinend in friedlichem 
Vereine. Seine Ankunftszeit fällt in den März, die Zeit seiner Ab- 
reise in den October. ö 

19. Falco vespertinus. 

Alle fünf bis sechs Jahre zeigt sich auch einmal ein Flug von 
Abend- oder Rothfussfalken in den Auen, ohne jedoch hier 
zu horsten. Vor mehreren Jahren wurden von einem kaiserlichen 
Jäger im Laufe eines Abendes neun Stück des zierlichen Vogels 
erlegt. 

20. Milvus regalis. 

Obwohl der Königsweih regelmässig in den Auwäldern vor- 
kommt und hier auch brütet, gehört er doch immerhin zu den 
selteneren Erscheinungen; denn er horstet lieber in den Waldungen 


a nr u ee 


Örnith. Beobachtungen in den Auwäldern d. Donau b. Wien. 113 


der benachbarten Gebirgszüge. Häufig dagegen und allverbreitet ist 

21. Milvus migrans. 

Ihm, dem Milan, bieten die Auen Alles, was er zum Leben 
bedarf. Auf besonders günstigen Oertlichkeiten vereinigt er sich 
daher mit anderen seiner Art und bildet förmliche Horstsiedelungen 
der Art, dass acht bis zehn Paare, auch wohl noch mehr, in einem 
bestimmten Waldtheile gemeinschaftlich brüten. Gewöhnlich sieht 
man ihn über dem Strome seine Kreise ziehen, von einer Insel 
zur andern streichend, einen und den andern Stromarm absuchend. 
Den Dampfschiffen folgt er gerne, weil er erfahren hat, dass durch 
den Wellenschlag kleine oder junge Fische verschiedener Art an 
das Ufer geschleudert und ihm so zur leichten Beute werden. 
Ausserdem betreibt er mit Vorliebe Jagd auf Frösche, findet sich 
selbstverständlich als einer der Ersten auf jedem Aase ein und 
fristet sich, mehr bettelnd und auflesend als raubend, sein Leben. 
Als schädlich erweist er sich nicht, wird daher auch kaum verfolgt. 
Eine eingehende Schilderung seines Thuns und Treibens haben 
wir im „Thierleben“, zweite Auflage, Band IV, veröffentlicht. 

22. Cireus rufus. 

Der Rohrweih ist nicht allein ein regelmässiger, sondern 
auch ein ziemlich gemeiner Raubvogel unseres Gebietes, horstet 
hier aber nur ausnahmsweise in den schmalen Rohrbeständen oder 
Rohrwänden, mit Vorliebe dagegen nach Art seiner Verwandten 


_ in hohem Grase oder zwischen jung aufgeschossenem Weiden- 


diekichte. 

23. Circus cineraceus. 

Die häufigste Art des Geschlechtes ist der Wiesenweih. 
Er wählt zu seinen Horstständen entweder dieselben oder doch 
ganz ähnliche Plätze wie der Rohrweih, brütet mit diesem nicht 
selten in Gesellschaft und bildet so ebenfalls förmliche Siedelungen, 


_ wie wir ausführlicher im „Thierleben“ geschildert haben. Auf 
- seinen Horstständen findet man dann und wann auch 


24. Circus eyaneus, 


_ den Kornweih, immer aber nur in einzelnen Paaren. 


25. Surnia nisoria. 
Während die Sperbereule in Westeuropa zu den sehr 


F seltenen Erscheinungen zählt, darf sie als ein für das ganze Gebiet 
_ der Karpaten regelmässiger Wintergast bezeichnet werden und 


bevölkert das Gebirge wahrscheinlich. in weit grösserer Anzahl, 


als man anzunehmen pflegt. Jede kleinere Sammlung. weist ein 
Cab, Journ. f, Ornith, XXVI, Jahrg, No. 146, April 1879, 8 


a‘ m 


114 Kronprinz Rudolf von Oesterreich und Brehm: 


oder mehrere Exemplare dieser Eule auf, und wir ersehen daraus, 
dass der schöne Vogel ebensowohl im Norden als im Süden, im 
Westen wie im Osten der Karpaten gefunden wird. Gelegentlich 
dieser winterliehen Besuche nun erscheint auch eine oder die andere 
Sperbereule in den Auwäldern, wahrscheinlich ebenfalls viel häu- 
figer, als man anzunehmen pflegt. 

26. Syrnium aluco. 

Der Baumkauz ist wohl in allen altstämmigen Wäldern 
des ganzen Donaugebietes als Standvogel zu bezeichnen, und an 
den meisten Orten keineswegs selten, vielmehr eine der häufigeren 
Arten seiner Familie. 

27. Bubo ignavus. 

Obwohl der Uhu erweislich in den von uns geschilderten Auen 
nicht horstet, tritt er doch als Zug- oder Strichvogel so oft auf, 


“ 


dass alle zwei bis drei Jahre in den kaiserlichen Revieren einer 
oder zwei erlegt oder gefangen werden. Da der Vogel weiter unten 


an der Donau noch in allen geeigneten Waldungen horstet, be- 


darf es keiner weiteren Erklärung für sein Vorkommen in unserem 


Gebiete. 

28. Otus sylvestris. 

Die Waldohreule ist eine der häufigeren Arten ihrer Familie 
und brütet in allen geeigneten Beständen unseres Gebietes. 

29, Otus brachyotus. 

In jedem Herbste, oft in zahlreichen Flügen, erscheint die 
Sumpfeule nicht allein in den Auen, sondern auch in dem benach- 
barten Marchfelde, hält sich hier vier bis sechs Wochen auf und 
betreibt während dieser Zeit sehr eifrig Jagd auf Feldmäuse. Im 
October und November kann man bei Durchstreifung der Felder 
im Laufe eines Tages Dutzenden dieser nordischen Eulen begegnen. 


Bei einer Hofjagd auf Hasen wurden über hundert Stück erlegt, 


welche mitten auf den Feldern meist am Rande der Raine Tagruhe . 
gesucht hatten und bei der Streifjagd truppweise vor «die Schützen- 


linie kamen. 
30. Athene noctua. 


Das Käuzchen, hier zu Lande „Wichtl“ genannt, be- 3 
wohnt die Vorhölzer in der Nähe der Felder, geeignete Stellen so 
häufig, dass man fast mit Sicherheit darauf rechnen kann, jeden 


abgestutzten, hohlen Baum bevölkert zu finden. 
31. Cueulus canorus. 


Der Kukuk zählt zu den häufigsten Brutvögeln der Auen, i 


Örnith. Beobachtungen in den Auwäldern d. Donau b. Wien. 115 


bevölkert alle Theile derselben und erscheint alljährlich in annähernd 
gleicher Anzahl. 

32. Alcedo ispida. 

Der Eisvogel wird nicht eben oft bemerkt, ist jedoch ein 
keineswegs seltener Bewohner unseres Gebietes, findet auch in den 
stillen Lachen so ergiebige Fisch- und in den steinwandigen Ufern so 
geeignete Nistplätze, wie kaum irgendwo anders und verlässt daher 
das Gebiet selbst im Winter nicht. 

33. Merops apiaster. 

Die bekannteste Niststelle des Bienenfressers befindet sich 
am rechten Ufer der Donau bei Biberhaufen. Bis zum Jahre 1873 
brüteten hier regelmässig mehrere Paare. Sie erschienen, vielleicht 
mit Ausnahme des einen oder des andern sehr ungünstigen Sommers, 
ebenso regelmässig wie an der unteren Donau, würden auch zweifel- 
los noch die alten Niststellen behaupten, hätte sie nicht einer der 
Jäger nacheinander weggeschossen, um sie den Federschmuck- 
händlern zu verkaufen. Für die Zukunft werden sie auf den kaiser- 
liehen Revieren unbedingten Schutz geniessen, und dürfen wir dem- 
gemäss wohl hoffen, dass sie sich wiederum einstellen werden. 

34. Coractas garrula. 

Wie schon bemerkt, zählt die Mandelkrähe zu den häu- 
figen Brutvögeln unseres Gebietes; innerhalb der beschriebenen 
Auen dürften jährlich zehn bis zwölf Nester gefunden werden. 
Der Vogel erscheint im Mai und verlässt das Land im September 
wieder. Während des Sommer-Aufenthaltes wählt er sich mit Vor- 
liebe solche Waldtheile, welche ihm freien Ausflug nach den be- 
nachbarten Feldern gewähren. Hier, also am Rande der Auen, 
darf man mit Sicherheit darauf rechnen, während des Sommers 
ihm zu begegnen und ebenso jede geeignete, noch nicht von einem 
Thurmfalken oder einer Dohle in Beschlag genommene Baumhöhle 
von ihm besetzt zu finden. 

385. Caprimulgus punctatus. 

Der Ziegenmelker brütet allsommerlich auch in den Auen, 
wird wenigstens während der ganzen Zeit beobachtet, Ein Nest 
von ihm ist meines Wissens hier noch nicht aufgefunden worden; 


es unterliegt aber keinem Zweifel, dass ihm die höher gelegenen 


I 


Inseln Nistplätze bieten müssen, wie er sie zu benutzen pflegt. 


N 


36. OCypselus apus. 


Der Mauersegler bewohnt alle Kirehthürme und sonstigen 
gt 


116 Kronprinz Rudolf von Oesterreich und Brehm: 


höheren Baulichkeiten der Ortschaften zu beiden Seiten des Stromes 
und besucht von hier aus regelmässig auch die Auwälder. 

37. Picus viridis, 

38. Picus canus, 

39. Picus major, 

40. Picus medius, 

41. Picus minor. 

Alle vorstehend aufgezählten Spechte finden sich innerhalb 
unseres Gebietes. Am häufigsten vielleicht bewohnt die Wälder der 
Mittelspecht; aber auch Bunt- und Kleinspecht zählen zu 
den regelmässigen Erscheinungen, und Grün- und Grauspecht 
sind so zahlreich vertreten, dass man ihnen wohl auf jedem Aus- 
fluge begegnet, mindestens ihre Stimme zu hören bekommt. 
Schwarz- und Weissrückenspecht dagegen scheinen den 
Auen zu fehlen. 

42. Jynz torquilla. 

Der Wendehals bewohnt recht häufig die Aussenränder der 
Waldungen, mit besonderer Vorliebe Kopfweiden und andere abge- 


stutzte Bäume auf oder neben Hutweiden, in denen er auch sein 


Nest anlegt. 
43. Luscinia vera. 
Während die Nachtigall zu den gemeinsten aller Vögel der 
Auen zählt, erscheint j 
44. Luseinia philomela, 
der Sprosser, nur auf dem Zuge in unseren Waldungen, 
Leider durchstreifen diese dann Vogelfänger aller Art, um letzteren, 
in Wien ausserordentlich geschätzten Sänger zu erbeuten. Zumal 
im Herbste werden viele Sprosser gefangen, in einzelnen Käfigen ° 
aufbewahrt, im Laufe des Winter verhört und verkauft, die Weib- 
chen aber im Frühjahre freigelassen. | 
45. Cyanecula suecica. 
46. Oyanecula leucocyana. 
Beide Blaukehlchenarten benutzen während der Zugzeit 


auch die Donau als Heerstrasse, werden aber, wie leicht erklärlich, 


im Frühlinge häufiger beobachtet als im Herbste. Wenn der 
Frühlingszug im vollen Gange ist, kann man ihnen an einzelnen 


Tagen in geradezu überraschender Menge begegnen; immer aber 


beschränkt sich ihr Aufenthalt in den Auen auf wenige Tage. Als F 
Brutvögel hat man, soviel uns bekannt, weder die eine noch die 
andere Art gefunden, 


i 


Ornith. Beobachtungen in den Auwäldern d. Donau b. Wien. 117 


47. Erithacus rubecula. 

Einer der häufigsten Sänger des ganzen Gebietes ist das 
Rothkehlchen. Sein frisches Lied belebt die Auen schon in den 
ersten Frühlingstagen und erklingt während des ganzen Sommers 
wenigstens in allen hochstämmigen mit reichem Unterwuchse ver- 
sehenen Waldungen. Auf besonders günstigen Oertlichkeiten wohnt 
ein Paar dicht neben dem andern; zuweilen will es sogar den An- 
schein gewinnen, als ob jedes sich beschränken müsse, um mit dem 
Nachbar nicht in Zwiespalt zu gerathen. 

48. Ruticilla arborea. 

DieselbenWaldungen, welche das Rothkehlchen bevorzugt, dienen 
auch dem Baumrothsehwanze zum Aufenthalte, und die vielen 
Höhlungen in den Bäumen begünstigen sein Auftreten in so hohem 
Maasse, dass er zu den häufigen Vögeln des Brutgebietes zählt. 
Aber auch 

49. Rutierlla atra, 
der Hausrothschwanz, ist keineswegs selten in unserem 
Gebiete und nicht allein in allen Dörfern, sondern ebenso auf jedem 
Heuschuppen oder sonstigem Holzgebäude zu finden. 

50. Sazicola venanthe. 

DerSteinsehmätzer bewohnt nur die Ränder der Waldungen, 
ist aber hier auch auf gänzlich steinlosen Feldern meist recht häufig. 
Seine Verwandten 

51. Pratincola rubicola und 

52. Pratincola rubetra 
sind regelmässige Brutvögel der mit höherem Grase bewachsenen 
Wiesen an den Grenzen oder in Mitten der Waldungen. 

53. Turdus musicus, 

54. Turdus iliacus, 

55. Turdus pilaris, 

56. Turdus viscivorus, 

57. Turdus merula. 

Soviel bekannt, brüten in den Auen nur Sing- Mistel- 


_ und Schwarzdrosseln, sie aber verhältnissmässig häufig. Die 


übrigen Drosselarten besuchen auch diese Waldungen mit grösster 


 Regelmässigkeit ebensowohl auf ihren Frühjahrs- wie auf ihren 
- Herbstzügen. 


58. Turdus ruficollis. 
Im Jahre 1851 und zwar im Frühlinge, ungefähr um den 


- zehnten März, sah Jäger Beck einen grossen Flug rothbrüstiger, 


118 Kronprinz Rudolf von Oesterreich und Brehm: 


von allen ihm bekannten unterschiedener Drosseln, welche wahr- 
scheinlich dieser Art angehört haben mögen. 

59. Troglodytes parvulus. 

Der Zaunkönig ist allerorten häufig, am häufigsten aber 
doch an den Rändern der Auen. 

60. Cinclus aquaticus, 

der Wasserschwätzer, stellt zuweilen, immer jedoch nur 
in strengen Wintern, auch in den Auen sich ein, kommt unter 
solehen Umständen sogar im Prater vor. 

61. Sylvia nisoria, 

62. Sylvia atricapilla, 

63. Sylvia hortensis, 

64. Sylvia einerea, 

65. Sylvia garrula. 

Alle Grasmückenarten sind regelmässige Brutvögel der Au- 
wälder und je nach ihren Sitten und Gewohnheiten in ihnen ver- 
theilt, am häufigsten wohl am Rande der Waldungen ansässig. 

66. HAypolais hortensis. 

Der Gartensänger oder der Spottvogel, auch in Oesterreich ein 
sehr beliebter Sänger, welcher viel in Käfigen gehalten wird, bewohnt 
namentlich die harten Auen und wird ebenso in allen höheren 
Beständen der weichen Auen gefunden. 

67. Phyllopneuste fitis. 

Vielleicht der häufigste aller Sänger ist der Fitis. Ihn be- 
herbergt jede Insel, jeder Wald, jeder Bestand in ausserordent- 
licher Menge. 

68. Regulus cristatus, und 

69. Regulus ignicapillus. 

Beide Goldhähnechen besuchen die Auen nur während ihres 
Zuges und durchstreifen sie auch dann nur flüchtig. 

70. Acrocephalus turdoides, 

71. Acrocephalus arundinaceus, 

12. Acrocephalus locustella. 

Die Auen bieten für Schilfsänger so geeignete Oertlichkeiten, 
dass unzweifelhaft weit mehr Arten der Gruppe vorkommen, als ° 
wir bis jetzt feststellen konnten, In den Rohrwanden sind die 
Rohrdrossel oder der Rohrsänger sehr häufige Erscheinungen. Aber 
auch der Heuschreckensänger kann nicht selten sein, da man sein 
bezeichnendes Schwirren an geeigneten Plätzen überall vernimmt. 
Welche Arten sonst noch in den Auen brüten, oder sie auf dem 


y 
? 


Ornith. Beobachtungen in den Auwäldern d. Donau b. Wien. 119 


Durchzuge berühren, muss späteren Beobachtungen vorbehalten 
bleiben. 

13. Motacilla alba, 

74. Budytes flavus. 

Die Bachstelze, welche nach unseren Erfahrungen in Ungarn 
ein verhältnissmässig seltener Bewohner der Donau ist, tritt in 
den Auen zahlreich auf. Die Wiesen neben und zwischen den 
Beständen beherbergen auch die Schafstelze in Menge. 

75. Anthus arboreus, 

16. Anthus pratensis, 

17. Anthus campestris. 

Der Baumpieper ist zwar nicht überall, aber doch auf 
einzelnen Inseln so ausserordentlich häufig, dass sein Gesang 
seradezu zum vorherrschenden wird; der Wiesenpieper besucht 
die Auen alljährlich während seines Zuges, und der Brach- 
pieper bevölkert die Felder zu beiden Seiten des Stromes, in 
besonderer Anzahl namentlich die des Marchfeldes. 

78. Alauda arvenses, und 

79. Gallerita cristata. 

Auf den Feldern zu beiden Seiten des Stromes ist, wie zu 
erwarten, die Feldlerche sehr häufig; aber auch die Hauben- 
lerche tritt, obschon nur auf die Wege sich beschränkend und 
blos hier und da bis an die Waldungen der Auen ihren Wohnsitz 
ausdehnend, zahireich auf. 

80. Emberiza miliaria, 

81. Emberiza eitrinella, 

82. Emberiza schoeneclus, 

83. Emberiza nivalis. 

Brutvögel des Gebietes sind der, wie schon erwähnt, überaus 


gemeine Grauammer, der hier und da kaum seltener auftretende 


Goldammer und der in den Rohrbeständen, wie in anderen 
Dickichten, ebenfalls recht häufige Rohrammer. Dass auch von 


hi den nordischen Arten der Familie wenigstens einzelne das Gebiet 


berühren, beweisen die zuweilen, und dann in Menge erscheinenden 
Schneeammern, welche sich jedoch in der Regel nur auf den 
Feldern aufhalten, ohne die eigentlichen Wälder zu berühren. Be- 
stimmte Beobachtungen über die sonst noch vorkommenden Arten 


_ konnten von uns bisher nicht gesammelt werden. 


84. Passer domesticus, 
85, Passer montanus, 


{20 Kronprinz Rudolf von Oesterreich und Brehm: 


86. Fringilla coelebs, 

87. Fringilla montifringilla, 

88. Fringilla carduelis, 

89. Fringilla spinus, 

90. Fringilla linaria, 

91. Fringeilla cannabina, 

92. Fringilla chloreis, 

93. Coccothraustes vulgaris. 

Alle vorstehend bezeichneten Finkenarten treten mehr oder 
minder häufig in den Auwäldern auf. Der Haussperling be- 
schränkt sich, wie zu erwarten, auf die benachbarten Dörfer; der 
Feldsperliug bevölkert mit Vorliebe die Waldränder. Der Edel- 
fink bewobnt in Menge alle Bestände, der Grünling wie der 
Kernbeisser mehr die Aussenwaldungen; der Hänfling endlich 


zumeist die vorspringenden Waldestheile. Zeisig und Bergfink. 


sind regelmässige Wintergäste, und der Leinzeisig, hier „Zuser“ 
genannt, tritt in einzelnen Jahren ungemein zahlreich auf, wird 
dann aber seines wohlschmeckenden Fleisches halber in Menge 
gefangen und zu verhältnissmässig .hohen Preisen auf dem Markte 
verkauft. 

94. Serinus hortensis. 


Der Girlitz ist, wie überall in ganz Niederösterreich, ein 


sehr häufiger Sommerbewohner der Auen, jedoch keineswegs in 
jedem Bestande zu finden. Am liebsten siedelt er sich an den 
Waldrändern an, und hier bevorzugt er wiederum einzeln stehende, 
hoch und dicht bewipfelte Bäume. 

95, Pyrrhula vulgaris, 

96. Pinicola enucleator. 

Der Gimpel erscheint in jedem Winter in unserem Beobach- 
tungsgebiete, hält sich auch wohl tage- und wochenlang in den 
Auen auf; der Hakengimpel dagegen trifft auch hier nur un- 
regelmässig ein und verweilt selten längere Zeit. 

97. Sturnus vulgaris, 

Der Staar ist einer der gemeinsten Vögel des ganzen Donau- 
thales, findet auch in den Auen überall geeignete Nisthöhlen und 
ist daher noch nicht auf die Beihülfe des Menschen angewiesen. 

98, Pastor roseus. 


Dann und wann, immer aber sehr selten, sieht man unter 


Staaren auch ihren schönen Verwandten, den Rosenstaar; es 


können jedoch auch hier viele Jahre vergeben, bevor Einer be- 


| Ornith. Beobachtungen in den Auwäldern d. Donau b. Wien, 121 


- obachtet wird. In der Regel macht sich der Vogel im Herbste 
- bemerklich. Um diese Zeit. erscheinen zuweilen kleine Trupps, 
- meist jedoch nur einzelne, gleichsam Versprengte, welche dann 
- meist mit den Staaren leben. 

99. Corvus coraz, 

100. Corvus corone, 

| 101. Corvus corniz, 

| 102. Corvus frugilegus, 

' 103. Corvus monedula. 

Mit Ausnahme des Kolkraben, welcher wohl früher in den 
- Auwäldern horstete, gegenwärtig aber nur noch im Winter als 
wochen- und monatelang weilender Gast beobachtet wird, sind alle 
übrigen mitteleuropäischen Raben als Standvögel des Gebietes an- 
i 
& 
| 


- zusehen. Nicht allein die Saatkrähen, sondern hier und da 
- Raben- und Nebelkrähen bilden zuweilen Siedlungen, wenn 
- auch die der letzteren Art stets an Anzahl der brütenden Paare 
weit hinter denen der Saatkrähe zurückstehen. Raben- und Nebel- 
 krähen paaren sich auch hier nicht selten. Während des Winters 
- gesellen sich den in den Auen horstenden Saatkrähen noch Zu- 
- zügler aus dem Norden, zuweilen viele Tausende, wenn nicht Hundert- 
- tausende, welche dann von den Waldungen aus die Felder zu beiden 
Seiten derselben besuchen und sie oft auf weithin förmlich bedecken. 
- Nach Beobachtungen der kaiserlichen Jäger kommt es vor, dass 
- sie bei Rauchfrösten und Glatteis in arge Bedrängniss gerathen, 
- indem der Rauchfrost auf ihrem Gefieder sich niederschlägt, das- 
- selbe mit einer förmlichen Eiskruste bedeckt und sie derartig am 
- Fluge verhindert, dass sie bis gegen die Mittagszeit hin auf den 
- Bäumen sitzen bleiben müssen, wenn früher auf sie geschossen 
- werden sollte, beim Versuche zu entfliehen, hülflos zu Boden herab- 
- fallen und dann mit Stöcken erschlagen werden können. Den Nebel- 
und Rabenkrähen geschieht solch Missgeschick nie. Dohlen sind, 
- wie schon in der Einleitung bemerkt, sehr häufige Brutvögel ge- 
 eigneter Waldestheile. 
104. Pica caudata. 
% Die Elster kommt in allen Waldungen vor und ist überall 
häufig. 
i 105. Nucifraga caryocatactes. 
In einzelnen Wintern erscheint, immer aber nur ausnahms- 
weise und selten, auch der Nussknacker in der Ebene und dann 
regelmässig in den Waldungen unserer Auen. In einzelnen Wintern 


122 Kronprinz Rudolf von Oesterreich und Brehm: 


wird der Vogel, der hier ebenso vertrauensselig ist, wie anderwärts, 
zu Hunderten von den Jägern erlegt. 

106. Garrulus glandarius. 

Eichelheher sieht man während des ganzen Jahres, in be- 
sonderer Häufigkeit aber doch nur im Herbste, während der Zug- 
zeit, welche meist zahlreiche, freilich nur locker zusammenhängende 
Flüge in die Auwälder führt. 

107. Lanius excubitor, 

108. Lanius minor, 

109. Lanius rufus, 

110. Lanius collurio. 

An Stelle der drei Würgerarten, welche im Sommer in bereits 
geschilderter Weise die Auen beleben, tritt im Winter der Raub- 
würger, immer aber als seltene und vereinzelte Erscheinung. 

l1ll. Muscicapa grisola, 

112. Muscicapa atricapilla, 

113. Muscicapa collaris. 

Von den Fliegenfängern ist einzig und allein der Grau- 
fliegenschnapper als Standvogel des Gebietes zu bezeichnen. 
Die beiden anderen Arten seiner Familie zeigen sich wohl während 
des Frühjahrs- und Herbstzuges in demselben, wenden sich aber 
stets den Buchenwäldern der benachbarten Gebirge zu, um in ihnen 
zu brüten. 

114. Hirundo rustica, 

115. Chelidon urbica, 

116. Chelidon riparia. 

Ebenso häufig als die Rauch- und Mehlschwalbe in allen 
benachbarten Dörfern tritt an steil abfallenden Erdwänden der 


Auen die Uferschwalbe auf, jedoch erreichen ihre Siedelungen 


nicht entfernt dieselbe Ausdehnung wie an der unteren Donau. 
117. Bombyeilla garrula. 


Wie überall erscheinen auch in den Auwaldungen in manchem 


Winter massenhaft Seidenschwänze, um hier längere oder kürzere 


Zeit ihre Winterherberge zu nehmen. Besonders häufig waren sie 


im Jahre 1872. 
118. Oriolus galbula. 


Der Pirol, auch hier ein allgemein bekannter und beliebter 


Sommergast, belebt alle Waldungen in erheblicher Menge. 
119. Parus major, 
120. Parus coeruleus, 


EN 


{ Ornith. Beobachtungen in den Auwäldern d. Donau b, Wien. 123 


121. Parus palustris, 

122. Parus ater, 

123. Parus caudatus, 

124. Aegithalus pendulinus. 

| Kohl-, Blau-, Sumpf- und Schwanzmeisen sind 
- häufige Bewohner unserer Wälder; die Beutelmeise hingegen 
- nimmt von Jahr zu Jahr an Anzahl ab und ist gegenwärtig bereits 
- sehr selten geworden; noch vor etwa zwanzig Jahren war dies 
nicht der Fall. Die älteren, kaiserlichen Jäger erinnern sich, ihre 
- Nester noch sehr häufig gesehen zu haben, während es gegenwärtig 
- schon zu den ungewöhnlichen Ereignissen gerechnet wird, wenn 
- einer von ihnen im Herbste, nach Entlaubung der Bäume, ein 
- solehes Nest sieht. Die hohen Preise, welche von Sammlern für 
- Nest und Gelege gezahlt werden, sind wohl die hauptsächlichste 
4 Ursache der Verminderung dieser schönen Art. Die Tannen- 
 meise erscheint nur auf dem Zuge und auch dann nicht häufig. 
125. Setta caesia. 

| Die Spechtmeise ist zur Freude aller Beobachter ein noch 
sehr häufiger Bewohner unseres Gebietes, weil um passende Nist- 
- löcher durchaus nicht verlegen. Ihren fröhlichen, volltönenden Ruf 
- hört man in jedem älteren Bestande. Hier und da wohnt ein Paar 
dicht neben dem andern. 

126. Certhia familiares. 

4 Der Baumläufer ist gegenwärtig noch ein allverbreiteter 
- und in älteren Beständen nirgends seltener Bewohner unseres Ge- 
 bietes. 

127. Upupa epops. 

| Der Wiedehopf findet in der Nähe der Viehweiden und am 
- Rande der Wälder so vortreffliche Aufenthaltsorte, dass er zu den 
häufigeren, wenn nicht gemeinen Brutvögeln des Gebietes gezählt 
- werden darf. 

128. Columba palumbus, 

129. Columba oenas, 

130. Columba turtur. 

(4 Alle drei Taubenarten bevölkern in fast gleichmässiger Anzahl 
‘die Auwälder. Am häufigsten tritt, wie erklärlich, die Ringel- 
"taube, am seltensten vielleicht die Hohltaube auf; in keinem 
Falle aber kann man sagen, dass sie gegenwärtig schon an Woh- 
 nungsnoth leidet. Im Herbste begegnet man oft zahlreichen Sehaaren 
von ihr, welche, wie die Ringeltauben, vom Walde aus die Felder 


124 Kronprinz Rudolf von Oesterreich und Brehm: 


besuchen und nicht allzu selten gemeinschaftlich mit den Verwandten 
hier ihrer Nahrung nachgehen. 

131. Coturniz communis, 

132. Perdiz cinerea, 

133. Phasianus colchicus. 

Die Wachtel brütet einzeln nicht allein auf den benachbarten 
Feldern, sondern hier und da an den Waldesrändern des ganzen 
Gebietes; das Rebhuhn findet hier wie da überaus zusagende 
Wohnplätze und ist deshalb überaus häufig; der Fasan wird sorg- 


fältig gehegt und vermehrt sich in trockenen, nicht von Ueber- 


schwemmungen heimgesuchten Jahren ungeachtet der vielen Feinde, 
welche gerade ihm nachstellen, in der befriedigendsten Weise. 
134. Oedienemus crepitans. 
Der Dickfuss, hier Triel oder Brachhuhn genannt, darf 
geradezu als Charaktervogel der Donauauen bezeichnet werden. Jede 
geeignete, das heisst verhältnissmässig hohe, sandige und mit 


niederen Weiden bestandene Insel beherbergt mindestens ein Paar; 
auf grösseren Inseln kann man auch wohl deren zwei bis drei 


Paare auftreiben. Ueber Tags hält sich der Vogel, wie üblich, 
möglichst verborgen, mit Beginn der Dämmerung fliegt er von 


einer Insel zur anderen oder von diesen auf die Felder hinaus und 


kehrt dann erst in den Morgenstunden zu dem Tagstand = Nist- 
platz zurück. 

135. Charadrius minor, 

136. Charadrius hiaticula, 


137. Charadrius auratus. 


Brutvögel unseres Gebietes sind der Fluss- und Halsband- 


regenpfeifer, welche in ungefähr derselben Anzahl in den Auen 
vorkommen mögen. Ihnen gesellt sich allherbstlich auch der Gold- 


regenpfeifer; er aber hält sich dann, wie zu erwarten, weniger 
auf den Inseln als auf den Feldern zu beiden Seiten des Stromes auf. 
138. Vanellus cristatus. 
Der Kibitz brütet auf geeigneten Plätzen überall in dem 


gauzen Gebiete, am häufigsten, wie schon bemerkt, auf den feuchten 


Hutweiden. 
139. Glareola torguata. 


Obwohl erweislich nicht in den Auen brütend, erscheint die 
Brachschwalbe während der Zugzeit doch nieht gerade selten in 
ihnen; ihr Vorkommen ist jedoch immer ein unregelmässiges aid} ; 


zufälligen. 


Inn a EEE 


de se. a 


- Ornith. Beobachtungen in den Auwäldern d. Donau b. Wien. 125 


140. Actitis hypoleucus, 

141. Totanus calidris, 

142. Totanus ochropus. 

Nach unseren bisherigen Beobachtungen scheinen Ufer- 
läufer und Waldwasserläufer die einzigen Arten ihrer Sipp- 
schaft zu sein, welche regelmässig in den Auen brüten. In nassen 
Jahren siedelt sich wohl auch der Rothschenkel noch auf den 
überschwemmten Wiesen an. Alle übrigen Glieder der Gruppe, 
welche sonst noch hier gefunden werden, berühren die Gegend nur 
auf dem Zuge; wir sind jedoch zur Zeit noch nicht im Stande, mit 


- Bestimmtheit die nachweislich vorkommenden Arten anzugeben. 


143. Himantopus rufipes. 
Stelzenläufer kommen im Frühjahre während der Zugzeit 
keineswegs selten vor, brüten jedoch nicht in den Auen und halten 


- sich hier auch niemals lange auf. Dasselbe gilt für 


144. Recurvirostra avocetia, 
den Verkehrtschnabel, welcher ungefähr um dieselbe Zeit, 


- wie jener, eintrifft und dann in seichten Lachen eifrig fischend be- 
- obachtet wird. Dasselbe gilt ferner für 


145. Falcinellus igneus, 


die Storchschnepfe, welche keineswegs selten erscheint. 


146. Numenius arqualus, 
147, Numenius phaeopus. 
Die Brachvögel kommen selten bis an die Donau heran, 


“ und wenn es der Fall, fast nur auf dem Durchzuge, brüten jedoch 
_ an nicht allzu weit vom Strome entfernten, geeigneten Stellen, und 
zwar gilt dies von beiden Arten. 


: 


148. Ciconia alba. 

Innerhalb unseres Gebietes brütet der Storch nicht, erscheint 
aber im Frühjahre wie im Herbste als regelmässiger Besuchs und 
_ Zugvogel. 

149. Ardea cinerea, 

150. Ardea purpurea, 

151. Ardea minuta, 

152. Ardea nyeticoraz, 

1535. Ardea stellaris, 

154. Ardea egretta, 

155. Ardea comata. 

Während noch vor einem Menschenalter alle die vorstehend 


3 aufgeführten Reiher Brutvögel unseres Gebietes waren, finden sich 


vu ; 


126 Kronprinz Rudolf von Oesterreich und Brehm: 


gegenwärtig nur noch Fisch-, Purpur- und Zwergreiher, 
sowie die Rohrdommel allsommerlich ein, um in den Auen zu 
horsten. Hier und da mag vielleicht auch ein Nachtreiher 
brüten; mit Bestimmtheit aber konnte derselbe in den letzten 
Jahren am Horste nieht beobachtet werden. Der Edelreiher 
ist gänzlich verschwunden, so häufig er früher auch vorkam, und 
der Seidenreiher gehört zu den am seltensten vorkommenden 
Arten seines Geschlechtes. Am verbreitetsten und vielleicht auch 
am häufigsten dürfte der Zwergreiher sein; ihm begegnet man 
bereits im Prater und von hier an mit Bestimmtheit in allen Au- 
waldungen der Donau. 

156. Rallus aquaticus. 

Die Wasseralle brütet wahrscheinlich an allen geeigneten 
Stellen des ganzen Gebietes, hält sich aber so verborgen, dass man 
sie wenig bemerkt und sie nur während des Herbstzuges zufällig 
vor dem Hunde aufstösst. 

157. Orex pratensis. 

Der Wiesenknarrer bevölkert alle mit hohem Grase be- 
wachsenen Wiesen, die mit niederem Weidendickichte und Hoch- 
gräsern bestandenen Inseln und die Felder zu beiden Seiten des 
Stromes. 

158. Stagnicola chloropus, 

159. Gallinula porzana, 

160. Gallinula minuta? 

161. Fulica atra. | 

Rohr- und Wasserhühner zählen zu den regelmässigen Brut- 
vögeln der Auwaldungen. Das Teichhühnchen wählt sich die 
verborgenen, umbuschten Lachen; die beiden Rohrhühnchen er- 
küren sumpfige Wiesen zwischen den Beständen oder an ihrem 
Rande, und das Wasserhuhn endlich nimmt auf grösseren, 1 
stillen Wasserflächen zwischen den Inseln seinen Stand. Während 
der Zugzeit wird auch das Zwergrohrhühnchen mit dem oft 
sehr häufigen Rohrhühnchen erlegt. i 

162. Cygnus musceus. 

Der Singschwan, vielleicht auch ä 

163. Oygnus olor, | 
der Höckerschwan, benutzen die Donau auf ihren Hin- und 
Rückzügen als Heerstrasse, verweilen aber nie längere Zeit in 
unserem Gebiete. \ 


RETTET TEE 


Örnith. Beobachtungen in den Auwäldern d. Donau b. Wien. 127 


164. Anser cinereus, 

165. Anser segetum, 

166. Anser albifrons und 

167. Anser minutus? 

Der Graugans, welche nach eigenen Beobachtungen auf 
den ungarischen Seen und wasserhaltigen Sümpfen brütet und viel- 
leicht auch in unserem Gebiete dann und wann ein stilles Nist- 
plätzchen finden mag, gesellt sich im Herbste die Saatgans. 
Ausserdem erscheinen ziemlich regelmässig in jedem Winter 
Blässgänse, hier unter dem Namen „Schneegänse“ jedem 
Jäger bekannt, und dann und wann kleinere oder grössere Trupps 
einer durch geringere Grösse und gänzlich abweichende Stimme 
jedem Jäger auffallenden Gansart, welche wahrscheinlich die 
Zwerggans sein dürfte Je nachdem der Winter strenger oder 
milder ist, verweilen diese Besuchsvögel längere oder kürzere Zeit 
in den Auen, richten sich hier häuslich ein und beginnen einen 
regelmässigen Tageslauf. Schon im September treffen die ersten 
Flüge ein, und bei einigermassen milder Witterung bemerkt man die 
letzten noch im December, selbst im Januar. Eine möglichst schwer 
zugängliche und unbedeckte Insel wird zum Sammelpunkte erwählt; 
auf ihr übernachten die oft unschätzbaren Schaaren unserer Gänse. 
Mit Tagesanbruch erheben sie sich, fliegen auf die mit Weizen oder 
Haidekorn bestandenen Felder hinaus, um sich zu äsen, kehren 
gegen elf Uhr Vormittags zurück, verweilen in den Mittagsstunden 
auf den Inseln, um zu tränken, zu baden, sich zu putzen, und treten 
Nachmittags gegen drei Uhr einen nochmaligen Streifzug an, richten 
ihren Flug um diese Zeit aber regelmässig nur nach den Saat- 
feldern. Ist der Tag schön, so kommen sie mit Dunkelwerden, 
gegen ein halb fünf Uhr etwa, zurück auf ihre Insel; bei nebligem 


- Wetter erscheinen sie früher. Alle kaiserlichen Jäger stellen den 


sesammten Wildsänsen eifrig nach und lassen sich keine Mühe 


- verdriessen, ihrer habhaft zu werden. Die gewöhnliche Jagdweise, 
| sie zu erlegen, besteht darin, sich auf ihrer Ruheinsel einzugraben 
_ und ihre Ankunft abzuwarten. Besonders ergiebig fällt diese Jagd 
- nie aus; deun wenn ein einziger der scheuen Vögel erlegt wurde, 
- bleiben die übrigen meist acht bis vierzehn Tage weg. Noch tieferen 
- Eindruck hinterlässt es bei den Davongekommenen, wenn eine von 
- ihnen mit Hülfe eines Tellereisens ‚gefangen wurde. Streut man 


Körnerfutter auf die Insel, in der Absicht sie anzulocken, so be- 


\ 


128 Kronprinz Rudolf von Oesterreich und Brehm: 


wirkt man gerade das Gegentheil; sie meiden dann’ die Insel so 
lange, bis die Körner von den Krähen aufgefressen. | 

168. Anas boschas, 

169. Anas querquedula, 

170. Anas crecca, 

171. Anas penelope, 

172. Dafila acuta, 

173. Spatula celypeata, 

174. Fuligula ferina, 

175. Fuligula leucophthalmos, 

176. Fuligula cristata, 

177. Fuligula rufina, 

178. Fuligula elangula, 

179. Harelda glacialis. 

Auf der grossen Heerstrasse, welche die Donau bildet, er- 
scheinen in jedem Herbste überaus zahlreiche Flüge der verschie- 
denen Entenarten und bevölkern dann unser Gebiet in Menge, Als 
Brutvögel desselben haben wir wohl nur die Stock-, Knäk-, 
Kriek- und Moorente anzusehen, alle übrigen Arten aber als 
Besuchsvögel aufzufassen. Möglicherweise brütet hier und da auch 
eine Löffelente und auf besonders günstigen Stellen noch eine 
Tafelente. Alle übrigen Arten sind bestimmt nur Wintergäste. 

180. Mergus merganser, | 

181. Mergus serrator, 

182. Mergus albellus. ; 

Mit den letzten Entenarten finden sich auch die Säger ein, 
um den grössten Theil des Winters, mindestens so lange, als der 
Strom noch offene Wuhnen zeigt, in unserem Gebiete zu verweilen. 
Gänse- und Entensäger sind regelmässige Erscheinungen ; 
der Zwergsäger dagegen findet sich immer seltener ein, wird 
aber doch wohl in jedem Winter beobachtet. ; 

183. Larus ridibundus. ' 

Während man noch bei Pest dann und wann im Spätherbste Ä 
oder Winter eine oder die andere der grösseren Seemöven fischend | 
über dem Strom auf- und niederschweben sehen kann, bemerkt man 
in unseren Auen nur die Lachmöve; wenigstens erinnern sich 
die kaiserlichen Jäger nicht, jemals eine andere Art gesehen zu 3 
haben. Die Lachmöve ist häufig. h 

184. Sterna fluviatelis. 

Brutvogel der Auen ist nur die Flussseeschwalbe; ihr gesellen k 


ar me 


f 


Örnith. Beobachtungen in den Auwäldern d. Donau b. Wien. 129 


sich aber in jedem Herbste andere Arten der Gruppe zu, erweislich 
namentlich: 

185. Sterna nigra, und 

186. Sterna minuta. 

137. Carbo cormoranus. 

Die Scharbe zählt, wie oben mitgetheilt wurde, zu den häu- 
figen Brutvögeln der Auen, hält sich aber auch während des übrigen 
Jahres, so lange die Verhältnisse es gestatten, im Gebiete auf. 

188. Podiceps cristatus, 

189. Podiceps auriius, 

190. Podiceps rufeccollis, 

191. Podiceps minor. 

Alle vorstehend aufgeführten Steissfüsse kamen in unseren 
Auen vor, aber nur der Rothhals- undZwerglappentaucher 
sind regelmässige Brutvögel derselben 

192. Colymbus arcticus, 

195. Colymbus glacialis, 

194. Colymbus septentrionalis. 

Wie sich aus dem Befunde in verschiedenen mährischen und 
- ungarischen Sammlungen feststellen lässt, bildet ebensowol der 
- Nord- als der Südrand der Karpaten sehr besuchte Zugstrassen, 
beziehentlich Zugpässe für hochnordische Vögel. Sie benutzend, 
wandern auch allherbstlich die drei genannten Eistaucher, in 
- srösster Anzahl, wie zu erwarten, rothhälsige 8 eetaucher, in 
unser Gebiet ein. Alle erscheinen erst spät im Herbste, verweilen 
dafür aber so lange, als der Winter ihnen einzelne Stellen zum 
Fischen frei lässt. 


4 


| 


-_Ornithologische Mittheilungen aus Oesterreich und Ungarn 
(1878) 
von 
Vietor Ritter v, Tschusi zu Schmidthoffen. 


\ Erythropus vespertinus. Den 6. Mai erschien ein kleiner 
Flug bei Mariahof, aus dem Pfarrer Bl. Hanf einige erlegte. 
Hypotriorchis subbuteo. Ein Weibchen des Baumfalken 
flog im letzten Sommer bei Verfolgung einer Schwalbe durch ein 
u  sehendes Fenster in ein bei Hallein gelegenes Wohnhaus, wo 
es sefangen — und mir lebend überbracht wurde. 
Cab. Journ, f. Ornith, XXVIL, Jahrg. No, 146. April 1879, g 


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130 Ornithologisehe Mittheilungen aus Oesterreich und Ungarn. 


Astur palumbarius. Die ausserordentliche Kühnheit des 
Habichts möge folgender Fall illustriren: 

Als Dr. Aug. Redtenbacher’s Forstaufseher auf seinen Feldern 
in der Nähe des Schlosses Lichtenberg b. Saalfelden (Salzburg) 
arbeitete, hörte er plötzlich über sich heftige Flügelschläge, und 
als er aufbliekte, gewahrte er einen Auerhahn im Kampfe mit 
einem Habicht. Beide Vögel stürzten in kurzer Zeit zu Boden, und 
als der Bauer zur Stelle eilte, entfloh der Habicht, während der 
Auerhahn betäubt am Boden liegen blieb und sich ergreifen liess. 
Er war am Kopf und Hals stark verletzt und musste getödtet 
werden. Der Hahn war ein heuriger Vogel, hatte ganz verfiedert 
und wog 2,0 Kilo. 

GFlaucidium passerinum. Den 24. Juli erhielt Pfarrer 
Hanf von einem Jäger aus Zeitschach (Ob.- Steierm.) 3 junge 
Sperlingseulen und zwar 2 todte und eine lebende. Die letztere 
und eine der ersteren verdanke ich der Güte Hanf. 

Cuceulus eanorus. Wie Pfarrer Hanf mir mittheilt, wurde 
ihm am 12. Mai ein reinweisses Kukuksei nebst den zwei 
Nesteiern von Ruticilla atra gebracht. Alle drei Eier waren gleich- 
mässig bebrütet. Das Nest stand in einem Heustadel. 

Alcedo ispida. Beim Begehen eines unfern meines Hauses 
vorbeifliessenden Baches fand ich in demselben einen todten Eis- 
vogel. Als ich denselben in die Hand nahm, war auch seine Todes- 
ursache sofort entdeckt. Er hatte einen 9 Centim. langen, 1,, Centim. 
breiten Kaulkopf (Cortus gobio) im Sehlunde stecken, den er weder 
hinab- noch herauswürgen konnte. c 

Anthus rufogularis. Ein & erlegte Pfarrer Bl. Hanf den 
5. Mai an der Hungerlacke b. Mariahof. Sein Lockruf u 


„Biis, biis, biis“, 
Parus pendulinus. Den 6. August erlegte Pfarrer Hanf 
einen jungen Vogel am Furtteiche; es ist dies bereits das zweite 
dort erbeutete Stück. h 
Ruticilla arborea. Am 23. August war ich so glücklich 
wieder ein Weibchen mit männlichem Gefieder zu erlegen; das erste 
meiner Sammlung im Herbstkleide. 
Calamoherpe palustris. Heuer brütete ein Paar dieser | 
hier seltenen Rohrsängerart unfern meines Gartens an der Alm. 
Muscicapa parva. Den 25. August erschienen 2 Stück, 
d und 9, in meinem Garten und verriethen ihre Anwesenheit gar 
bald durch ihren zaunkönigartigen Ruf. F 
; 


IEEETEIERER ENETETTT 


Schalow: Fortschritte d. Ornith. v. J. 1875 b. z. Gegenwart. 131 


Linota rufescens. Pfarrer Bl. Hanf erhielt den 15. Mai 
ein Nest mit 3 frischen Eiern von der Perchauer-Alpe, einem Aus- 
läufer der Weit-Alpe. 

Pyrrhula major, Br. Die grosse nordische Gimpelform, über 
deren Vorkommen in Oesterreich und Ungarn wir bisher keine ver- 
lässlichen Daten besassen, beobachtete und erlegte ich diesen Winter 
mehrfach, auch in meinem Garten. Die Maasse derselben sind 
folgende: 

ed ? 2 + 
Botallänge , 17,,4.10.:216,8: 16,,, 216,; u 116,,./Centim. 
Miüsellänge 95 .,.9.9 1) I ad = 

Ein 9 zeigt auf der Unterseite der beiden äussersten Steuer- 
federn die bei sibirischen Exemplaren häufig auftretenden weissen 
Längsflecke. Die kleinste Armschwinge ist wie bei beiden Formen 
der Rothgimpel auf der Aussenseite röthlich. 

Ein zweites 2, das ich nach den Dimensionen (es hat 15,, 
Centim. Totallänge und 8,, Centimeter Flügellänge) nur zu ?. 
europaea, Vieill. rechnen kann, zeigt auf einer Seite gleichfalls den 
weissen Längsfleck, auf der andren ist er hingegen nur angedeutet. 

Villa Tännenhof b. Hallein, im Januar 1879. 


Ueber die Fortschritte auf dem Gebiete der Ornithologie 
vom Jahre 1875 bis zur Gegenwart. 


Von Herman Schalow. 
(Vortrag gehalten auf der Jahresversammlung zu Berlin, im October 1878.) 


Nicht oft genug kann es wiederholt werden, dass die segens- 
reiche Wirkung einer neuen umfassenden Anschauungsweise in einer 
- Wissenschaft nicht nur auf dem Werthe beruht, welchen dieselbe 
_ an und für sich besitzt, sondern auch in dem Einflusse, den sie auf 
- die Nebenzweige dieser Wissenschaft und auf die entfernter 
stehenden Gebiete ausübt. Der befruchtende Regen, der überall 
- neue Sprossen, Blüthen und Früchte hervorruft, erstreckt sich weit 
- über die engen Grenzen einer speciellen Frage hinaus, und aus 
der Wichtigkeit des Impulses, der in Wellenlinien von dem Mittel- 
punkte der Wirkung aus sich weiter verbreitet, lässt sich die 


Wichtigkeit einer solchen Anschauung erkennen. 
9%* 


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132 Herman Schalow: 


‘ Wenn man nur diesen Punkt in das Auge fasst, so lässt sich 
sicherlich nicht läugnen, das die Darwin’sche Lehre der Descendenz 
in der Geschichte, nicht nur der Zoologie, sondern der gesammten 
positiven Wissenschaften sowohl, als auch der speculativen Lehren 
eine hervorragende Stellung einnimmt. Wohin man auch blicken 
mag, auf allen Wegen und Stegen, die der arbeitende Menschen- 
geist jetzt einschlägt, überall begegnet man dieser Lehre und den 
aus derselben gezogenen Schlüssen und Folgerungen; in keinem 
Gebiete dürfen dieselben ignorirt werden, und je weiter die Forschung 
schreitet, desto mehr neue Gesichtspunkte thun sich auf. Besonders 
in den Nebenzweigen der Zoologie lässt sich dies deutlich erkennen. 
Was war die Versteinerungskunde früher? Ein nur lose mit der 
Naturgeschichte der lebenden Thiere zusammenhängender Wissens- 
zweig, dem die rechte Verbindung mit dem Hauptstamme fehlte. 
Erst durch die Descendenzlehre ist in den meisten Forschern die 
Ueberzeugung lebendig geworden, dass die jetzt lebenden Organismen 
die directen Nachkommen derjenigen Formen sein müssen, welche 
früber die Erde bevölkerten, erst seit dieser Zeit ist gleichsam ein 
neues Leben in die Versteinerungslehre gekommen. Aber auch noch auf 
andere Forschungen leitet dieser Gesichtspunkt. Wenn die jetzt 
lebenden Thiere direete Nachkommen vorgeschichtlicher Wesen sind, 
so muss auch die räumliche Verbreitung derselben mit derjenigen 
der Fossilien in engster Beziehung stehen, und wenn dieser Schluss 
richtig ist, was ja nicht bezweifelt werden kann, so folgt daraus 
weiter, dass die jetzige geographische Verbreitung der Tbiere, ab- 
geselıen von ihrem Wandervermögen und anderen äusseren Ein- 
flüssen, zum grossen Theile durch ihre Herkunft und Abstammung 
erklärt werden muss. So entwickelt sich aus einem einfachen 
Grundgesetz eine ebenso einfache Folgerung und zugleich ein weites 
neues Gebiet der Forschung. Es verknüpft sich die geologische 
Forschung auf das innigste mit den Untersuchungen über die Ab- 
stammung unserer heutigen Thiere und über ihre geographische 
Verbreitung. 


Von diesen Gesichtspunkten ausgehend, die ich hier in den R 


allerweitesten Umrissen nur grob und scharf skizzirt, und von der 


Wichtigkeit der Beziehungen der jetzt noch lebenden Formen zu | 


den untergegangenen und uns nur noch in steinernen Resten er- 


haltenen durchdrungen, muss es klar werden, dass die genaue und 


sorgfältige Kenntniss der geographischen Verbreitung unserer jetzt 


lebenden Thiere für die Lösung der berührten Fragen von der 


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{ 
% 
3 


} 


Fortschritte der Ornith. v. Jahre 1875 b. z. Gegenwart. 133 


grössten Bedeutung und Wichtigkeit ist. Und wenn auch schon un- 
endlich viel nach dieser Richtung hin gethan worden ist, wenn wir 
mit Freude und Genugthuung auf die Forschungen bedeutender 
Männer zurückblicken können, die die verschiedensten Zonen des 
Erdballes sammelnd und beobachtend durchreisten und die ge- 
wonnenen Resultate in der Heimath verarbeiteten, so bildet doch 
all dies so gewonnene Material immer nur eine Basis, von der 
wir weiter ausgehen müssen. Die Wichtigkeit derartiger Forschungen 
kann nicht genugsam betont werden.*) 

In kurzen Zügen will ich nun versuchen, Ihnen ein Bild der 
Thätigkeit zu entwerfen, welche in der angedeuteten Richtung auf 
dem Gebiete der Ornithologie in den letztverflossenen drei Jahren 
entfaltet worden ist. Ich will versuchen, Ihnen die Fortschritte 
auf dem Gebiete der Vogelkunde, besonders das Fortschreiten 
unserer Kenntniss in Bezug auf die geographische Verbreitung der 
Vögel, darzustellen. Sie werden dann ersehen, welche Lücken noch 
auszufüllen sind und worauf sich das Augenmerk der Forscher in 
Zukunft wird richten müssen. Ich greife gerade drei Jahre in 
meiner Darstellung zurück, weil bis zu diesem Zeitpunkt Dr. P. L. 
Sclater in seiner umfangreichen, Ihnen Allen wohlbekannten Rede 
über den Stand unserer Kenntniss der geographischen Zoologie, 
einer Rede, mit der jener englische Forscher die Sitzungen der 
biologischen Section der British Association in Bristol am 25. August 
1875 eröffnete, in trefflichster Weise Bericht erstattet hat. 

Ich wähle die Sclater’sche Eintheilung der zoogeographischen 
Regionen zum Rahmen für meine Darstellung. Wo Jener aufgehört, 
will ich heute beginnen. 

Wenn wir die Cisatlantische Subregion der paläarktischen 


Region betrachten, so müssen wir leider bekennen, dass für die 


Gebiete, die uns fast durchgängig eine terra incognita sind, in der 
Zeit, die wir hier in’s Auge fassen wollen, durchaus nichts ge- 
schehen ist. Ich denke hier vor Allem an das südliche Marokko 


_ und an die Gebirgsabhänge des südwestlichen Atlas, Gebiete, über 
deren Ornis wir bis jetzt gar nicht unterrichtet sind. Die Arbeiten 
- der Herren Dr. Hooker, Maw und Ball, die die genannten Gegenden 
im Jahre 1871 bereisten, und durch welche wir Aufschlüsse über 

die Naturproducte derselben zu erhalten hofften, sind bis jetzt, ge- 


*) Ich folgte in diesen einleitenden Worten zum Theil Ausführungen 


 Carl’s Vogt’s über die Bedeutung der Descendenztheorie. 


134 Herman Schalow: 


wiss zum Bedauern aller Zoologen, noch nicht der Oeffentlichkeit 
übergeben worden. 

Wenn wir der Forschungen über die Avifauna der Canarischen 
Inseln gedenken, so richtet sich unser Dank dafür, dass wir im 
Allgemeinen gut über diese Inseln unterrichtet sind, an die Franzosen 
Webb und Berthelot, an den Engländer F. Godmann sowie an unsern 
hochverehrten Landsmann, Herrn Dr. Bolle. Diesen Forschern 
hat sich nun in jüngster Zeit ein vierter beigesellt, ein Spanier. 
D. Vincente Mompö hat eine treffliche, kurz gefasste Uebersicht 
der Vögel von Teneriffa veröffentlicht (1), die, auf eigne Beobachtungen 
sowie die seiner Vorgänger sich stützend, uns ein Bild der Ornis 
jener Insel vorführt. 

Bei der Betrachtung der europäischen Subregion, und zwar 
zunächst ganz Europas im Allgemeinen, müssen wir zuerst der Arbeit 
Dresser’s „The Birds of Europe“ (2) gedenken. Bis jetzt sind 
sechsundsechzig Theile dieses grossen und umfangreichen Werkes 
erschienen, und der Schluss, weitere sechs Theile umfassend, soll 
noch in diesem Jahre veröffentlicht werden, so dass wir das Werk 
zu Ende dieser Zeit vollständig besitzen werden. Was den Werth 


desselben noch bedeutend erhöhen wird, ist ein sorgfältig bearbeiteter 


Index, der, Verbesserungen und Nachträge enthaltend, nach jeder 
Richtung hin Auskunft zu geben verspricht und die Benutzung des 
so compendiösen Werkes wesentlich erleichtern wird. Neben diesem 
grossen, der Ornithologie der ganzen westlich paläarktischen 


Region gewidmeten Werke, möchte ich noch einiger kleinerer 
Arbeiten an dieser Stelle gedenken. Charles Robert Bree hat eine 
zweite verbesserte Auflage seiner „History of the birds of Europe 
not observed in the British Isles“ [1875] (3) erscheinen lassen. Wie 
die erste Auflage, so wird auch diese, namentlich von Anfängern, 
freudig aufgenommen werden und viel dazu beitragen, das Studium 
der europäischen Vögel zu erleichtern. Wir bedauern nur, sagen 


zu müssen, dass in dem ersten, uns bis jetzt vorliegenden Bande 


einige Irrthümer sich finden, die vornehmlich ihren Grund darin # | 


haben, dass dem Verfasser die Arbeiten deutscher Forscher ent- 


gangen sind, und er deren Resultate in seinem Buche nicht benutzt 
hat. Sie gestatten mir wohl, bei dieser Gelegenheit auch der kleinen 


Arbeit unseres Mitgliedes, des Herrn Dr. Rey: „Verzeichniss der 


europäischen Brutvögel und Gäste“ (4) Erwähnung zu thun. Ohne 


Prätensionen beabsichtigt das Buch weiter nichts zu sein, als ein 
Hülfsbuch für den Sammler ornithologischer Objecte. Herr Dr. Rey 


Fortschritte der Ornith. v. Jahre 1875 b. z. Gegenwart. 135 


hat in demselben den Versuch gemacht, ein System nach biologischen 
und oologischen Gesichtspunkten aufzustellen. Auch eine französische 
hierher gehörende Arbeit will ich noch nennen: „Catalogue des 
oiseaux d’Europe“ (Paris 1876) von L. T. D’Hamonville (5), eine 
Arbeit, die von gutem Willen, aber schwachem Können Zeugniss 
ablegt. Dies wären die Arbeiten, deren ich hier Erwähnung zu 
thun hätte. Ein kurz gefasstes, mit scharfen Diagnosen sowie 
Angaben der Verbreitung und Zusammenstellung der wichtigsten 
Synonyme versehenes Handbuch der Vögel Europas ist immer noch 
ein pium desiderium. Möge recht bald ein solches aus der Feder 
eines competenten Ornithologen erscheinen, um einem längst und 
schmerzlich empfundenen Mangel abzuhelfen. 

Ich komme nun auf die Arbeiten zu sprechen, die über die 
einzelnen europäischen Staaten erschienen sind. 

-Yarrell’s „British Birds“ nimmt sicherlich den ersten Platz 
unter den Werken ein, die über die Vogelwelt Grossbritanniens 
handeln. Die zweite Auflage (6), die bereits im Jahre 1871 von 
Prof. A. Newton begonnen worden ist, ist noch nicht vollständig 
erschienen, doch ist zu hoffen, dass der Fortgang des Werkes etwas 
beschleunigt werden wird, so dass die Beendigung desselben in nicht 
mehr allzu weiter Ferne steht. Wenn einmal fertig, wird die 
Newton’sche Ausgabe des Yarrell’schen Werkes sicherlich eine 
durchaus competente Quelle für alle Diejenigen sein, die sich über 
die Vogelwelt Englands Rath zu erholen wünschen. Ein Werk, 
wie es anderen Ländern leider fehlt, und um welches die englischen 
Ornithologen nicht mit Unrecht beneidet werden können. Eine recht 
brauchbare und bequeme Liste der englischen Vögel, nach Sundevall’s 
System geordnet, ist von Henry Thornton Wharton veröffentlicht 
worden (7). Ehe ich mich der Schilderung der Arbeiten, die in 
Frankreich gethan worden sind, zuwende, muss ich eines Beschlusses 
gedenken, der auf der letzten Versammlung unseres Schwester- 
vereins in England, der British Ornithologist’s Union, gefasst worden 
ist. Es ist daselbst ein Comit& zusammengetreten, um eine genaue 
Liste der englischen Vögel, geordnet nach den neuesten Anschauungen 
in Bezug auf Systematik und die einzelnen Arten benannt nach 
den Prineipien moderner Nomenclatur, anzufertigen. Es ist dies 
ein Unternehmen, dessen Nachahmung ich’ unserer Gesellschaft 
wohl empfehlen möchte. 

Dass das Studium der Ornithologie in den letzten Jahren in 
Frankreich einen bedeutenden Aufschwung genommen hat, lässt 


136 Herman Schalow: 


sich sicherlich nicht läugnen. Neben den Namen eines Alphons 
Milne-Edwards, Vian, Gerbe, Bailly und Jaubert, Namen, die uns 
seit langer Zeit bereits geläufig, finden wir jetzt eine Menge neuer: 
Bureau, Boucard, Bouvier, Oustalet u. a. Alle diese Forscher sind 
bestrebt, der ornithologischen Wissenschaft in Frankreich eine 
ähnliche Stätte zu bereiten, wie dies in England und Deutschland 
geschehen. Der Zufall hat fast Alle der genannten Ornithologen 
auf das Studium der Vogelwelt fremder Gebiete geführt; für die 
heimische ist wenig oder nichts gethan worden. Da ist eine kleine 
Arbeit von Nouel: Catalogue des oiseaux observes dans le departe- 
ment du Loiret (Orleans 1876) (78). Da sind mehrere Aufsätze über 
seltene Vögel Süd-Frankreichs von Lacroix und Gerbe in dem 
Bulletin de la Societe zoologique de France (9—12). Das ist dann 
aber auch beinahe Alles. Wenn auch nicht direet hierher gehörig, 
so möchte ich mir doch erlauben, Ihre Aufmerksamkeit auf eine 
höchst interessante Arbeit von Alphons Milne-Edwards: „Obser- 
vations sur les oiseaux dont les ossements ont &t& trouves dans 
les cavernes du Sud-Ouest de la France“ (13) zu lenken. Der be- 
rühmte Verfasser hat in dieser Arbeit eine Zusammenstellung der 
interessanten Höhlenfunde im südlichen Frankreich gegeben. 

Ich muss an dieser Stelle auch Dubois’ „‚Faune illustre des verte- 
bres de la Belgique“ (14) nennen. Soviel mir bekannt, sind bis jetzt 
nur einige Lieferungen dieses Werkes, die Vögel enthaltend, er- 
schienen. 

Unsere Kenntniss der Vogelwelt Spaniens, besonders der des 
südlichen Theiles des Landes, danken wir in der Hauptsache 
englischen Forschern. Lord Lilford und Howard Saunders haben 
sich um die Kenntniss der Avifauna der iberischen Halbinsel die 
grössten Verdienste erworben. Der letztgenannte Ornitholog hat 
vor nicht allzu langer Zeit in dem Bulletin de la Societe zoologique 
de France 1877 einen ferneren, höchst schätzenswerthen Beitrag 
über die Vögel Süd-Spaniens geliefert. In seinem „Catalogue des 
oiseaux du midi de P’Espagne“ (15) stellt er seine Forschungen 
und Beobachtungen zusammen. Auf Grund derselben führt er nicht 


weniger als 339 Arten in seiner Liste auf, darunter 3, welche, wie 


ich glaube, der pyrenäischen Halbinsel eigenthümlich sind, nämlich 
den unserem Grünspecht verwandten Gecinus Sharpiü Saund; die 
kleine Calandrella baetica Dress, sowie die schön gefärbte Oyanopica 
cooki Bp. Bei allen Arten finden sich reiche biologische Notizen. 
Ausser dieser Arbeit aus der Feder eines englischen Forschers 


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Fortschritte der Ornith. v. Jahre 1875 b. z. Gegenwart. 137 


sind aker auch noch einige wenige bekannt geworden, deren Verfasser 
dem Lande, über dessen Vogelwelt sie berichten, selbst angehören. 
- 80 giebt. D. J. Ar6valo yBoca ein interessantes Verzeichniss der Vögel 
- der Sierra de la Juma in der Provinz Malaga (16), dem eine grosse 
- Menge biologischer Beobachtungen beigefügt sind. Ich finde ferner 
- in den Annalen der spanischen Gesellschaft für Naturwissenschaft 
für das Jahr 1875 von einem ungenannten Verfasser einen Nach- 
trag zu einer früher veröffentlichten Arbeit über die Vögel der 
' Balearen (17), Es ist das Alles vorläufig nur wenig, aber ich freue 
- mich, dieses Wenige in einem Lande constatiren zu können, welches 
bisher in dieser Richtung sich fast vollkommen indifferent verhalten 
hat. Hoffen wir, dass diesem Wenigen bald mehr folgen werde, 
und dass diejenigen, welche sich augenblicklich auf der iberischen 
Halbinsel mit dem Studium der Ornithologie befassen, es auch 
verstehen, weitere Kreise für ihre Wissenschaft zu interessiren. 

! Ueber Italien ist in den letztverflossenen Jahren nicht viel 
- Bedeutendes veröffentlicht worden. Lord Lilford unternahm im 
Jahre 1873 auf der „Zara“ eine ornithologische Excursion nach 
- dem mittelländischen Meere. Er besuchte dabei das westliche Küsten- 
- gebiet Italiens und die Insel Sieilien, und berichtete über diesen 
- Ausflug in einem Aufsatz im Ibis für 1875 (18), der manche 
- interessante Nachricht über die Vögel des Gebietes enthält. Ich 
\ möchte Ihre Aufmerksamkeit auch auf die Arbeit lenken, die 
Bygtave Wharton über die Ornithologie Corsicas im Ibis (1876) 
veröffentlicht hat (19). Es sind darin die Beobachtungen nieder- 
gelegt, die genannter Forscher während eines achtmonatlichen 
Aufenthalts an der Westküste jener Insel, die für ornithologische 
- Forschungen ungünstiger als die Ostküste zu sein scheint , ge- 
sammelt hat. 

4 Den Mittheilungen, die wir bis zum Jahre 1875 über die Türkei 
und Griechenland besassen ‚ vermag ich nichts hinzuzufügen. Es 
‚ist inzwischen über jene Länder nichts erschienen. Die verwirrten 
‚politischen Verhältnisse tragen sicherlich einen grossen Theil der 
"Schuld. Hoffentlich wird sich dies ändern. Die genannten Länder 
‘sind von Deutschland aus bequem zu erreichen, und ein Aufenthalt 
daselbst würde sicherlich ein lohnender sein; denn es giebt sowohl 
in der Türkei wie auch in Griechenland, besonders auf einigen 
"Inseln des letztgenannten Staates, immerhin noch Manches zu be- 
so bachten und zu erforschen. 

Auch über Süd-Russland und den Kaukasus ist in den letzt- 


m 2 As Zn 2 0 2 Zul el Zn Zn = 


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BR 


138 Herman Schalow: 


verflossenen drei Jahren nichts Umfassenderes geschrieben worden. 
Und doch bietet dieses Gebiet soviel des Interessanten. Ein an 
den Secretair unserer Gesellschaft gerichteter Brief (J. f. O. 1876. 
218) des Herrn Dr. Gustav Radde in Tiflis, den wir heute in unserer 
Mitte zu sehen die Ehre haben, giebt uns Andeutungen von dem Reich- 
thum der Winterstationen der Zugvögel an der Massenderan’schen 
Küste, giebt uns Mittheilungen über das interessante Birkhuhn, 
Tetrao Mlokosiewiezi Tacz, sowie über andere Arten, Mittheilungen, 
die unsere Neugier erwecken müssen, mehr und Genaueres über jene 
Gebiete zu erfahren. Hoffentlich wird Herr Dr. Radde noch ein 
Mal die Musse finden, die reichen ornithologischen Beobachtungen, 
die er auf seinen Wanderungen im Kaukasus gesammelt, zu sichten, 
zusammenzustellen und der Oeftentlichkeit zu übergeben. Des Dankes 
von unserer Seite kann er sich versichert halten. 

Wenn ich Ihnen nun eine Uebersicht der Arbeiten geben soll, 
welche im Gebiete der Ornithologie in Deutschland und Central- 
europa erschienen sind, so bin ich einigermassen in Verlegenheit, 
wo ich beginnen, wo ich aufhören soll. Wie früher, so ist auch 
in den letzten Jahren viel in Deutschland für die ornithologische 
Wissenschaft gethan worden, und eine grosse Menge der erschienenen 
Publicationen, theils selbstständige, theils in Journalen befindliche, 
beziehen sich auf deutsche Gebiete. Grössere, umfangreiche Werke 
sind nicht erschienen. Von interessanteren Localfaunen nenne ich 
nur die folgenden: von Tschusi-Schmidhoften über die Vögel Salz- 
burgs (20), Freiherr von Dalberg über die Ornis Mährens 21), 
J. von Trentinaglia- Talvenburg über die Vögel der Rosana und. 
Trisanna in West-Tyrol (22), Danford und Harvie Brown über die 
Vögel Siebenbürgens (23) — eine ausführliche und 3 

h 


Arbeit —, J. Rohweder über Schleswig-Holstein (24), L. Olph 
Galliard, Excursions ornithologiques en Suisse (25) sowie schliesslich 
die treffliche Arbeit unseres hochverehrten Präsidenten über Deutsch- 
lands Säugethiere und Vögel, deren Nutzen und Schaden (26). 
Hier darf ich wohl auch des Ausschusses für Beobachtungsstationen 
der Vögel Deutschlands Erwähnung thun, dessen erster Bericht: 
für das Jahr 1876 bereits erschienen, (27) und dessen zweiter für 
das folgende Jahr in kürzester Zeit veröffentlicht werden wird. 
Ueber die Zwecke dieser Commission innerhalb unserer Gesellschaft, j 
die, wie Sie wissen, im Mai 1875 auf der Versammlung in Braun- 
schweig eingesetzt mare ‚ brauche ich Ihnen wohl nichts Näheres. 
mitzutheilen, um so weniger, als Sie morgen aus dem Munde des 


a a 


Fortschritte der Ornith. v. Jahre 1875 b. z. Gegenwart. 139 


Referenten eingehende Notizen darüber vernehmen werden. Dass 
ein derartiger Versuch nicht gleich von grossem Erfolge begleitet 
sein kann, ist klar. Es bedarf solch Unternehmen einer Zeit der 
Entwicklung. Wenn diese erst durchgemacht sein wird, werden 
hoffentlich auch Ihre Wünsche, die Sie an die Commission stellen, 
in Erfüllung gehen. Noch zwei grössere illustrirte Werke will ich 
hier nennen: Riesenthal’s Raubvögel Deutschlands und des an- 
grenzenden Mitteleuropa, jetzt abgeschlossen vorliegend (28), und 
Stölker’s Alpenvögel der Schweiz (29), deren Herausgabe durch den 
so beklagenswerthen Tod des bekannten und thätigen schweizer 
Ornithologen wohl für immer unterbrochen ist.*) 
Ich komme nun zu dem Bericht über die Arbeiten, die über 
die Avifauna Scandinaviens und Nordeuropas in den letzten drei 
- Jahren erschienen sind. Fleissig ist in diesem Gebiete gearbeitet 
- worden, und viel geschehen, um die Lücken, die aus früherer Zeit 
- noch bestanden, auszufüllen. Nur einige der Arbeiten kann ich 
- hier nennen. R. Collett setzte seine Untersuchungen über die Vogel- 
_ welt Norwegens fort und publicirte eine Reihe von Aufsätzen in 
- verschiedenen Journalen (38—39). Malm, der bekannte Director 
des Gothenburger zoologischen Museums, hat eine Fauna der 
- Wirbelthiere des Festlandes, der Inseln und Meere West-Schwedens 
- veröffentlicht (40), welche als eine der sorgfältigsten und kritisch 
- bearbeitetsten Localfaunen bezeichnet werden muss. Mit Flinte, 
- Mikroskop und Zeichenbuch ausgerüstet, durchforschte Malm seit 
1852 Jahr für Jahr die höhere und niedere Thierwelt der Districte 
h E Götehoreslän und Bohuslän. Die ausgezeichneten Ergebnisse seiner 
- Forschungen sind in der obengenannten Arbeit niedergelegt. Sie 
sei allen Denen, die sich mit den Thieren West-Schwedens be- 
$ schäftigen, angelegentlichst empfohlen. Dr. Palmen, bekannt durch 
- sein Werk über die Zugstrassen der Vögel, welches so vielfach 
besprochen worden ist, hat einen kleinen Aufsatz über die geo- 
graphische Verbreitung der Hühner, Sumpf- und Schwimmvögel 
\ im faunistischen Gebiete Finnlands (41) geschrieben. Von dem 
grossen Handatlas Dr. Radakoff’s über die geographische Aus- 
 breitung der im europäischen Russland nistenden Vögel sind bis 
jetzt — soweit ich unterrichtet bin — acht Theile erschienen. Es 
N ist zu wünschen, dass dieses grossartig angelegte Werk, welches 
in graphischer Herstellung die genaue Verbreitung eines jeden in 


*) Man vergleiche ferner im Anhang die Nummern 30—37, 


140 Herman Schalow: 


Russland vorkommenden Brutvogels enthalten soll, vollendet werden 
wird (42). John A. Harvie Brown, der durch seine in Gemeinschaft 


mit E. R. Alston ausgeführte Reise nach Archangel sowie durch 


die darüber veröffentlichten Berichte sich vortheilhaft bekannt ge- 
macht hat, besuchte im Jahre 1875, in Gesellschaft von Henry 
Seebohm, das untere Petschorathal. Ueber diese Reise haben die 
beiden Genannten in einer grossen Reihe von Aufsätzen im Ibis 
(1876), in den Annals and Magazine of natural history, in den 


Proceedings of the Zoologieal Society sowie in Rowley’s Ornitho- 


logical Miscellany wiederholt berichtet (43—46). Was den höchsten 
Norden unseres Erdtheils anbetrifft, so finden wir in dem von 
Julius Payer herausgegebenen Werke über die österreichisch- 
ungarische Nordpolexpedition in den Jahren 1872—74 eine kurze 
Aufzählung der zwischen Nowaja Semla und Franz Josephsland 
angetroffenen Vögel (47). H. W. Feilden schliesslich giebt eine 
Liste der Arten, vierundzwanzig an der Zahl, die im Smith-Sunde 
und im Polarmeere während der englischen Nordpolexpedition in 
den Jahren 1875 und 1876 beobachtet worden sind (48). 

Verlassen wir nun die europäische Subregion und wenden uns 
der sibirischen zu. 


Drei Werke sind es hauptsächlich, die bis auf den heutigen | 


‚ Tag als massgebend für die Ornithologie Sibiriens galten: die Ar- 

beiten Middendorff’s, von Schrenck’s und Gustav Radde’s. Und 
das mit vollem Recht. Enthalten sie doch eine solche Fülle von 
Material, zeugen sie doch oft von einer Schärfe der Beobachtung, 
dass sie wohl selten werden vergebens um Rath gefragt werden. Den 
genannten drei Forschern hat sich nun ein Vierter beigesellt, dessen 
Namen stets genannt werden wird, wenn es sich darum handelt, 
einen Fortschritt in unserer Kenntniss der Avifauna Sibiriens, be- 
züglich Ostsibiriens, zu bezeichnen; ein Reisender, der, wie kaum, 
ein Anderer vor ihm, durch seine rastlose und unermüdliche 
Thätigkeit unendlich viel zur Erforschung des östlichen Theiles der 


sibirischen Subregion beigetragen hat. Ich meine Dr. Dybowski. 
Seit 1864 als Verbannter in Sibirien weilend, hat er die unfreiwillige 
Musse trefflich auszunutzen verstanden, um reiche ornithologische 
Sammlungen zusammen zu bringen und Beobachtungen über die 
Vogelwelt der von ihm besuchten Gebiete anzustellen. Seine Samm- 
lungen wurden von L. Taczanowski, dem verdienten Custos des 
Warschauer zoologischen Museums, bearbeitet, und die darüber 


handelnden Aufsätze in verschiedenen Zeitschriften veröffentlicht 


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Fortschritte der Ornith. v. Jahre 1875 b. z. Gegenwart. 141 


(49—50). Einen zusammenfassenden Bericht über Dybowski’s 
- Forschungen gab Taczanowski in der „Revue critique de la faune 
ornithologique de la Siberie orientale“ (51), eine Arbeit, die uns den 
augenblicklichen Stand unserer Kenntniss der Avifauna Ostsibiriens 
erkennen lässt. Während Dybowski den Osten sammelnd und be- 
obachtend durchforschte, wurde auch im Westen Sibiriens zoologisch 
gearbeitet. Eine schwedische Expedition besuchte im Jahre 1876 
_ das Gebiet des Jenissei. Einzelne Angaben über die dabei be- 
- obachteten Vögel finden sich in dem Rapport über die Reise, der 
von H. Theel an Prof. Nordenskiöld erstattet wurde (52). Genauere 
_ ormithologische Mittheilungen sind noch zu erwarten. Auch über 
- die Bremer Expedition nach Westsibirien, an der die Herren Dr. 
- Finsch, Dr. Brehm und Graf Waldburg-Zeil-Trauchburg Theil nahmen, 
_ und die bis in die nördlichen Theile Turkestans und Chinas aus- 
 gsedehnt wurde, ist ausser einzelnen Briefen des erstgenannten 
Zoologen, die im Ibis (53) veröffentlicht wurden, sowie ausser dem 
Katalog der heimgebrachten ethnographischen und naturwissen- 
schaftlichen Sammlungen (54), der eine kurze Aufzählung der 
 charakteristischsten Vögel enthält, leider noch nichts veröffentlicht 
worden. Dagegen fing Henry Seebohm, dessen Reisen an der 
unteren Petschora ich bereits Erwähnung gethan, und der im 
Jahre 1877 den Jenissei besuchte, bereits an, im Ibis für 1878 die 
ornithologischen Ergebnisse der letzten Reise in umfangreichster 
Weise zu bearbeiten (55). 
. Ueber die Avifauna der manschurischen Sin. ist nicht 
viel zu sagen. Von den beiden Männern, deren Namen mit der 
-_zoologischen Erforschung dieses Gebietes für immer untrennbar 
verknüpft sind, ist der eine, Robert Swinhoe, leider zu früh für die 
Wissenschaft, gestorben und der andere, Pere Arnaud David, weilt 
‚augenblicklich in Paris und wird schwerlich auf den Schauplatz 
"seiner früheren verdienstlichen Thätigkeit je wieder zurückkehren. 
- Es scheint daher, als ob den Forschungen auf diesem Gebiete für 
‘den Augenblick ein Ende bereitet wäre. Erwähnen will ich hier 
roch der letzten Arbeiten Swinhoe’s über die Vögel von Tschi-fu 
im Norden Chinas, die im Ibis (56) veröffentlicht worden sind und 
‚ interessante Mittheilungen über ein Gebiet enthalten, welches man 
- bis vor nicht allzu langer Zeit als eine ziemliche terra incognita zu 
betrachten pfleste. 
° Rob. Swinhoe’s Namen begegnen wir auch in der japanischen 
E Be Rbregion. Der Genannte erhielt eine Anzahl von Sammlungen, 


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142 Fortschritte der Ornith. v. Jahre 1875 b. z. Gegenwart: 


die von Th. Blakiston in Hacodade und Umgebung zusammenge- 
bracht worden sind, und berichtete über dieselben in mehreren 
Aufsätzen im Ibis der Jahre 1875 und 1876 (57--58). Vor wenigen 
Tagen hat Blakiston selbst in Verbindung mit einem Herrn Pryer 
einen Katalog der Vögel Japans veröffentlicht (59), der sich auf 
eigene Collectionen sowie auf die Sammlungen einheimischer ja- 
panischer Institute stützt. 313 Arten werden in demselben auf. 
geführt. Die Arbeit ist durchaus ‚nicht zuverlässig und kritisch. 
Eine Anzahl Arten, deren Vorkommen in Japan längst nachge- 
wiesen worden ist, werden gar nicht aufgeführt; die Temminck’schen 
Namen aus der Fauna japonica finden überall ihre Stelle, während 
es doch allgemein bekannt ist, dass viele der in dem genannten 
Werke aufgeführten neuen Arten zu älteren, längst vorher be- 
schriebenen Formen gehören, u. dergl. mehr. Das Erscheinen 
dieses Kataloges lässt noch immer den Wunsch offen, eine sichere 
und kritische Bearbeitung der Vogelwelt jenes Inselreiches zu 
besitzen. 

Gehen wir zur tatarischen Subregion über. Hier ist es meine 
Pflicht, zuerst eines Mannes zu gedenken, der mit rastlosem Eifer 
und kühnem Muthe seit Jahren bemüht ist, das Dunkel, welches 
noch immer über das centrale Asien gelagert ist, aufzuhellen, eines 
Reisenden zu gedenken, dessen geographische Forschungen überall 
den ungetheiltesten Beifall gefunden haben und allüberall anerkannt 
worden sind. Und neben der Geographie hat jener Reisende, der 
russische Oberst Przewalski, durch seine Entdeckungen nichts mehr 
gefördert, als die ornithologische Wissenschaft. Ich werde später 
Gelegenheit haben, auf die Arbeiten desselben noch weiter zurück- 
zukommen; hier will ich nur jener neuesten Publication über 
Przewalski’s Reise von Kuldscha über den Thian-Schan an den 
Lob-noor, aus den Jahren 1876—1877, Erwähnung thun (60). 
Dieselbe enthält nur eine kleine Uebersicht der Vögel, die am 
Tarim überwinternd gefunden wurden, doch ist zu hoffen, dass 
wir über die ganze ornithologische Ausbeute dieser Reise noch 
eine eingehende Arbeit erhalten werden. Dr. Sewerzoff, bekannt 
durch seine Arbeiten über die Thierwelt dieser Region, hat in ver- 
schiedenen Zeitschriften Aufsätze publieirt, die meistens Nachträge 
und Berichtigungen zu seiner grossen Arbeit, der „Turkestanskie 
Jevotnie“, die Sie ja Alle kennen, bilden (61-63). Einiges über 
dieses Gebiet ist auch von Modest Bogdanow (64) sowie von 


Herman Schalow. 143 


J. Seully (65), dem wir besonders Nachrichten über die Lebens- 
weise vieler Arten verdanken, geschrieben worden. 

Selater bedauert unendlich, dass unsere Kenntniss der persischen 
Subregion bis in die neueste Zeit hinein eine so beschränkte und 
unvollkommene ist. Ich kann dieses Bedauern auch heute nur 
wiederholen. Mit Ausnahme Persiens selbst, auf welches ich gleich 
zurückkommen werde, ist in den letztverflossenen Jahren zur Er- 
forschung dieses Gebietes wenig oder nichts geschehen. Die grosse 
Arbeit Tristram’s über die Flora und Fauna Palästinas ist immer 
noch nicht erschienen; unsere Unkenntniss der Avifauna Syriens, 
Armeniens sowie des Taurus bleibt leider immer noch dieselbe. 
Nur einige kleine, hierher gehörende Aufsätze sind erschienen. 
Krüper hat seine bereits vor Jahren begonnene Uebersicht über die 
Vögel der Umgegend Smyrnas, die namentlich viele biologische 
Mittheilungen enthält, beendigt (66). G. Danford hat im Ibis (1877) 
über die Sammlungen berichtet, die er im Winter 1875/56 in dem 
cllieischen Gebirge zusammengebracht hat (67). Eine kleine inter- 
essante Arbeit, die leider nur 138 Arten behandelt. Was nun 
Persien anbetrifft, so sind wir durch die neueste Publication 
W.T.Blanford’s, wenigstens über einzelne Theile des Landes, ganz 
vorzüglich unterrichtet. Der zweite Band des Werkes: „Eastern 
Persia“ (1876) giebt die Zoologie und Geologie aus der Feder des 
bekannten englischen Forschers (68). Die Arbeit bespricht die 
Sammlungen, welche von dem Major St. John 1869—1871 in Persien 
gesammelt und an das indische Museum gesandt worden sind, und 
ferner die von Blanford und dem Vorgenannten im Jahre 1872 
auf der Reise von Gwädar in Beludschistan nach Schiräz, Isfahän 
und Teherän gesammelten Arten. Wir erhalten hier zum ersten 
Male Nachrichten über die Vogelwelt Beludschistans und Südpersiens, 
Gebiete, über welche bisher absolut nichts bekannt war, während 
Nordpersien, besonders das Gebiet des Elburs, ja bekanntlich 
wiederholt besucht worden ist. Blanford hat seinen eignen Samm- 
lungen auch die Notizen aller übrigen Forscher, die über die 
Thierwelt Persiens geschrieben haben, beigefügt, so dass sein Werk 
als ein Handbuch der Fauna Persiens nach dem augenblicklichen 
Stande unserer Kenntniss bezeichnet werden darf. 384 Arten 
werden aufgeführt. Und doch ist dies nur eine unvollkommene 
Liste. Ungeheure Theile des Landes hat nie der Fuss eines Zoo- 
logen betreten. So ist das Gebiet vom Tigris bis zum Fuss der 
Zagros-Berge, sowie die Fauna dieser Berge selbst, absolut unbe- 


0 


144 Herman Schalow: 


kannt, so ist uns Nordostpersien eine vollständige terra incognita. 
Späteren Forschern bleibt in Persien immer noch viel zu thun 
übrig. 

Verlassen wir nun die paläarktische Region und wenden uns 
der äthiopischen zu. 

West- und Südwestafrika sind Gebiete, auf denen bereits früher 
thätig gearbeitet worden ist, und deren Kenntniss in den letzt- 
verflossenen Jahren wesentlich gefördert wurde. Dr. Reichenow 
hat uns in einer grösseren Arbeit die Ergebnisse seiner Reise, die 
ihn in den Jahren 1872 und 1873 nach der Goldküste und in das 
Gebiet des Kamerun und Wuri führte, in eingehendster Weise mit- 
getheilt (69). Demselben Forscher danken wir eine umfassende 
Bearbeitung der ornithologischen Sammlungen, welche von der 
deutschen Expedition zur Erforschung Aequatorial-Afrikas während 
eines dreijährigen Aufenthaltes zu Chinchoncho an der Loangoküste, 
hauptsächlich von Herrn Dr. Falkenstein, zusammengebracht worden 
sind und unserer Wissenschaft 16 neue Arten zugeführt haben (70). 
Ich muss hier ferner des grossen Werkes des Herrn Prof. J. V. 
Barboza du Bocage: Ornithologie d’Angola (71), dessen erster Theil 
erschienen ist, gedenken. Der gelehrte portugiesische Verfasser 
hat bereits seit Jahren in einzelnen Listen über die Sammlungen 
berichtet, die von verschiedenen Sammlern — ich nenne hier nur 
Branco, Monteiro und vor allen den unermüdlichen Anchieta — 
in den portugiesischen Besitzungen an der Westküste Afrikas zu- 
sammengebracht worden sind. All’ diese Arbeiten sind nun von 
Barboza zu einem grossen Werke vereinigt worden, welches uns 
ein vollständiges Bild der Vogelkunde Angolas giebt, wie solche 
sich nach unserem augenblicklichen Wissen darstellt. Hoffen wir, 
dass die folgenden Bände nicht allzu lange auf sich warten lassen 
werden. 

Auch französische Reisende sind in Westafrika thätig gewesen. 
A. Marche und der Marquis de Compiegne besuchten in den Jahren 
1872—1874 den Senegal, Sierra Leone, Lagos, Gabun u. S. W. 
Die Ergebnisse ihrer Reise bearbeitete:A. Bouvier (72). Louis 
Petit sammelte in der Zeit vom Januar bis September 1876 in 
Landana und Chinchoncho, Dr. A. Lucan in derselben Zeit in der 
Region des Congo. Ihre Sammlungen fanden in Bouvier und Sharpe 
ihre Bearbeiter (73—74). Dr. Dohrn hat wiederholt Sammler nach 
Liberia gesendet, um für das pommersche Museum in Stettin zu 
sammeln. Es sind auch reiche Sammlungen von denselben heim- 


Fortschritte der Ornith. v. Jahre 1875 b. z. Gegenwart. 145 


gesandt worden, die hoffentlich: bald zur Publication gelangen 
werden. 

Von Südafrika ist nicht viel zu berichten. Von der Sharpe’schen 
Ausgabe der Layard’schen Vögel Südafrikas sind mehrere Lieferungen 
erschienen (75). Ferner hat Shelley einen dreimonatlichen Aufenthalt 
an der Küste dazu benutzt, um ornithologisch zu sammeln (76). 
Ueber den District von Lydenburg in der Republik Transvaal haben 
F. A. Barratt (77) sowie Thomas Ayres (78—80) wiederholt be- 
richtet. Alle diese Arbeiten finden sich in den Jahrgängen 1876, 
1877 und 1878 des Ibis. 

In Südostafrika weilt augenblicklich ein deutscher Forscher, 
Dr. G. A. Fischer, der lange hier in unserer Mitte gelebt, und der 
den Meisten von Ihnen persönlich bekannt sein wird. Er hatte sich bis 
jetzt in Sansibar aufgehalten und von dort aus kleine Excursionen an 
die gegenüber liegende Küste des Continentes unternommen. Die 
reichen, bis jetzt eingegangenen Sammlungen zeugen von der grossen 
Rührigkeit des Reisenden, und es ist zu hoffen, dass wir durch 
ihn bedeutende Aufschlüsse über die Avifauna eines Gebietes er- 
halten werden, in dem sehon viel gearbeitet, in dem aber sicherlich 
auch noch Vieles zu erforschen ist, Nach den neuesten Nachrichten 
bereitet sich Dr. Fischer vor, einen grösseren Vorstoss in das 
Innere zu unternehmen. Bis jetzt hat er nur einige Reisebriefe, 
die interessante biologische Notizen enthalten (81), in die Heimath 
gesandt, doch wird in kürzester Zeit eine Publication über seine 
Sammlungen, bearbeitet von Herrn Dr. Reichenow, im Journal für 
Ornithologie erscheinen. Ich lenke ferner Ihre Aufmerksamkeit 
auf eine Abhandlung des Herrn Prof. Cabanis, die in den nächsten 
Tagen erscheinen wird, über die Sammlungen, die von den Herren J.M. 
Hildebrandt und v. Kalkreuth in Sansibar und Mombassa zusammen- 
gebracht wurden. Ueber eine kleine Collection von Vögeln von 
Darra Salam, an der Küste, Sansibar gegenüber gelegen, berichtet 
Nicholson in den Proceedings of the Zoological Society of London 
vom August dieses Jahres (82). 

In Nordostafrika ist wenig gearbeitet worden. Wir besitzen 
das nachgelassene Werk des leider zu früh für die Wissenschaft 
dahingeschiedenen Th. von Heuglin: Reise in Nordost -Afrika, 
Schilderungen aus dem Gebiete der Beni-Amer und Habab, dessen 
zweiter Band die zoologischen Ergebnisse der Reise wiedergiebt, 
und in dem wir Beobachtungen über 416 Vogelarten verzeichnet 
finden (83). Die italienischen Reisenden Antinori und Beceari haben 

Cab, Journ. f, Ornith, XXVII, Jahrg, No. 146, April 1879. 10 


146 Herman Schalow: 


das rothe Meer und das Gebiet der Bogos erforscht. Salvadori 
und Antinori haben in einem stattlichen Bande einen Katalog der 
aufgefundenen Vögel herausgegeben (84). Schliesslich will ich 
nicht unerwähnt lassen, dass Cavendish Taylor einige Notizen über 
die Vögel Aegyptens (#5) hat erscheinen lassen. 

Dass Arabien für uns immer noch eine terra incognita ist, 
wissen Sie. Es ist absolut nichts über die Thierwelt dieses Landes 
erschienen, und wir stehen immer noch auf dem Standpunkt der 
Hemprich und Ehrenberg’schen „Symbolae physicae“ aus dem 
Jahre 1828. 

Reiche Aufschlüsse dagegen sind uns über die Lemurische 
Subregion geworden. Dr. Hartlaub hat seinen kleinen, im Jahre 
1861 veröffentlichten „Ornithologischen Beitrag zur Fauna Mada- 
gascars“ bedeutend erweitert und als stattlichen Band im ver- 
gangenen Jahre erscheinen lassen (86). Es ist das eine im höchsten 
Grade wichtige und kritische Arbeit des berühmten Ornithologen, 
auf welche nicht genug hingewiesen werden kann. Noch eingehendere 
Nachrichten werden wir durch die grosse Arbeit über die Natur- 
geschichte Madagascars erhalten, welche von Alphons Milne-Edwards 
und Alfred Grandidier herausgegeben wird (87). Dieselbe wird 
ein grossartiges Werk werden und nicht weniger als 23 starke 
Quartbände umfassen. Die Abtheilungen, die die Vögel enthalten, 
werden im Augenblick ausgegeben. Eine kleine Arbeit Rob. Collett’s 
behandelt ein paar Vogelsammlungen, welche von dem Capitain 
Lantz und dem Missionär Borchgrevink in der Madagascarregion 
zusammengebracht und dem Christiania-Museum übersandt worden 
sind (88). 

Wir kommen nun zur indischen Region und wollen zunächst 
die Arbeiten, die über die Avifauna Britisch-Indiens handeln, hier 
besprechen. 


Es giebt kaum ein anderes Gebiet, in dem so viel gearbeitet 


worden ist, als in diesem; es giebt kaum eine andere Region, die 
sich einer solchen Theilnahme zu erfreuen hätte. Es ist absolut 
unmöglich, die einzelnen Arbeiten an dieser Stelle zu nennen oder 
aus deren Zahl einige, die besonders wichtig sind, herauszugreifen. 
In Ost und West, Süd und Nord, auf dem Festlande wie auf Ceylon 
und den Lakkediven sind unermüdliche Forscher thätig gewesen 
und noch thätig, um die Avifauna jener Gebiete aufzuklären. Aus 
der grossen Reihe will ich nur Einige nennen: R. M. Adam, V. Ball, 
W. E. Brooks, Godwin Austen, V. Legge, S. B. Fairbank, E. A. 


= 


Fortschritte der Örnith. v. Jahre 1875 b. z. Gegenwart, 147 


Butler und — last but not least — Allan Hume, der selbst rastlos 
arbeitet und die Arbeiten der vorgenannten Forscher für sein, der 
indischen Vogelkunde gewidmetes Blatt „Stray feathers“ zu erhalten 
weiss.*) Des grossen Prachtwerkes von Gould „The birds of Asia‘ 
will ich hier noch besonders gedenken. Es schreitet der Vollendung 
näher und wird sich würdig den anderen grossen Arbeiten anreihen, 
die Gould’s Namen so vortheilhaft überall bekannt gemacht haben (117). 

Wenn ich Central- und Süd-Chinas gedenke, so freue ich mich 
aussprechen zu können, dass in den letztverflossenen Jahren so 
unendlich viel für unsere Kenntniss der Vogelwelt dieses Gebietes 
gethan ist. Ich erinnere Sie an die beiden stattlichen Bände, die 
von dem Pre Armand David in Gemeinschaft mit Herrn E. Oustalet 
vom Jardin des plantes in Paris im vergangenen Jahre über die 
Vögel Chinas herausgegeben worden sind (118). Dieses Werk 
umfasst die grossartigen Entdeckungen, welche von David im cen- 
tralen China, während seines Aufenthalts daselbst vom Jahre 
1862—1874, gemacht worden sind und die reichen Beobachtungen 
ergänzen, die wir Rob. Swinhoe über die Vogelwelt der östlichen 
Küstenstriche, des himmlischen Reiches sowie der Inseln Hainan 
und Formosa danken. Nicht weniger als 807 Arten werden für 
China genannt, davon sind 249 Arten dem Lande eigenthümlich, 
sicherlich eine nicht unbedeutende Anzahl. Die „Oiseaux de la 
Chine“ werden gewiss für eine lange Zeit unser einziger Rathgeber 
über die Avifauna dieser Region bleiben. Hoffen wir, dass auch 
der Südwesten des chinesischen Reiches, der unzweifelhaft viel 
des Interessanten in seinem Innern birgt, bald einen so tüchtigen 
Forscher aufzuweisen hat, wie sie die andern Theile des Landes 


in Swinhoe und David gefunden haben. Als ergänzend zu dem 


eben besprochenen Werke muss ich hier der Forschungen Przewalski’s 
über die Vogelwelt der Mongolei, des Tangut-Gebietes sowie der 
Einöden des nördlichen Tibet gedenken. Ursprünglich in russischer 
Sprache geschrieben, ist durch Herrn E. Carl Craemers eine 
englische Uebersetzung in Rowley’s Ornithological Miscellany mit- 
getheilt worden, die uns die Benutzung dieser interessanten Arbeit 
ermöglicht (119). Sie bildet einen nicht unwichtigen Beitrag zur 
Kenntniss der Vogelwelt jener Gebiete, wenn es vielleicht auch zu 
wünschen gewesen wäre, dass einzelne Angaben weniger aphoristisch 
seien und bei der Nomenelatur eine grössere Kritik angewandt 
wäre, Ehe ich diese Region verlasse, möchte ich noch auf die 


*) Ich verweise auf die Nummern 89—116. des Anhangs. 
10* 


148 Herman Schalow: 


Reisen hinweisen, die Dr. Steere auf Formosa ausgeführt hat. 
Derselbe besuchte Theile der Insel, die Swinhoe nicht erforscht 
hatte. Umfassende Berichte sind bis jetzt noch nicht erschienen, 
doch ist zu hoffen, dass wir dieselben erhalten werden. Einige 
neuere von Steere gesammelte Arten sind bereits beschrieben worden, 
darunter eine Ziocichla, welche, wie Lord Tweeddale sagt, uns 
einen augenscheinlichen Beweis von der naben Verbindung giebt, 
die früher zwischen Formosa und der Himalayakette bestanden 
haben muss (120). 

Ueber Burmah ist ziemlich viel Neues erschienen. Ich nenne 
hier zuerst den Katalog der Säugethiere und Vögel Burmahs; nach 
dem Tode E. Blyth’s herausgegeben von Anderson und Walden (121). 
Diese umfassende Arbeit giebt uns einen Begriff von der ungeheuer 
reichen Fauna des Landes. Nicht weniger als 660 Arten sind bis 
jetzt nachgewiesen worden; die Fauna ist zum mindesten ebenso 
reich, wenn nicht reicher, als die Südamerikas. Von den Forschern, 
die auf diesem Gebiete thätig gewesen sind, nenne ich hier Davison, 
Oates, Major Lloyd, Capt. Feilden und vor allen Lieutenant Wardley 
Ramsay. Die Sammlungen des letzteren wurden theils von ihm 
selbst, theils von Lord Walden bearbeitet. Der letztere hat es 
sich angelegen sein lassen auf gewisse geographische Beziehungen 
hinzuweisen und die Verwandtschaft der burmahnischen Ornis mit 
der indischen, der insularen und der von Malacca zu erörtern. Es 
würde mich zu weit führen, auf diese Punkte hier näher einzu- 
gehen, so will ich denn nur beiläufig erwähnen, dass in Burmah 
12 Gattungen gesammelt wurden, die auf Java heimisch sind, auf 
der Halbinsel Malacca und auf Sumatra aber nicht gefunden werden; 
dasselbe gilt von 14 javanischen Arten; ferner sind in Burmah 
Arten entdeckt worden, die man bisher nur aus China und Siam 
kannte, und dergl, mehr. Es sind das Hinweise auf höchst inter- 
essante Fragen, zu deren Beantwortung nicht genug Material ge- 
sammelt werden kann (122—131). 

Ueber die Avifauna der Halbinsel Malacca berichtet eine Arbeit 
Bouvier’s im Bulletin de la Societe zoologique des vergangenen 
Jahres (132). Der genannte französische Forscher bearbeitete eine 
Sammlung von Vögeln aus der Umgegend von Kessang. 

Unsere Kenntniss der Omithologie der ostindischen Inseln 
wie der des philippinischen Archipels hat in den letzten drei Jahren 
eine wesentliche Erweiterung erfahren. Wir danken dieselbe ita- 
lienischen, «englischen und deutschen Forschern. Graf Salvadori 


en Sn 52. 


Fortschritte der Ornith. v. Jahre 1875 b. z. Gegenwart. 149 


hat die reichen Sammlungen bearbeitet, welche von Dr. Beccari und 
Bruijn im Innern von Celebes zusammengebracht und dem Museo 


€ivico in Genua übersandt worden sind (133). Derselbe schrieb 


ferner über die Vögel, welche das englische Schiff „Challenger“ 
ausgesandt zu wissenschaftlichen Forschungen, besonders Tiefsee- 
forschungen, auf Amboina und Ternate gesammelt hatte (134). Von 
englischen Ornithologen muss ich hier Lord Walden und Bowdler 
Sharpe nennen. Dem ersteren danken wir die Bearbeitung der 
Sammlungen, welche E. C. Buxton in dem Distriet von Lampong 
auf Sumatra zusammengebracht hat, in einem Gebiet, auf welchem 
vor mehr denn 50 Jahren Sir Stamford Raffles thätig gewesen ist, 
und über welches seit jener Zeit absolut nichts Nennenswerthes 
erschienen ist (135). Ferner bearbeitete derselbe die Vögel der 
Philippinen mit bekannter Gründlichkeit (136). An Sharpe gelangten 
mehrere ornithologeische Collectionen aus Borneo, über welche er 
im Ibis für 1876 und 1877 berichtet (137—138a). Diese Samm- 
lungen wurden von Arthur Everett, dem Entdecker der schönen 
Pitta arcuata Gould (Ann. N. H. 4. VII. 340), in der Umgegend 
von Sarawak angelegt. Sharpe hat auch einen Aufsatz über die 
von Dr. Steere, dem Formosareisenden, auf den Philippinen ge- 
sammelten Vögel in den Transactions of the Linnean Society 1876 
veröffentlicht (139). Von deutscher Seite hat Dr. Fr. Brüggemann 
über die Avifauna von Südost-Borneo auf Grund mehrerer Samm- 
lungen geschrieben, die von Herrn Dr. G. Fischer an das Darm- 
städter Museum gelangt sind; Sammlungen, unter denen sich auch 
der eigenartige Polyplectron Schleiermacheri befand (140—141) 
Ferner berichtet derselbe, wie auch Dr. Lenz in Lübeck, über die 
Vögel von Celebes, Amboina, Ceram und Bouru (142—145). 

Dieses sind die Hauptangaben über die indische Region. Wir 
wollen nun versuchen, die über die nearktische zusammen zu 
stellen. 

In Nordamerika ist man auf dem Gebiete der Ornithologie 
ganz ausserordentlich thätig. Eine eigene Zeitschrift, The Bulletin 
of the Nuttal ornithological Club, die bereits in ihren dritten Jahr- 
gang eingetreten, ist bestrebt, die Kenntniss der Ornithologie, 
speciell Nordamerikas zu fördern und alle auf dieses Gebiet be- 
züglichen Beobachtungen zu registriren. Eine Unsumme von Ar- 
beiten über die verschiedensten Theile der Vereinigten Staaten ist 
erschienen, so dass man bei der Auswahl unschlüssig ist, welche 
von ihnen besondern Anspruch erheben dürfen, um vor andern 


s 


150 Herman Schalow: 


genannt zu werden. Elliot Coues hat ein trefiliches Handbuch über 
die Vögel des vom Missouri durchflossenen Gebietes publicirt (146), 
das Werk eines Mannes, der, wie Osbert Salvin sagt, ebenso be- 
fähigt ist die Feder wie die Flinte und das Messer des Anatomen 
zu führen. Ich nenne hier ferner aus der reichen Auswahl die Ar- 
beiten J. A. Allen’s über die Vögel eines Theiles von Dakota und 
dem Montana-Gebiet (147), die Beiträge Nilson’s zur Ornithologie 
von Utah, Newada und Californien (148), Ridgway’s über Illinois 
(149), Brewer über New England (150), Snow über Kansas (151), 
M’Cauley über Texas (152), Bendire über Oregon (153), Vennor 
über Canada (154) u. s. w. Einen der interessantesten, hierher 
gehörenden Artikel danken wir R. Ridgway über die Vögel von 
Guadalupe, der im Bulletin of the Nuttal ornithologieal Club ver- 
öffenlicht wurde. Ridgway theilt die bemerkenswerthe Thatsache mit, 
dass alle auf Guadalupe vorkommenden Formen generisch dieselben 
seien, wie auf dem gegenüberliegenden Festlande, specifisch aber von 
jenen durchaus verschieden (154a). Sie werden aus diesen wenigen 
Angaben ersehen, wie fleissig man jenseits des Oceans arbeitet und 
die ornithologische Wissenschaft zu fördern bestrebt ist. Ein Haupt- 
dank der Wissenschaft richtet sich, ausser an ihre Jünger, au die 
Regierung der Vereinigten Staaten, die in grösster Liberalität 
und in weitgehendster Weise die wissenschaftlichen Forschungen 
unterstützt und die Mittel zu einer anständigen Bearbeitung der 
gewonnenen Ergebnisse stets zur Verfügung stellt. Möge dieses 
‘Beispiel auch in anderen Ländern eine Nachahmung finden.*) 

Was Grönland anbetrifft, so ist der älteren Arbeit von Prof. 
Alfred Newton über die Avifauna dieses Gebietes nur ein Aufsatz 
von Otto Finsch hinzuzufügen, der eine kleine Sammlung H. Starick’s, 
die an das Bremer Museum gelangt ist, bespricht (160). Auch 
Payer hat in seinem bereits oben genannten Werke über die 
österreichisch-ungarische Nordpol-Expedition einige Angaben über 
die Vögel Ostgrönlands gegeben (47). 

Die Neotropische Region. 

Ueber die central-amerikanische Subregion, die sich von Süd- 
Mexico bis Panama erstreckt, ist in der letztverflossenen Zeit nichts 
veröffentlicht worden, was der Erwähnung werth wäre, Mehr 
dagegen über die Anden- oder Columbische Subregion — von 
Trinidad und Venezuela, der Kette der Anden entlang durch 


*) Es sei noch auf die Nummern 155—159 hingewiesen. 


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Fortschritte der Ornith. v. Jahre 1875 b. z. Gegenwart: 151 


Columbien, Ecuador und Peru, hinunter bis Bolivien reichend. — 
Beginnen wir mit Venezuela. Dr. A. Ernst in Caräcas hat einen 
grösseren Quartband: Estudios sobre la flora y fauna de Venezuela 
im vergangenen Jahre herausgegeben, der eine Uebersicht der im 
Lande bis jetzt beobachteten Vögel enthält (161). Dr. Ernst stützte 
sich in der Hauptsache auf die Sammlungen unseres Landsmannes 
A. Goering und des Herrn Spence sowie auf die Publicationen 
über diese Sammlungen von Sclater und Salvin. Gehen wir weiter 
nach Süden, so finden wir in Ecuador einen tüchtigen Sammler, 
Herrn Buckley, dessen Sammlungen nach London gekommen sind 
und in Osb. Salvin ihren Bearbeiter gefunden haben (162). Auch 
von Pelzeln in Wien hat über die Vögel dieses Landes einige Auf- 
sätze geschrieben und in einigen derselben (Vergl. zool. bot. Ges. 
in Wien 1876) eine Anzahl von Arten aufgeführt, die bisher für 
jenes Gebiet noch nicht nachgewiesen waren (163). Die Samm- 
lungen M. Whitely’s aus Peru wurden von Salvin und Selater be- 
arbeitet (164), die Jelski’s und Stoltzmann’s aus dem Jahre 1876 
von. Taczanowski in Warschau (165). Eine interessante Arbeit 
besitzen wir über die Vögel des Titicacasees (166). In den ersten 
Monaten des Jahres 1875 wurde von den Herren Alexander Agassiz 
und W. Garman eine Erforschungsreise nach dem Titicacasee unter- 
nommen und dabei reiche naturwissenschaftliche Sammlungen zu- 
sammengebracht. Die ornithologische Collection, 69 Arten um- 
fassend, bearbeitete J. A. Allen im Bull. Mus. Comp. Zoology 
Cambridge von 1876 in erschöpfender Weise. Ueber einige Vögel 
Bolivias haben Sclater und Salvin in den Proceedings of the Zoo- 
logical Society of London vom Jahre 1876 berichtet (167—168). 

Um uns über die Avifauna der Amazonen-Subregion zu unter- 
richten, müssen wir immer noch — und das wahrscheinlich auch 
noch lange Zeit — auf die classischen Forschungen Natterer’s zu- 
rückgehen. In neuerer Zeit ist nichts über dieses Gebiet ver- 
öffentlicht worden. Einige oft interessante biologische Mittheilungen 
finden sich in dem Werke des allen Geographen wohlbekannten 
C. Barrington Brown; Canoe and Camp-life in British Guiana (169). 
Es sei hier nur beiläufig bemerkt, dass Brown an dem oberen 
Mazaruni eine grosse Bruthöhle des Steatornis entdeckte. 

Zur Erweiterung unserer Kenntniss der südbrasilianischen 


- Subregion, die die Waldregion von Südost-Brasilien und Paraguay 


umfasst, ist in den letzten Jahren nichts geschehen. Dagegen ist 
Einiges, wenn auch nicht viel, über die Patagonische Subregion zur 


152 - 0... Herman Schalow: 


Veröffentlichung gelangt. Ich richte Ihre Aufmerksamkeit vornehmlich 
auf die beharrliche Art und Weise, mit der Henry Durnford die 
Umgegend und das Gebiet von Buenos Ayres zum Gegenstand seines 
Studiums gewählt hat und besonders bestrebt ist, reiches biologisches 
Material anzuhäufen. Seine Arbeiten finden sich im Ibis für 1876 
und 1877 (170—171). Derselbe bereiste auch das Chuput-Thal in 
Patagonien und berichtet über die daselbst beobachteten Vögel 
(172 u. 172a)*). Hier darf ich wohl auch einer kleinen Arbeit Osbert 
Salvin’s über die Vögel von Mas-afuera gedenken (173). Der 
genannte Forscher erhielt eine kleine Vogelsammlung von letzt- 
erwähnter Insel, welche von einem Agenten des bekannten Natur- 
forschers Leybold in Valparaiso gesammelt war. Salvin’s Mit- 
theilungen ergänzen die früheren Darstellungen Sclater’s und Reed’s 
über diesen Gegenstand. Es sind bis jetzt 10 Arten für Mas-afuera 
nachgewiesen worden, und neun für die naheliegende kleine Insel 
San Juan Fernandez. Nur zwei Arten, Turdus falclandicus und 
Daption capensis sind beiden gemeinschaftlich. 

Was die Galapagos-Inseln anbetrifft, so muss ich der: grossen, 
umfangreichen Arbeit Osbert Salvin’s über die Avifauna derselben 
gedenken. Dieselbe findet sich in den Transactions of the Zoological 
- Society of London vom Jahre 1876 (174). Sie giebt uns ein voll- 
ständiges Bild unserer augenblicklichen Kenntniss dieser Inseln. 

Wenn ich mich anschicke, Ihnen einige geringe Mittheilungen 
über die Arbeiten zu geben, die die Avifauna der antillischen 
Subregion behandeln, so muss ich zu meinem Leidwesen das Be- 
dauern wiederholen, welches Sclater vor drei Jahren ausgesprochen 
das Bedauern wiederholen, dass so wenig für die Erforschung einer 
Inselwelt gethan wird, die so unendlich leicht zu erreichen und die 
noch so unendlich viele Probleme in Bezug auf geographische Ver- 
breitung, auf vicariirende Arten und dergl. mehr bietet. Die ge- 
naue Erforschung jeder einzelnen dieser Inseln ist absolut noth- 
wendig. Und- wir wussten 1875 über die Bahamas, über Haiti, 
Porto Rico, St. Christoph, Dominica und Barbados ausserordentlich 
wenig, über einzelne Inseln der Virginischen Gruppe, über Barbuda, 
Antigua, Montferrat, Grenada und die Grenadinen absolut gar nichts. 
Und wie es im Jahre 1875 war, so ist es leider heutigen Tages 
noch. Es hat sich in den drei Jahren nichts darin geändert. Hoffen 
wir, dass die Avifauna dieser Inseln uns bald erschlossen werden 


*) Henry Durnford ist am 11, Juli 1878. zu Salta in Bolivien gestorben. 
Ein beklagenswerther Verlust für die ormithologische Wiesenschaft. 


| 


Fortschritte der Ornith. v. Jahre 1875 b. z. Gegenwart. 153 


mäg. Von den seit 1875 veröffentlichten Arbeiten will ich nun 
einzelne nennen. Gundlach hat eine Reihe von Aufsätzen über 
die Ornis Cubas veröffentlicht, die viel, namentlich Biologisches, 
enthalten (175). Sclater hat auf Grund der Sammlungen von 
J. E. Semper einen Nachtrag zu seiner früheren Arbeit über die 
Vögel von St. Lucia geliefert (176). Die Insel Dominica besuchte 
unter den Auspicien der Smithsonian Institution Herr Fred. A. Ober 
und sandte von dort reiche Sammlungen heim, über welche Lawrence 
Bericht erstattet hat (177—178). Herr Ober gedenkt sich jetzt 
nach Antigua zu begeben. Eine Anzahl neuer Arten von der Insel 
St. Vincent hat Lawrence in den Annals of the New York Academy 
vol. I. 1878 beschrieben (179). 

Verlassen wir nun diese Region und besprechen die australische. 

Ueber die Vögel Nordost-Queenslands hat E. P. Ramsay eine 
längere Arbeit, die auch viele Beobachtungen über Lebensweise 
u. s. w. enthält, geliefert (180). Eine grosse Reihe von Artikeln 
bringen auch die Proceedings of the Linnean Society of New 


- South Wales (181), die seit 1376 erscheinen und sicherlich viel 


dazu beitragen werden, unsere Kenntniss der Avifauna jener Ge- 
biete zu erweitern. 

Im Laufe der Mittheilungen, die ich Ihnen heute zu machen 
die Ehre hatte, habe ich wiederholt meine Freude darüber aus- 
sprechen können, dass in einzelnen Regionen soviel für die Kenntniss- 
erweiterung der Avifauna gethan wird, dass man beginnt, systematisch 
zu arbeiten, das Alte sorgfältig zu prüfen und mit den neuen Re- 
sultaten zu vergleichen, dass man bestrebt ist die Lücken auszu- 
füllen, die sich überall noch bemerkbar machen. Doch gilt das 
von keinem Gebiet mehr als von Neu-Guinea und seinen Inseln. 
Es ist unglaublich, was in den letzten Jahren auf jenem Gebiete 
gearbeitet worden ist, Engländer und Franzosen, Deutsche und 
Italiener haben sich an der Erforschung jener Gebiete betheiligt. 
Die Palme aber gebührt zweifellos den italienischen Reisenden. 
Die Namen Dr. O. Beccari’s, Bruijn’s und d’Alberti’s sowie der 


- Name des Grafen Tommaso Salvadori, der die reichen Sammlungen, 


welche jene erstgenannten Forscher in die Heimath sandten, kritisch 
sichtete und in umfangreichster Weise bearbeitete, alle diese Namen 


werden stets da genannt werden, wo man der zoologischen, Er- 


forschung jenes eigenthümlichen, uns so lange verschlossenen Insel- 
gebietes gedenkt, das durch den Reichthum und die Schönheit 
seiner Thierformen seit. langer Zeit die Augen der Zoologen auf 


154 Herman Schalow. 


sich gelenkt. Es würde mich zu weit führen und die Grenzen dieser 
Mittheilungen weit überschreiten, wenn ich es versuchen würde, 
Ihnen die einzelnen Reisen der Italiener vorzuführen. Desgleichen 
ist es nicht thunlich, Ihnen hier all’ die Arbeiten zu nennen, die 
Salvadori über die Guinea-Vögel geschrieben. Nur auf eine möchte 
ich Ihre Aufmerksamkeit lenken, auf den Prodromus Ornithologiae 
Papuasiae et Molucecarum, der in den Annali del Museo Civico de 
Storia naturale di Genova veröffentlicht wird, und von dem bereits 
fünf Abtheilungen erschienen sind (182). 

Ich will hier noch der Erforschung der Geelvick Bay durch 
Baron von Rosenberg gedenken (183), ferner eines Aufsatzes von 
Oustalet über Neu-Guinea-Vögel (184), sowie der Sammlungen des 
unglücklichen Dr. James, der an der Südostküste von den Ein- 
geborenen ermordet wurde, dessen Sammlungen aber nach London 
gelangten und von Sharpe bearbeitet wurden (185).*) | 

Ueber die Ornis von Neu-Britannien und Neu-Irland, die der 
Neu-Guinea-Gruppe angehören, hat Sclater in den Proceedings of 
the Zoolosical Society of London, August 1878 Einiges veröffent- 
licht (211). S. M. Schiff Gazelle besuchte, von der Beobachtung 
des Venus-Durchganges auf den Kerguelen heimkehrend, im Jahre 
1875 die Inselgruppe Neu-Hannover, die in Bezug auf ihre Ornis 
sicherlich der papuanischen Region angehört. Dr. Hüsker brachte 
daselbst eine kleine Sammlung von Vögeln, 19 Arten umfassend, 
zusammen, die von den Herren Prof. Cabanis und Dr. Reichenow 
im Journ. f. Ornithologie bearbeitet wurde. Diese Arbeit bildet 
- den ersten Beitrag zur Kenntniss jener Inseln. Bisher. hatte nie 
eines Naturforschers Fuss dieselben betreten (212). 

Wenn ich Neu-Seeland bespreche, so muss ich zunächst die 
Transaetions and Proceedings of the New Zealand Institute nennen, 
sowie die zahlreichen Arbeiten, welche Buller, F. W. Hutton und 
Dr. Julius von Haast über die Avifauna dieser Inseln darin ver- 
‚öffentlicht haben. Wir können wohl sagen, dass wir über die 
Vogelwelt Neu-Seelands gut unterrichtet sind (213—217). ° 

Dasselbe gilt von der Polynesiengruppe. Fleissige und sorg- 
same Arbeiten über die Vogelwelt der verschiedensten Inseln sind 
in der letztverflossenen Zeit veröffentlicht worden. Hauptsächlich” 
hat sich E. L. Layard, der als englischer Consul in Noumea lebt; 
um die Erforschung dieser Region ein grosses Verdienst erworben. 
Er publieirte in den Proceedings der Londoner Gesellschaft für 1875 

*) cf. im Anhang die Nummern 186—110, f 


Es ns ae 


Fortschritte der Ornith. v. Jahre 1875 b. z. Gegenwart. 155 


und im Ibis für 1876 umfangreiche Arbeiten über die Fidschiinseln, 
die uns auch mit vielen neuen Arten bekannt gemacht haben 
(218—221). Layard ist sicherlich einer der besten Kenner der 
Avifauna jener Inseln. Er besuchte auch die Schiffer- und Freund- 
schaftsinseln und berichtete in den Proceedings über deren Vogel- 
welt (222). Auch Cabanis und Reichenow haben über die Vögel 
der Fidschiinseln auf Grund der Gazelle-Sammlungen geschrieben 
(212), desgleichen Finsch, der die Sammlungen des Challenger, 
der Tiefseeforschungen halber den stillen Ocean besucht hat, und 
dessen Naturforscher viel gesammelt haben, bearbeitete (223). Die 
ferneren Sammlungen des Challenger aus diesen Regionen publicirten 
Selater über die Admiralsinseln (224) und Finsch über die Mar- 
quesasinseln (225), beide Arbeiten befinden sich in den Proceedings 
für 1877. Ueber die Samoainseln schrieb Forbes und, wie auch 
über die Viti und Carolinen, Finsch in den mit grosser Munificenz 
ausgestatteten Abhandlungen des Museum Godeffroy (226-227). 

Die Ornithologie der Sandwichinseln ist durch einen Aufsatz 
P.L. Sclater’s in den Proceedings für 1878 bereichert worden (228). 
Ueber die den Sandwichinseln naheliegenden Fanninginseln besitzen 
wir eine Arbeit von Dr. Streets, der die während einer Forschungs- 
fahrt des Vereinigten Staaten-Schiffes Portmuth auf jenen Inseln 
gesammelten Vögel bearbeitet hat. Diese Inseln galten bisher als 
eine ziemliche terra incognita (229). 

Es bleibt mir noch übrig, Ihnen einige Mittheilungen über die 
vielen Publieationen zu machen, die über die Fauna, speciell die 
Avifauna der Kerguelen in den letzten Jahren erschienen sind. 
- Jene Inseln dienten im Jahre 1874 den Expeditionen verschiedener 
- Staaten als Stationspunkt für die Beobachtung des Venus-Durch- 
sanges. Die Naturforscher, die den Expeditionen beigegeben waren, 
haben die Zeit ihres Aufenthaltes daselbst trefflich benutzt, um 
_ zoologisch zu sammeln und zu beobachten. Bei der deutschen 
- Expedition waren die Herren Dr. Hüsker und Prof. Studer thätig. 
- Die Ergebnisse ihrer Forschungen wurden von den Herren Prof. 
- Dr. Cabanis und Dr. Reichenow im Journal für Ornithologie ver- 
- öffentlicht (212). A. E. Eaton, der die englische Expedition be- 
 gleitete, erstattete einen Bericht über seine Thätigkeit in den 
_ Proceedings of the Royal zoological Society für 1875 (230). Eine 
umfassende Arbeit über die englischen Sammlungen wurde von 
- Sharpe, in’ Gemeinschaft mit Eaton, der Oeffentlichkeit übergeben 
- (231). Sharpe liess es sich auch angelegen sein, alles Material 


7 


156 Herman Schalow: | | | 
zusammen zu tragen, welches über die Fauna jener Inseln handelt. 
Die amerikanischen Sammlungen fanden in Elliot Coues und in 
Dr. Kidder, der als Naturforscher die amerikanische Reise mitmachte, 
ihre Bearbeiter. Diese letztere Publication ist ausserordentlich 
reich an oologischen, nidologischen und biologischen Beobachtungen 
(232—233). Ueber die kleine, nördlich von den Kerguelen gelegene 
Insel St. Paul hat Oustalet geschrieben. Er bespricht die während 
der französischen Expedition von den Herren H. Lantz und de !’Isle 
gesammelten Naturobjecte (234). 

Hier enden meine Notizen. Ich verwahre mich ausdrücklich 
dagegen, Ihnen etwas Vollständiges gegeben zu haben. Es wäre 
unmöglich, Ihnen in so kurz bemessener Zeit Alles vorzuführen, 
was im Laufe der letzten drei Jahre über die Avifauna des ge- 
sammten Erdballes geschrieben worden ist. Es hätte auch wenig 
Nutzen. Es war mir nur darum zu thun, Ihnen ein Bild der orni- 
thologischen Thätigkeit, welche in den letzten Jahren entfaltet 
worden ist, zu entwerfen, Ihnen zu zeigen, was gearbeitet worden 
ist, welche Lücken ausgefüllt und welche noch offen geblieben sind. 
Hoffen wir, dass, wenn Ihnen bei nächster Gelegenheit, aus com- 
petenterem Munde als dem meinen, eine Uebersicht über die Fort- 
schritte auf dem Gebiete der Ornithologie gegeben werden wird, 
dass dann weniger Lücken zu verzeichnen sein werden, als ich es 
heute leider noch thun musste. Hoffen wir, dass auch in den 
nächsten Jahren fleissige Arbeiten unsere Kenntniss der Avifauna 
des weiten Erdraumes erweitern werden, und dass unter den Namen 
Derjenigen, denen die ornithologische Wissenschaft zu Dank ver- 
pflichtet ist, die Namen deutscher Forscher nicht fehlen mögen. . 


Anhang. | 

1. Catalogo de los aves de Tenerife observados por D. Vincente 
ee: Annal. soc. espanola de Hist. nat. T. V. quaderno 2, 

1876. p. 241. 

2. ik ‘of the birds of Europe, including all the species in 
habiting the western palaearctic Region. By H. E. Dresser. 
4° London 1871—1878. 

. A history of the birds of Europe not observed in the British. 
isles. Von Ch. R. Bree. Second edition, enlarged. vol. I & 
London 1875. f 

4. Verzeichniss der europäischen Brutvögel und Gäste. Nach den 

neuesten Ermittelungen zusammengestellt von Dr. E. Rey. 2 
Leipzig 1875. 


0 


Fortschritte der Ornithologie. Anhang. 157 


5. Catalogue des oiseaux d’Europe. Par L. F. d’Hamouville. 8, 
Paris 1376. 
6. A History of British Birds. By the late William Yarrell. 


IR. 


18. 
19. 
20. 


21. 
22. 


Fourth edition, revised and enlarged by Alfr. Newton. 8. 
London 1871—13878. 


. A List of British Birds, the genera arranged according to 


Sundevalls Method. Thenomenclature revised by Henry Thomson 
Wharton. London 1877. 


. Catalogue des oiseaux observ&s dans le departement du Loiret. 


Par Nouel. 8. Orleans 1876, 


. Simples notes sur quelgues oiseaux de France. Par Gerbe. 


Rev. et Mag. de Zool. 1876. p. 1. 


. Pterocles arenarius et Anas casarca observes dans les environs 


de Toulouse. Par A. Lacroix. Rev. et Mag. de Zool. 1876. 
p- 389. 


. Le Faucon concolore, le canard couronnee et le Traquet obscur 


dans le midi de la France. Par A. Laecroix. Bullet. Soc. Zool. 
de France 18706. p. 93. 


. Nouvelles acquisitions de la Faune de la Sarthe. Par A. Bernard. 


Bull. Soc. Zool. de France 1876. p. 83. 


. Observations sur les oiseaux dent les ossements ont &te trouves 


dans les cavernes du Sud-Ouest de la France. Par Alph. 
Milne Edwards. Materiaux pour l’hist. primitive et naturelle 
de P’homme dirigee par E. Cartailhac. Toulouse XI ann. 2 
ser. VI. 1875. p. 473. 


. Faune illustree des vertebres de la Belgique. Par Dubois. Ser. Il. 


Les öiseaux. Bruxelles et Paris 1876. 


. Catalogue des oiseaux du midi de l’Espagne. Par Howard 


Saunders. Bull. de la Soc. zool. de France 1877. p. 315. 


. La Sierra de la Yuma (Provineia de Malaga) por D. J. Arevalo 


y Boca. Anales soc. espaüola de Historia natural. T. V. 2. 
1876. 233. 

Addenda al: catalogo de los Aves de los Baleares inserto en 
la Revista de los progresos de las Ciencias exactas, fisicas y 
naturales T. XV. No. 1. in Anales de la soc. espaüola de Hist. 
nal 12V. 1878.58: 

Cruise of the „Zara“ R. Y. S. in the Mediterranean. By Lord 
Lilford. Ibis 1875. 1. 

Notes on the Ornithology of Corsica. By C. Bygrave Wharton, 
FE. Z. S. Ibis 1876. 17. 

Die Vögel Salzburgs. Eine Aufzählung aller in diesem Lande 
bisher beobachteten Arten, mit Bemerkungen und Nachweisen 
über ihr Vorkommen. Von Victor Ritter von Tschusi zu Schmid- 
hoften. Salzburg 1877. 

Beiträge zur ornithologischen Fauna Mährens. Von Friedrich 
Freiherrn von Dalberg. Verh. zool. bot. Ges. Wien 1875. 1. 423. 
Das Gebiet der Rosanna und Trisanna in West-Tirol. Von 
J. von Trentinaglia-Talvenburg. Wien 1875. 


158 


. Hand-Atlas der geographischen Ausbreitung der im europäischen | 


Herman Schalow: 


. The birds of Transsylvania. By G. Danford and J. A. Harvie 


Brown. Ibis 1875. 188. 


. Die Vögel Schleswig-Holsteins und ihre Verbreitung in der 
Provinz nebst einer graphischen Darstellung der Zug- und 


Brutverhältnisse. Husum 1875. 4. 


. Excursions ornithologiques en Suisse. Par L. Olph-Galliard. 


Rev. et Mag. de Zool. 1875. p. 1. 


. Deutschlands Säugethiere und Vögel, ihr Nutzen und Schaden. 


Von E. von Homeyer. Leipzig 1877. 


. Zur Vogelkunde Deutschlands. 1. Jahresbericht (1876) des 


Ausschusses für Beobachtungsstationen der Vögel Deutschlands. 
Bearbeitet von A. Bau, Dr. R. Blasius, Dr. Reichenow, H. 
Schalow. J. f. O. 1877. 278. 


. Die Raubvögel Deutschlands und des angrenzenden Mittel- 


Europas. Von ©. von Riesenthal. Cassel 1376—1878. 
Photographirt von Gebr. Taeschler, St. Gallen 1876—1878. 


. Vollständige Naturgeschichte der deutschen Zimmer-, Haus- 


und Jagdvögel. Von ©. G. Fridrich. Stuttgart 1876. 


. Beiträge zur Ornis der Mark Brandenburg. Von H. Schalow. 


Ber. XXI. Vers. deutsch. Ornith. Ges. Braunschweig 1875. 
mit Alex. Bau bearbeitet von H. Schalow. J. f. O. 1876. 1. 
1,0: 1595.41E 


. Ornithologische Beriehtigungen und Zusätze. Von R. Tobias. 


J. f. O. 1875. 106. 


Ritter von Tschusi-Schmidhoffen. J. f. O. 1875, 408; 1876, 
330; 1877, 56; 1878, 94. 


. Zur Vogelfauna der Nordseeinsel Wangerooge. Von C.F. Wiepken, 


J. f. O. 1877. 426. 
Liebe. J. f. O. 1878. 1. 


. Die Alpenvögel der Schweiz. Dargestellt von Dr. C. Stölker. | 


. Materialien zu einer Ornis der Mark Brandenburg. In Verb. 


. Ornithologische Notizen vom Westerwalde. Von C. Sachse. 


. Ornithologische Mittheilungen aus Oesterreich, Von Victor 


. Die Brutvögel Ostthüringens und ihr Bestand. Von Prof. Th. | 


. Mindre Meddelelser redrorende Norges Fuglefauna: Aarene 


1873—1876. Af Robert Collett. Nyt. Mag. Naturv. Kristiania 


1877. 85—225. 


. Om et Par for Norges Fauna nye Fuglearter. Af Robert 


Collett Vid, Selsk. Forh. Christiania 1877. 


. Göteborgs och Bohusläns Fauna. Ryggradsdjuren. Af A. W. ‘ 


Malm. 8. Göteborg 1877. 


. Die geographische Verbreitung der Hühner-, Sumpf- und Wasser- 
vögel im faunistischen Gebiete Finnlands.. Von Dr. J. A. 


Palmen. J. f. O. 1876. 40. 


Russland nistenden Vögel. Von Dr. B. Radakoff. Fol. Moskau 1876. 


. Notes on the birds of the Lower Petchora. By Henry See- | 


bohm and Harvie Brown. Ibis 1876. 105. | 
j 


44. 
45. 
46. 
AT. 
48. 


49. 


50. 


51. 
52. 
53. 
54. 


5b. 
56. 
57. 
58. 
59. 
60. 


61. 


62. 


Fortschritte der Ornithologie. Anhang. 159 


Birds, nests and eggs of the Lower Petchora. By H. Seebohm. 
E57: 8. 1875. 566. 

On the migration of birds in North-east Russia. By H. See- 
bohm. Rowley’s Miscellany 1876. 

On the distribution of birds in North Russia. By Harvie Brown. 
Ann. a Mag of Nat. Hist. vol. XIX. 277. 

Die österreichisch ungarische Nordpolexpedition in den Jahren 
1872—1874. Von Julius Payer. Wien. 8. 1875. 

List of birds observed in Smith Sound and in the Polar 
Basin during the Arctic Expedition of 1875—1876. By H. W. 
Feilden. Ibis 1877. 401. 

Verzeichniss der Vögel, welche durch die Herren Dybowski 
und Godlewski an der Ussurimündung gesammelt wurden. 
Von L. Taczanowski. J. f. O. 1875. 241. 

Verzeichniss der Vögel, welche durch die Herren Dr. Dybowski 
und Godlewski im südlichen Ussuriland und namentlich an 
den Küsten des japanischen Meeres gesammelt und beobachtet 
worden sind. Von L. Taczanowski. J. f. O0. 1876. 189. 
Revue critique de la faune ornithologique de la Siberie orien- 
tale. Par L. Taczanowski. Bull. de la Soc. zool. de France 1877. 
Relation de l’expedition suedoise de 1876 au Jenissei. Rap- 
port & M. le prof. Nordenskiöld par Hj. Theel. Upsala 1877. 
Örnithological letters from the Bremen Expedition to Western 
Siberia. By O. Finsch. Ibis 1877. 48. 

Westsibirische Forschungsreise 1876 unter Führung von 
Dr. O. Finsch. Catalog der Ausstellung ethnographischer und 
naturwissenschaftlicher Sammlungen. Mit erläuternden Be- 
merkungen von Dr. O. Finsch. Bremen 1877. 

Contributions to the Ornithology of Siberia. By Henry See- 
bohm. Ibis 1878. 173. 

Ornithological Notes made at Cheefoo (Province of Shantung) 
By R. Swinhoe. Ibis 1875. 114. 

On the contents of a second box of birds from Hacodadi, in 
northern Japan. By R. Swinhoe. Ibis 1875. 447. 

On the contents of a third box of birds from Hacodadi. By 
R. Swinhoe. Ibis 1876. 330. | 

A Catalogue of the birds of Japan. By T. Blakiston and 
H. Pryer. Ibis 1878. 209. 

Reise des russischen Generalstabs-Obersten N. B. Przewalsky 
von Kuldscha über den Thian-Schan an den Lob-Nor und Altyn 
Tag, 1876 und 1877. Uebersetzung des an die K. geogr. Ges. 
in St. Petersburg gerichteten offieiellen Berichtes. Petermanns 
Mittheilungen, Ergänzungs-Heft No. 35. 
Zusätze und Berichtigungen zur allgemeinen Uebersicht der 
aralo-thianschanischen Ornis. Von Dr. N. Sewerzow. J. f. O. 
1875. 190. 

Notes on some new central-asiatic birds. By Dr. N. Sewerzoff, 
Ibis 1875. 487. 


160 


74. 


. Notes on birds collected and observed in the Lydenhan 


. Additional notes on the ÖOrnithology of the Republic of 
. Additional notes on the Ornithology of Transvaal. By Th. Ayres. 


Herman Schalow. 


. Notices on some Turkestan Birds. By Dr. N. Sewerzoff, Stray 


feathers Ill. 1875. 420. 


. Der Saxaul Häher, Podoces Panderi Fisch, Von Modest Bog- 


danow. J. f. O. 1877. 81. 


. A. Contribution to the ornithology of eastern Turkestan. By 


J. Scully. Stray feathers. 1876. IV. 41. 


. Beitrag zur Ornithologie Klein-Asiens. Von Dr. Th. Krüper. 


J. f. O. 1875. 258. 


. A. Contribution to the ornithology of Asia Minor. By 


C. G. Danford. Ibis 1877. 261. 


. Eastern Persia an account of the journeys of the Persian Boun- 


dary commission 1870—1872. vol. II. The Zoology and Geology 
by W. T. Blanford. London 1876. 


. Zur Vogelfauna Westafricas. Ergebnisse einer Reise nach 


Guinea. Von Dr. Ant. Reichenow. J. f. O. 1874. 353. 


. Die ornithologischen Sammlungen der deutschen Expedition 


nach der Loango-Küste. Mit einer Einleitung von Dr. Falken- 
stein. Bearbeitet von Dr. Anton Reichenow. J. f. 0. 1877. 1. 


: Ornithologie d’Angola. Par J. V. Barboza du Bocage. Pre- 


miere partie. Lisbonne 1877. 


. Catalogue geographique des oiseaux recueillis par M. M. A. 


Marche et marquis de Compiegne dans leur voyage comprenant 
les pays suivants: Senegal, Gambie, Cazamance, Sierra Leone, 
Bouny, Vieux Calabar, cap Lagos, Fernando Po, Prineipe, 
Gabon, Fernand-Vaz et riviere Ogone pendant les anndes 
1872—1874 par A. Bouvier. Paris 1875. 


. Etudes d’Ornithologie africaine. Catalogue d’une collection 


recueilli A Landana et Chinchoxo par M. Louis Petit pendant 
les mois janvier — avril 1876. Par R. B. Sharpe et A. Bouvier. 
Bull. de la Soc. Zool. de France 1876. 2. 

Sur les collections dans la r&egion du Congo par M. M. le 
Dr. A. Lucan et L. Petit depuis le mois de Mai jusqu’en 
Septembre 1876. Par R. B. Sharpe et A. Bouvier. Bull. de la 
Soc. Zool. de France 1876. 200. 


. The birds of South Africa. By E. L. Layard. New edition, 


thoroughly revised and augmented by R. B. Sharpe. London 
1876. 


. Three months on the Coast of South Africa. By Capt. G. E. 


Shelley. Ibis 1875. 59. 


. Ornithological notes made during trips between Bl oe 


and the Lydenburg Gold fields. By F.A. Barratt. Ibis 1876.191. 


Distriet of the Republic of Transvaal. By Thomes Ayres. Ibis 
1876. 422. 


Transvaal. By Th. Ayres. Ibis 1877. 339. 
Ibis 1878. 281. 


37. 


.88, 


89, 
90. 
Ir 
22. 
93. 
94. 
30, 
96. 
97. 
98. 
9. 


Fortschritte der Ornithologie. Anhang. 161 


. Briefliche Reiseberichte aus Ost-Afrika. Von Dr. G. A, Fischer. 


720. 1847 1 


. On birds collected at Darra-Salam, coast of Africa, opposite 


Zanzibar. By Nicholson. P. Z. S. 1878. 353, 


. Reise in Nordost-Afrika. Schilderungen aus dem Gebiete der 


Beni Amer und Habab. Von M. Th. von Heuglin. 2 Bde. 
Braunschweig 1877. 


. Viaggio dei Sign. O. Antinori, ©. Beceari edA. Issel nel Mar 


Rosso, nel territorio dei Bogos e regioni circostanti durante 
gli anni 1870—1871. Catalogo degli uccelli, compilato per 
cura di O. Antinori et T. Salvadori. Genova 1873 


. 


. A few additional Notes on birds of Egypt. By E. Cavendish 


Taylor. Ibis 1878. 368, 


. Die Vögel Madagascars und der benachbarten Inselgruppen. 


Ein Beitrag zur Zoologie der äthiopischen Region. Von 
G. Hartlaub. Halle a. S. 1877. 

Histoire physique, naturelle et politique de Madagascar, 
publiee par Alfr. Grandidier. vol. XIII. Histoire naturelle des 
oiseaux par M. M. Alph. Milne Edwards et Alfr. Grandidier. 
Paris 1876. 

Om et Par Fuglesamlinger fra Madagascar-Regionen, mod- 
tagne fra Aug. Lantz i. 1867, og Missionslaege Borchgrevink 
i. 1875. Af Rob. Collett. Vid.-Selsk. Forh. Christiania 1877. 
The avifauna of Kashgar in Winter. By Dr. F. Stoliezka. 
Stray feathers 1875. 215. 

Üorretions of and additions to Raptorial Birds of North-western 
India. By Andr. Anderson. P. Z. S. 1875. 16. 

Additional Notes on the avifauna of Sindh. By A. Le Messurier. 
Str. F. 1875. 378. 

Notes on the avifauna of Mount Aboo and northern Guzerat. 
By E. A. Butler. Str. F. 1875. 437. 

Additions to the avifauna of Sindh. By E. A. Butler. Stray 
Feathers 1876. 225. 

Additional note on the birds of the Sambhur Lake and its viei- 
nity. By R. M. Adam. Str. F. 1875. 337. 
On the avifauna of the Chutia Nagpur Division $. W. frontier 
of Bengal. By O. Ball. Str. F. 1875. 355. 

Notes on some birds observed in the Suliman Hills, west of 
Dera Ghazi Khan. By O. Ball. Str. F. 1875. 204. 

Notes on some birds colleeted in Sambalpur and Orissa. By 
O. Ball. Str. F. 1876. 231. 
Notes upon a collection of birds made between Mussoorie and 
Gangaotri in May 1874. By W. E. Brooks. Str. F. 1875. 275. 
Ornithological notes and corrections. By W. E. Brooks. Str. F. 
1876. 268. 


100.On the birds of the South-eastern subdivision of southern 


Ceylon. By O. Legge. Ibis 1875. 273. 


-101.On the breeding of certain Grallatores and Natatores in the 
Cab. f. Journ, Ornith, XXVIT, Jahrg. No, 146. April 1979, 11 


162 Herman Schalow: 


S. E. of Ceylon with Notes on the nestling plumages of the 
same. By O. Legge. P. Z2.S. 1875. 374. 

102. Additions to the avifauna of Ceylon and notes on various species 
found there. By O. Legge. Str. F. 1875. 194. 

103. List of birds from the Hill Ranges of the north eastern fron- 
tiers of India. By Godwin Austen. Ibis 1877. 385. 

104. On the nidifieation of certain indian birds. By Andrew An- 
derson. Ibis 1875. 199. 

105. Notes on Ceylonese Ornithology and Oology with additions to 
the avifauna of the Island. By O. Legge. Str. F. 1875. 361. 

106. Notes on and Addition to Ceylonese avifauna with a notice of 
some apparently new species. By O. Legge. Str. F. 1876. 242. 

107. Additional notes on the avifauna of the Andaman Islands. 

By A. Hume. Str. F. 1875. 490. 

108. Additional species from Kutch and Kattiawar, By A. Hume. 
Str. F. 1876. 496. 

109. Additional notes on the avifauna of the Andaman Islands. By 
A. Hume. Str. F. 1876. 279. 

110. The Laccadives and the West coast. By A. Hume. Str. F. 
1876. 413. 

111.A. first List of the birds of North-eastern Cachar. By 
A. Hume. Str. F. 1877, 1. 

112. On the nidification of certain south indian Birds. By Rhodes 
W. Morgan. Ibis 1875. 313. 

113. Birds nesting in India. By G. F.L. Marsball. Calcutta 1877. 

114. Dee and eggs of indian birds. By A. Hume. III vol. Caleutta 
1875. 

115. On little or unknown Himalayan Oology with notes on the 
birds. By A. Anderson. Str. F. 1875. 350. 

116. List of birds collected in the vicinity of Khandala, Mahaba- 
lashwar and Belgaw along the Sahyadry Mountains; and near 
Ahmednagar in the Dakhan. By $. B. Fairbank. Str. F. 1876. 
250. 

117. The birds of Asia. By J. Gould. fol. London 1876. 

118. Les oiseaux de la Chine. Par M. l’abb& Armand David et M. 
E. Oustalet. Paris 1877. 

119. The birds of Mongolia, the Tangut country and the solitudes 
of northern Tibet. By N. Przewalski. Translated by F. Carl 
Craemers. D. Rowley’s Ornithological Miscellany. 1877. 

120.On a new bird from Formosa. By R. Swinhoe. Ibis 1877. 473. 

121. Catalogue of mammals and birds of Burma, by the late E. Blyth 
with a memoir and portrait of the author. Catalogue of the 
birds ofBurma, edited with notes and additions by Lord Walden. 
Journ. As. S. B. Aug. 1875. 

122. Notes on birds from Burma. By Lord Walden. Ibis 1875. 458. 

123. Ornithological notes from the Distriet of Karennee, Burma. 
By R. W. Ramsay. Ibis 1875. 348. 

124. Notes on some Burmese birds. By R.W.Ramsay. Ibis 1877. 453. 


Fortschritte der Ornithologie. Anhang. 163 


125. ae on some Burmese birds. By E. W. Oates. Str. F. 1875. 
126. Notes on some birds collected in the eastern or Rangoon 
Distriet of the Jrawaddy Delta. By J. Armstrong. Str. F. 
1876. 295. 
127. A first List of the birds of the Tenasserim Provinces. By 
A. Hume. Str. F. 1875. 467. 
128. A. second List of the birds of Tenasserim Provinces. By 
A. Hume. Str. F. 1875. 317. 
129. A third List of the birds of the Tenasserim Provinces. By 
A. Hume. Str. E. 1876. 223. 
150. A. first list of the birds of Upper Pegu. By A. Hume and 
E. W. Oates. Str. F. 1875. 1. 
131.List of the birds collected on the expedition into the Dafla 
hills, together with those obtained in the adjacent Darrong 
Terai, Assam. By Godwin Austen. Journ. As. S. B. 1876. 64. 
132. Faune ornithologique de Kessang, presqu’ile de Malacca. Par 
A. Bouvier. Bull. de la Soc. zool. de France. 1877. Aoüt. 
133. Intorno a due collezioni di uccelli di Celebes inviate al Museo 
eivico di Genova dal Dr. Beccari e dal Signor Bruijn. di T. 
Salvadori. Ann. Mus. Genova VII. 1875. 641. 
134.On the birds of Ternate, Amboyna, Banda, the Ke& Islands 
and the Aru Islands (Collect. Challenger). By T. Salvadori. 
BZ: 3.1818. 78. 
135. On a collection of Birds made by E. C. Buxton in the distriet 
of Lampong S. E. Sumatra. By Lord Tweeddale. Ibis 1877. 
283. 
136. List of the birds known to inhabit the une Archipelago. 
By Lord Walden. Transact. Z. S. vol. IX. 125. 
137. Contributions to the Ornithology of Borneo. By R. B. Sharpe. 
| Ibis 1876. 29. 
- 138. Contributions to the Ornithology of Borneo. By R. B. Sharpe. 
Ibis 1877. 1. 
138a. On two Collections of Birds from Sarawak. By B. Sharpe 
Ibis 1878. 414. 
139. On the birds collected by Prof. Steere in the Philippine Archi- 
; pelago. By R. B. Sharpe. Transact. 5. Z. 1876. 
- 140. Ueber eine Vögelsammlung aus Südost Borneo. Von Dr. Fr. 
Brüggemann. Abhandl. des naturw. Vereins in Bremen. 1877. 
454. 
- 141. Weitere Mittheilungen über die Ornithologie von Central Borneo. 
| Von Dr. Fr. Brüggemann. Abhandl. des naturw. Vereins in 
N Bremen. 1878. 525. 
142. Beitrag zur Ornithologie von Celebes und Sangir. Von Dr. Fr. 
| Brüggemann. 8°. Bremen. 1876. 
143. Nachträgliche Notizen zur Ornithologie von Celebes. Abhandl. 
des naturw. Vereins in Bremen. 1877. 464. 
11#* 


BA. ‘Herman Schalow: 


144. Bemerkungen über zweifelhafte celebensische Vögel. Von 
Dr. G. Fischer. Abhandl. des naturw. Vereins in Bremen. 1878. 

DDR 

145. Mittheilungen über malayische Vögel. Von. Dr. H. Lenz. J. f. O. 
1877. 359. . 

146. Birds of the North West. A. Handbook of the Ornithology of 
the region drained by the Missouri River and its Tributaries 
in United States geological Survey of the Territories, By 
Elliot Coues. 8. Washington 1874. 

147. Notes on the natural history of portion of Dakota and Mon- 
tana Territories. By J. A. Allen. P. Bost. Soc. XVII. 1875. 

148. Ornithology of Utah, Newada and California. By E, W. Nilsson, 
P. Bost. Soc. 1875. 

149. Catalogue of the birds ascertained to occur in Illinois. By 
R. Ridgway. Ann. Syc. H. Y. 1875. 364. 

150. Catalogue of the birds of new England. By T. M. Brewer. 
Pr. Bost. Soc. Nat. Hist. XVII. 1875. 

151. Catalogue of the birds of Kansas. By F. H. Snow. St. Law- 
rence 1875. 8. 

152. Notes on the Ornithology of the Region about the source of 
the Red River of Texas, from Observations made during the 
Exploration conducted by Lieut. E. H. Ruffner, Corps of En- 
gineers, U. S. A. By C. A. H. M. Cauley. Annotated by 
Dr. Elliot Coues. Bull. of the Survey. vol. II. 3. 1877. 655. 

153. Notes on some of the Birds found in South-eastern Oregon, 
particularly in the vicinity of Camp Harney. By Bendire. 
Pr. Bost. Soc. Nat. Hist. 1877. 109. 

154. Our birds of Prey, or the eagles, hawks, and owls of Canada. 
By Henry G. Vennor. 4° Montreal 1876. 

154a. The Birds of Guadalupe Island discussed with reference to 
the present Genesis of Species. By R. Ridgway. Bull. of 
the Nutt. ornith. Club. II. 1877. 58. 

155. Exploration across the great Basin oft Utah. Appendix K. 
Ornithology, A List of birds. By Prof. Spencer. F. Baird. 4° 
Washington 1876. 

156. Report upon geographical and geologieal Explorations and 
Surveys West of the one hundredth Meridian, in charge of 
First Lieut. George Wheeler. vol. v. Zoology 4°. Washington 1875. 

156a. Annual Report upon the geographical surveys West of the 
hundredth Meridian, in California, Nevada, Utah, Colorado, 
Wyoming, New Mexico, Arizona, and Montana, by George 
M. Wheeler, First Lieut. of Engineers. 8° Washington 1876. 

157. A Review of the birds of Connecticut, with remarks on their 
habits. By Merriam. Transact. of the Connecticut Acad. vol 
IV. 1877. 

158. Notes on some of the birds of Calaveras County, California, 
and adjoining localities, By R. Ridway. Bull. of the Nutt. 
ornith. Club. 1878. 64. 


Fortschritte der Ornithologie. Anhang, 165 


159. Ornithology of the route explored by the United States Geo- 
logical Exploration of the Fortieth Parallel 1867—1869. By 
R. Ridgway. Report of Zool. Expl. of Fort. Parl. part II. 
Washington 1877. 

160. Mein dritter Beitrag zur Vogelkunde Grönlands. Von Dr. O. 
Finsch. Abhandl. des naturw. Vereins zu Bremen. 1877. 343. 

161. Estudios sobre la Flora y Fauna de Venezuela por A. Ernst. 
4° Caracas 1877. 

162.On some new species of birds from Western Ecuador. By 
O. Salvin. Ibis 1876. 493. 

163. Ueber eine weitere Sendung von Vögeln aus Ecuador. Von 
A. von Pelzeln. Verh. zool. bot. Ges. Wien 1876. 765. 

164. On Peruvian birds collected by M. Whitely. By Sclater and 
Salvin. P. Z. 8. 1876. 15. 

165. Liste des oiseaux recueillis en 1876 au nord du Peru occi- 
dental par M. M. Jelski et Stolzmann. Par L. Taczanowski. 
E.238:1877: 319: 

166. Expedition of Lake Titicaca by Alexander Agassiz and S. W. 
Garman. III List of Mammals and birds. By J. A. Allen, with 
Field-notes by Mr. Garman. Bull. Mus. Comp. zool. Cambridge, 
Mars. vol. III. July 1876. 


‚167. Descriptions of new birds obtained by O. Buckley in Bolivia. 


By P. L. Sclater and O. Salvin. P. Z. S. 1876. 253. 

168. On new species of Bolivian birds. By P.L. Sclater and 
O. Salvin. P. Z. S. 1876. 352. 

169. Canoe and Camp-life in British Guiana. By C. Barrington 
Brown, late Government Surveyer in British Guiana. 8° 
London 1876. 

170. Ornithological notes from the neighbourhood of Buenos Ayres. 
By Henry Durnford. Ibis 1876. 157. Ele 

171. Notes on the birds of the province of Buenos Ayres. By 
Henry Durnford. Ibis 1877. 166. 

172. Notes on some birds observed in the Chuput Valley, Pata- 
gonia, and in the neighbouring District. By H. Durnford. 
Ibis 1877. 27. 

172a. Notes on the birds of Central Patagonia. By H. Durnford. 
Ibis 1878. 389. 

173. Additional Notes on the birds of the Islands of Mas-afuera and 
Juan Fernandez. By Osb. Salvin. Ibis 1875. 370. 

174.On the avifauna of the Galapagos Archipelago. By O. Salvin. 
Transact. Z. S. 1876. 447. 

175. Neue Beiträge zur Ornithologie Cubas. Nach eigenen 30jährigen 
Beobachtungen zusammengestellt von Dr. Jean Gundlach. 
12.0. 1875..295, 

176.On some additional species of birds from St. Lucia, West 
Indies. By P. L. Sclater. P. Z. S. 1876. 13. 

177. Descriptions of new species of birds from the island of Do- 
minica, By G. N, Lawrence, Ann. N. G. Acad, Sc. 1878. 46, 


166 | Herman Schalow: 


178. A provisional List of the Birds procured and noticed by Mr. 
Fred A. Ober in the island of Dominica. By G. N. Lawrence. 
Forest and Stream. Dec. 6. 1877. 

179. Descriptions of seven new species of birds from the Island of 
St. Vincent. West Indies. By G. N. Lawrence. Ann. N. G. Acad. 
Sc. 1878. p. 147. 

180. List of Birds met with in North-eastern Queensland. By 
Ramsay. P. Z. S. 1877. 335. 

181. Procedings of the Linnean Society of New South Wales. vol 1. 
8° Sidney 1876. 

182. Prodromus Ornithologiae Papuasiae et Moluccarum, auctore 
Thoma Salvadorio. Annali del Mus. Civ de St. Nat. di Genova. 
vol. IX. 188. 194. etc. 

183. Reistochten naar de Geelvinkbaai op Nieuw-Guinea in de 
Jaren 1869 en 1870 door C.B.H. von Rosenberg, ambtenaar 
belast met wetenshappelijke onderzoekingen Nederlandsch Indie. 
Uitgegeven door her Koninklijk Instituut voor de Taal-Land- 
en Volkenkunde van Nederlandsch Indie. S’Gravenhage 1875. 

184. Description de quelques especes nouvelles de la Cochinchine 
et de la Nouvelle-Guinde, par M. E. Oustalet. Bull. Soc. Phi- 
lomat. de Paris. 1877. 

185. Contributions to the Ornithology of New Guinea. By R. B. 
Sharpe. pt. II. On the Ornithological Collections formed by the 
late Dr. James in South-eastern New Guinea and Yule Island. 
Journ. Linn. Soc. vol. XIII. 305. 

186. Catalogo di una collezioni di uccelli del gruppo di Halmahera 
e di varie localita della Papuasia, inviati in dono al Museo 
Civico Genova del Sig. A. A. Bruijn. Di T. Salvadori. Ann. 
Mus. Civ. Gen. 1875. 749. 

187. Deserizione di sei nuove specie di uccelli delle Molucche 
delle Rei e delle Aru e del maschio della Pachycephala lineo- 
lata Wall. Di T. Salvador. Ann. Mus. Civ. Gen. 1875. 983. 

188. Descrizione di einquantotto nuove speeie di uccelli, ed osser- 
vazioni intorno ad altre poco note, dalla Nuova Guinea e di 
altre Isole Papuane, raccolte dal Dr. O. Beccari e dai caccia- 
tori del Sig. A. A. Bruijn. Di T. Salvadori. Ann. Mus. Civ. 
Gen. 1875. 896. | 

189. Lettera omitologiea di O. Beccari intorno agli uccelli osser- 
vati durante un suo recente Viaggio alla nuova Guinea 
T. Salvadori. Ann. Mus. Civ. Gen. 1875. 704. | 

190. Catalogo di una collezione di uccelli dell isola Yule e della 
vieina costa meridionale della peninsola orientale della Nuova 
Guinea. Di Salvadori e d’Albertis. Ann. Mus. Civ. Gen. 1875. 
197. 

191. Intorno a due piccole Collezioni di uccelli Yuna di Petta e 
Valtra di Tifore e di Batong Keteil, inviate dal Sig. A. A, 
Bruijn al Museo Civico di Genova. Di T. Salvadori. Ann. Mus. 
Civ. Genova. 1876. 50. 


Fortschritte der Ornithologie. Anhang. 167 


192. Catalogo di una collezione di uccelli dell’ Isola di Buru, in- 
viata al Museo Civico di Genova dal Sig. A. A. Bruijn. Di T. 
Salvadori. Ann. Mus. Civ. Genova. 1876. 367. 

193. Catalogo degli uccelli raceolti dai Sign. A. A. Bruijn ed O. 
Beccari durante il viaggio del trasporto di guerra olandese 
„Surabaia“ dal Novembre 1875 al Gennaio 1876. Di T. Sal- 
vadori. Ann. Mus. Civ. Genova. 1876. 395. 

194. Catalogo di una seconda collezione di uccelli raccolti dal Sig. 
L. M. d’Albertis nell’ Isola Yule e sulla vieina costa della Nuova 
Guinea e di una piccola collezione della regione bagnata dal 
finme Fly. Di T. Salvadori. Ann. Mus. Civ. Genova. 1876. 7. 

195. Intorno alla supposta femmina del Dicaeum retrocinetum Gould. 
Di T. Salvadori. Ann. Mus. Cio. Gen. 1876. VIII. 509. 

196. Osservazioni intorno alle specie del genere Myristieivora 
Reichb. Di T. Salvadori. Ann. Mus. Civ. Gen. 1876. 268. 
197. Note intorno ad alcuni uecelli durante l’esplorazione del Fiume 

Fly. Per L. M. d’Albertis. Ann. Mus. Civ. Gen. X. 5. 

198. Intorno alle specie di Nettarinie della Papuasia, delle Molucche 
e del gruppo di Celebes. Di T. Salvadori. Atti de R. Acc. 
d. Se. di Torino XII. 299. 

199. Catalogo della prima collezione di uccelli fatta nella Nuova 
Guinea nel 1872 dal Signor L. M. d’Albertis. Di T. Salvadori. 
Ann. Mus. Civ. Gen. X. 111. 

200. Notes on some birds mentioned by Dr. Cabanis and Reichenow 
as collected in Papuasia and in the Moluccas. By T. Salvadori. 
BEI7.08: 18774 194: 

201.Notes on some birds collected during the exploration of the 
Fly River. By L. M. d’Albertis. Ibis 1877. 363. 

202.Le Capanne ed i Giardini dell’ Amblyornis inornata. Per 
0. Beccari. Ann. Mus. Civ. Genova IX. 383. 

203. On recent ornithologieal Progress in New Guinea. By P.L. 
Sclater. Ibis 1876. 243. 

204. Further Ornithologieal news from Guinea. By P. L. Selater. 
Ibis 1876. 357. 

205. On O. C, Stone’s Expedition to new Guinea. By R. B. Sharpe. 
Nature 1876. 338. 

206. Contributions to the Ornithology of New. Guinea. Notes on 
a small collection of Birds from South-eastern New Guinea, 

| By R.B. Sharpe. Journ. Linn. Soc. 1876. 79. 

207.On the birds colleeted by Dr. Comrie on the South-east Coast 
of New Guinea during the Survey of H. M. Sh. Basilisk. By 
P. L. Selater. P. Z. S. 1876. 459. 

208. The Birds of New Guinea and the adjacent Papuan Islands, 
including any new species that may be discovered in Australia. 
By J. Gould. London 1875. 

209. Fauna and Flora of New Guinea and the Pacific Island. By 
Withmee. Nature 1876. 271. % 

210. Mittheilungen aus dem k. zoologischen Museum zu Dresden; 


168 Herman Schalow: Fortschritte der Ornithologie. 


herausgegeben mit Unterstützung der Generaldirection der 
königl. Sammlungen für Kunst und Wissenschaft von Dr. A. 
B. Meyer. Dresden 1875. 

211. On a second collection of Birds from Duke of York Island, N. 
Britain and N. Ireland. By P. L. Sclater. P. Z. S. 1878. 289. 

212. Uebersicht der auf der Expedition S. M. S. „Gazelle“ gesam- 
melten Vögel. Zusammengestellt von J. Cabanis u. A. Reichenow. 
J. f. O. 1876. 319. 

213. On the Ornithology of New Zealand. By W.L. Buller. Trans- 
act. N. Zeal. Inst. VI. 112. 

214. Remarks on Capt. Hutton’s Notes on certain species of N. 
Zealand Birds. By W. S. Buller. Transact. N. Zeal. Insti- 
tute VI. 123. 

215. er on certain disputed species of N. Zealand Birds. By 

W. L. Buller. Transaet. N. Zeal. Institute VII. 211. 

216. Notes on the Ornithology of New Zealand. By W. L. Buller. 
Transact. N. Zeal. Institute VII. 181. 

217. Preliminary Remarks on some new Zealand Birds. By Dr. 
O. Finsch. Transact. N. Zeal. Inst. VII. 226. 

218. Description of a new species of Elycatcher (Myiagra) from 
the Fijis and some Remarks on the distribution of the birds 
found in those Islands. By E. L. Layard. Ibis 1876. 387. 

919. Notes on some little known Birds of the new Colony of the 
Fiji Islands. By E. L. Layard. Ibis 1876. 137. 

220. Notes on the Ornithology of Fiji, with descriptions of new or 
little known species. By E. L. Layard. Ibis 1876. 152. 
291. Notes on Fijian Birds. By E. L. Layard. P. Z. S. 1875. 423. 
292. Notes on the Birds of the Navigator’s and Friendly Islands 
with some Additions to the Ornithology of Fiji. By E. L. 

Layard. P. Z. S. 1876. 470. 

223. Reports on the Collection of Birds made d. v. Challenger. IV. 
Birds of Tongatabu, Fiji Islands, Api and Tahiti. By O. Finsch 
pP. 24 8:11877..728. 

224.On the Birds of the Admiralty Islands (Voy. Challenger). By 
P. L. Selater. P. Z. S. 1877. 551. 

225.0n a small Collection of Birds from the Marquesas Islands. 
By O. Finsch. P. Z. S. 1877. 407. 

226.On a small Colleetion of Birds from the Samoan Islands and 
the Island of Rotumak (Central Pacific). By Forbes. P. Z. S. 
1878. 351. 

227. Zur Ornithologie der Südsee-Inseln. II. Ueber neue und weniger 
gekannte Vögel von den Viti-,‚Samoa- und Carolinen Inseln, 
von Dr. O. Finsch in Bremen. Journal des Museum Godef- 
froy. Heft XII. 4° Hamburg 1876. 

228.On Birds of the Sandwich Islands. By P. L. Sclater. P. Z. 8. 
1878. 346. 

229. Contributions to the Natural History of the Hawalian and 


H. Goebel: Beiträge zur Geschichte des Cuculus canorus. 169 


Fanning Islands and Lower California. By Thomas H. Streets. 
' _M.D. Bull. U. S. Nat. Mus. No. 7. 1877. 

230. First Report of the Naturalist attached to the Transit of 
Venus Expedition to Kerguelens Island. By A. E. Eaton. 
P. R. S. London vol. XXIII. No. 160. 

231. Transit-of-Venus Expedition. Zoology Birds. By R. B. Sharpe. 
4° London. 1877. 

232. Contributions to tbe Natural History of Kerguelen Island. 
J. 5 Ridder. Bull, of the U. S. Nat. Museum. Washington 
1875. 8. 

233. Contributions to the Natural History of Kerguelen Island, 
made in connection with the American Transit-of-Venus Ex- 
pedition 1874—1875. By J. H. Kidder. I. Ornithology, edited 
by Dr. Elliot Coues. 8. Washington 1875. 

234. Sur les oiseaux de Tile de St. Paul. Par M. E. Oustalet. 
Bull. Soc. Acclim. 3. ser. II. 1875. 


Beiträge zur Geschichte des Cuculus canorus. 
Von 
Forstmeister H, Goebel. 

Da auf der diesjährigen Jahresversammlung der Ornithologen 
zu Berlin der Kuckuk und seine Geschichte ausführlich besprochen 
werden sollte, man also möglichst über ihn in’s Reine kommen will, 
so gebe ich hiermit als mein Scherflein zur Klärung des über 
den Vogel und seine Eier herrschenden Wirrwarrs Einiges aus 
meinen Beobachtungen. — - 

Für die Ansicht, dass der Kuckuk sich um das Wohl und 
Wehe seiner Nachkommenschaft, wenigstens so lange sie noch 
nicht dem Ei entschlüpft sind, kümmere, und zur rechten Zeit die 
zukünftigen Nahrungsconcurrenten, die Nestjungen, noch bevor sie 
das Ei verliessen, entfernt, sprechen mehrmals von mir an Nestern 
der Calam. arundinacea gemachte Beobachtungen, in denen das eben 
dem Ei entschlüpfte, das Nestchen lange noch nicht füllende Oueulus- 
Junge der einzige Insasse war, während die zum Ausschlüpfen 
reife Embryonen enthaltenden Nesteier im Schlamme oder Wasser 
unterhalb des Nestes lagen. Sie konnten also unmöglich unab- 
sichtlich durch das Kuckuksjunge über den Nestrand gestossen 
werden, da dasselbe noch nicht den Raum füllte; wurden also ge- 
waltsam entfernt, welches Verbrechen doch wohl nur dem alten 
Kuckuk und nicht den Nesteigenthümern zugeschoben werden kann. 

Dass häufig mit Kuckukseiern belegte Nester zerstört, oder 
noch heil, jedoch mit Eifragmenten besetzt, gefunden werden, hat, 


170 H. Goebel: 


abgesehen von den Zufälligkeiten, denen jedes Vogelnest über- 
haupt unterworfen ist, unbedingt seinen Grund in dem Umstande, 
dass die Nesteigenthümer durchaus nicht immer das Kuckuksei, 
besonders wohl, wenn sie das legende (’ucuwlus 2 auf dem Neste 
attrapiren, annehmen. — 

Ich beobachtete, als Beleg hierfür, in einem Rohrsumpfe ein 
im Legen begriffenes (ueulus 2 auf dem Neste der Cal. arundına- 
cea, welches, von den Eigenthümern angegriffen, nur der wüthend 
herabstossenden Vögelchen sich erwehren konnte, indem es sich 
wendend und kehrend den Kopf mit dem halbaufgesperrten Schnabel 
den Angreifern entgegenstreckte. — Als es endlich das Nest ver- 
liess, zerhackten vor meinen Augen, ehe ich die paar Schritte, die 
mich vom Neste trennten, zurücklegen konnte, die Nesteigenthümer 
das frisch gelegte Ei, und ich fand in dem Neste ausser den noch 
warmen Resten des Cuculus-Eis ein frisch zerbrochenes, sowie ein 
zweites zwar heiles, doch in die Schale eines dritten zerdrückten, 
geschobenes Ei der Calamoherpe. — Es fand also ein heftiger 
Kampf statt, dessen Ende ich beobachtete und der ein zerzaustes 
Nest mit zerbrochenen Eiern zum Ausgange hatte. — 

In Bezug auf Verwechslungen der Riesen- und Doppeleier 
kleiner Vögel mit Ouculus-Eiern erlaube ich mir zu bemerken, dass 
dieselben unmöglich wären, wenn man blos auf das Gewicht des 
entleerten Ei’s achtete. — Während nämlich die Eier vom Cuculus 
canorus 3°/; bis 4'/, Gran wiegen, übertrifit bei kleinen Vögeln das 
Gewicht der anormal grossen Eier meist gar nicht oder nur um 
eine winzige Kleinigkeit das Maximalgewicht der normalen, was 
ganz natürlich ist, da, obzwar sich zwei Dotter zu gleicher Zeit 
lösten oder eine ungewöhnlich grosse Eiweissmenge sich um ein 
Dotter legte, nur die zur Umhüllung der normal grossen Flüssigkeit 
nöthige Kalkmasse vorräthig sein konnte, daher das Ei wohl grösser, 
dafür aber dünnschaliger und ausgeblasen nicht schwerer als ein 
normal grosses sein musste. — 

Auch die normalen, den Cueulus-Eiern gleich grossen oder 
nahestehenden des Zanius collurio und Calam. turdoides sind immer 
leichter, da das Maximalgewicht ersterer 31/, Gran (durchschnittlich 
214,9), letzteres 3'/, Gran (dschn. 2!1%/,,) beträgt. — Abgesehen 
also von der Verschiedenheit des Korns, welche doch nur sicher 
unter der Loupe zu constatiren ist, liefert das Schalengewicht ein 
genügend sicheres Criterium, und der Beweis dafür, dass es Cueulus- 
Wier aller möglichen Färbung gäbe, und man es nicht mit Riesen- 


Beiträge zur Geschichte des Cuculus camorus. 171 


eiern zu thun habe, welcher erst nach langen Debatten geliefert 
wurde, bei denen unendlich viel Zeit und Papier verschwendet wurde, 
konnte viel schneller und leichter geliefert werden, wenn einerseits 
alle Ornithologen etwas mehr Oologie trieben, andererseits wieder 
die Oologen etwas weniger mit der Veröffentlichung von Maass 
und Gewichtsbestimmungen zurückhaltend wären, besonders auf die 
letzteren, die von vielen gar nicht einmal gemacht werden, mehr 
Rücksicht nähmen, da das Gewicht in manchen Fällen das einzige 
sichere Unterscheidungsmerkmal zwischen den ähnlichen Eiern 
verschiedener Arten ist. 

Ich besitze freilich nur die Maass- und Gewichtsbestimmungen 
von 9 unzweifelhaften Cuculus-Eiern; da sie jedoch trotz bedeutender 
Grössendifferenzen (21 bis 24,, Mlim. Länge bei 16 bis 17,, Mllm. 
Breite) im Gewichte nur um °/, Gran variiren, obschon sie den 
Nestern 6 verschiedener Species im Laufe vieler Jahre entnommen 
wurden, so muss ich annehmen, dass das Gewicht der Cuculus- 
Eier überhaupt sehr constant sei, daher ein sehr gutes Kennzeichen 
abgiebt. 

Herr Dr. Rey veröffentlichte seiner Zeit im Ornithologischen 
Journal eine grosse Reihe von Grössenbestimmungen; er würde 
Allen gewiss einen grossen Dienst leisten, wenn er nachträglich 
auch die Gewichtsbestimmungen derselben gäbe. — 

St. Petersburg, 15/27. September 1878. 

Forstmeister H. Goebel 


_; Meine ornithologische Sammlung. 
Von 
E. F. von Homeyer, 

Wenn ich in nachstehenden Zeilen über meine Sammlung 
spreche, so geschieht dies nicht allein, um der ornithologischen Welt 
ein Bild davon zu geben, sondern auch diesen oder jenen Ornitho- 
logen zu bewegen, die Sammlung mit eigenen Augen zu sehen. 
Jetzt zumal, da die Zeit herannahet, wo die Ornithologen sich in 
Stettin versammeln werden, ist der Wunsch in mir um so lebendiger, 
dass es mir vergönnt sein möge, vor der Stettiner Jahres- 
versammlung, manchen lieben Gast hier begrüssen zu dürfen 
und dass es einmal wieder Tage geben möge, wo ich die Sammlung 
mit einem Fachgenossen durchmustern kann.” 

) Die Jahresversammlung der deutschen Ornithologen soll bekannt- 
- lieh vom 23, bis 26. Mai 1879 zu Stettin stattfinden, Nach der 


172 E. F. v. Homeyer: 


Eine solche Musterung, glaube ich, verdient meine Sammlung, 
da dieselbe seit langer Zeit mit Rücksicht auf elimatische und 
locale Formen angelegt ist, wie es wenige Sammlungen sind. 

Wenn ich von den allerersten Anfängen absehe, wo meine 
Sammlung sich auf deutsche Vögel beschränkte, so war während 
des längsten Zeitraums meines Sammelns mein Streben dahin 
gerichtet, die Europäer möglichst vollständig zusammenzubringen. 
Im Laufe der Zeit musste ich mich noch etwas weiter ausdehnen 
und verwandte Arten auch aus andern Welttheilen in meine Sammlung 
aufnehmen. So hat es sich denn herausgestellt, dass Nordafrika, 
Nordamerika, besonders aber Asien sehr wesentliche Beiträge 
ge&eben haben, zumal ich unsere heimischen Arten, vorzüglich die- 
jenigen, welche zu Abänderungen neigen, aus allen Ländern zu 
vereinigen strebte, wo mir dazu die Gelegenheit geboten wurde. 

Dabei habe ich denn erfahren, dass locale Abänderungen weit 
öfter vorkommen, als man dies gewöhnlich zu glauben geneigt ist, 
und dass das genaue Studium derselben uns die besten Fingerzeige 
für den Zug der Vögel giebt. 

Einige Arten scheinen allerdings fast ganz unempfänglich für 
climatische Einflüsse zu sein, auch dann, wenn sie sich nicht mehr 
auf ihre eircumpolare Heimath beschränken, sondern weit südwärts 
und über den Aequator hinaus wandern. 

Als unübertroffen in dieser Beziehung steht der Steinwälzer 
da, der alle Meeresküsten der ganzen Welt besucht und überall 
derselbe bleibt. 


Andere Strandvögel kommen ihm darin wohl zunächst, vielleicht 


um deswillen, weil die climatischen Verhältnisse an der Küste 
weniger wechseln, als diejenigen der Binnenländer. Unzweifelhaft 
haben dergleichen locale Verhältnisse einen bestimmten Einfluss 
auf die Naturproducte des Binnenlandes. 

Was die Einwirkung des Klimas auf die Färbung der Haut, 
Haare und Federn anbelangt, so ist derselbe ja längst anerkannt 
und tritt schon beim Menschen recht deutlich zu Tage. Aber auch 
bei den Säugethieren und Vögeln ist der allgemeine Einfluss ein 
ähnlicher, wenn auch die Farben sich anders an Haaren und Federn 
entwickeln, als an der menschlichen Haut. 

Schon Gloger hatin seiner kleinen Schrift über das Abändern 
der Vögel viele interessante Beobachtungen gesammelt. Wenn 


Versammlung wird es mir nicht möglich sein hier liebe Gäste zu begrüssen, 
indem ich von Stettin aus eine weitere, längst geplante Reise machen muss, 


Bi 


Meine ornithologische Sammlung. 173 


auch die Schlussfolgerungen sehr oft zu weit gehen, so hat er doch 
darin unzweifelhaft Recht, dass Afrika die Rostfarben und Nord- 
asien die weisslichen Farben begünstigt, letzte jedoch mit der 
Beschränkung, dass grauliche Farben auch wiederum im hohen 
Norden dahin neigen, mehr dem Schwarz sich zu nähern oder 
darin aufzugehen. 

Aber auch schöne blaue und rothe Färbungen finden wir im 
nördlichen Asien, wie sie an manchen Blumen des Nordens und 
der Alpen besonders intensiv vorkommen. 

Allgemeine Regeln für die Form lassen sich schwer auf- 
stellen, doch neigt der Norden zur grössern Form, während 
der Süden und der äusserste Osten Asiens gewöhnlich kleinere 
Formen, oft bei etwas lebhafterer Färbung, haben. 

Mit grossem Interesse habe ieh auch die Extremitäten der 
Vögel, namentlich die Flügel im Norden und Süden, zumal bei den 
Wandervögeln verglichen. Dabei habe ich gefunden, dass die 
Flügel derjenigen Arten, welche grössere Reisen bei ihren Wande- 
rungen zu machen haben, keinesweges durchschnittlich oder gar 
in der Regel mehr ausgebildet sind, wie diejenigen ihrer mehr 
südlichen Verwandten, und dass hier das oft behauptete Prinzip 
der Darwin’schen Lehre sich nicht als richtig erweist. Es mag mir 
vorbehalten bleiben, die Beweise für diese Beobachtung an einem 
andern Orte zu liefern, da es hier zu weit führen würde. 

Für diese Arbeit eine Wahl des zu behandelnden Gegenstandes 
zu treffen, war mir nicht leicht, indem der hochinteressanten Gruppen 
gar zu viele sind. Hier gab eine gelegentliche Aeusserung meines 
lieben Freundes, des Professors Dr. Cabanis, den Ausschlag, der 
einmal den Wunsch aussprach, die Gruppen der schwarzköpfigen 
Pyrrhula-Arten ausführlich behandelt zu sehen. Wenn ich auch 
nun in der Uebersicht meiner Sammlung keine Monographie geben 
kann, so kann ich doch in grossen Zügen meine Ansicht über die 
Arten und Formen aussprechen, und ich gebe daher nachstehend 
die finkenartigen Vögel meiner Sammlung. 

Fringillidae Sw. 1831. 
Fringilla L. 

coelebs Pommern, darunter eine schöne gelblich weisse Varietät. 
4 Stück. 

montifringella L. Pommern und Lappland, dabei das Nestkleid. 
6 Stück. 


174 E. F. v. Homeyer: 


ruficollis Hume. Indien. Ein ächter Bergfink aus Nordindien. 
1 Stück. 

Cardueliüs Stephens 1826. 

elegans, St. Pommern in verschiedenen Kleidern. 6 Stück. 

cantceps. Turkestan, von Sewerzow & und 2.. Eine sicher 
bestimmte Art. 2 Stück. 

Kawariba Temm. Amur & 2. Sicher bestimmte Art. 2 Stück. 
(Gehört entschieden zu Carduelis und nicht zu Zigurinus, wie manche 
Schriftsteller annehmen.) 

Chrysomistris Boje 1828. 

spinus L. Pommern, in verschiedenen Kleidern, darunter das 
Nestkleid. 5 Stück. 

Dybowski. Q ad. Am japanischen Meer. 1 Stück. (Ueber 
die Artberechtigung kann ich aus Mangel an hinlänglichem Ma- 
terial kein Urtheil aussprechen.) 

Oraegithus*) Cab. 1854. 
pusillus Pallas.. Vom Kaukasus und vom Taurus. 4 Stück. 
Oitrinella Bp. 1838. 
alpina Bp. et Scop. Aus der Schweiz. 5 Stück. 
Serinus Koch 1816. 
hortulanus Koch. Schweiz und Norditalien. 4 Stück. 
Ligurinus Koch 1816. 

chloris L. Pommern, Schweiz. 4 Stück. 

chloroticus Cab. Südspanien. 2 Stück. 

Es wird wohl nicht thunlich sein, diese Form, welche sich nur 
durch etwas geringere Grösse und lebhaftere Färbung von 
chloris unterscheidet, artlich zu trennen, zumal die besonders 
schönen alten Männchen aus Deutschland den spanischen sehr nahe 
kommen und auch die Grösse theils allmählich nach dem Süden zu 
abnimmt, theils der Unterschied derselben sehr unwesentlich ist. 

Petronia Kaup. 1829. 

rupestris Bp. 1838. Italien, Frankreich, Spanien, Saalthal. 6 
Stück. 

Mein Exemplar aus dem Saalthal ist ein junger Vogel, den 
ich früher von C. L. Brehm mit vielen seiner Art, welche ebenda 
erlegt waren, erhielt. Damals (vor eirca 40 Jahren) kam dieser 
Vogel dort nicht selten, namentlich in der Lobedaburg, vor. In 
neuerer Zeit ist er jedoch wiederum in Thüringen als Brutvogel 
gefunden. 


*) Es ist vielleicht richtiger diese Art einfach mit Serinus zu vereinigen, 


Meine ornithologische Sammlung. 175 


In der Sammlung des Herrn Heydemann zu Thalberg bei 
Treptow a. d. Tallense befinden sich zwei Steinsperlinge, welche 
Herr Heydemann selbst unter einem Schwarm von Leinzeisigen 
erleste. 

Die Steinsperlinge Europas zeigen keine localen Verschieden- 
heiten. Sehr nahe und wohl kaum artlich zu trennen ist: 

P. breviroster vom Flusse Argun aus Ostsibirien. 1 Stück. 

Montifringilla Brehm 1828. 

nivalis L. Aus der Schweiz. 4 Stück. 

brunneinucha. Amur. 2 Stück. 

arctoa. Sibirien. 4 Stück. 

Passer domesticus. L. Pommern, Thüringen, Davurien, 
Klein-Asien, Nordamerika. 12 Stück. 

indicus altes 3 aus Indien, unterscheidet sich entschieden von 
dem europäischen. 1 Stück. " 

hispaniolensis. Temm. Algier, Spanien, Klein-Asien. 6 Stück. 

cisalpinus Temm. Süd-Tyrol, Toskana. 5 Stück. 

montanus L. Pommern, Sibirien, Indien. 7 Stück. 

Der Feldsperling zeigt sich bei seiner grossen Verbreitung 
durch den grössten Theil von Europa, Asien und einen Theil 
Afrikas ausserordentlich constant. 

Coccothraustes vulgaris P. Pommern. 7 Stück. 

japonicus Schleg. Amur. 1 Stück. 

Hier kann ich meinen Zweifel nicht unterdrücken, theils über 
die Selbstständigkeit der Art, theils über die Identität des Vogels 
vom Amur mit dem japanischen. Das mir vorliegende Exemplar, 
von Dr. Dykowski gesammelt, unterscheidet sich in sehr geringem 
Maasse von unserem europäischen Vogel, theils durch etwas ge- 
ringere Grösse, theils durch wenig blassere Färbung. Wie bei so 
manchen Vögeln aus dem Amurlande, mag auch dieser Kernbeisser 
eine Mittelstellung zwischen dem japanischen und europäischen oder 
sibirischen einnehmen, ohne dass man ihm ein Artrecht zuerkennen 
könnte. 

Coccothraustes melanurus. Amur. 1 Stück. 

©. personatus. Amur. 1 Stück. 

Pyrrhula rubicilla. (Pallas 1811—31.) 

Pall. Z R. A. U p. 7. (1811—1831.) 

Pyrrhula major C. L. Brehm V. D. p. 252. (1832.) 

Pyrrhula vulgaris (Brisson). Brehm 1831. 1. c. 

Pyrrhula coccines de Selys, Faune Belge, p. 70. (1842.) 


176 E. F. v. Homeyer: 


Pyrrhula europaea (Auctorum.) 

Loxia pyrrhula Lin. S. N. p. 300. (1866.) 

Pommern, Thüringen, Schweden, Sibirien, Macedonien. 25 Stück. 

Diese grosse Art oder Form gehört entschieden dem Norden 
und Osten von Europa und dem nördlichen Asien an, wo die 
kleine Art nicht vorkommt, wenigstens bisher nicht nachgewiesen 
wurde Auch im östlichen Pommern kommt nur die grosse Art 
oder Form vor, wenigstens habe ich unter Hunderten dieser Vögel, 
welche ich im Laufe der Zeit (in 39 Jahren) hier erhielt und die 
ich sorgfältig verglichen habe, stets nur diese gefunden, während 
in Vorpommern mir in manchen Jahren Exemplare vorgekommen 
sind, welche der kleinen Art angehören. Letzte halte ich für 
Vögel, welche in Vorpommern genistet haben, was dort bisweilen, 
wenn auch sehr einzeln, geschieht, während in hiesiger Gegend 
mir ein solcher Fall nicht bekannt geworden ist. Aus Sibirien be- 
sitzt meine Sammlung fünf Stück, welche alle und auch diejenigen, 
die ich anderweitig sah, der grossen Art angehören und sich von 
den europäischen nicht unterscheiden. Ebenso gehören alle schwe- 
dischen Dohnpfaffen, nicht allein diejenigen meiner Sammlung, son- 
dern auch alle die, von denen ich Kenntniss nehmen konnte, der 
grossen Art an. Der Grössenunterschied beider Arten ist ein so 
bedeutender, dass man den Vogel sofort auf den ersten Blick 
erkennt, wozu noch kommt, dass die Färbung bei diesen in der 
Regel lebhafter wie bei der kleinen Art ist und das schöne Roth 
des Männchens nie durch eine bräunlich-graue Mischung getrübt 
wird, wie dieselbe bei der kleinen Art gewöhnlich ist. Mittelformen 
sind mir aus Deutschland nicht bekannt geworden. 

Man hat nun diese Art Pyrrhula coccinea genannt und geht 
dieselbe unter diesem Namen in den neueren Werken. Dieser 
Name ist jedoch aus verschiedenen Gründen zu verwerfen. Nicht 
allein, dass der Name von Pallas älter ist, als der von de Selys 
gegebene, und kein Zweifel bleibt, dass Pallas darunter die grosse 
Art verstanden hat, indem in den von diesem ausgezeichneten 
Forscher bereisten Gegenden nur die grosse Art vorkommt, so wäre 
ausser Pallas auch noch C. L. Brehm zu berücksichtigen, der in 
seiner Naturgeschichte aller Vögel Deutschlands beide Arten sehr 
kenntlich unterscheidet. Brehm’s Pyrrhula peregrins und ger- 
manica gehören ohne Zweifel der kleinen Art an, während seine 
Pyrrhula major ebenso sicher die grosse Art bezeichnet. Dresser 
l. c. nimmt auch den Namen von Brehm an, doch ist hier wohl 


Meine ornithologische Sammlung. 177 


die Priorität für Pallas. Hierzu kommt nun noch, dass Pyrrhula 
vulgaris Temm. von den meisten Autoren auf die weit seltenere 
kleine Art bezogen wird, was gänzlich unthunlich ist, um so mehr, 
als Temminck diesen Namen nach dem Vorgange Brisson’s auf beide 
Arten angewendet hat. 

Pyrrhula germanica Brehm. 1838. 

Der deutsche Gimpel. V. D. p. 252. 

Pyrrhula vulgaris de Selys. 1. c. 78. 

Pyrrhula vulgaris Degland et Gerbe. I.p.250, (exlusis Synonymis*) 

Pyrrhula europaea Dresser. P. L. 

Pommern, Westphalen, Rheinprovinz. 13 Stück. 

Ein für Pommern seltener Vogel, der in Mecklenburg und 
Vorpommern jedoch bisweilen niste. Durch die Güte des Herrn 
Baumeisters Sachse zu Altenkirchen, Reg. B. Coblenz, habe ich eine 
grössere Zahl dieser kleinen Gimpel im Fleische vergleichen 
können. Dort ist er nämlich häufig als Brutvogel und sehr zahl- 
reich im Winter in den Gärten. Wie bei dem vorigen erwähnt, 
ist er im Fleische mit demselben nicht zu verwechseln und auch 
der auffallend kleine Schnabel unterscheidet ihn leicht bei Vögeln, 
welche widernatürlich ausgestopft sind. Diese Art kommt von Mittel- 
deutschland bis nach dem Norden von Portugal, in England und 
den dazwischen liegenden Ländern als Brutvogel vor, hat aber 
doch lange nicht den vierten Theil der Verbreitung, wie der grosse 
Gimpel. Gänzlich unthunlich ist es, für diese Art den von Pallas 
für die sibirischen und osteuropäischen Dohnpfaffen gegebenen 
Namen anzuwenden, wie dies in neuerer Zeit vielfach geschehen 
ist, denn, wie oben bemerkt, begreift der von Pallas gegebene Name 
Pyrrhula rubicilla die grosse Art, welche allein in Sibirien vor- 
kommt. Es kann dabei nicht irre machen, wenn Pallas die Männ- 
chen von Pyrrhula cineracea für alte Weibchen dieser Art hält, 
da er die rothen Männchen ausdrücklich erwähnt. Diese rothen 
Männchen aber gehören der grossen Art an. 


#) Die von Dresser zu dieser Art citirten Synonyme sind zum grossen 
Theil unsicher und daher besser wegzulassen. Latham’s Loxa pyrrhula 
(Ind. Or. I. p. 387.) gehört wohl unzweifelhaft der grossen Art an, da 
die kleine in Asien bisher nieht nachgewiesen wurde. Fringilla pyrrhula, 
Temm. Pyrrhula europaea Vieillot, Pyrrhula rufa Koch, sind auf beide 
Arten oder Formen zu beziehen und ist es deshalb besser diese Namen 
keiner bestimmten Art zu geben. Es bleibt daher nur übrig den von 
€. L. Brehm gewählten Namen als den ältesten anzunehmen. 

Gab. Journ, f, Ornith, XXVIL Jahrg, No. 146, April, 1879, 12 


u or 


178 E. F. v. Homeyer: 


' Pyrrhula cineracea Cab. 
Der graue Gimpel. 

Zwei Männchen und ein Weibchen meiner Sammlung kommen 
mit den vielen, welche ich in Händen hatte, überein. 

Die alten Männchen unterscheiden sich sehr leicht durcb die 
reine grauliche Unterseite von den alten Weibchen der beiden vor- 
hergehenden Arten, die stets dadurch dunkler sind, dass das Graue 
einen Stich in’s Röthliche hat, auch ist der Schnabel bei Pyrrhula 
cineracea schwächer. Weniger entscheidend sind die zwei anderen 
Kennzeichen, die röthliche Zeichnung auf den Aussenfahnen der 
kleinsten Schwungfeder und der weissliche Streif neben dem Schafte 
der ersten Steuerfeder, welche nicht ganz constant sind, indem 
auch bei den rothbrüstigen Gimpeln einzelne Exemplare vorkommen, 
bei denen das Roth auf den letzten Schwingen fast gar nicht be- 
merklich und dagegen der weissliche Streif auf der ersten Steuer- 
feder vorhanden ist, während bei Pyrrhula cineracea der weisse 
Streif nicht immer ausgeprägt erscheint. 

In der Grösse steht Pyrrhula cineracea nicht unwesentlich 
gegen die sibirische rothbrüstige Art (P. rubieilla P.) zurück, 
namentlich durch den kleinen Schnabel und weit kürzeren Fittig. 

Pyrrhula erythrocephala 1 Stück. Indien. 

Pyrrhula nipalensis 1 Stück. Indien. 

Die ‚japanische Art, mit grauem Bauche und rothem Halse 
des Männchens, habe ich bisher nicht erhalten können. 

Carpodacus Kaup. 1829. 

Der von Brehm 1828 gegebene Name Erythrina ist wohl 
als der ältere vorzuziehen. 

Carpodacus erythrinus Pall. 

Pommern, Wolga, Ural, Moskau. 6 Stück. 

C. frontalis. Kalifornien. 1 Stück. 

©. purpureus. Nordamerika. 4 Stück. 

CO. roseus Sibirien und Amurland. 6 Stück. 

Ö. caucasicus Pall. Transkaukasien 1 Stück, ein sehr schönes 
altes Männchen. 

Bucanetes githagineus Cab. 1851. Nordwestafrika und In- 
dien. 4 Stück. 

Erythrospiza obsoleta. Turkestan. 1 Stück. Severyar. 

Uragus sibiricus. Baikal. 4 Stück. 

sanguinolentus. Amur. 3 Stück. 


Meine ornithologische Sammlung. 179 


Die Amurexemplare scheinen eine Mittelform zwischen den 
sibirischen und japanischen zu bilden, sind ein wenig kleiner 
und dabei lebhafter gefärbt, als die sibirischen, jedoch nicht mehr 
als dies bei vielen anderen Vögeln, welche man bisher nicht ge- 
trennt hat, vorkommt. Ich kann mich daher mit dieser artlichen 
Trennung nicht befreunden, so lange nicht wesentliche Verschieden- 
heiten in der Lebensweise beider Formen nachgewiesen sind. 

Loxia curvirostra L. Pommern, Schweden, Karpathen, Thü- 
ringen, Sibirien. 24 Stück. 

Loxia pityopsittacus. Bersch. Pommern, Schweden, Mace- 
donien. 13 Stuck. 

Loxia americana Wils. Nordamerika. 7 Stück. 

Lozxia leucoptera Wils. Labrador. 3 Stück. 

Davon muss ich einen Kreuzschnabel aus Nordamerika nach 
zwei ganz gleichen alten Männchen meiner Sammlung unter- 
scheiden, die ich ihrer ausserordentlich dunklen Färbung wegen 
nenne: 

+ Doxia atrata nov. Sp. 

Etwas kleiner als Z. leucoptera und bei fast gleicher Flügel- 
länge mit einem um reichlich 10 mm. kürzeren Schwanz. Ausge- 
zeichnet aber ist die Färbung dieses Vogels. Das Roth kommt im 
Grundton dem des Hakengimpels am nächsten*), nur ist es etwas 
dunkler und überall wie mit Schwarz gesättigt, ja diese Farbe breitet 
sich förmlich aus, sowohl auf dem Rücken, als in Grundfedern 
auf der Bauchmitte bis zur Brust, sowie an den Unterschwanzdeck- 
federn. Auch die Fussfärbung ist dunkler als bei L. leucoptera. Die 
meisten Flügelbinden sind ungetrübt, jedoch weniger ausgebreitet. 
Dies zeigt sich bei der ersten (Spitzen) Binde in der Art, dass 
dieselbe am Flügelrande kaum sichtbar beginnt, bis zur Mitte noch 
sehr unbedeutend bleibt und sich dann rasch in einen grossen rund- 
lichen Fleck erweitert, bei der zweiten Binde ist die Ausdehnung 
überall weit beschränkter als bei Zoxia leucoptera. 

Ein Melanismus ist es entschieden nicht. Dem widerspricht 
nicht allein der Charakter der Färbung, sondern auch das gleich- 
zeitige Vorkommen von zwei alten Männchen. Meine beiden Vögel 
kamen aus Nordamerika. 

E Lozxia bifasciata Brehm. Isis 1827. 
' Sachsen, Ural, Sibirien, Amur. 10 Stück. 

2 *) Das Roth ist ganz verschieden von dem irgend eines der vielen 
Kreuzschnäbel, welche ich bisher sahe. 


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12* 


180 - E. F.v. Homeyer: 


Die alten Männchen vom Amur haben ein weit prächtigeres Roth 
als alle anderen und man könnte sie mit demselben Rechte als 
(Loxia elegans) kennen, wie dies bei anderen Amurvögeln geschehen 
ist, indessen habe ich bisher einen Unterschied in den Verhältnissen 
nicht auffinden können, auch bin ich nicht geneigt, Arten nur auf 
mattere oder lebhaftere Färbung zu begrüuden. Wollte man dies, 
so hätte man bei den Nordasiatischen Vögeln vielfach Gelegenheit. 

Pintecola enucleator L. 

Pommern, Preussen, Norwegen, Lappland, Sibirien, Labrador. 28 
Stück. 

Es ist mir ganz unmöglich, die nordamerikanischen Vögel 
des Fichten- (Haken-) Gimpels als artlich verschieden von den 
europäischen und nordasiatischen zu betrachten. Man kann die- 
selben nicht einmal stets mit Sicherheit von den Euröpäern unter- 
scheiden, vielweniger noch eine Diagnose aufstellen. 

Leichter wäre dies noch bei den ostsibirischen Ficken 
indem bei denselben die Färbung in beiden Geschlechtern viel 
lichter ist, als bei den europäischen und nordamerikanischen, doch 
sind das eben Erscheinungen, wie sie Sibirien bei vielen Vögeln 
bietet. 

Suthora bulomachus. Swh. 

Nähe des japanischen Meeres. 1 Stück. 

Cannabina. Brehm V, D. 1831. Hänfling. 

O. sanguinea Landbeck 1834. 

Pommern. 5 Stück. 
©. flavirostris L. 
Pommern. 6 Stück. 
©. brevirostris Gould. 
Turkestan, Severzow. 2 Stück. 
Linaria. C. L. Brehm 1831. 

Wenn ich nachstehend einen Ueberblick über diese Gattung 
gebe, so muss ich mein Bedauern aussprechen, dass trotz aller 
Mühen in den letzten Jahren es mir noch nicht gelungen ist, meine 
Sammlung so auszustatten, als es zur Klärung der Arten dieser 
hochinteressanten Gattung wünschenswerth wäre. Theilweise trägt 
die Schuld auch ein Verlust, den ich durch unvergiftete nordische 
Bälge hatte. Dennoch will ich einen Ueberblick der Arten geben, 
soweit ich sie kenne und sie in meiner Sammlung vorhanden sind. 
Obgleich ich nicht unterlassen habe, andere Sammlungen genau zu 
besichtigen und zu vergleichen, so soll die heutige Arbeit sich be- 


Meine ornithologische Sammlung. 181 


sonders auf meine Sammlung stützen, zumal ich glaube, dass die 
wesentlichen Formen in derselben vertreten sind. Wenn die Zeit 
es mir erlaubt, so gebe ich bald eine Monographie der Leinzeisige, 
die um so nöthiger sein dürfte, als nicht leicht bei irgend einer 
unserer europäischen Vögelgruppen eine grössere Verwirrung 
herrscht als hier und es wohl kaum ein ornithologisches Werk 
giebt, wo die Synonyme dieser Gattung nicht unrichtig wären. 
Es wird auch nieht möglich sein, alle einzelnen in den verschiedenen 
Werken an den richtigen Platz zu stellen, jedoch will ich damit 
den Anfang machen. 

Die beste mir bekannte Arbeit ist die von Schlegel und Bo- 
naparte gegebene in ihrer Monographie Des Loxiens. Leider lassen 
die Abbildungen Manches zu wünschen übrig. Gould’s Vögel Eu- 
ropas konnte ich nicht vergleichen und ich kann deshalb auch nicht 
mit voller Sicherheit behaupten, was dieser Autor unter Linota 
canescens verstanden hat, doch zweifle ich sehr, dass dies derselbe 
Vogel ist, den spätere Autoren unter diesem Namen verstanden haben 
und den Holböll in seinen grönländischen Vögeln als Zinota Horne- 
manni aufführt. Ich muss an dieser Ansicht um so mehr fest- 
halten, als es bisher noch nicht erwiesen ist, dass Zinota Horne- 
manni jemals in Europa vorgekommen ist. Alle die Vögel von 
unzweifelhaft europaischem Ursprunge, welche mir als L. canescens- 
Hornemanni gezeigt wurden, erwiesen sich als Z. Holboellüi (Brehm), 
welche von den neueren Autoren ganz unberücksichtigt geblieben 
ist und von Dresser einfach zu Z. linaria gezogen wird. Aber nicht 
allein, dass ich diesen Vogel früher bei C. L. Brehm sah und mit 
ihm untersuchte, es befindet sich auch noch ein Orginal-Exemplar 
von Brehm in meiner Sammlung, welches wohl niemand für 2. 
linaria halten möchte, und welches die von Brehm aufgestellte Art 
hinlänglich begründet, wie ich weiterhin nachweisen werde Es 
ist auch anzunehmen, dass die Vereinigung der ‚Linota Holboellü 
Br. mit Z. linaria durch Dresser eben nur nach einer unrichtigen 
Deutung der Brehm’schen Arbeiten vollzogen wurde und dass Dresser 
ebenso die Z. Holboellü mit L. Hornemanni verwechselt. Anderer- 
seits wird dieselbe Art auch mit Dresser’s exiipes vereinigt, denn 
die Pars LVII p. 3 gegebene vergleichende Tabelle zeigt dies deut- 
lich bei den aus Tromsö gemessenen Exemplaren. 

Ganz unerklärlich sind mir die Maasse bei Dresser von seiner 
L. exilipes, indem die Schwanzlänge daselbst circa einen halben 
"Zoll länger angegeben ist, als dieselbe bei einem Exemplar meiner 


182 E. F. v Homeyer: 


Sammlung aus der Gegend des Baikal ist, und kann ich um des- 
willen kaum glauben, dass der Petschora Vogel mit dem ostsibi- 
rischen übereinstimmt, wenn auch Dresser die ganz ähnlichen Maasse 
eines Vogels aus Darasun giebt. Sehr zu bedauern ist es, dass in 
der erwähnten Tabelle die Maasse der Schnäbel ganz unberück- 
sichtigt bleiben, denn die Form und Stärke der Schnäbel sind bei 
diesen Arten gerade sehr wesentlich, wie weiterhin gezeigt werden soll. 

Die ornithologischen Reisenden in Sibiren und dem Amur- 
lande: Middendorfi, von Schreck und Radde, haben die Arten a 
priori als Varietäten einer Art betrachtet und ist deshalb 'nicht 
überall nachzuweisen, welche Form sie vor sich hatten, nur so viel 
scheint festzustehen, dass die kleinen hellen Leinzeisige durch 
ganz Nordasien vorkommen und als Brutvögel dem höheren Norden 
angehören. 

Sehr zweifelhaft erscheint es mir, ob die L. exilipes von Coues 
und mit ihr die kleinen hellen nordamerikanischen Leinzeisige 
mit denen der alten Welt vereinigt werden dürfen, und ich habe 
deshalb vorgezogen, den von Severzow gegebenen, wenn auch nicht 
veröffentlichten Namen zu wählen, da er keinen Zweifel über die 
Art lässt, die darunter verstanden werden soll. 

* Linarda Hornemanni Holböll. | 

Naturh. Tidsk, IV. p. 398. (1843.) Beitrag zur Fauna Grön- 
lands von Holböll, übersetzt von Paulsen, p. 30. (1846) (Orig. 
1840.) 

Fringilia borealhis, Temm. Man. d’Orn. II. p. 264 (1835) nec 
Vieil. (exclusis Syn. et partim). 

Acanthis canescens Bp. et Schl. Monographie des Loxiens, D- 
47. Taf. 51. (nec Gould.) 

Linota Hornemanni Dresser. Pars LV. et LVI. (partim). ' 

Mir bisher uur aus Grönland bekannt, jedoch von Dresser auch 
aus Spitzbergen aufgeführt. Drei Stück, jedoch mehr als ein 
Duzend verglichen. 

Diese Art ist von allen anderen Arten leicht zu unterscheiden | 
und doch ist sie so oft verwechselt worden. Ganz vorzüglich 
charakterisirt sie de Selys (Naum. 1856. p. 389.), indem er sagt: 
„Was Ac. canescens betrifit, der in Belgien noch nicht beobachtet 
wurde, so finde ich ihn sehr ausgezeichnet durch seinen 
kurzen, starken Schnabel und seinen langen Schwanz, abgesehen 
von seinem weisslichen Gefieder.“ 


Meine ormithologische Sammlung. 183 


In der That wird hierdurch das Wesentlichste hervorgehoben, | 


was zur sichern Unterscheidung dieser Art gereichen kann: der 
kurze dicke Schnabel, der eine ganz andere (fast kernbeisserartige 
Form) hat, wie seine Verwandten, der bei gleicher Grösse mit 
Holboelli stets 6— 10 mm. längere Schwanz und die fast einfarbig 
weisse Unterseite und Bürzel. 

Mit Sicherheit ist diese Art weder in Europa noch auf Island, 
wie angegeben wird, beobachtet, 

Die von Dresser 1. e. gegebenen Abbildungen stellen keinen 
grönländischen Vogel dar. Das alte Männchen stammt aus Spitz- 
bergen und auf der anderen Tafel werden zwei Vögel gegeben, die 
sicher beide nicht zu dieser Art gehören, wie weiterhin gezeigt 
werden soll. 

+Linaria Holboelli:. C. L. Brehm. 

Vögel Deutschlands (1831) p. 280. 

Aecanthis Hollboellii (Br.) Bp. et Schl. Monographie des Loxiens 
p. 50. Taf. 50. 

Pommern, Thüringen, Schweiz. 4 Stück. 


Diese Art ist von fast allen Schriflstellern ausser Brehm und 


Schlegel verwechselt worden, namentlich mit der vorhergehenden 
Art. In der Grösse kommen sich dieselben auch sehr nahe, indem 
Länge und Breite ganz ähnlich sind, auch in der Färbung nähern 
sie sich, doch hat diese Art neben der weissen Unterseite und dem 
gewöhnlich weissen Bürzel, dunkle Schaftfedern an den Hypochon- 
drien und mehr oder weniger Streifen auf dem Bürzel. Dabei ist 
der Rücken bei Holboellu einen Ton dunkler und beim alten Männ- 
chen die Brust lebhaft roth, während Zornemann? nur einen zarten 
rosenrothen Anflug hat. Bei gleicher Flügellänge ist der Schwanz 
bei Holboellii wesentlich länger. Die wichtigste und constanteste 
Unterscheidung bietet aber der Schnabel, der bei Zolboellii in seiner 
Basis fast die Stärke von Hornemann?' erreicht, aber sehr wesent- 
lich länger ist, so dass Zoldoelliv allein durch den Schnabel von 
allen andern Leinzeisigen leicht zu unterscheiden ist. 

Der von Dresser unter Aornemann? ]. c. abgebildete alte Winter- 
vogel gehört dann auch zu Holboellii. Ebenso ist Zenota linaria, 
Newton, Notes Orn. Jcel. p. 11. hierher zu ziehen, sowie wahr- 
scheinlich alle grossen Isländischen Leinfinken, woher die vorige 
‚Art bisher nicht nachgewiesen wurde. Unzweifelhaft wird auch 
das am 24. April bei Whitburn erlegte Stück hierher gehören. 


184 E. F. v. Homeyer: 


+ Linaria brunnescens. NOV. sp.*) 


Linota Hornemann? Dresser. P. LVI. (partim) Taf. Fig. infer. 


Lappland, Grönland, Schweden. 7 Stück. 


In der Grösse kommt der dunkle Leinzeisig dem vorher- 


gehenden am nächsten, unterscheidet sich jedoch in vielen wesent- 


lichen Dingen. Schon die Färbung ist so eigenthümlich, dass er 
mit keiner anderen Art verwechselt werden kann. Die ganze Ober- 
seite ist schwarzbraun mit sehr schmalen weisslichen und rostgelb- 
lichen Federrändern, die auch auf dem Bürzel gegen die Grund- 
farbe zurücktreten; die Kopfseiten sind ebenso mit sehr feinen 
rostweisslichen Federrändern; der Kehlfleck sehr gross; die ganze 
Unterseite bis auf die Bauchmitte mit vielen grossen dunkelbraunen 
Längsfedern dicht bedeckt. Zwei in Lappland im Juni und Juli 


erlegte Vögel, deren Geschlecht leider nicht bestimmt ist, zeigen ein 
zartes Roth an den Kopfseiten. Die Flügelbinden sind nur an- 


gedeutet. 
Sehr charakteristisch ist der Schnabel. Derselbe ist an der 


Basis etwas schwächer als Hornemannt, jedoch länger und bei 


allen sieben Vögeln auffallend dunkel. 


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Der von Dresser 1. c. auf der zweiten Tafel unten abgebildete 
Vogel gehört hierher und ist keineswegs das Jugendkleid von Z. 


Hornemanni, wie Dresser meint. Das Nestkleid kann es nicht sein, 


denn dagegen spricht die rothe Kopfplatte und das weisse Herbst- 


kleid von Z. Hornemann?' ist ganz hell und zeigt schon ganz den 
Charakter der alten Vögel. 
Linaria alnorum C. L. Brehm op. cit. p. 280. (1831.) 
Fringilla linaria, L. Syst. N. I. p. 322. 


Acanthis linaria, Schl. et Bp. Monographie des Loxiens p. 48. 


Taf. 52. 

Linota linaria, Dresser. ]. c. partim. 
Pommern, Sachsen, Thüringen, Türkei, Stockholm, Lappland, Sibirien. 
22 Stück. 


Von allen Leinzeisigen am weitesten verbreitet und vielleicht 
circumpolar, was sich jedoch mit Sicherheit noch nicht bestimmen 


liess, indem gerade bei diesem Vogel die Synonymie ausserordent- 


lich verwickelt ist und man gewöhnlich im Unklaren darüber bleibt, 


was der Autor unter dem gegebenen Namen verstanden hat. 


*) Diese Art unterscheidet sich auch noch von der vorhergehenden — 
die einen sehr kleinen schwarzen Kehlfleck hat — durch den besonders 


grossen Fleck. 


I 


Meine ornithologische Sammlung.  .- .. 185 


Von den kleinen Leinzeisigen ist dies der grössere und am! 
lebhaftesten gefärbte Er gehört dem höheren Norden an und 
kommt wahrscheinlich ebenso wenig auf den deutschen Alpen, wie 
in Schottland vor, wo der folgende nicht selten nistet. Ob nord- 
amerikanische Exemplare ganz mit den europäischen übereinstim- 
men, ist mir noch zweifelhaft. 

Linaria rufescens (V.) Schlegel et Bp. op. cit. p. 50. T. 54. 
Linota rufescens Dresser op. cit. LVII. partim. 

Deutschland, Schottland, Gothland, Schweden, Amerika. 25 Stück. 

Die Synonymie ist, wie bei der vorigen Art, schon um deswillen 
nicht füglich klar zu legen, weil die meisten Autoren theils mehrere 
Arten unter einem Namen aufgeführt, theils die Arten gar nicht 
auseinander gehalten oder mit einander verwechselt haben. 

. Vögel wie die Leinfinken, wo die Arten sich so nahe stehen, 
dass man oft Mühe hat, ein bestimmtes Exemplar unterzubringen, 
nach Beschreibungen älterer Autoren zu bestimmen, wird sich wohl 
nicht in allen Fällen durchführen lassen. Wenigstens ist Dresser 
mit den Brehm’schen Bestimmungen nicht überall glücklich gewesen 
und in vielen Fällen hat er entschieden fehlgegriften. Wenn ich 
hierauf jetzt nicht weiter speciell eingehe, so hat dies seinen Grund 
darin, dass ich hoffen darf, Brehm’s Sammlung einzusehen und 
dann mit grösserer Sicherheit über diese Frage urtheilen kann, als 
nach den wenigen Orginal-Exemplaren von Brehm, welche sich in 
meiner Sammlung befinden. 

+ Linaria sibirica, Severzow (in litt.) 

Linota exilipes Dresser 1. c. (partim.) 

Fringilla linaria Middendorft Reisen II. 2. p. 150. (partim.) 

Diese ausgezeichnete Art ist gleichsam eine kleine Ausgabe 
der Z. Hornemanni für die alte Welt. Dresser hält diesen Vogel 
für übereinstimmend mit der 7. ezilipes von Coues aus Nordamerika, 
was ich sehr bezweifle, wenigstens stimmen die angegebenen Maasse 
durchaus nicht mit den sibirischen überein. Dresser hat auch nur 
ein Exemplar von Dybowski verglichen, wohl aber eine Reihe von 
der Petschora. In Sibirien aber kommen verschiedene Arten vor 
und es frägt sich, ob diejenigen aus Westeuropa mit Zinaria sibirica 
identisch sind. Ich besitze eine Anzahl Leinzeisige aus Lappland 
und der Nachbarschaft von Stockholm, habe jedoch diese Art bis- 
her nicht aus Scandinavien oder gar aus Deutschland erhalten 
können, so sehr ich mich auch darum bemüht. Dies wäre nun 
freilich kein Beweis, aber die von Dresser gegebenen Maasse stimmen 


I 


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+ 


186 E. F. v. Homeyer: Meine ornithologische Sammlung. 


nicht mit Z. sibirrca, namentiich nicht in der Schwanzlänge, welche 
bei den verschiedenen Arten der Leinzeisige weit constanter ist, 
als die Flügellänge. 

Vergleicht man die von Dresser in der Tabelle bei Zinota linaria 
gegebenen Maasse, so wird dies sehr augenfällig. So hat z. B. ein 
Stück seines Fornemanni aus Grönland einen Schwanz von 2,62 Zoll, 
während ein Exemplar eines Z. ezilipes aus Tromsoe 2,68 misst. 
Letztes ist wohl zu keiner der beiden Arten zu ziehen, sondern ge- 
hört sehr wahrscheinlich zu L. Holboellii, Auch das nordameri- 
kanische Exemplar ist nach den gegebenen Maassen weit stärker 
als die sibirischen und kann mit demselben Rechte zu Z. Horne- 
mann? gezogen werden. 

Leider liegen mir nur 3 L. Hornemanni und 4 L. sibirica vor, 
doch geben dieselben um so mehr einen Anhalt, als ich, wie oben 
erwähnt, noch eine Reihe der ersten Art untersucht, auch noch einige 
der letzten verglichen habe. 

Beide Arten stehen sich in der Färbung und in der Form am 
nächsten, weichen aber von einander in der Grösse sehr wesentlich 
und auch in den Verhältnissen ab. 

Die Schnabelform ist bei beiden ähnlich, insofern, als sie kurz 
ist, aber bei Hornemanni ist es ein dicker, bei sidireca ein zarter 
Schnabel, der nach cubischem Gehalt weit unter der Hälfte der 
Masse bleibt. Der Flügel am Hornemanni misst 3,3 bis 3,5 Zoll, 
der Schwanz 2,4 bis 2,6 Zoll; bei siderica 2,8 bis 2,9 und 2, bis 
2,1 Zoll. Man ersieht daraus leicht, dass die Maasse des Schwanzes 
allein genügen, um beide Arten sicher auseinander zu halten. 

Dresser giebt nun in der erwähnten Tabelle die Schwanzlänge 
von L. Hornemanni zu 2,62 bis 3 Zoll, die von Z. exilipes zu 2,30 
bis 2,58 Zoll an, was, abgesehen von den etwas grösseren Zahlen 
(Engl. Maass), wie bereits erwähnt, gar keine oder eine sehr un- 
sichere Begründung auf diese Maasse zulässt. 

Ausser einigen kleinen anderen Verschiedenheiten zeichnen sich 
die Männchen von Z. sidirica auch durch ein lebhafteres Roth auf 
der Brust aus, während 2. Hornemanni nur einen rosenrothen An- 
flug hat. Diese sehr verschiedene Färbung beider Arten ist in 
der Tafel des Dresser’schen Werkes durchaus nicht hervorgehoben 
und dies bestärkt mich in der Ansicht, dass die Z. exelipes von 
Dresser und meine und Severzows Linaria sibirica verschieden 


sind. Diese Art ist eine der kleinsten aller Leinfinken und hat mit 


L. Hornemanni weiter nichts gemein, als den Charakter der 


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Dr. G. Hartlaub: Ueber einige selt. Vögel d. Bremer Samml. 137 


Färbung und den verhältnissmässig kurzen Schnabel, unterscheidet 
sich aber in so vielen Dingen, namentlich auch in der Grösse, dass 
eine Unterscheidung beider Arten sehr leicht wird, während die von 
Dresser gegebenen Maasse sich nahe berühren. 

Middendorff fand unsern Vogel an der Boganida (71°) als 
Brutvogel. 

In der Sammlung 4 Stück vom Onon und Baikal. 

Im Ganzen 54 Arten und 318 Stück finkenartiger Vögel. 

. Zu bemerken ist, dass die Sammlung bei vielen andern Gruppen 
wesentlich reicher ist, namentlich bei Raubvögeln, Drosseln, Laub- 
vögeln, Lerchen, Pieper, Bachstelzen, Meisen, Ammern, Rohrsängern 
und vielen Sumpf- und Wasservögeln. 

Stolp, am 26. März 1879. 


Ueber einige seltene Vögel der Bremer Sammlung. 
Von 


Dr. G. Hartlaub. 

Als ich im October d. J. gelegentlich der Weltausstellung in 
Paris verweilte und zwar in der angenehmen Gesellschaft meiner 
englischen Freunde Sclater und Forbes, zeigte uns Dr. Oustalet, 
der fähige und eifrige Nachfolger Jules Verreaux’s an der pracht- 
vollen Vogelsammlung des Pflanzengartens, verschiedene kürzlich 
erworbene ornithologische Novitäten. Unter diesen waren für mich 
von hervorragendem Interesse eine zierliche völlig neue Form der 
africanischen Glanzstaare und ein merkwürdiger entfernt an 
Psittacirostra erinnernder Vogel von Hawai, bekanntlich der 
grössten Insel der Sandwich-Gruppe. Erstere hat Oustalet unter 
dem Namen Coceycolius iris, letzteren unter dem Namen Zowioides 
Bailloni kurz beschrieben. Da nun von beiden Vögeln ein schönes 
altausgefärbtes Exemplar in den Besitz der Bremer Sammlung 
gelangt ist, so wird mir damit die Gelegenheit zu einer etwas de- 
taillirteren Mittheilung über dieselben. 

Cocceyeolius, n. gen. Oustal. 

Char. gen. Rostrum pro mole longum, rectiusculum, gracile, 
apicem versus compressum, carinatum, maxilla apicem versus ar- 
cuata naribus subovatis, in fossa majore positis, apertis, mandibula 
recta, gonyde parte apicali vix conspicue adscendente. 

Alae medioeres, remigibus 1—3 aequalibus, caeteris lougioribus. 

Cauda elongata, aequalis, rectricibus 12 apice subrotundatis, 


188 Dr. 6. Hartlaub: 


P edes mediocres, graciles, tarso brevissimo, unguibus brevi- 
bus, valde curvatis. 
C. iris, Oust. 

Oustal. Bull. Assoe. Scient. de France Dec. 15. 1878, p. 158. 

Id. Bull. Soc. Philom. de Paris Dec. 14. 1878. 

Diagn. Laete smaragdino-viridis, area majore, cireumscripta, 
regionem paroticam includente pone-et infraoculari nee non epigas- 
trii ventrisque lateribus late et intense purpurascente - violaceis; 
subcaudalibus viridibus; rostro et pedibus nigris. 


Long. tot. . . . circa 21 cent. 
Cult 
BEE LER 
Ru RT RE 
tar ea 


Es erinnert dieser kleine Glanzstaar seiner schlanken Gestalt 
sowohl als auch seiner Färbung nach so sehr an die Gattung 
Chaleites, dass es der Vergleichung der Füsse bedarf, um eine 
richtige Ansicht von seiner Stellung im System zu gewinnen. Das 
brillante Metallgrün, die Hauptfarbe, ist nur um eine Schattirung 
tiefer als bei Ohaleites smaragdineus, hat also nichts auch nur an- 
nähernd Verwandtes in der ganzen artenreichen Gruppe der Zam- 
prothornitinae. Abgesehen von dieser durchaus abweichenden Fär- 
bung sind der verhältnissmässig lange, gestreckte und ziemlich 
gerade Schnabel, der verlängerte Schwanz und die sehr kurzen 
Tarsen für die generische Absonderung bezeichnend. Die Struetur 
der Federn hat übrigens nicht das Schuppenartige wie bei Chalcites, 
sondern erinnert unter den Glanzstaaren zumeist an den schon 
durch den gänzlichen Mangel von Sammtfleeken der Be ab- 
weichenden Lamprocolius melanogaster Sw. 

Die Schwung- und die Steuerfedern sind schön grün mit 
schwarzem Spitzentheil und breitem abgegrenzt schwarzem Innen- 
rande; die Unterseite beider ist rein schwarz. Sehr eigenthümlich 
erscheint das breite scharf abggrenzte tiefpurpurviolette Feld auf den 
Kopfseiten ; dieselbe Farbe wiederholt sich breit auf den Bauchseiten, 
auch hier ohne Uebergang abgetrennt von dem Grün der Bauch- 
mitte, der Brust und der untern Schwanzdecken. Die inneren Flügel- 
(lecken zeigen nur nahe dem Flügelrande schön goldgrüne Federn; 
im übrigen sind sie schwarz. Schnabel und Füsse sind tiefschwarz. 

Das Vaterland dieser Art ist die bis jetzt kaum mehr als 
dem Namen nach bekannte nördlich von Sierra Leone ganz nahe 


Ueber einige seltene Vögel der Bremer Sammlung. 189 


der Westküste Africas gelegene (9!/,° N. Br. 4° O. L.) sehr kleine 
InselLoss;also eine Localität, die hier zum ersten Male ornithologisch 
in Frage kommt. 

Oustalet belehrt uns, dass auf dieser cc Loss noch ferner 
gesammelt wurden: eine wahrscheinlich wit chaleurus zusammen- 
fallende Zamprocolius-Art, ein Papagei (P. senegalus), ein Specht 
(Campethera punctata), Merops nubicus, eine Schwalbe (Zir. senega- 
lensis) und eine Taube (Columda Schimperi) sämmtlich der Fauna 
Senegambiens angehörige Arten. 

Bemerkenswerth ist noch, dass der übrigens so verwerfliche 
Massenimport westafrikanischer Vögel zum Zweck des Federhandels 
und der Damenmoden zur Entdeckung von Coceyeolius iris geführt 
hat. Nach Oustalet beziffert sich nur allein die Zahl der jährlich 
nach Europa importirten Glanzstaare auf nicht weniger als 
100,000; ein Missbrauch, dem der denkende Naturforscher nicht 
gleichgültig zuschauen kann. 

2. Loxioides Bailloni, Oustal. 

Oustal. Bull. Soc. Philom. de Paris 7° ser. t. 1. No. 3. 1877. 

Sclater Ibis 1879, p. 89. pl. 2. Fig. opt. 

Das schöne Exemplar dieses merkwürdigen Vogels, welches 
die Bremer Sammlung besitzt, istein Geschenk unseres FreundesP.L, 
Sclater und dasjenige, nach welchem die wohlgeiungene Abbildung 
im Januarhefte angefertigt wurde. Es ist zugleich eines der 
Originalexemplare zu Oustalet’s Beschreibung und stimmt mit den 
in der Pariser Sammlung befindlichen in jeder Hinsicht überein. 
Aber sowohl diese Beschreibung als auch die Auslassungen Selater’s 
über die systematische Stellung dieser neuen Form scheinen mir 
einige Ergänzungen und vervollständigende Bemerkungen zuzulassen 
und solche dürften hier um so eher ihren Platz finden, als Lox:i- 
‘otdes wenigstens bis jetzt von vaterländischen Sammlungen nur in 
Bremen anzutreffen ist. 

Lozioides, Oust. 

Char. gen. Rostrum subpyrhulinum, breve, tumidum, ro- 
bustum, rotundatum, non carinatum, integrum, maxilla valde cur- 
vata, gonyde adscendente, naribus parvis, rotundatis in parva fossa 
basali positis. 

Alae mediocres, caudam dimidium non attingentes; remiges 
primi ordinis novem, 1 = 5, 2 — 4, tertia omnium longissima. 

Cauda subemarginata, pro mole satis elongata. 

Pedes mediocres, oseinini, satis robusti, tarso vix conspicue 


190 Dr. @. Hartlaub: 


scutellato; digitus externus interno vix brevior; ungues valde Curvati, 
graciles. 

Species una: 

L. Batlloni, Oust. 

Diagn. Capite, collo et pectore superiore luteis, pileo non- 
nihil in aurantiacum vergente; pectore inferiore, epigastrio, ventre, 
subalaribus et subcaudalibus pallide cinerascentibus, ventre medio 
subrufescente-lavato; dorso, uropygio et supracaudalibus sordide 
cinereis; rectribus et remigibus fusco-nigricantibus, limbo externo 
flavo-virentibus; tectricibus alarum late flavo-virente-marginatis; 
rostro plumbeo-fuscescente, mandibula parum pallidiore; pedibus 
plumbeo-nigricantibus. (ad.) 


Tone. Tot. Meere 190 ME: 
EB ee eh! 
205 ira Ku Tl ee ar 
[O1 BE a see. 
EB A a u he 


Es wiederholt dieser Vogel in allen Hauptzügen die Färbung 
von Psittacirostra icterocephala. Aber das etwas unreine Gelb des 
Kopfes und Halses ist weit dunkler als bei dieser und zeigt auf 
dem Scheitel einen wenn auch noch so schwachen Strich in’s Orange- 
bräunliche. Das Mittelgrau des Rückens ist nicht ganz rein und 
hat undeutlich dunklere Beimischung. Das helle Grau des Unter- 
körpers ist namentlich längs der Mitte schwach fleischröthlich über- 
laufen. Im Gegensatze zu der sehr hellen Färbung von Schnabel 
und Füssen bei Zsittacirostra erscheinen diese Theile bei Zoxioides 
dunkel schwärzlich. Das beschriebene Exemplar ist ohne Bezeichnung 
des Geschlechts 

L. Bailloni stammt von Hawai und die Thatsache ist ge- 
wiss eine merkwürdige, dass auf dem räumlich so beschränkten 
und so isolirten Archipel der Sandwichinseln sich ein und dasselbe 
Färbungssystem wiederholt bei zwei zwar systematisch verwandten, 
‚aber generisch scharf von einander getrennten Formen. Trotz der 
so erheblich abweichenden Schnabelform (die bei Psittacirostra 
bekanntlich eine weit gestrecktere, schlankere und comprimirtere 
ist), trotz der verhältnissmässig weit kürzeren Flügel (die bei 
Psitt. die Schwanzmitte überragen), des verhältnissmässig längeren 
Schwanzes und der kürzeren Zehen bei Z.oxiordes kann meiner 
Ansicht nach hinsichtlich der nächstverwandschaftlichen Stellung 
dieses Vogels zu Psittacirostra kein Zweifel obwalten. Das Längen- 


Ueber einige seltene Vögel der Bremer Sammlung. 191 


verhältniss der grossen Schwungfedern zu einander ist bei beiden 
nahezu dasselbe. 

Wenn allerdings hinsichtlich der Stellung von Psittacirostra im 
System Zweifel obwalten konnten, so werden diese Zweifel um Vieles 
verringert durch den frappant fringillinen Eindruck von Zoxiordes. 
Mit Oustalet placiren wir beide Gattungen bei den Finken und zwar 
nicht allzuweit von Pyrrhula und Orueirostra. Wir können also die 
kürzlich auch von Wallace acceptirte Ansicht S. L. Sclater’s, der 
Lozxiordes und Psittacirostra mit Drepanis, Hemignathus uud Loxops 
in eine der Sandwichgruppe eigenthümlich angehörende Familie 
Drepanididae vereinigen möchte, jedenfalls nicht eher acceptiren, 
als bis eine nähere Vergleichung des Sceletts und der Weichtheile, 
namentlich der Zunge (Pinselzunge?) ihr entscheidendes Wort ge- 
sprochen haben wird. Hemignathus mit Loxioides? Nein, das 
heisst doch unseren vielleicht etwas antiquirten Anschauungen zu 
viel zugemuthet. 

3. Strix Oustaleti, n. 

Proceed. Z. S. 1879 p. 

Man kannte bisher nur eine Art von Schleiereulen als die 
Inselgruppen des stillen Oceans bewohnend, nämlich die Lulu-Eule 
(Strix delicatula, Gould.) Diese Eule ist bekanntlich über den 
ganzen Continent Australiens verbreitet und wiederholt sich auf 
den Gesellschaftsinseln, dem Tongaarchipel, der Viti- und der Samoa- 
gruppe sowie anf den neuen Hebriden. Sei es hier beiläufig be- 
merkt, dass wir die neuerlichst von Sharpe acceptirte Ansicht 
Schlegel’s von der speciellen Zusammengehörigkeit von Str. delica- 
tula mit Str. flammea sowie überhaupt von der kosmopolitischen 
Verbreitung dieser letzeren keineswegs theilen. Die Vergleichung 
zahlreicher Exemplare von Exemplaren der Lulueule von den ver- 
schiedensten Localitäten hat uns im Gegentheil von der Eigenartig- 
keit derselben überzeugt. 

Sehr überraschend erschien uns nun vor Kurzem der Anblick 
eines schönen Pärchens einer von Vitilevu stammenden, von Sir. 
delieatula aber toto coelo verschiedenen Schleiereule, hinsichtlich 
deren Herr D. Schmeltz, der rühmlichst bekannte Curator des 
Museums Godeffroy in Hamburg, unsere Ansicht zu erfahren 
wünschte. Dieses Pärchen war an den Ufern des Wai-manu, einem 
Confluenten des Rewa-Flusses geschossen worden und ist mögilcher- 
weise dieselbe Art, deren in einer Note Layard als von seinem 


19 m nl) Dr @liHlartlaub: 


el 


Sohne und Anderen gesehen gedenkt. Sie figurirt in seinem Ca- 
taloge der Vitivögel (Ibis, 1876, p. 391) unter dem Namen „Otus?“. 

Wir beschreiben diese neue Schleiereule, dienach dem würdigen 
Nachfolger J. Verreaux’s an der Pariser Sammlung, Herrn Dr. Ous- | 
talet, zu benennen wir uns beehren, wie folgt: 

Altes Männchen: 

Oberseite: Auf dem überall durchscheinenden fahlröthlichen | 
Grundcolorit bemerkt man grössere dunkelbraune Partien, auf 
welehen kleine, unregelmässig rundliche, dunkelgesäumte weisse I 
Flecke stehen. Diese Flecke sind auf dem oberen Theil des Rückens 
noch kleiner, dabei etwas länglicher und unreiner weiss, überhaupt 
undeutlicher. Gesichtsscheibe auf weisslichem Grunde braunröthlich | 
überlaufen und tief dunkelbraun umrandet. Vor jedem Auge ein 
schwarzbrauner Fleck. 

Flügel. Schwungfedern 1. Ordn. nebst deren Deckfedern 
auf der Aussenfahne hellrostfarben, nur längs des Randes schwärz- 
lich vermiculirt mit schwarzen Bindenflecken, der Spitzentheil breit 
schwärzlich; Innenfahne vom Schafte aus nach dem Rande zu von 
hellroströthlich zu weiss abschattirt mit drei breiten schwärzlichen 
Bindenflecken; die Innenseite der Primärschwingen weisslichfahl, 
nach der Spitze zu röthlicher; kleine Deckfedern auf schwärzlichem 
Grunde mit kleiner weisser Rundfleckung; Schulterfedern ähnlich 
den Schwungfedern 1. Ordn., der. Spitzentheil der Aussenfahne mit 
brauner Vermiculirung, die letzte auf dem breiten braunen Spitzen- 
theil mit kleinen weissen Flecken. Innere Flügeldecken weiss, 
ziemlich dicht mit grösseren schwärzlichen Rundflecken besetzt, 
längs des Flügelrandes röthlich, die längsten mit breit schwärzlicher 
Spitze. 

Schwanz. Mittlere Steuerfedern hellfahlröthlich mit 3—4 
ziemlich schmalen schwarzen Binden und breitem schwärzlich ge- 
mischtem Spitzenfleck; die seitlichen heller, vielmehr weisslich 
mit röthlichem Anflug längs der Mitte; der Spitzensaum aller un- 
regelmässig weisslich. 

Unterseite. Lebhaft hellroströthlich mit kleinen rundlichen 
oder etwas in’s Dreieckige ziehenden schwärzlichen Flecken mässig 
dieht besezt; Hinterleib, Steissgegend und Schenkel ungefleckt 
weisslich; untere Schwanzdecken hellfakl, nach der Spitze zu mit 
spärlicher undeutlicher Fleckung; Tarsus auf der oberen Hälfte 
mit dichter kurzer weissröthlich wolliger Befiederung. 


Ueber einige seltene Vögel der Bremer Sammlung. 195 


Schnabel hornweisslich. Füsse hell; die Klauen hellhorn- 
bläulich. 


Ganze Länge circa . . . . . 37 cent. 
Birsh en eine 90. RBB TE 
Elüselus:.,.... 33 cent. (26—27 c. delic.) 
Schwanz . . RR... rn 
Mittelzehe (ohne x). ea 2 DOM. 


Tarsus . . . 81 mill. (60—62 m. del.) 
Weibchen. Kleiner, untenher heller mit kleinen und weniger 
deutlichen Flecken; innere Flügeldecken reiner weiss, aber gefleckt 
wie beim Männchen; auch obenher etwas matter und heller mit 
verhältnissmässig us grösserer Fleckung; Schwung- und Steuer- 
federn in allen Tönen etwas heller. 


Ganze Länge circa . . 35 cent. 
Bluse: 55 a Bl 
ars ne 9 n 


” 
Wie schon bemerkt, sind die Unterschiede in der Färbung 


von Strix Oustaleti und Strix delicatula so bedeutend, dass es 
hier in der That nur des Hinweises auf dieselben bedarf. Ganz ab- 
gesehen aber davon ist der Bau beider Schleiereulen ein proportionell 
sehr verschiedener, indem Flügel und Tarsen bei Sir. Oustaleti be- 
deutend länger sind als bei Sir. delicatula. 

Dagegen zeigt auf den ersten Blick Str. Oustaleti viel Aehnliehes 
mit der hellen Farbenstufe von Sir. novae Hollandiae (personata). 
Diese letztere ist indessen ein im Grossen und Ganzen stärker gebau- 
ter Vogel mit wesentlich kräftigeren Füssen und Schnabel. Dem 
gegenüber erscheinen Flügel und Tarsen verhältnissmässig länger 
bei Str. Oustaleti. Bei Sir. novae Hollandiae ist der Tarsus bis 


zu den Zehen hinab mit dichtem weissem Daun bekleidet; bei Sir. 


Oustaleti trägt dagegen nur die obere Hälfte desselben ein ziemlich 
spärliches Wollgefieder; die untere ist nackt. 
Auch die Färbung beider Arten zeigt erhebliche Unterschiede. 


Von der feinen weissliehen Vermiculation auf den oberen Partien 


bei Str. novae Hollandiae ist bei Str. Oustaleti keine Spur zu bemerken. 


Ebenso wenig zeigt diese letztere die an’s Bindenartige grenzende 
Formveränderung der Flecken’ auf den Bauchseiten, wie bei Str 


nov. Holl. Die Zahl der dunklen Bindenflecke auf den Schwung- 
"und Steuerfedern ist 6 bei dieser letzteren Art, 3—4 bei Sir. Ou- 


Be en, a£ 


taleti. Sehr verschieden ist noch die Färbung des Schwanzes bei 
beiden Arten. Bei Str. novae Holl. erscheinen die hellen Inter- 
Cab. Journ. f. Ornith. XXVII. Jahrg. No. 146. April 1879, 13 


194 Neumann: Colonie von Zarus ridibundus. 


stitien der Steuerfedern dicht braun und weisslich gemischt, bei 
Str. Oustaleti! dagegen fahlröthlich und ohne alle Zeichnung. End- 
lich ist der Spitzentheil der Schwingen 1. Ordn. grob gemischt 
in Braun und Weisslich bei Sir. nov. Holl., einförmig schwärzlich- 
braun dagegen bei Str. Oustaleti etc. etc. Es kann also auch 
zwischen diesen beiden Arten von einer Verwechselung keine 
Rede sein. 

Das Vorkommen von zwei Arten von Schleiereulen auf einem 
auch nur annähernd so beschränktem Gebiete wie die Insel Viti- 
Levu steht durchaus vereinzelt da. 

Das hier beschriebene Pärchen von Strix Oustaleti ziert das 
an naturgeschichtlichen und ethnographischen Seltenheiten aller 
Art so reiche Museum Godeffroy in Hamburg. Soviel uns bekannt, 
sind diese beiden Vögel bis jetzt die einzigen nach Europa gelangten. 


Ueber die Adelsdorfer Colonie von Larus ridibundus 


bemerkt Herr Neumann in Grossenhain (Sachsen): „Am 8. April 
war die Colonie vollständig besetzt, d. h. von ca. 2000 Lachmöven. 
Die Mehrzahl verlässt früh am Tage den Brutplatz und streicht den 
Tag über in der Umgegend umher; sie setzen sich gern an Wasser- 
gräben und an Vertiefungen der Wiesen, wo sich noch schlammige 
Ueberreste vom Winterwasser befinden, folgen dem Landmann hinter 
den Ackerpflug und kehren Abends unter lautem Geschrei zurück. 


Vom 8. April an -begann der Bau des Nestes. Am 17. April | 


wurden die ersten Eier gefunden. Das Sammeln derselben wird 
vom Jagdpächter alle 3 Tage wiederholt; am 21. April wurden 
243 Stück, am 6. Mai die letzten, gegen 400 Stück, gesammelt. 


In den Nestern, welche 3 Eier enthielten, liess man diese zum | 
Ausbrüten liegen. Als die Vögel Junge hatten, bewiesen sie eine 


ungemeine Fürsorge und Aengstlichkeit; sie umschwärmten uns, 
als wir am Teiche standen, mit ängstlichem Geschrei, und ver- 
folgten uns bei unserm Weggange in Schaaren die Hälfte des 
Weges zur Stadt. Wenn die Jungen flugbar werden, verlassen 


sie zum grössten Theil die Colonie, und beim Beginn der Enten- | 


jagd (1. Juli) gewahrt man sie nur noch einzeln auf dem Teich. 
Von nun an sieht man sie bloss noch in mehren Familien bei- 
sammen auf den Fluren und Wiesen, bis sie nach und nach ver- 
schwinden. Am 2. October wurden die letzten bemerkt“. 


N 


Dr. J. A. Palmen: Zur Discussion über die Zugstrassen. 195 


Zur Discussion über die Zugstrassen. 
von 


Dr, J. A. Palmen. 


Bei der Besprechung meiner Arbeit über die Zugstrassen der 
Vögel hat Herr Eug. v. Homeyer (Journ. f. Orn. 1876 S. 387 und 
1878 S. 113—126), im Wesentlichen damit übereinstimmend, Einiges 
berichtigen und andere Theile weiter ausführen wollen. Ich erlaube 
mir einige Worte daran zu knüpfen. 

„Was nun“, sagt E. v. H. (S. 388), „die Zugstrassen des Ver- 
fassers anbelangt, so mögen dieselben für manche Vogelarten richtig 
sein, aber nach meinen Beobachtungen sind sie es nicht für alle, 
überhaupt nicht so ausschliesslich, als der Verf. dies anzunehmen 
scheint, namentlich nicht für die Landvögel.“ Diese Zeilen geben 
dem Leser die Vorstellung, als hätte ich allgemein gültige Zug- 
linien angegeben, von denen einige, wenigstens unter denen der 
Landvögel, unrichtig wären. Indessen sind in meiner Arbeit die 
Strassen überhaupt nur für wenige Arten geographisch bestimmt 
und für andere Gruppen nur approximativ angegeben; diejenigen 
der Landvögel hingegen sind gar nicht behandelt worden, sondern 
nur als von den topographischen Bodenverhältnissen abhängig 
hervorgehoben. Es war nämlich nothwendig, die planmässige Be- 
“ arbeitung des Themas mit der dazu geeignetsten Gruppe anzu- 
fangen, und die Untersuchung der übrigen Arten, weil sie allein 
schon Bände füllen würde, nur vorläufig (Cap. VI) zu behandeln oder 
gänzlich bei Seite zu lassen (S. 192. 193), sollte nicht die Ueber- 
sichtlichkeit des Untersuchungsganges und der theoretischen Re- 
sultate verdeckt werden. Bei dieser Sachlage bleibt es mir un- 
verständlich, welche in meiner Arbeit angegebenen Zugstrassen 
E. v. H. eigentlich als unrichtig bezeichnen will. (Ueber die Gott- 
landsstrasse siehe unten.) 

„Um die Strassen zu bestimmen“, fährt E. v. H. (8. 388, resp. 
120) fort, wäre es vor allen Dingen nöthig, die Localformen der 
Arten genau zu unterscheiden.“ Die Wichtigkeit dieses Mittels 
_ habe ich keineswegs unterschätzt, sondern wiederholentlich (S. 203, 

206, 247— 248, 263—264) betont. Mir scheint jedoch die Orientirung 
in unserer Frage gegenwärtig nicht von gelegentlich ermittelten Local- 
formen abhängig zu sein. Es fragen nämlich noch die wenigsten Be- 
obachter nach diesen Formen, wie oft auch ihre Wichtigkeit, eben für 


die Migrationsfrage, hervorgehoben wird. Wenn auch einzelne Arten 
13* 


196 Dr. J. A. Palmen: 


einmal in dieser Beziehung genauer beobachtet werden, muss man 
anfangs jede Angabe sehr kritisch aufnehmen, weil die Combination 
nur analoger, anstatt völlig identischer, Localformen zu falschen 
Schlüssen führen würde. Ein umfangsreicheres Material wird noch 
lange fehlen; aber die Bearbeitung der Zugstrassen kann nicht so 
lange auf sich warten lassen. Gegenwärtig sind wir also aus 
praktischen Gründen darauf angewiesen, die Frage dureh methodische 
Untersuchung der geläufig sogenannten Arten weiter zu fördern 
und die Localformen nur nebenbei zu benutzen. 

Aber sind einmal die Strassen einer „Art“ festgestellt, dann 
kommen ihre Localformen in nähere Betrachtung; und dann werden 
wir in den bereits ermittelten Zugstrassen der Collectivart ein 
Mittel haben, einige der angedeuteten falschen Combinationen zu 
berichtigen, sowie auch bisher unbeachtet gebliebenen Formen 
methodisch auf die Spur zu kommen. In Bezug auf diesen Punkt 
möchte ich den über die Zugwege bereits erlangten Resultaten 
einen nicht unerheblichen praktischen Werth beimessen, und erlaube 
mir eben deswegen, hier auf das Bezügliche in meiner Arbeit über 
die Zugstrassen durch kurze Recapitulation aufmerksam zu machen. 

Die daselbst gegebene theoretische Vorprüfung der Constanz 
einer Art an ihren verschiedenen Zugwegen (S. 246—253) ergab, 
dass wir an jeder Strasse eine speciell angepasste Form erwarten 


können, sofern (8. 254—262) die Entstehung solcher nicht durch 


wiederholte Vermischung mit Individuen aus den Nachbarstrassen 
gestört ist. Wenn solche geographisch vikariirende Zugstrassen- 
Formen einer „Art“ vorhanden sind, müssen sie sich (S. 262—264) 
herausstellen durch Vergleiche erstens von Individuen (resp. 
Alter und Geschlecht) aus successiven Strecken einer und derselben 
Strasse, und zweitens von den somit festgestellten Zugstrassen- 
Formen. Als Ergebniss der Vergleichung kann sich zeigen, dass 
differente Formen factisch vorkommen, die zwar für jede Strasse 
constant sind, aber unter sich Uebergänge bilden. Hätte man nun 
dieselben Exemplare ohne Rücksicht auf die resp. Strassen ver- 
glichen, so hätte man sieher nicht die constanten Differenzen auf- 


gefunden; vielmehr müsste man in den Uebergängen fälschlich 


Belege für die Unberechtigung einer Spaltung der Art in mehrere 


Formen annehmen. Darin dürfte ein Umstand liegen, welcher 


der Anerkennung der zahlreichen Subspecies des Altmeisters 


C. L. Brehm entgegengewirkt hat. Sein Scharfblick genügte, unter- \ 
scheidende Merkmale bei wenigen Exemplaren auffindig zu machen, 


Die A 


Zur Discussion über die Zugstrassen. 197 


wo Andere ein grösseres Material nöthig haben. Erst bei 
monographischer Bearbeitung und methodischen Vergleichen von 
Exemplaren aus möglichst vielen Orten können die geographischen 
Subspecies nachgewiesen werden. In ähnlicher Weise sind auch 
anderartige Localformen zu untersuchen. — Ich kann daher E. 
v. Homeyer nur mit vollster Ueberzeugung zustimmen, wenn er 
auf genaues Studium der Localformen dringt. 

In seinem eitirten Aufsatze widerspricht E. v. Homeyer meiner 
„Annahme, dass die Strasse von Gottland nach Hinterpommern 
führt. Nach der Karte müsste dieselbe fast genau auf meinen 
Wohnort treffen, und dies ist sicher nicht der Fall“. Er scheint 
auf diese Berichtigung Gewicht zu legen, denn im Journal 1878 
betont er noch zweimal (S. 113 und 121), dass die „secundäre 
Strasse von Gottland“ nicht existirt. — Auf meiner Karte ist diese 
Zuglinie allerdings gezeichnet, wie viele andere fluviolitorale 
Wege; im Texte hingegen sind nur wenige derselben speciell er- 
wähnt worden, und zwar die Gottlandsstrasse gar nicht.*) Nun 
sind aber alle Wege dieser Kategorie nur schematisch 
auf der Karte gezeichnet, wie ich auf den S. 183, 184 angegeben 
habe. Das Schema ist im Speciellen weniger oder gar nicht exact, 
manchmal sogar nur andeutend; es wurde aber deswegen nicht 
weggelassen, weil es die Vergleichung dieser Kategorie von Wegen 
mit den genau nachgewiesenen Wegen der anderen etwas erleichtert. 
So ist die Linie von Gottland nur aus Zufall in die Richtung 
gegen Hinterpommern gefallen; nach E. v. Homeyer’s eben eitirter 
‚Mittheilung zu schliessen, geht der fluviolitorale Zugweg von Gott- 
land gegen Oeland, Bornholm und Rügen. Diese Berichtigung ist 
jedoch nur eine locale und hat keinen Einfluss auf die allgemeine 
Auffassung der Frage oder sonst auf die wissenschaftlichen Schluss- 
folgerungen der Arbeit. 

Dieselbe Bemerkung über die Gottlandsstrasse wird aber da- 
durch weniger schwerwiegend, dass E. v. H. gleich nachher (S. 122) 
hinzufügt, das „Gesagte beziehe sich im Wesentlichen mehr auf die 
Land- als Wasservögel.“ — Die Bemerkung sollte sich also weniger 
auf diejenigen Vogelgruppen beziehen, für welche ich die besprochene 
Linie eben notirt habe (der fluviolitoralen Zugvögel), sondern auf 


*) Ich habe nur ($. 185) ganz im Allgemeinen gesagt: „An der Ostsee 
folgen die (nordischen) Schaaren den Inseln oder Küsten in nord-südlicher 
Richtung bis zu den deutschen Küsten“, 


& er Sa 


1985 Dr. J. A. Palmen: 


solche Arten (Landvögel), über deren Weg aus Gottland ich in der 
That nichts gesagt und keinen Weg gezeichnet habe. 

Wie schon angegeben, bezeichnet E. v. H. diese Gottländische 
Strasse zweimal als eine „secundäre“ Strasse. Was unter „seeundär“ 
hier zu verstehen ist, wage ich nicht zu entscheiden. Dem ver- 
ehrten Verfasser kann ich nämlich nicht zumuthen, einen Haupt- 
gesichtspunkt meiner Arbeit übersehen zu haben, wie dies mir von 
Seiten Anderer thatsächlich vorgekommen ist. Da solche Miss- 
verständnisse, meiner Erfahrung nach, jedoch häufig sind, benutze 
ich die Gelegenheit, sie hier zu besprechen. 

Beim Durchsehen meiner Arbeit lässt sich Mancher nur mit 
der Karte begnügen, ohne die eingehende Discussion des Gegen- 
standes im Texte genügend zu beachten. Man bekommt dann 
leicht die falsche Auffassung, es seien einige Linien (die roth- 
gedruckten) Hauptwege, wo die Mehrzahl Vogelarten und In- 
dividuen zögen, andere hingegen (die schwarzpunktirten) nur 
Nebenwege, secundäre Strassen, längs welchen geringere 
Massen auftreten. — Indessen geht aus der ganzen Behandlung 
meines Themas deutlich hervor, dass die verschieden gezeichneten 
Linien versehiedenartige Zugwege vorstellen, und dass jede 
dieser Wegarten von resp. Vogelarten (Varietäten, Localformen) 
besucht wird. Die Arten, welche gleichartige Wege verfolgen, bilden 
zusammen eine Kategorie von Zugvögeln. 

Vor Allem muss man nun diese Kategorie von Zugvögeln und 
die resp. Gruppe von Wegen klar auffassen; oder man darf sie 
wenigstens nicht mit anderen, wenn auch ähnlich benannten, Vogel- 
gruppen verwechseln. Sind z. B. gewisse Wege als litorale 
bezeichnet, so fällt die entsprechende Kategorie von Zugvögeln je- 
doch keineswegs mit der schlechthin als „Strandvögel“ be- 
zeichneten Vogelgruppe zusammen. Die übrigen Zugvogelkategorien 
sind eben so wenig äquivalent mit den sogenannten „Wasser-, 
Sumpf- und Landvögeln“. Mit diesen geläufigen Namen bezeichnet 
man nämlich die Vögel mit Rücksicht vorwiegend auf ihre Aufent- 
haltsorte während des Brutgeschäftes. Aber diese Localitäten fallen 
mit denen der Zuglocalitäten nicht immer zusammen, wie ich 


(Zugstr., Cap. VII) auseinandergesetzt habe. Verwechselungen dieser ] 


Termini sind leider sehr häufig, und sie werden jede wissenschaft- 


liche Discussion der Zugfrage sehr erschweren, weil sie überall zu 
Missverständnissen Veranlassung geben. — Nur nebenbei will ich 
hier bemerken, dass die Zugvogelkategorien auch bisweilen mit 


g 


en DEE 


Zur Discussion über die Zugstrassen, 99 


Gruppen der Systematik verwechselt werden, was aber nur bei 
gänzlichem Mangel an Kritik geschehen kann. 

Meine Eintheilung der Vögel ist ausschliesslich davon bedingt, 
welche Eigenschaften (Qualität) ihre Zugwege zeigen, natürlich 
bei Berücksichtigung je einer Art für sich und ihrer Wege in der 
ganzen geographischen Ausdehnung. Diese Eintheilung kann mithin 
keine quantitative Subordination einer Kategorie unter eine andere 
bedingen. Also ist keine Strasse als Hauptstrasse zu bezeichnen, 
weil sie eine marine, und keine als secundäre, weil sie nur eine 
Huviolitorale Strasse ist. Denn die Benennungen Haupt- und 
secundäre Strassen beziehen sich auf quantitative, nicht auf quali- 
tative Eintheilungsgründe. 

Nimmt man aber bei der Vergleichung mehrefer Zugstrassen 
die Frequenz der Besucher (Quantität) als Gesichtspunkt, so 
können Haupt- und secundäre Wege unterschieden werden, aber 
aber auch dann nur relativ. Wenn z. B. die Vogelarten einer 
Gegend divergente Wege einschlagen, gehören sie wohl meistens 
verschiedenen Kategorien an; ist nun eine dieser Strassen mehr 
besucht als die anderen, weil die Zusammensetzung der Vogelfauna 
es so bedingt, so lassen sich allerdings diese Strassen als Haupt- 
weg, die übrigen als secundäre Wege bezeichnen. Es geschieht 
dann aber nur mit Rücksicht auf die betreffende Gegend, und die 


_ Benennungen lassen sich nicht verallgemeinern. Denn in den Nachbar- 


gegenden kann umgekehrt dieselbe Kategorie ärmer sein, und eine _ 
andere würde hier als Hauptweg zu betrachten sein. Die Bezeich- 
nung ist also in diesem Falle nicht nur wenig aufklärend, sondern 
kann auch leicht irre führen. Denn eben durch unberechtigte Ver- 
allgemeinerungen eines solchen Thatbestandes in einer begrenzten 
Gegend sind Ausdrücke entstanden, die jeden Fortschritt unmöglich 
machen, wie: die „Hauptrichtung des Zuges“, wobei man für eine 
Art eine „normale“ Richtung annimmt, ohne zu bedenken, dass 
jede Richtung in ihrer Weise normal sein kann (vergl. Zugstr. 
S. 287, 288); ebenso „Hauptheerstrasse“, wobei andere Strassen 
etwa als Ausnahmefälle aufgefasst werden können, u. S. w. 

Etwas exacter lassen sich Wege als Haupt- und secundäre 
Strassen bezeichnen, wenn es sich um alle Einzelwege einer ein- 
zelnen Vogelart handelt. Hauptwege sind dann diejenigen, welche 
aus Gegenden der Brütezone kommen, wo die Art häufiger brütet, 
während die secundären Wege spärlicheren Quellengebieten ent- 
springen. 


200 Dr. J. A. Palmen: 


Recht eigentlich schliesslich lässt sich ein Weg secundär be- 
nennen, wenn er eine unmittelbare Abzweigung eines häufiger be- 
suchten Weges derselben Kategorie, also einer Hauptstrasse, ist 
und letztgenanntem einen Theil der ziehenden Schaaren entzieht. | 

Zu der Zeit, wo man über die Gesetzmässigkeit der Züge 
nichts wusste, konnte es begreiflich sein, dass die Besprechungen 
darüber unklar, die Ausdrücke nicht präcis waren. Jetzt aber 
gestaltet sich die Sachlage anders. Wir sind nunmehr gezwungen, 
den Inhalt der Worte genauer abzuwägen. Ausdrücke wie „Heer- 
strassen“, „Hauptheerstrassen“ (vergl. Zugstr. S. 284—287,) „All- 
gemeine Zugrichtung“ und „Normalrichtung des Zuges“, „Die Zug- 
richtung einer Art“ (anstatt Zugstrasse derselben) u. s. w. dürften 
nur in einem ganz bestimmten Sinne angewendet werden, sollen 
sie sonst recht verstanden werden können. Relative Begriffe, wie 
Haupt- und secundäre Strassen, sind auch nur am rechten Platz 
zu brauchen. Und ebenfalls ist es anzurathen, so unbestimmte 
Ausdrücke gänzlich zu vermeiden, wie: die Richtung, in welcher 
„die Vögel“ (ohne jegliche nähere Bestimmung) aus einem Gebiete 
ziehen, oder die Zugstrasse „mancher örtlicher Vögel“. Mit solchen 
Worten hat man offenbar gar nichts gesagt, und die exacte Prüfung 
der Frage eben so wenig gefördert. Es muss von namhaft ange- 
gebenen Arten resp. Kategorien von Zugvögeln und von bestimmten 
geographischen Orten gesprochen werden, und Termini techniei dürfen 
ebenfalls nicht unter einander geworfen werden, soll sich sonst 
ein sicheres Resultat durch die Discussion der Frage herausstellen. 
Bei der Mittheilung neuer zu Material dienender Einzelthatsachen 
liegt darauf nicht immer so grosses Gewicht; wer aber zur Lösung 
des wissenschaftlichen Problems, zur Erkenntniss der ganzen Er- 
scheinung beitragen will, der muss den zeitgemässen Anforderungen 
auf Präcision entsprechen. Ich habe dies aussprechen wollen, weil 
die Ornithologie bekanntlich mit Interesse von einer grossen 
Menge nützlicher Mitarbeiter getrieben wird, welche als Dilettanten 
weniger kritisch verfahren. Die Lösung des umfassenden Problems 
kann davon leicht abhängig werden, ja sogar, auf Irrwege gebracht, 
vorläufig ersticken, wenn nicht aufmerksam von allen Seiten darauf 
geachtet wird. 

Ich kehre aber zu dem Aufsatze des Herrn v. Homeyer zurück 
und habe dann (1876, S. 390) das häufigere Auftreten sibirischer 
Landvögel in Süddeutschland zuzugeben. Jedoch möchte ich nicht 
dem Verf. (1878, S. 121) zustimmen, dass sogar eine „Hauptzug- 


Zur Discussion über die Zugstrassen. 201 


strasse“ aus dem Osten Vögel durch das Donauthal nach dem 
südlichen Frankreich und bis an das Mittelländische Meer führen 
sollte. So lange die Beweisführung dieser Ansicht nicht vorliegt, 
sind Gegenbeweise meinerseits nicht nöthig. Wie interessant diese 
Frage auch sein mag, kann derselben, als einer zu frühzeitigen, 
nur ein secundäres Interesse zugesprochen werden. Denn vor dieser 
Frage muss diejenige über die normalen Strassen der Landzug- 
vögel*) überhaupt, wenigstens in Central-Europa, ermittelt werden. 
Nach meiner Auffassung liegt nämlich dem Auftreten der ange- 
deuteten östlichen Land-Zugvögel in den südlichen Theilen von 
Deutschland und Frankreich nur Deviation zu Grunde Es 
ist dies mithin als Ausnahme von der Regel zu betrachten, die 
allerdings alljährlich passiren kann, aber den normalen Zügen 
nicht gleichwerthig ist. Ehe man diese Ausnahmen erklären kann, 
muss man das Regelmässige klar erkannt haben. Aehnliche Bei- 
spiele von ofienbar verirrten litoralen Zugvogelarten aus dem 
fernen Osten her habe ich in den Zugstrassen (S. 221 — 226) zu 
deuten versucht, und ich bin überzeugt, dass diese Erklärung 
nicht unrichtig ist. 

Auf der Seite 390 (Journ. 1876) stimmt E. v. Homeyer meinem 
Capitel über den sogenannten Zuginstinkt zu, möchte aber dies 
weiter ausführen. Zu der eigenen Erfahrung, welche die Vögel 
ursprünglich auf den Zug brachte und sie leitete, soll mit der 
Zeit noch die angeerbte Gewohnheit gekommen sein, welche 
heute das einzig regulirende Hauptmoment der Züge sei; diese 
allein soll die jungen Vögel leiten, welche (S. 120, Journ. 1878) 
bei einigen Arten ohne Leitung der Alten wandern. Mir ist es 
nicht ersichtlich, in welcher Weise dieses eine Weiterausführung 
meiner Darstellung wäre. Denn auf der S. 276 meiner Zugstrassen 


*) E. v. Homeyer sagt (Journ. 1876. S. 389): „Die Landvögel halten 
ihre Strassen nicht so genau, wie die Strandvögel, namentlich wenn sie 
über weite Länderflächen ziehen, und ihr Zug nicht durch Meere und Ge- 
birge bestimmt wird ; “ ete. Ich habe die Strassen der Land- und Sumpf-Zugvögel 
im Allgemeinen derart dargestellt ($. 159—193), dass sie verzweigte Gürtel- 
netze, bisweilen von grosser Breite bilden, welche (wie die linienförmigen 
litoralen Wege) von verschiedenen topographischen Momenten (Meere und 
Gebirge) begrenzt werden. So lange nun die Land- Zugvögel, wie es die 
Regel ist, sich innerhalb dieser Grenze halten, so halten sie, meine 
ich, ihre Strassen eben so genau, wie je die litoralen Zugvögel. Nur 
liegt der Unterschied vor, dass die Strassen der Land- Zugvögel mehr ver- 
zweigt- sind und also den Individuen eine grössere Auswahl von Neben- 
wegen darbieten. 


", R Fh ! 


202 Dr. J. A. Palmen: 


habe ich eben von dieser „traditionellen Herädität, d.h. von einer 
Uebertragung oder Vererbung von Gewohnheiten“ gesprochen. Ich 
bin aber der Ansicht, dass die Annahme angeerbter Gewohnheiten 
allein für sich nur in der Luft schwebt, wenn nicht auch der 
körperlichen Herädität Rechnung getragen wird. Bei der Er- 
ziehung jedes Individuums kommen beide zusammen zum Vorschein. 
Angeerbt dürfte wohl kein Individuum die Gewohnheit regelmässig 
zu ziehen besitzen, noch weniger seine Strassen vorher genau zu 
kennen. Aber folgen die Jungen nicht ohnehin ihren Eltern, 
sondern ziehen allein, so haben sie doch bei der Erziehung die 
nöthigen Vorbedingungen zum Zuge gelernt: sie haben gelernt, 
wie diejenigen Aufenthaltslocale beschafien sind, wo sie Nahrung 
auffinden, und was dazu geeignet ist. Auf diese Kenntnisse sind 
sie dann angewiesen, wenn sie sich auf eigene Faust in die Welt 
begeben und ihre Reise anfangen. Die geographische Lage der 
anziehenden Oertlichkeiten zeigt ihnen dann von selbst die Strasse, 
sei es nun dass sie der Küste, engbegrenzten Thälern oder breiten 
Feldern folgen. Wenn sie hierbei nun auch nicht immer den 
besten Weg einschlagen, so wählen sie doch meistens einen nicht 
ungünstigen. In dieser Weise ist mir die angeerbte Gewohnheit 
als Ursache der Züge fasslich, während sie allein als Hauptmoment 
ziemlich als leeres Wort dasteht. f 

Die mehr oder weniger berichtigenden Bemerkungen E. v. Ho- 
meyer’s scheinen mir alle von dem einzigen neugegebenen ($. 388) 
Gesichtspunkt aufgewogen zu werden, demjenigen über die zweierlei 
Stationen, die Sammelstationen und die Raststationen. 
Beide haben für den Zug eine verschiedene Bedeutung, obgleich 
ich auf diesen Punkt in meiner Arbeit nicht aufmerksam gemacht 
habe. Die’ Sammelstationen bilden die Ausgangspunkte des Weges 
der resp. Individuen, und haben daher für den Gang des Zuges 
die geringere Bedeutung. Grösseres Gewicht liegt auf den Rast- 
stationen, deren Beschaffenheit und geographische Lage eben die- 
jenigen der Strasse selbst bilden; und von ihnen ist ebenfalls die 
zeitliche Continuität des Zuges abhängig. Habe ich diese Stationen 
nicht speciell hervorgehoben, so ist ihre Existenz doch als natür- 
lich vorausgesetzt, und es ist sogar (S. 171, 172) angedeutet, dass 
Raststationen verschiedener Art vorhanden sind. Normale Rast- 
stationen sind günstige Plätze mit Ueberfluss an Nahrung, an 
welchen die Individuen regelmässig ausruhen und sich erquicken 
können. Sind solche längs eines Abschnittes der Strasse reichlich 


Zur Discussion über die Zugstrassen. 203 


vorhanden, so zieht die Art hier nur langsam vorwärts; sie wird 
daher leichter beobachtet und erbeutet. Wo aber solche Ab- 
futterungsstationen auf längern Strecken fehlen, wird der Zug 
ohne Unterbrechung fortgesetzt, so lange die Individuen es aus- 
halten. Kommt endlich eine Localität, die für die Vogelart aller- 
dings als Station ungeeignet ist, aber dennoch zur Noth als Aus- 
ruheplatz benutzt werden kann, so wird sie nicht übergangen. 
So sind vereinzelte arme Oasen in der Wüste relativ vielbesuchte 
Raststationen*) aus Zwang. Inselchen (wie Helgoland) können 
eine Unmasse Arten, die man hier nicht erwartet hätte, alljährlich 
aufweisen. An solchen „Zwangsstationen“, die für andere Arten 
natürlich ganz normale Stationen sind, sind ebenfalls die erstge- 
nannten Arten leichter, wenn auch nur ganz kurze Zeit, zu beob- 
bachten resp. zu erbeuten; aber ihr Auftreten hängt nicht von 
denselben Gründen ab, wie das der normal rastenden Arten. — 
Es versteht sich, dass man die Strasse einer Vogelart nur nach 
ihren normalen Raststationen beurtheilen darf, denn sie allein 
sind für diese Art maassgebend; die Zwangsstationen werden von 
vielerlei Arten besucht und möchten also allein nur die Auffassung 
der einzelnen Zugwege trüben. Ueber das Verhältniss beider dieser 
Raststationen möchte ich ungefähr dasselbe sagen, wie (Zugstr. 
S. 284—287) über die sogenannten „Heerstrassen“ und die wirk- 
lichen Zugstrassen. 

Dieser Auseinandersetzung möchte ich einige Worte anschliessen, 
welche E. v. Homeyer’s Bemerkung gegen meine Untersuchungs- 
methode (Journ. 1878, S. 122) betreffen. Den Nachweis meiner 
speciell ermittelten Zuglivien (der auf der Karte roth gedruckten) 
habe ich darin gegeben, dass die Fundorte der resp. Arten in 
Reihen liegen, zwischen welchen die Vögel gar nicht oder nur zu- 
fällig beobachtet worden sind. Die bekannten Thatsachen lassen 
sich durch Annahme einiger diese Fundorte verbindenden Zug- - 
strassen in Zusammenhang bringen. E. v. Homeyer macht nun 
darauf aufmerksam, dass, „wenn Strandvögel selten in einem Lande 
gesehen werden, das nicht die Folge des Fehlens der Zugststrasse 
sei, sondern des Fehlens der Raststationen; und ein einzelner er- 
mattet gefundener Vogel braucht um deswillen noch nicht verirrt 


*) Hier könnte man auch der ganz zufälligen Ausruheplätze gedenken, 
welehe Schiffe im Meere bisweilen den ziehenden ermüdeten Schaaren 
darbieten. 


204 Dr. J. A. Palmen: F 


zu sein, sondern kann eben so wohl auf der directen Strasse er- 
müdet sein“. 

Wenn die allgemeine Gültigkeit dieser Bemerkung für die 
litoralen Zugvögel erwiesen wird, so fällt das unmittelbare Resultat 
meiner Untersuchung, die aufgezogenen Zuglinien dieser Arten. 
Und mit der Wegnahme der Prämissen fallen auch die gemachten 
theoretischen Schlussfolgerungen. Die Bemerkung ist also funda- . 
mentaler Natur und bedarf kritischer Prüfung. 

Es könnte zunächst möglich sein, dass ich Beobachtungen 
über die untersuchten Arten an Orten übersehen hätte, welche 
ohne Zusammenhang mit den gezogenen Zuglinien geblieben sind 
Diese Orte könnten Rastplätze darstellen, über welche zwei Nachbar- 
strassen frei mit einander communieirten. E. v. Homeyer hat mir 
aber keinen solchen Vorwurf der Vernachlässigung gemacht, son- 
dern giebt als Belege seiner Behauptung Folgendes: „Wenn man 
zur Zugzeit in stillen Nächten den Stimmen der wandernden Vögel 
lauscht, kann man sich sehr leicht davon überzeugen, dass die Zug- 
richtung der Strandvögel oft auch direct über weite Länderstrecken 
führt; ja auch am Tage kann man, aufmerksam gemacht durch 
die Stimme, oft Strandvögel — in kaum erkennbarer Höhe — 
ziehen sehen, in fester und stets in derselben Richtung, wo der 
Weg nothwendig über grosse Länderstrecken führen muss“. Dies 
ist Alles. { 

In diesen Worten kann ich keinen Beleg für die gemachte 
Bemerkung finden. . Vor Allem ist es hier nothwendig, Bezeich- 
nungen wie „Strandvögel“ zu vermeiden; denn es sind nur be- 
stimmte Arten speciell untersucht, und bei der Discussion dieser 
Resultate ist es nöthig, ebenfalls über bestimmte Arten zu sprechen. 
Ferner weiss ich nicht, ob man aus den „Stimmen“allein schliessen 
kann, welche Arten im Zuge sind. Zumal da bekanntlich (Zugstr. 
S. 202—207) sehr nahe verwandte vikariirende Formen einer Art ° 
verschiedene Wege einschlagen können, und bei der Beobachtung | 
mithin Alles auf die genaue Angabe der Art (resp. Form) ankommt. 
Bis die Thatsachen — und zwar unzweideutige — es erfordern, | 
hrauche ich also diese Einwürfe nicht für meine Untersuchungs- 
methode gefährdend zu halten. i { 

Sollte aber, wie es ja möglich ist, erwiesen werden, dass evi- 
dent litorale Zugvögel irgendwo in grosser Höhe das innere wasser- i 


EN . _ 
2. re ee re Br ee ee ee ehe ee en 


arme Land regelmässig überfliegen, ohne sich niederzulassen, so 
darf man solches nicht zu eilig verallgemeinern, sondern nur auf 


Zur Discussion über die Zugstrassen. 205 


die Gegend beziehen, wo die Art wirklich beobachtet wurde. Es 
erweist nämlich diese neue Thatsache nur, dass daselbst die nor- 
male litorale Strasse ausnahmsweise eine Strecke über das Land 
geht. Es ist dieses gar nicht wunderbarer, als dass typische Land- 
zugvögel hie und da weite Strecken über das Meer fliegen müssen, 
welche Localität doch sicher Niemand als ihre normale Strasse be- 
zeichnend angeben will. Man denke nur an die Wachtel am Mittel- 
ländischen Meere; ebenso ziehen die marin-litoralen Zugvögel 
(Anser torguatus, leucopsis) vom Weissen Meere bis zum Finnischen 
Meerbusen fern vom Meeresufer, und lassen sich sogar kaum an 
dem letztgenannten Binnenmeere nieder, sondern eilen weiter. 
Dergleichen gezwungene Uebergänge, ohne oder mit kaum 
benutzten Zwangs-Raststationen, können, wie ich oben angegeben 
habe, keinen sicheren Aufschluss über die normalen Züge geben. 
Eine Gruppe von Zugvögeln (die glac.-, pel.-, mar.- und submarin- 
litoralen) ist weniger geneigt, Beispiele von solchen Zwangsüber- 
gängen zu zeigen; andere (die fluviolitoralen) Zugvögel besitzen viel- 
verzweigte Zugwege, und sind ziemlich wenig präcis von bestimmten 
Nebenwegen abhängig; sie können daher auch meilenweit im Lande 
von einem Flussbette zum andern fliegen. Aber diese Uebergänge 
zeigen nicht das Charakteristische der fluviolitoralen Wege, wenn 
sie auch noch so zahlreich und alljährlich.besucht werden. Sobald 
daher irgend welche derartige Uebergangsstellen für bestimmte 
Arten nachgewiesen werden, die wegen Mangel an Beobachtung 
bisher übersehen worden sind, dann — aber erst dann — ist die 
Zeit, diese Lücke auszufüllen, und dann hat man auch nachzu- 
_ sehen, in wie weit diese Berichtigungen auf die bisher gemachten 
wissenschaftlichen Schlussfolgerungen einwirken mögen, um etwa 
nöthige Correctionen einzutragen. Eventuelle Neuentdeckungen 
werden wohl, meine ich, doch nicht die ganze Untersuchungs- 
methode zu Fall bringen; denn jene Uebergänge hätten, wenn sie 
überall vorkämen, sich kaum so verstecken können, dass nicht 
einzelne Individuen fast alljährlich den Zug bereits verriethen. 
Wenn ich im Vorhergehenden mir vorgenommen habe, E. 
v. Homeyer’s Aufsätze zu besprechen, habe ich es keineswegs des- 
wegen gethan, weil ich glaubte, schon meine Arbeit hätte die 
Frage erschöpfend behandelt. Vielmehr hat es mich gefreut, dass 
einer der erfahrensten Fachmänner in den wesentlichen An- 
schauungen meinen Resultaten zustimmt, und eine Discussion er- 
öffnet hat, welche den Gegenstand neu beleuchten wird, 


206 Hans Graf von Berlepsch: 


Bei solchen Fragen ist es ausserordentlich nützlich, wenn so- 


wohl die einzelnen Beobachter wie die wissenschaftlichen Bearbeiter 


des Materials das gesammte Thema in seinen einfachsten Zügen 
überblicken können. Jeder wird dann seinem Ziele bewusst nach- 
streben. Zu einem derartigen Ueberblick tragen Darstellungen 


bei, wie die „Ueber das Wandern der Vögel“ von Prof. 


Aug. Weismann.*) Ich erwähne dieses Schriftchen hier, weil es 
sicher vielen ornithologischen Mitarbeitern Einsicht in den inneren 
Zusammenhang des Ganzen darbietet, und weil das Interesse eines 
jeden für die eigenen Einzelbeobachtungen dadurch nur gesteigert 
werden kann. er 


Ueber ein neues Genus und neue Arten aus Sidameriea. 
Von 
Hans Graf von Berlepsch, 


A. Beschreibung eines neuen Genus aus Südamerica. 


7 Callithraupis (xaAlı = pulcher, Jocursis nom. prop.) genus 
novum Tanagridarum affıne generibus Pyranga, Lamprotes etc.: 


alis caudaque brevibus, cauda fere quadrata vel rotundata (nec 


gradata); rostro elongato crasso, maxilla in basi tumida, dein valde 
compressa (fere ut in generi Zan:o) apicem versus fortiter curvata 
et uncinata, dente finali distineto, tomiis integris; pedibus modicis, 
tarsis brevibus, unguibus brevissimis valde arcuatis; colore insolito, 
coeruleo et flavo, sexibus inter se dissimillimis. 
Typus: Callithraupis cyanictera (Vieill.) habitat: 
Cayenne. 
Pyranga cyanietera, Vieill. Nouv. Diet. D’Hist. Nat. 
XXVII (1819) p. 290 & Gal. Ois. pl. 81 (3 ad.) 
P. icteropus, Vieill. ibid. p. 291 (juv. sive 9) 
Tachyphonus chloricterus, Vieill. ibid. (juv. sive 2) 
Orthogonys cyanicterus, Selat. Tan. Cat. Spee. 8 & 


P. Z. 8. 1856 p. 122 (diser. & 2). Selat. & Salv. 


Nomenel. av. neotr. p. 22. 


& Supra laete coerulea: infra gutture toto ad medium pectus ; 


coeruleo, abdomine flavo, rostro nigro, pedibus flavis (Selater) 
? (sived juv.) supra coerulea, capite supra dorsoque coeruleo- 


viridi tinctis, superciliis latis a naribus inceptis, capitis lateribus 
corporeque subtus flavis, pedibus flavis (specim. in mus. Berlepsch 


Cayenne (nach Praep.) ex G.) Schneider — ex coll. Loche — ex 
Verreaux. 


*) Virchow-Holtzendorfis Sammlung gemeinverständlicher Vorträge. XII. 
Serie, Heft 291, Berlin 1878, 


ne a 


Ueber ein neues Genus und neue Arten aus Südamerica. 207 


| 2 sive juv. supra viridi nec coerulea (Vieill.) — Sclater („2“): 
\ „supra viridis caeruleo tincta“, 
) Sclater in P. Z. S. 1856 und Sclater & Salvin im Nomencl. 
‚av. haben diese Art als 2. Species zu Orthogonys gestellt. Der 
Typus jener Gattung O. virides (Spix) unterscheidet sich jedoch 
in allen seinen Gattungscharakteren so wesentlich von der soeben 
besprochenen Art (z. B. durch den stuffigen Schwanz und ganz 
‚andere Schnabelform), dass beide unmöglich in einem Genus ver- 
‚ einigt bleiben können. Da Pyranga cyanictera Vieill. auch nicht 
wohl in irgend einer andern der bekannten Gattungen unter- 
gebracht werden kann, so habe ich vorgezogen, für dieselbe ein 
neues Genus zu errichten. Die meiste Verwandtschaft zeigt Call- 
thraupis noch zu Pyranga, unterscheidet sich jedoch wesentlich durch 
den Mangel eines Zahnes in der Mitte der Schneide des Ober- 
schnabels, auch ist der Schnabel viel mehr gestreckt und compri- 
mirt etc. Manche Analogien zeigt Callithraupis auch zu Tanagra, 
Compsocoma etc., hat jedoch ganz andern Schnabel; die Schnabel- 
form erinnert auch ein wenig an Zanio. Kurz, es ist schwer, dem 
Genus einen natürlichen Platz anzuweisen, jedenfalls darf Calk- 
thraupis nicht allzu weit von Pyranga entfernt werden. 

P. eyanictera möchte in den Sammlungen noch ziemlich selten 
sein. Sclater & Salvin scheinen sie nicht zu besitzen. Sclater sah 
Exemplare im Pariser Museum (Poiteau, Cayenne 1822), im Britischen 

' und Leidener Museum, sowie in der Collection Lafresnaye. Sclater 

ist noch etwas zweifelhaft, ob die oben als $ & 2 beschriebenen 

‚ Vögel zu einer und derselben Art gehören möchten, und sagt, er 

' würde sie nicht als gleichartig angesehen haben, wenn sie nicht 

in den oben erwähnten Sammlungen als & & 2 derselben Art 

(Paare) bezeichnet wären. Der als 3 beschriebene Vogel ist mir 
' aus Autopsie nicht bekannt. 


B. Beschreibung neuer südamericanischer Arten. 
— 1) Basileuterus Cabanisi, Berlepsch, sp. nov. DB. vermi- 
voro (ex Brasilia et Argentina) similis, differt colore supra griseo 
(nec olivaceo-viridi) olivaceo vix tincto, remigum rectrieumque mar- 
ginibus griseis (nec olivaceis), colore subtus pallidiore, tectricibus 
subcaudalibus albis (nec flavis), tectricibus subalaribus quoque 
albis (nec flavo tinctis), pedibus flavis (nec carneis vel brunneis) 
alis caudaque brevioribus. Long. tot. 118, al. 54'/,, caud. 51, rostr. 
6'/a, tars. 181), Mm. 
habitat: Venezuela: S. Esteban, Puerto Cabello (Starke coll.) 
specim. typ. in mus. Berlepsch. 
{ syn. Basileuterus vermivorus Selat. (nec Vieill.) Cat. coll. Am, 
B. p. 34 (Bogota & Trinidad) (?) 
Finsch P. Z. S. 1870 p. 565 (Trinidad) (?) *) 
\ Selat. & Salv. Nomenel. av. neotr.p. 10 pt. (Venez. & Columb.) 


*) Es findet sich hier die Bemerkung von Dr. Finsch: „one specimen 
agreeing in every respect with a Brazilian speeimen‘“, 


A 


208 Hans Graf von Berlepsch: 


Trichas bivittatus, L&ot. (nec. Lafr.) Ois. Trinid. p. 184 (?) 

B. Cabanisi kommt dem B. vermivorus (Vieill.) am nächsten, 
unterscheidet sich jedoch leicht durch die in der Diagnose ange- 
führten Unterschiede. Ein Exemplar des D. vermivorus aus Sta. 
Catharina und eines aus Buenos Aires in meiner Sammlung, sowie 
eine grosse Anzahl von Exemplaren derselben Art aus Brasilien 
im Berliner Museum, die ich untersucht habe, zeigen, verglichen 
mit dem Exemplar aus Venezula, constant die erwähnten Unter- 
schiede. 

Es bleibt noch übrig, Vögel aus Guiana und Neu Granada 
(von welchen Localitäten Sclater den „vermivorus“ ebenfalls ver- 
zeichnet) zu vergleichen, die Vögel aus Guiana möchten vielleicht 
zu vermivorus, die letzteren aber wohl sicher zu DB. Cabanisi ge- 
hören. 

Diese neue Art ist meinem verehrten Freunde, dem Herrn Prof. 
Cabanis in Berlin gewidmet. 

2) Pachyrhamphus intermedius, Berlepsch, sp. nova 
P. simillimus /. cinnamomeo Lawr. ex America centrali (Panam. 
& Costarica), differt plaga superciliari postoculari griseo-olivacea, 
colore supra pallidiore, rostro minore debiliore (huic P. rufescentis, 
Spix similiore) & ad. Long. tot. 144, al. 77!/,, caud. 59!/,, rostr. 
123), tars. 17), Mm. 

habitat: Venezuela: S. Esteban, Puerto Cabello (Starke coll.) 
specim. typ. (d ad. remige 2. spuria instructa) in mus. Berlepsch. 

Diese neue Art hält in der Färbung, sowie auch in Bezug auf 
ihre geographische Verbreitung, die Mitte zwischen P. rufescens, 
Spix. aus Brasilien und P. cinnamomeus, Lawr. aus Oentralamerika; 
von P. rufescens unterscheidet sie sich leicht durch den Mangel 
des aschgrauen Postocular- und Nackenbandes, dasselbe ist bei 
intermedius nur durch ein undeutliches, schmutzig - olivengraues 
Postoeularband, welches hinter den Ohrdecken aufhört, schwach 
angedeutet. P. cinnamomeus (von dem ich & & 2 aus Costarica 
besitze) hat keine Spur mehr von dem grauen Postocularband und 
hat stärkeren bauchigeren Schnabel und lebhafter rostrothe Färbung 
als die beiden anderen Arten. 

Vögel aus Guiana, auf welche sich der Name rufus Bodd. (ex 


Buffon) beziehen möchte, habe ich leider noch nicht untersuchen 


können, bin daher auch nicht im Stande zu sagen, ob dieselben 
mit der brasilianischen Art (rufescens, Spix) oder mit dem oben 
beschriebenen Vogel aus Venezuela identisch sind, in letzterem 
Falle müsste mein Name dem älteren „rufus“ weichen. 

Früher betrachtete man diese rostrothen Vögel als die Weibchen 
des P. polychropterus und verwandter Arten. Es steht für mich 
längst fest, dass diese Ansicht eine unrichtige ist, und dass wir es 
vielmehr mit einer kleinen Gruppe rostrother Arten zu thun haben, 
bei denen & &2 ziemlich gleich und zwar rostroth gefärbt sind, 
und bei denen die alten $4 ebenso wie bei den anderen P.-Arten die 
charakteristische rudimentäre 2. Schwinge besitzen. Diese rost- 


Ueber ein neues Genus und neue Arten äus Südamerica. 209 


rothen Formen würden gewissermassen die rostrothen Audia- und 
Lipaugus-Arten im Genus Pachyrhamphus wiederholen. 

P. cinereus (Bodd.) hat allerdings rostrothe 29, resp. junge 
Vögel, dieselben sind jedoch ganz verschieden von den oben be- 
sprochenen Arten gefärbt. Das 2 von polychropterus hat dagegen 
ein ganz anderes Gefieder, unten gelblich, oben rothbraun und 
olivengrünlich. Ich will nur hier nochmals hinweisen auf meine 
ausführlichen Darlegungen des Sachverhaltes in Betreff des P. 
rufescens im Journ. f. Ornith. 1873 pp. 264 ff., sowie auch auf die 
Bemerkung des Herrn Euler ibid. 1874 p. 284. 

8) Panychlora (sive Chlorostilbon) inexspectata, 
Berlepsch sp. nov. P. Chl. Haeberlini Cab. & Heine subsimilis, 
mandibulae basi (eodem modo) carnea, differt rectrieibus omnibus 
obscure (sed splendide) viridibus (nec chalybeis), cauda minusquam 
in Chl. Haeberlini furcata, rostro lofgiore, fronte prasino viridi. 
Long. tot. 741,, al. 47Y/,, caud. 27 (cauda furcata 5"/,), rostr. 
17°/, Mm. 

habitat: Bogota, Nova Granada, specim. typ. in mus. Berlepsch 
(no. 2615) ex Krätschmar, Bogota. 

Vor 2 Jahren sandte ich das soeben beschriebene Exemplar 
an Herrn D. G. Elliot in Paris, welcher zweifellos einer der vor- 
züglichsten Colibri-Kenner ist. Ich setzte schon damals die er- 
wähnten Unterschiede dieses Vogels von C'hl. angustipennis aus- 
einander und proponirte, den Vogel neu zu beschreiben. Herr Elliot 
war aber nicht meiner Ansicht, vermuthete vielmehr, dass die grüne 
Färbung der Schwanzfedern durch irgend eine darauf gekommene 
Säure entstanden sei, hielt die übrigen Unterschiede für nicht 
constant und sprach das Exemplar selbst für den Chl. Haeberlini an. 

Aus diesem Grunde habe ich bisher davon Abstand genommen, 
den Vogel neu zu beschreiben, wenn ich auch stets von der spe- 
ceifischen Verschiedenheit desselben von Haederlini überzeugt war. 

Inzwischen habe ich jedoch Gelegenheit gehabt, ihn mit einer 


grossen Anzahl von Exemplaren des Ohl. Haeberlin! ad. & jJuv., 


sowie auch mit Panychlora aliciae & stenura zu vergleichen, und 
hat sich dabei meine Ansicht immer mehr befestigt, dass wir es 
hier mit einer neuen Panychlora-Art zu thun haben, die vielleicht 
die P, aliciae und stenura in der Umgegend von Bogota vertreten 
würde und die zugleich einige Uebergänge nach Chlorostilbon hin 
zeigt, besonders zu dem jedenfalls nahe verwandten Chl. Haeberlini. 
' Die grüne Färbung der Schwanzfedern ist ganz entschieden eine 
natürliche und nicht durch eine Säure verursacht. Diese grüne 
Färbung der Schwanzfedern combinirt mit dem ausserordentlich 
langen Schnabel, der viel geringeren Gabelung des Schwanzes (als 
bei Haeberlini) und der lebhaft glänzenden grünen Stirn (wie ich 
sie nie bei Haeberlini gefunden habe), das Alles spricht für die An- 
sicht, dass wir es hier nicht mit einer individuellen Variation, 
sondern mit einer constanten guten (Species) Form zu thun haben. 
Die Färbung der Schwanzfedern ist ähnlich der von alicvae, jedoch 
Cab Journ, f. Ornith. XXVII. Jahrg. No. 146. April, 1879. 14 


210 Allgemeine deutsche ornithologische Gesellschaft zu Berlin: 


‘sind die Schwanzfedern selbst viel breiter und mehr wie bei CRl. 
Haeberlini gestaltet. 
Berlepsch, am 18. März 79. 


Allgmeine Aentsche oruityalngische “Gesellschaft zu Berlin, 
Bericht über die November-Sitzung. 
Verhandelt Berlin, den 4. November 1878, Abends 
7% Uhr im Sitzungs-Local, Unter den Linden 13. 

Anwesend die Herren: Walter, Thiele, Grunack, Les- 
tow, Sy, Wagenführ, Hausmann, Jahrmargt, Mützel, 
Reichenow, Cabanis, Schalow und Böhm. | 

Von auswärtigen Mitgliedern: Herr Prem.-Lieutenant Krüger- 
Velthusen (Spandau). . 

Als Gäste die Herren: Spiess, Leschke, Schmidt, 
Wagner aus Berlin, Herr Aurel Schulz aus Natal. 

Vorsitzender: Herr Cabanis, Schriftführer: Herr Schalow. 

In Abwesenheit der Vorsitzenden eröffnet der General-Secretär 
die Sitzung. 

Herr Böhm verliest den Bericht über die im vergangenen 
Monate stattgehabte Jahresversammlung, welcher ausführlich zum 
Abdrucke gelangt. 

Herr Reichenow legt eine Anzahl neuer Publicationen so- 
wie Fortsetzungen früher begonnener, die im Laufe des Monats 
eingegangen sind, vor und bespricht dieselben. An den „Ausschuss 
für Beobachtungsstationen der Vögel Deutschlands‘ sind bereits 
einzelne Arbeiten, Berichte über das Jahr November 1877 bis 
November 1878 enthaltend, eingegangen. Der Namen der Einsender 
wird von Herrn Reichenow dankend Erwähnung gethan. 

Herr Böhm verliest einen längeren Aufsatz über seine ornitho- 
logischen Beobachtungen und Jagden auf der Insel Sylt im Herbst. 
dieses Jahres. Der Aufsatz, gleich ausgezeichnet durch seine Mit- 
theilungen wie durch formengewandte Darstellung, wird im Central- 
blatte abgedruckt werden. 


Herr Cabanis bespricht in einer längeren Darstellung die | 


unnatürliche Ausdehnung der Gattung Psittacula im Allgemeinen 
und speeiell die systematische Stellung des Psittacus incertus Shaw. 
Diese Art, die auf Sumatra und Borneo vorkommt und auch ge- 
mein auf der Halbinsel Malacca ist, welche von vielen insularen 
Formen bewohnt wird, heimisch ist, wird häufig, so auch von Finsch 
in seinem bekannten Werke über die Papageien (Il, S. 612) mit 


den kleinen Arten, als deren Typus der amerikanische Psittacus 
passerinus L. anzunehmen, der Gruppe Psittacula zugesellt. Gegen 


diese Stellung im System, zum grossen Theil nur durch gleiche | 


Grösse der Arten bedingt, lässt sich Vieles einwenden. Herr Cabanis 


führt des Weiteren aus, dass er auf Grund eingehender Untersuchungen 


und Vergleichungen überzeugt sei, den kleinen Psittacus (Psittinus 


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Bericht über die November-Sitzung. a4 


Blyth) encertus viel eher in die Nähe der Formen zu stellen, die 
mit dem Psittacus Geofroyı Kuhl verwandt, und deren Heimath 
gleichfalls, wie Geofroyus, Palaeornis, Tanygnathus, die indischen 
Inseln sind. Es ist bekannt, dass bei einzelnen dieser Formen die 
Geschlechter in der Färbung differiren, dass bei Geoffroyus z. B. 
die Hinterkopf- und Nackenfärbung der & blau, bei den 2 dagegen 
grün oder bräunlich gefärbt ist, und dass bei denselben wie auch 
bei Palaeornis rothbraune Schulterflecke auftreten. Es sind das 
gerade für diese Gruppe charakteristische Momente, Momente, die 
auch in der Färbung des Psittinus incertus wiederkehren. Es 
scheint daher viel richtiger, diese Art den genannten Formen, mit 
denen sie ja auch im Allgemeinen dieselbe geographische Verbreitung 
inne hat, zu vereinen als sie zu den amerikanischen Psitzacula-Arten 
zu stellen, welche Herr Cabanis als kleine Conurinen-Form be- 
trachtet wissen will. Grössenverhältnisse allein können für eine 
systematische Stellung nicht bestimmend sein. 

Herr Reichenow spricht über zwei nahe verwandte Sittigarten, 
über Palaeornis rosa (Bodd.) und P. cyanocephala (L.). Beide Arten 
sehen sich ziemlich ähnlich und sind daher vielfach, so auch von 
Finsch, identifieirt worden. Und das mit Unrecht. Beide stehen 
sich sehr nahe, dürfen aber nie als eine Form betrachtet 
werden. Herr Reichenow setzt die differirenden Charaktere aus- 
einander und erläutert seine Darstellung an mehreren Exemplaren 
beider Arten. Die indischen Ornithologen, welche beide Vögel viel- 
fach lebend zu beobachten Gelegenheit haben, vereinigen sie nie, 
sondern führen sie stets als besondere Arten auf. Gould bildet 
beide in seinen Birds of Asia durchaus kenntlich ab. Vor nicht 
allzu langer Zeit ist ein Exemplar des Palaeornis rosa in den 
Besitz des hiesigen zoologischen Gartens gelangt und darauf an 
einen Schriftsteller gegeben worden. Dieser hat den bereits seit 
ca. 100 Jahren bekannten Vogel — Boddaert beschrieb ihn im 
Jahre 1783 in seinen Tableaux des Planches Enluminees — als 
neue Art beschrieben und Herrn Dr. Bodinus, dem Director des 
Berliner zoologischen Gartens, die zweifelhafte Ehre erwiesen, 
nach ihm den neuen Papagei zu nennen. Dies zur Synonymie der 
neuen Art. 

Der als Gast in der Sitzung anwesende Herr stud. med. Aurel 
Schulz aus Natal legt eine kleine Sammlung natalensischer Vögel 
vor und knüpft an diese Vorlage die Mittheilung einiger biologischer 
Beobachtungen. 

Herr Hausmann theilt vorläufig mit, dass im Frühjahr dieses 
Jahres am Müritzsee bei Wahren in Mecklenburg ein Exemplar 
von Otis tetrax geschossen worden ist, und hofft in der Folge 
nähere Nachrichten über das immerhin bemerkenswerthe Vorkommen 
mittheilen zu können. 

Schalow. Cabanis, Gen.-Secr. 


14* 


in use 


2)2 Allgemeine deutsche ornithologische Gesellschaft zu Berlin: 


Bericht über die December-Sitzung. 


Verhandelt Montag den 2. December 1878 Abends 7! 
Uhr, im Sitzungslokal. 


Anwesend die Herren: Cabanis, Golz, Reichenow, 

ee Böhm, Sehalow, Thiele, d’Alton, Lestow, Sy, 
toltz. 

Als Gäste die Herren Pantzer, Brune, Bohnenstengel 
und Friedrich, sämmtlich aus Berlin. 

Vorsitzender: Herr Golz. Schriftführer: Herr Schalow. 

Der Bericht über die Novembersitzung wird verlesen und an- 
genommen. i 

Die Herren Reichenow und Schalow referiren zunächst 
über die in den Tagen vom 22. bis 26. November zu Berlin statt- 
gehabte Vogelausstellung des Vereins „Aegintha“. Herr Reiche- 
now bespricht die exotischen, Herr Schalow die einheimischen 
ausgestellten Arten. Die betrefienden Referate sind bereits in 
dem Örnithologischen Centralblatt für 18738 Nr. 24 und 1879 
Nr. 1 und 2 abgedruckt worden. Wir verweisen auf jene Dar- 
stellungen und geben an dieser Stelle nur kurz einzelne Arten an, 
die besonderer Erwähnung werth erscheinen. Von fremdländischen 
Arten fanden sich in der Ausstellung: Zsittacus timneh Fras., 
Calyptorkynchus Banksi Vig., Chrysofis autumnalis Swains., festiva 
Swains., coccineifrons Souc., vinacea Finsch, Finschi Sel., farinosa 
Finsch, Sittace severa Wagl., Conurus armillaris Licht., cactorum 
Neuw., pertinax Lin, Platycercus palliceps Vig., Pionias sordidus 
Finsch und senilis Finsch. Ferner Poephila modesta, Pytelia larvata, 
Penthetria macrura und azxellarıs, Euplectes flammiceps Swains., 
Pteroglossus Gouldi Natt., Oyanocorax cyanomelas Vieil. und Phyl- 
lornis aurifrons Temm. Von einheimischen wären vielleicht zu 
nennen: Cecropis rustica Boie, Alcedo ispida L., Picus minor L., ° 
Upupa epops L., Quculus canorus L., Regulus ignicapillus Naum. 
und Otus brachyotus Boie. | 

Herr Cabanis nimmt bezüglich einer Lagonostieta-Art, die 
als neue Art für die Ausstellung angemeldet worden war, die 
aber in Wirklichkeit nichts Anderes als L. rudricata Licht. ist, 


Veranlassung, die verwandten Arten: Zagonosticta minima Cab., 
rufopicta Hartl., polionota Shell., rudricata Licht. und rhodopareia 
Heugl. vorzulegen und die differirenden Charaktere der einzelnen 
Formen zu besprechen. 

Herr Reichenow theilt mit, dass von Herrn Lehrer Stengel 
in Zehrensdorf bei Zossen bereits im October dieses Jahres Nuei- 
fraga caryocatactes beobachtet worden sind. 

Herr Schalow spricht in einer längeren Mittheilung über 
zwei vor nicht zu langer Zeit bekannt gemachte neue Arten des 
Genus Lanius L. | 

„In den Annali del Museo Civ. di St. Nat. di Genova, vol. 


Bericht über die December-Sitzung. 213 


XII vom Mai 1378, hat Graf Salvadori einen Würger beschrieben, 
welchen Marquis Orazio Antinori im äquatorialen Afrika, bei 
Afrau (Danakil) im August 1876 gesammelt hat. Salvadori 
benannte diese Art, die er als neu erkannte, zu Ehren ihres Ent- 
deckers: Lanius Antinorii. Die von dem italienischen Orni- 
thologen gegebene Diagnose der neuen Art lautet: „Pileo, capitis 
collique lateribus cerviceque nigris; dorso cinereo; scapularibus, 
uropygio et supracaudalibus albis; corpore subtus omnino albo; 
alis nigris; margine carpali, remrigum primariarum dimidio basali 
et apice secundariarum albis; cauda nigra, rectricibus duabus 
extimis, scapo nigro excepto, albis; rostro et pedibus nigris; iride 
inscau Le. 220, a]. 105," caud. '100, 'rostr.. 17, 'tars. 28 Mm.“ 
Aus dieser Diagnose geht nach des Vortragenden Dafürhalten 
zunächst mit Sicherheit hervor, dass die von Salvadori be- 
schriebene neue Form dem Bonaparte’schen Subgenus Frscus ab- 
solut zugetheilt werden müsse, und es lässt sich ferner aus der- 
selben mit Sicherheit nachweisen, dass Zanius Antinorü Salvad. 
mit dem von Cabanis zwei Monate früher in der Märzsitzung 
unserer Gesellschaft vorgelegten und kurz als neu charakterisirten 
Lanius (Fisceus) dorsalis, den der Afrikareisende Hildebrandt 
in N’di gesammelt hat, indentisch ist (ef. J. f. ©. 1878, p. 205 
und 225). Man vergleiche nur die Angaben Salvadori’s „dorso 
cinereo; uropygio et supracaudalibus albis; rectricibus duabus 
extimis, scapo nigro excepto, albis“, sowie eine fernere Bemerkung 
des Genannten: „Per la distribuzione ed extensione del bianco sulle 
ali, le quali presentano uno specchio bianco molto grande“ mit der 
kurzen Charakteristik, die Cabanis von seiner neuen Art giebt (l. c.). 

Die zweite Mittheilung des Herrn Schalow bezieht sich auf 
einen neuen von Prof. Barboza du Bocage in dem Journal de Sciencias 
Mathematicas physicas e naturaes:- da Academia real das sciencias 
de Lisboa (Num. XXIII Agosto 1873 p. 213) bekannt gemachten 
sehr interessanten Würger, der nach Herrn J. A. de Souza, dem 
Conservator des Lissabonner Museums, den Namen Lanius Souz ae 
trägt. Diese Art ist von dem bekannten portugiesischen Reisenden 
d’Anchieta in Westafrika aufgefunden worden. Da das portu- 
giesische Journal, in dem Barboza du Bocage seine neue Art be- 
schrieb, nicht einem Jeden ohne Weiteres zugänglich ist, und ich 
einige Bemerkungen an die Diagnose knüpfen möchte, so gebe 
ich diese letztere hier wieder: „g jun. Supra cinereus, dorso 
rufescente; subtus grisescente, albus; fronte supereciliisgue albidis; 
vitta oculari producta nigra; scapularibus partim albis; tectrieibus 
alarum rufis transversim fusco-fasciolatis; speculo alari nullo; 
remigibus fuscis, pogonio interno rufescentibus; reetricibus quatuor 
intermediis fuscis; sequentibus albo-terminatis, duabus extimis pro 
maxima parte albis. Subalaribus albis. Rostro pedibusque nigri- 
cantibus; iride fusca. Lg. 186, al. 85, caud. 90, rostr. 13, tars. 
22 Mm.“ Barboza sagt ferner im Verlaufe seiner Notiz: „Par leurs 
formes et surtout par la conformation de leurs queue longue, 


214 Allgemeine deutsche ornithologische Gesellschaft zu Berlin: 


fortement &tag6e et composee de pennes £6troites ces laniens se 
rapprochent des especes dont on a form& le genre Fiscus; mais 
leur coloration rappelle mieux le Zanius (Enneoctonus) collurio.“ 
Barboza ist vollkommen im Recht, wenn er die eigenthümliche 
Schwanzbildung seiner neuen Art mit der des Subgenus Fiscus Bp. 
vergleicht, allein die Beschreibung des Vogels zeigt auf das deut- 
lichste, dass Lanius Souzae mit diesen genannten äthiopischen 
Würgerformen durchaus nichts zu thun hat. Dem Subgenus Fiscus 
gehören nur die eigenthümlichen auf dem Rücken tief schwarz- 
grau gefärbten Arten an, als deren Typus Zanius collaris L. be- 
trachtet zu werden pflegt. Mit Recht weist Barboza darauf hin, 


dass die Färbung der von ihm als neu beschriebenen Art auf 


Lancus collurio L. hindeute, allein es finden sich in seiner Diag- 
nose sowie in den angefügten Mittheilungen doch einzelne Angaben, 
die vermuthen lassen, dass Lanius Souzae nicht zu dem 
Boie’schen Genus Enneöctonus (E. collurio L.), sondern vielmehr 
zu dem Bonaparte’schen Subgenus Collurio, welches hauptsächlich 
asiatische Arten in sich vereinigt und als dessen Typus der chi- 
nesische Zanzus schach L. gilt, zu ziehen sei. Die Angabe: „duabus 
extimis rectricibus pro maxima parte albis“ beweist nichts für die 
Art. Von Dr. Fischer auf Zanzibar gesammelte E. collurio haben 
sehr viel Weiss in den beiden äussersten Steuerfedern aufzuweisen. 
Barboza giebt die Schwanzlänge seines Zanius Souzae mit 90 Mm. 
an, eine Länge, wie man sie z. B. bei dem asiatischen Collurio 
erythronotus Vig. findet. Bei E. collurio L. dagegen variirt die 
Länge des Schwanzes bei einer überaus grossen Menge von Exem- 
plaren nur zwischen 76 und Si Mm. Die ausgedehnte Länge des 
Schwanzes, sowie die von Barboza besonders hervorgehobene stufen- 
förmige Bildung desselben, wie wir sie in dieser Weise bei E. 
collurio nicht finden, sowie ferner die eigenthümliche Färbung der 
beschriebenen Art veranlassen Herrn Schalow die Vermuthung aus- 
zusprechen, dass Zanius Souzae dem Subgenus Collurio Bp. ange- 
höre. Es ist sehr zu bedauern, dass der gelehrte portugiesische 


Ornitholog keine Notiz über die Schwingenverhältnisse seiner Art 
veröffentlicht hat, aus denen sich leicht mit einiger Sicherheit 


Schlüsse über die Genuszugehörigkeit ziehen liessen. Ist aber 


des Vortragenden Hypothese richtig, so haben wir im Westen Afrikas 
einen Würger, dessen Verwandte bisher nur aus Asien bekannt 
waren und. dessen Gattung als eine specifisch asiatische bis jetzt 


gegolten hat. Es wäre höchst interessant, wenn Zanius Souzae 


im Westen Afrikas ein asiatisches Genus repräsentirte, welches im 
Osten der äthiopischen Region gänzlich fehlt. Diese eigenthümliche 


isolirte geographische Verbreitung würde sich als ein’ Analogon der- 


jenigen der Pitta angolensis Vieill. sowie der einzelner Trichophorus- 
Formen: anreihen.“ 


Zum Schluss der Sitzung findet auf Anregung des Vorsitzenden 


eine längere Debatte über die Anlage von Krähenhütten statt. 
Golz. Schalow. Cabanis, Secr. 


Bericht über die Januar-Sitzung. 215 


Bericht über die Januar-Sitzung. 


Verhandelt Berlin, Montag den 6. Januar 1379, 
Abends 7!, Uhr, im Sitzungs-Local. 


Anwesend die Herren: Böhm, Grunack, Walter, Thiele, 
Sy, Jahrmargt, Mützel, Hausmann, von Chlapowski, 
Reichenow, Cabanis, Brehm, Golz, Bolle, Schalow und 
Lest ow. 

Von auswärtigen Mitgliedern: Herr Prof. Dr. Altum (Ebers- 
walde). 

a Gäste die Herren: Dr. Müller, Spiess, Friedrich, 
Schellack, Leschke, Hauptmann v. Coffrane, Schmidt, 
Schuster und Dreyer, sämmtlich aus Berlin. 

Vorsitzender: Herr Brehm, Schriftführer: Herr Schalow. 

Herr Brehm eröffnet die Sitzung mit einem kurzen Rückblick 
auf die Entwiekelung und die Thätigkeit unserer Gesellschaft im 
verflossenen Jahre. Er weist noch einmal ganz besonders auf die 
hohe Ehre hin, die unserer Gesellschaft durch die Betheiligung 
S. K. K. Hoheit des Kronprinzen Erzherzog Rudolf von 
Oesterreich-Ungarn an deren Zwecken erwachsen, weist darauf 
hin, dass bereits andere österreichische Ornithologen dem Beispiele 
des Kronprinzen gefolgt und der Gesellschaft beigetreten seien und 
dass so der so lange gewünschte Anschluss an die österreichischen 
Fachgenossen gefunden. Er giebt der Hoffnung Raum, dass das 
Jahr 1879 nach jeder Richtung ein gedeihliches für die Gesellschaft 
werden möge. 

Herr Altum hält einen längeren Vortrag über die Vogel- 
sammlung der Königl. Forstakademie zu Eberswalde. Der Raum 
verbietet uns auf diesen Vortrag. des näheren einzugehen und die 
Details an dieser Stelle wiederzugeben. Wir beschränken uns daher 
darauf, nur einzelne Punkte hier kurz anzudeuten, die für die Ge- 
schichte und Entwickelung der Eberswalder Sammlung von einigem 
Interesse sind. Herr Altum bespricht zuerst die einzelnen Ool- 
leetionen, aus denen sich die Sammlung zusammensetzt. Den 
Hauptstamm derselben bildet die alte Sammlung des bekannten 
Prof. Nitzsch, die später durch eine kleine Sammlung meist in- 
ländisecher und gewöhnlicher Arten des Herrn Dr. Assmann, Privat- 
docent in Leipzig, vermehrt wurde. Hierzu treten dann eine Reihe 
seltener Exemplare aus den Sammlungen E. v. Homeyer’s und des 
Pastor Böckh (Danzig). Die übrigen Exemplare, und das sind 
die meisten, sind Einzelsendungen von Forstleuten aus den ver- 
schiedensten Gegenden der preussischen Monarchie. In diesem 
letzten Theil liegt eine Haupteigenthümlichkeit der Sammlung; - 
doch hat dieselbe, trotzdem die Akademie vierzig Jahre hindurch 
der Cenutralpunkt aller forstwirthschaftlichen Interessen gewesen 
ist, durch die Einzelsendungen der Forstbeamten nicht den Zuwachs 
'erhalten, den man wohl mit Recht vermuthen könnte. Dies liegt 


216 Allgemeine deutsche ornithologische Gesellschaft zu Berlin: 


zum Theil daran, dass die Uebersendung geschossener Exemplare 
wegen der abgelegenen Lage der Förstereien oft sehr schwierig, 
dass ferner in Eberswalde kein Präparator thätig war, um. die 
eingegangenen Sachen zu conserviren, und hauptsächlich in der 
grossen Apathie der Förster. Hierzu kommt nun noch, dass Prof. 
Ratzeburg, der Vorgänger des Vortragenden auf dem zoologischen 
Lehrstuhl der Eberswalder Akademie, kein Ornitholog gewesen. ist 
und wenig Anregung für ornithologisches Sammeln gegeben hat. 
Nach diesen historischen Excursionen über die Entstehung und 
Entwickelung der Eberswalder Sammlung, die wir, wie bereits 
bemerkt, nach den Worten des Vortragenden nur resumirend hier 
wiedergegeben, bespricht Herr Altum einzelne interessante Bestände 
der unter seiner Leitung stehenden Anstalt. Aus der Reihe der 
Farbenvarietäten nennt er eine verloschen weissgebänderte Corvus 
corniw L., einen Turdus musieus L., dem in dem ganzen Gefieder 
der gelbe Ton fehlt, und einen prächtigen Erythrismus von Pringilla 
coelebs L. _ Das Exemplar, am 19. Juli 1871 bei Neustadt erlegt, 
zeigt in der ganzen Färbung ein mehr oder weniger dunkles Wein- 
roth, selbst an den Uropygialfedern, und auf dem Kopfe eine eigen- 
thümliche streifenförmige Zeichnung. Von Irrgästen nennt Herr 
Altum Syrrhaptes paradoxus Il., Pastor roseus Temm., Corythus 
enucleator Cuv. Von Monstrositäten besitzt die Sammlung einen 
Corvus frugilegus L. mit gekreuzten Kiefern, einen Gallus domestieus 
L. mit fünf Zehen und vier Stück Alcedo vspida L. mit klaffendem 
Schnabel. Von letzterer Art legte der Vortragende ein Exemplar 
vor. Die vier Individuen wurden vor kurzer Zeit bei Neustadt ge- 
schossen und gehören vielleicht einer Familie an. Der Schnabel 
erscheint sehr dünn und spitz. Als seltene Arten aus der Samm- 
lung der Forstakademie werden die folgenden aufgezählt, mit kurzen 
Hinweisen auf die Menge der aufgestellten Exemplare sowie An- 
gaben über deren Herkommen: Picus leuconotus Bechst. (Mark), 
Turdus varius Pall. (Cöln), 7. atrigularis Natt. (Münster), 7. 
sibiricus Pall. (Eberswalde) und 7. Naumanni Temm. (Eberswalde), 
ferner Lanius major Pall., Strix uralensis Pall., Strix nyetea L., 
Aquila fulva Meyer, Somateria Stelleri Pall. und Thalassidroma 
pelagica Vig. Schliesslich bespricht Herr Altum noch die Colleetion 
von Dunenkleidern einzelner Arten, die die Eberswalder Anstalt 
besitzt. 

An den Vortrag knüpfen sich längere Discussionen. 

Mit Bezug auf den vorgelegten Alcedo ispida L. bemerkt Herr 
Golz, dass derartige monströse Schnabelbildung bei allen in der 
Gefangenschaft gehaltenen Vögeln vielfach von ihm beobachtet 
worden sei, und es wäre daher von einigem Interesse zu erfahren, 
ob unter den erlegten Exemplaren auch jüngere Individuen sich 
befunden haben. Vielleicht ist diese Bildung auch Witterungsein- 
flüssen zuzuschreiben. 

Herr Brehm bestätigt die Mittheilung des Vorredners, hält 
aber ein derartiges Vorkommen in der freien Natur für selten und‘ 


Bericht über die Januar-Sitzung. 217 


auffallend. Bei gefangenen Vögeln, denen die natürliche Nahrung 
entzogen, zeigen sich oft Schnabelmonstrositäten der verschieden- 
sten Art. 

Herr Brehm spricht über die relative Häufigkeit der Sir.x 
nisoria Meyer in den Karpathen. Er hat diese Eule dort in allen 
Sammlungen gefunden und ihrer von allen Sammlern Erwähnung 
thun hören. Sie überwintert dort in dem Gebirge. Herr Brehm 
giebt bei dieser Gelegenheit kurze Schilderungen der beiden Haupt- 
zugstrassen der Vögel, die durch die Karpathen hindurchführen. 
Die eine findet sich an dem nördlichen Abhange des Gebirges, und 
die andere führt mitten durch dasselbe hindurch, Gödöllö berührend. 
So zieht z. B., trotz des Wassermangels, Colymbus arcticus L. regel- 
mässig auf dieser letztgenannten Strasse, wird oft erlegt und fehlt 
fast keiner Sammlung. 

Herr Altum legt ein Exemplar von Cypselus melba Ill. vor, 
welches am 18. October 1873 zu Montona erlegt und ihm ein- 
gesandt worden ist. Der Vogel befindet sich in vollster Mauser, 
und Herr Altum spricht seine Verwunderung darüber aus, den 
Vogel um die erwähnte Zeit in diesem Federkleide anzutreffen. 
Mit Bezug hierauf bemerkt Herr Brehm, dass Oypselus melda Il. 
viel länger an den Orten, in denen er brüte, verweile, viel länger 
als dies C'. apus Ill. bei uns thut. Dieser letztere findet kaum die 
Zeit, um seine Jungen gross zu ziehen, dann verlässt er bereits 
seine Brutheimath. Anders ist dies mit ©. melba. Im südlichen 
Spanien soll dieser Segler sogar überwintern, wie dies Cozyle 
rupestris Boie in Italien und Spanien thut. Unter diesen Verhält- 
nissen kann wohl vor dem Abzuge die Mauser eintreten. 

Herr Cabanis macht darauf aufmerksam, dass das von Herrn 
Altum vorgelegte Exemplar, nach den Schwingen und Steuerfedern 
zu urtheilen, mindestens ein zweijähriger Vogel sein müsse, dass 
aber möglicher Weise bei frischer Mauser sich eine dem Jugend- 
kleide ähnliche Federzeichnung zeige, die sich ausserordentlich 
schnell abfliegt und verschwindet. 

Herr Altum theilt mit, dass er am 25. December vergangenen 
Jahres zwei Mal Apternus tridactylus Gould im Garten der Ebers- 
walder Forstakademie beobachtet habe, ohne jedoch ein Exemplar 
erlangen zu können. Dieses Factum ist im höchsten Grade inter- 
essant; bisher kannte man diese Art noch nicht aus der Provinz 
Brandenburg. 

Herr Böhm giebt nach den Mittheilungen einer Jagdzeitung 
die Notiz, dass am 12 December p. bei Hajen, in der Nähe von 
Hameln, ein Exemplar von Okis teirax L. geschossen worden ist. 

Herr Cabanis legt ein in Spiritus befindliches Exemplar von 
Alcedo ispida L. vor, welches mit einen Fisch im Schnabel auf dem 
Murgcanal bei Rastatt treibend von Herrn Lieutenant Zimmermann 1. 
aufgefunden und dem Berliner Museum übersandt worden ist. Der 
Vogel war nicht im Stande gewesen, den ergriffenen Fisch zu ver- 
schlucken, und war an der zu grossen Beute erstickt, 


Es 
218 Allgemeine deutsche ornithologische Gesellschaft zu Berlin: , 


Die.Herren Reichenow und Schalow legen eine grössere 
Anzahl neu erschienener Bücher sowie eingegangener Arbeiten vor 
und referiren über dieselben. Herr Schalow weist vornehmlich 
auf eine Arbeit Leonhard Stejnegers: Underslaegten Lanius med 
saerligt hensyn paa dens norske arter aus dem Archiv for Mathe- 
matik og Naturvidenskab von Lie, Müller und Sars hin, die die in 
Norwegen vorgekommenen grauen Würger kritisch bespricht. Ferner 
legt derselbe ein Werk unseres auswärtigen Mitgliedes, des Dr. 
Gustav Radde in Tiflis, vor: Die Chew’suren und ihr Land (Cassel 
1879), welches, obgleich hauptsächlich geographischen und ethno- 
graphischen Charakters, doch einzelne ornithologische Mittheilungen 
‚. enthält. Herr Reichenow legt ein Paar neue demnächst er- 
scheinende Tafeln seiner „Vogelbilder aus fernen Zonen“ vor, 

Herr Schalow widmet den in den Jahren 1877 und 1878 
dahingeschiedenen Ornithologen einige Worte der Erinnerung. Er 
verliest eine längere Reihe von biographischen Notizen über Anderson, 
Brüggemann, Buxton, Durnford, Höpfner, Jovanovics, Monteiro, 
Rowley, Schweizer, Stölker und Swinhoe Diese Mittheilungen 
werden im Ornithologischen Centralblatte veröffentlicht werden. 

Herr Reichenow verliest ein Schreiben des auswärtigen 
Mitgliedes Herrn Baumeister Sachse (Altenkirchen) sowie das 
eines anderen Mitgliedes, des Herrn Naumann (Ziebigk), die 
beide kleinere biologische Mittheilungen enthalten. An die Sachse’sche 
Mittheilung, die bereits im Ornithologischen Centralblatt No. 2 
S. 15 abgedruckt worden ist, knüpfen sich längere Discussionen. 
Herr Brehm bespricht eine Beobachtung, nach der sich die Saat- 
krähen erst gegen Mittag von den Feldern erheben, weil sie bis 
dahin von dem Boden, auf dem sie sich niedergelassen, noch nicht 
abgethaut waren. Bei Raben und Nebelkrähen ist Aehnliches nie 
beobachtet worden. Herr Altum theilt ein paar verbürgte Fälle 
mit, dass Grus cinerea und Anas fusca (3 ad.), auf dem Eise an- 
gefroren, gefangen wurden. Herr Bolle theilt das Gleiche vom 
Cygnus olor mit. Die eingegangene Naumann’sche Beobachtung 
spricht von dem Brüten eines Parus major in einem Briefkasten 
(ef. Ornith. Centralblatt Nr. 4). 

Herr Bolle spricht eingehend über das Vorkommen von 
Columba risoria in Europa und über die Acclimatisationsbedingungen 
dieser Art in kälteren Gegenden. 

Herr Brehm schildert in einer längeren Mittheilung das Leben 
des Vanellus gregarius Vieill., wie er es auf seinen Reisen in West- 
sibirien kennen zu lernen Gelegenheit hatte. Wenig ist bisher 
über die Biologie dieser Art bekannt gewesen; allgemein findet 
man die Bemerkung, dass Vanellus gregarius. Vieill. durchaus in 
seinem Leben unserem gewöhnlichen Kibitz gleiche. Dem ist aber 
absolut nicht so. Beide Arten haben in Bezug auf ihr Leben 
durchaus keine Aehnlichkeit. V. gregarius steht im Leben den 
kleinen Charadrius-Formen viel näher als dem V. eristatus. Brehm 
beobachtete die Art in der Kirgisensteppe ausserordentlich häufig. 


Bericht über die Februar-Sitzung. 219 


V. gregarius zeigt keine Vorliebe für das Wasser, wie der euro- 
päische Kibitz; in Schaaren von 10—15 Paaren läuft er auf dem 
‘Boden umher. Wird er verfolgt, so sucht er sich durch Laufen, 
und in der äussersten Noth erst durch Fliegen zu retten. Auch 
der Flug erinnert an den des Regenpfeifers, das Benehmen am 
Neste ist nicht das des Kibitzes, kurzum Vanellus gregarius ist 
biologisch dem kleinen Charadrius näher verwandt als dem Vanellus 
eristatus. Weitere Darstellungen über diesen Gegenstand wird die 
II. Auflage des Thierlebens bringen. 
Schluss der Sitzung. 
Brehm. Schalow. Cabanis, Secr, 


Bericht über die Februar-Sitzung. 


Verhandelt Montag den 3 Februar, Abends 7", Uhr 
im Sitzungslocal. 


Anwesend die Herren: Böhm, Bolle, Walter, Schalow, 
Reichenow, Cabanis, Brehm, Thiele, Jahrmarst, 
Mützel, Grunack, Lestow, Sy. 

Als Gäste die Herren: Dr. Hilgendorf, Ludwig und 
Bohnenstengel, sämmtlich aus Berlin. 

Vorsitzender: Herr Brehm. Schriftführer: Herr Schalow. 

Der Bericht über die Januar-Sitzung gelangt zur Verlesung. 

Herr Schalow widmet dem am 29. November des vergangenen 
Jahres plötzlich verstorbenen Lord Tweeddale, Präsidenten der 
Londoner zoologischen Gesellschaft, einen kurzen Nachruf. Der- 
selbe findet sich im Ornithologischen Centralklatt (1879. p. 37) 
abgedruckt. Die Gesellschaft ehrt das Andenken des Dahinge- 
schiedenen durch Erheben von den Sitzen. 

Herr Bolle hält einen längeren Vortrag über: Die Vögel 
Chivas und ihr Verhältniss zum Menschen. Derselbe wird in 
kürzester Zeit im Centralblatt veröffentlicht werden. 

An den Vortrag knüpft sich eine längere Discussion. In Be- 
zug auf die von Herrn Bolle angeführte Zahl der Vögel, die in 
China in unmittelbarster Nähe des Menschen lebt, und die als 
eine ziemlich grosse bezeichnet werden muss, bemerkt Herr Brehm, 
dass diese Anzahl in Aegypten kaum eine geringere sein dürfte, 
natürlich im Verhältniss der überhaupt das Gebiet bewohnenden 
Arten. Herr Dr. Hilgendorf knüpft an die Bolle’schen Mit- 
theilungen über die Vögel der Stadt Peking einige Beobachtungen 
über die Vögel der Stadt Tokio, besonders über das Auftreten von 
Phasianus versicolor in den grösseren Parkanlagen gedachter Stadt. 

Herr Cabanis legt mehrere Haussperlinge, Passer domes- 
ticus L., von der Insel Cuba vor, welche auf dessen Ansuchen 
von Herrn Dr. Gundlach eingesandt worden sind. Herr Cabanis 
constatirt, dass dieselben sich in dem tropischen Klima durch 
‚mehrere Generationen in nichts verändert haben, und theilt die 


220 Allgemeine deutsche ornithologische Gesellschaft zu Berlin: 


brieflichen Notizen des Herrn Dr. Gundlach wie folgt mit: „Ich 
kam im Jahre 1839 5. Jan. nach Habana. Damals sah ich keinen 
‚Sperling dort. Nun.lebte ich bei Matanzas und dann bei Cardenas, 
wo ich bis 1852 war, ohne Habana wieder gesehen zu haben. Als 
ich 1853 oder 1854 wieder dorthin kam, sah ich in der Innenstadt 
schon mehrere. Ich blieb stets nur kurze Zeit in Habana und 
machte dann meine Reise nach dem östlichen Theile der Insel und 
sie dauerte von Juni 1856 bis August 1859. Nun lebte ich 1 Jahr 
lang in der Vorstadt Cerro.. Damals sah man die Sperlinge noch 
nicht dort, aber schon tausende in der Innenstadt, in den Stadt- 
gräben und auch schon viele in dem nächsten Theile der Aussen- 
stadt. Nun ging die Familie und also auch ich 3 Jahre lang zur 
Pflanzung Fermina, die gegen 20 deutsche Meilen von Habana erft- 
fernt sein kann. Wir waren nach Habana zurückgekehrt und 
wohnten nun nahe an den Stadtgräben. Da erst konnte ich etwas 
Näheres über die Lebensweise sehen. Da ihnen Löcher an Häusern 
fehlten, habe ich sie selbst zwischen dicht verzweigtem Laubwerk 
der exotischen Casuarina, die man hier falsch pino d. h. Fichte 
nennt, nistend gesehen. Auch mag der Sperling zu aller Zeit 
nisten, denn ich sah stets Nestjunge. In den Häusern ist er sehr 
dreist, zeigt nicht Furcht, ist aber dennoch sehr vorsichtig. — So 
gebrauchte ich, weil man in der Stadt nicht schiessen darf, die 
kleine Salonflinte, welche kaum tönt. Nach dem ersten Schusse 
im Hofraume, wo viele Sperlinge waren, wollten sie nicht mehr 
kommen. Ich muss gestehen, dass ich noch kein Nest hier unter- 
sucht und die Eier gesammelt habe. Es soll jedoch geschehen. 
Heute sind sie nicht allein bis zum Cerro in Menge vorgedrungen, 
sondern selbst stets den Häusern der an der Landstrasse liegenden 
Sommerwohnungen folgend bis zum Badeorte an der Küste von 
Marianao, 3 Wegstunden von Habana. Er scheint jedoch nur dahin 
vorzuschreiten, wo er Häuser sieht. Im Gebüsche bei dem Badeort 
lebt eine Menge, ich begreife aber nicht, wo sie nisten werden, 
weil die Häuser aus Brettern gebaut sind und keine tauglichen Stellen 
liefern. Die Nester müssen also wohl auf Bäumen stehen. Ich 
wohne nun schon eine Menge von Jahren hindurch fast stets auf 
der Fermina, kann also die Sperlinge nur dann und wann sehen. 
Ich will jedoch durch glaubwürdige Habaneser beobachten lassen. 

Was Nutzen oder Schaden betrifft, so kann ich nur Folgendes 
sagen. Hier sieht man nicht wie in Deutschland und Nord- 
amerika Raupennester auf den Obstbäumen, überhaupt giebt es ja 
nur wenige Spinnerschmetterlinge auf Cuba und man leidet wenig 
von Raupen an Obstbäumen, wiewohl oft Raupenschaden am Zucker- 
rohre, Mais, Baumwolle, Suca oder Manihot u. a. vorkommen. Da 
aber dieser Sperling der Haussperling ist, kommt er zu solchen 
Stellen nicht und vernichtet also wenige schädliche oder lästige 
Raupen und Insecten, aber er geht die Früchte an. Wer sonst in 
seinem Hausgarten oder im Hofraume Feigen, Trauben, Anonen u. 
a. m. erzog, sieht heute oft die halbreifen Früchte schon ange- 


nn zn 


Bericht über die März-Sitzung. 221 


bissen. Ich bin kein Freund der Sperlinge, wenigstens auf Cuba. 
Ueber den Ursprung des Vorkommens giebt es einige wenig von 
‚einauder abweichende Sagen. Don Jose Maria de la Torre in seineı 
Geographie von Cuba (er als Creole, stets in Habana wohnend, 
Professor an der Universität, welcher auch ein kleines Buch 
Habana wie sie war und wie sie ist) schrieb sagt: ‚Im 
Jahre 1850 liess man im Garten eines Conventes in Habana einige 
von der Halbinsel Spanien gebrachte Sperlinge los und heute (1854) 
sieht man schon viele, weil sich: dieser so schädliche Vogel ausser- 
ordentlich vermehrt. Dieses schrieb ein gebildeter Mann schon 
nach 4 Jahren, und so kann man der Aussage Glauben schenken. 

Herr Brehm bemerkt hierzu, dass P. domesticus in Spanien 
eine ebenso häufige Erscheinung sei wie bei uns in Deutschland, 
dass dagegen ?P. hispaniolensis nicht überall vorkäme, sondern 
auf einzelne Oertlichkeiten beschränkt se. Der spanische 
Sperling ist eine an Sumpfgebiete gebundene Art, die nie die 
Städte besucht. Herr Brehm bespricht die Verbreitung dieser 
Art in Spanien und knüpft daran Mittheilungen über das Vor- 
kommen im unteren Aegypten wo P. hespaniolensis stets im Ge- 
röhricht der Reiswälder seine Brutplätze aufschlägt. 

Mit Bezug auf den nahe verwandten italienischen Sperling, 
P. eisalpinus, theilt Herr Bolle mit, dass er denselben als 
Felsenvogel, in den Löchern des Kalkfelsens nistend, in ausser- 
ordentlich grosser Menge auf Capri und Ventotene angetrotfen habe, 
während die Art auf vulkanischen Inseln, wie Ischia und Ponza, 
vollständig fehle. 

Nach diesen Mittheilungen möchte Herr Brehm den Passer 
domesticus als Haus-, den P. hrspaniolensis als Sumpf- und den 
P. eisalpinus bedingungsweise als Felsenvogel charakterisiren. 

Herr Bolle theilt eine kleine ihm mündlich mitgetheilte Beob- 
achtung des so früh für die Wissenschaft verstorbenen Dr. Alfred 
Hansmann mit, nach welcher Petronia stulta, der typische Felsen- 
vogel, auf der Insel Sardinien in den Korkeichen brüte. 

Herr Reichenow referirt über einige neu eingegangene 
Bücher und legt die folgenden zum Abdruck im Journal und im 
Centralblatt eingegangenen Aufsätze vor: Dr. J. A. Palmen, Zur 
Diseussion über die Zugstrassen. — W. Pralle, Noch ein Mal das 
Meckern der Becassine. | 

Schluss der Sitzung. 

Brehm. 'Schalow. Cabanis, Gen.-Secr. 


Bericht über die März-Sitzung. 
Verhandelt Berlin, Montag den 3. März 1879, Abends 
7:1; Uhr, im Sitzungslocal. 
Anwesend die Herren: Böhm, Walter, Grunack, Thiele, 
Leschke, Kammann, Falkenstein, Reichenow, Cabanis, 
Bolle, Sy, Lestow und Schalow. 


222 Allgemeine deutsche ornithologische Gesellschaft zu Berlin: 


Von auswärtigen Mitgliedern: Herr Graf Berlepsch (Schloss 
Berlepsch) und Herr Hecker (Görlitz). 

Als Gäste die Herren: von Coffrane, Schmidt, Spiess 
und Thilenius,,sämmtlich aus Berlin. 

Vorsitzender: Herr Bolle, Schriftführer: Herr Schalow. 

Nachdem der Vorsitzende das in der Gesellschaft anwesende 
auswärtige Mitglied, Herrn Graf von Berlepsch, begrüsst und 
nachdem das Protokoll über die Februarsitzung verlesen, spricht 
Herr Cabanis, unter Vorlage einer grösseren Reihe von Exemplaren, 
über die verwandten Keilschwanzsittiche Conurus cactorum (Neuw), 
C. pertinax (L.), C. vantholaemus Sel. und ©. oculares Scl. et Salv. 
Der Vortragende, geht davon aus, dass die genannten Formen 
vielfach auf den Ausstellungen lebender Vögel, die hier in Berlin 
veranstaltet worden sind, erschienen, aber bisher stets in falscher 
Bestimmung. Letzteres habe seinen Grund darin, dass in. dem 
Papageien-Werk von Finsch mehrere Arten unter dem gemein- 
samen Namen pertinaz zusammengefast seien und dass dadurch 
eine grosse Begrifisverwirrung unter den urtheilslosen Liebhabern 
und Händlern sich fortgepflanzt hätte. 

Herr Cabanis charakterisirt die nahe verwandten Arten 

wie folgt: 
H 1. Conurus cactorum (Neuw). Wangen grün, wie der Rücken, 
hierdurch sofort von den anderen Arten zu unterscheiden. Brasilien. 
| 2. Conurus pertinax (L.). 

Beim jüngeren Vogel die Wangen bräunlich wie die Kehle 
und Brust, der Scheidel in’s Bläuliche ziehend (aeruginosus L.). 
Beim alten Vogel sind die Wangen mehr oder weniger in’s Gelbe 
gehend (chrysophrys Sws., chrysogenys Souance). Guiana und 
Venezuela. 

4. 3. O. zantholaemus Sel. (wanthogenius Bp.). 

Die ganzen Kopfseiten, auch Vorderkopf und Kehle lebhaft 
orangegelb, der Scheitel bläulich. Westindien, namentlich St. Thomas. 

4. C. ocularis Sclat. et Salv. Etwas kleiner als die anderen 
Arten, Scheitel nicht bläulich, sondern grün, wie der Rücken. Nur 
unter dem Auge ein gelbes Abzeichen. Centralamerika. 

Alle die vorgenannten Arten sondern sich sehr gut durch ihre 
verschiedene geographische Verbreitung. Sclater trennt 
C©. pertinax und aeruginosus,; während der Vortragende dieselben 
nur als alten und jungen Vogel ein und derselben Art betrachten 
kann. Die jüngeren Individuen des Berliner Museums, sowohl von 
Guiana als auch aus Venezuela (also C. aeruginosus L.), zeigen bei 
. genauer und sorgfältiger Untersuchung in der Augengegend einzelne 
gelbe Federchen. Ein alter Vogel aus Venezuela (Orinoco) zeigt 
zwar die Augengegend extensiver gelb (chrysophrys Sws.) als die 
alten Vögel von Guiana, sonst aber, auch in dem bläulichen Scheitel, 
die vollständigste Uebereinstimmung. 

Herr Cabanis. bittet die Liebhaber, ihre Aufmerksamkeit 


Nachrichten: An die Redaction eingegangene Schriften. 293 


diesen Arten zuzuwenden und vor Allem auf genaue Angaben über 
das Vaterland zu achten. 

Herr Graf von Berlepsch knüpft hieran noch einige Be- 
merkungen über Exemplare der vorgenannten Arten, die sich in 
seiner Sammlung befinden, und spricht seine Uebereinstimmung mit 
den Ansichten des Vorredners aus. 

Derselbe legt alsdann eine Anzahl neuer Arten vor, 
charakterisirt dieselben und erläutert ihre Beziehungen zu nahe ver- 
wandten, bezüglich identisch gehaltenen Formen. Es sind dies: 
Basileuterus Cabanisi, ı. sp. ex Venezuela, eine dem B, vermivorus 
Cab. nahe stehende Art, ferner Pachyramphus intermedius n. Sp. 
ex Venezuela. Graf Berlepsch charakterisirt ausserdem ein neues 
Genus Callithraupis mit der Art C. cyanicterus Vieill. Das Nähere 
ist ausführlich weiter vorn im Journal abgedruckt, worauf hiermit 
verwiesen sei. 

Herr Graf Berlepsch bespricht ausserdem eine Anzahl 
seltener amerikanischer Arten aus seinen Sammlungen und legt 
die betreffenden Stücke den Anwesenden vor. 

Herr Hausmann theilt einige allgemeine Bemerkungen und 
Beobachtungen über den Einfluss des diesjährigen harten Winters 
auf unsere kleineren Vögel mit. 

Herr GrafBerlepsch spricht in einer längeren Mittheilung 
über die Vogelfauna seines Beobachtungsgebietes, Schloss Berlepsch 
bei Witzenhausen, Provinz Hessen- Nassau. Der Vortragende 
charakterisirt die Localität des Gebietes, weist auf die dort be- 
obachteten Zugverhältnisse hin, giebt eine allgemeine Uebersicht 
der von ihm beobachteten Arten und legt alsdann eine Anzahl 
interessanterer Formen in vielen Exemplaren vor, u. a. Parus 
caudatus, Pyrrhula germanica, Fringilla coelebs, Lanius major und 
Podiceps minor. 

An diesen Vortrag knüpfen sich längere Discussionen. Bei 
dieser Gelegenheit werden auch die Publicationen des Ausschusses 
für Beobachtungsstationen der Vögel Deutschlands besprochen, 
deren Wichtigkeit betont und einzelne Aenderungen in der Auf- 
stellung der Rubriken in den Beobachtungslisten vorgeschlagen. 

Bolle. Schalow. Cabanis, Gen.-Secr. 


Nachrichten. 
An die Redaction eingegangene Schriften, 
(Siehe Seite 94—96.) 


1519. Selater. Description of two new Ant-Birds of the Genus 
Grallaria, with a List of the known Species of the Genus. 
(Cum Tabb. "VII. Grallarsa ruficeps; IX. @. flavo- 
tincta.) |From The Ibis, 1877.) — Vom Verfasser. 

1520. Selater. Revision of the Species of the Cotingine Genus 
Pipreola. (Cum Tab. VI. Pipreola fr ontalis.) [From 
The Ibis, 1878.) — Von Demselben. 


224 Nachrichten: An die Redaction eingegangene Schriften. 


1521. 


1522. 


1523. 


1524. 


1525. 
1526. 


1527. 


1528. 


1532. 


1533. 


Sclater. Preliminary Remarks on the Neotropical Pipits. 
(Cum Tab. X. Anthus Nattereri.) |From The Ibis, 
1878.] — Von Demselben. 

Sclater. Note on the Breeding of the Sacred Ibis in the 
Zoological Society’s Gardens. (Cum Tab. XII. Idis aethiopica, 
young and Egg.) [From The Ibis, 1878.] — Von Demselben. 
Sclater. Note on the American Crows of the Subgenus 
Xanthura. — On recent Additions to our Knowledge of 
the Avifauna of the Sandwich Islands. (Cum Tab. Il. Lox:- 
oödes Bailloni.) [From The Ibis, 1879.] — Von Dem- 
selben. 

Sclater and O. Salvin. Description of three new Spe- 
cies of Birds from Ecuador. (Cum Tabb. XXVI. Neomor- 
phus radiolosus; XXVIl. Aramides calopterus.) 
[From Proc. Z. S. L. Apr. 16, 1878.] — Von Demselben. 
Dr. G. Hartlaub. On Agapornis Sweinderniana. 
[From The Ibis, Jan. 1879.] — Vom Verfasser. 

Dr. A. B. Meyer. Field-notes on the Birds of Celebes. Part. 
I. Psittaci, Rapaces and Picariae. |From The Ibis, 
Jan. 1879.] — Vom Verfasser. 
Victor Ritter v. Tschusi zu Schmidhoffen. Biblio- 
graphia ornithologica. Verzeichniss der gesammten ornitho- 
logischen Literatur der österreichisch-ungarischen Monarchie. 
[Separatabdr. aus Verhandl. d. K. K. zool.-botan. Ges. in 
Wien. Jahrg. 1878.] — Vom Verfasser. 

Geo. N. Lawrence. Catalogue of the Birds of Grenada, 
from a Collection made by Mr. Fred. A. Ober for the Smith- 
sonian Institution, ineluding others seen by him, but not ob- 
tained. [From Proc. Unit. Stat. National Museum, 1878.] — 
Vom Verfasser. 


.J. Reinhardt. En ny Metua-Art. — En for Gronland 


ny Fugl. — [Aftryk Vidensk. Meddelelser f. d. naturh. 
Forening i Kjobenhavn. 1879—80.] — Vom Verfasser. 


. J. V. Barboza du Bocage. Me£langes ornithologiques. 


V. Especes nouvelles d’Angola. [Extr. Jornal d. Sc. math, 
phys. e natur. No. XXIV. Lisboa 1878.] — Vom Verfasser. 


. L. M. D’Albertis & T. Salvadori. Catalogo degli Uccelli 


raccolti da L. M. D’Albertis durante la seconda e terza Es- 
plorazione del Fiume Fly negli anni 1876 e 1878. [Estratto 
dagli Annali del Mus. Civ. di St. Nat. di Genova. Vol. XIV. 
10. Marzo 1879. — Genova 1879.] — Vom Verfasser. 
The Ibis. A Quarterly Journal of Ornithology. Edited 
by Osbert Salvin and Ph. L. Selater. Fourth Series. Vol. II. 
No, 10. April 1879. — Von der British Ornithol. Union. 
Dr. Sclater. A small blue Macaw (Ara Spixi). Cum 
Tab. LXI. [From. Proc. Z. S. London 1878, p. 976.] — Vom 
Verfasser. 


G. Pütz’sche Buchdruckerei (Otio Hauthal) in Naumburg a/S, 


5 


JOURNAL 
für 


ORNITHOLOGIE. 


Siebenundzwanzigster Jahrgang. 


Betrachtungen über die Seleetionstheorie vom Standpunkt 
der Oologie aus. 
Von 
_W. v. Nathusius (Königsborn). 


Dass die folgenden Bemerkungen durch die Arbeit von Dr. Kutter 
im Jahrg. 1877 S. 396 und Jahrg. 1878 S. 300 dieser Zeitschr. 
veranlasst wurden, möchte ich schon in obiger Ueberschrift andeuten, 
so wie auch durch dieselbe einen gewissen Gegensatz hervorheben, 
in welchem sich m. E. seine Behandlung des Themas gegen das- 
jenige befindet, was man wenigstens früher als die allein gestattete 
Basis für wissenschaftliche Erörterungen ansah. Dr. Kutter’s Titel 
lautet nämlich: Betrachtungen über Systematik und Oologie vom 
Standpunkt der Selectionstheorie. Mir scheint es richtiger, na- 
mentlich in einem, solchem speciellen Zweige der Naturforschung 
gewidmeten Blatt, wenn man ein so umfassendes Thema als die 
Seleetionstheorie überhaupt behandeln will, doch wenigstens erst 
die Specialien auf Grundlage der Thatsachen im Einzelnen so ob- 
jeetiv als möglich festzustellen. Der Anschein einer vorherge- 
fassten Meinung muss wenigstens hervorgerufen werden, wenn mit 
einer Darstellung der Hypothese, in welcher man sie als etwas 
Erwiesenes behandelt, begonnen wird. Hiermit einen persönlichen 
Vorwurf machen zu wollen, liegt mir weitab. Es liegt diese Art des 
Procedirens im Wesen der Selectionstheorie. Wie ja schon oft zur 
Genüge nachgewiesen, kann man auf dem Wege des Beweises nicht 
zu ihr gelangen. Sie ist ein Product von Vermuthungen, 
nicht von Beobachtungen und Erfahrungen. Dr. Kutter 
räumt demgemäss z. B, auf S. 328 Jahrg. 1878 den Vermuthungen 
eine Bedeutung ein, welche ihnen nicht gebührt, indem er sagt: 


- „Soweit es gestattet ist, ‚Lücken unseres Wissens mit (einigermassen 


begründeten) Vermuthungen auszufüllen‘, werden wir kaum von der 
Oab. Journ. f. Ornith. XXVIJ. Jahre. No. 147. Juli 1379, 15 


236 W.v. Nathusius: 


Wahrheit abirren, wenn wir uns die Eier der ältesten Vogelge- 
schlechter noch übereinstimmender mit denen der Reptilien vor- 
stellen, als dies bei manchen noch zur Zeit der Fall ist. Die 
Kalkschale derselben war wahrscheinlich unvollkommener 
construirt und durchweg ungefärbt.“ 

Die Vermuthung ist nur insoweit berechtigt, als sie den Weg 
finden hilft, welchen die Beobachtung, das Experiment ein- 
zuschlagen hat. „Gestatten“ könnten wir ihr ja recht gern, „Lücken 
des Wissens auszufüllen“, aber leider bleiben die Lücken unaus- 
gefüllt, auch wenn man Bogen und Bände mit „einigermassen be- 
gründeten“ Vermuthungen füllt, und das Gefährliche, das darin 
liegt, in die Lücken des Wissens etwas diesem so durchaus Hete- 
rogenes wie das Vermuthen hineinzufügen, liegt in der dadurch 
entstehenden Täuschung, als ob diese Lücken nicht vorhanden seien. 
Möchte man doch wenigstens, wenn man dem Gelüst nicht wider- 
stehen kann, Vermuthungen zu veröffentlichen, dieses unter dem 
besondern Rubrum: ‚„Naturvermuthungen“ von dem der Natur- 
wissenschaft trennen. Es wäre denn doch auch für den Geschmack 
derjenigen gesorgt, welche dem Ausspruch einer unserer bedeu- 
tendsten wissenschaftlichen Capacitäten: Wenn ich einmal einen 
Roman lesen will, dann weiss ich mir doch etwas Besseres als 
Entwicklungsgeschichte, zustimmen. 

Obiges Citat gab ich vollständig, um gleich noch einige Be- 
merkungen über gerade diese Vermuthungen anschliessen zu 
können. Die ältesten aufgefundenen und untersuchten Vogel-Eier 
sind, so viel mir bekannt geworden, die des ausgestorbenen Aepy- 
ornis von Madagaskar. Ein später im Kaukasus aufgefundenes, 
ebenfalls von einem nicht mehr vorhandenen Vogel herrührendes 
Ei konnte leider noch nicht Gegenstand wissenschaftlicher Unter- 
suchung werden, da der Finder einen Preis dafür forderte, wel- 
chen continentale wissenschaftliche Institute nicht verwendbar 
haben. Die Structur der Eischale von Aepyornis habe ich in 
Siebold und Kölliker’s Zeitschr. f. wissensch. Zoologie Bd. XXI 
ausführlich beschrieben und abgebildet. Sie gehört zu den höchst 
entwickelten und complicirtesten, die auch bei den recenten Vogel- 
Eiern vorkommen. Ferner ist unvollständige oder fehlende Kalk- 
schale keineswegs ein allgemeiner Charakter der Reptilien-Eier. 
Diejenigen einiger Schlangen und der Krokodile erscheinen voll- 
ständiger und complicirter gebaut, als die der Oscinen. Endlich 
steht Färbung mit unvollkommener Schalenbildung durchaus in 


Betracht. üb. d. Selectionstheorie v. Standpunkt d. Oologie aus. 227 


keinem Zusammenhang. Die am höchsten entwickelten Schalen- 
structuren finden sich bei den Struthioniden und den Natatoren. 
Sie sind sämmtlich ungefleckt. Die schöne Färbung bei Dromaeus 
und Casuarius ist etwas ihrem Wesen nach von anderen Färbungen 
total Verschiedenes. Die wenig entwickelten Eischalen der Oscinen 
bieten zahlreiche Fälle von Buntheit. Doch ist dieses auch Keine 
Regel, denn die sehr charakteristische Schale von Uria ist sehr 
bunt. Danach sind diese Vermuthungen nicht einmal einigermassen 
begründet, sondern widersprechen bekannten Thatsachen. 

Dr. K. hat auch die ethische und religiöse Seite berührt, zwar 
nicht eingehend, aber gerade solche kleine Seitenhiebe gegen die 
„Schöpfungstheoretiker“, wie auf S. 327 der zweiten Abtheilung 
und ganz besonders in der Anmerkung 2 zu S. 338, haben etwas 
besonders Provocirendes, und was ganz allgemeine Verwahrungen 
der Seleetionstheorie gegen Atheismus und Materialismus für eine 
Bedeutung haben sollen, ist schwer abzusehen. 

Nicht der christlichen Religion allein angehörig, sondern für 
alle theistischen Auffassungen gemeinsam besteht die Annahme 
eines allmächtigen und allwissenden geistixen Wesens, welches 
Schöpfer und Regierer unserer Welt ist, dieses Regiment aber nach 
einer gewissen Ordnung führt, welche uns als gesetzlich ent- 
gegentritt, wodurch eine Naturwissenschaft ermöglicht wird. 
Jedes vernünftige Gesetz hat ein bestimmtes Ziel. Damit ist das 
Planmässige der Schöpfung gegeben. Der Act der Schöpfung 
muss, wenn man einen solchen überhaupt annimmt, logisch be- 
trachtet ausserhalb der das schon Gewordene regierenden Gesetze 
liegen, weshalb man ihn nach dem bestehenden Sprachgebrauch 
nur als einen wunderbaren bezeichnen kann. Da nach dieser 
Auffassung selbstverständlich auch der Mensch mit einem bestimmten 
Ziel erschaffen und mit gewissen geistigen Gaben, die in Har- 
monie mit jenem höchsten Wesen stehen, ausgerüstet ist, besteht 
eine persönliche Beziehung zu diesem für ihn. 

Dass der sogenannte Monismus Häckel’s dieses nicht nur Alles 
leugnet, sondern dessen sämmtliche Hypothesen im bewussten 
Gegensatz hiergegen aufgestellt sind, und diesen Hypothesen der 
Materialismus zu Grunde liegt, bedarf eines Nachweises nicht; aber 
schon die Selectionstheorie Darwin’s, bezüglich deren dieser be- 
kanntlich später eingeräumt hat, dass die thierische Abstammung 
der Menschen ihre nothwendige Consequenz sei, welche er nur 
absichtlich verschwiegen habe, um der „guten Sache“ nicht zu 

15* 


228 W. w Nathusius: 


schaden, steht zu jenen theistischen Auffassungen dadurch im ent- 
schiedensten Gegensatz, dass sie eben das Planmässige, das 
Gesetzliche, genug das Wesen des Weltregiments direct 
leugnet, und die zufällige, von dem Schöpfer unvorhergesehene 
und unbeeinflusste Entwicklung durch den Kampf um das Dasein 
an seine Stelle setzt: Wenn also auch Darwin die Existenz eines 
Schöpfers nieht ausdrücklich bestreitet und die Möglichkeit offen 
lässt, dass gewisse Anfangs-Organismen erschaffen sind, so folgt 
doch aus seiner ausdrücklichen Erklärung, dass er eine plan- 
mässige Entwicklung der lebenden Wesen nicht annehmen 
könne, dass alle diejenigen Beziehungen des Menschen zum 
Schöpfer, welche das Wesen der theistischen Auffassungen bilden, 
für den Darwinismus nicht existiren können, denn mit der Leugnung 
der planmässigen Entwicklung wird auch geleugnet, dass die Ent- 
wicklung präsumtiver niedrigerer Geschöpfe zu Menschen auf einer 
Absicht des Schöpfers berube. Das Sittengesetz wird so bestimmt 
als von einem höchsten Wesen nicht ausgehend betrachtet, dass 
Darwin ja sehr ausführlich erörtert hat, wie seiner Meinung nach 
auch dieses aus den Zufällen des Kampfes um das Dasein habe 
hervorgehen können. Für die persönlichen Beziehungen der’ Men- 
schen zum Schöpfer stellen sich also Darwin’s Auffassungen prak- 
tisch genommen vollständig gleich mit den atbeistischen. Aus Dr. Ks 
einzelnen Aeusserungen ein Urtheil über seine Stellung zu bilden, 
will ich mir selbstverständlich nicht erlauben, glaube aber, dass 
wenn sie von denen Darwin’s abweichen, eine klarere Darlegung 
derselben vorzuziehen gewesen wäre. 

Es sagt mir sehr wenig zu, in einem Journal für Ornithologie 
solche Themata zu berühren, aber die „Schöpfungstheoretiker“ sind 
durch’ die Art von Dr. K.’s Aeusserungen geradezu, wenn auch 
wohl unabsichtlich, provocirt. 

Noch eine Unklarheit muss ich berühren. Im ersten Theil 
seiner Arbeit gebraucht Dr.K. vielfach den Ausdruck „Descendenz- 
lehre“. Diese ist toto die von der Selectionstheorie darin ver- 
schieden, dass sie zwar eine Wandlung und Entwicklung der ursprüng- 
lichen Formen aus einer gegebenen Schöpfung durch die in diese 
gelegten causalen Momente annimmt, aber das Planmässige und 
Gesetzliche dieser Entwicklung nicht bestreitet. 

Hiermit möchte ich im Interesse der Leser die allgemeine 
Frage der Selectionstheorie so kurz als möglich erledigt haben, 
vorbehaltlich einiger Nutzanwendungen, welche sich später ergeben 


Betracht. üb. d. Selectionstheorie v. Standpunkt d. Oologie aus. 229 


werden, wenn erst die Feststellung einiger thatsächlichen Verhält- 
nisse versucht ist. Wer sich für die allgemeineren Beziehungen 
der Selectionstheorie, die doch nachgerade auch nichts Neues mehr 
ist, interessirt, wird in dem Werke Wigands: Der Darwinismus und 
die Naturforschung Newton’s und Cuvier’s, Braunschweig, Vieweg 
1876, eine vom wissenschaftlichen — nicht Vermuthungs- — 
Standpunkt aus m. A. n. vernichtende Kritik derselben finden. 
Sine ira et studio, da ich Dr. K. für freundliche Erwähnung 
meiner Arbeiten nur zu danken habe, darf ich mich nun zur Be- 
trachtung der Natur des Vogel-Eies wenden. Ich hatte allerdings 
schon in d. Zeitschr. (Juliheft No. 112. 1871) eine gedrängte 
Uebersicht der Resultate meiner in der Zeitschr. f. wissensch. Zool. 
Bd. XVII, XIX, XX und XXI publieirten Untersuchungen ge- 
geben, musste dabei aber, um kurz zu sein, von Anführung des 
speciellen Beweismaterials absehen. Diese Resultate werden nun in 
ihren wesentlichsten Theilen bezweifelt oder verworfen, ich bin es 
also wohl den Lesern schuldig, in eine nähere Erörterung einzugehen. 
Da muss ich zunächst dem von Dr. K. in der Anmerkung zu 
S. 303 (Heft III von 1878) Gesagten entgegentreten. Ob die Meckel’- 
sche Auffassung, dass lediglich derjenige Theil des Dotters, der 
dem Furehungsprocesse unterliegt, dem Säugethier-Ei homolog sei, 
vieles für sich habe oder hatte, ist irrelevant. Sie ist durch 
Gegenbauer (Reichert’s Archiv 1861 p. 491) aus der Entwicklungs- 
geschichte des Vogel- und Reptilien-Eies als irrig erwiesen, und 
gilt die Meckel’sche Auffassung ganz allgemein als beseitigt. Die 
Gegenbauer’sche Arbeit hatte ich in dem von Dr. K. S. 319 er- 
wähnten, also ihm bekannten Aufsatz eitirt und ihrer Resultate 
erwähnt, und wenn auch Niemand lebhafter davon durchdrungen sein 
kann als ich, dass in der Wissenschaft Thatsachen und nicht Au- 
toritäten massgebend sind, so muss ich doch mir die Bemerkung 
erlauben, dass es sich hier eben um Thatsachen und zwar um all- 
gemein bekannte und vielfach bestätigte handelt. Auch dabei sind 
ja Irrthümer noch immer möglich; ohne aber solche Irrthümer 
durch neue Thatsachen als solche zu erweisen, hat meiner un- 
massgeblichen Ansicht nach Niemand das Recht, solche obsolete 
Dinge in einer wissenschaftlichen Discussion noch als existent zu 
betrachten; sonst würde ja jede Möglichkeit aufhören, letztere 
fruchtbringend zu machen. Die Meckel’sche Ansicht hat zunächst 
nur noch ein historisches Interesse, indem sie begreiflich macht, 
wie dieser Irrthum einen tüchtigen und bedeutenden Mann in die 


230 W. v. Nathusius: 


weiteren Irrthümer über die Bildung der Eihüllen verlocken konnte, 
die jetzt noch nachspuken! Ebenso muss ich dem entgegentreten, 
dass Dr. K. die Landois’sche irrthümliche Meinung, als ob in der 
Eischale vom Uterus abstammende celluläre Elemente vorhanden 
seien, noch als existent behandelt und wenigstens theilweise accep- 
tirt (S. 309). Irren ist menschlich und aus den angewandten Prä- 
parationsmethoden hervorgehende Artefacte als Structur-Eiemente 
zu betrachten, ist schon Manchem passirt und wird immer wieder 
einmal vorkommen. Hat sich Jemand in dieser Art versehen, so ist 
es vollständig genügend, dass dieses einmal nachgewiesen wird, und 
müsste die Sache damit ruhen; aber Dr. K. nöthigt mich, indem 
er diese Irrthümer wieder vorträgt, das schon einmal *) Gesagte 
noch bestimmter wiederholen. 

Landois lagen bei seiner Arbeit Schalenschliffe, welche doch 
allein die Struetur der Eischalen deutlich erkennen lassen, nicht 
vor. Ich glaube dergl. zuerst angefertigt zu haben und muss, 
beiläufig bemerkt, nach dem von Dr. K. Gesagten annehmen, dass 
ihm solche ebenfalls nicht vorgelegen haben. Landois operirte nur 
mit in Säuren entkalkten Schalenstückchen. Durch die sich hierbei 
entwiekelnde Kohlensäure entstehen in dem gallertartigen Rück- 
stande blasenförmige Hohlräume, welche, indem sie sich bei der 
Behandlung mit Rosanilin-Nitrat mit der rothen Flüssigkeit füllen 
mögen, Zellenkerne simuliren. Weder von etwas Kernähnlichem, 
noch von irgend einer Annäherung an Zellengestalten ist bei den 
Schliffen von Vogel-Eischalen das Mindeste zu bemerken, und auch 
wenn diese Schliffe mit verdünnter Säure entkalkt werden, fehlen 
diese täuschenden Hohlräume, da hier die sich entwickelnde 
Kohlensäure ungehindert entweichen kann oder bei ihrer geringen 
Quantität in der Flüssigkeit gelöst bleibt. Wenn eine dünne 
Eischale, z. B. von einer Oscine, wo die Mammillen, d. h. die 
zitzenartigen Auswüchse der inneren Fläche, welche in die Schalen- 
haut eingepflanzt erscheinen, einen verhältnissmässig grossen Theil 
der Dicke einnehmen, flachliegend entkalkt wird, so entsteht das 
täuschende Bild, das zur Annahme von cellulären Elementen geführt 
hat. Wie aber Dr. K. auf $S. 308, Bd. 6 d. Z. davon sprechen 
kann, dass diese Pseudozellen „zuweilen auch in mehreren Lagen 
übereinander gefunden werden,“ wäre mir absolut unverständlich, 
wenn ich mich nicht dessen erinnerte, dass Blasius, der, obgleich 


*) Ueber die Hüllen, welche den Dotter des Vogel-Eies umgeben, 
Zeitschr. f. wissensch. Zoo]. Bd. XVII. 8. 227 u. 246, 


Betracht. üb. d. Seleetionstheorie v. Standpunkt d. Oologie aus. 231 


er einige wesentliche Irrthümer Landois’ berichtigte, doch ebenfalls 
den durch die Säurebehandlung so leicht entstehenden Täuschungen 
Raum gegeben hatte, auf Taf. XXX Fig. 7*) einen „idealen“ Quer- 
schnitt der Straussen-Ei-Schale abgebildet hat, in welchem aller- 
dings eine mehrfache Schicht dieser künstlich hergestellten Hohl- 
räumchen den unteren Theil ausfüllt. Ich muss vermuthen, dass 
Dr. K. übersehen hat, wie Blasius diese Abbildung ausdrücklich 
als eine schematische bezeichnet, und dadurch zu obiger Behauptung 
veranlasst ist, welche ich, nachdem ich Hunderte von Schalenschliffen 
der verschiedensten Species präparirt habe, als unbegründet zu er- 
klären wohl berechtigt bin. Schon constructiv ist es ja einfach 
unmöglich, dass die in die Schalenhaut inserirten Mammillen- 
Endungen — und weiter sind die fraglichen Bildungen Nichts — 
in mehreren Lagen übereinander stehen ‚könnten. 

Da mich diese Erörterung schon auf die Verhältnisse der 
Kalkschale geführt hat, will ich zunächst bei dieser bleiben, und 
hier tritt zunächst entgegen, dass nach der Meckel’schen und allen 
andern Theorien, welche die Schale nicht als einen vom Ei aus ge- 
wachsenen, wenn auch die zu seinem Aufbau nöthigen Stoffe aus 
Absonderungen des mütterlichen Leibes beziehenden Organismus, 
sondern als eine mechanische Apposition dieser Absonderungen 
betrachten, schon die normale Gestalt des Eis unerklärt bleibt. 
Möchte ein vom Oviduct, speeiell vom Uterus ausgehender Druck 
die ovale Form im Allgemeinen bewirken können, so würden nie- 
mals hierdurch die beiden Pole dieselbe gleichmässise Abrundung 
und Glättung erfahren können als die übrige Schale. Hier kann 
derselbe Druck nicht wirken und dieses müsste am Ei bemerkbar 
sein. Vollends unbegreiflich würden aber viele der beim Haushuhn 
so häufig vorkommenden abnormen Gestaltungen sein, z. B. das 
von mir in der Zeitschr. f. wissensch. Zool. Bd. XIX Taf. XXVIII 
Fig. 19. abgebildete, in der Mitte eingeschnürte oder semmelförmige 
Ei — ein ähnliches auch das. in Bd. XX T. VII Fig. 15 A. — 
und noch mehr die ganz eigenthümliche Gestalt, die in Bd. XIX 
T. XXVIII Fig. 22 in verschiedenen Ansichten dargestellt ist. 
Hier liegt einseitig am Aequator des Eies eine länglich runde 
Region um ca. 3 mm. gegen die übrige Oberfläche vertieft und 
geht durch einen faltigen Wulst in die letztere über. 


*) Ueber Bildung, Struetur und systematische Bedeutung der Eischale 
der Vögel, Zeitschr, f, wissensch. Zool. Bd. XVII. 1867, 


232 W. v. Nathusius: 


Bezüglich der teratologischen Verhältnisse und dessen, was 
sie über die Natur der Eischalen lehren, sei hier noch gleich er- 
wähnt, dass ich schon (a. a. ©. Bd. XVII S. 244) im Text nach- 
gewiesen und durch die Abbildung auf T. XVI Fig. 22 erläutert 
habe, wieabnormer Beschaffenheit des Eies auch eine 
abnorme Structur der Schale entspricht (vergl. auch 
a. a. O. Bd. XIX Taf. XXVII Fig. 19, 20 u. 21). Dieses gilt 
nicht nur für die Schale der sogen. Wind-Eier im Allgemeinen. 
Häufig zeigt auch die Oberfläche der Schale kleine halbsphärische 
Auswüchse oder Erhebungen, welehe aber nicht solid sind, sondern 
einen mit Eiweiss gefüllten Hohlraum enthalten, der durch die 
Schalenhaut von dem übrigem Eiweiss getrennt wird, wie die oben 
eitirte Fig. 22 es darstellt. Sie ergiebt zugleich, dassdie Schalean 
diesen Stellen einecharakteristische, von derjenigen 
der übrigen Eischale wesentlich abweichende Struc- 
tur hat. Dieser Fall ist nicht vereinzelt. Es liegt mir unter 
Anderem jetzt wieder ein Perlhuhn-Ei mit ähnlichen Körnchen 
vor, bei denen dasselbe stattfindet. Wie könnte dieses statt- 
finden, wenn die Schale, vom Eileiter gebildet, dem 
Ei nur mechanisch angefügt wäre? 

Auch die sehr interessante a. a. O. Bd. XIX Taf. XXVII 
Fig. 14—16 und T. XXVII Fig. 17 u. 13 abgebildete und das. 
im Text p. 334 erläuterte Abnormität eines Puter-Eies gehört hier- 
her und beweist m. A. n. evident, dass die Schale ein wirklicher 
gewachsener Organismus, also zum Ei selbst gehörig ist. Einfach 
sachlich glaube ich hiermit constatiren zu müssen, dass Dr. K. 
über solche thatsächliche Befunde, deren Erörterung doch der 
alleinige Weg zur Aufklärung einer für die Oologie wichtigen 
Fundamental-Frage ist, stillschweigend hinweggeht. 

Auch mit dem $. 310 Gesagten kann ich diese Frage sachlich 
nicht gefördert sehen, wenn ich auch Dr. K. schon für das Maass 
von Bedeutung, das er meinen Untersuchungen der Eischale ein- 
räumt, persönlich nur zu danken habe. Die Structur der Schale 
aus derVerwendung ‚gewisser organisirterAbsonderungs-Elemente des 
mütterlichen Organismus“ zu erklären, dürfte doch nur dann gestattet 
sein, wenn solche Absonderungs-Elemente irgendwie bekannt und 
durch irgend eine Beobachtung nachgewiesen wären. Auch hier 
die Lücken der Beobachtung durch Vermuthungen auszufüllen, 
dürfte doch als etwas zu weitgehend betrachtet werden müssen. 
ebrigens ist, davon abgesehen, ganz unerfindlich, wie die Schalen- 


3 


E| 


/ 


Betracht. üb. d. Selectionstheorie v. Standpunkt d. Oologie aus. 233 


structur von aussen her sich, so wie sie ist, aus irgend welchen 
Absonderungsproducten in dieser bestimmten und charakteristischen 
Weise bilden sollte. Dr. K. räumt doch auf S. 308 den verschiedenen 
Entwickelungsstufen, welche die Eischalen der Reptilien zeigen, eine 
Bedeutung für die Ontogenese der Vogel-Eischale ein. Danach 
liegen aber die Centra für die Bildung der ersten Schalenrudi- 
mente in der Faserhaut und diese Centra bleiben für die ganze 
Structur bestimmend. Das Wachsen von diesen Centren aus durch 
nach aussen neugebildete Schichten lässt vollständig die eigen- 
thümliche Bildung verstehen, dass die innere Schalenseite keine 
Fläche bildet, sondern aus zitzenförmigen Hervorragungen — von 
mir wegen ihrer charakteristischen Form als Mammillen der Schale 
bezeichnet — besteht, welche in die Faserhaut sich einsenken, 
während von den solchergestalt über der letzteren bleibenden Luft- 
räume aus Porencanäle nach der äusseren Fläche gehen. Wie soll 
eine solche Structur zumal die verzweigten Porencanäle bei 
den Gänsen und Struthioniden mit solcher Regelmässigkeit aus den 
Absonderungsproducten des Eileiters, auch wenn dieselben Reste 
von übrigens gänzlich hypothetischen Organisationen wären, hervor- 
gehen ? 

In gewissem Grade ist es schwierig, solche Vermuthungen zu 
widerlegen, eben weil sie so gänzlich vage und schattenhafte sind 
und sich auf gar nichts Thatsächliches zu stützen versuchen. In 
den schon angeführten, in der Zeitschr. f. wissensch. Zoologie 
publieirten Arbeiten habe ich ziemlich zahlreiche Abbildungen von 
Schalenschliffen gegeben und, wie schon in dieser Zeitschr. 1871 
No. 112 mitgetheilt, eine kleine Suite von Schalenschliffen der noch 
lebenden Struthioniden dem K. zool. Museum in Berlin und eine 
ebensolche nebst den ausgestorbenen Dinornis und Aepyornis dem 
K. K. zool. Museum in Wien übergeben, wo sie ja der Prüfung zu- 
gänglich sind. Meine sehr zahlreiche Sammlung von hierhergehörigen 
Präparaten steht Jedem, der sich für diese Fragen näher interessirt, 
gern zur Einsicht, und ich denke, dass aus alle diesem Material 
für den, der es ohne vorgefasste Meinung unbefangen prüft, die 
Ueberzeugung, dass die Schale nur ein aus dem Ei erwachse- 
ner Organismus sein kann, sich schlagend ergiebt. Dieser 
organisirte Charakter schliesst, selbstverständlich nicht aus, dass der 
mütterliche Organismus, indem er das Rohmaterial zu diesem Bau 
liefert, einen wichtigen Einfluss auf denselben ausübt. Die Details 
dieser Structuren, ohne die Abbildungen und die Präparate hier 


234 W. v. Nathusius: 


eingehender zu erörtern, ist leider unmöglich, ich will jedoch 
wenigstens auf eine schon anderweitig veröffentliche Beobachtung *) 
hinweisen, welche dem Versuche Dr. K.’s, die Schalenstructur auf 
organisirte Absonderungen des Eileiters zurückzuführen, direct 
entgegenstehen dürfte. 

Die Verhältnisse einer in der Entwicklung begriffenen Schale 
von Hirundo riparia sind a. a. O. S. 20 erörtert und Taf. I Fig. 1 
abgebildet. Die Flächenansicht der halbfertigen Schale ergiebt 
dasselbe, was schon Purkinje beobachtet und abgebildet hat, aber 
der Querschnitt, welchen man schon auf Falten der noch voll- 
ständig biegsamen, obschon mit den Schalenrudimenten besetzten 
Haut beobachten kann, zeigt nicht nur, dass diese Rudimente nichts 
Kıystallinisches haben, wie Purkinje meinte, sondern die sich zuerst 
bildenden Endungen der Mammillen sind; er ergiebt auch, dass 
sich diese Rudimente unter einer continuirlichen zarten 
Membran bilden, welche wahrscheinlich das zuweilen auch bei 
der ausgebildeten Schale noch nachweisbare sogenannte Ober- 
häutehen ist. Wie dem auch sei, so schliesst das Vorhan- 
densein dieses Häutchens die Möglichkeit des Hin- 
zutritts organisirter, also doch geformter Absonde- 
rungs-Producte des Eileiters zur Schalenbildung 
vollständig aus. 

Was die Schalenhaut (membrana testae), d. h. das zwischen 
der Schale und dem Weissen befindliche, aus mehrfachen unter 
sich verwachsenen Lagen in den verschiedensten Richtungen sich 
kreuzender Fasern bestehende Häutchen betrifft, so trägt es so 
bestimmt den Charakter der Organisation, dass die früheren Ver- 
suche, diese Fasern als ein erstarrtes Seeret nach Analogie der 
Spinnwebsfäden zu deuten (Coste), kaum einer Widerlegung bedürfen. 
Dasselbe gilt von der Landois’schen Meinung, die ihren organisirten 
Charakter anerkennt, sie aber als vom Eileiter abgelöste Muskel- 
fasern betrachten will. Dr. K. verwirft zwar Letzteres, spricht sie, 
wenn auch in sehr unbestimmter Weise, für ein Drüsensecret an, 
und scheint der Behauptung Anderer, vom Auffinden fasriger 
Secretionsproducte des Eileiters, eine gewisse Bedeutung beizu- 
messen. Dass die Epitbel-Zellen einer Schleimhaut Fasern von 
derjenigen Beschaffenheit, welche die Fasern der Schalenhaut 


*) Untersuchungen über nicht celluläre Organismen, Berlin, Wiegandt, 
Hempel u. Parey. 1877, 


u} 


Betracht. üb. d. Selectionstheorie v. Standpunkt d. Oologie aus. 235 


besitzen, „absondern“ könnten, wäre ein so merkwürdiges Unicum 
in’ der Histiologie, dass blosse flüchtige Hindeutungen für ihre 
Existenz nicht als beweisend betrachtet werden können. Diese 
Fasern der Schalenhaut sind ein so charakteristisches und der 
mikroskopischen Untersuchung so leicht zugängliches Object, dass 
die Sache wohl beruhen kann, bis durch Abbildung oder wenigstens 
Messung und nähere Beschreibung der Nachweis der Identität 
jener fraglichen Absonderungproducte mit den Fasern der Schalen- 
haut wenigstens versucht ist. 

Die complicirte Structur der Fasern der Schalenhaut beim 
. Vogel-Ei, ihren röhrenförmigen Bau bei einigen Schlangen, ihre 
keulenförmigen Endungen und den eigenthümlichen Inhalt der Ver- 
dickungen beim Natter-Ei*) habe ich nachgewiesen. Damit dürfte 
doch die Hypothese, dass es sich hier um blosse Seerete handele, 
vollständig beseitigt sein, und solche Anschwellungen kommen 
einzeln auch in der Schalenhaut des Vogel-Eies, z. B. bei Arrundo 
ripgaria vor. Endlich tritt hinzu, dass die innere Schicht des 
Dotterhäutchens bei geeigneter Präparation sich ebenfalls deutlich 
als ein Faserhäutchen zeigt, welches der Schalenhaut im Wesent- 
lichen ähnlich, denselben Typus nur in feinerem Bau darstellt. 
Dass das Dotterhäutehen von der Membran der Eizelle herstammt, 
konnte, seit die Meckel’sche Auffassung der Natur des Dotters nicht 
mehr gilt, nicht bezweifelt werden, und da nun auch in den das 
Eiweiss durchsetzenden Membranen ganz feine Fasernetze nach- 
weisbar sind, liegt doch in der That so nah, dass das Weisse und 
die es einschliessenden Membrane ein zusammengehöriger, aus der 
Membran der Eizelle erwachsener Organismus sind, dass man zu 
der Frage berechtigt ist: warum denn eigentlich nach den künst- 
liehsten und unwahrscheinlichsten und unerwiesenen Fictionen, um 
die Entstehung der Eihüllen als etwas nicht zum Ei Gehöriges zu 
erklären, gesucht wird? 

Für meinen verehrten Herrn Gegner, mit dem ich mich hier 
auseinander zu setzen habe, liegt die Antwort allerdings nah. 
Da derselbe die frühere Meckel’sche Auffassung, nach welcher der 
Dotter des Vogel-Eies nicht dem Inhalt einer Eizelle entspricht, 
noch festhält, kann er consequenter Weise die Dotterhaut des Eier- 
stock-Eies nicht als Zellenmembran betrachten, wo dann allerdings 
die Entwieklung der Eihüllen eine räthselhafte wird. Ich möchte 


'*) Zeitschr. f. wissensch. Zool. Bd. XXI, 


236 W. v, Nathusius: 


aber doch noch besonders darauf aufmerksam machen, dass die 
Meckel’sche Behauptung von der spiralen Aufrollung der Eiweiss- 
schichten durch meine Untersuchungen widerlegt ist. Ebenso wenig 
stimmt es mit Meckel, dass, wie ich gefunden habe, der Dotter in 
flüssigem Eiweiss fluctuirt, und erst mehr nach der Schale zu die 
Membranschichten liegen, welche dem Eiweiss eine festere Be- 
schaffenheit geben. Die Entstehung der Chalazen endlich, eigen- 
thümlicher membranöser Stränge, bedarf keiner Erklärung, wenn 
die Eisweisshüllen ein Organismus sind. Dass Organismen wachsen 
und warum sie gerade so wachsen, wie es stattfindet, können wir 
überhaupt nieht erklären; wäre aber das Eiweiss kein Organismus, 
sondern ein nicht organisirtes Sekret, so wäre es eine völlig nichts- 
sagende und sogar unzulässige Erklärung, die Chalazen als „Ge- 
rinnungsproducte“ zu bezeichnen. Dass einzelne Theile einer Ei- 
weisslösung gerinnen sollen, während andere flüssig bleiben, ist 
eine der Erfahrung widersprechende Annahme. Sind die Be- 
dingungen der Gerinnung (Coagulation) in einer 60° R über- 
steigenden Temperatur oder gewissen chemische Actionen vorhanden, 
so erstreckt sich die Coagulation auf die ganze Lösung; sind diese 
Bedingungen nicht vorhanden — und wo ist irgend ein Grund, 
eine solche Action hier zu vermuthen? — so tritt sie gar nicht ein. 
Dass vollends aus einer „Gerinnung“ mit solcher Regelmässigkeit 
so bestimmt geformte Gebilde als die Chalazen entstehen sollten, 
ist eine so haltlose Voraussetzung, dass eine Theorie, die zu 
solchen Erklärungen zwingt, m. A. n. schon dadurch sich als eine 
irrige zeigt. 

Endlich muss ich noch das anführen, dass alle diese Erklärungs- 
versuche allerdings abgezwungen werden, wenn man sich die Auf- 
gabe stellt, den Eihüllen ihren für den unbefangenen Beobachter 
so evidenten Charakter der Zugehörigkeit zum Ei zu nehmen, 
dass sie aber den letzten Halt verlieren, wenn man auch andere 
Eier als die der Vögel in Betracht zieht. Auch abgesehen von 
den Reptilien-Eiern, ist z. B. das Ei von Helix pomatia darin 
dem Vogel-Ei ganz analog, dass es eine Kalkschale und darunter 
eine richtige Faserhaut hat, und wo ist denn bei Helix ein dem 
Eileiter der Vögel ähnlicher Bau? 

Ferner haben, wie ich in der schon angeführten Arbeit „Ueber 
nicht celluläre Organisation“ nachgewiesen habe, die eigenthüm- 
lichen Eiertrauben einer andern Schnecke — des gewöhnlichen 
Wellhorns, Buccinum undatum — zwar keine Kalkschale, aber aus 


Betracht. üb. d. Selectionstheorie v. Standpunkt d. Oologie aus. 237 


Faserhäuten bestehende Schaien*), die bestimmt den Charakter 
einer Organisation zeigen. Die complicirte Form dieser Eischalen 
schliesst den Gedanken einer mechanischen Entstehung vollständig 
aus. Dort sind auch die Structur-Verhältnisse der Eischalen von 
Roja clavata — dem in der Nordsee so häufigen Rochen — er- 
örtert und abgebildet.**) Diese Schale besteht ebenfalls im Wesent- 
lichen aus einer Faserhaut, und wenn man die eigenthümliche und 
m. W. allen Rochen und auch den Haifischen eigenthümliche Ge- 
stalt der Eier betrachtet, so muss man den Gedanken, dass sie 
durch mechanische Ablagerung eines Secrets entstanden sein könne, 
als einen abenteuerlichen zurückweisen. Die Eischale von Raja 
clavata stellt nämlich eine ziemlich plattgedrückte, annähernd vier- 
eckige Tasche von 50 mm. Länge und 30 mm. Breite dar, deren 
Ecken in 25—28 mm. lange steife Zipfel oder Hörner in der 
Richtung des längeren Durchmessers auslaufen. Ausserdem sind die 
Kanten dieser Tasche mit Ausnahme der Hörner ringsum mit bis 
6 mm. breiten Flügeln besetzt, welche nicht hohl sind, sondern 
nur aus Faserhaut bestehen. 

Den Eihüllen anderer Thiere als der Vögel ist bisher nur 
wenig Beachtung geschenkt. Ueberall wo ich dieselben untersuchte, 
fand ich Structur, welche nur auf eine Organisation, welche An- 
klänge an den Typus der Hüllen des Vogel-Ei zeigt, zurückzu- 
führen ist. Mit solchen allgemeinen Beziehungen hat doch auch 
der Ornithologe zu rechnen. 

Nach dem was Dr. K. im Eingang des zweiten Theils seiner 
Arbeit mit grossem Recht über die Bedeutung der Eischalen für 
die Systematik sagt, und bei dem Bedauern, das er deshalb auf 
S. 521 darüber ausspricht, dass er Eihüllen noch nicht völlig als 
integrirenden Theil des Keims betrachten könne, darf ich ihn viel- 
leicht gar nicht als entschiedenen Gegner betrachten und hoffen, 
dass er, wie es wenigstens mein Streben gewesen ist, eine wenn 
auch entschieden Bekämpfung einiger seiner Ansichten, als nur der 
Sache geltend, freundlichst betrachten wird. 

Ich möchte nun noch Einiges nachholen, das in dem bis- 
herisen Gange meiner Deductionen keinen rechten Platz fand. 

Auf die Färbungen der Eischale im Allgemeinen gehe ich da- 
bei nicht weiter ein, als dass ich bemerke, wie, sobald das ganze 


*) 2.2.0. 8.28 u.ff. Abbildung Taf. I Fig.5—9 u, Taf. II Fig. 10—14, 
#*) aa. O. 5. 26 u. fl. Abbildung Taf. I Fig. 4. 


238 W.v. Nathusius: 


Ei als ein zusammengehöriger Organismus betrachtet wird, alle 
diese in’s Einzelne gehenden Erklärungsversuche ihrer Entstehung 
überflüssig sind; denn nie und nirgends ist man bei andern Or- 
ganismen der Aufgabe, die Ursache der Färbungen zu erklären, 
ernstlich näher getreten, geschweige dess, dass man sie gelöst 
habe. Beim Ei fehlt es zunächst noch sehr an der Vervollstän- 
digung der thatsächlichen Unterlagen, welche allein die weitere 
Ausdehnung der ja erst in den Anfängen begriffenen mikroskopischen 
Untersuchung geeigneter Dünnschliffe liefern kann. Leugnet man 
den organisirten Charakter der Eischale, so wird man allerdings 
auch hier zu Erklärungsversuchen gedrängt. Die vorsichtige Weise, 
in welcher Dr. K. dieses Thema mit Recht behandelt, zeigt am 
besten, wie ungenügend bis jezt diese Versuche geblieben sind. 

Was im Besondern die röthlich gelbe Färbung der Eier be- 
trifit, welche die gewöhnliche Henne, wenn sie vom Cochinchina- 
hahn getreten wird, legt, so kann ich der auf S. 319 angeführten 
Beobachtung keine entscheidende Beweiskraft dagegen beilegen, 
dass sie durch die Befruchtung des Eies bewirkt werde. 

Dass die Färbung der Eier allmälig zugenommen und nach 
der Trennung des Huhns von dem Cochinchinahahn ‚längere Zeit‘*) 
allmälig abnehmend fortgedauert haben soll, kann bei einer ver- 
einzelten Beobachtung leicht schon auf das wechselnde Vererbungs- 
vermögen männlicher Thiere je nach ihrem Körperzustande u. s. w., 
dessen grosser Einfluss auf die Producte jedem aufmerksamen 
Züchter bekannt ist, zurückgeführt werden. 

Dass die Henne, mit einem gewöhnlichen Hahn zusammenge- 
sperrt, noch nach Monaten hier und da ein gelblich gefärbtes Ei 
gelegt habe, führt Dr. K. mit lobenswerther Vorsicht unter der Be- 
merkung: „Wie mir versichert wird;“ an; weist also damit schon 
die Verantwortung für die Richtigkeit ab. Das ist in solchen 
Fällen um so übler, wenn auch derjenige, welcher die Verantwor- 
tung trägt, ungenannt bleibt. Waren die Thiere wirklich monate- 
lang derartig zusammen abgesperrt, dass keine anderweitige zu- 
fällige Vermischung möglich war? Schon darüber, welche Vor- 
sichtsmassregeln getroffen waren, um dieses auch gegenüber et- 
waigen Nachlässigkeiten des Dienstpersonals zu sichern, müsste 
man doch eine Angabe erwarten. Dann tritt die grosse Schwierig- 


*) Ich bedaure darauf aufmerksam machen zu müssen, dass ohne 
bestimmtere Angaben nach Tagen etc. solche Anführungen eigentlich keine 
Beachtung beanspruchen können. 


Betracht. üb. d. Selectionstheorie v. Standpunkt d. Oologie aus. 239 


keit auf, dessen ganz sicher zu sein, dass die verwendeten „ge- 
wöhnlichen“ Hühner oder Hähne vollkommen rein von jeder 
Kreuzung mit einer Race gewesen sind, deren Eier gelbliche 
Färbung haben. Ist dieses nicht der Fall gewesen, so erklären 
sich die späteren gefärbten Eier leicht als Rückschläge. Solche 
wechselnd und spontan erscheinende Eierfärbungen kommen in 
Zuchten, bei welchen einmal Cochinchina-Kreuzung stattgefunden hat, 
öfter vor, und dass der so nahe liegenden Besorgniss einer solchen 
Täuschung und der um sie zu vermeiden angewandten Vorsicht in 
dem Bericht überhaupt nicht gedacht wird, kann das Zutrauen, dass 
Veranlassung zu Rückschlägen mit Erfolg ausgeschlossen wurde, 
nicht verstärken. 

Jedenfalls aber möchte ich dagegen Einspruch erheben, dass 
etwas bis jetzt noch so Sagenhaftes, als die sogenannte Infection 
des Mutterthieres, d. h. die Nachwirkung früherer Paarungen auf 
das Resultat späterer, zur Erklärung herbeigezogen wird (S. 320). 
Das Wesen der Vererbung hat etwas so anziehend Geheimniss- 
volles, dass darauf bezügliche Meinungen von jeher eifrig aufge- 
griffen und weiter getragen sind. So wird vielfach von der Mög- 
lichkeit dieser sogenannten Infection gesprochen, aber das ist 
ebenso wenig ein Beweis, als dass nach Dr. K. erfahrene Hunde- 
züchter diese Meinung theilen. Ueberall wo competente Beobachter 
die anscheinend günstigsten Gelegenheiten benutzt haben, um das 
Vorkommen solcher Infeetion zu constatiren, ist das Resultat ein 
negatives gewesen. So führt schon Ammon (Handbuch der ge- 
sammten Gestüts-Kunde, Königsberg 1835. Anm. z. 8. 118) an, 
dass im Trakehner Gestüt diejenigen Stuten, die früher mit Esel- 
hengsten bedeckt, Maulthiere getragen hatten, bei Aufhebung des 
Maulthiergestüts mit Pferdehengsten gedeckt seien, man aber 
keine Spur in den Nachkommen gefunden, welchean 
die Gestalt des Esels erinnert habe. Ebenso. führt v. 
Nathusius-Hundisburg in seinen „Vorträgen über Viehzucht und 
Rassenkenntniss S. 134 u. fl. an, dass er bei zahlreichen besonders 
auf diesen Punkt gerichteten Beobachtungen, wo Infection zu er- 
warten gewesen wäre — bei Schafen allein über 1000 notirte Fälle — 
auch nicht einen einzigen Fall von eingetretener Infection habe finden 
können, und schliesst die Erörterung mit dem Ausspruch: „Nach alle 
dem ist es unzweifelhaft, dass die sogenannte Infeetion der Mutter eine 
gesetzliche Erscheinung nicht ist. Kommen in der That solche Fälle 
vor, dann sind es Ausnahmen und zwar sehr seltene Ausnahmen.“ 


240 W.v. Nathusius: 


Sehr bezeichnend für diese Sachlage ist, dass auch Dr. K. den 
schon so oft hierfür angeführten Fall der mit einem Quaggahengst 
gedeckt gewesenen Vollblutstute, deren spätere Füllen von einem 
schwarzen arabischen Hengst sogenannte Wolfsstreifen, d.h. dunkle 
Querbänder an den Extremitäten, gezeigt haben, anführt. Die 
Thatsache ist unbestritten; die Abbildungen dieser Füllen sind so- 
gar publicirt, trotzdem beweist sie, da sie gänzlich vereinzelt da- 
steht, sogut wie gar Nichts, denn diese Färbung ist wie der soge- 
nannte Aalstrich und sogar der Schulterstrich etwas bei Pferden 
häufig Vorkommendes. Ammon sagt a. a. 0.8. 110: „Es ist merk- 
würdig, dass Pferde arabischer und der bessern orientalischen 
Racen eine Nüancirung von Falb mit einem schwarzen Strich über 
dem Kreuz, auch wohl ein Kreuz über dem Widerrüst, wie man 
es bei Eseln findet, so auch die Wolfsstreifen um die Füsse gerne 
fortpflanzen —“. Wie nahe liegt es nun, dass der arabische Hengst 
die Wolfsstreifen seiner Nachkommen veranlasst hat, und der Quagga- 
hengst an diesem Farbenspiel sehr unschuldig gewesen ist. Das 
Merkwürdigste an der Sache scheint mir zu sein, dass Darwin — wie 
ich nach Dr. K’s. Citat annehmen muss — diesem Fall eine Bedeutung 
für die „Infection“ beilegt, obgleich er seine Meinung, dass sämmtliche 
Pferdeformen von einer gemeinsamen zebraartig gestreiften Stamm- . 
form abstammen sollen, darauf stützt, dass beiihnen allen 
Wolfsstreifen lediglich als Folge von Rückschlägen 
vorkommen. Jedenfalls kann man doch ein höchstens ganz sin- 
guläres und ausnahmsweises Vorkommen nicht als Erklärung einer 
so eonstanten Wirkung, als die der Befruchtung auf die Färbung 
der Eischale, verwenden. 

Wie Dr. K. auf S. 320 hierbei die Veränderung der Farbe von 
Aepfeln durch Befruchtung mit dem Pollen einer anders gefärbten 
Sorte zur Stütze seiner Auffassung heranziehen kann, verstehe 
ich nicht. Der Fail liegt ja vollständig anders. Die Beziehungen 
der Frucht zu dem Saamen sind doch sehr viel engere, als die des 
Eies zum Eileiter. Erstere bilden zusammen einen Organismus. 
Zwischen letzteren besteht gar kein organischer Zusammenhang. 
Der Fruchtknoten entwickelt sich zur Frucht nur in Folge der 
Befruchtung des ovulum, das in engster organischer Verbindung 
mit ihm stebt. Entwickelt er sich überhaupt nur durch die Be- 
fruchtung, so ist es doch naheliegend, dass die Art der Befruch- 
tung auch auf die Art seiner Entwicklung von Einfluss sein kann, 
Hiermit kann man doch die nur äusserlichen Beziehungen, welche 


a 
a 
N 


Betracht. üb. d. Selectionstheorie v. Standpunkt d. Öologie aus. 241 

zwischen Ei und Eileiter stattfinden, in keinen Vergleich stellen. 
Wie verschieden die Sache liegt, ergiebt sich noch daraus, dass 
bekanntlich auch unbefruchtete Eier, während sie den Eileiter pas- 
siren, normale Hüllen erhalten. Hätte die Befruchtung einen so 
tiefgehenden Einfluss auf die Functionen des Eileiters, dass sogar 
der Unterschied, der zwischen dem Sperma eines Cochinchinahahns 
und dem eines gewöhnlichen Hahns ist, dieselbe wesentlich beein- 
flusste, und hinge von dieser Function morphologisch die Bildung 
der Eihüllen ab, so könnte die unbefruchtete Henne nicht Eier 
legen, die zwar unfruchtbar, aber im Uebrigen normal sind. 

Ich behaupte ja eben, dass Dotter, Eiweis und Schale ebenso 
wohl ein zusammen gehöriger und zusammen erwachsener Or- 
ganismus sind, als dieses bei den einzelnen Bestandtheilen der 
Frucht des Apfels stattfindet, und Dr. K. bestreitet dieses und hält 
Eiweiss und Schale für dem Ei nur äusserlich angefügte Acces- 
sorien. Dass das Ei bis zur Entwicklung der Keimhaut ein ein- 
zelliger, die Frucht des Apfels schon ein vielzelliger Organismus 
geworden ist, macht hierin ebenso wenig einen wesentlichen Unter- 
schied, als dadurch, dass Dr. K. das Wort „Hülle“ bei beiden an- 
wendet, der wesentliche Unterschied aufgehoben werden würde, 
wenn die Eihüllen wirklich nur in mechanischer Verbindung mit 
ihrem Inhalt ständen. Es wäre derselbe Unterschied, wie er für 
uns zwischen unsrer Haut und einem Rock besteht, so künstlich 
ihn uns der Schneider auch angepasst haben mag, 

Des m. A. n. stärksten Arguments für den accessorischen Cha- 
rakter der Eihüllen erwähnt Dr. K. nicht. Ich scheue nicht, das- 
selbe meinerseits zur Sprache zu bringen. Es ist das Vorkommen 
sanz fremdartiger Körper, — man erwähnt sogar kleiner eiserner 
Nägel und dgl. — in ganz normal scheinenden Hühner-Eiern. Ich 
habe selbst keinen solchen Fall beobachtet, finde die Sache aber doch 
öfter und zwar in einer Weise angeführt, welche besonderes Miss- 
trauen nicht erweckt. Zudem dürfte die Möglichkeit des Vorhanden- 
seins von Pilzsporen im Ei aus dem Auftreten ihrer Mycelien beim 
Fäulnissprocess nicht wohl bezweifelt werden können. Es erscheint 
dieses allerdings namentlich bezüglich der Nägel und ähnlicher 
Körper sehr auffällig. Indess dürfte doch nähere Ueberlegung er- 
geben, dass sogar letztere sehr wohl, wenn sie zufällig in den Ei- 
leiter gelangt sind — über die Möglichkeit solcher Zufälligkeiten 
möchte ich mich eines Urtheils enthalten — in die noch weiche 
Eiweisshülle, die ihre Schale noch nicht gebildet hat, mechanisch 

Cab, Journ. £ Ornith. XXVIL Jahrg. No. 147. Juli, 1879, 16 


242 W.v. Nathusius: 


durch Druck eindringen können. Das Bemerkenswerthe dürfte ledig- 
lich das sein, dass diese Gewebe so heilungsfähig sind, dass sie 
den fremden Körper einkapseln und ihren Entwicklungsgang ohne 
wesentliche Störung vollenden können; das hat doch aber nichts 
Unbegreifliches oder auch nur Unwahrscheinliches bei der Wachs- 
thumsenergie dieser Gewebe, die sich in der so schnellen Ent- 
wicklung der Eihüllen zeigt, und bei der bekannten grossen Re- 
productionsfähigkeit primitiver Gewebe im Allgemeinen. Gewiss 
würde es aber von Interesse sein, bei solchen Vorkommnissen die 
Structur der den fremden Körper umgebenden Eiweissschichten nach 
der von mir zur Feststellung ihrer normalen Structur angewandten 
Methode — Fertigung mässig feiner Schnitte von dem hart ge- 
kochten Fiweiss und Beobachtung derselben in Glycerin bei durch- 
fallendem Lichte und mässig starker Vergrösserung*) —, zu unter- 
suchen. 

Die gründliche Erörterung der Natur der Eihüllen ist durch 
die grosse Tragweite, welche sie für viele histiologische Fragen 
hat, gerechtfertigt. Hier gehe ich zunächst auf die Beziehungen 
zu der Haeckel’schen Behauptung ein, dass die Keimesentwicklung 
(Ontogenese) eine „Urkunde“ für die Stammesentwicklung (Phylo- 
genese) sei. Es ist allerdings so einleuchtend, dass ein Vogel im 
Eizustande, also mit Kalkschale und ohne jedes Mittel der Loco- 
motion unfähig gewesen wäre, während der „Aeonen“, welche für 
die Stammesentwicklung in Anspruch genommen werden, als selbst- 
ständiges Wesen sich zu ernähren und seine Art zu reproduciren, 
dass Haeckel selbst schon die Eihüllen als ein Product der „Fäl- 
schung“ der Keimesgeschichte anführt. Wie nämlich die Seleetions- 
theorie immer eine gewisse reservatio mentalis hat, um sich zu 
helfen, wenn die Thatsachen ihren Axiomen zu sehr in die Quere 
kommen, so wird, obgleich die Keimesgeschichte nur ein Auszug 
der Stammesgeschichte sein soll, doch auch das Hinzukommen neuer 
Momente statuirt, und das ist dann Fälschung. Ominöses Wort! 
Man möchte es fast naiv nennen, wenn man an His und Semper’s 
nähere Untersuchung von Haeckel’s entwicklungsgeschichtlichen Ab- 
bildungen denkt. Diese Fälschung soll aber der Keim selbst be- 
wirken, indem er sich den Bedingungen des Embryonalzustandes _ 
anpasst. Warum passt er sich denn überhaupt dem unbequemen 
Embryonalzustand, der ihn zu diesen Fälschungen erst zwingt, an, 


*) Zeitschr, f, w. Zool, Bd. XVIII 8. 257 u. ft. 


Betracht. üb. d. Selectionstheorie v. Standpunkt d. Oologie aus. 243 


wenn er früher doch so viel bequemer und angenehmer existiren 
konnte? Aber mit Schale und Eiweiss ist es doch allein nicht ge- 
than. ‘Auch das übrige Ei wird sich doch den gegen früher so 
verschiedenen Bedingungen seines jetzigen Embryonalzustandes an- 
gepasst haben, und diese Anpassung mit ihren Correlationen kann 
doch nieht einflusslos auf die spätere Phylogenese sein. 

Demnach ist es durchaus inconsequent und widersinnig, wenn 
Haeckel (Populäre Vorträge 2. Heft S. 93 und 94) diese „fälschungs- 
geschichtlichen Thatsachen“ nur als Einschaltungen in die Phy- 
logenese betrachtet. Wie wäre es denn denkbar, dass sich ein 
Wesen ebenso entwickeln sollte, nachdem es sich dem jetzigen 
Embryonalleben in jeder Beziehung hätte anpassen müssen, als wenn 
es nicht durch diese Anpassung gegangen wäre? Haeckel darf 
also seine Phylogenese nicht so construiren, dass er die „Fälschungs- 
geschichtlichen Einschaltungen“, z. B. die Eihüllen, einfach streicht, 
und für den Vogel auch ohne den jetzigen Embryonalzustand die 
jetzige Weiterentwicklung beibehält. Er müsste, wenn man den 
Anspruch an eine vernünftige Schlussfolgerung überhaupt an ihn 
stellen dürfte, zugeben, dass seine aus der Ontogenese entwickelten 
Stammbäume schon da enden, wo das Ei sich mit einer es ab- 
schliessenden Hülle umgiebt, wo sie dann freilich ziemlich kurz und 
bedeutungslos werden. Der jetzige Vogel wäre dann blos eine 
„Fälschung“. Es ist doch aber ein sonderbares Ding, wenn das 
Beobachtete — die Ontogenese — mit dem Vermutheten — der 
Phylogenese — nicht stimmt, dann die erstere als gefälscht zu 
betrachten. Früher hätte Jedermann unbedenklich in einem solchen 
Falle die Vermuthung als einfach falsch bezeichnet. 

Dr. K. verhält sich der Haeckel’schen Biogenese gegenüber 
mehr referirend, das eben Gesagte ist also um so weniger gegen 
ihn gerichtet, als er die Zugehörigkeit der Eihüllen zum Ei ja 
überhaupt leugnet, was Haeckel nicht zu thun scheint. Der Paral- 
lelismus von Ontogenese und Phylogenese ist aber doch für so 
Viele ein wesentlicher Theil der Darwinischen Anschauungen ge- 
worden, dass ich ihn mit in Betrachtung ziehen durfte. 

Mit der eigentlichen Selectionstheorie, d. h. mit der Transmu- 
tation der Organismen durch Ueberbleiben des Zweckmässigeren 
im Kampf um das Dasein, hat sich dagegen Dr. K. ausdrücklich 


einverstanden erklärt. Ich erlaube mir nun die Frage — und 
diese gilt ebensowohl gegenüber der Annahme, dass die Schale 
vom Eileiter herrühre — durch welchen Kampf um’s Dasein vor- 


16* 


244 W. v. Nathusius: 


läufig von der Färbung abgesehen, diese feine, ebenso mannich- 
faltige, als charakteristische innere Structur der Eischale herbei- 
geführt sein sol? Auf das weitere Gedeihen des einmal ausge- 
schlüpften Vögelchens ist sie doch ohne jeden Einfluss und ebenso 
wenig ist ein solcher während der Bebrütung und während des 
Durchganges durch den Eileiter denkbar. Es handelt sich hier 
nämlich um die Form und Zahl der Mammillen, um die für die 
verschiedenen Familien so sehr charakteristische Grösse der nicht 
verkalkten Körperchen, welche, in die Schale eingebettet, deren 
Undurchsichtigkeit bewirken, ferner um die Vertheilung der 
letzteren in der Schale, die theilweise auf ihrem Gefüge beruht und 
dadurch die so sehr verschiedenen und charakteristischen Bilder 
der Schliffe bei durchfallendem Lichte bewirkt. Wo ist von alle 
diesem ein solcher Einfluss auf die grössere Fähigkeit des ausge- 
schlüpften jungen Vögelchens zum „Kampf um das Dasein“ denk- 
bar? Wie könnte also dieser Kampf auf die Structur der Eischale 
zurückwirken ? 

Mein verehrter Gegner wird auf die „Correlation“ hinweisen. 
Das ist nun wieder ein Fall, wo der Darwinist, nach dem er erst 
ein bestimmtes Princip — Selection durch den Kampf um’s Dasein 
aus der unbegrenzten Transmutation — statuirt hat, da wo die 
Thatsachen dieses Princip als nichtig erweisen, gleich wieder 
einen Lückenbüsser zur Hand hat. Ein allgemeiner Zusammen- 
hang der ganzen Schöpfung auf einem Plan beruhend, dessen 
Motive uns im Einzelnen vielfach unerkennbar bleiben, das ist die 
Correlation, welche längst vor Darwin anerkannt war. Wenn aber 
der Darwinist durch Statuirung der Correlation einräumen muss, 
dass in vielen Fällen sein eigenthümlicher Erklärungsgrund nicht 
ausreicht, woher will er denn wissen, dass nicht auch in den 
Fällen, wo sein eigentlicher Grund ihm auszureichen scheint, es 
sich nicht doch um blosse Correlation zu einem noch unbekannten 
Verhältniss handelt? Die Correlation ist ein so weites und viel 
umfassendes Motiv, dass es ganz unmöglich sein wird, in einem 
gegebenen Falle nachzuweisen, dass sie nicht die allein genügende 
Ursache gewesen sei. Wenn z. B. Darwin behauptet, der vollbe- 
haarte Pferdeschweif habe sich durch einen Kampf um das Dasein 
bei schädigendem Ungeziefer aus dem dürftiger behaarten Esels- 
schweif entwickelt, so kann man ihm einfach erwidern: Du irrst, 
denn der stärkere Haarwuchs ist das nothwendige Correlat eines 
tiefer im Organismus begründeten Verhältnisses, Dann steht ein- 


Betracht. üb. d. Selectionstheorie v. Standpunkt d. Oologie aus. 245 


fach Behauptung gegen Behauptung, und was man für Wissenschaft 
ausgeben will, ist lediglich eine Frage der Meinung geworden. 

Will ich nun bezüglich der Färbungen der Vogel-Eier und 
ihrer Veranlassung den Scharfsinn und die Sorgfalt gern aner- 
kennen, mit welcher Dr. K. die früher von Seidlitz ausgesprochenen 
Meinungen im Speciellen durchzuführen sucht, und namentlich die 
Gewissenhaftigkeit, mit welcher er die Ausnahmen von dem, was 
er als Regel betrachtet, selbst hervorhebt, so darf ich doch aus- 
sprechen, dass dabei eine solche Menge von Nebengründen als 
„wahrscheinlich“, als „wohl meist“ wirksam, als „mit wenig Aus- 
nahmen“ „entweder oder“ und dgl. qualificirt werden, dass schon 
das Alles sehr auf das Gebiet der Meinung übergeht; und doch 
muss er als letztes Hülfsmittel zur „correlativen Abhängig- 
keit von irgend einem andern an sich nützlichen Ausrüstungs- 
merkmal des mütterlichen Organismus“ greifen (S. 336). Nun, 
wenn das ein zulässiger Erklärungsgrund ist, wozu denn dieser 
Aufwand von sich durchkreuzenden Vermuthungen wo es einen 
Jeden freisteht, andere Vermuthungen für wahrscheinlicher oder 
für weniger unwahrscheinlich oder für möglicherweise zutreffen- 
der, oder wie man sonst die verschiedenen Grade der Zweifel- 
haftigkeit ausdrücken will, zu erklären. Die correlative Ab- 
hängigkeit von irgend einem andern Umstand genügt ja voll- 
ständig, Alles zu erklären, was angeführt wird oder sich irgend- 
wie mit Recht oder auch mit Unrecht anführen liesse, und auf 
irgend einen Beweis muss ja bei dieser Behandlung der Sache 
von vornherein verzichtet werden. Das ist — ich glaube es aus- 
sprechen zu dürfen, weil es ja keine Person, sondern eine jetzt 
leider sehr verbreitete Richtung trifft — gar keine Wissen- 
schaft mehr. Hier gilt die alte Berliner Redensart: „Es kann 
sin — es kann sin ooch nich.“ 

Auf ein nach meiner Auffassung fruchtbringenderes Thema bin 
ich genöthigt näher einzugehen, weil Dr. K. auf S. 323 u. 324, so 
wohlwollend er sich auch über meine Eischalen-Untersuchungen 
ausspricht, doch den für die Speciesfrage wichtigsten Theil in 
einer Weise erwähnt, welche missverständlich erscheint. Wer das 
dort Gesagte liest und sich meiner früher in d. Zeitschr. publicirten 
Arbeiten, die nicht einmal eitirt werden, nicht erinnert, muss an- 
nehmen, dass ich an Krähen-Eiern zweifelhaften Ursprungs Beweise 
für Species-Kennzeichen gesucht habe. Ich darf also wohl kurz 
die früheren Resultate resümiren, indem ich für die Einzelnheiten 


246 W.v. Nathusiust 


und die nähere Erläuterung auf diese früheren Publicationen ver- 
weise. In Nr. 112 v. 1871 d. Zeitschrift sind folgende Zahlen als 
Grösse in) Millim. des Durchschnittes der nach einem bestimmten 
Prineip ausgesuchten 12 grössten Mammillenquerschnitte eines 
Präparats angeführt. 

Bei Dromaeus Novae Hollandiae 0,0021. 

„ Casuarius galeatus 0,0078. 

Da es sich hierbei um Speciesunterschied nicht handelte, 
sondern nur um den Nachweis der grossen Abweichung, welche 
sonst so ähnliche und verwandte Eier in diesen Dimensionen zeigen, 
ist damals nicht angeführt, dass dieses bei Dromaeus das überein- 
stimmende Resultat von 2 Eiern ist. 


Bei Cygnus musicus 1. Ei 0,035. 
” „ ” 2. ’) 0,033. 
> 5; > ar, Ole 
” »  Plutonius 1. 7. 0028 
” „ „ 2. „ 0,021. 
4 3 olor 1. 95:,0,020 
4 N n 2, ,»... 0,024. 

3. hm. 02 


” „ ”„ 
Hierbei wurde natürlich hervorgehoben, dass bei C. plutonius 


und olor die Unterschiede gegenüber der Fehlergrenze der Be- 
stimmungsmethode zu gering sind, um in diesem Falle hier- 
durch einen Speciesunterschied nachweisen zu können. 

Bei der Hausgans zwischen 0,024—0,021. 

„ Anser cinereus 0,023. 

» »  segetum zwischen 0,015-—-0,0145. 

Anas boschas und die Hausente geben übereinstimmende Re- 
sultate, sie sind nicht weiter mitgetheilt, da auch andere Wildenten 
mit beiden übereinstimmen, also kein besonders Interesse sich an 
dieselben knüpfte. Vom Haushuhn wird berichtet, dass ein Cochin- 
china, eine Bantam-Zwergform, ein Doppel-Ei und sogar ein kleines 
Spur-Ei des gewöhnlichen Haushuhns übereinstimmende Dimen- 
sionen der Mammillenquerschnitte zeigten. In. Nr. 119 v. 1872 
d. Zeitschr. konnte ergänzend berichtet werden, dass noch 5 Eier 
von verschiedenen domestieirten Varietäten und ausserdem Gallus 
bankiva und @. Sonnerat:, die ich der Güte Dr. Sclater’s verdankte, 
unter sich und mit den früher untersuchten befriedigend über- 
einstimmten. 


Betracht. üb. d. Selectionstheorie v. Standpunkt d. Oologie aus. 247 


Folgen die, weil Darwin so grosses Gewicht auf ihre Variation 
gelegt hat, besonders interessanten Tauben: 


©. turtur 0,0074—0,0072. 
„ ‚palumbus 0,0098—0,0083 . 
„» oenas 0,012—0,011. 
„ lvia fera 0,014—0,013. 
Die Haustauben: Mövchen 0,013. 


Feldtaube 1. Ei 0,014. 
Dieselbe 2. Ei 0,011. 
2. Präparat desselben Eis 0,014. 
Kröpfer 0,014. 

Hierbei ist gleich auf die Differenz zweier Präparate von dem- 
selben Ei verwiesen. Sie ist leicht erklärlich, weil jedes Präparat 
nur einen so kleinen Theil der Schale enthält, dass die geringste 
Unregelmässigkeit der Bildung störend wirkt, aber deshalb dürfe 
man nicht vergessen, dass die Fehlergrenze dieser Zahlen eine 
ziemlich weite ist. 

Uebrigens ist später in Nr. 119 v. 1872 d. Zeitehr. noch hinzu- 
gefügt, dass noch zwei Eier von domestieirten Formen (blauer 
Pfaffe und schwarze Trommeltaube) älinliche Uebereinstimmung mit 
der wilden Stammform ergeben haben. 

Dass bei Ciconia alba und C.. nigra im Durchschnitt der 
Messungen sich zwar ein specifischer Unterschied herauszustellen 
scheint, die Fehlergrenzen aber wegen der unregelmässigen Form 
der Mammillen sehr weite sind, ist auch nicht verschwiegen. 

In Nr. 119 v. 1872 sind ferner noch folgende Zahlen mitgetheilt: 


Perdix cinerea 1. Ei 0,0058. 
05 ” 2. ,.,..,.0:0059. 

» petrosa nur 1 Ei 0,0103. 

„.  rubra N... 012. 

ss 5 2. 1.001087. 
Phasianus colchicus 1. „ 0,0043. 
„ A 2. „ 0,0048. 

” ” 3.» 0,0048. 

5 nyethemerus 1. 4.0.0078. 

2. Präparat desselben 0,0075. 
Phasianus nycthemerus 24.10.0082. 
e- pictus ii. 2.0.0055, 

Br . 2, ...,,0,0060: 


4 torquatus NUr ein Ei 0,0069, 


248 W.v. Nathusius: 


Wenn Dr. K. sich mit diesen Zahlenreihen und dem sonst 
Mitgetheilten dadurch abfinden zu können glaubt, dass er sagt: 
er könne sich wegen der nicht ganz unverdächtigen Rolle, welche 
gewisse, zum Theil hypothetische Bastard-Eier bei den in Nr. 
125 v. 1874 d. Zeitschr. publieirten Untersuchungen spielen, von der 
speciellen Zuverlässigkeit des von mir hervorgehobenen Speeiesunter- 
schiedes nicht überzeugen, so kann ich eine Berechtigung hierzu 
nicht anerkennen, indem vorstehende Zahlenreihen, in welchen es 
sich nicht um Bastard-Eier handelt, ergeben, dass ich die Bedeutung 
dieses Species-Charakters eben nicht den Krähen entnommen habe, 
sondern zu ihrer Untersuchung erst gekommen bin, nachdem diese 
specifische Bedeutung schon m. A.n. festgestellt war. Will Dr. K. die- 
selbe bestreiten, so mag er diese Zahlenreihen kritisiren oder die 
Sache an eigenen Präparaten prüfen, statt in so missverständlicher 
und unzutreffender Weise auf die Krähen-Bastarde hinzudeuten. 

Uebrigens kann ich doch auch nicht zugeben, dass die an den 
Krähen-Eiern erhaltenen Resultate so nichtssagend sind. Ich muss 
in dieser Beziehung auf die ausführlichen Erörterungen in Nr. 125 
v. 1874 d. Zeitschr. verweisen, wo auf S. 17 ausdrücklich ausge- 
sprochen ist, dass diese Untersuchungen alleinstehend, allerdings 
den Nachweis, dass die Dimensionen der Mammillenquerschnitte 
ein der Variation nicht unterliegender specifischer Charakter seien, 
wegen der durch die häufige Bastardirung von corone und cornix 
entstehenden Uebergänge nicht ergeben könnten, dass ich diesen 
jedoch in den früheren Arbeiten geliefert zu haben glaube. 
Demnach glaube ich sachlich berechtigt zu sein, dabei zu beharren, 
dass in diesem Structurverhältniss der inneren Schalenfläche ein 
Speciescharakter vorliegt, dessen Constanz in zahlreichen Fällen 
durch Untersuchung mehrerer Eier derselben Art erwiesen ist, und 
bei welchem eine Veränderung durch Variation und Domestication 
bis jetzt in keinem Falle nachzuweisen war. Vergeblich habe ich 
dieses versucht beim Haushuhn, bei der Ente, der Taube und 
neuerdings auch beim Pfau. Besonders bemerkenswerth ist, dass 
auch die Teratologie ihn wenigstens häufig nicht zu berühren 
scheint, wie Doppel-Eier von Gans und Huhn und Spur-Ei vom 
letzteren ergeben hat. 

Allerdings kommen Fälle vor, wo unzweifelhafte Species einen 
Unterschied hierin wenigstens nicht erkennen lassen, indessen 
giebt es, soviel mir bekannt, überhaupt keinen Speciescharakter, bei 
welchem dieses nicht vorkäme. Schlimmer ist, dass es sich um 


Betracht. üb. d. Seleetionstheorie v. Standpunkt d. Oologie aus. 249 


ein Verhältniss handelt, das nach der Form seines Auftretens 
auch bei dem einzelnen Individuum nur nach Durchschnitts- 
zahlen bestimmt zu formuliren ist, und für diese Zahlen das 
Bestehen einer verhältnissmässig beträchtlichen Fehlergrenze zuge- 
geben werden muss. Es können Präparate von’ demselben Ei-Indi- 
viduum bis auf 15°, von einander abweichen, wie ich bei den 
Untersuchungen der Krähen-Eier, wo von 7 Eiern doppelte Präpa- 
rate gefertigt wurden, nachgewiesen habe. Dieses sind zwar Aus- 
nahmen, und schon wenn man von 2 Präparaten den Durchschnitt 
nimmt, ist die Fehlergrenze um die Hälfte verengert und könnte 
dieses in wichtigen Fällen noch mehr geschehen, wenn man 3 und 
4 Schliffe präparirte; immer geht aber hieraus hervor, dass das 
Kriterium nur da mit Sicherheit angewendet werden kann, wo er- 
hebliche Unterschiede zwischen den zu vergleichenden Eiern 
sind. Indess handelt es sich ja auch gar nicht darum, überall und 
immer nach diesem Kriterium die Speciesunterschiede festzu- 
stellen, sondern es gilt m. A. n. zunächst, die Frage zu ent- 
scheiden: ob, wie Darwin behauptet, unveränderliche Species- 
unterschiede überhaupt nicht bestehen, also die Species 
überhaupt ein haltloser Begriff is. Soweit sich auch nur in 
einzelnen Fällen die Festigkeit eines Speciescharakters, trotz da- 
neben stattfindender starker Variation, in den übrigen Eigenschaften 
nachweisen lässt, ist seiner Auffassung die Basis genommen. 
Früher schon ist die so ausserordentlich constante Form des ganzen 
Gebisses und der einzelnen Zähne bei den Säugern, z. B. bei der 
in andern Punkten so weit gehenden Variation der Hunde, gegen 
ihn geltend gemacht. Er soll darauf erwidert haben, dass das 
Gebiss der Hausthiere deshalb nicht variire, weil der Züchter kein 
Interesse dabei gehabt hätte, es durch Zuchtwahl zu modifieiren. 
Allerdings hat der Züchter auch kein Interesse daran sehabt, die 
Dimensionen der Mammillen der inneren Schalenfläche zu modifi- 
ciren; da sie aber ebenso wenig dem direeten Einfluss der natür- 
lichen Zuehtwahl unterworfen sein können, indem hierin gar kein 
teleologisches Moment denkbar ist, kann ihre wesentliche Ver- 
schiedenheit bei verschiedenen Species Seitens des Darwinismus, 
wie schon angeführt wurde, nur auf Correlation zurückgeführt 
werden. Unterlägen sie aber den Einflüssen der Correlation bei 
denjenigen Veränderungen, welehe die natürliche Selection im 
übrigen Organismus bewirkt, so müssten sie demselben Einfluss 


250 W.v. Nathusius: 


auch bei den Veränderungen, welche die Auswahl etc. des -Züchters 
verursacht, unterliegen. 

Unter den von mir untersuchten Eiern sind die der Tauben um 
deshalb besonders interessant, weil sich Darwin so ganz besonders 
auf seine Beobachtungen und Versuche an Haustauben und deren 
wilder Stammform (C. livia) stützt und behauptet, dass die früher 
als specifisch betrachteten Verhältnisse, z. B. Schädel- und -Schnabel- 
form, bei den gezähmten Varietäten unter sich und gegen die 
wilde ©. livia weit grössere Verschiedenheiten zeigten, als zwischen 
letzteren und den übrigen Taubenspecies beständen. 

Die schon auf S. 247. nach meiner früheren Arbeit angeführten 
Zahlen erledigen die Frage gerade bezüglich der Tauben noch 
nicht so vollständig, als ich gewünscht hätte. Die Fehlergrenze ist 
bei solchen Bestimmungen um so grösser, als die Mammillen 
kürzer und stumpfer sind, und dass letzteres bei den Tauben der 
Fall ist, zeigen die Querschliffe der Schale. Die mitgetheilten 
Zahlen ergeben auch in einem Falle, wie gross ihre Verschieden- 
heit bei zwei Präparaten von demselben Ei sein kann. Zu einer noch- 
maligen Bearbeitung der Tauben, die allerdings erst zeigen würde, 
wie weit diese Schwierigkeiten bei mehr Uebung zu überwinden sind, 
denn gerade diese Präparate und Zeichnungen gehören der Zeit an, 
wo sich die Methode erst entwickelte, habe ich leider die Musse nicht 
finden können; immer aber ergeben schon diese Zahlen das Resul- 
tat, dass die Unterschiede zwischen C. Zurtur und C. palumbus 
einerseits und ©. Zivia und ihren Varietäten andererseits bedeutend 
ausserhalb der Grenzen der möglichen Beobachtungsfehler liegen, 
und viel erheblicher sind, als zwischen den abweichendsten Formen 
von Ö. livia unter sich. Dass die Variation diese Verhältnisse 
nicht verändert, hat übrigens auch die zahlreiche und sehr be- 
friedigend übereinstimmende Reihe der Hühner gezeigt, wie schon 
erwähnt wurde, 

Mit günstigerem Auge betrachtet Dr. K. die Versuche, in 
anderweitigen Verbältnissen der Schalenstructur eine systematische 
Bedeutung zu finden, was ich nur dankbarst acceptire, dabei aber 
die Gelegenheit benutzen kann, in weiteren ornithologischen Kreisen 
an diese Bedeutung wieder zu erinnern, indem ich anführe, dass 
ich in der von Dr. K. eitirten Arbeit: Abgrenzung der Ordnung 
der Oseinen von den Clamatoren, Scansoren und Columbiden 
(Zeitschr. f. wissensch. Zool. 1878) auch in der anscheinend so 
einfachen und wenig charakteristischen Schalenstructur der Oseinen- 


Betracht. üb. d. Seleetionstheorie v. Standpunkt d. Oologie aus. 251 


Eier den unterscheidenden Typus derselben dargelegt zu haben 
glaube, und ausserdem noch einiges andere hier Einschlagende er- 
wähnen konnte. Wie scharf die Zugehörigkeit des Bies durch ge- 
wisse Structurverhältnisse bezeichnet werden kann, davon ist mir 
seitdem ein Fall vorgekommen, welchen ich gesenüber dem Miss- 
trauen, das diesen Untersuchungen noch mehrfach zu begegnen 
scheint, wohl berichten darf, obgleich er sonst kein besonderes 
Interesse hätte. 

In hiesiger Gegend war ein Ei unter Umständen gefunden, 
die seinen Ursprung sehr zweifelhaft erscheinen liessen. Es wurde 
mir in ausgeblasenem Zustande zugeschickt, aber durch unvor- 


‚sichtigen Transport so vollständig zertrümmert, dass es in nur 


einige Millimeter grossen Fragmenten ankam. Auch ein geübter 
Oologe würde denselben schwerlich etwas Entscheidendes haben 
entnehmen können. Weil mich die Schwierigkeit der Sache reizte, 
machte ich einen Tangentialschliff von einem der grösseren Stückchen 


. und ergab derselbe sofort, dass es sich um einen Tagraubvogel 


handelte, was ein Radialschliff des Weiteren bestätigte, und war 
es nun leicht, aus dem Fundorte das Ei auf Circus zurückzu- 
führen. 

Dr. K. führt auf S. 325 Bd. 6 der Zeitschr. an, dass nicht 
allein zuweilen in einer Gruppe systematisch untrennbarer Vögel 
die Eier einzelner Genera, resp. Species, ganz ausserordentlich von 
dem typischen Charakter abweichen, sondern umgekehrt mitunter 
die Eier von Vögeln, welche durchaus nicht in näheren verwandt- 
schaftlichen Beziehungen stehen, eine sehr augenfällige Ueberein- 
stimmung gewisser äusserer Merkmale zeigen. Er unterlegt denen, 
welche an die Unveränderlichkeit der Arten glauben, möglichst 
sonderbar klingende Erklärungsgründe für diese angeblichen That- 


sachen, und will sie dann vom Standpunkte der Selectionstheorie 


in befriedigender Weise erklären. 

Aber ich muss die Wirklichkeit dieser Thatsachen zunächst und 
bis dahin bestreiten, wo die Fälle genannt sind, wo diese Incongruen- 
zen vorkommen sollen. Mir ist bei meinen doch nach ge- 
rade ziemlich umfangreichen Untersuchungen kein 
einziger Fall vorgekommen, auf welchen obige An- 
führungen passten! Fälle, welche zu einer Kritik der bis- 
herigen Systematik auffordern, finden sich allerdings. Ich werde 
sie weiterhin sämmtlich anführen. Solche Fälle, wo ein äusser- 
licher, trügerischer Schein mangels einer Untersuchung der wirk- 


252 W. v. Nathusius: 


lichen Structur zu solchen irrigen Ansichten Anlass geben 
kann, sind mir auch vorgekommen. So scheinen Perdix rubra 
und P. petrosa von P. cinerea in Korn und Färbung wesentlich 
abzuweichen, die wirkliche Structur ist aber durchaus überein- 
stimmend. 

In der schon erwähnten Arbeit über die typische Structur der 
Oseinen (Zeitschr. f. wissensch. Zool. 1878) ist berichtet, dass ich 
von Dr. Rey einige Eischalenfragmente von Steatornis caripensis 
mit der Bemerkung erhielt, dass der äussere Habitus des Eies so 
wesentliche Unterschiede von Caprimulgus zeige, dass eine nähere 
Untersuchung erwünscht sei. Diese letztere ergab denn aber voll- 
ständige Uebereinstimmung beider auch bei solchen Structurver- 
hältnissen, in welchen Caprimulgus von andern Clamatoren ab- 
weicht, obgleich Dr. Rey doch gewiss ein competentes Urtheil 
über diejenigen Charaktere zusteht, welche bisher in der Oologie 
als maassgebend betrachtet werden. Ich darf die Versicherung nicht 
bestreiten, dass erfahrene Sammler und Händler ein Ei, dessen 
allgemeiner Habitus ihnen bekannt ist, mit grosser Sicherheit nach 
einem praktischen Gefühl, wenn auch nicht an definirbaren Krite- 
rien erkennen; damit ist aber für die Feststellung von Familien- 
oder Geschlechtstypen sehr wenig gewonnen. Abgesehen von der 
Färbung handelt es sich dabei hauptsächlich wohl um die Textur 
der äussern Fläche, welche als „Korn“ bezeichnet wird. Sie ist ja 
häufig sehr übereinstimmend bei verschiedenen Arten derselben 
Familie; das kann aber auch bei Charakteren stattfinden, die nicht 
eigentlich fundamental sind. Die Schalenschliffe ergeben, dass 
bezüclich der Gestaltung der äussern Fläche und der Structur der 
Schichten, durch welche sie gebildet wird, sehr erhebliche, sogar 
individuelle Variationen vorkommen können. Wie bedeutungslos 
dasjenige, was die gebräuchliche äusserliche Betrachtungsweise der 
Eischale ergiebt, für ihre wirkliche Beschaffenheit ist, folgt auch aus 
Manchem, was Dr. K. in dieser Beziehung äussert, indem er z. B. 
S. 338 Bd. 6 d. Z. von einer analogen Beschaffenheit der „Schwamm- 
schicht‘‘ bei Pelecanus, Podiceps und Upupa spricht. 

Die sehr eharakteristische Beschaffenheit der äussersten Schicht 
bei Pelecanus habe ich schon (Zeitschr. f. w. Zool. Bd. XIX 
S. 324) beschrieben und (das. T. XXVI Fig. 3 und 4) abgebildet. 
Vollständig analog ist sie bei Aalieus und Sula, und nach der 
allerdings nur äusserlichen Betrachtung anderer Steganopoden be- 
trachte ich sie als charakteristisch für diese Familie. Spheniscus 


a = 


Betracht. üb. d. Seleetionstheorie v. Standpunkt d. Oologie aus. 253 


stimmt nicht ganz hiermit überein, es ist aber doch eine gewisse 
Annäherung vorhanden, die vielleicht für seine systematische Stel- 
lung Beachtung verdient. Bei Podiceps liegt dagegen schon eine 
ganz andere Beschaffenheit vor, und Upupa hat eine so eigen- 
thümliche und dabei so total von Pelecanus verschiedene Be- 
schaffenheit der äusseren Schalenschicht, dass schon dieser eine 
Fall zeigt, wie erhebliche Täuschungen eintreten, wenn man ohne 
mikroskopische Untersuchung Schlussfolgerungen nach äusserem 
Anschein zieht. Die Schale von Upupa hat nämlich gar keine 
äussere kreideähnliche Schicht wie die der Steganopoden, sondern 
es senken sich in ihre Oberfläche etwa 0,03 mm. tief offene Grüb- 
chen oder Kanäle ein, deren Querschnitt von länglich runder Form 
durchschnittlich etwa 0,015 mm. Durchmesser hat. Diese Durch- 
messer sind bei den einzelnen Grübchen sehr verschieden und 
liegen nach der Messung bei 9 derselben, die sich neben einander 
befanden, zwischen 0,026 und 0,01 mm. Diese Grübehen oder 
Kanäle stehen so dicht neben einander, dass auf Tangential- 
schliffen durch die äusserste Schalenschicht diese sich vollständig 
siebartig durchlöchert darstellt. Die totale Dicke der Schale be- 
trägt 0,137 mm., hiervon kommen aber auf die Mammillen über 
0,04 mm., und da die Grübchen bis auf fast 0,03 ınm. eindringen, 
bleiben nur ca. 0,067 mm. über, welche eine doch auch wie stets 
nicht vollständig geschlossene Schicht bilden.*) Und dieser Bau, 
der doch eher das Gegentheil bewirken müsste, wird von Dr. K. 
dargestellt, als durch Anpassung bewirkt, um dem Ei gegen die 
mangelnde Reinlichkeit des Nestes einen Schutz zu gewähren! 
Man sieht in diesem Fall so recht, wohin es führt, wenn an unbe- 
sründete Vermuthungen über die Beschaffenheit eines Organismus 
weitere Vermuthungen geknüpft werden, warum er so sein muss, 
wie er doch in Wirklichkeit gar nicht ist. 

Eine gewisse teleologische Betrachtung von Einzelnheiten in 
der Natur ist immer bedenklich, und schlägt leicht in eine unver- 
ständige Kritik um; aber hier liegt doch die Versuchung sehr nah, 


*) Anm. Erst indem ich behufs dieser Beschreibung meine älteren 
Präparate von Upupa nachsehe und messe, tritt mir entgegen, wie voll- 
ständig diese Structur wieder die sonderbaren Vermuthungen über die Ent- 
stehung der Schale als mechanisch hinzugetretenes Secret des Eileiters 
widerlegt. Das mir zur Disposition stehende Beweismaterial für das orga- 
nische Wachsthum der Schale ist in der That so reichhaltig, dass ich nur 
einen kleinen Theil davon anführen kann. 


354 W. v. Nathuüsiüs: 


gegenüber dem von Dr. K. in der Anmerkung zu S. 338 Gesagtem, 
sich die Frage zu erlauben: Ob nun vielleicht doch bei einer 
Structur der Eischale, deren Ursache uns allerdings nicht bekannt 
ist, welche sie aber atmosphärischer Schädlichkeit besonders zu- 
gänglich erscheinen lässt, „die geringe Neigung des Wiedehopfs 
„zur Reinlichkeitspflege des Nestes“ ihm „prädestinatorisch 
und zu wohlbedachtem Zwecke anerschaffen worden“ 
sein könnte, da doch in der That dadurch für die tief perforirte 
Eischale ein schützender Ueberzug entsteht? 

Hoffentlich werden es nur wenige Oologen sein, welche sich 
aus der Beschreibung solcher Schalenstructur-Verhältnisse, welche 
ja bei den bisherigen Untersuchungsmethoden nothwendig der Be- 
achtung entgehen mussten, nicht ohne Weiteres davon überzeugen, 
dass, nachdem neue Methoden ganz ungeahnte Structuren erschlossen 
haben, ohne Beachtung derselben eine wissenschaftliche Behandlung 
der Oologie unmöglich ist, und dass es unzulässig ist, aus den 


nz ee 


dürftigen Resultaten, welche eine nur oberflächliche Betrachtung - 


der Eischale auch für den geübtesten Beobachter unvermeidlicher 
Weise nur geben kann, entscheidende Schlussfolgerungen für oder 
gegen ihre systematische Bedeutung zu ziehen. Damit soll dem 
Verdienste fleissiger Sammler und solcher umfassender Werke als 
O. des Murs Traite general d’oologie ornithologique durchaus nicht 
zu nahe getreten werden. Was Erstere betrifft, möchte ich nur 
wünschen, dass den Exoten mehr Beachtung geschenkt würde, als 
schon aus den Katalogen der Naturalienhandlungen, in denen sie 
verhältnissmässig wenig vorkommen, hervorzugehen scheint. Einem 
gewissen Sammler-Geist mag sich die für ein engeres geographisches 
Gebiet erreichbare Vollständigkeit empfehlen, aber dann bleiben 
doch für die Systematik sehr empfindliche Lücken. 

Das Werk von O. des Murs fusst allerdings auch nur auf den 
äusseren Kriterien, aber damals waren andere auch noch nicht be- 
kannt, und es ist wegen der Masse des Materials, das es gerade 
bezüglich der Exoten enthält, werthvoll. 

Dr. K. spricht in einer Anmerkung zu S. 324 Bd. 6 d. Z. von 
„Andeutungen“, die ich bezüglich des Maassgebenden der Struetur- 
verhältnisse der Schale für systematische Gruppirung gegeben 
habe. Es ist nachgerade keine unerhebliche Zahl von Abbildungen 
und Beschreibungen von Schalenschliffen, die in den citirten in der 
Zeitschr. f. w. Zoologie publicirten Arbeiten enthalten sind; richtig 
ist indess, dass das noch sehr fragmentarisch ist; aber ohne Ab- 


! ' 
N 


| 


Betracht. üb. d. Seleetionstheorie v. Standpunkt d. Oologie aus. 255. 


bildungen ist die blosse Beschreibung solcher Verhältnisse meist 
fruchtlos, und wenn auch meine Präparatsammlung schon Material 
zu einem ziemlich umfangreichen Kupferwerk enthält, so sind doch 
abgesehen davon, dass die Anfertigung der Zeiehnungen nach den 
Präparaten schon eine grosse Arbeit erfordern würde, solche 
Publicationen bekanntlich nicht leicht zu ermöglichen. Zu einer 
Darlegung der generellen und theilweise der specifischen und in- 
dividuellen Unterschiede bei den Lamellirostren liegen schon seit 
Jahren sorgfältig ausgeführte Zeichnungen nahezu vollständig be- 
reit, aber es fehlt die Gelegenheit zur Publication, da dergl. den 
allgemeiner gehaltenen wissenschaftlichen Zeitschriften zu speciell 
ornitholosisch erscheint, und bis jetzt wenigstens unser Journal so 
zahlreiche Abbildungen nicht zu bringen vermochte. 

Leider muss ich mich also wieder auf Andeutungen beschrän- 
ken, wenn ich noch Einiges über die bis jetzt hervorgetretenen Resul- 
tate in der Kürze hinzufügen möchte. 

Die Struthioniden bilden, und dieses habe ich nicht blos ange- 
deutet, sondern durch eine ganze Reihe von Abbildungen belegt, 
welche Struthio, Rhea, Dromaeus, Dinornis und Aepyornis umfasst, 
eine charakteristisch von allen übrigen untersuchten Schalen durch 
eine unter sich homologe Structur abweichende Gruppe. 

Apteryx, ebenfalls abgebildet, sondert sich, wie schon in Nr. 
112 v. 1571 d. Zeitschrift angeführt ist, von denselben auf das Be- 
stimmteste, und scheint sich durch seine Aehnlichkeit mit Grus und 
Otis an die Grallatoren anzuschliessen. Dieses stimmt zwar nicht 
mit Owen’s Auffassung seiner systematischen Stellung, wohl aber 
mit der Anderer. Uebrigens konnte nur eins der im Zool. Garten 
von London durch A. Mantell! gelegten Eier untersucht werden. 
Solche Producte aus der Gefangenschaft möchten zuweilen nicht 
sanz normal sein, und ferner ist in einer so umfangreichen Gruppe, 
als die Grallatoren sind, eine durchgängige Uebereinstimmung nicht 
zu erwarten. Aus derselben sind bis jetzt ausser obigen beiden 
nur Ardea und Orconva untersucht, die unter sich und von jenen 
in der Beschaffenheit der äussern Schalenschicht bedeutend ab- 
weichen. Beim Storch ist diese Schicht auffallend derjenigen ähn- 
lich, welche die Tagraubvögel haben. Sie charakterisirt sich da- 
durch, dass sie scharf von der mittleren Schicht abgegrenzt, wesent- 
lich durehsichtiger als diese und von senkrecht auf die Oberfläche 
gestellten Kanälchen durchzogen ist. Die unregelmässigere Form 
und der geringere Durchmesser ihres Querschnitts, so wie der 


356 W. v. Nathusius: 


weniger dichte Stand unterscheiden diese Structur wesentlich von 
den vorhin für Upupa beschriebenen Grübchen. Um ein Urtheil da- 
rüber zu ermöglichen, mit welchem Recht ich dieses Structurver- 
hältniss für die Tagraubvögel als charakteristisch betrachte, führe 
ich an, dass folgende Ei-Schalen derselben untersucht sind: 

Haliaötos albicilla, 2 Individuen, 

Aquila naevia, 

Vultur fulvus, 

Zwei Eier hiesiger Tagraubvögel aus einer älteren Sammlung, 
wo die Species nicht bezeichnet war, 

der schon erwähnte Circus. 

Von Eulen, bei welchen diese eigenthümliche Schicht gänzlich 

fehlt, sind untersucht: 

Bubo mazimus, 
Ulula aluco. 
Durch die verschiedenartigen Schliffe, welche erforderlich sind, 


um die Struetur einer Eischale vollständig zu übersehen, und durch 


die unter Umständen sehr nöthigen Doubletten ist es schon eine 
Reihe von 28 Präparaten, welche meine Sammlung hierüber enthält. 
Man kann diese Reihe bezüglich der Zahl der Species und der 
Genera noch für zu unvollständig erklären. Nachdem ich in so 
vielen andern Fällen eine derartige Uebereinstimmung verschiedener 


Species desselben Genus gefunden, dass die Schwierigkeit gerade’ 


die ist, einen Speciesunterschied zu finden, würde ich ersteres 
kaum zugeben, letzteres dagegen unbedingt, indem G@ypaetos und 
Harpyia fehlen. Und dieses ist um so erheblicher, als ich nun der 
Ausnahme zu erwähnen habe, dass beim Kondor zwar in der übrigen 
Structur eine befriedigende Uebereinstimmung vorhanden ist, aber 
diese charakteristische äussere Schicht gänzlich fehlt. 

Hier tritt nun aber eine grosse Schwierigkeit ein. Ich habe 
ermöglicht, zwei Kondor-Eier zu untersuchen, die auch unter ein- 
ander, obgleich sie aus verschiedenen Quellen stammen, vollständig 
stimmen, aber sie sind beide aus der Gefangenschaft und 
machen mir nicht nur nach ihrer länglichen Form, sondern auch 
wegen der kleinen halbsphärischen Auswüchse, die bei abnormen Eiern 
so häufig vorkommen, nicht einen solchen Eindruck von Normalität, 
dass ich danach schon Sarcorhamphus als von den übrigen Tagraubvö- 
geln durch die Eischalenstructur gesonderte Gruppe hinstellen möchte. 

Was den Umstand betrifft, dass Ciconia, darin von Grus, Otis 
und Ardea vollständig abweichend, eine solche Aehnlichkeit der 


- Betracht. üb. d. Seleetionstheorie v. Standpunkt d. Oologie aus. 257 


äusseren Schicht mit den Tagraubvögeln zeigt, während allerdings 
die mittleren und inneren Schichten sich unterscheiden lassen, so 
habe ich nur ©. negra und ©. alba untersucht, allerdings von 
jedem 2 Individuen. Die beiden Formen oder Species stimmen, ab- 
gesehen von den Dimensionen der Mammillen, vollständig überein, 
aber in der Mächtigkeit der charakteristischen äusseren Schicht ist 
individuell ein erheblicher Unterschied. Zunächst wäre nun 


‚noch ©, mycteria und das Genus Leptoptilus zu untersuchen, auch 


noch, obschon Ardea cinerea und 4. egreita vollständig über- 
einstimmen, andere Genera derselben Familie, überhaupt die ganze 
Reihe der Grallatores zu vervollständigen. 

Man wird auf diese Weise empirisch die Bedeutung solcher 
Structurverhältnisse für die Systematik fester stellen können und viel- 
leicht der Frage näher gelangen, ob gerade aus diesem Verhält- 
niss eine Beziehung der Grallatoren zu den Raubvögeln mittelst 
der Störche zu entnehmen ist. Rationeller wäre es freilich, zuerst 
die Bedeutung solcher Structurverhältnisse aus der Morphologie der 
Eischale selbst zu entwickeln. Wüssten wir, welche nächste Ursachen 
die Bildung solcher Verhältnisse veranlassen, und welche Functionen 
solche Structuren bei der Bildung der Schale haben, dann würden 


"wir ihre Bedeutung weit sicherer würdigen können. So lange die 


Entwicklungsgeschichte der Schale überhaupt noch so im Dunklen 
ist als jetzt, ist freilich die Aussicht eine sehr entfernte, dieselbe 
für solehe besondere Verhältnisse ergründen zu können, und müssen 
wir uns einstweilen bei empirisch .erlangten Resultaten bescheiden. 

Möglich ist, dass solche Erörterung den Eindruck einer ge- 
ringeren Bedeutung der Eischalenstructur, als jetzt schon nachweisbar 
ist, bei denen hervorruft, welche die Einzelnheiten nicht aus eigener 
Anschauung verfolgen können oder mögen, denn trotz dieser 
Lückenhaftigkeit steht fest, dass für gewisse Vögelgruppen ein so 
constanter und sicher nachweisbarer Schalentypus vorhanden ist, 
dass ich mit gutem Grunde berechtigt war, den ausgestorbenen 
4epyornis dem entsprechend, was Owen schon den wenigen Knochen- 
überresten entnommen hatte, nach den Resultaten der Eischalen- 
Untersuchung für struthionid zu erklären, während Bianconi die- 
selben Knochenreste nach detaillirter Untersuchung für die eines 
grossen Raubvogels erklärt hatte. Mag aber: auch ein solcher 
weniger günstiger Eindruck das Resultat sein, so halte ich es doch 
nicht für richtig, dasjenige zu unterlassen, was meiner Auffassung 
nach die wesentlichste Aufgabe einer wissenschaftlichen Behand- 

Cab, Journ, f. Ornith. XXVIT. Jahrg. No. 147. Juli 1879. 17 


258 W. v. Nathusius: 


lungsweise solcher Themata ist: nämlich neben dem was man ge- 
funden zu haben glaubt, noch bestimmter dasjenige hervorzuheben, 
was ungelöst geblieben ist, also gerade die Lücken unseres Wissens, 

die durch Thatsachen noch ausgefüllt werden müssen. 

Bei dem aber nun noch Anzuführenden muss ich mich freilich 
etwas kürzer fassen, was nun auch wohl nicht missverständlich 
sein wird. 

Was zunächst die Ordnung der Gallinae nach älterer Ein- 
theilung betrifit, so stellt sich ein ganz bestimmter und leicht zu 
erkennender Typus bei der grössten Zahl derselben heraus. Meine 
Sammlung ergiebt denselben ausser an zahlreichen Präparaten der 
verschiedensten Varietäten des Haushuhns bei: 

Gallus Sonnerati, 

„  bankiva, 

Phasianus colchicus, 

A pietus, 
E nycethemerus, 
en torquatus, 

Perdix cinerea, 

„. rubra, 
„ petrosa, 

Tetrao urogallus, 

Meleagris gallopavo, 

Pavo cristatus, 

Francolinus clamator, 

Crax alector. 2 

Vollständig scheiden sich durch einen ganz differenten Typus 
die Crypturiden, von denen ich 

Khynchotus rufescens, 

Trachypelmus brasiliensis, 

i Tao, 

Crypturus perdicarius, 

Tinamus maculosus 
untersuchen konnte, die unter sich sehr gut übereinstimmen. 

Es ist dieses für die neuere Systematik wohl kein überraschen- 
des Resultat. 

Eine zwar geringere, aber doch entschiedene Abweichung zeigt 
Megapodius nicobariensis. Auch das ist wohl nicht überraschend, 
wohl aber dass Pierocles so gänzlich abzuweichen scheint. Ich 
sage scheint, denn bis jetzt habe ich nur ein Ei, als P. tachypetes 


Betracht. üb. d. Seleetionstheorie v. Standpunkt d. Oologie aus. 255 


bezeichnet, untersuchen können. Es war zwar von Schlüter, dessen 
Angaben sich mir nie als unzuverlässig gezeigt haben, bezogen, aber 
ich betrachte allerdings eine solche Frage, wenn sich unerwartete 
Abweichungen herausstellen, nie durch die Untersuchung eines 
einzelnen Eies als erledigt. Ich ersehe aus einer Notiz, dass manche 
Ornithologen die Flughühner zu den Tauben stellen sollen. Ich 
finde nun in der That die Structur der Eischale auffallend tauben- 
ähnlich, ausser dass im Innern der Schale Pigmentschichten liegen, 
welches mir weder bei einer Taube, noch bei irgend einer Galline 
vorgekommen ist, und muss diesen Fall einfach zur weiteren Be- 
achtung hinstellen. 

Endlich finde ich noch eine erhebliche Abweichung beim Perl- 
huhn, welches zwar in einigen Beziehungen noch an den Hühner- 
typus erinnert, aber namentlich in der zierlichen Dreieckzeichnung 
der Tangentialschliffe den Struthioniden und unter ihnen in den 
ausgesprochenen Höckern der Oberfläche Casuarius und Dromaeus 
so nahe tritt, dass ich dieses nicht als zufällig betrachten möchte. 
. Allerdings kenne ich kein anderes Ei, bei welchem individuelle 
Variationen ohne eigentliche Teratologie so weit gehen. Ich hatte 
deshalb ausser von 2 Spur-Eiern von 8 Eiern Präparate gefertigt, 
und unter diesen haben nur 6 die erwähnten Dreieckzeichnungen. 
Sie sind jedoch als die typischen zu betrachten, weil die anderen. 
beiden der einfacheren und unbestimmteren Structur, welche die 
beiden Spur-Eier zeigen, sich nähern. Ob das Resultat, das ich 
der Eischalen-Structur zu entnehmen genöthigt bin, dass nämlich 
Numida mindestens einen Uebergang von den Hühnern zu den 
Straussen bildet, wenn das Perlhuhn nicht sogar dem Kasuar näher 
stehen sollte, als den eigentlichen Hühnern, auch anderweitige 
Stützpunkte finden könnte, muss ich anheimgeben. Ich möchte die 
Befiederung, die auch bei den Struthioniden verschieden ist, und die 
Flugfähigkeit des Perlhuhns nicht als entscheidend betrachten. 

Eine Eintheilung der Gallinae in die vier gleichwerthigen Fa- 
milien der Phasianiden, Tetraoniden, Crypturiden und Penelopiden 
würde also den aus der Eischalen-Structur entnommenen Kriterien 
nicht entsprechen. Nach letzteren hätte man die Crypturiden 
gänzlich abzulösen, und die Phasianiden mit Ausnahme von Numida 
mit den Tetraoniden, von denen vielleicht Pierocles ausschiede, in 
eine grössere Gruppe zu vereinigen, welcher dann noch die Pene- 
lopiden, so weit sie durch Crax repräsentirt sind, hinzutreten, 


wogegen die Megapodier für sich blieben. 
17% 


260 W.v. Nathusius: 


Vollständiger ist die Uebereinstimmung mit der gebräuchlichen 
Classification bei den Natatoren. Besonders scharf sondern sich 
unter ihnen die Lamellirostren durch die Uebereinstimmung, welche 
sie in den undurchsichtigen Zeichnungen ihrer Mammillenendungen 
zeigen, von allen übrigen, bei welchen diese ganz klar sind. Inner- 
halb der ersteren sondern sich Schwäne, Gänse und Enten sehr 
gut, und bei den sehr charakteristischen Schalen der Schwäne 
lassen sich sogar, abgesehen von den schon erwähnten Mammillen- 
dimensionen, specifische Structurunterschiede zwischen ©. olor, 
musicus und atratus, allerdings zwischen ersteren nur mit Mühe 
finden. Von den eigentlichen Gänsen nicht zu unterscheiden ist 
Cereopsis, wenn das eine Ei, das ich aus nicht sehr sicherer Quelle 
erhielt, ächt ist. Dass sich Mergus ganz entenartig, und Anser 
aegyptiacus mehr enten- als gänseartig darstellt, kann nicht über- 
raschen; vielleicht eher, dass Erismatura mersa nicht nur in den 
Schliffen durch die äussere Schicht, in der ihrem auffallenden 
„Korn“ entsprechenden Verschiedenheit, sondern auch sonst noch, 
von den übrigen Enten etwas verschieden erscheint. 

Von den übrigen Natatoren habe ich die charakteristische 
Sonderung der Steganopoden durch die Beschaffenheit der äusseren 
Schicht schon erwähnt. Sonst kann ich kurz anführen, dass sich 
die Familien und Genera übereinstimmend mit der allgemein gel- 
tenden Gruppirung recht gut sondern, nur dass ich Spheniscus, 
wie schon erwähnt, nicht zu den Alken stellen, sondern eher an 
die Steganopoden anschliessen möchte. 

Dass ich neuerdings auch für die Oseinen im Gegensatz gegen 
die übrigen Nesthocker, auch wo deren Schalen ebenfalls eine nur 
sehr einfache Structur besitzen, einen charakteristischen Typus 
nachweisen zu können glaube, ist in der schon von Dr.K. eitirten 
Arbeit in der Zeitschr. f. wissensch. Zool. 1878 specieller durch- 
geführt und auch mit Abbildungen erläutert. Da die Ordnung der 
Öscinen so bestimmt wie wenig andre auf anatomische Unter- 
suchungen hin festgestellt ist, lege ich hierauf besonderen Werth, 
glaube aber, um hier nicht noch weitläufiger zu werden, auf obige 
Arbeit verweisen zu dürfen. P 

Das Alles sind ja erst Anfänge, und deren Vervollständigung 
erst dann zu erwarten, wenn sich Mehrere mit solchen Unter- 
suchungen beschäftigen. Wüsste ich, dass Letzteres dann zu hoffen 
stände, so würde ich eine möglichst detaillirte Anweisung zur Anfer- 
tigung der verschiedenartigen Schalenschliffe nach derjenigen Methode 


Betracht. üb. d. Seleetionstheorie v. Standpunkt d. Oologie aus. 261 


publieiren, durch welche doch schliesslich Resultate erlangt sind, 
die ich im Anfang so günstig nicht zu erhoffen wagte. Es kommen 
doch eine Anzahl besonderer Handgriffe und Vorsichtsmaassregeln 
dabei in Betracht, die sich erst aus einer längeren Erfahrung er- 
geben haben, und wenn auch diese Methode jedenfalls noch ver- 
besserungsfähig sein wird, so ist es doch immer ein Vortheil, 
schon auf irgend etwas bestimmtem fussen zu können. 

Uebrigens -läge eine Einseitigkeit darin, von den Hüllen des 
Eies nur die Schale in Betracht ziehen zu wollen. Schon früher 
habe ich darauf hingewiesen, dass bei Siruthro und Dromaeus die 
Schichtung des Dotterhäutchens von derjenigen abweicht, die beim 
Huhn vorliest. Auch die ganze Beschaffenheit des Eiweisses und 
seine Structur, wie sie sich bei dünnen Schnitten, die man an- 
fertigt, nachdem das Ei vollständig hart gekocht ist, und dann in 
Glycerin beobachtet, in dem verschiedenen Grade der Durchsichtig- 
keit seiner Schichten zeigt, ist vielleicht für die systematische Son- 
derung grösserer Gruppen ebenso bedeutungsvoll als die Schale. 
Ich habe schon in Bd. XVIII d. Zeitschr. f. wissensch. Zool. Taf. 
XVII Fig. 31—33 Abbildungen dieser Verhältnisse beim Hühner 
und Enten-Ei gegeben und auf die Verschiedenheiten hingedeutet,- 
welche sich bei anderen Eiern ergeben. 

Leider wird das Material für solche Untersuchungen stets 
schwieriger als die Schalen und für Exoten selten überhaupt zu 
beschaffen sein. Es wird immer zu rathen sein, dass für einen 
einigermaassen weiten Transport die Eier vor demselben hart ge- 
kocht werden, weil sonst, wie ja bezüglich der Bebrütbarkeit be- 
kannt, die zarten Membrane, auf denen die Structur beruht, durch 
das Schütteln beim Transport zerreissev, wie es z. B. bei einem 
Straussen-Ei erging, das ich zu einer solchen Untersuchung über 
Hamburg bezog. Dann ist selbstredend die Structur nicht mehr 
vollständig festzustellen. 


Ueber | 
4- Morphnus taeniatus Gurney und M. guwianensis Daud. 
Von 
August von Pelzeln. 
Im Aprilhefte des Ibis 1879 8.173 t.3 giebt Mr. J.H. Gur- | 
ney die Beschreibung und Abbildung einer neuen Art der Gattung | 
Morphnus, welche er mit dem Namen MM. taeniatus bezeichnet. | 


262 August von Pelzeln: 


Als Unterschiede vom ausgefärbten Morphnus guianensis hebt 
Mr. Gurney hervor: Oberkopf und Kopfseiten sind an MM, tae- 
niatus dunkler, die weissen Binden an den mittleren Flügeldecken 
deutlicher, die Kinnfedern nicht reinweiss, sondern graulich weiss 
mit dunklem Schaftstreifen (shaft mark), das Gefieder der Kehle 
und Oberbrust ist viel dunkler, die Kehlfedern nämlich schiefer- 
schwarz mit sehr schmalen weissen Spitzen, die Oberbrust ganz 
schwarz mit Ausnahme einiger kaum bemerkbarer weisslicher 
Ränder, an der Unterseite sind die schwarzen Binden gewöhnlich 
etwas breiter als die weissen, während bei M. guianensis die 
weissen breiter und die dunklen blos blassbraun sind, statt ent- 
schieden schwarz wie bei M. taenvatus. Unterflügeldecken bei 
letzteren schwarz und weiss gebändert, nicht rein weiss wie bei 
M. guwianensis. 

Auch sind bei M. taeniatus die Unterschwanzdecken gebändert. 
Von der neuen Art ist Mr. Gurney nur ein von Mr. €. Buckley 
im December 1877 eingesendetes, von ihm zu Sarayacu in Ecuador 
erhaltenes Exemplar bekannt, welches sich in der Sammlung der 
Messr. Salvin und Godman befindet. | 

Das im Kaiserlichen Museum zu Wien befindliche, durch Joh. 
Natterer bei Tucker mit der Heimathsangabe „Guiana“ ge- 
kaufte Exemplar, von welchem ich im Journal für Ornithologie 
1860, 337 und 1863, 131 als vom ausgefärbten M. guianensis ge- 
naue Beschreibungen gegeben habe, stimmt mit dem von Mr. Gur- 
ney geschilderten Vogel im Wesentlichen sehr gut überein. Die 
unbedeutenden Abweichungen sind folgende: 

An unserem Individuum sind die Ränder der Haubenfedern 
nicht weisslich, sondern gelbbraun (die längste Haubenfeder fehlt), 
der Mantel ist schwarz mit grünem Schimmer, auf den mittleren 
Flügeldecken befinden sich nur schwache Spuren von unterbroche- 
nen bräunlich weissen Binden, die Bänder auf den Primarien sind 
mehr braun als grau, die weissen Binden des Unterleibes meist 
mit Ocher überlaufen *), die Oberschwanzdecken nicht schwärzlich 
braun, sondern wie der Mantel schwarz mit grünem Schimmer, 
ebenso ist der dunkle Theil der Schwanzfedern, die Grundfarbe 
der marmorirten Schwanzbinden ist nicht weiss, sondern grau. 


*) Mr. @urney (Ibis 1879, 86) erörtert ein im Edinburger Museum 
befindliches Exemplar von Thrasaetus harpyia, welches bedeutende Bei- 
mischung von Roth an verschiedenen Stellen des Gefieders zeigte, 


Y 


Ueber Morphnus taeniatus Gurney und M. gwanensis Daud. 263 


Es scheint sonach das Wiener Exemplar älter und vollständiger | 
ausgefärbt als das von Mr. Gurney beschriebene zu sein. | 
Die Synonymie der neuen Art würde sich folgendermaassen 
darstellen: 
+ Morphnus taenvatus J. H. Gurney. 
Morphnus guianensis ad. Pelzeln in Journ. f. Ornith. 
1860, 337, Verhandl. zool. bot. Gesellsch. Wien 1862, 167 
Hi (part) — Pr. Neuwied, Journ. f. Ornith. 1863, 1—3. 
(juv.) — Pelzeln ebenda 121. 
 Morphnus taeniatus J. H. Gurney Ibis 1879, 173, t. 3. Hab. 
Guyana fide Tucker Mus. Caes. Vindob. — Sarayacu in Ecuador 
M. C. Buckley in Mus. Salvin et Godman. 
Es scheint mir jedoch die Möglichkeit, ja sogar Wahrschein- 


lichkeit vorhanden, dass M. taeniatus nur als der ganz alte und 


vollkommen ausgefärbte M. quianensis zu betrachten sein dürfte, 
Natterer beschreibt in seiner handschriftlichen Synopsis vier 
Exemplare*) des Morphnus guianensis. 

Von diesen hatte ein im Petersburger Museum aufbewahrtes, 
von Langsdorf aus Brasilien gebrachtes Individuum Kopf, obere 
Hälfte des Hinterhalses, Vorderhals und Oberbrust hellaschgrau, 
auf dem Schnitt der Federn etwas dunkler, gegen das Ende doch 
mit weisslichem Endsaume, vorderste Stirne, Wangen und Kehle 
graulichweiss. Brust, Bauch und Wadenfedern weiss mit rostfarben 
und auch dunkelbraunen Querwellen, innere Seite der Waden 
und untere Schwanzdeckfedern weiss. 

An einem zweiten Exemplare, Upsala, Mus. Westin. aus Bra- 
silien, sind Kopf, Hals und Oberbrust dunkel bräunlichgrau, die 
Kehle am weissesten, der übrige Unterleib ist weiss mit. weit ab- 
stehenden rostbraunen, in der Mitte dunkelbraunen Quer- 
strichen, die Streifen an den Waden sind aussen mehr dunkelbraun, 
und auf der inneren Seite blassrostfarben, ebenso auf der Mitte 
des Bauches sind sie mehr blassrostfarben und auf der Seite braun, 
manchmal ist der Querstreif selbst in der Mitte dunkel und wird 
nach den Seiten blassrostfarben. Die kleinen unteren Schwanz- 
deckfedern ungefleckt weiss, sowie die unteren Flügeldeckfedern. 
Die breiten Schopffedern im Nacken sind schwarz mit grauer 
Endeinfassung und weisser Wurzel. 

*) Ich habe aus diesen theilweise sehr ausführlichen Beschreibungen 


nur jene Punkte hier aufgenommen, welche für die Vergleichung von M. 
taeniatus mit M. guianensis von Gewicht erscheinen. 


264 August von Pelzeln: 


Ein zu Falaise in der Sammlung des Baron de Lafresnaye 
untersuchtes altes Exemplar (in der Mauser) zeigte Kopf, Hals und 
Oberbrust hellbräunlich aschgrau, Schopffedern schwarz mit weisser 
Wurzel, die kleineren an der Spitze mit einem breiten weisslichen 
Endsaum, die grösseren nur mit einem sehr schmalen Saum. Der 
ganze übrige Unterleib reinweiss, mit schmalen, bräunlich ocher- 
farbenen Querstreifen. Untere Flügeldeckfedern weiss, nur sehr 
wenige mit sehr blassen Querstreifen. Das Schwarz des 
Rückens zieht sich am Hinterhals herauf. 

Ein anderer alter Vogel, in Falaise am selben Tage untersucht, 
unterschied sich von dem vorigen durch fast gänzlichen Mangel 
der Querstreifen am Unterleibe, blos auf den Waden war eine 
schwache Spur davon und die Oberbrust war kaum merklich mit 
grau sehr fein, wie mit kurzen haarfeinen Linien bespritzt. Rücken 
und Schulterfedern dieses Vogels waren schwarz und ungefleckt.*) 

Mr. R. Ridgway**) schildert folgende Exemplare des Mor- 
phnus quianensis: 

Alte Vögel: 

I. Ueberwiegende Farbe bräunlich schwarz oberhalb gleich- 
förmig, die unteren Theile allenthalben (everywhere) quer gebän- 
dert mit weiss, die Bänder ungefähr 0,25 breit und ungefähr gleich 
an Breite mit den schwarzen, Secundarien und Primarien mit un- 
deutlichen breiten Binden von lichterem Bräunlichgrau (brownish 
dusky), Schwanz schwarz mit ungefähr fünf Binden von fleckigem 
Graulich (diese Binden werden allmälig gegen das Ende breiter) 
und schmal weiss gespitzt. Obere Schwanzdecken weiss gespitzt 
(N. 177. 81 in Nat. Mus. Truando, Neu Granada, Dr. Schott). 

II. Im Allgemeinen ähnlich, oberer Kopf, Hals und Brust ein- 
förmig bräunlich aschgrau, die Haubenfedern vor dem Ende schwarz, 
unterhalb weiss mit mehr oder weniger ausgeprägten und ununter- 
brochenen rothen Binden, besonders an den Tibien, dem Bauche und 
crissum. Schwanz mit nur drei grauen Bändern (mit Ausschluss 
der schmäleren terminalen), jene manchmal beinahe gleichbreit 
mit den schwarzen. 


*) Die beiden letzterwähnten Exemplare sind wohl dieselben, welche 
Mr. R. Ridgway (in Proc. Boston Soe. 1873, 71) als von der Lafresnaye'- 
schen Sammlung herrührend, anführt. 

##*) Studies of the American Falconidae in Bulletin of the United 
States Geological and Geographical Survey of the Territories, Vol. II 
(1876) 162. 149, 


N 
ur 


Ueber Morphnus taeniatus Gurney und M. guianensis Daud. 265 


III. Aehnlich, aber das Weiss der unteren Theile ohne jede 

Spur von Bändern. 
Junger Vogel: 

Kopf, Hals und untere Theile einförmig weiss, Flügeldecken 
fein gesprenkelt mit licht aschgrau, und die ganze Oberseite sehr 
gefleckt mit derselben Farbe. Schwanz mehr unregelmässig und 
schmal gebändert, die schwarzen und aschgrauen Bänder ungefähr 
gleich an Breite. 

Aus diesen Schilderungen, sowie aus der vergleichenden Be-ı 
schreibung zahlreicher Exemplare, welche ich im Journal für Orni- 
thologie 1863 veröffentlicht habe, ergiebt sich, dass der Uebergang 
vom Jugend- in das ausgefärbte Kleid bei Morphnus guianensis 
öfter in ziemlich abweichender Weise vor sich geht, so dass eine 
grosse Mannichfaltigkeit der Färbungen bei verschiedenen Indivi- 
duen in verschiedenen Altersstufen sich darbietet. | 

So finden sich an dem erwähnten Petersburger Exemplare 
an der Unterseite rostfarbene und auch dunkelbraune Querwellen, 
bei dem Vogel aus Upsala zeigt die Unterseite rostbraune, in der 
Mitte dunkelbraune Querstriche; diese sind an den Waden aussen 
mehr dunkelbraun und auf der inneren Seite blassrostfarben, 
ebenso sind die Streifen auf der Mitte des Bauches mehr blass- 


rostfarben und auf der Seite braun, manchmal ist der Querstreif 


selbst in der Mitte dunkel und nach den Seiten blassrostfarben. 

Von den durch Mr. Ridgway beschriebenen Individuen zeigt 
I am Unterleibe bräunlich schwarze Binden von ungefähr gleicher 
Breite mit den weissen, an II sind Kopf, Hals und Brust lichter, 
die Unterseite hat rothe Binden, während das ebenfalls alte Ex. 
III an den unteren Theilen keine Spur von Bändern aufweist. 

Da nun der ganze Gang des Farbenwechsels bei M. guianensis 
von Weiss in Dunkel gerichtet ist, da die Oberseite von Weiss 
bis in Braunschwarz, ja Schwarz sich verändert, die ursprünglich 
reinweisse Unterseite rostfarbene Binden erhält, welche, wenigstens 
theilweise, dunkelbraun werden, so ist es wohl nicht ungerecht- 
fertigt, zu vermuthen, dass die Binde der Unterseite beim sehr 
alten Vogel ganz schwarz und breiter, sowie die Färbung des 
Kopfes, Halses und der Oberbrust dunkler werden sollten, wie 
dies bei M. taeniatus der Fall ist. 

Was den allerdings sehr in die Augen fallenden Unterschied 


betrifft, dass die unteren Flügel- und Schwanzdecken bei M. guia- 


nensis einfarbig weiss, bei M, taeniatus dagegen weiss und schwarz 


266 H. Goebel: 


gebändert sind, so weist der Umstand, dass bei dem einen Exem- 


plar aus der Sammlung Lafresnaye’s einige, allerdings sehr 
wenige, Unterflügeldecken sehr blasse Querstreifen zeigen, darauf 
hin, dass auch in dieser Richtung Uebergänge stattfinden dürften. 
Mr. Ridgway erwähnt gar nicht, dass die Unterflügel und 
Schwanzdecken rein weiss seien, sondern nennt bei Ex. I die un- 
teren Theile allenthalben quergebändert, bei Ex. II bemerkt er 
ausdrücklich, dass das crissum rothe Bänder besitze. Auch dieser 
Charakter scheint daher nicht constant zu sein. 

Unter diesen Umständen glaube ich, dass mit Grund der Ver- 
muthung Raum gegeben werden könne, dass M. taeniatus, wie ihn 
Mr. Gurney schildert und in offenbar noch älterem Kleide das 
Wiener Exemplar zeigt, der ganz alte, vollkommen ausgefärbte 
M. guianensis sein dürfte. 


Ueber Vögel des Uman’schen Kreises. 
(Nachtrag, s. Jahrg. 1873, S. 128.) 
Von Forstmeister H. Goebel. 


Meine Privatverhältnisse gestatteten es mir nicht, in den letzten 
Jahren mich mit der Wissenschaft so viel zu beschäftigen, als mir 
wünschenswerth gewesen wäre, daher kam ich nicht dazu, neue 
Beiträge für’s Journal abzufassen. Da ich nun aber mehrfach ge- 
sehen habe, dass viele meiner Publicationen in der einen oder 
andern Arbeit angeführt wurden und man mich durch häufige 
Citation beehrte, so will ich, um wenigstens meine Uman’schen 
Vögel zum Abschluss zu bringen, noch nachstehende Zusätze 
geben, welche auf von mir nach dem Jahre 1871 gemachte Beob- 
achtungen basiren. 

(31) Falco peregrinus ist aus der Liste der Brutvögel zu 
streichen, dafür aber: 

211. Falco Feldeggi zu setzen. — Die kleineren, dunklen, 
an der Bauchseite durch die grobe Fleckung derselben, erschei- 
nenden Falken, die ich nach oberflächlicher Untersuchung geschos- 
sener Exemplare, an Feldeggi gar nicht denkend, für peregrenus 
nahm, gehören entschieden ersterer Art an. In den Brutverhält- 
nissen, sowie in der Zeit seiner Ankunft, stimmt er vollständig 
mit F. lanarius überein. — Die Farbe der Eier ist ein gesättigtes 
dunkles Rothgelb oder Hellgelb. Die Form der Eier entweder 


Ueber Vögel des Uman’schen Kreises. 267 


sehr gestreckt, oder sehr kuglich. — Die Schale ist glatt und meist 
etwas glänzend. Das Maass von 26 Eiern ist: 

Länge Dsch. 52 Max. 56 Min. 49 Mm. 

Bee el Pete re 

Gewicht Dsch. 1 Drachme, Max. 1 Dr. 7 Gran, Min. 50 Gr. 

(30) Falco lanarius. Das Maass und Gewicht von 150 Stück ist: 

Länge Dsch. 53,, Max. 59,, Min. 48,, Mm. 

Bree. 4, AD 198,50, 

Gewicht Dsch. 1 Dr. 14?/, Gr., Max. 1 Dr. 32 Gr., Min. 1 Dr. 2 Gr. 

(36) Erythropus vespertinus. 1875 fand ich auf ein und dem- 
selben Baume 2 Horste der Saatkrähe von diesen Falken belegt, 
das eine Gelege & 3 Stück zeichnete sich durch ungemeine Klein- 
heit aus: 33/25,,, 32/26, 32/25,; — hei 16, 15, 17 Gran Gewicht. 

212. Buteo tachardus ist Brutvogel des Gebietes. Ueber die 
Zugverhältnisse kann ich nichts sagen, habe jedoch in demselben 
Walde Anfang Mai 1872, 73, 74, 75 je ein Gelege von 2—3 Stück 
ausgehoben und einmal am Horste den Vogel geschossen. — Die 
10 Eier zeigen folgendes Maass: 

Länge Dsch. 51, Max. 53 Min. 50 Mm. 

Brei nAln Al. rhn AQLE Ne 

Gewicht Dsch. 1 Dr. 6 Gr., Max. 1 Dr. 12 Gr., Min. 59 Gr. 

213. Pernis apivorus ist Brutvogel, den ich aber nur einmal 
am Horste beobachtete. Es stand auf einer Eiche 30° hoch in der 
Gabel, war 350 Mm. breit und 250 Mm. hoch, aus Reisig gebaut 
und mit grünem Laub gefüttert. — Der Vogel war sehr scheu, 
liess sich kaum sehen. Es enthielt am 26. Mai 1874 1 frisches 
Ei, das 48,, Mm. lang, 40 Mm. breit war und 55 Gran wog. 

(206) Oircaetus gallicus. Brütet gestört regelmässig zum 
zweiten Male in demselben Horste. — Die 7 mir vorliegenden 
Eier zeigen: 

Länge Dsch. 74 Max. 738 Min. 71,, Mm. 

Breite \ 1108.20 01100 215 ö 

Gewicht Dsch. 2 Dr. 56 Gr., Max. 3 Dr. 11 Gr. Min. 2 Dr. 40 Gr. 

214. Aguila orientalis ist Brutvogel, von dem ich schon 1871 
ein Ei erhalten, es aber für ein fleckenloses naevia-Ei gehalten 
hatte. — An demselben Tage und in demselben Walde, in dem 
ich den Pernis brütend fand, entdeckte ich auch den Horst der 
A. orientalis. Er stand in einem 40jährigen Hainbuchenbestand 
auf einer starken Eiche, war 40° hoch angelegt in der Gabel, hatte 
einen Durchmesser von 900 Mm., eine Höhe von 500, enthielt 


268 H. Goebel: 


am 26. Mai 1874 2 bebrütete, am 8. Mai 1875 entnahm ich dem- 
selben Horste 1 frisches Ei. — Die Farbe aller 3 ist rein weiss, 
ohne Flecken. — Der Vogel ist viel scheuer als naevia und stob 
in beiden Fällen ab, als ich dem Horstbaume mich näherte. — 
Das Maass von den 3 Eiern, nebst dem 4. frischen gefundenen, ist 

Länge Dsch. 68 Max. 70 Min. 67 Mm. 

breite WB TE EB I br 

Gewicht Dsch. 1 Dr. 26 Gr., Max. 1 Dr. 55Gr., Min. 1 Dr. 12 Gr. 

215. Agwila Bonelli habe ich am 4. März 1873 auf der Hasen- 
jagd am Rande eines Waldes gesehen. Er flog, wohl vom Lärm 
der Treiber aufgescheucht, dicht über mich hin. Der lange Schwanz, 
die weissliche Unterseite des Körpers und Schwanzes, die leuch- 
tenden Schulterflecken liessen keine Täuschung zu, wenn ich auch, 
ganz verblüfft über die Erscheinung, ihn herunterzuschiessen 
unterliess. — 

216. Strix flammea brütet in einem Paare in einem undichten 
Eichenwalde in Baumhöhlen. 2 Mal fand ich den Horst am 11. 
Mai 1872 mit 8 hoch bebrüteten, am 6. Mai 1873 mit 6 frischen 


bis '/, bebrüteten Eiern. — Das Maass von 13 Eiern ist: 
Länge Dsch. 38,, Max. 41, Min. 36,, Mm. 
Breite „ 30,5 „ 30,5 „ 30 „ 
Gewicht, "95 Gr. 7,1971, Gr. Basen 


(23) Coraz nobilis. 2 Mal fand ich Gelege von 7 Stück am 19. 
März 1873 und 14. März 1874. Die Grösse der Eier ist die normale. 

(12) Cynchramus schoeniclus ist wohl nicht Brutvogel, es ist 

229. Cynchramus pyrrhuloides, ersterer ist nur Durchzugvogel. 

(198) Melanocorypha calandra ist Brutvogel, am 22. Juni 1874 
fand ich ein Nest mit 4 Jungen an der Cherson’schen Grenze. 

217. Calandrella brachydactyla ist Brutvogel, ich erhielt ein 
Gelege von 5 Eiern 1876 von dorther zugeschickt. — Sie haben 
ein Maass von: 

Länge Dsch. 18,, Max. 19,, Min. 18,, Mm. 

Breite ” 15 ”» 15,5 ” 14,; ”» 

(77) Pratincola rubicola. Von diesem Vogel erhielt ich 1876 
2 Gelege geschickt, die am 27. Mai und 4. Juni gefunden wurden, 


unter Nesselgestrüpp, gut versteckt. — Sie enthielten je 5 Eier. 
Das Maass derselben ist: 
Länge Max. 18 Min. 16 Dsch. 17,, Mm. 
Brege w, N 14 ehe ©) En. 


Gewicht „ 1, Gr. „1% ar. TS 


Ueber Vögel des Uman’schen Kreises. 259 


(99) Calamodyta phragmitis. 3 Gelege dieses Vogels & 5,5, 6 
Eiern wurde in der ersten Woche Juni gefunden und zeigten fol- 
gendes Maass: 

Länge Dsch. 18,; Max. 19 Min. 18 Mm. 

Breite 14 „ 14; welaraa 

Gewicht , Lola Om. 2, ENGER. a HG 

218. Boarula sulphurea. Der 26. Mai 1874 brachte mir die 
Entdeckung auch der Gebirgsstelze, die ich unterhalb einer Mühle, 
am Mühlenbache beobachtete, und die sich heimisch zu fühlen 
schien, Sonst nie mehr gesehen. 

(110) Parus coeruleus stellt ihr Nest in den Höhlungen von 
Weiden oder Obstbäumen auf. Die höchste Eierzahl, die ich fand, 
war 10 Stück. — Das Maass von 23 Eiern ist: 


Länge Dsch. 15,, Max. 16 Min. 14 Mm. 
Breite 9 ler: EN ENE 
Gewicht „, Ina ed Gr en SG 


219. Aegithalus pendulinus. Von diesem Vogel fand ich 1874 
und 1875 sehr viele Brut- und Vergnügungsnester, an den Zweigen 
von Weiden hängend, die am Ufer der Sümpfe und Seen standen. 
— Der Vogel annoncirt sein Nest durch einen durchdringenden, 
feinen Pfifi, sobald man in der Nähe ist. — Die Vergnügungs- 
nester werden bis in den Herbst hin annoneirt, also auch bewohnt, 
während die Brutnester nach Ausfliegen der Jungen verlassen 
werden. — Alle sind sie aus Pflanzenwolle, den Kolben der 
Sumpfgewächse entnommen, erbaut und mit Hanffasern an den 
Zweigen befestigt. Sie hängen frei über dem Wasser oder Rohre, 
selten nur zwischen dieses herab. — Einmal nur fand ich ein Nest 
an einer Schwarzeller, dasselbe war mit schwarzer Schaiwolle, an- 
statt des Hanfes umsponnen und befestigt. — Das Maass einiger 
Nester ist folgendes: 


Brutnest: 
a. Höhe 140, Br. —+ Röhre 125, a. d. Queraxe 90, Durchm. d. Röhre 40. 
b. ” 133, ”) ” „ 120, „» » 29 70, ED] PR] 2) 45. 
c. ” 155, HR 290 ” 150, 9) ” I0, P2) ” ” 40. 
Vergnügungsnest: 


a. Höhe 148, Breite vom untern Rande einer Oefinung zum 
untern Rande der andern 73 und 100. Diameter der Oefinungen 
68 und 65 Mm. 

b. Höhe 146, Breite 65 und 83, Diameter der Oeffnungen 85 
und 80 Mm. 


| 3 


270 H. Goebel: | 
Brutzeit von der ersten bis in die dritte Woche Juni. — 
Normaleierzahl 7, doch auch einmal 10 und einmal 8 Stück 
im Neste gefunden. — Die Eierfarbe weiss. 
Das Maass von 76 Eiern ist: 


Länge Dsch. 15,,; Max. 17 Min. 15 Mm. 
Breite „ 10,; „„ 1 1 „ 10 ”„ 
Gewicht „ 1Gr. „it Plio-AT: 1. 00 ea 


(122) Cuculus canorus. Die Eier dieses Vogels fand ich bei 
folgenden Arten: 
a. bei3 Cal. arundinacea Länge 24, Breite 17, Gew.4!/, Gr. 22. Juni. 
b. ,„ 5 Lanius collurio 22 ee A: 
„ DiRutie. phoenicura 5,23, „u 1,00, DATE 
„ 1 Cal. palustris 3 0 24s 1925116554, BE 
„» 3 Cal. arundinaceea „24 „ 17, 2. Aue 
„ 5 Sylvia nisoria „2, „2 1,00 Al 
. » 5 Lanius collurio 2 re — 
„ 2 Rutie. phoenieuvra „ 22,  „ 165» 348, 13.Juni. 
„4 Rutie. phoenicura „22, 5 165 ,. 3% 5 az 
. „ 3 Motacilla alba rd) ar Are — 
Ausserdem noch 2 Eier erhalten, ohne Gelege, die wohl eben- 
falls dem Cuc. canorus angehören, sie haben: 
Länge 24 Breite 13 Mm. Gewicht 4!/, Gr. 
” 25 „ 18 „ „ 41, ” 
Färbung hellblau mit verloschenen violetten Schalenfleckchen. 
Das beste Kennzeichen der CucwWus-Eier ist meiner Ansicht 
nach ihr, trotz verschiedener Grösse, meist gleichbleibendes Gewicht, 
abgesehen vom Korn und der Form, die sie leicht von Riesen- 
und Doppel-Eiern unterscheidet. Ich führe ein Paar Doppel-Eier 
anderer Vogelarten an, um zu zeigen, dass dieselben trotz ihrer 
Grösse das Durchschnittsgewicht kaum überschreiten, wie ja auclı 
natürlich, da der Eileiter nur die normale Kalkmasse produeirt, 
ob sie nun sich um 1 oder 2 sich zu gleicher Zeit lösende Dotter 
schliesst: 
a. Lanius collurio Länge 25, Breite 15,,, Gewicht 31, Gr. 
” 24,5, ” 16, ” 3 ” 


Kureempn.e 


” „ 
b. Anthus arboreus PFRUR ..): PORTO RR N; 3° Rau 90° 
c. Erythrosterna parva „ 2ly, „ 13 : 
d. Anthus arboreus u: BER a 


Das Durchschnitts-Normalgewicht beträgt bei a 3, bei b 21), 
bei c 1!/,, bei d 21/, Gran, 


Ueber Vögel des Uman’schen Kreises. il 


Die Färbung der oben angeführten ist: a und e ähnlich dunklen, 
gefleckten, doch ungeschnörkelten Embderiza miliaria-Eiern, b sehr 
dunkel rostgelb mit schwarzbraunen und grauen Flecken, c dunkel- 
blaugrün, viel dunkler als die Nesteier, fleckenlos, d. wie ©. palustris, 
nur sehr hell, f wie dunkelgewölkte nisorea, aber mit schwachen 
einzelstehenden Brandflecken, g in Holz’s Besitz, Färbung unbe- 
kannt, h und i viel heller als Nesteier, ganz schwach grau gefleckt, 
k wie helle Mot. alba, doch mit runden schwarzen Brandflecken 
bezeichnet und einigen rothgrauen. — 

220. Syrrhaptes paradozxus ist, wie mir glaubwürdige Leute 
versicherten, 1863 und 1864 im Uman’schen Kreise vorgekommen. 

221. Tetrao tetrix. Soll erst vor 25 Jahren ausgerottet sein, 
da alte Jäger mir versicherten, ihn geschossen zu haben, als grosse 
Seltenheit freilich. 

222. Aegialites cantiana sah ich am 6. October in Gesellschaft 
eines Totanus glottis, und schoss ich mehrere Stück. Sie waren 
gar nicht scheu und hielten sich am schlammigen Ufer eines Tei- 
ches auf. 

223. Aegialites hiaticula. Sah ich im April an steinigen Fluss- 
ufern einige Mal. 

(156) Ardea purpurea brütet auf ganz niederem Weidengestrüpp 
im Rohrsumpfe. Die Horste waren eine rohe Anhäufung von 1 
bis 2‘ langen Rohrstücken und befanden sich in geringem Umkreise 
etwa 40 Horste, von denen aber am 10. Juni nur einer mit 2, am 
22. 6 mit 2-4 frischen und bebrüteten Eiern belegt waren. Die 
Vögel flogen erst auf, als wir kaum 100 Schritt von der Kolonie 
entfernt waren, und umschwärmten uns laut rufend. 

Das Maass von 12 Eiern ist: 

Länge Dsch. 56,, Max. 60 Min. 52 Mm. 

Breite ur Al „42 A, 

Gewicht 

224. Buphus comatus ist Brutvogel, den ich ziemlich häufig 
1874, doch nur in einigen Exemplaren am Sokolow-Sumpfe Anfang 
Juni sah. Die Vögel flogen aus dem hohen Schilfgrase auf, zogen 
aufgescheucht mit matten Flügelschlägen dicht über dem Boden 
hin und fielen bald wieder ein. — 1873 wurde einer geschossen. 
— Auch auf dem Zebermanowka-See beobachtete ich die Vögel, 
hart am Wasser, durch’s Rohr gedeckt, auf den schwimmenden In- 
seln, stehend. 

(167) Ortygometra pusilla brüten an sehr nassen, schlam- 


273 H. Goebel: 


migen Stellen im hohen Grase, wie bei porzana sind die Halme 
oben als Decke zusammengezogen. — Das Nest ist aus trocknen 
Binsen erbaut und hat einen Durchmesser von 100 Mm. Am 30. 
Mai 1873 enthielt es 3 frische Eier, die folgendes Maass zeigen: 

Länge Dschn. 31,, Max. 32 Min. 30,, Mm. 

Breite „ 21,8 ” 22 „ 21,; ” 

Gewicht _ ,„ s1,'Gr. 79a RER 

(169) Fulica atra, das Maass von 14 Eiern ist: 


Länge Dschn. 52,, Max. 54,, Min. 47 Mm. 
Breite „ 36,5 „ 39,5 )) 35 „ 
Gewicht  ,,: 508%, Gr. „ ©: 1 Dr.26r 7 Bere 


(171) Anser cinereus brütet Mitte April auf den grossen über- 
schwemmten Rohrsümpfen. Sie legt ihr Nest immer auf den, nach 
der Winterabfuhr noch gebliebenen Rohr- und Heuhaufen an, die 
im Frühfrühlinge allein aus den Gewässern hervorragen. — 5 Eier 
zeigen folgendes Maass: 

Länge Dschn. 89,, Max. 91 Min. 86 Mm. 

Breite „ 08 „* 60135 

Gewicht : ‚;.: '5Dr.36Gr. ‚,  5PDr.52Gr.', "NbiDrszsee 

225. Vulpanser tadorna sah ich in einer Schaar am 19. März 
1873. 

(174) Anas querquedula, das Maass von 11 Eiern ist folgendes: 

Länge Dschn. 43,, Max. 47 Min. 41 Mm. 

Breite srtaäl;z HN 88 5. BO 

Gewicht BRETT „27 oe 

(175) Anas strepera, das Maass von 12 Eiern ist folgendes: 

Länge Dschn. 53,, Max. 56 Min. 51,, Mm. 

Breite „I „88; » du» 

Gewicht“ 5.171482, Gr. 52.602,40 

226. Fuligula cristata, 2 Mal beobachtet, Anfang April und 
Anfang November. 

(181) Aethyia nyroca, Maass von 20 Eiern: 

Länge Dschn. 51, Max. 54 Min. 49 Mm. 

Breite Mine) 1,0 , NORM 

Gewicht ,, ' LDr, 262.4, 5/1Dr. 4Gr, 1, Teaser 

227. Pelecanus spec. Am 4. April 6 Stück gesehen auf dem 
Sokolow-See. 

228. Colymbus arctieus. Im November 1875 wurde einer von 
Fischern gefangen und einige Tage in einem Bauer lebend ge- 
halten. 


“ 


E\. 


Ueber Vögel des Uman’schen Kreises. 273 


Carbo cormoranus ist wohl Brutvogel, da ich 1874 und 1875 

viele im Sommer am Sokolow-See sah, sich heimisch fühlend. 
Als neu kämen hinzu: 

Zu den brütenden Zugvögeln: Agusla minuta, die ich als Art 
betrachte, Falco Feldeggi, Buteo tachardus, Aqukla orientalis, Pernis 
apivorus, Cynchramus pyrrhuloides, Calandrella brachydactyla, Boa- 
rula sulphurea (?), Buphus comatus, Carbo cormoranus (?). 

Zu den Durchzugvögeln: Colymbus arcticus, Pelecanus spec., 
Fuligula cristata, Vulpanser tadorna, Aegialites cantianus, A. hia- 
ticula, Syrhaptes paradoxus, Agula Bonelli. 

Zu den Standvögeln: Tetrao tetrıx (ausgerottet), Strix flammea. 

Aus der Rubrik b., brütende Zugvögel, ist in die Rubrik c., 
durchreisende, zu versetzen: Falco peregrinus, Cynchramus schoe- 
niclus. 

Aus der Rubrik c., durchreisende, in die Rubrik b., brütende 
Zugvögel, Melanocorypha calandra. 

Buteo vulgaris ist als Zugvogel richtiger anzusehen, denn als 
Standvogel. 

Beobachtet ist also das Vorkommen von 230 Arten, davon sind: 

2slandvözelin.. var. 2042 8, 

b. Brütende Zugvögel . . . 127 = 5511, % 

c. Durchreisende und Irrgäste 49 = 21'/, % 

do Wintergäste u. ns en, ni bl 15 
230 Arten. 

Wie man aus diesen Ziffern ersehen kann, ist also der Uman’- 
sche Kreis, mit rein continentalem Klima, fern dem Meere liegend, 
reich an Brutvögeln, arm an durchziehenden, denn unter den 49 
angeführten Arten sind viele blos zufällig vorkommende (14) und 
nur 35 mehr oder weniger regelmässig durchreisende. — Diese 
Armuth erklärt sich leicht dadurch, dass Uman weit ab von einer 
grossen Heerstrasse liegt, der Dnjeper ist 150 Werst entfernt. 

Zugleich will ich hier auch noch das von meinem lieben Freunde 
Holz im Ornithologischen Centralblatt 1877, pag. 76 und 77, 81 
und 82 angegebene Verhältniss der Vögel Pommerns zu denen 
Umans berichtigen, da nach meinen späteren, oben publicirten Beob- 
achtungen das Verhältniss ein anderes ist, als Holz, gestützt auf 
seine und meine älteren Beobachtungen, im Centralblatt angab. 
Darnach erweist sich: dass von den Raubvögeln ausschliesslich 
dem Pommer’schen Gebiet als Brutvögel nur Falco peregrinus, 
Pandion haliaetus angehören, sowie Oius drachyotus, dass dem 

Cab. £. Journ. Ornith. XXVII, Jahrg. No, 147. Juli 1879, 18 


274  H. Goebel: Ueber Vögel des Uman’schen Kreises. 
Uman’schen speciell Ag. «mperialis, pennata, minuta, orientalis, 
Buteo tachardus, Falco lanarius, Feldeggi, cenchris, vespertinus, 
Scops zorca angehören, die übrigen alle. gemeinsam sind. 

Von Sperlingsvögeln finden sich in Pommern ausschliesslich: 
Parus cristatus, ater, Oypselus apus, Lanius ruficeps, Cynehramus 
schoeniclus, Turdus pilaris, Cinclus aquaticus, Rutieilla tithys, 
Phyllopneuste trochilus, Curruca garrula, Pyrrhula vulgaris, Frin- 
gila spinus, Picus martius, minor. Im Uman’schen: Parus pen- 
dulinus, Muscie. |albicollis, Saxic. rubicola, Sylvia melanocephala, 
Alauda calandra, brachydactyla, Emberiza cirlus, Cynehramus 
pyrrhuloides, Boarula sulphurea, Merops apiaster, Picus canus, 
Locustella luseinioides, Luscinia major. 

Von den Watern gehören Pommern ee an: Oedi- 
cnemus, Tot. calidris, Aegialites hiatieula, cantianus, Haem. ostrea- 
legus, Strepsilas, Scolopax rusticola, Machetes pugnax (ist aber 
auch vielleicht in Uman seltener. Brutvogel), Pelidna alpina, Num. 
arcuatus, Charadrius pluvialis, Recurvirostra, Ciconia nigra, Uman 
dagegen: Grus virgo, Ardea purpurea, egretta, garzetta, nycticoraz, 
comata, Tot. stagnatiis, Limosa melanura, Glareola pratincola. 

Von den Schwimmvögeln gehören Pommern: Sterna minuta 
(die im Sommer in Uman vorkommenden, will ich gerne, Holz’s 
Ansicht theilend, für nieht brutfähige Exemplare halten), $%. ma- 
croura, Larus argentatus, fuscus, canus, Mergus merganser, serrator, 
Colymbus arcticus, Cygnus olor, Anas tadorna, celypeata, acuta, 
crecca, clangula. Uman gehören an: Hydrochelidon leucoptera, 
leucopareja, Anas nyroca. — 

Es gehören also ausser den, beiden Gebieten gemeinsamen 


NRENT, 


Vogelarten, aussehliesslich an: 
Raubvögel Uman 10, Pommern 3. 
Sperlingsvögel „re H 14. 
Scharrer y 1; " 2. 
Water R: 9, 4 13. 
Schwimmvögel PHERIBES? u 14. 
36 46 


Abgesehen nun von den Schwimmvögeln, die natürlich über- 
wiegen müssen, weil Uman das Meer fehlt, erweist sich kein Pro- 
centsatz zu Gunsten Pommerns. — Nehmen wir nun noch in An- 
schlag die vielfach den Uman’schen Kreis überwiegende Grösse 
Pommerns, so dürfte man Uman für gar nicht so artenarm zu 
halten brauchen. — Wenn auch die Wälder klein, theilweise, oder 


Dr. 6. A. Fischer: Briefl. Reiseber. aus Ost-Afrika. IV. 275 


vielmehr durchgängig der Privatbesitz vollständig ruinirt ist, so 
hat das keinen Einfluss auf die kleinen Singvögel, da die Wälder 
hauptsächlich aus Hainbuchen bestehen, welche starken Wurzel- 

-ausschlag geben, der sofort den Schlag überzieht. — Freund Holz 
erinnert sich doch der vollständigen Raubvögel-Kolonien, Horst 
steht ganz nahe vom Horste, die Vögel drängen sich eben mehr 
zusammen, sie begnügen sich mit kleinen Revieren, wenn sie nur 
Futter genug finden, und daran ist ja gerade die Uman’sche Ge- 
gend so sehr reich. — 

'In den 2!/, Jahren, die ich jetzt hier in Petersburg und im 
Nowgorodschen, meist im Waldai, zugebracht habe, hatte ich 
wenig Musse zu Beobachtungen und zu wissenschaftlichen Beschäf- 
tigungen, ausser Beobachtungen über die Zugverhältnisse habe ich 
kaum etwas von Interesse zu verzeichnen Gelegenheit gehabt. 

Das Interessanteste, was ich beobachtete, war das Erscheinen eines 
Paares Cypselus apus am 15. October. Sie umkreisten einen Thurm 
auf Wassily Ostrow hier in Petersburg, nachdem die Thurmsegler 
schon in den ersten Tagen des September alle fortgezogen waren. 


Briefliche Reiseberichte aus @st-Afrika. IV. 
Von E 
Dr. 6. A. Fischer, 
An Dr. Reichenow. Sansibar im Mai 1879. 

Bei der im Mai vorigen Jahres unternommenen Reise in das 
Wapokomoland berührte ich zunächst wieder das schon im Jahre 
1877 kennen gelernte Küstengebiet Malindi-Kipini; doch war die 
Jahreszeit diesmal noch nicht soweit vorgerückt, wie bei meinem 
ersten Aufenthalte dort, indem die Regenzeit eben begonnen hatte. 
Diesem Umstande ist es zum Theil zuzuschreiben, dass ich in 
diesem Terrain mit einer Anzahl Arten bekannt geworden bin, 
die ich früher daselbst nicht bemerkt hatte, weil sie nicht mehr 
durch ihren Gesang ihren versteckten Aufenthaltsort verriethen. 

Von Tagraubvögeln traf ich in dem Küstengebiete dieselben 
Arten, die ich auf der ersten Reise schon kennen gelernt. Be- 
richtigend muss ich hervorheben, dass es in meinem Berichte 
Journal für Ornithologie No. 143 p. 271 statt „Vultur fulvus“ 
heissen muss: „Neophron pileatus“. Vultur fulvus traf ich auf 
der ersten Reise nur einmal bei Takanugu, ein einzelnes Exemplar 
in einer Mangrove-Waldung. Neophron pileatus traf ich im vorigen 

18* 


276 Dr. G. A. Fischer: 


Jahre in grosser Anzahl in einem südlich von der Tana-Mündung 
zwischen dieser und der Ortschaft Mambrui gelegenen Terrain, das 
zahlreichen Antilopen und Zebra zum Aufenthalt diente. Hier 
sah ich die Vögel zu 50—100 Stück in den höchsten Lüften 
kreisend nach Beute spähen oder in geringer Höhe schwebend die 
Stellen bezeichnen, wo in der letzten Nacht ein Löwe seine Mahl- 
zeit gehalten. Am 15/6. wurde mir in Malindi ein Junges von 
Spizaötus occipitalis gebracht von 21 cm. Länge. Das Nest hatte 
angeblich in einem belaubten hohen Baume gestanden und nur das 
eine Junge enthalten. Dasselbe war braunschwarz, zum Theil noch 
mit weissem Pflaum bedeckt. Die ca. 5 em. langen Schwingen 
zeigten an der Innenfahne ein weisses Band, die Schwanzfedern 
trugen einen schmalen gelbbraunen Spitzenrand. Die Iris war 
braun, Wachshaut und Beine blassgelb. Bei Kipini erlegte ich 
Bubo lacteus (No. 270), der in einer alten Mimose ruhte. Das 
erste Mal, als ich ihn hier traf, strich er sofort bei der Annähe- 


rung in ein nahe gelegenes dichtes Kleinholz. Das zweite Mal 


war er nicht so furchtsam, sondern sah neugierig mit gesenktem 
Kopfe herab. In seinem Magen fand ich ein Eichhörnchen (Balg 
S. 6), welche Art allenthalben an der Küste häufig ist. Nachts 
streicht diese Eule auch über die Ortschaften, um auf den Dächern 
schlafende Hühner oder über dieselben weglaufende Ratten weg- 
zufangen. Die Bein- und Flügelknochen dieses Vogels sind sehr 
gesucht; man hängt Stücke derselben kleinen Kindern um den 
Hals, damit die Eule keine Macht über diese habe; denn man 
sagt, wenn die Kinder Nachts viel schreien, so komme die Eule 
auf’s Dach geflogen und ahme das Geschrei jener nach, in Folge 
dessen die Kinder verstummten, aber von dem Augenblicke zu 


kränkeln anfıngen. Ferner geht die Fabel: wenn man sich den _ 


Augenringknorpel an den kleinen Finger der rechten Hand stecke, 
so erlange man keinen Schlaf, wenn an den der linken Hand, so 
schlafe man drei Tage hindurch. Die Art wurde von den Suaheli 
Jundujundu genannt. 

Von Laniiden fand ich zwei bisher noch nicht erlegte Arten: 
Chlorophoneus quadricolor und Rhynchastatus funebris. Ersterer 
machte sich durch seine laute Flötenstimme im Mai bei Malindi 
sehr bemerkbar, doch bildete er unter den Vertretern der Gattung 
Laniarius die seltenste Art. Sein Gesang theilt sich durch eine 
kurze Pause in zwei Theile, der erste besteht aus einem, der 
zweite aus vier Tönen; der Rhythmus ist: —, vu —; das 2 nimmt 


Briefliche Reisebgrichte aus Ost-Afrika. IV. 277 


am Gesange nicht Theil. Seinen Aufenthaltsort bilden dichte Dorn- 
‚und Akaziengebüsche, man trifft ihn in diesen täglich an bestimmter 
Localität, die er nicht verlässt. Seine volle Stimme scheint er 
nur während einer kurzen Periode des Brutgeschäftes hören zu 
lassen. Denn bei meinem ersten Aufenthalte in Malindi im Sep- 
tember wurde dieselbe nicht vernommen und während des vor- 
jährigen Aufenthaltes zu Kipini im Juli vernahm man den Ge- 
sang der Art nur sehr selten und sehr unvollkommen. Später war 
er gänzlich verstummt, obwohl er auch im Wapokomolande längs 
des Flusses zu Hause ist. Der bei Kipini erbeutete Dryoscopus 
funebris unterscheidet sich durch seine Stimme sehr gut von 
lugubris; sie klingt wie twiü twiü; von dem $ habe ich nur ein 
krächzendes trr vernommen. Er bewohnt ebenfalls ganz bestimmte 
Localitäten, an denen er immer anzutreffen ist; er ist sehr scheu 
und verlässt das Dickicht nur äussert selte.. Von Dryoscopus 
leucopsts erhielt ich am 30/5. und 9/6. zu Malindi eben flügge 
Junge, die in derselben Weise wie die Alten gefärbt waren; ihre 
Stimme war ein flötendes „tüe“. Nach Angabe der Eingebornen 
nistet die Art in geringer Höhe in dichten Sträuchern und legt 
2 Eier. Dryoscopus No. 203 u. 280, der, soviel ich mich erinnere, 
mit Dryoscopus sublacteus in der Färbung übereinstimmt, hat, wie 
ich mich ferner wiederholt überzeugt habe, eine wesentlich ver- 
schiedene Stimme. 

Bradyornis pallida wurde überall vereinzelt angetroffen; ein 
jüngeres & erlegte ich bei Mambrui; auf einem Akazienstrauche 
sitzend spähte es nach Insekten, die es aus der Luft fing; ein noch 
jüngeres Thier (No. 286) erbeutete ich bei Kau, welches in Ge- 
meinschaft mit den Alten Insekten jagte. Die Färbung des Jugend- 
kleids zeigt gut die Stammverwandtschaft mit Muscicapa grisola. 
Terpsiphone Ferreti ist' eine häufige Erscheinung im Küstengebiete. 
. Auf Sansibar habe ich die Art im weissen Kleide nie bemerkt, 
obwohl ich sie während der Fortpflanzungszeit (April und Mai) 
dort wiederholt beobachten konnte, und zwar trugen die ZZ die 
verlängerten Schwanzfedern, zum Theil waren letztere noch in der 
Verlängerung begriffen. Da aber die langen mittleren Schwanz- 
federn nur während der Fortpflanzungszeit getragen werden, so 
müssen demnach die 4& im braunen Kleide schon fortpflanzungs 
fähig sein, und das weisse Kleid muss erst im späteren Alter an- 
gelegt werden. Bei Malindi erlegte ich am 11/6. eine Terpsiphone- 
Art im weissen Kleide, die sich in starker Mauser befand; sie 


278 Dr. G.74, Fischer: 


stimmte mit der in Hartl. und Finsch beschriebenen melanogastra 
überein, doch trugen die grossen Schwingen und Deckfedern einen 
schmalen weissen Saum an der Aussenfahne. Die wenigen Hauben- 
federn waren ganz zerschlissen; der Hals war fast kahl, die 
Schwanzfedern sprossten zum Theil neu hervor, die mittleren waren 
noch wenig verlängert, die alten kurzen waren sehr zerschlissen, 
der schwarze Saum theilweise abgenutzt; von einer braunen Fär- 
bung keine Spur. Dieser Befund scheint nur dafür zu sprechen, 
dass das weisse Kleid, wenn es einmal angelegt ist, für das ganze 
spätere Leben beibehalten wird, dass es also nicht eigentlich ein 
Hochzeitskleid ist. Das Dunkel des Waldes verlassen diese Vögel 
nur selten; sie halten sich meist in nicht grosser Höhe über dem 
Erdboden auf, selten kommen sie auf denselben herab; in steter 
Bewegung erhaschen sie flatternden Fluges Insekten im Innern 
der Bäume; das Knacken der Schnäbel ist häufig hörbar; der Ge- 
sang ist leise und kurz, aber nicht unschön. Man trifft diese Vögel 
meist einzeln an. Bei Kipini beobachtete ich einigemale Campephaga 
nigra; es waren immer Weibchen, die sich einzeln geräuschlos am 
Rande eines Waldes umhertrieben und theils Insekten aus der 
Luft fingen, wobei sie aber nicht grosse Fluggewandtheit zeigten, 
theils von den Blättern Raupen etc. ablasen. Auch Zosterops ist 
in dem Küstengebiete vertreten; bei Kipini und Kau sah ich 
Z. tenella nicht selten zu 2—4 Stück in Hochbäumen Insekten 
nach Meisenart von den Zweigen und Blättern absuchen. Criniger 
strepitans (No. 191 und 192) findet man im dichten Gebüsch immer 


in Gesellschaft von 4—8—12 Stück, nähert man sich, so erhebt 


derselbe ein krächzendes Geschrei. 

Ausser der an der Küste überall häufigen Cossypha Heuglini 
erlangte ich noch C. natalensis (No. 193) und Thamnobia quadri- 
virgata (No. 263); die erstere war allenthalben auf der Strecke 
Malindi-Kipini in dichten Akazien- und Dorngebüschen anzutreffen, 
wo sie sich meist nahe dem Erdboden aufhält, auf dem sie häufig 
in dürrem Laube Futter suchend gesehen wird. Ihre Stimme ist 
wenig auflallend. Die andere Art beobachtete ich nur bei Kipini, 
wo sie ein dichtes mit vielen Dornen durchwachsenes Kleinholz 
bewohnte, das sie nicht verliess. In ihrer Lebensweise gleicht sie 
der vorigen Art, mit der sie gemeinschaftlich dasselbe Terrain be- 
wohnte, jedoch an Zahl sehr hinter jener zurückstand. In dem- 
selben Terrain traf ich auch eine schöne Drosselart, 7. guttatus 
No. 265 und 266), die einen eigenthümlichen wundervollen Gesang 


Briefliche Reiseberichte aus Ost-Afrika. IV. 279 


besass, den sie jedoch nur selten hören liess; bei Mambrui ver- 
nahm ich denselben ebenfalls, kannte aber damals den Urheber 
noch nicht. Auch diese Art verliess den Wald nicht; paarweise 
trieb sie sich häufig auf dem Erdboden umher und hielt sich be- 
sonders gern in der Nähe von Ameisennestern auf. . Die Vögel 
waren sehr scheu und man musste, um sie zum Schusse zu 
bekommen, ruhig im Versteck sitzend abwarten, bis sie sich 
näherten. Ein nicht weniger vorzüglicher Sänger, Cichladusa gut- 
tata, ist bei Malindi keine Seltenheit; sie hielt sich hier in dem- 
selben Terrain mit Cossypha (193) auf, in der Nähe des Erdbodens, 
und zeigte sich sehr wenig scheu. Auch bei Kipini und Kau hörte 
man des Morgens und Abends ihre herrliche Stimme in der Nähe 
der Ortschaft. TZurdus tephronotus bemerkte ich nur einmal am 
17/7. bei Kipini; das erlegte Thier war in der Mauser, Hals und 
Brust theilweise fast ganz nackt. 

Anthus Raalieni war auf den weiten mit Sesam bestellten 
Feldern bei Mambrui eine häufige Erscheinung; auch bei Kipini 
und Kau wurde er bemerkt. 

Unter den Cisticolinen ist die gemeinste Art in dem besuchten 
Küstenstriche Ciszicola haematocephala (No. 177). Eier derselben 
erhielt ich im Juni bei Malindi; das Nest ist zwischen Grashalmen 
in ähnlicher Weise wie das von Cisticola cursitans angelegt. Cisti- 
cola tenella (No. 259) bewohnte bei Kipini ein unmittelbar bei der 
Ortschaft gelegenes mit kleinen Mimosenbüschen, Ricinus und 
kurzem Grase bestandenes Terrain. Sylviella leucopsis (No. 174) 
- traf ich einige Male bei Malindi und Kipini; sie hält sich paar- 
weise in niedrigen Bäumen und Schlinggewächsen auf, in denen 
sie Insekten sucht. Das & lässt, wenn man sich nähert, in Einem 
fort sein „tritri“ hören. Von Aäirundo Monteiri hielten sich im 
Mai und Juni bei Malindi etwa 10 Paare auf, die sich von Zeit zu 
Zeit auf den Spitzen mächtiger Adansonien ausruhten. Den 11/6. 
sah ich ein Pärchen, das auf einem durch Regen anfgeweichten 
Wege Lehm zum Nestbau sammelte. Nach Aussage der Einge- 
bornen legten sie ihre aus Lehmklümpchen zusammengefügten 
Nester in den Moscheen an. Jedenfalls schliefen sie des Nachts 
in denselben, denn es wurde mir eine solche Schwalbe lebend ge- 
bracht, welche des Abends in einem Mauerloche einer Moschee er- 
griffen worden war. Ihre Stimme klingt wie „terri“ und erinnert 
an die mancher Meropiden. Im December sah ich einige Exem- 
plare dieser Art an der Tana-Mündung. Coraphites leucotis (199) 


Ev 


280 Dr. G. A."Fischer: 


bemerkte ich an der Küste einmal bei Malindi, wo sie in der Nähe 
der Ortschaft auf einem Wege nach Futter suchend umherlief. 
Von Fringilliden habe ich dieselben Arten wie auf der ersten 


Reise angetroffen. Nest und Eier von Crithagra butyracea erhielt _ 


ich am 4/6. in Malindi. Amaurestes fringilloides bin ich auch dies 
Mal nirgend begegnet; eben so wenig Pyrenestes untcolor, Hy- 
pargos niveiguttata beobachtete ich einmal bei Malindi. Unter den 
Ploceiden ist Vidua prineipalis eine sehr häufige Erscheinung. In 
Tschara setzte sie sich auf vorspringende Theile der Häuser und 
suchte zugleich mit Pytelia minima zwischen den Haushühnern 
Futter. Man bemerkt selten ein & mit einem 9, meist ist ersteres 
in Begleitung von 2—3 Weibchen; die Eingeborenen behaupten 
daher, diese Art lebe in Vielweiberei. Bei Kau beobachtete ich im 
August grosse Schwärme dieser Art von über 100 Stück, welche 
sich auf den mit einzelnen dürren Bäumen bestandenen Viehtriften 
in der Nähe der Ortschaft umhertrieben. In Waldungen habe ich 
die Art nie angetroffen, sondern immer nur im offenen Terrain. 
In jenen Schwärmen befanden sich sowohl 4 in vollkommenem 
Hochzeitskleide wie solche im Uebergang begriffene und solche im 
Jugendkleide. Die 29 waren am zahlreichsten vertreten, sie unter- 
scheiden sich von den jungen Z& durch geringere Grösse. Eu- 
plectes flammiceps begann Ende Mai bei Malindi mit Nestbau; 
Euplectes diadematus zeigte sich nicht; zur Zeit der Mtama-Reife 
im Juli, August und September soll er vornehmlich bei Malindi zu 
finden sein. Ploceus sangutnirostris wurde mir am 17/6. in Malindi 
gebracht; sie waren auf Leimruthen gefangen worden. Nördlich 
von Mambrui begegnete ich grossen Schaaren von Ploceus aethio- 
picus im Hochgrase; unter ihnen befand sich auch ein weisses 
Exemplar; später im Juli eben solchen bei Kipini und Kau, wo 
sie allmorgenlich in einer Anzahl von 2—-300 Stück in dürren im 
Sumpfe stehenden Sträuchern sich versammelten. Ayphanturgus 
nigricollis, den ich früher von dem Festlande bei Lamu und Ay- 
phanturgus melanoxanthus, den ich von Mombas eingeschickt, haben 
sich als & und 2 herausgestellt. In Malindi erlegte ich am 3/6. 
ein mit Nestbau beschäftigtes 9, am 7/6. an demselben Neste ein 
zweites Weibchen. Erst in Kipini traf ich 8 und 92 zusammen; 
am 17/7. fand ich dort eine kleine Colonie von 5 Paaren in einem 
dürren im Wasser stehenden Strauche. In einem der Nester be- 
anden sich 2 Eier, die andern Nester waren noch nicht vollendet; 
ich besuchte den Ort täglich und sah & und 2 (H. nigricollis und 


en ne 


in. 


Briefliche Reiseberichte aus Ost-Afrika. IV. 281 


melanoxanthus) an demselben Neste bauen. Die Gattungen Ay- 
phantornis, Hyphanturgus und Sycodrotus unterscheiden sich auch 
durch ihre Lebensweise wohl von einander. Die Arten der Gattung 
Hyphantornis, deren vorzügliehster Repräsentant unter den von 
mir beobachteten Arten Hyphantornis nigriceps ist, sind exquisit 
gesellige Vögel, leben fast ausschliesslich von Getreide, das sie in 
grossen Schaaren heimsuchen, brüten in grösseren Colonien und 
bauen beutelförmige Nester aus Grashalmen ohne Eingangsröhre. 
Ihre Stimme besteht in einem lauten etwas krächzenden Gezwitscher. 
Männchen und Weibchen sind wesentlich verschieden gefärbt. Fy- 
phantornis Cabanisi neigt insofern zu der Gattung Ayphanturgus, 
als er weniger Körnernahrung nachgeht und häufig dabei betroffen 
wird, wie er in Gesellschaft von 3—6 Stück die Bäume nach In- 
sekten absucht; ferner baut er Nester mit langem röhrenförmigen 
Ansatz; die 22 sind aber denen der Gattung Hyphantornis ähnlich 
gefärbt. Die Arten der Gattung Ayphanturgus sind nichts weniger 
als gesellig; die Nester werden einzeln an der Spitze herüber- 
hängender Zweige befestigt, sind aus einer starken Grasart, die in 
feine Stränge gespalten wird, gewebt und besitzen Retortenform mit 
langer Eingangsröhre. Sie gehen einzeln’ oder seltener zu Paaren 
nach Nahrung aus, die ausschliesslich in Insekten besteht, die sie 
von den Zweigen und Blättern ablesen. Ihre Stimme ist ein un- 
bedeutendes „sisi“. Die 4 unterscheiden sich, was die Färbung 
betrifit, nicht beträchtlich von den 99. Die Gattung Sycobrotus 
scheint hinsichtlich der Lebensweise mit der vorhergehenden über- 
einzustimmen, soweit ich nach der einen Art, welche ich kennen 
lernte — Sycobrotus Kersteni — urtheilen darf. Insekten bilden 
die ausschliessliche Nahrung, die die Vögel einzeln oder in kleinen 
Familien die Wälder durchstreifend sammeln; während der Fort- 
pflanzungszeit scheinen sie sich aber immer in Paare zu sondern. 
Die Nester sind ebenso wie die der vorigen Art angelegt. Syco- 
brotus Kersteni besitzt, wie schon früher angegeben, einen charak- 
teristischen hübschen flötenden Gesang. SS und 22 sind gleich 
gefärbt. 

Von Sturniden fand ich eine mir auf meiner ersten Reise nicht 
begegnete Art, Speculipastor bicolor (No.: 238, 239, 240). Man 
konnte sie in kleinen Flügen von 4—10 Stück täglich im Juli bei 
Kipini in einem Terrain antreffen, das mit vielen Beeren tra- 
genden Sträuchern bestanden war, die sie der Nahrung wegen auf- 
suchten. Nur um diese Jahreszeit scheinen sie sich hier aufzu- 


282 Dr. G. A. Fischer: 


halten. Zuweilen traf ich sie in Gemeinschaft mit ZLamprocolius 
melanogaster (No. 256). Auch bei Bagamojo im Januar dieses 
Jahres beobachtete ich jene Art. In den Mangrove-Waldungen 
bei Kau war Oriolus Rolleti (278) häufig; seine laute Flötenstimme 
hat mit der unseres Pirol wenig Aehnlichkeit und erinnert einiger- 
massen an die der Dryoscopus-Arten. Das Nest von Coracias cau- 
data fand ich am 19/7. bei Kipini in einem hohlen Aste einer 
Hyphaena; es enthielt 3 Eier. Merops nubiceus traf ich in grösserer 
Anzahl im Juni nördlich von Mambrui auf einer mit Mimosen be- 
standenen Weidefläche ; Merops minutus wurde wiederholt zu 4—10 
Stück bemerkt, die von niedrigen Sträuchern aus, die sie täglich 
als Beobachtungsplatz benutzten, Insekten fingen. Von Coliiden 
lernte ich noch eine zweite Art kennen, Colius senegalensis (No. 227), 
der von den Suaheli „Ulungui“ genannt wurde und in Flügen bis 
zu 12 Stück vorkam; die Art zeigte sich bei weitem scheuer und 
unruhiger als Colius leucotis; ihr Flug ist etwas gewandter und 
weniger flatternd, die Stimme besteht in einem klagenden „tü“, das 
an den Ruf gewisser Regenpfeifer erinnert. Bei Mambrui begegnete 
ich der Art zuerst, und noch bei Kipini war sie keine Seltenheit. 
Zwei Indicator-Arten könnte ich an der Küste nachweisen, Indk- 
cator maculicollis (368) und Indicator minor (No. 195); der bei 
Kau erlegte Indecator minor trieb sich zu mehreren in Dumpalmen 
umher, die unaufhörlich ihr „tsetse‘“ ausstiessen. Eine mir früher 
noch nicht begegnete Centropus-Art, Centropus nigrorufus (237), 
lernte ich in jenem schon früher erwähnten ausgezeichneten Jagd- 
terrain zwischen Mambrui und der Tana-Mündung kennen. Sie 
ist eine nicht nur durch die verschiedene Färbung, sondern auch 
durch verschiedene Stimme und Lebensweise mit Centropus super-. 
ciliosus nicht zu verwechselnde Art; weniger zahlreich als letzterer, 
ist sie in ihren Aufenthaltsorten viel wählerischer, sie liebt mehr 
offenes Terrain und besonders mit einzelnen Gruppen von Sträu- 
chern bestandene Weideflächen; hier hält sich die Art nahe dem 
Erdboden auf; meist sieht man sie frei auf einem Zweige sitzen oder 
auf kleinen aus dem Grase kaum hervorragenden Dornsträuchern; 
Oentropus superciiosus liebt verstecktere Aufenthaltsorte, doch 
kommen beide Arten in demselben Terrain auch gemeinsam vor. 
Die Stimme ist weniger kräftig als von swperciliosus und besteht 
in einem kurzen klingenden „ku-ku“, das selten in grösserer An- 
zahl, zehn bis zwölf Mal rasch hintereinander ausgestossen wird, 
doch nicht in der ab- und aufsteigenden Weise, wie es superciliosus 


Briefliche Reiseberichte aus Ost-Afrika. IV. 283 


thut. Bei Kipini kommt die Art nicht vor, doch ist sie in einem 
beschränkten Terrain zwischen der Tana-Mündung und der Ort- 
schaft Tschara ziemlich häufig. Bei Kau in dem Mangrove-Gebüsch 
war Chrysococcyx Claasi? nicht selten; der Mageninhalt der Vögel 
bestand ausschliesslich aus Blattwanzen. Ein überall häufiger 
Kukuk in dem Küstengebiet Malindi-Kipini ist Zanclostomus 
australis (257, 258), der aber seines sehr versteckten Aufenthaltes 
wegen wenig bemerkbar ist, wenn er ihn nicht durch seine laute 
von Zeit zu Zeit ertönende Stimme verräth; dieselbe klingt zwischen 
kä und ä, welche Laute zehn Mal hintereinander ausgestossen werden, 
die ersten vier Mal langsam, die andern rasch hintereinander, wobei 
die letzten schwächer und tiefer werden. In seinem Lockton, den 
man nur vernimmt, wenn man sich ruhig abwartend in’s Busch- 
werk setzt, sollte man eher den einer Czsticoline vermuthen; er 
besteht in einem sehr leisen, etwas gezischten „te-te“. Seine Nah- 
rung bilden wie bei Centropus grosse Heuschrecken; noch ver- 
steckter lebend wie jener ist dichtes Strauchwerk und Kleinholz, 
das mit kleinen Grasplätzen durchsetzt ist, sein Lieblingsaufent- 
haltsort. Coccystes pica (No. 273) sah ich nur einmal am 5/8. bei 
Kipini; der Mageninhalt bestand ausschliesslich aus behaarten 
Raupen. Ebenfalls selten in unserm Gebiete scheint Cuceulus linea- 
tus (274) zu sein, dem ich zwei Mal begegnete; der Magen dieser 
Art enthielt neben behaarten Raupen auch kleine Käfer und Hy- 
menopteren. Eine Barbatula-Art, B. affinis (1732), fand sich 
allenthalben in dem Küstengebiete vor; das meist einzeln, seltener 
zu Paaren angetroffene Vögelchen machte sich durch seine laute 
Flötenstimme sehr bemerkbar, die aus zwei Tönen besteht, die. den 
Rhythmus __ u haben; meist auf einem höheren Baume sitzend, lässt 
er diese lange Zeit ertönen, wobei er auch bauchrednerische Eigen- 
schaften zu üben scheint; häufig, wenn man dem Orte, von wo 
die Stimme herkam, ganz nahe gekommen, klang dieselbe plötz- 
lich wie aus weiter Ferne, dann wieder näher und bald auf der 
rechten, bald auf der linken Seite. Pogonorhynchus irroratus 
(No. 222) war in der Umgebung Mambruis im lichten Walde sehr 
zahlreich; meist waren 3—6 Paare zusammen. Wenn das Z seine 
laute Flötenstimme, die den Rhythmus _—_ v v hat, hören lässt, so 
bläst es sich etwas auf und macht nickende Bewegungen. 

Auf den frisch geackerten Feldern, auf denen Sesam gezogen 
wurde, sah ich unweit nördlich von Mambrui Oena capensis zu 
4—6 Stück umherlaufen. Die niedlichen Vögel, die ich zum ersten 


284 Dr. G. A. Fischer: 


Male hier traf, waren sehr wenig scheu. Ausser Turniz lepurana, | 
deren Eier ich Mitte Juni in Malindi erhielt und die überall häufig ' 
ist, bemerkte ich in den Grasflächen zwischen Mambrui und dem 
Tana noch eine zweite Wachtel-Art von dunkler, zum Theil fast 
schwarzer Färbung und etwas bedeutenderer Grösse als Zepurana, 
Francolinus Granti und eine Pternistes-Art (Pt. Oranchi) waren 
hier ebenfalls häufig. Francolinus nudieollis (No. 247) erlegte ich 
bei Kipini; die Art hielt sich in den mit Ayphaena bestandenen 
und mit Gebüschpartieen durchsetzten Grasflächen zwischen Kau 
und der Küste auf. Morgens in der Dämmerung bäumte sie auf 
eine Ayphaena, meist ein Pärchen beisammen, und das & liess 
dann sein hässliches schnarrendes, wie ‚„quarre“ klingendes Ge- 
schrei hören. Otis maculipennis (236) ist die häufigste Trappe 
des südlichen Gallalandes, die ich auch bei Kipini erlegte. Ausser 
dieser konnte ich noch zwei andere Arten flüchtig beobachten, die 
eine mit zum Theil schwarzer Unterseite (melanogaster ?), die andere 
von bedeutender Grösse, aus der Ferne wie ein junger Strauss er- 
scheinend. Einen grossen weiblichen Strauss sah ich unweit süd- 
lich der Tana-Mündung etwa 1 Stunde von der Küste entfernt. - 
Nach Aussage eines uns begleitenden Jägers hält sich dieses eine 
Exemplar schon eine grosse Reihe von Jahren in diesem Terrain 
auf. Am 13/6. wurde mir in Malindi Numida Pucherani, das auf 
dem Felde in einer Falle gefangen worden, gebracht. 

Oharadrius pecuarius (No. 227a) trieb sich in einigen wenigen 
Exemplaren auf einer Sandfläche bei Mambrui umher. Scopus 
umbretta war täglich in der Umgebung Kipinis im Juli an kleine- 
ren seichten Teichen anzutreffen, aber immer nur in vereinzelten 
Exemplaren. Nur einmal sah ich die Art in einer Anzahl von 
20 Stück in der Nähe von Kau auf einem schlammigen Terrain, 
das unter Wasser gestanden hatte, Futter suchen. Bei Malindi 
zeigten sich einige wenige Exemplare von Ardea Goliath. Ardea 
melanocephala, comata und purpurea wurde neben vielen weissen 
Reihern in den Sümpfen bei Malindi und Kipini häufig bemerkt; 
auch Anastomus lamelligerus wurde einige Male an letzterem Orte 
beobachtet. Ausser den beiden früher schon hier gesehenen Gra- 
culus africanus und lucidus erlegte ich auch Graculus carbo. Zwei 
noch nicht flügge Junge letzterer Art wurden mir am 2/8. gebracht. 
Zahlreiche alte Nester von Graculus sah ich auf abgestorbenen in 
einer grossen Wasserfläche stehenden Bäumen zwischen Kipini und 


Briefliche Reiseberichte aus Ost-Afrika. IV. 235 


'Kau. Auch einige Nettapus auritus hielten sich in einem Teiche 
‚bei Kipini auf. 


Nachdem ich Ihnen im Vorstehenden das Bemerkenswerthere 
der auf meiner zweiten Reise in dem unmittelbaren Küstengebiete 
gemachten Beobachtungen mitgetheilt, will ich nun zu dem Gebiete 
übergehen, dessen eigentliches Ziel die vorjährige Reise war, dem 
Flussgebiete des Tana resp. dem Wapokomo-Lande. Da zu Wasser 
vorgedrungen wurde, so ging mancher Tag für das Sammeln ver- 
loren; an den Flussufern boten sich im Allgemeinen dieselben 
ornithologischen Erscheinungen dar. Bei einem Zuge durch die 
Galla-Ebene hätte jedenfalls mehr beobachtet und mehr erbeutet 
werden können, vornehmlich auch an hühnerartigen Vögeln, an 
denen das Galla-Land sehr reich ist. Das Terrain, in dem ge- 
sammelt werden konnte, bildete das in unmittelbarer Nähe des 
Flusses gelegene Gebiet, da man sich von dem Flusse resp. den 
Ortschaften nicht weit entfernen durfte, weil die räuberischen 
Somali, welche alljährlich das Tana-Gebiet durch ihre Streif- und 
Raubzüge unsicher machen, erschienen waren. Leider war es ver- 
schiedener Umstände halber nicht möglich, -weiter als Malacote, 
6—7 Tagereisen von der Küste, etwa die halbe Länge der Schiff- 
barkeit des Flusses, vorzudringen. Gerade in jenem Districte be- 
gann ein ornithologisch sehr interessantes Terrain mit vielen für 
mich neuen an der Küste nicht anzutreffenden Arten. 

Unser Gebiet beginnt mit der Ortschaft Ngau, der ersten Wa- 
pokomo-Niederlassung, ca. 1!/, Tagereisen von der Küste. Hier 
gedeiht die Cocosnusspalme nicht mehr und hier hört, sowohl was 
die Bodenbeschaffenheit als auch was die Fauna anbetrifft, ‚das 
eigentliche Küstengebiet auf. Wenn man von Kau kommend durch 
den bekannten Osi-Tana-Canal nach Tschara gelangt ist, so bietet 
sich von letzterem Orte an dem Auge kaum mehr als ein un- 
geheures Grasmeer. In der Regenzeit ist dasselbe von Mannshöhe, 
doch ist es kein Futtergras, sondern ein dickes, breites, mehr 
schilfähnliches, das besonders dicht an den Ufern des Flusses 
steht, die es mit wenig Unterbrechungen in dem grössten Theile 
seines Unterlaufes begrenzt; später tritt mehr Uferwald auf oder 
die eigentliche Steppe des Gallalandes tritt an den Fluss heran. 
Im Unterlaufe reicht jenes Gras noch eine weite Strecke vom 
Flusse aus in’s Land hinein, welches zu einem grossen Theile des 
Jahres unter Wasser steht. Streckenweise reiht sich hier Reisfeld 


236 Dr. G. A. Fischer: 


an Reisfeld, weshalb die Fringilliden hier zahlreich vertreten sind, 


unter welchen besonders Penthetria azxillaris, von Suaheli und - 


Wapokomo „Tschonguö“ genannt, hervortritt, dessen Lieblings- 
aufenthaltsort sumpfige, mit Öyperus bestandene Stellen bilden. Er 
zeigte sich als ein scheuer unruhiger Vogel, der selten längere Zeit 
an einer Stelle verweilt; die && sind besonders in steter Bewegung, 
blähen sich, besonders wenn das ? in der Nähe ist, auf und breiten 
den Schwanz aus. Diese Art ist, soweit Reis gebaut wird — mit 
der Ortschaft Muniuni, 3'/, Tagereisen von der Küste, hört die 
Reiseultur auf — längs des Flusses eine gewöhnliche Erscheinung. 
Spermestes cantans, cucullata und rufodorsalis fehlen nirgends, 
Euplectes flammiceps und nigriventris lieben auch den Reis. Auch 
Euplectes diadematus zeigte sich zwei Mal. Habropyga astrild, 
Pytelia phoenicotis und minima scheinen Grassämereien zu bevor- 
zugen; man findet sie, oft in Gemeinschaft mit Ploceus aethiopieus 
(389) und sanguwinirostris (397) an den Flussufern an den Samen 
tragenden Gräsern sitzend. Passer Swainsoni wurde nur sehr selten 
bemerkt. Einer der schädlichsten Reisdiebe ist Ayphantornis 
nigriceps, der in grossen Schaaren oft von. mehreren hunderten 
in die Felder .einfällt; wo der Reis aufhört, macht er sich an die 
jungen Erbsen. Negerhirse wird bei den Wapokomo nieht gebaut. 
H. nigriceps ist der häufigste Webervogel in diesem Gebiet. Mor- 
gens in der Frühe ziehen die Vögel von ihren Ruheplätzen aus, 
zu welchen meist grössere am Wasser stehende Bäume dienen, 
auf Nahrung aus, in den Mittagsstunden ziehen sie sich für kurze 
Zeit in schattiges Laubwerk zurück, um gegen Abend wieder in 
die Felder einzufallen. Mit Sonnenuntergang begeben sich die 
Schaaren, bestimmte Wege einschlagend, zu gewissen Versamm- 


lungsorten, wo sie, ähnlich wie unsere Sperlinge es thun, unter 


lautem Gezwitscher sich herumtummeln, dann begeben sie sich zur 
Ruhe. Zum Theil verbringen sie die Nacht in den Ruhenestern, 
welche sie gerne in Bäumen anlegen, die über dem Wasser über- 
hängen; dieselben sind weniger gross wie die zur Fortpflanzung 
bestimmten und auch weniger solid und sorgfältig gebaut; sie 
scheinen für sehr lange Zeit benutzt zu werden. Ihre Brutnester 


N 


legen sie in höheren Bäumen in mehr oder ‚weniger grossen Colo- 


nieen an; sie enthalten meist 3 Eier. Ayphantornis Bojeri sieht 
man auch in den Reisfeldern, doch ist er bei weitem nicht so zahl- 
reich wie der vorhergehende. Hyphantornis aureoflavus habe ich 
nicht nachweisen können. 


Briefliche Reiseberichte aus Ost-Afrika. IV. 237 


Cisttcola haematocephala liebt jenes Terrain nicht, sie ist an 
den mit kleinem Strauchwerk und kleinem Grase bewachsenen 
Stellen an den Flussufern anzutreffen. Die laute Stimme von 
Ceniropus superciliosus hört man allenthalben während der Fahrt 
auf dem Flusse von Zeit zu Zeit erschallen. Sein Nest fand ich am 
5/9. bei Ngau in einem im Hochgrase stehenden kleinen Strauche 
i Fuss über dem Erdboden; es war in derselben Weise angelegt 
wie das früher erwähnte und eingeschickte und enthielt 3 Eier. 
Die 4 Nester, welche ich bisher Gelegenheit hatte zu sehen, sassen 
alle in nur geringer Höhe über dem Erdboden, doch behaupten die 
Eingebornen von Sansibar, dass sich solche auch in Mangobäumen 
fänden. Centropus nigrorufus kommt am Flusse nicht vor, doch 
findet er sich jedenfalls an den ihm zusagenden Stellen im Galla- 
lande. Ohrysococcyx cupreus wurde nur selten bemerkt und dann 
meist in den Anpflanzungen um die Ortschaften. 

Ein nicht unbeträchtlicher Theil der Ufer des Flusses, beson- 
ders in seinem Mittellaufe, wird von dichtem Walde eingenommen. 
Derselbe ist jedoch bei weitem nicht von der Schönheit, wie ich 
ihn in der Nähe von Wito gesehen; die Hochfluthen richten zuviel 
 Verwüstung an und die alten Stämme werden von den Eingebornen 
zur Herstellung von Canoes benutzt. Eine Fiederpalme mit kleinen 
süsslich schmeckenden Früchten findet sich besonders an den 
feuchteren Stellen des Waldes, einzelne mächtige Mimosen und die 
„msefu“ genannten weissrindigen, unsern Silberpappeln nicht un- 
ähnlichen Bäume ragen aus dem Walde hervor, der nach dem Flusse 
zu stellenweise durch dichtes Strauchwerk und Schlinggewächse ab- 
geschlossen wird. In diesem Uferwalde findet sich überall Cossypha 
natalensis und Cossypha Heuglini; jedenfalls kömmt auch letztere 
hier vor, denn ihr charakteristischer Lockton ist nicht zu verkennen. 
Ferner ist auch Cichladusa gutiata (197) und Turdus guttatus (265) 
hier zu Hause; ferner Oriniger flaviventris (316), Oriniger Fischeri 
(No. 322) und Oriniger strepitans (No. 191). Andropadus flaves- 
cens und Pyenonotus nigricans lieben mehr offeneres Terrain 
und sind in diesem Gebiete weniger häufig als an der Küste. Von 
Crateropus habe ich nur rubiginosus bemerkt. Die Laniiden sind 
mit den auch an der Küste gefundenen Arten in dem Dickicht längs 
des Flusses vertreten. Zaniarius Salimae, leucopsis, sublacteus (280), 
quadricolor, Meristes olivaceus, an lichteren Stellen auch Telephonus 
erythropterus. Auch Prrionops graculinus war in den Uferwaldungen 
nicht selten. In Anzahl von 3—6—10 Stück hält er sich im In- 


288 Dr. G. A. Fischer: 


nern von Hochbäumen auf, Insekten aus der Luft fangend; das 
Schnabelknacken war deutlich und oft vernehmbar; dasselbe wird 
auch, ohne dass Insekten gefangen sind, hervorgebracht; ein ange- 
schossenes Exemplar that es in sehr energischer Weise; die Haube 
wird abwechselnd gehoben und gesenkt; die Vögel zeigten sich 
wenig scheu; die &d liessen einen nicht unangenehmen, an den 
von Dicrurus erinnernden Gesang hören. In dem Uferwalde lernte 
ich auch eine zweite Art von Dicrurus kennen, D. Ludwigi (No. 336). 
Geschiekten Fluges fingen sie meist zu Paaren vereint von dürren 
Zweigen aus Insekten. Die Art ist lebhafter als fugax, der Gesang 
ist angenehmer und wird auch häufiger vernommen; in lichtem 
Terrain traf ich die Art nicht, sondern nur im Walde, während 
fugax mehr offenes Terrain vorzieht. Terpsiphone melanogasira 
treibt in dem Dunkel der Uferwaldung ebenfalls ihr Wesen, ferner 
Trochocercus bivittatus (No. 319 und 337), welche letztere in An- 
zahl von 4—6 Stück zusammen waren; auch Muscicapa cinereola 
(No. 326) lebte hier. Platystira pririt, senegalensis und peltata 
wurden ebenfalls beobachtet. Apalis chariessa (400) u. Zost. te- 
nella (269) strichen Insekten ablesend in kleinen Familien von 
4—10 Stück durch die Hochbäume, Campephaga nigra (No. 320) 
hielt sich meist in den dichtesten Verzweigungen lautlos versteckt. 
Camaroptera brevicaudata (344), das so weit über Afrika verbreitete 
Vögelchen, fehlte auch hier nicht. Ueberall vernimmt man die zarte 
Stimme von Ayphanturgus ocularius, der einzeln oder zu Paaren 
Bäume und Sträucher nach Insekten absucht. Das Nest dieser Art 
fand ich am 20/8. bei Tschara in 11); M. Höhe vom Erdboden an 
dem Ende eines Blattes eines jungen Cocosnussbaumes befestigt; 
es enthielt zwei nackte Junge; das alte ? wurde in dem Neste er- 
griffen. Seltener sieht man Ayphanturgus nigricollis, dagegen ist 
Sycobrotus Kersten‘ sehr häufig im Uferwalde. Zwei recht eigent- 
liche Bewohner des letzteren sind dann noch Corythaix Fischer! 


und Trogon narina; ersterer findet sich sehr zahlreich von Ngau 


ab stromauf; allenthalben trifft man kleine Gesellschaften von 
3—6—8 Stück. Des Morgens mit Tagesanbruch kommen sie her- 
vor aus ihren Verstecken, um nach Futter zu gehen, das sie sich 
in den höheren Bäumen, besonders in den später noch zu erwäh- 
uenden „Mkuju“-Bäumen suchten. Sobald die Sonne höher steigt, 
ziehen sie sich wieder in den Wald zurück. Die Vögel sind sehr 
scheu und vorsichtig und man muss sie, um ihrer habhaft zu 
werden, im Dickicht beschleichen, was in der sumpfigen, eine Un- 


kn. 


Briefliche Reiseberichte aus Ost-Afrika. IV. 289 


zahl Moskitos bergenden Uferwaldung keine geringen Schwierig- 
keiten hatte. Des Morgens besonders hört man ihr lautes „Kuru 
kuru kuru kuru kuru“, besonders die &3 haben eine tiefe fast 
knarrende Stimme. Ein angeschossenes Exemplar flüchtete in die 
Höhlung eines Baumes; ein Eingeborner, der anderen Tages hinauf- 
stieg, fand nichts in derselben als wenige trockne Kothmassen und 
Stücke von den Früchten, welche diese Vögel fressen. Vielleicht 
bildete diese Höhle also eine Zufluchts- oder nächtliche Ruhestätte. 
Trogon narina verlässt das Dickicht nicht, er ist durchaus nicht 
selten, fällt jedoch wegen seiner stillen verborgenen Lebensweise 
wenig auf. Die schöne Färbung der nackten Stellen am Kopfe 
und Halse scheinen die Vögel besonders zur Fortpflanzungszeit 
nach beendister Mauser zu erhalten. In der Mauser befindliche 
männliche Exemplare zeisten nur eine graublaue Färbung der 
nackten Stellen, junge Vögel ebenfalls. Ihre Nahrung besteht aus 
Maden, Raupen und Orthopteren; bei den Wapokomo heissen sie 
Nzazavajume. Die unschöne Stimme von Zanclostomus australis 
(257) erschallte auch hin und wieder aus dem Walde. Cuculus 
validus (No. 330) dagegen mit seinem lauten flötenden Geschrei 
trieb sich sehr offen umher, besonders das lichter bewaldete Terrain 
liebend; ein sehr unruhiger Vogel, der in steter Bewegung ist, 
bald treibt er sich in den höchsten Baumgipfeln umher, bald sieht 
man ihn an niederen Sträuchern im Grase sitzen; bald fliegt er 
leichten Fluges über die höchsten Bäume hin, wobei er einiger- 
massen einem Raubvogel ähnlich sieht, weshalb ihn die Eingebornen 
auch mit „kipanga“ (Falke) bezeichnen. Das 9, welches ich er- 
leste, hatte nur Raupen im Magen; ein leider durch den Schuss 
zertrümmertes reifes Ei befand sich in der Legeröhre; dasselbe 
war nicht stärker als ein Ei von Zuplectes flammiceps, aber etwas 
länglicher, sehr dünnschalig und auf blassgrünlichblauem Grunde 
mit spärlichen kleinen braunen und graubraunen Flecken besprengt. 
Am Ovarium befand sich ein erbsen- und doppelterbsengrosses Ei. 
Von Spechten wurde Picus nubicus häufig bemerkt (No. 331 und 
332), zwei Weibchen erlegte ich, als sie an einem Stamme dicht 
beisammen sassen; ich vermuthete & und 2 in ihnen, zumal das 
eine Exemplar rothen Hinterkopf trug. Schliesslich muss ich 
noch als Bewohner des Uferwaldes der Eulen erwähnen, deren 
ich 3 Arten beobachten konnte: Syrnium Woodfordi, Bubo lac- 
teus (270) und Scotopelia Peli. Erstere findet sich sehr häufig; 
allnächtlich vernimmt man in der Nähe der Ortschaften ihre 
Cab. Journ. f Ornith. XXVIL Jahrg. No. 147. Juli. 1879. 19 


290 Dr. G. A. Fischer: 


sonderbare dem Gurren der Tauben nicht unähnliche Stimme. Die 
Angabe in meinem früheren Berichte, dass die Stimme dieser Eule 
wie „ihu“ klinge, beruht auf einem Irrthum; diese Laute gehören 
wahrscheinlich Bubo lacteus an. Syrnium Woodfordi giebt ein tiefes 
hohles: „kur&ü-kuhüru“ von sich. Des Tags über hält sie sich in dem 
dichtesten Laubwerk des Uferwaldes versteckt, meist ein Pärchen 
beisammen, oder sie sitzt auch wohl dicht am Stamme eines alten 
Baumes; wird sie aus ihrem Versteck aufgestört, so fliegt sie nur eine 
kurze Strecke weit, doch in sicherem Fluge. Käfer und Mäuse be- 
fanden sich in dem Magen der Vögel. Ein am 4/10. erlegtes 2 
zeigte 3 stark erbsengrosse Eier am Ovarium. Die Wapokomo 
nennen sie Mdjanguküru, mit welcher Bezeichnung sie ihre Stimme 
wiedergeben wollen. Auch auf Sansibar ist diese Art zu Hause; 
hier ruht sie den Tag über in den dichten Mangobäumen, aus 
denen sie mit der Dämmerung ihre Stimme hören lässt. ‚Scoto- 
pelia Peli kann in unserm Gebiete ebenfalls nicht mit dem Prädicat 
selten belegt werden, wie denn überhaupt die meisten Arten, auch 
solche, welche Einem nur in vereinzelten Individuen vorzukommen 
scheinen, später, wenn man ihre Aufenthaltsorte, ihre Lebensweise 
und vor Allem ihre Stimme kennen gelernt, zu gewöhnlichen Er- 
scheinungen herabsinken. Nachdem ich die eigenthümliche Stimme 
der letzteren Eule kennen gelernt, so bemerkte ich, dass sie allent- 
halben im Uferwalde zu Hause ist. Von Kau bis Malacote hielten 
sich mindestens 6 Paare auf; zu ihrer Beobachtung gaben be- 
sonders die nächtlichen Fahrten bei der Heimreise gute Gelegen- 
heit. Ich fand diese Eule immer paarweise; jedes Paar hatte sein 
bestimmtes Revier, wo es sich allnächtlich umhertrieb. Die Stimme 
besteht in einem tiefen summenden „Hm“, welches geisterhaft in 
der Stille der Nacht durch die Waldung klingt; als ich den Ton 
zum ersten Male vernahm, glaubte ich, er rühre von einem schla- 
fenden Menschen her; & und 2 lassen diesen Ruf wechselweise 
hören; das „Hm“ des @ ist etwas höher. Das Treiben des Pär- 
chens, aus dem ich in der Nähe von Kau das 2 erlegte, war 
während der Fahrt auf dem Flusse bei herrlichem Mondschein 
sehr gut zu beobachten; bald flogen sie auf die höchsten Spitzen 
dürrer Uferbäume, bald tauchten sie geräuschlosen Fluges in das 
dichteste Dickicht, immerzu sich gegenseitig ihr „Hm“ zurufend. 
Die zahlreichen im Uferwalde lebenden Eichhörnchen, Otolienus 
und Ratten machen wohl ihre Hauptnahrung aus. Die Eingebornen 
behaupteten, diese Art frässe auch Fische. 


Briefliche Reiseberichte aus Ost-Afrika. IV. 291 


An den Ufern und in der Umgebung des Flusses wuchsen 
grosse spärlich belaubte Bäume in grosser Menge, doch immer 
einzeln stehend, welche die Eingebornen ‚„mkuju“ nannten. Seine 
runden, doppeltkirschgrossen, grüngelben, süsslich schmeckenden 
Früchte, die zu mehreren an einem kurzen Stiele den dicken Aesten 
seitlich unmittelbar aufsassen, dienten vielen Vögeln als Nahrung. 
Allmorgenlich versammelten sich in diesen Bäumen Pogonorhynchus 
melanopterus und irroratus, Treron Wakefieldi (No. 308), Buceros 
buceinator und melanoleucos, Colius und Corythaix Fischeri. Die 
Treron-Art war besonders zahlreich, es waren deren oft in einem 
Baume 20—30 Stück versammelt, die sich hier so wenig scheu 
zeigten, dass sie nach einem Schusse gleich wieder in den Baum 
zurückkehrten. Die Stimme der grünen Tauben ist eine ganz son- 
derbare, die mit der der anderen Tauben nicht die entfernteste 
Aehnlichkeit hat. Man glaubt gar nicht, wenn man sie zum ersten 
Male hört, dass sie von einem Vogel herrührt; zuerst werden eigen- 
thümlich quiekende Laute ausgestossen, denen dann einige meckernde 
folgen. Die Iris dieser Tauben ist sehr hell, die der alten Thiere 
weiss oder bläulichweiss, die der jüngeren grauweiss. Dass diese 
Vögel niemals auf die Erde herabkommen, ist allen Eingebornen 
bekannt; sie heissen bei den Wapokomo sowohl wie bei den Sua- 
heli der Küste und auf Sansibar „Ninga“, 

Ein ganz eigenthümliches Aussehen verleihen der Landschaft 
am Flusse die Borassus- Palmen, die meist in kleinen Wäld- 
chen auftreten. Zum grössten Theil sind die Stämme ihrer Kronen 
beraubt, da die Eingebornen zur Gewinnung von Palmwein das 
Herz ausschneiden; wie mächtige Pallisaden bieten sich dem Kom- 
menden die stehen gebliebenen, zum Theil hohlen, nackten Stämme 
dar. Sie geben manchen Vögeln gute Nistplätze; Coracias cau- 
data, Eurystomus afer trieben sich hier umher, die mehr offenes 
Terrain lieben; auch Irrisor cyunomelas und erythrorhynchus wurden 
hier bemerkt. Coracias garrula (No. 372) traf ich zu vielen Exem- 
plaren zusammen mit caudata in einem solchen Terrain. Etwas 
unterhalb Malacote traf ich an einer solehen Stelle eine Colonie 
von Vultur pileatus und perenopterus, von letzterer Art sahen die 
Jungen oben aus einem abgestorbenen Palmenstamme heraus. Diese 
Gegend war überhaupt sehr reich an Geyern, da hier besonders 
Elephanten von den Waboni und Wagalla gejagt werden; aus dem 
Grunde trieben sich hier auch einzeln Vultur fulvus, der bei den 


Wapokomo „Komedja“ heisst, umher; man erzählte mir auch noch 
19* 


292 Dr. @. A. Fiseher: 


von einem andern grossen Geyer mit „blaurothem Kopfe“ (ocei- 
pitalis?), der in dieser Gegend vorkommen soll. Neophron pileatus 
wurde auch oft am Wasser auf Sandbänken angetroffen. Haliaötos 
vocifer ist am unteren Laufe häufiger als am Mittellaufe,; sein 
Nest sah ich am 6/9. in der Nähe von Eugatana in der Krone 
einer alten Mimose, Spizaötos occipitalis wurde seltener bemerkt 
als an der Küste. Asturinula monogrammica und Buteo augur 
wurden mehrere Male gesehen; einmal Helotarsus ecaudatus. Poly- 
boroides typieus konnte ich zwei Mal in der Nähe der Ortschaft 
Ualimi beobachten, wo sich viele abgestorbene Borassus fanden; 
hier habe ich ihn des Morgens dabei betroffen, wie er die hohlen 
Stämme nach Nestern, vielleicht auch nach anderer Beute absuchte. 
Er flog von Stamm zu Stamm, klammerte sich wie ein Specht an 
die glatten Stämme seitlich an, um in die Löcher hineinzusehen, 
flog dann auf die Spitze und sah von oben begierig in die Höhlung, 
in welche er sich zuweilen auch hineinbegab, um die Beute, die er 
entdeckt, herauszuholen. Avicida orientalis (No. 323) traf ich nur 
einmal bei Muniuni. Ein Pärchen sass beisammen im Innern eines 
grossen Baumes, in dessen Spitze sich viele Treron herumtummelten, 
Der Mageninhalt des erlegten Thieres bestand nur aus grossen 
Heuschrecken. Von den Wapokomo wurde der Vogel Kifuagongo 
(d. h, der Streifbrüstige) genannt. 

In der Nähe der Ortschaften, über deren keiner natürlich die 
üblichen Milvus parasiticus fehlen, sieht man nicht selten Zampro- 
tornis purpuropterus und melanogaster. Buphaga erythrorhynchus 
ist am Flusse nicht anzutreffen, da Vieh nirgends vorhanden ist. 
Doch ist der Vogel dem Wapokomo wohl bekannt. Corvus sca- 
pulatus kommt am Tana-Flusse nirgends vor, auch bei Kipini 
habe ich diesen nie bemerkt, während er bei Malindi anzutreffen 
ist. Ebenso wenig sind Papageien in dem von mir kennen gelern- 
ten Theil des Flussgebietes vertreten. Die Wapokomo, denen ich 
Abbildungen zeigte, kannten derartige Vögel nicht. 

An gewissen Stellen des Flusses begegnet man einer Schwalbe, 
Hirundo filifera (No. 291), die in ihrem Benehmen an unsere 
rustica erinnert und über dem Wasser hin und herfliegt. Bei 
Tschara flog diese Schwalbe auch um die Hütten der Eingebor- 
nen, liess sich auf vorspringenden Theilen derselben nieder und 
benutzte sie auch, um im Innern derselben ihre Nester anzulegen. 
Die Wohnungen der Suaheli sind nämlich theilweise offene, mit 
schrägen grasbedeckten Dächern versehene, aus Lehm gebaute Hütten, 


Briefliche Reiseberichte aus Ost-Afrika. IV. 293 


die den Thieren gute Nistplätze geben. Das aus Lehmklümpchen 
zusammengesetzte Nest lehnte sich theils an einen Dachsparren, 
theils an das Gras an und enthielt 4 noch unbebrütete Eier; nach 
Aussage der Eingebornen soll diese Schwalbe bis zu 12 Eier legen. 
In den Ortschafıien der Wapokomo findet sie sich nicht, weil deren 
backofenförmige allseitig geschlossene Hütten ihnen keine Nist- 
plätze bieten. Oberhalb Tscharas wurde sie daher immer an sol- 
chen Stellen angetroffen, wo die Uferwände ihnen das Anlegen 
des Nestes gestatteten; in der Nähe von Eugatana fand ich das 
Nest mit 2 Eiern an der Uferwand ca. 1 Mtr. über der Wasser- 
fläche. Alle an den Uferwänden angebrachte Nester waren etwas 
kleiner und zierlicher als diejenigen aus den Hütten, weil das Be- 
festigen an jenen leichter ist als in den letzteren. Arundo rustica 
erschien Mitte October am Tana-Flusse; am 20/10. erlegte ich 
oberhalb der Ortschaft Ualimi ca. 4 Tagereisen von der Küste 
eine solche. Es befanden sich an der Stelle des Flusses 14—20 
Stück, welche über dem Wasserspiegel hin flogen und sich auf aus 
dem Wasser ragenden dürren Aesten ausruhten. An einer Stelle 
des Flusses, bei der Ortschaft Ualimi traf ich eine Oypselus-Art 
(stictilaemus) (No. 360). Hier befand sich, in der Nähe eines 
Wäldchens abgestorbener Borassus-Palmen ein mit Fiederpalmen 
und mancherlei Strauchwerk durchwachsener Sumpf, über welchem 
die Art bald in grösserer bald in geringerer Höhe nach Cypselus- 
Art umherjagte. Die Eingebornen behaupteten, sie schliefe und 
niste in den hohlen Stämmen .der Borassus. HAalcyon orientalis 
und irrorata zeigten sich ab und zu an lichteren Stellen des Ufer- 
waldes, während chelicutensis mehr Wiesenplätze liebt. Aalcyon 
semicoerulea hielt sich besonders an den Lagunen auf, welche nach 
zurücktretender Fluth in dem Uferwalde zurückbleiben. Alcedo 
cristata sah man hin und wieder auf einem dieht über dem Wasser 
hängenden Zweige sitzen. Ceryle rudıs fand sich an den Stellen 
des Flusses, wo die Ufer Gelegenheit zum Nisten boten. So war 
er unter Anderm bei der Ortschaft Ngau häufig. Die Nester be- 
fanden sich in den lehmigen Uferwänden oft nur wenig über dem 
Wasserspiegel. Die Gänge verlaufen fast wagerecht; die ganze 
Nestlänge beträgt ca. 75 cm.; die Eingangsöffnung hat einen 
Durchmesser von 6—7 cm. Von der zweiten Hälfte an beginnt 
sich der Gang zu erweitern, bis er in eine kleine ovale Höhle 
endet. Der Grund derselben ist mit kleinen Fischgruppen und 
Fischgräten belegt, wenigstens an der Stelle, wo die Eier liegen 


294 Dr. G. A. Fischer: 


deren Zahl 4—6 beträgt. Die Brütezeit fällt hier in die Monate 
Juni bis October. Mitte October dürfen keine Junge mehr im 
Neste sein, weil sie sonst bei der regelmässig um diese Zeit ein- 
tretenden Hochfluth zu Grunde gehen würden. Ceryle mazxima 
sah ich drei Mal während der Flussfahrt; immer nur ein einzelnes 
Exemplar. Diese Vögel waren sehr scheu; im Magen des erlegten 
fand sich nur eine ölige Flüssigkeit. Bei Ngau, 1!/, Tagereisen 
von der Küste stellte sich eine Bachstelze ein, Motacilla vidua, 
die uns von da an nicht mehr verliess und vorzüglich an sandigen 
Ufern und Sandbänken anzutreffen war und zwar in Paaren; sie 
hiess bei den Eingebornen: „Tüitüi“ und zeigte ganz das Beneh- 
men unserer Bachstelzen; das & besitzt einen hübschen kurzen 
Gesang. Ende August wurden mir Eier, die angeblich dieser Art 
angehörten, gebracht; das aus feinen Wurzelfasern gebaute Nest 
soll zwischen dem Grase dicht über dem Erdboden gestanden 
haben. An den abseits vom Flusse gelegenen Seen, deren Wasser 
schon etwas zurückgetreten war, sah ich Anfangs October zahl- 
reiche Motacilla flava. Ein erlegtes 2 hatte nackte Stellen am 
Kopfe und an der Kehle; der Oberkopf war olivengrün, die Spitzen 
der Federn bräunlich, Zügel und Superciliarstreif gelb. Auf der 
Kehle befand sieh die Andeutung einer schwarzen Binde, indem 
die Federn hier zum Theil schwarzen Spitzenrand, zum Theil einen 
schwarzen Fleck trugen. An diesen Localitäten zeigte sich ferner 
Anthus Raalteni und Macronyx croceus, auch Megalophonus Fischer! 
war in dem in der Umgebung der Seen aufgeschossenen Grase zu 
finden. Einzelne Zandus caudatus sassen auf niedrigen dürren 
Bäumen und spähten nach Raub. Merops nubicus war hier sowohl 
wie auch an manchen Stellen am Flusse in Anzahl von 10—20—30 
Stück mit Insektenfang beschäftigt. 

Zur Fluthzeit, wenigstens bei der Hauptfluth, welche Ende 
Mai oder Anfangs Juni eintritt, ist das Land in der Umgebung des 
Flusses, besonders in seinem Unterlaufe für eine kurze Zeit über- 
schwemmt, bei seinem Rücktritte bleiben noch mehr oder weniger 
ausgedehnte Lagunen lange Zeit zurück. Der Fluss behält jedoch 
noch 3—4 Monate Jang einen hohen Wasserstand. Um Mitte Oc- 
tober beginnt die zweite weniger starke Fluth einzutreten, bei wel- 
cher der Fluss meist nicht über die Ufer tritt. Zu Ende der 
trocknen Jahreszeit, im Februar, März und April, enthält der Fluss 
nur wenig Wasser, wenigstens in seinem Mittel- und Oberlaufe, 
viele Sandbänke tauchen auf und an einigen Stellen ist das Wasser 


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Briefliche Reiseberichte aus Ost-Afrika. IV. 295 


so seicht, dass man hindurchwaten kann. Dann sind auch die 
meisten Seen ausgetrocknet. Die Breite des Flusses schwankt 
zwischen 15 und 40 Schritt, die Ufer sind meist flach, an einigen 
Stellen erheben sie sich 1—2—3 Mtr. über den Wasserspiegel. 
Die meisten Wat- und Schwimmvögel zeigen sich an seinem Unter- 
laufe. Wenn man von Kau kommend nach dem Tana zu fährt, sq 
tritt Einem bald ein sehr reges Treiben von Wasservögeln ent- 
gegen, welche auf einem in der Nähe des Kanals gelegenen, zur 
Ebbezeit trocken liegenden Terrain sich einfinden. Dendrocygna 
viduata, Chenalopex aegyptiacus, Ibis Hagedasch und aethiopicus, 
Ardea purpurea, melanocephala, Ardea alba und garzetta, auch einige 
Ardea Goliath treiben sich hier umher. Graculus sitzt am Ufer 
auf abgestorbenen Bäumen und Pelecanus rufescens sieht man in 
den Lüften schweben. Ist man in den Tana-Fluss gelangt und 
fährt weiter stromauf, so bieten sich an einzelnen bevorzugten 
Orten ähnliche Bilder. Besonders war dies der Fall oberhalb der 
Ortschaft Ngau, wo der Fluss mit grossen Seen in Verbindung ge- 
treten ist, die theilweise durch grosse Sandbänke nach dem Flusse 
hin abgegrenzt und von Waldung, fruchtbaren Wiesen und schlam- 
migem Ackerlande eingeschlossen sind. Auf den Sandbänken 
lagerten Heerden von Pelecanus rufescens in Anzahl von 30—50 
Stück, die sich aus der Ferne wie Schafheerden ausnahmen; sie 
waren Anfangs so wenig scheu, dass man sich mit dem Canoe auf 
10—15 Schritt nähern konnte, zu Lande liessen sie jedoch nicht auf 
Schussweite herankommen. Später, nachdem sie die Europäer als 
gefährlich kennen gelernt, nahmen sie immer frühzeitig die Flucht. 
Ihr Fleisch musste uns wiederholt in Ermangelung anderer Fleisch- 
nahrung zur Speise dienen, wurde aber des oft sehr starken Fisch- 
geschmackes wegen bald zuwider. Die Eingebornen lieben das 
Fleisch des Pelikans, den sie Hajawa nennen, sehr. Morgens in der 
Frühe zogen die einzelnen Gesellschaften auf den Fischfang aus, 
indem sie, in langen Reihen nebeneinander geordnet, das Terrain 
absuchten. In den Mittagsstunden sah man sie häufig in hoher 
Luft kreisen; eine solche Gesellschaft dahinschwebender Pelikane ge- 
währt einen prächtigen Anblick, an dem man sich nicht satt sehen 
kann. Des Nachts ruhten sie in der Spitze hoher Uferbäume oder 
in einem Wäldchen von Borassuspalmen. Diese Art wurde überall 
am Flusse angetroffen, besonders aber hielt sie sich in den Reis- 
distrieten auf, wo die Eingebornen breite Gräben zur Bewässerung 
des Landes gezogen haben, die sehr viele Fische enthalten. Im 


296 Dr..6. A. Fischer: 


Flusse selbst trifft man immer nur einzelne Exemplare. Sie brüten 
nicht in der Nähe des Flusses; die Eingebornen gaben an, dass 
sie mehrere Tagereisen von demselben entfernt auf einem sandigen 
Terrain ihre Eier legten. An der oben genannten Stelle des 
Flusses bei Ngau war Hoplopterus spinosus (No. 404), Tirangole 
bei den Wapokomo genannt, sehr häufig; die Vögel flogen, wenn 
man sich näherte, eine Strecke in die Luft und umkreisten dann 
unter fortwährendem Geschrei die Menschen. Oedienemus vermi- 
culatus wurde hier wie überhaupt an den Flussufern häufig be- 
merkt, er heisst Keriombe bei den Eingebornen; auch Limnetes 
crassirostris (403) sah ich zuerst, später noch mehrmals an Seen, 
die mit dem Flusse in Verbindung standen. In ungeheurer Schaar, 
zu 2—300 Stück, erschien allmorgendlich auf dem fruchtbaren 
feuchten Ackerlande Glareola ocularis, gegen 10 Uhr entfernten 
sie sich wieder, um häufig Abends hierher zurückzukehren. Nur 
an diesem Terrain bei Ngau bekam ich die Art zu sehen. 
Ibis aethiopica und Hagedasch viele Reiher und Scopus umbretta 
fanden hier auch reichliche Nahrung. Chenalopex aegyptiacus bot 
hier eine tägliche willkommne Beute; sie sucht sich, wenn man 
sich nähert, zunächst durch Laufen der Gefahr zu entziehen. 
Ueberall am Flusse wurde sie angetroffen, besonders an solehen 
Stellen, wo, der Fluss Ausbuchtungen hat, in denen das Wasser 
ruhiger floss; an solchen Stellen schien sie auch ihre Brutplätze 
zu haben. Die ersten noch nicht függen Jungen sah ich im August, 
später solche im September und October, welche in das dichte 
Gras der Flussufer flüchteten, während die Alten laut schreiend 
den Platz umkreisten. Die pfeifende Stimme von Dendrocygna 
viduata hörte man alle Morgen und Abend, wenn die Züge ihre 
bestimmten Wege von resp. zu den Schlafplätzen machten. Sar- 
eidiornis melanotus erlegte ich mehrere Male an einem kleinen See 
bei Eugatana. Unweit der seeartigen Verbreiterung des Flusses 
bei der Ortschaft Ngau befand sich auf einem in den Fluss vor- 
springenden Landstücke ein Wäldchen von Borassus-Palmen, die 
ihres prächtigen Blätterschmuckes noch nicht beraubt waren. Hier 
befand sich eine Colonie von Zeptoptüos crumenifer; es waren 
jüngere Thiere in einer Anzahl von etwa 25 Stück, die sich noch 
nicht von der ihnen lieb gewordenen Geburtsstätte trennen moch- 
ten und Mittags während der heissen Zeit und Nachts hier ruhten. 
Alte Vögel waren nicht zur Stelle. Auf den mächtigen Blatt- 
stielen sassen auch die aus starken Reisern erbauten umfang- 


Briefliche Reiseberichte aus Ost-Afrika. IV. 297 


reichen Nester dieser Art. Nach Aussage der Eingebornen, die 
den Marabu ebenso wie die Suaheli „Babalona“*) nennen, hatten sie 
hier im April gebrütet. 

An den Gräben und Kanälen, welche überall durch die Reis- 
felder gezogen sind und von dem Wasser des Flusses gespeist 
werden, trieb sich zu einzelnen Exemplaren Aectitis hypoleucus 
(No. 309) umher. Hin und wieder wurde an den Ufern des Flusses 
ein Ardea Goliath gesehen; am 6/11. wurde mir in Malacote ein 
weisses Ei gebracht, das angeblich diesem „Argale“ genannten 
Vogel angehörte Das Ei sollte auf dem Sande in der Nähe des 
Ufers gelegen und der Reiher über demselben gesessen haben. 
Von andern Reihern machten sich während der Fahrt auf dem 
Flusse bemerkbar: Ardea purpurea, melanocephala, alba, garzetta, 
comata, atricapilla; letzterer trieb sich einzeln am Rande des Ufer- 
waldes umher. In einer Anzahl von 6—10 Exemplaren zeigte sich 
einige Male Ardea nycticorax. Platalea sah ich nicht, doch kennen 
ihn die Wapokomo unter dem Namen „Balacombe“. Anastomus 
lamelligerus watete oft in Anzahl von 50—100 Stück in dem seichten, 
auf überflutheten Wiesenflächen stehenden Wasser; „Kokola“ nennen 
ihn die Eingebornen. Scopus umbretta machte sich mir in einzelnen 
Exemplaren an kleineren Teichen bemerkbar; er heisst bei den 
Suaheli „Sinje“, bei den Wapokomo „Kitotore“. Tantalus Ibis 
stand häufig zu 4—6 Stück am Flusse; am 4/10. wurden mir in 
Muniuni zwei junge Nimmersatt gebracht, die angeblich im Mai 
aus dem Neste genommen worden, das sich in einer Borassus-Palme 
befunden haben soll. In dem dichten, noch in den Fluss hinein- 
reichenden Grase haust Podiceps minor und Ortygometra nigra und 
pygmaea (No. 340); diese sowie auch Parra africana finden sich 
ebenfalls in den meisten Sümpfen und Teichen nahe dem Flusse; 
von letzterer Art erhielt ich im October Eier. Auch Podica Petersi 
lebte im Flusse, von welcher Art ich am 18/9. ein 2.bei Muniuni 
erlegte. Dieser Vogel ist ausserordentlich vorsichtig, lässt sich nur 
selten blicken und hält sich besonders an solchen Orten auf, 
wo dichtes Gestrüpp über die Ufer herüberhängt; auch in dem 
unter Wasser stehenden Uferwalde treibt er sich umher und ist 
auch in den mit Schilf durchwucherten Seen zu finden. Die son- 
derbare Stimme des Thieres vergleichen die Eingebornen mit dem 
Tone, der beim Schlagen ihrer Trommel entsteht; man vernimmt ein 

*) Dieser Name ist in meinem früheren Berichte fälschlich für PARoenz- 
copterus angegeben. 


298 Dr. G. A. Fischer: 


dumpfes gedämpftes tiefes duhü. Die Graculus wurden weiter 
stromauf viel seltener, als sie es in der Nähe der Küste sind. 
Zweimal machte ich die Bekanntschaft von Zhynchops flavirostris; 
das erste Mal auf der Fahrt von Ngau nach Engatana am 6/9. an 
einer Stelle des Flusses, wo eine Sandbank in denselben hinein- 
ragte und eine kleine Bucht bildete, in der das Wasser nur wenig 
Strömung hatte; an dieser Stelle befanden sich auch sehr viele 
Krokodile. Die Vögel, ungefähr 100 Individuen, ruhten auf der 
'Sandbank, ihre Federn putzend auch wohl miteinander spielend. 
Von Zeit zu Zeit flogen einige Exemplare, auch wohl der ganze 
Schwarm unter klagendflötenden Lauten auf, führten einige kühne 
Schwenkungen in der Luft aus und liessen sich dann wieder auf 
dem Sande nieder. Bei der Rückfahrt traf ich denselben Schwarm 
an einem ähnlich gestalteten Terrain des Flusses am 11/11. ober- 
halb der Ortschaft Valimi. Von den 6 erlegten Individuen hatten 
nur 3 eine ölige Flüssigkeit im Magen, eines neben dieser einige 
Wirbel kleiner Fische, bei zweien aber war der ganze Magen so 
mit feinen spitzen Fischgräten vollgepfropft, dass er schon aussen 
ein höckeriges Aussehen hatte und sich stachelig anfühlte; von 
Fleisch oder sonstigem Inhalt keine Spur. Das Fleisch der Vögel 
hatte einen starken Fischgeruch. 

Wenn man vom Flusse aus durch den Uferwald gedrungen 
ist, der eine Breite von 1—200 Schritt hat, so gelangt man in ein 
sehr charakteristisches Terrain, in die eigentliche Steppe des süd- 
lichen Gallalandes. Diese beginnt erst einige Tage von der Küste 
entfernt, das Hochgras mit den Dumpalmen verliert sich, der Lehm- 
boden macht einem körnigen, röthlichbraunen, mit Sand untermischten 
Platz; ein kürzeres Gras bedeckt den Boden, das schon bald nach 
der Regenzeit wie verbrannt aussieht. Grössere Schirmakazien 
und kleine verkrüppelt aussehende Mimosen sind fast die einzigen 
Bäume, um welche zu Gruppen zusammen stachlige Wolfsmilch- 
gewächse, zum Theil mit rundlichen wurmähnlichen Blättern, zum 
Theil mit breiten, stachligen stehen, die täuschend wie Cactus 
aussehen. Dazwischen standen auch stachlige, den Agaven ähn- 
licbe Gewächse, die mit jenen nach dem Flusse hin eine undurch- 
dringliche Mauer bildeten. Nur an wenigen Stellen, meist alten 
Elephantenpfaden, ist es möglich, vom Flusse aus durchzukommen. 
In diesen bald dichteren, bald lichteren Akazienhainen, welche sich 
soweit das Auge blicken kann ausdehnen, nur zuweilen durch eine 
sumpfige Niederung mit üppigerem Gras- und Baumwuchs oder 


Briefliche Reiseberichte aus Ost-Afrika. IV. 299 


einem kleinen See unterbrochen, und welche, obwohl sie einen 
öden Eindruck machen, doch auf den Beschauer einen grossen 
Reiz ausüben, leben eine grosse Anzahl von Vogelarten, die man 
zum Theil nur hier findet. Die Zeit, welche hier zu verbringen 
mir vergönnt war, war nur eine sehr kurze, so dass bei dem 
vielen mir Unbekannten, dass sich hier bot, ein Beobachten der 
Lebensweise und Kennenlernen der Stimmen kaum möglich war; 
ein längeres Verweilen und besonders ein noch weiteres Vordringen 
in’s Innere hätten eine bei weitem grössere Artenzahl ergeben. 
Zunächst fiel durch seine eigenthümlichen Stimmlaute Trachy- 
phonus squamiceps (No. 356) auf; er sass meist frei auf Akazien- 
büschen; dann Prionops poliocephalus (382) mit seiner lauten, an 
die Flötentöne der Dryoscopus-Arten erinnernden Stimme. Einzelne 
Exemplare von Coraphites leucotis suchten auf dem Erdboden nach 
Futter; Fringillaria flavigaster (No. 375) sah ich nur einmal; 
Passer petronella (392), den ich zwei Mal bemerkte, scheint ein 
ruhigeres Leben zu führen und weniger lebhaft zu sein als seine 
Verwandten. Sazicola isabellina (407) und (386) sassen auf nie- 
drigen Sträuchern, Bradyornis pallida fing nach Fliegenfängerart 
Insekten aus der Luft. In Flügen von 4—10 Stück streifte der 
prachtvolle Glanzstaar Cosmopsarus regius (No. 573), ein sehr scheuer, 
vorsichtiger Vogel, durch den Hain; in grösserer Anzahl, aber eben- 
falls bei der geringen Deekung schwer zu erreichen, Lamprocolius 
Hildebrandti (No. 393). Schizorhis leucogaster belebte in Gesell- 
schaften von 4—10 Stück die höheren Bäume. Auf dürren Bäumen, 
auch wohl in wenig belaubten Mimosen sassen nach Insekten 
spähend Zanius (397) und Merops albicollis. Indicator Sparrmanni 
(355), bei den Eingebornen „Titu“ genannt, kam, sobald er der 
Menschen ansichtig wurde, unaufhörlich sein „te te te u. s. w.“ 
schreiend, heran ; seltener zeigte sich Indicator maculicollis (366); 
Colius leucocephalus (362) hockte zu mehreren dicht bei einander 
im Innern der Mimosen. In Flügen von 4—10 Stück strichen 
durch leicht bewaldete Stellen Macrony& tenellus (364); rasch über 
den Boden hinlaufend, sucht sie sich zunächst der Gefahr zu ent- 
ziehen und lässt sich, aufgescheucht, auch bald wieder auf denselben 
nieder, seltener flüchtet sie sich auf Bäume. Ihr Flug ist schwach 
wellenförmig, ihre Stimme ähnelt der von Anthus Raalteni. Textor 
Dinemelli, von dem ich nur wenige Exemplare zu Gesicht bekam, 
hat eine von andern Webervögeln sehr abweichende Stimme. In 
-—- kleinen Schwärmen streifte Vidua Verreauxi (359) umher, : grössere 


* 


300 Dr. @. A. Fischer: 


Schwärme von Vidua principalis suchten auf dem Boden Futter 
und flüchteten zwitschernd auf die Gipfel höherer Bäume. Von 
Vidua splendens (393) sah ich nur wenige Exemplare, auch sie 
trieben sich wie die vorige Art, mit der sie in Benehmen, Stimme 
und Flug die grösste Aehnlichkeit haben, auf dem Erdboden umher. 
Neetarinia Longuemarü (387) streifte paarweise durch die Akazien, 
Blätter und Zweige nach Insekten absuchend. Zahleich waren 
auch niedliche Fringilliden, welche an reifen Grashalmen kletterten: 
Pytelia (No. 374, 385 und 377); auch eine der Pytelia melanotis 
ähnliche Art bemerkte ich unter ihnen. An einer sumpfigen Stelle 
in der Nähe des Uferwaldes sah ich zwei Exemplare von Pyre- 
nestes (No. 384). Von alten Bekannten fand ich in diesem Terrain 
noch: Terpsiphone melanogastra, Dryoscopus funebris (244), dessen 
Stimme fast aus jedem Akaziengebüsche tönte, Meristes olivaceus, 
Dierurus fugax, Nectarinia collaris, und Kalckreuthi, während guttu- 
ralis sich an einigen Stellen in der Nähe des Flusses aufhielt. 
Crithagra butyracea, Hyphantornis Cabanisi, Ploceus, Hyphanturgus 
nigricollis, Speculipastor bicolor, Oriolus Roletti, Colius leucotis 
und Chrysocoeeyz Claasü (243), Caprimulgus Fossei, der Morgens und 
Abends sein meckerndes Geschrei, das wie „päpäpäpä u. Ss. w.' 
klingt, lange Zeit hören lässt, Turtur semitorquatus zu 20 —30 Stück 
auf den Schirmakazien sitzend, in deren Innern ich ihr Nest fand, 
Turtur capieola, Chalcopelia afra und tympanistria. Ein seltener 
Vogel scheint Falco semitorguatus zu sein, von dem ich nur in 
diesen Akazienhainen zwei Mal ein Exemplar zu Gesicht bekam; 
das eine, welches ich erlegte, war ein blaurückiges, das andere ein 
rothrückiges Individuum; im Magen befanden sich kleine Eidechsen, 
die zahlreich über den trocknen Boden huschten. Hin und wieder 
lief ein Cursorius cinctus (381) aus dem Euphorbiengebüsch hervor; 
ein erlestes Weibchen trug ein kirschgrosses Ei am Ovarium. 
Eine kleine graubraun gesprenkelte Trappe, der verdeckte Basis- 
theil der Federn der Unterseite zartockerfarben — der Balg ging 
verloren — lebte zu Paaren in diesem Terrain. Numida Pucherani 
flog häufig in Ketten von 50—100 Stück unter lautem Schreien 
empor, auch Aeryllium vulturinum findet sich im Flussgebiet des 
Tana, wie ein lebendes Exemplar bewies, welches am 10/11. bei 
Malacote im Uferwalde in einer Schlinge gefangen worden. Das 
laute hässliche Geschrei von Francolinus Granti wurde hier auch 
überall gehört. Der Strauss hält sich in der Nähe des Flusses 
nicht auf, da er hier zu sehr beunruhigt wird. Ein Mboni brachte 


Briefliche Reiseberichte aus Ost-Afrika. IV. 301 


am 27/9. in Muniuni ein ziemlich frisches Ei, das er zwei Tage- 
reisen vom Flusse entfernt gefunden hatte. 

Die Wapokomo sind keine Thierfreunde; das Huhn ist das 
einzige Hausthier, welches sie besitzen; es unterscheidet sich in 
nichts von den unsern gewöhnlichen Bauernhühnern gleichenden 
Hühnern der Suaheli. Die Hühner der Galla sind dagegen hoch- 
beiniger und starkknochiger wie diese. Die Suaheli haben Cairina 
moschata eingeführt, die aber wenig verbreitet ist. Einmal sah ich 
domesticirt Ohenalopex aegyptiacus, die jung eingefangen waren 
und wie zahme Gänse in der Ortschaft umherliefen. Auch im 
Fangen von Vögeln zeigten sich die Eingebornen sehr ungeschickt 
und hatten wenig Interesse dafür. Das Fleisch aller Vögel wird 
gegessen, mit Ausnahme derjenigen, welche Aas und Schlangen 
fressen; aus ersterem Grunde wurde auch das Fleisch von Scopus 
umbretta verschmäht. Die Galla verschmähen das Fleisch der 
Vögel durchaus, auch Hühner werden von ihnen nicht gegessen. 
Die Schwanzfedern des Hahnes, die Straussenfedern und solche 
anderer grossen Vögel sind bei den Wapokomo sehr gesucht, welche 
sie entweder auf dem Scheitel befestigen oder in die Ohrlöcher 
stecken. 

Bei meiner Rückkehr zur Küste machte sich die trockne Jahres- 
zeit schon sehr bemerkbar; das Laubwerk sah zum grossen Theil 
verdörrt aus, kleine Seen und Sümpfe waren schon ausgetrocknet, 
so dass sich die an letztere Localitäten gebundenen Vögel nach 
anderen Plätzen umsehen mussten. In Folge dessen hatten sich 
bei Tschara und Kipini, wo sich grössere Sümpfe befanden. 
viele Grallatoren eingefunden, die während der Regenzeit hier nicht 
anzutreffen sind. So fand sich hier Zemnetes crassirostris (403) 
und zahlreich Hoplopterus spinosus. Auch ein Exemplar von Myc- 
teria senegalensis sah ich schweren Fluges über das Wasser hin- 
streichen. Wenige Exemplare von Ciconia episcopus standen be- 
wegungslos auf kleinen aus dem Wasser hervorragenden Gras- 
inseln. Nach Aussage der Suaheli soll auch Phoenicopterus hier 
erscheinen, den sie „Kingäamtu“ nennen. Meine Zeit und Gesundheit 
erlaubte es leider nicht mehr, mich hier aufzuhalten, es hätten 
hier meist interessante Funde gemacht werden können, wie denn 
überhaupt eine während der trocknen Jahreszeit gemachte Samm- 
lung manche andere Arten ergeben würde; auch wird das Sammeln 
in mancher Beziehung erleichtert, weil sich die Thiere an bestimmten 
Wasser führenden Orten concentriren. So waren bei Kipini zahl- 


302 Dr. G. A. Fischer: 


reiche Merops nubicus erschienen; und viele Sazicola isa- 
bellina (407) hatten sich hier eingestellt. Auch Zanius caudatus, 
den ich sonst hier nicht bemerkt, zeigte sich häufig. Das erlegte 
Exemplar, ein 9, trug an den Bauchseiten zwei grosse kastanien- 
braune Flecke, die ich bei früheren Exemplaren mich nicht er- 
innere gesehen zu haben. Am 15/12. erlegte ich bei Kipini auch 
Muscicapa grisola. An der Mündung des Tana-Flusses fand ich 
um die Zeit noch einige Webervögel brütend, die meisten hatten 
die Brutstätte schon verlassen; es waren hauptsächlich Zyphan- 
tornis Bojeri. Doch fanden sich einzelne blassblaue Eier in den 
Nestern, welche möglicher Weise von H. aureoflavus herstammen. 
Denn die Eier, welche ich augenblicklich auf Sansibar von letzterer 
Art sammele, haben, soweit ich mich jener erinnere, dieselbe Grösse, 
Form und Färbung. 7. aureoflavus baut übrigens nicht ausschliesslich 
in Cocosnussbäumen; ich fand hier in letzter Zeit zahlreiche Nester 
dieser Art, die in Artocarpus und Adansonien angelegt waren. 

In Mombas fand ich im December Zirundo puella (410) vor, 
die hier während der trocknen Jahreszeit — December bis April — 
zu brüten scheint. Bei meinem Aufenthalte im Jahre 77 während 
der Monate Mai bis August hatte ich die Art in Mombas nicht 
bemerkt; sie scheint daher mit Eintritt der Regenzeit anderswohin 
zu ziehen. Sie umflog die arabischen Steinhäuser wie unsere Haus- 
schwalbe, war sehr zutraulich und liess sich häufig im Innern der 
Häuser nieder, die ihnen mit ihren offenen Hallen gute Nistplätze 
boten. Ich fand ein eben vollendetes Nest unter dem Gesimse an 
einen Balken angelehnt; von diesem lief es in schräger aufsteigender 
Richtung zur Decke des Raumes; die Länge betrug 21 cm.; an 
der Basis hatte es 30 cm. Umfang an der Spitze 15 cm., so 
dass die Eingangsöffnung 4 cm. im Durchmesser hatte. Es war 
aus Lehmklümpchen zusammengefügt und hatte im Innern keine 
weitere Auskleidung. Die Schwalbe liess bald ein leises „zizi“, 
bald ein schnarrendes „terr‘“ hören; die && besassen ausserdem 
einen kurzen Gesang, der an den von Sycobrotus Kersteni er- 
innerte, aber weniger flötend als zwitschernd ist. 

Bei einem Besuche in Bagamojo hatte Februar dieses Jahres 
fand ich Hirundo puella dort ebenfalls; auch Zirundo aethiopica 
baute dort in den Steinhäusern; eine Brut hatte schon stattge- 
funden. Eines Nestes dieser Schwalbe hatte sich Passer Swainsoni 
bemächtigt, dessen Junge dem Ausfliegen nahe waren. In den 
Cocosnussbäumen traf ich grosse Colonien von Hyphantornis nigri- 


,} 


Briefliche Reiseberichte aus Ost-Afrika. IV. 303 


ceps; es befanden sich zum Theil Junge, zum grössten Theil aber 
frisch gelegte Eier in den Nestern. Ich erlangte in Bagamojo noch 
eine Petrocincla (No. 412); nur das eine Exemplar wurde bemerkt, 
welches auf frisch geackertem Felde sich umhertrieb. Von anderen 
Arten bemerkte ich nachfolgende dort: Bessornis Heuglini, Motacilla 
flava, Anthus Raalteni, Maeronyx croceus, Cisticola tenella, Cisti- 
cola haematocephala, Orithagra butyracea, Pyrenestes unicolor, Vidua 
principalis, Verreauxi, Euplectes nigriventris, flammiceps, Spermestes 
cueullata, rufodorsalis, Habropyga astrüd, Hyphanturgus ocularius, 
Hyphantornis Bojeri, Lamprocolius melanogaster, Corvus scapulatus, 
Andropadus flavescens, Pycnonotus nigricans, Lanius caudatus, Tele- 
phonus erythropterus, Dryoscopus sublacteus, Salimae, leucopsis, Chlo- 
rophoneus quadricolor, Dierurus fugax, Terpsiphone melanogastra, 
Platystira senegalensis, Bradyornis pallida, Cypselus parvus; Merops 
nubicus in grosser Anzahl, nur in dieser Zeit hier anzutreffen, Me- 
rops albicollis, Alcedo cristata, Halcyon semicoerulea, chelicutensis, 
Coracias garrula, ebenfalls nur in dieser Jahreszeit hier anwesend, 
Buceros abyssinicus, Barbatula affınis (1732), Colius leucotis. Eine 


‚Corythaix-Art, ihre Stimme ein helles „ku ku ku ku ku“, ähnlich der 


von Corythaix Fischeri, Centropus superciliosus, Chrysococey& cupreus, 
Indicator minor, Zanclostomus australis, Coccystes pica;, ein jüngeres 
Thier wurde erlegt mit braunen Federn in Schwingen und Mantel; im 
Magen befanden sich behaarte Raupen. Pionias fuscicapilus, Mivus 
Forskali, Haliaetos vocifer, Chalcopelia afra, Turtur semitorquatus, 
Francolinus Granti, Oedicnemus vermiculatus, Parra africana, Orty- 
gometra nigra. 

Was Buceros abyssinicus betrifft, dem ich hier zum ersten Male 
begegnete, so spazierte er auf einem frisch geackerten Felde raben- 
artig umher; in der Nähe befand sich ein zweites Exemplar. Bei 
Annäherung suchten sie sich zunächst durch Laufen der Gefahr 
zu entziehen, flogen dann eine Strecke weit, liessen sich aber bald 
wieder auf die Erde nieder; schliesslich bäumte ein Individuum auf 
einer Adansonie; die Stimme bestand in einem dumpfen hohlen 
„dudu‘“, das vom 2 in etwas höherem Tone beantwortet wurde; 
die Stimme war übrigens nicht sehr laut. Das erlegte 2 hatte 
weisse schwach grünlichgelb angehauchte Iris, ein schmaler Ring 
um die Pupille war braun, Schnabel in ganzer Ausdehnung schwarz, 
nackte Haut um’s Auge und die untere Hälfte des Kehlsacks in- 
tensiv blutroth, die obere Hälfte des letzteren violett-bleifarben. 
Im Magen befanden sich Käfer und Heuschrecken. Auf der fran- 


304 August Müller: 


zösischen Missionsstation in Bagamojo hielt man längere Zeit einen 
lebenden Vogel dieser Art, der sehr zahm war und dem, der ihm 
täglich Futter reichte, wie ein Hund nachlief,; er frass rohes 
Fleisch, Ratten, Eidechsen, Schlangen, machte sich aber dadurch 
sehr unnütz, dass er junge 'Pflanzungen zerstörte, indem er die 
Pflänzchen mit dem Schnabel ausriss; Nichts war vor ihm sicher. 


Zur Naturgeschichte des Ixos xanthopygius, 
Hempr. und Ehrb. 
Von 
Aug. Müller, Halle a. d. S. 
(Hierzu Taf. I. Fig. 4. 5.) 

Eine im Herbste 78 an Herrn Wilh. Schlüter in Halle a. d. S. 
ergangene Sendung Naturalien, die in der Umgebung von Beirut 
in Syrien gesammelt waren, enthielt neben Anderem auch eine 
grössere Anzahl von Bälgen von Zxos xanthopygius, worunter sich 
ein Exemplar im Jugendkleide vorfand. Ausserdem brachte diese 
Sendung das Nest mit 2 zugehörigen Eiern von genannter Species. 

Das Kleid des jungen Vogels fand ich — soweit mir die 
Literatur vorlag — nur in „Baron C. Cl. v. d. Decken’s Reisen in 
Ostafrika“ beschrieben *), allerdings nur sehr flüchtig, zumal der 
Verfasser im Zweifel war, den jungen Vogel, oder das 2 vor sich 
zu haben. Ei und Nest dagegen sind meines Wissens nach noclı 
nicht bekannt, wenigstens noch nicht beschrieben, und dürfte es 
deshalb nicht ohne Interesse sein, wenn ich nachstehend, neben 
der Beschreibung des jungen Vogels, auch eine solche von Nest 
und Ei folgen lasse. 

Der Ausbeute des Sammlers nach zu urtheilen, muss Zxos 
xanthop. ein häufiger Vogel für die Umgebung von Beirut sein, 
und wenn die Sendung an Eiern, im Vergleiche zur Anzahl der 
Bälge, so schmal ausfiel, so mag dies seine Ursache wohl darin 
haben, dass der Sammler erst gegen Ende der Brutperiode in ge- 


*) Diese Beschreibung basirt nicht auf einem Decken’schen Exemplar, 
sondern ist eine compilatorische Zugabe in Bd. IV. Die Deeken’schen 
Originale wurden von mir in „Bd. III. Vögel“ bearbeitet und ist daselbst 
pag. 29 ausdrücklich hervorgehoben, dass der ostafrikanische nigrieans nicht 
unbedingt mit dem westasiatischen wanthopygos Ehbg. zu identifieiren sei. 
Ich halte immer noch dafür letzteren als grössere Abart gesondert betrach- 
ten zu nıüssen, Cabanis. 


Zur Naturgeschichte des Ixos zanthopygius. 305 


nannter Stadt eintraf, oder aber wahrscheinlicher Weise mit den 
Niststellen noch nieht bekannt war. Die Etiquettirung der Bälge, 
die, nebenbei erwähnt, eine sehr gewissenhafte genannt werden 
kann, zeigt, dass die alten Vögel in der Zeit von Mitte Mai bis 
Anfang Juli erlegt worden waren, während das junge Exemplar, 
ein d, vom 15/7. datirt ist. 

Bei dem alten Vogel ist bekanntlich die ganze Kopfbefiederung, 
ebenso die der Kehle eine tief schwarze und der Uebergang im 
Nacken in das düsterfarbige Erdbraun des Rückens ein schroffer, 
nicht so an der Kehle, indem hier die schwarze Zeichnung nach 
dem Kopfe zu allmählig in erd- oder rauchbraune übergeht und 
erst auf der Brust in die grauweisse mit bräunlicher Untermischung 
verläuft. Nur ein einziges @ zeigt neben etwas geringeren Maassen 
eine weniger intensive schwarze Färbung des Kopfes, hervorgerufen 
durch eine stellenweise, kaum merkliche Untermischung mit dunkel- 
braunen Federchen. Ich vermuthe in diesem $ einen nicht ganz 
alten Vogel und bin der Ansicht, dass sich beide Geschlechter im 
ausgefärbten Kleide nicht von einander unterscheiden. Das junge 
Exemplar dagegen trägt ein durchschnittlich helleres Kleid, ebenso 
wie die Schwanzfedern, die bei dem alten Vogel auf ihrer Oberseite 
fast schwarz werden, dunkelgraubraun sind. Auch:die schwefelgelben 
Bürzelfedern erscheinen weniger intensiv gefärbt. Auffallend hell 
in der Färbung ist die Befiederung auf dem Kopfe, dem Kinn und 
der Kehle, und .besonders ersterer nicht mehr schwarz, sondern 
dunkelrauchbraun zu nennen, so dass eine scharfe Abgrenzung in 
der Zeichnung zwischen Nacken- und Rückengefieder überhaupt 
fehlt. Obgleich nicht so auffallend, so tritt derselbe Umstand 
auch an der Kehle ein, wenn auch hier das Schwarz nicht ganz 
verdrängt ist und besonders noch nach den Zügelgegenden und 
dem Schnabel zu bestehen bleibt. Ein dem alten Vogel charakte- 
ristischer, nur wenig hervortretender gelber, kaum merklich grau 
untermischter Streifen am Flügelbug fehlt dem Jungen gänzlich. 
Die Maasse des letzteren sind folgende: 

Long. tot. caud. rost. #17. GC) al. tars. 
18,8 Cm. 8,2 Cm. 1,7 Cm. 8,7 Cm. 2,1 Cm. 

Dieselben Messungen, an den alten Vögeln vorgenommen, er- 

gaben folgende Durchschnittsresultate: 


*) Oberschnabel von der Stirne bis zur Spitze gemessen, jedoch nicht 
den Bogen, sondern dessen Sehne. 
Cah. Journ, f. Ornitn, XXVII, Jahrg. No. 147. Juli 1979, 20 


306 August Müller: 


Long. tot. caud. rostr. a. fr. al. tars. 
19,75 Cm. 9 Cm. 1,78 Cm. 9,59 Cm. 2,22 Cm. 
Die Eier, auf Tafel I. abgebildet, messen: 
Fig. 4. 24,1 Mm. : 17,2 Mm. 
Fig. 9. 28,8: „et 

und wurden nach Angabe des Sammlers am 9/7. in einem und dem- 
selben Neste aufgefunden. Es muss deshalb Wunder nehmen, dass 
die beiden Eier, die doch von einem und demselben $ stammen, 
solche Verschiedenheiten in der Zeichnung zu einander zeigen, wie 
ich dies im Bilde wiederzugeben versuchte. Allerdings ist von 
Fig. 4 die weniger intensiv gefleckte, von Fig. 5 dagegen die 
dunklere Seite copirt, so dass die beiden Eier im Bilde sich gegen- 
seitig mehr von einander unterscheiden, als es in der Wirklichkeit 
bei einer oberflächlichen Betrachtung der Fall ist. Neben rein 
weisse Eier gelegt, lässt ihr Grund einen kaum nennenswerthen 
röthlichen Anhauch erkennen, welchen mehr oder weniger scharf 
abgegrenzte, theils intensive, theils fast verschwindende, blaugrau 
erscheinende, grössere und kleinere Flecken bedecken. Sowohl 
über diese, als auch über dem hellen Grunde lagern scharf mar- 
kirte, gerundete, hell bis tiefdunkel-rothe Flecken, Punkte und 
Pünktchen, die sich bei Fig. 5 nach dem stumpfen Pole zu an- 
häufen und verhältnissmässig an Grösse zunehmen, so dass das- 
selbe einen deutlichen Fleckenkranz erkennen lässt, zumal wenn 
man das Ei mit seiner helleren Seite vor sich liegen hat. Schmutzig- 
hellröthlich-braune, unregelmässig gestaltete und verwischte Fleck- 
chen, die dem hellen Exemplare fast gänzlich fehlen, über das 
dunkle Ei dagegen verbreitet liegen, geben letzterem an und für 
sich schon einen düsteren Anhauch. 

Wie schon erwähnt, nannte ich die unter der rothbraunen 
Zeichnung lagernde Fleckung eine „anscheinend“ blaugraue, eine 
Täuschung, die ihre Ursache darin haben mag, dass dunkelbraune 
Flecken daneben stehen, oder theilweise decken. In Wirklichkeit 
ist meiner Ansicht nach die blaugraue Färbung dadurch entstanden, 
dass ursprünglich rothbraune Flecken von einer weissen Kalk- 
schicht überdeckt und je nach der Stärke dieser Kalkschicht die 
verschiedenen Nuancen gebildet wurden. 

Bei einem nicht unbedeutenden Glanze lässt die Schale mit 
Hülfe der Loupe nur geringe Unebenheiten erkennen, und nur mit 
Mühe gewahrt man deutliche, jedoch nur sparsam vertretene Poren- 
bildung. Dabei ist der innere Schein des Eies gelblich, 


' Zur Naturgeschichte des /xos zanthopygius. 307 


Das Nest, welches auf einem Citronenbaume stand, oder, wie 
der Sammler wörtlich schreibt: „unter der Spitze eines Citronen- 
baumes“, ohne weitere Angaben bezüglich der Höhe beizufügen, 
schwankt hinsichtlich seines grössten Durchmessers zwischen 
13,5—15,5 Centimeter, bei einer Höhe von ca. 5,5 Cm. und eines 
grössten Umfanges von 45 Cm. Die Dicke der Nestwandung, die 
nach dem oberen Rande zu an Stärke zunimmt, wechselt an dieser 
Stelle zwischen 2—4 Cm., während die dünne Unterlage, die so- 
gar an einer Stelle durchscheinen lässt, ohne dass es den Anschein 
nimmt, als sei das Nest nicht vollständig, von 2 bis kaum 1,5 Cm. 
Dicke hat. Während der Durchmesser des inneren Napfes, an 
seinem oberen Rande gemessen, 8—9 Cm. misst, ergeben sich bei 
Messung des Umfanges, das heisst der inneren Weite, ca. 26 Cm., 
bei einer grössten Tiefe von ca. 4 Cm. Trotzdem dass das Nest 
sehr gut erhalten ist, lassen sich Spuren von Asteindrücken nur 
an zwei Stellen, jedoch höchst undeutlich erkennen. Die Bestand- 
theile des Nestes sind zum grössten Theile bastartige Pflanzenstoffe 
und scheinbar Thierwolle. Letztere bildet fast ausschliesslich die 
äussere Bekleidung und ist besonders nach dem oberen Rande 
zu massig angehäuft, so dass sie sich hier stellenweise in voll- 
ständigen Wollklumpen ansetzt. Wo sie weniger massig eingefilzt 
ist, oder fast verschwindet, treten mehr oder weniger dicke Bast- 
stengel hervor, die auf der unteren Nestfläche unregelmässig zwi- 
schen den Wolltheilen eingelagert, nach dem oberen Rande zu da- 
gegen wohlgeordnet liegen und mit Hülfe der Wolle fest in ein- 
ander verfilzt sind und dem ganzen Neste einen festen Halt geben 
Hier und da haben die Erbauer neben Moostheilen auch Blatt- 
überreste eingewoben. Ausser einer Quercus dex lassen sich die- 
selben jedoch nicht bestimmen. Die Wolle, die bei der äusseren 
Nestbekleidung das fast ausschliessliche Material ausmacht, fehlt 
dem inneren Napfe fast gänzlich und wird durch feine Basttheil- 
chen, untermischt mit zarten Würzelehen, ersetzt. Erstere sind 
theilweise fein zerschlissen und bilden lange, breite Büschel, deren 
Vorhandensein sich nicht nur auf die innere Nestmulde beschränkt, 
sondern die die ganze Nestwandung mehr oder weniger durch- 
setzen. In seinem Habitus und seiner Bauart erinnert das Nest 
an jenes unseres Oriolus galbula. 

Nach „Baron C. Cl. v. d. Decken’s Reisen in Ostafrika“ *) ist 
die Verbreitung unseres Vogels wie folgt: 


*) D. h, nicht nach Bd. III, sondern nach der im Bd. IV. pag. 297 und 
20% 


308 A. Reichenow und H. Schalow: 


Syrien (Hemper und Ehrb., Antinori), steiniges Arabien (Rüpp., 
Heugl.), Palaestina (Tristram, Chambers), Egypten (Rüpp.), weisser 
Fluss (Heugl.), Gazellenfluss (Antin.), Namakaland, Oranjefluss 
(Levaill.), Kuruman im Betschuanalande, Colesberg im Kapgebiet 
(Layard), Windvogelberg im Britisch Caffraria (Bulger), Kaffern- 
land (Berl. Mus.), Natal (Mus. Hein., Ayres), Damaraland (Anders- 
son), Mosambik (Peters, Sperling), Sambesi (Kirk), Usarammo am 
Zusammenflusse des Kurgen mit dem Mgeta, Kasch (Speke), San- 
sibar (Kirk, v. d. Decken), Gabon (Hartl.). Nicht in Senahr und 
Kordofahn (Antin.). 

Ausserdem kommt nach Krüper eine Zxos-Art auf mehreren 
Inseln des griechischen Archipels vor, welche wohl die hier be- 
schriebene sein dürfte. (Heugl., Ornitholog. N.-Ost-Afrikas.) 


Compendium 


der neu beschriebenen Gattungen und Arten. 
Von 
Ant. Reichenow und Herman Schalow. 


iR 


Die grosse Zahi von Fachzeitschriften aller gebildeten Sprachen, 
welche gegenwärtig den Fortschritten der Ornithologie dienen, hat 
das Bedürfniss nach einer Literaturübersicht schon lange noth- 
wendig erscheinen lassen und uns bereits vor 2 Jahren veranlasst, 
in der „Rundschau“ des Ornithologischen Central- 
blattes Anzeigen und Referate über alle Publikationen in mög- 
lichster Vollständigkeit zu bringen, welche vorläufigen Notizen noch 
in der Folge, am Schlusse eines jeden Jahres, übersichtlich geordnet 
und mit eingehenderer Inhaltsangabe der Aufsätze, in dem von uns 
bearbeiteten ornithologischen Theil des neuen „Zoologischen 
Jahresberichtes“ von Prof. Carus in ausführlicher Bearbei- 
tung erscheinen werden. Die nöthige räumliche Beschränkung der 
genannten Uebersichten hat es aber nicht ermöglicht, über die in 
den verschiedenen Zeitschriften neu beschriebenen Arten eingehender 
als mit einem kurzen Hinweis zu berichten, und doch ist gerade, 
zur Vermeidung von Doppelbeschreibungen, ein Zusammenfassen 
der zerstreuten, oft schwer zugänglichen Art-Diagnosen von grösster 
Wichtigkeit für den Ornithologen, welcher in der Lage ist, öfters 
Sendungen von Vogelbälgen zur Bestimmung zu erhalten. Wir 


298 gegebenen Zusammenstellung. In dem reichen Schatze der dortigen 
Synonymie und geographischen Verbreitung ist nicht Alles Gold, was glänzt. 
Da der vorstehende interessante Aufsatz des Herrn A. Müller sich aus- 
schliesslich mit dem westasiatischen zanthopygos Ehrbg. beschäftigt, so 
wäre Alles, was sich auf den ostasiatischen nigricans Vieil. bezieht, zur 
besseren Klärung der Frage hier wegzulassen gewesen. Cabanis, 


Compendium der neu beschriebenen Arten und Gattungen. 309 


sind daher überzeugt den Herren Collegen einen wesentlichen Dienst 
zu leisten, wenn wir in diesem neu begründeten „Compendium“ die 
 Original-Diagnosen neu beschriebener Arten regelmässig in über- 
sichtlicher Anordnung wiedergeben, 

Ant. Reichenow. Herman Schalow. 


SPHENISCIDAE,. 
— Eudyptula Serresian a. 

Oustalet, Ann. des Sc. Nat. VH Ser. tome VIII. No. 2 
13. Artiele.4. 

Es wird keine scharfe Diagnose gegeben. Die Art ähnelt der \ 
Eudyptula minor aus Neu-Seeland „mais il offre, au dessus des yeux, 
deux petites touffes sourcilieres d’un jaune päle, rappelant en 
petit celles qui existent chez Kudyptes chrysocoma, et il a d’ailleurs 
les plumes du vertex bien plus longues, plus touffues, ce qui fait -.. 
paraitre la tete plus volumineuse. Lg. tot. 0,520, caud. 0,070, 
rostr. 0,038, al. 0,120, tars. 0,038 Mtr.“ | 

Hab.: Churruca, Feuerland (Museum d’Histoire naturelle, Paris). 

PROCELLARILDAE. 
4 Fregetta moestissima. 

Salyım, B. 2.5. 1879: p. 30: 

Omnino fuliginoso-nigrescens, alis et cauda nigricantioribus; 
alis longissimis, cauda valde furcata; reetrieibus latissimis; tarsis 
elongatis; digitis fere aequalibus, phalangibus proximis complanatis. 
Long. tot. 9,5, alae 9,1, caudae rectr. med. 3,2, lat. 4,2, tarsi 1,9, 
dig. med. cum ungue 1,3, rostri a rictu 0,9. 

Hab.: Samoan Islands. 

RALLIDAE. 

Rallus gularis var. aldabrana. 

A. Günther, Annales and Magazine of Natural History. 
Vol. 3 No. 14 Febr. 1879. p. 164. 

Von Rallus gularıs von Madagascar nur durch die Grössen- 
verhältnisse der einzelnen Theile, besonders durch sehr kurze 
Flügel unterschieden, wie die gegebene Zusammenstellung beweist: 

Schnabel Flügel tarsus Mittelzehe 
ohne Nagel 


Exemplar v. Madagascar juv. 41 148 49 44 

> „ „ n 39 147 46 41 

5 „  Aldabra 5 44 119 42 38 
adult. 45 116 42 34,5. 


’ ’ „ 

Hab.: "Aldabra (Koralleninsel an der Ostküste Afrikas). 

Megacrex n. gen. 

d’Albertis e Salvadori, Ann. Mus. Civ. Genova, XIV. 
10. Marzo 1879. p. 129. 

Nov, gen. Megacrex ex familia Rallidarum praebet rostrum 
mediocre, culmine ad frontem lato et in scutum portice rotundatum, 
fere ut in genere Gallinula, desinente; pedes longiusculos, robustos 
ut in Rallina trieolori; alas parvas, ad volatum forsan ineptas; 


310 A. Reichenow und H. Schalow: 


digitum externum alae ungue arcata praeditum; caudam brevissi- 
mam; staturam inter aves rallidas permagnam. 

Typus: Megacrez inepta dAlb. et Salv. 

Megacrex inepta. 

d’Albertis e Salvadori, Ann. Mus. Civ. Genova, XIV. 
10. Marzo 1879. p. 130. 

Pileo et cervice fusco-brunneis; fronte cinerascente; lateribus 
capitis cinereis, loris obseurioribus, gula albida; lateribus colli, 
medio pallide vinaceis, inferius brunneo-olivaceis; dorso olivaceo- 
grisescente; uropygio, supracaudalibus et cauda brevissima obtecta, 
brunneis; collo antico imo, pectore summo et lateribus pectoris 
rufescentibus; pectore medio et abdomine albis, paullum rufo-tinctis; 
lateribus olivaceis; abdomine imo et tibiis griseo-olivaceis; dorso 
concoloribus; remigibus brunneo-olivaceis; rostro flavo-viridi; pedi- 
bus nigris; iride saturate rubro-sanguinea. 

Fem. Paullo minor. 

Long. tot. 0,540—0,430; ala 0,190— 0,175; cauda 0,040; ostri 
a marg. post clipei frontalis 0,077—0,071; tarsi 0,097—0,090 Mtr 
Hab.: Fiume Fly (Neu-Guinea). 
CRACIDAE. 

Mitua salvini. 

J. Reinhardt, Videnskab. Meddelelser fra d. naturhist. Fore- 

ning Kjobenhavn. Jan. 1879. 
9: nigra, chalybeo nitens, ventre imo, crisso et caudae apice 
albis; loris dense plumosis; pilei plumis elongatis planis, tota longi- 
tudine aeque latis; rostri rubri culmine compresso, postice non 
incrassato; pedibus rubris. 

Long. 0,664, ala 0,366, cauda 0,333, tarsus 0,110, rostrum 
0,048, alt. rostri ad nares 0,028 Mtr. 

PERDICIDAE. 

Peloperdix rubrirostris. 

Salvadori, Ann. del Mus. Civ. di St. Nat. di ae XIV. 
1879. p. 251. 

Superne brunneo-olivaces, plumarum marginibus nigris; capite 
et collo nigris, plumulis longiusculis albis ad apicem latis, ommatis; 
macula utrinque frontali et mento albis; pectore brunneo, plumulis 
albis adsperso; abdomine nigro et albo vario; subcaudalibus nigris, 
olivaceo-fasciatis; alis fuscis; cauda brunneo-olivacea, dorso conco- 
lore; pedibus rubro-brunnescentibus; rostro corallino ; iride brunnea. 

"Le. tot. 0,240, al. 0,140, caud. 0,40, rostr. 0,20, tars. 0,045. 

Hab.: Monte Singalan, Sumatra. 

PHASIANIDAE. 

Acomus inornatus. 

Salvadori, Ann. del Mus. Civ. di St. Nat. di Genova, XIV. 
1879. p. 250. 

Nigerrimus, plumis dorsi pectorisque et teetricibus alarum 
pulcherrime nigro-chalybaeo marginatis; lateribus capitis nudis, 


Compendium der neu beschriebenen Arten und Gattungen, 311 


rubris; remigibus et rectricibus nigro-fuscis, minime nitentibus; 
rostro fusco, apicem versus (in exuvie) flavido; pedibus griseis. 

Lg. tot. 0,470, al. 0,235, caud. 0,150, rostr. 0,029, tars. 0,070. 

Hab.: Monte Singalan, Sumatra. 

STRIGIDAE. 

Asco butbro. 

Hume, Sfray Feathers Vol. VII. No. 3—5, Dec. 1878. p. 316, 

Like Asio accipitrinus but smaller; wing more rounded; tarsi 
slenderer and longer; feet smaller and less feathered, exactly in 
this respect as in A. madagascariensis; colours of upper surface 
altogether different, more those of Bubo coromandus. 

Hab.: Omara, Mekrancoart (India). 

Ninox spilocephale. | 

Tweeddale, P, Z. S. 1878. p. 939. 

Nearly allied to N. phiippinensis of Luzon. The frontal and 
- coronal feathers are brown, spotted with rufous — in some examples 
bright rufous, in others pale tawny rufous. Some have the whole 
under plumage, from throat to vent, dark centred; others have the 
breast almost uniform rich rufous, without pale margins, and with 
a subterminal brown transverse narrow band. 

Hab.: Zamboanga, island of Mindanao. 

Scops Everetti. 

Tweeddale, P.Z.S. 1878. p. 942. 

Eine scharfe Diagnose wird nicht gegeben. — „a large form 
of S. lempiji as it occurs in Java. Above it has the deep rich 
brown colouring of the Java species; the same broad dark brown 
mark in the form of a parallelogram on the head and nape; the 
same pale-coloured forehead; stripe above each eye and round the 
nape, and the broad dark brown stripe leading from behind the 
eye, and inclucing most of the ear-tufts. In the Zamboanga species 
there are no pale uniform tawny or fulvous scapulars. Underneath, 
the markings differ from those of the Javan bird by being more 
confused, and by the absence of regular dark brown cross markings 
on the abdominal plumes. The general colouring of the under 
surface is of a ruddier brown. Wing. 6,50, tars. 1,20, tail. 3,50, 
culm. 0,62.“ 

Hab.: Zamboanga, island of Mindanao. 

Pseudoptyna Gurneyi. 

Tweeddale, P. Z. S. 1878. p, 940. plate LVIII. 

Sides of face bright pure unmarked rufous. Lengthened stiff 
plumes springing from base of maxilla rufous mixed with tawny, 
and many with dark-brown. Space above front of eyes, uniting 
on forehead and extending back over the eyes, pale tawny rufous. 
Crown and oceiput dark rufous, many of the feathers with a dark 
brown broad mesial stripe. Nape and sides of neck pure rufous. 
Lengthened ear-tufts the same, some with very narrow brown mesial 
linear markings near their apices. Plumes bordering the facial 
disk albescent tawny; some almost pure white, tipped with dark 


312 A. Reichenow und H. Schalow: 


brown. Chin and upper throat pale tawny rufous. Middle of throat 
white. Breast and remainder of lower surface pure rufous, more 
dilute on lengthened tibial plumes and under tail coverts. A few 
pectoral plumes, with dark brown large terminal drops. Many 
abdominal plumes, with dark brown elongated central stripes. 
Back rufous, minutely freckled with brown, each feather with a 
bold, irregular, dark brown central stripe. Scapulars like the 
back, but some of the shorter and outer albescent tawny on outer 
webs. The dark brown central marks are so arranged that the 
back, together with the scapulars, appears to have three parallel 
dark brown stripes running down it. Uropygium and upper tail- 
coverts rufous brown, with darker shafts. Reetrices brown, minutely 
freckled with pale rufous, and with eight or nine narrow pale 
rufous cross bands. Minor and median wing-coverts brown, freckled 
with rufous, and each with a dark narrow central brown line. 
Major coverts brown on inner web, freckled with rufous on outer. 
Quills brown, alternately banded with freekled brown and pale 
rufous. Tertiaries pure rufous, with traces of dark brown along 
the shafts. Carpal edge white; wing-lining yellowish white; some 
of the under carpal coverts rufous. Thigh and tarsal coverts pale 
rufous and tawny white. 

Hab.: Zamboanga, island of Mindanao. 

PLATYCERCIDAE. 

Aprosmictus callopterus. 

d’Albertise Salvadori, Ann. Mus. Civ. Genova XIV. 
10. Marzo 1879. p. 29. 

Capite, collo et gastraeo toto rubro-puniceis; interscapulio, 
uropygio, supracaudalibus et subcaudalibus pulchre cyaneis; scapu- 
laribus nigris, cyaneo-marginatis; alis viridibus, remigibus ultimis 
et tectricibus mediis anterioribus saturatioribus, fere nigricantibus; 
tectricibus minoribus, mediis et majoribus dorso proximis laetissime 
tlavo-viridibus; cauda superne atro-caerulea, inferne nigra; rostro 
nigro, maxillae basi superne rubra; pedibus nigris; iride flavoaurantia. 

Fem. Viridis, abdomine rubro; uropygio et supracaudalibus 
laete caeruleis; cauda superne atro-caerulea; subalaribus viridibus; 
collo antico et pectore summo olivaceo-viridibus, plumarum margi- 
nibus rubris; rostro nigro, maxillae basi.superne rubescente. 

Long. tot. 0,375; al. 0,195; caud. 0,210; rostri 0.023; tarsi 
0,020 Mtr. 

Hab.: Fiume Fly (Neu-Guinea). 

Aprosmictus Broadbenti, 

Sharpe, Ann. Mag. Nat. Hist. Vol. 3. No. 16. April 1879. 
p- 313. 

A. similis A. calloptero Salv. et d’Alb. sed minor, oceipite 
nuchaque, ut et interscapulio summo, laete caeruleis, subcaudalibus 
caerulescenti-nigris, coccineo terminatis distinguendus. Long. t. 14, 
culm. 1,0, alae 7,6, caudae $,7, tarsi 0,7. 

Hab.: Neu-Guinea. 


Compendium der neu beschriebenen Arten und Gattungen. 313 


TRICH OGLOSSIDAB, 

Trichoglossus caeruleiceps. 2 a. * Safred 

‚Trichoglossus 7. nigrigulari Gr. lege sed minor ut capite 
omnino caeruleo distinguendus. 

Capite toto caeruleo, striis laetioribus ornato; gula nigricante; 
fascia nuchali lata flavo-viridi; dorso viridi; interscapulii plumis 
intus fascia lata obtecta rubra ornatis; pectore summo rubro- 
aurantiaco, plumis apicem versus distinete flavescentibus, margine 
strieto nigricante; abdomine medio atro-viridi et rubro-vario; late- 
ribus rubris, plumarum marginibus viridibus; abdomine imo, tibiis 
et subeaudalibus tlavo- viridibus, plumarum apieibus viridibus; alis 
superne viridibus; remigibus pogonio interno basin versus late flavis: 
subalaribus rubris; cauda superne viridi, subtus flavo- olivacea 
nitente; rectricum Jateralium pogonio interno flavo; rostro aurantio; 
pedibus nigris; iride rubra. 

Long. tot. 0,265; al. 0,135; caud. 0,105; rostr. 0,021 Mtr. 

Hab.: Fiume Fly (Neu- -Guinea). 

COLIIDAE. 

Colius leucocephalus. 

Reichenow, Ornitn. Centralbl. 1879. p. 120. 

Pileo et capitis lateribus albis; gutture, colli lateribus, cervice 
et interscapulio et tectrieibus minimis in fundo albo-cinereo tenue 
transversim fasciolatis, gula nigricante; tergo, alis caudaque cinereis; 
epigastrio vinaceo; ventre crissoque fulvis. Rostro plumbeo  pedi- 
bus roseis. Periophtalmiis nudis nigro-cinereis. 

Long. tot. 290; ala 85; cauda 210; rictus 12 Mm. 

Hab.: Kinakomba (Ostafrica). 

CUCULIDAE. 

Indicator malayanus. 

Sharpe, P. Z. S. 1878. p. 794. 
on General colour above ashy, washed with olive-yellow, dimly 
di the head and mantle, the feathers oi the back and wings more 
mstinctly edged with olive-yellow, the primaries scarcely perceptibly 
yargined; tail feathers dark brown, edged indistinctly with olive- 
iellow, all but the two centre tail feathers internally whity brown, 
tnereasing in extent towards the outermost, which is almost en- 
irely whity brown, obliquely dark brown towards the tip; sides 
of face and ear-coverts dingy ash-colour with a very faint olive 
tinge; under surface of the body pale yellowish, creamy white on 
the chin and upper throat, abdomen, thigs and under tail-coverts; 
the feathers of the breast and fore neck with mostly concealed 
gsreyish bases, imparting a somewhat mottled appearence; lower 
flanks mesially streaked with dark brown; under wing coverts 
yellowish white, as also the edge of the wing; quills dark brown 
below, whitish along the edge of the inner web. Tot. length. 5,7 
inches, culmen 0,55, wing 3,9, tail 2,45, tarsus 0,55. 

Hab.: Malacca. 


Cueulus validus. 


314 A. Reichenow und H. Schalow: 


Reichenow, Ornith. Centralbl. 1879. p. 139. 

Notaeo brunneo, nitore chalybeo; capitis et colli lateribus 
cinereis; gastraeo albo; subcaudalibus albis, fasciis transversis 
fuseis; rectrieibus fuseis, dilutius- vel albo-fasciatis; subalaribus 
isabellinis. Iride brunnea; margine oculari flavo; maxilla fusca; 
mandibula et pedibus stramineis. 

Long. 336; ala 220; cauda 200; rictus 29 Mm. 

Hab.: Muniuni (Ostafrica). 

BUCCONIDAE. 

Barbatula affinis. 

Reichenow, Ornithol. Centralbl. 1879. p. 120. 

B. uropygiali simillima sed uropygio sulphureo; abdomine al- 
bido; pectore stramineo lavato. 

Long tot. 95; ala 50; cauda 32; rietus 15 Mm. 

Hab.: Kipini (Ostafrica). 

PICIDAE. 

Öhrysophlegma mystacalis. 

Salvadori, Ann. del Mus. Civ. di St. Nat. di Genova XIV. 
1879. p. 182. 

Obseure viridi-olivacea, superne laetior; capite obscuriore, 
frontem versus rufescente lavato; mento rufescente; gula nigri- 
cante; macula utringque malari maris flavido-ochracea, faeminae 
brunneo-rufescente; crista inferiore flavissima; ventre fusco-virente, 
antice obscuriore; remigibus nigris, intus et exterius maculis rufis 
notatis, primariis ultimis exterius rufo tinctis, secundariis et ter- 
tiariis in pogonio externo dorso concoloribus; rostro albido, ad 
basin fusco; pedibus in exuvie plumbeis; iride saturate sanguinea. 


Long. tot. 0,295, al. 0,148, caud. 0,110, rostr. 0,030, tars. _ 


0,022 Mtr. 
Hab.: Monte Singalan, Sumatra. 
CAPRIMULGIDAE. 

Caprimulgus pulchellus. 

Salvadori, Ann. del. Mus. Civ. di St. Nat. di Genova XIV. 
1879. p. 195. 

Pileo et scapularibus griseis, nigro transfasciolatis, maculis 
nigris, magnis medio plumarum, notatis; collare postico obsoleto, 
rufo, nigro transfasciolato; scapularibus partim rufo-variis, non- 
nullis exterius albido-rufescente marginatis; uropygio et supra 
caudalibus nigris, rufo-variis vel transfasciolatis: gastraeo fusco-, 
rufo- et albido vario; macula media gulari transversa alba, inferius 
late nigro-marginata; gulae lateribus nigris, rufo-variis; pectore 
fasciis crebris, strictis, nigris, griseis et rufis ornato; abdomine 
faseiis latiuseulis, vel maculis rufescentibus, nonnullis pallidioribus, 
notato, remigibus primariis 2a 3a 4a et 5a macula alba medio 
notatis; cauda breviuscula nigra, maculis rufis, seriatim dispositis 
notata; rectrice extima macula alba apicali in pogonio interno, 
rectrice 2a macula alba minore. subapicali mediana, notatis; 
vibrissis, rostro et pedibus nigris. 


Compendium der neu beschriebenen Arten und Gattungen. 315 


Lg.tot. 0,210, al. 0,164, caud. 0,100, rostr. 0,628, tars. 0,013 Mtr. 

Hab.: Monte Singalan, Sumatra. 

Lyncornis mindanensis. 

Tweeddale, P. Z. S. 1878. p, 944. 

Keine Diagnose! „The three examples of the species of Lyn- 
cornis which inhabits the vicinity of Zamboanga differ from 
L. macrotis (ex Luzon) by having the crown, nape, forehead, and 
ear tufts dark greyish-brown, and not rufous, by all the browns 
of the plumage being much darker and by the wing being shorter. 

Wing 9,90 Ctm. 

Hab.: Zamboanga, island of Mindanao. 

CYPSELIDAE. 

Ohaetura picina. 

Tweeddale, P. Z. S. 1878. p. 944. pl. LIX. 

Black with a blue gloss, greenish in some lights. Chin, throat, 
and larger under wing-coverts pure white. 

Wing. 6,37, tail 1,25 Ctm. 

Hab.: Zamboanga, island of Mindanao. 

Chaetura novae guineae. 

d’Albertis e Salvadori, Ann. Mus. Civ. Genova XIV. 
10. Marzo 1879. p. 55. 

Superne nitide viridi-caeruleo; collo antico et pectore summo 
einereis; abdomine pallide griseo, plumarum laterum scapis nigri- 
cantibus; subeaudalibus et subalaribus nitide viridibus; alis dorso 
concoloribus; cauda brevissima, aequali, nitide viridi; rostro, pedibus 
et iride nigris. 

Long. tot. 0,115; al. 0,127, caud. 0,030; rostri hiat. 0,017; 
tars. 0,014 Mtr. 

Hab.: Fiume Fiy (Neu-Guinea). 

Uypselus stictilaemus. 

Reichenow, Ornith. Centralbl. 1879. p. 120. 

Nigro-fuseus; gutture albo, fusco striolato; fascia uropygiali 
et ventrali albis. 

Long. tot. 135; ala 135; cauda 50; rietus 16 Mın. 

Hab.: Ualimi (Ostafrica). 

TROCHILIDAE, 

Thaumasius Taczanowskii. 

sclater, P. Z. S. 1879. p. 146. 

Supra metallice viridis, in capite cupreo lavatus, plumis subtus 
einereis; alis fuseis, teetricibus dorso concoloribus; cauda aequali, 
supra dorso concolori, versus apicem cupreo tincta, subtus fusca, 
versus apicem cupreo-virescente; corpore subtus albo, lateraliter 
et in crisso praecipue pallido cinereo perfuso; gutture toto punctis 
minutis, cordiformibus, nitenti-viridibus obtecto; rostro forti, pau- 
lum incurvo: long. tot. 4,0, alae 2,6, caudae 1,5, rostri a rictu lin. 
dir. 0,9 Mm. 

Hab.: Guajungo, prov. Cajamarca, Peru. 


316 A. Reichenow und H. Schalow: 


Obs. Sp. Th. viridierpiti, Gould, ut videtur, affınis, rostro for- 
tiusculo, cauda aequali, et maculis gutturis minutis insignis. j 

Panychlora inexspectata. 

H. von Berlepsch, Ornith. Centralbl. 1879, p. &. u.d. 
150: 1879. p-. 209: 

Hab.: Bogota. 

AMPELIDAE. 

Pachyrhamphus intermedius. 

H. v. Berlepsch, Ornith. Centralbl. 1879. p. 63. u. J. £.O. 
1879. p. 208. 

Hab.: Venezuela. 

TYRANNIDAE. 
1 Myiarchus Sclateri. 

Lawrence. Pr. Unit. St. Nat. Mus. 1878. p. 357. 

The upper plumage is deep dark olive, the head above 
blackish-brown. Unfortunately, the only feathers left in the tail are 
the outer four on one side; the outermost two are dark brown and 
without rufous edgings on the inner webs; the other two feathers 
are brownish black, with their inner webs edged with light rufous 
for about one quarter their width; quills dark brown, their inner 
webs bordered with pale salmon-color; wing-coverts edged with 
dull white; under wing-coverts light ash, with just a tinge of yellow; 
throat and breast of a dear cinereous gray; abdomen and under 
tail-coverts dull pale yellow; sides cinereous; bill ard feet black. 
Length (fresh) 71); in, wing 3°/,, tail 3!/,, tarsus 1, middle toe and 
claw !5/, hind toe to end of claw Sf. 

Hab.: Martinique. 

—{ Taenioptera australis. 

R. A. Philippi, Archiv f. Naturg. 45. Jahrg. U. Heft 1879. 
p- 158. 

Hauptfarbe des Körpers aschgrau, auf Kehle und Brust heller’; 
: Bauch, After, Unterschwanzdecken und Flügelfleck rostroth; schmale 
Stirnbinde Zügel, Ohrgegend und Schwanz schwarz. 

Long. 260; ala 162; cauda 95; culmen 20; rietus 25; tarsus39 Mm. 

Hab.: Dinamargeure in Patagonien. 

DACNIDIDAE. 

Dicaeum albo-punctatum. 

d’Albertis eSalvadori, Ann. Mus. Civ. Genova XIV. 
10. Marzo 1879 p. 75. 

Superne nitide nigrum, chalybeo nitens; pileo, uropygio, supra- 
caudalibus et collo antico toto pulchre rubris; colli plumarum 
rubrarum basi alba; mento albido; lateribus capitis et colli fusco- 
nigris; pectore et abdomine sordide albido-virescentibus; sub- 
caudalibus pallide rubris; alis et cauda superne dorso concoloribus; 
subalaribus albis; rostro, pedibus et iride nigris. 

Long. tot. 0,080; ala 0,054; cauda 0,024; rostr. 0,008; tars. 
1,011 Mtr. 


Compendium der neu beschriebenen Arten und Gattungen. 317 


Obs. Simile .D. rubri-gulari, sed punctatis albis inter apicem 
rubrum et basin fuscam plumarum capitis et uropygii diversum. 

 Hab.: Fiume Fly (Neu-Guinea). 

Dicaeum rubrigulare. 

d’Albertis e Salvadori, Ann. Mus. Civ. Genova XIV. 
10. Marzo 1879 p. 74. 

Superne nitide nigrum, chalybeo nitens; pileo, uropygio, supra- 
caudalibus et collo antico toto pulchre rubris; colli plumarum basi 
alba; mento albido; lateribus capitis et colli fusco-olivaceis; pectore 
et abdomine sordide virescente-olivaceis; subcaudalibus pallide 
rubris; alis et cauda superne dorso concoloribus; subalaribus albis; 
rostro, pedibus et iride nigris. 

Foem. Collo antico sordide griseo-olivaceo;, colore rubro pilei 
et supracaudalium minus laeto. 

Juv. Olivaceus, subtus pallidior, supracaudalibus vix aeruginosis. 

Long. tot. circa 0,080; al. 0,054; caud. 0,024; rostr. 0,008; 
tars. 0,011 Mtr. 

Obs. Difiert a D. rubro-coronato Sharpe, collo antico omnino 
rubro. 

Hab.: Fiume Fly (Neu Guinea). 

CERTHIADAE. 

Rimator albo-striatus. 

Salvadori, Ann. del Mus. Civ. di St. Nat. di Genova, XIV. 
1879. p. 227. 

Superne fusco-brunneus, inferne pallidior; plumis dorsi, pectoris 
abdominisque medio stria alba scapali notatis; uropygio unicolore; 
gula alba, lineis duabus utrinque lateralibus, area grisea interposita 
separatis, marginata; cauda et alis fuseis; rostro fusco-corneo; 
pedibus fuseis; iride brunneo-castanea. 

Long. tot. 0,145, al. 0,067, caud: 0,033, rostr. 0,030, tars. 0,030 Mtr. 

Hab.: Monte Singalan, Sumatra. 

MELIFHAGIDAE. 

Zosterops atricapilla. 

Salvadori, Ann. del Mus. Civ. di St. Nat. di Genova, XIV. 
1619.9..210. 

Superne obscure olivaceo-viridis, supracaudalibus laetioribus; 
pileo, loris et genis antice fusco-nigris; annulo periophtalmico albo; 
collo antico viridi-flavescente, pectore et abdomine ceinereis, medio 
longitudinaliter et subcaudalibus citrino-flavis; remigibus fusecis, 
dorsi colore marginatis; subalaribus albis; cauda fusco-nigra; rostro 
fusco; pedibus plumbeis. Lg. tot. 0,110, al. 0,056, caud. 0,039, 
rostr. 0,011, tars. 0,016 Mtr. 

Hab.: Monte Singalan. Sumatra. 

LIOTHRICHIDAE. 

Liothrixz laurinae. 

Salvadori, Ann. del Mus. Civ. di St. Nat. di Genova, XIV. 
1879. p. 67. 

Fronte, gula, collo undique, supracaudalibus, subcaudalibus et 


318 A. Reichenow und H. Schalow: 


plaga magna ad basin remigum rubro- „sanguineis; pileo, loris, genis 


antice et taenia ad basin mandibulae nigerrimis; auricularibus griseo- 


argentiis; dorso et uropygio olivaceis; pectore et abdomine olivaceo- 
flavescentibus; tectribus alarum olivaceis ‚ dorso concoloribus; 
remigibus nigricantibus, apicem versus flavo-aurantio limbatis, ad 
basin rubro- -sanguineo marginatis, ultimis tertiariis fuseis, uni- 
coloribus; cauda nigra, reetrieibus duabus extimis exterius flavo 
limbatis; 'rostro flavo- aurantio; pedibus pallidis; iride brunnea. 

Long. tot. 0,195, al. 0,085, caud. 0,080, rostr. 0,015, tars. 
0,028 Mtr. 

Hab.: Monte Singalan, Sumatra. 

Heterophasia simillima. 

Salvadori, Ann. del Mus. Civ. di St. Nat. di Genova, XIV. 
1879. p. 232. 

Supra saturate einerca, subtus pallidior, abdomine et subeauda- 
libus albidis, vix rufescente tinetis; speculo alari albo; rectricum 
apieibus albo- -griseis; rostro niero; pedibus plumbeis. Lg. tot. 
0,300, al 0,125, caud. 0,180, rustr. 0.020, tars. 0,020 Mtr. 

Hab.: Monte Singalan, Sumatra. 

Stachyris bocaget. 

Salvadori, Ann. del Mus. Civ. di St. Nat. di Genova, XIV. 
1879. p. 223. 

Superne viridi-olivacea; capite flavicante, pileo, fusco striato, 
loris fuseis; corpore subtus flavo, gula laetiore, lateribus viridi- 
tinctis; alis et cauda fusco griseis, plumarum, marginibus externis 
viridi-olivaceis; rostro et pedibus fuscis; iride castanea. Lg. tot. 
0,110, al. 0,053, caud. 0,048, rostr. 0,012, tars. 0,018 Mtr. 

Hab.: Monte Singalan, Sumatra. 

Pyetorhis nasalis. 

W. V. Legge, Annals and Magazine of Natural History. Vol. 3 
No. 14, Febr. 1879. p. 169. 

The Ceylonese race of Pyctorhis sinensis has the nostril 


as black as the bill, there being no trace of the yellow colour 


round the nostril which characterizes birds from all parts of the 
Peninsula and Burmah. It is altogether a darker bird than the 
continental, the latter having the head reddish brown an the outer 
webs of tbe quills cinnamon or pale chestnutred. The insular bird 
has the primaries margined externally with reddish brown, which 
imparts a very different appcearance from that which is noticeable 
in the red closed wing of the Indian form. 

Hab.: Ceylon. 

BRACHYPODIDAE. 

Criniger strepitans. 

Reichenow, Ornith. Centralbl. 1879 p. 139. 

Notaeo olivaceo- rufescente; gula et ventre medio albis, pectore 
et hypochondriis brunnescentibus; subcaudalibus isabellinis; rectri- 
cibus rufis. Iride rufa; rostro fusco , mandibulae basi pallida; 
pedibus plumbeie. 


Compendium der neu beschriebenen Arten und Gattungen. 319 


Long. tot. 165; ala 76; cauda 85; rietus 22 Mm. Hab.: Malindi 
(Ostafrica). 

Oriniger Fischeri, 

Reichenow, Ornith. Centralbl. 1879 p. 139. 

Notaeo olivaceo-viridi; gula et ventre medio flavescente albis; 
peetore et hypochondriis olivascentibus, subcaudalibus isabellinis; 
rectrieibus rufis. Iride albida; rostro fusco; pedibus plumbeis. 

Long. tot. 190; ala 79; cauda 90; rietus 24 Mm. 

Muniuni (Ostafrica). 

CAMPEPHAGIDAE. 

Graucalus melanocephalus. 

Salvadori, Ann. del Mus. Civ. di St. Nat. di Genova 1879. 
XIV. p. 206. 

Saturate cinereus, capite et collo toto nitide nigris; remigibus 
nigris, exterius cinereo-marginatis, intus canescentibus; cauda nigra, 
reetrieibus duabus mediis et apicibus duarum extimarum cinereis; 
rostro et pedibus nigris. Long. tot. 0,260, al. 0,150, caud. 0,110, 
rostr. 0,021, tars. 0,025 Mtr. 

Hab.: Monte Singalau, Sumatra. 

Volvocivora mindanensis. 

Tweeddale, P. Z. S. 1878. p. 947. 

Adult &: Chin, cheeks, sides of head, space before the eyes, 
abroad supercilium, ear coverts, forehead, throat, and upper breast 
jet-black. Remainder of breast, crown, and whole under surface of 
body dark leaden-grey, paler near the vent and on the under tail- 
coverts. Wing-coverts, nape, and axillaries a slightly lighter shade 
of leaden-grey, palest on the uropygium and upper tail-coverts, 
which are slightly mixed with white. Quills above black, with faint 
grey margins. Sixth and remaining primaries tipped with greyish 
white. Secondaries and tertiaries leaden-grey on their outer webs. 
Part of. inner webs of quills, seen from underneath, pale grey. This 
colour commences at the base of the first primary, occupying but 
a small part of it, but is more extended on each succeeding quill, 
and reaches to the extremities of the inner quills. Rectrices jet- 
black; outer pair with a large grey terminal mark, the same colour 
being slightly indicated on the next pair. Carpal edge and wing- 
lining almost black. 

Adult 2: The same as the Z, but the grey colour öf the whole 
plumage of a paler shade, the uropygium more albescent, and near 
black about the head, throat, and breast. Carpal edge and axilla- 
ries pale grey. 

Young 2%: Like the adult, but the grey colour not so pure. 
The chin, central part of the throat, a few scattered feathers on 
the breast and flanks, the wing-lining, and axillaries finely banded 
with white. Upper tail-coverts ready pure white. Outer margins 
of some of the secondaries and carpal edge inclining to white, 


320 A. Reichenow und H. Schalow: 


wing tail tars. culmen 
dal. 462 4 0,88 0,88 
2ad. 450 4 0,88 0,88 
2 juv. 448 3,88 0,88 0,87 
Hab.: Zamboanga, island of Mindanao. 
MUSCICAPIDAE. 

Stoparola rufierissa. 

Salvadori, Ann. del. Mus. Civ. di St. Nat. di Genova XIV. 
1879. p. 202. 

Caerulea, sineipite et superciliis cobaltinis; fronte, loris, su- 
pracaudalibus et mento nigris, abdomine albido, subcaudalibus laete 
rufis; subalaribus pallide rufis; remigibus rectriecibusque nigris, 
exterius caeruleo marginatis; rectrieibus (duabus mediis exceptis) 
in basi obtecta albis; rostro et pedibus nigris. Leg. tot. 0,140, al. 
0,075, caud. 0,056, rostr. 0,008, tarsi 0,018 Mtr. 

Hab.: Monte Singalan, Sumatra. 

Trochocercus bivittatus. 

Reichenow, Ornith. Centralbl. 1879. p. 120. 

Capite cristato guttureque chalybeo nigris; dorso, rectricibus 
et remigibus, cinereis chalybeo resplendentibus; abdomine subala- 
ribus et macula magna alari (teetricibus secundarlis formata) albis; 
tectricibus primariis et minimis chalybeo nigris, nonnullis albo-api- 
catis; iride fusca; rostro plumbeo, apice nigro; pedibus plumbeis. 

2: Capite, notaeo toto et gutture cinereis, pileo chalybeo re- 
splendente, gutture albo-sticta, ala fasciis duobus angustis trans- 
versim notata; abdomine albo; macula alari nulla. 

Long. tot. 130—135; al. a. caud. 45—50; ala 66; cauda 70; 
rictus 15; tarsus 17 Mm. 

Hab.: Muniuni (Ost-Africa). 

Cochoa beccarii. 

Salvadori, Ann. del Mus. Civ. dı St. Nat. di Genova, XIV. 
1879. p. 64. 

Nigerrima; pileo caeruleo-violaceo, tectricibus alarum majoribus, 
remigibus basin versus, caudaque superne, faseia apicali et rectrice 
extima nigris exceptis, caeruleis; rostro et pedibus nigris; iride 
brunnea; palpebris carneis. Lg. tot. 0,280; al. 0,140, caud. 0,115, 
rostr. 0,020, tarsi 0,031 Mtr. 

Hab.: Monte Singalan, Sumatra. 

Rhipidura atrata. 

Salvadori, Ann. del Mus. Civ. di St. Nat. di Genova, XIV. 
1879. p. 203. 

Nigro-ardesiaca, fere unicolor, fascia superciliari et gula albis; 
remigibus fuscis; cauda nigra, rectricum lateralium quatuor api- 
cibus late albido-ochraceis; subalaribus nigris, ad apicem albis; 
rostro et pedibus nigris. Lg. tot. 0,190, al. 0,078, caud. 0,110, 
rostr. 0,011, tars. 0,019 Mtr. 

Hab.: Monte Singalan, Sumatra. 

Niltava sumatrana. 


Compendium der neu beschriebenen Arten und Gattungen. 321 


Salvadori, Ann. del Mus. Civ. di St. Nat. di Genova, XIV 
1879. p. 201. 

Superne saturate caerulea, fronte, superciliis et uropygio lae- 
tioribus; lateribus capitis nieris, gula saturate caerulea, inferne 
collare stricto caeruleo laetiore marginata; gastraeo reliquo laete 
rufo; alis et cauda dorso concoloribus, hac laetiore; rostro nigro; 
pedibus fuscis. 

Fem. Superne brunneo-olivacea, pileo et cervice grisescentibus, 
supracaudalibus et cauda brunneis; alis fuscis, plumarum margi- 
nibus externis brunneis; gula brunneo-olivacea, collo antico inferne 
macula alba caelata notato; pectore et lateribus cinereis; abdomine 
medio albo; subcaudalibus rufis. Lg. tot. 0,155, al. 0,084, cauda 
0,070, rostr. 0,010, tars. 0,019 Mtr. Hab.: Monte Singalan, Sumatra. 

Pericrocotus montanus. 

Salvadori, Ann. del Mus. Civ. di St. Nat. di Genova, XIV. 
1879. p. 205. 

Fem. Pileo toto, cervice et dorso ardesiacis, pallum nitentibus; 
lateribus capitis einereis; mento albido; gula flavo-tincta; gastraeo 
reliquo, dorso imo, uropygio et supracaudalibus pulchre Havis: alis 
nigris; area flava 'obliqua ornatis; remigibus primis 4 externis in 
pogonio externo immaculatis; cauda nigra, reetrieibus duabus me- 
diis unicoloribus, quinque externis apice late flavis; rostro nigro, 
pedibus fuscis. Lg. tot. 0,165, al. 0,085, caud. 0,086, rostr. 0,010, 
tars. 0,016 Mtr. 

Hab.: Monte Singalan, Sumatra. 

Hemipus intermedius. 

Salvadori, Ann. del Mus. Civ. di St. Nat. XIV. 1879. p. 209. 

Superne nitide niger; fascia uropygiali obtecta alba; supra- 
caudalibus albis; alis nigris, tectricibus alarum mediis, et mareine 
externo remieum secundariarum albis; corpore subtus albo, collo 
antico et pectore sordide griseis; cauda nigra; rectricibus quatuor 
lateralibus ad apicem albis, extima etiam magna ex parte pogonii 
externi alba; rostro et pedibus nigris. Lg. tot. 0,132, al. 0,065, 
caud. 0,058, "rostr. 0,012, tars. 0,041 Mtr. 

 Hab.: Monte Singalan, 

Arrenga melanur a. 

Salvadori, Ann. del Mus. Civ. di St. Nat. di Genova, XIV. 
18927. 221. 

- Nigra, fronte, superciliis et tectricibus alarum minoribus laete 
eyaneis; dorso, collo et pectore maculis cyaneis notatis; pileo, 
uropygio, supracaudalibus, abdomine, remigibus, rectr icibusque 
nigerrimis; rostro et pedibus nigris; iride saturate brunnea. Lg. 
tot. 0,230, al. 0,130, caud. 0,091, rostr. 0,018, tars. 0,041 Mtr. 

Hab; Monte Singalan, Sumatra. 

LANIDAE. 

Hyloterpe brunneicauda. 

Salvadori, Ann, del Mus. Civ. di St. Nat. di Genova. XIV, 
1879. p. 210. 


Cab. Joutn. f. Ornith. XXVII, Jahrg. No. 147. Juli 1879, 21 


322 A. Reichenow und H. Schalow: 


Superne brunneo-olivacea, capite cinerascente; cauda brunnea; 
subtus albida, collo antico et pectore grisescentibus ; alis fuseis, 
dorsi colore marginalis; rostro fusco; pedibus griseis. Lg. tot. 
0,130, al. 0,072, caud. 0,060, rostr. 0,012, tars. 0,021 Mtr. 

Hab.: Ajer manteior, Sumatra. 

Pinarolestes Powelli. 

Salvin, P. Z.S. 1879. p. 128. 

Saturate brunneus, alis et cauda nigricantioribus; abdomine 
rufescenti-brunneo; rectricibus tribus utrinque extimis albo termi- 
natis; rostro et pedibus plumbeo-corneis. Long. tot. 7,0, alae 3,1, 
caud. 3,2, tarsi 0,9, rostri a rietu 1,1 Mtr. 

Obs. "Sp. S. vitiensi affınis, sed major, alis et cauda saturatius 
brunneis. 

Hab.: Tutuila, Samoan Islands. 

Dryoscopus nigerrimus. 

Reichenow, Ornith. Centralbl. 1879. p. 120. 

Dr. funebri simillimus sed uropygii plumis totis nigris nee 
albo-variegatis. Iride rufa. 

Long. tot. 200; ala 86; cauda 90; ricetus 25 Mm. 

Hab.: Kipini (Ostafrica). 

Rectes brunneiceps. 

d’Albertis e Salvadori, Ann. Mus. Civ. Genova XIV. 10 
Marzo 1879. p. 70. 

Collo postico, dorso et scapularibus rufo-cinnamomeis; uropygio 
et supracaudalibus brunneis; capite et collo antico griseo-brunneis; 
pectore, abdomine, subalaribus et subcaudalibus rufo-fulvescentibus; 
alis fuscis, plumis exterius brunneo-olivaceis; cauda rufo-brunnea; 
rostro nigro; pedibus obscure plumbeis; iride rubro-sanguinea. 

Juv. Avi adultae similis, sed collo antico rufo, gastraeo conco- 
lori, vix infuscato. 

Long. tot. 0,265; ala 0,125; caud. 0,105; rostro 0,028; tars. 
0,033 Mtr. 

Hab.: Fiume Fly (Neu Guinea), 

Poecilodryas flavicincta. 

Sharpe, Ann. Mag. Nat. Hist. Vol. 3 No. 16. April 1879. 
. 313. 

5 P. supra flavicanti-viridis: tectrieibus alarum remigibusque 
fuscescenti-nigris, viridi dorsi colore marginatis: rectricibus fus- 
cescenti-brunneis, extus viridi limbatis et vix albido terminatis; 
pileo nuchaque saturate einereis: mento, genis anticis et regione 
parotica pileo concoloribus, hac paullo nigricante: genis posticis, 
gula ima et jugulo laete flavis, ut et colli lateribus, fasciam latam 
transversalem jugularem exhibentibus: praepectore et pectore 
summo flavicanti-viridibus: corpore reliquo subtus laetissime flavo: 
subalaribus axillaribusque albidis laete tlavo-lavatis. Long. tot. 5,3, 
culm. 0,7, alae 3,65, caudae 2,3, tarsi 0,9 Mtr. 

Of the same group as P. capito and P. leucops, but quite 
different in its coloration. 


Compendium der neu beschriebenen Arten und Gattungen. 323 


Hab.: Neu Guinea. 

Pachycephala neglecta. 

B.L. Layard, P. Z.S. 1879. p. 147. 

2. above, back obscure darkish green, with a small patch of 
yellow on the immediate rump; head shining jet-black, all but the 
throat and chin, and a very small spot (not always present) between 
the eye and the nostril, which is of the light brilliant yellow of 
the whole of the underparts. In some specimens, a few straggling 
black feathers on the lower part of the throat, encroaching on each 
side of the chest, seem to point to the formation of a narrow 
black collar across the chest, such as is found in my P. intermedia. 
Wing primaries edged more or less broadly with greenish grey (tail- 
feathers tipped with the same); secondaries broadly edged and tipped 
with pale yellow. The yellow of the underparts is a little darker than in 
P. flavifrons, agreeing as far as my memory serves, with P. intermedia, 
of which Iunfortunately havenot retained a specimen, but is far less deep 
(orange-tinted) than is P. graeffü or P. torquata, Layard. Length 
er wine 52,94, tail 2",10, tarsus' 13% bill. (to gape) 124. 
Bill black; legs bluish; iris black brown. 

Hab.: Ovalau, Fijis. 

Turdinus rufipectus. 

‘= Salvadori, Ann. del Mus. di St. Nat. di Genova, XIV. 
1879. p. 224. 

Brunneus; superne plumarum marginibus; gula alba; pectore 
rufo; abdomine grisescente; alis fusco brunneis; cauda et subcauda- 
libus saturate brunneis; rostro et pedibus fuscis; iride brunneo- 
castanea. Lg. tot. 0,195, al. 0,095, caud. 0,070, rostr. 0,025, tars. 
0,035 Mtr. 

Hab.: Monte Singalan, Sumatra. 

Pteruthius cameranoi. 

Salvadori, Ann. del Mus. Civ. di St. Nat. di Genova, XIV. 
1919. D. 232. 

Pileo, lateribus capitis, alis et cauda nigris; fascia utrinque 
supereiliari, ad occipitis latera dueta, alba; dorso, uropygio et supra- 
caudalibus cinereis; "is nigro-marginatis; collo antico et pectore 
pallide cinereis; abdomine et subcaudalibus albis; remigibus tribus 
ultimis flavo-ochraceis, intus castaneis, nigro-marginatis; remigibus 
primariis, 1a et 2a excepta, ad apicem albis; rostro fusco; pedibus 
pallidis. Fem. Superne sordide griseo-olivascens, subtus albido 
ochracea, gula albicantiore; alis nigris, plumarum marginibus 
extemis flavo-olivaceis; cauda flavo-olivacea, rectrieibus apicem 
versus nigris, tribus extimis macula apicali albo-favida notatis. 
Lg. tot. 0,140, al. 0,075, caud. 0,046, rostr, 0,013, tars. 0,023 Mtr. 

Hab.: Monte Singalan, Sumatra. 

STURNIDAE. 

ÖCosmopsarus. 

Reichenow, Ornith. Centralbl. 1879. p. 120. 

Genus novum. Lamprothornitum. 

22* 


324 A. Reichenow und H. Schalow: 


Rostrum gracile, elongatum (capite longius), compressum, cul- 
mine subarcuato ; naribus apertis. 

Alae caudae basin longe superantes, remigibus 3—5 subae- 
qualibus longissimis, 2. parum breviore; pogoniis externis remigum 
3—6 parte apicale perspicue angustatis. 

Cauda elongata, alis longior, valde gradata, rectrieibus longio- 
ribus apice angustatis. 

Pedes robusti, 5—6 scutis tarsalibus, digito interno externoque 
subaequalibus. 

Typus: ©. regius. 

Cosmopsarus regius. 

Reichenow, Ornith. Centralbl. 1879. p. 120. 

Capite toto splendide aeneo-viridis, regione parotica coerulea; 
dorso et alis splendide violascente coeruleis; abdomine et subalaribus 
aurantiacis, sericeo-micantibus; pectore nitide violaceo; remigibus 
nigris, purpurascentibus; rectrieibus nigris superne aurichalceo 
resplendentibus, exterioribus purpurascentibus, medis sub certa 
luce transversim faseiolatis; iride alba; rostro pedibusque nigris. 
Long. tot. 350 Mm.; apices alarum caudaeque 160 Mm. remotae; 
rictus 26; ala 130; cauda 210; tarsus 30 Mm. 

Hab.: Massa (Ostafrica). 

Speculipastor. 

Reichenow, Ornith. Centralbl. 1879. p. 120. 

Genus novum Sturnidarum. 

Rostrum mediocre, capite brevius, compressum, culmine arcuato; 
naribus apertis. 

Alae caudae basin longe superantes, remigibus 2—4 subae- 
qualibus longissimis, 5 parum breviore; pogoniis externis remigum 
3—6 parte apicale perspicue angustatis. 

Cauda medioeris rotundata, alis brevior; rectricibus apice latis. 

Pedes robusti, 5 scutis tarsalibus, digito interno externoque 
subaequalibus. 

Typus: Speculipastor bicolor. 

Speculipastor bicolor. 

Reichenow, Ornith. Centralbl. 1879. p. 120. 

Coracinus; abdomine, subalaribus et remigum primorum par- 
tibus basalibus albis; iride aurantiaca; pedibus et rostro nigris. 

Long. tot. 204; ala 115; cauda 85; rietus 21; tarsus 26 Mm. 

2: Capite toto cinereo, dorso et alis cinerascente fuseis, cora- 
cino imbutis; torque pectorali coracino; loris nigris; abdomine, 
subalaribus et remigum primorum partibus basalibus, ut in mare, 
albis; iride aurantiaca; pedibus et rostro nigris. 

Long. tot. 180; al. a. cauda 4; ala 105; cauda 75; rietus 21; 
tarsus 26 Mm. 

Hab.: Kipini (Ostafrica). 

Acridotheres melanosternus. 

W. V. Legge, Annals and Magazine of Natural History. 
Vol. 3 No. 14, Februar 1879. p. 168. 


ERRERE 


Compendium der neu beschriebenen Arten und Gattungen. 325 


Darker than Acridotheres tristis, both as regards the coloration 
of the upper surface and of the flanks. The black of the throat 
descends down the centre ofthe breast and passes round above the 
white abdomen, forming a sort of border to this region. In the 
Indian race this part is somewhat lighter than the surrounding 
plumage, instead of being darker. 

The nearest approach to the coloration of the Ceylonese bird 
is found, as one would naturally expect, in those from Travancore, 
which have the black of the throat descending a little more upon 
the breast than in northern specimens, and have the inner webs 
of the feathers, exactly down the centre of the breast, blackish 
brown; but this is all, and this trifling amount of nigrescent mar- 
king does not continue down to the white of the abdomen. 


Hab.: Ceylon. 

: PARADISEIDAE. 

Chlamydodera orientalis. 

J. Gould, Ann. Mag. Nat. Hist. No. 19. 1879. p. 74. 

In size it is about the same as C. nuchalis, whose habitation 
is on the opposite part of the continent. The great peeuliarity in 
the species is the barring of the upper plumage almost approaching 
to that of Ch. maculata and guttata. It is less silky in its plu- 
mage than the western species, particularly the head, cheeks, throat 
and under surface. 

Paradisea novae guineae. 

d’Albertis e Salvadori, Ann. Mus. Civ. Genova, XIV. 
10. Marzo 1879. p. 147. 

Paradisea ?. apodae (Lin.) aruensi simillima, sed valde minor; 
mas colore castaneo laetiore et magis vinaceo; pectore atro-brunneo 
saturatiore; tectricibus alarum mediis et majoribus saepe, plus 
minusve, sed semper obsolete, auratis. 

Hab.: Fiume Fly (Neu-Guinea). 

ICTERIDAE, 

Quiscalus guadeloupensis. 

Lawrence, Pr. Unit. St. Nat. Museum. 1878. p. 457. 

Male: The general plumage is of a deep purplish-violet; the 
wing-coverts have a decided green lustre; tail black, glossed with 
green; quills black, with a greenish tinge; bill and feet black. 

Length (fresh) 10%/,; wing 5; tail 4; tars. 1°/,, inch. 

Female: The crown is ashy brown; hind neck and upper 
part of back olivaceous brown; lower part of back and upper tail 
coverts blackish-brown; wings and tail black, the latter slightly 
glossed with green; throat ashy white, a narrow dusky line extends 
down on each side of it from the under mandible; lower part of 
neck and breast dark ash tinged with fulvous; lower part of ab- 
domen sides, and under tail-coverts smoky-brown; bill and feet 
black. Length (fresh) 9Y,; wing 4?/,; tail 3'/, inch. 

Hab.: Guadeloupe. 


326 A. Reichenow und H. Schalow: 


PLOCEIDAE. 

Pitylia caniceps. 

Reichenow, Ornith. Centralbl. 1879. p. 139. 

Capite cinereo, genis gulaque albo-, nigroque tenue fasciolatis; 
dorso et abdomine einnamomeis, hoc pallidiore; tergo, uropygio et 
subcaudalibus albis; alarum teetrieibus brunneis; remigibus et 
rectricibus nigris. Iride brunnea; maxilla schistacea, mandibula 
dilutiore; pedibus fuscis. 

Long. tot. 110; ala 55; cauda 45; rictus 8 Mm. 

Hab.: Mussa (Ostafrica). 

Uraeginthus ianthinogaster. 

Reichenow, Ornith. Centralbl. 1879. p. 120. 

Capite toto rufo; regione ophthalmica que genis et uropygio 
violascente caeruleis; dorso alisque brunneis: abdomine violascente- 
coeruleo, rufo variegato; rectricibus nigris. Rostro corallino; iride 
rubra; pedibus nigrescentibus. 

Long. tot. 120; ala 53; cauda 62; rictus 10 Mm. 

Hab.: Massa (Ostafrica). 

2: Capite et pectore dilute rufo, hoc albo variegato; striis 
duobus supra et infra oculum albis; dorso alisque pallide brunneis; 
uropygio-violascente-coeruleo; abdomine albido; rectricibus, rostro 
pedibus et iride ut in mare tinctis, 

Long. tot. 110; ala 52; cauda 60; rietus 9 Mm. 

Vidua splendens. 

Reiehenow, Ornith. Centralbl. 1879. p. 180. 

Nigro-caeruleus, nitore chalybeo; remigibus et rectricibus 
fuscis, albido-marginatis; subalaribus albis; rectricibus mediis valde 
elongatis nigris. Rostro dilute carneo; pedibus et iride brunne- 
scentibus. 

Long. tot. ad rectricum minorum apices 250; ala 60; cauda 42; 
rectr. med. 200; rietus 10 Mm. 

Hab.: Kibaradja (Ostafrica). 

(Nur durch die verlängerten Schwanzfedern von Hypöchera 
ultramarina unterschieden.) 

Neochmia phaeton evangelinae! 

d’Albertis e Salvadori, Ann. Mus. Civ. Genova XIV. 
10. Marzo 1879. p. 89. 

Rubro-punicea; fronte e lateribus capitis laetioribus; pileo et 
collo postico griseo-terricoloribus; dorso, tectricibus alarum et remi- 
gibus tertiariis, dorso proximis, sordide rubris; dorsi plumarum 
marginibus grisescentibus; uropygio griseo, terricolore, vix puniceo 
tineto; supracaudalibus laete rubro-puniceis; gula, pectore et late- 
ribus rubro-puniceis, his albo-punetulatis; abdomine medio albido 
et plus minusve infuscato, vix rubro-tineto; subcaudalibus et tibiis 
fusco-griseis, rubro-tinetis; remigibus fuscis, primariis exterius oli- 
vaceo-limbatis; subalaribus albido-griseis; ceauda rubra; rostro 
rubro; pedibus albidis; iride pallide castanea. 


Compendium der neu beschriebenen Arten und Gattungen. 327 


Long. tot. 0,120; al. 0,050—0,048;, caud. 0,060; rostri 0,010; 
tarsi 0,016 Mtr. 

Hab.: Fiume Fly (Neu-Guinea). 

Munia leucosticta. 

d’Albertis e Salvadori, Ann. Mus. Civ. Genova XIV. 
10. Marzo 1879. p. 88. 

Brunnea;; capite fusco, lineis scapalibus albis notatis; dorso et 
teetrieibus alarum brunneis, albo-punetulatis; uropygio flavo- mellino; 
supracaudalibus nigris; gastraeo rufo- brunneo, gulam versus sensim 
albido; pectore albo squamato; subeaudalibus nigricantibus; remi- 
gibus fuseis; subalaribus albidis, gula concoloribus; cauda- nigra; 
rostro griseo margaritaceo; pedibus einereis; iride nigra. 

Long. tot. eirca 0, 100; al. 0,50; caud. 0,036; rostri 0,011; 
tarsi 0,013 Mtr. 

Hab.: Fiume Fly (Neu-Guinea). 

FRINGILLIDAE. 

=Loxia atrata. } 

Ev. Homeyer. J.f. O. 1879. p. 179. 

Hab.: Nord-America, 

— + Linaria brunnescens. 
E. v. Homeyer, J. f. O. 1879. p. 184. 
Hab.: Lappland, Grönland, Schweden. 
SYLVICOLIDAE. 
—Callithraupis cyanictera. 

H. v. Berlepsch, Ornith. Centralbl. 1879. p. 63 u. J. £. 0. 
1879. p. 206. 

Hab.: Cayenne. 

—+ Bastleuterus Cabanisi. 

H. v. Berlepsch, Ornith. Centralbl. 1879. p. 63 u. J. £f. O. 
1879. p. 207. 

Hab.: Venezuela. 

SYLVIADAE. 

Sylvia Blanfordi. 

Seebohm, P. Z. S. 1878. p. 979. 

The general colour of the upper parts is brown, the inner- 
most secondaries, the quills, and the wing-coverts being narrowly 
margined with brownish white. The cheeks, head, and nape are 
brownish black. The tail is very dark brown, the outside tail- 
feathers (which are much abraded) showing traces of having been 
tipped with white. The general colour of the underparts is white, 
shading into brown on the sides of the breast, flanks, axillaries, 
and under tail-coverts. The bastard primary is between the eighth 
and ninth in length. The bird is moulting some of the primaries 
between third and the eighth. Both mandibles of the bill are 
dark, and the tarsus and feet are dark slate-grey. The wing mea- 
sures 2,52, and the tail 2,62. The culmen, which is slightly injured, 
measures about 0,51 when perfect. 

Hab.: Rairo, Abyssinia (Brit. Mus.). 


328 A. Reichenow und/H. Schalow: 


Aödon psammochroa. 

Reichenow, Ornith. Centralbl. 1879. p. 139. 

Notaeo pallide einereo-brunneo; gula et ventre medio albis; 
pectore, hypochondriis et subalaribus pallide-einereo-isabellinis; 
stria oculari et macula parva mystacali fuseis; stria superciliari 
alteraque suboculari albis; remigibus rufis, faseia ante apicem album 
fusca. Iride fusca; maxilla fusca, mandibula pallida; pedibus 
brunneis. 

Long. tot. 145; ala 80; cauda 60; rietus 19 Mmtr. 

Hab.: Massa (Ostafrica). 

Thamnobia quadrivirgata. 

Reichenow, Ornith. Centralbl.: 1879. p. 170. 

Superne brunnea, uropygio rufo; gastraeo albo, fascia pecto- 
rali et hypochondriis isabellinis; vitta supereiliari alba; stria pileum 
lateraliter eingente, altera per oculum ducta, tertia brevi subocu- 
lari, quarta longissima mystacali nigris; remigibus nigris albo- 
marginatis, basi albis (quo speculum alare formatum est); teetri- 
eibus minimis et ala spuria nigro et albo variis; reetrieibus nigris, 
apieibus plus minusve late albis. Iride brunnea; rostro nigro; 
pedibus pallidis. 

Long. tot. 150—155; ala 77; cauda 73; rietus 19 Mmtr. 

Hab.: Kipini (Ostafriea). 

Brachypteryx flaviventris. 

Salvadori, Ann. del Mus. Civ. di St. Nat. di Genova XIV. 
1879. p. 226. 

Supra brunnea; subtus flavescens, abdomine laetiore, lateribus 
et tibiis brunneis; faseia supereiliari obsoleta flavescente; loris 
fuscis; rostro et pedibus fuseis. Long. tot. 0,118, al. 0,050, caud. 
0,050, rostr. 0,010, tars. 0,025 Mtr. 

Hab.: Monte Singalan, Sumatra. 

Brachypteryz saturata. 

Salvadori, Ann. del Mus. Civ. di St. Nat. di Genova. XIV. 
1879. p. 225. 

Nigro-eaeruleseens, abdomine imo grisescente; macula supra- 
oculari obtecta alba; remigibus rectrieibusque nigris; rostro et pe- 
dibus nigerrimis. Long. tot. 0,150, al. 0,068, caud. 0,055, rostr. 
0,013, tarsi 0,033 Mtr. 

Hab.: Monte Singalan, Sumatra. 

Sylviella leucopsis. 

Reichenow, Ornith. Centralbl. 1879. p. 120. 

Notaeo einereo, alis brunnescentibus; gastraeo isabellino; stria 
supereiliari, genis, mento et abdomine medio albis; stria per oculum 
dueta brunnea. Rostro brunnescente; iride et pedibus fulvis. 

Long. tot. 80; ala 38; cauda 20; tars. 17; riet. 13 Mmtr. 

Hab.: Kibaradja (Ostafrica). 

(Die weissen Kopfseiten und der dunkle Augenstrich über der 
weissen Supereiliarlinie unterscheiden diese, auch etwas kleinere 
Art von der verwandten S. microura.) 


Compendium der neu beschriebenen Arten und Gattungen. 329 


Apalis chariessa. 

Reichenow, Ornith. Centralbl. 1879. p. 120. 

Notaeo toto et scuto jugulari nigris; mento, tibiis, subeauda- 
libus, subalaribus et fascia alari, remigum secundorum marginibus 
formata, niveis; abdomine eitrino, torque pectorali einnamomeo; 
rectrieibus nigris, mediis duobus exceptis apice albis. Rostro nigro, 
iride et pedibus fulvis. 

Long. tot. 110—125; ala 47; cauda 65; tars. 16; riet. 13 Mmtr. 

Hab.: Mitole (Ostafrica). 

Prinia hypoxantha. 

Salvadori, Ann. del Mus. Civ. di St. Nat. di Genova. XIV. 
1519..9., 232. 

Superne olivaceo-rufescens, loris plumis palpebralibus et corpore 
subtus flavidis, pectoris lateribus olivascentibus; remigibus fusco- 
griseis, exterius subtiliter rufescente-olivaceo limbatis, intus rufo- 
marginatis; cauda olivascente, rectrieibus decem, apicem versus 
nigricantibus, rectrieum apieibus flavidis; rostro fusco; mandibulae 
basi et pedibus pallidis. Long. tot. 0,125; al. 0,047; caud. 0,054 
rostr. 0,012; tarsi 0,022 Mtr. 

Hab.: Sungei Bulu, Sumatra. 

Poodytes albo-limbatus. 

d’Albertis e Salvadori, Ann. Mus. Civ. Genova. XIV. 
10. Marzo 1879. p. 87. 

Pileo, uropygio et supracaudalibus rufo-cinnamomeis, immacu- 
latis; dorsi plumis et tectrieibus alarum nigris, late rufo-fulve- 
scente marginatis; loris et fascia supereciliari albidis; lateribus ca- 
pitis albido-rufescentibus; corpore subtus albo, pectore vix fulve- 
scente tinceto; lateribus et subeaudalibus rufeseentibus, his pallidio- 
ribus; remigibus fusco-nigris, primariis exterius, basin versus rufo- 
marginatis, tertiariis undique conspicue albido-marginatis; rectri- 
cibus fuscis, ad marginem rufescentibus; maxilla fusca, mandibula 
albida; pedibus carneo-brunneis, iride castanea. Long. tot. 0,135; 
al. 0,058; caud. 0,058; rostr. 0,015; tars. 0,022 Mtr. 

Hab.: Fiume Fly (Neu-Guinea). 

RHACNEMIDIDAE. 

Myiophonus dierorhynchus. 

Salvadori, Ann. del Mus. Civ. di St. Nat. di Genova. XIV. 
1879.. p. 227. 

Myiophonus M. flavirostri (Horsf.) javensi simillimus, 
sed maxilla, magna ex parte, marginibus flavis exceptis, nigra, di- 
versus. 

Hab.: Ajer manteior, Sumatra. 

(Fortsetzung folgt.) 


330 Dr. C. Finsch: 


Ueber Domicella Kuhli. 
Von Dr. O0. Finsch. 


Stiller Ocean 2. August 1879, ec. 300 Seemeilen S. W. von Honolulu, an Bord 
der Bark „Hawaii“, 


Wie uns die „Novara“ zuerst mit der eigentlichen Heimath 
von Trichoglossus rubiginosus bekannt machte, obwohl dieselbe 
auf dem Originaletiquett bereits richtig als Ponape angegeben 
war, so gab neuerdings erst Steers die Bestätigung der Localitäts- 
angabe bei Bourjot für diesen reizenden Papagei: die Fanning-Insel! 

Diese kleine nur 9°/, engl. Meilen lange Insel liegt unter 
3° 51° 26° N. Br. und 159° 22 W., in gerader Linie etwas mehr 
als 900 Seemeilen südlich von Oahu, und ist das nächste Land in 
dieser Richtung im Süden der Hawaischen Inseln. Fanning-Insel, 
1798 von dem amerikanischen Captain Edmund Fanning (Schiff 
Betoy) entdeckt, ist eine Coralleninsel mit Lagune, auf der Cocos- 
palmen und die gewöhnlichen Pflanzen der niedrigen Coralleninseln 
vorkommen. Doch liefert sie auch Guano, der abgebaut und ver- 
schifft wird. — Im Hinblick auf die so sehr isolirte Lage ist das 
Vorkommen einer Papageienart hier jedenfalls ganz besonders 
merkwürdig; wie wir durch Steers erfahren, ist die Art indess nicht 
auf Fanning-Insel beschränkt, sondern findet sich auch auf der 
70 Seemeilen nördlicher gelegenen nur 31/; (engl.) Meilen grossen 
Washington-Insel. Möglicher Weise ist der Vogel hier erst ein- 
geführt worden, wie auf Penrhyn (Tongareva), wohin er seit c. 
6. Jahren durch die Eingebornen der letzteren Insel gelangte, 
welche Fanning öfters besuchen, um Cocosöl zu machen. So theilt 
mir, als völlig glaubwürdig, Herr Holland, der zweite Maat unseres 
Schiffes, mit, der mit diesen Regionen ganz besonders vertraut ist. — 
Nach dem, was Steers aus Fanning’s „voyages‘“ mittheilt, kann kein 
Zweifel sein, dass dieser Seefahrer die Papageien vorfand, als er 
zuerst die Insel betrat. 

Sie leben hier auf Cocospalmen und werden von den Einge- 
bornen (einigen Weissen, Kanakas und Eingebornen der Humphry- 
Inseln) gefangen. Herr Steers sagt: „Wenn die Insulaner Papa- 
geien zu fangen wünschen, so bedienen sie sich zweier Bambus- 
stäbe von je einem Yard Länge. An das Ende des einen Stabes 
wird ein zahmer Papagei gesetzt, die Spitze des anderen Stabes 
ist mit einer Schlinge aus Cocosnussfaser versehen. Auf das 
Geschrei des Lockvogels fliegen die Wildlinge herbei, setzen sich 
auf den Bambusstab und werden nun geschickt mit der Schlinge 
gefangen.“ 

Als ich während meines Aufenthaltes in Honolulu von der 
Ankunft eines Schiffes von Fanning-Insel hörte, begab ich mich 
sogleich an Bord und erfuhr zu meiner Freude, dass einer der 
Eingebornen ein Pärchen dieses reizenden Papageis mitgebracht 
hatte. Glücklicher Weise gelang es mir, den Mann aufzutreiben, 
und so kamen die Vögel in meinen Besitz. Doch hatte ich mich ihrer 


Bericht über die April-Sitzung. 331 


nicht lange lebend zu erfreuen: schon am 3. Tage waren beide todt. 
Meine Erfahrungen waren also ganz dieselben als Steers’ ; doch zweifle 
ich demohnerachtet nicht, dass sie sich lebend erhalten lassen. 
Die Fanningleute sagten mir, es sei sehr leicht, die Vögel lebend 
zu erhalten, und zwar mit Cocosnuss und Zuckerrohr. Der frühere 
Besitzer der Vögel hatte sie mit aufgeweichtem Biseuit (Schiffsbrot) 
gefüttert und behauptete, sie damit lange Zeit halten zu können. 
Doch waren ihm auf der Reise von 7 Stück 4 gestorben. 

Diese Papageien waren das Reizendste, was man sehen konnte, 
und verdienen, wie Steers bemerkt, mit vollem Recht den Namen 
„Love-Birds“. Sie sassen stets dicht beieinander, schnäbelten sich 
und putzten sich gegenseitig die langen Federn auf Kopf und 
Nacken. Sie schienen sehr zahm, konnten es aber nicht ertragen, 
als ich das Bauer, um es zu reinigen, öffnete. Sie erschraken 
davon so heftig, dass sie in Krämpfe fielen, die den Einen in 
kurzer Zeit, den Anderen am nächsten Morgen tödteten. 

Ich gebe die Beschreibung nach den Exemplaren im Fleisch: 

Männchen. Oberseite des Kopfes prachtvoll grasgrün; die 
Federn des Hinterkopfes schmal und etwas verlängert; von gleicher 
_ Beschaffenheit sind die tiefblauen Federn des Nackens; übrige 
Oberseite schön dunkelgrasgrün; Bürzel und obere Schwanzdecken 
ölgelb (d. h. mit einem schwachen Scheine in’s Grüngelbe); hintere 
Scherkelseiten rein und lebhaft citrongelb; Zügel, Kopf- und Hals- 
seiten und ganze Unterseite tiefscharlachroth, die Basis der Federn 
schiefergrau; auf dem Bauche sehr schmale undeutliche violette 
Endsäume der Federn, wodurch undeutliche Wellenlinien entstehen. 
Aftermitte und vordere Schenkelseiten tief violett, Tibia fast schwarz; 
untere Schwanzdecken grünlichgelb, die längsten roth gespitzt; 
untere Flügeldecken und Achseln grün, wie Rücken, Schwingen 
innen schwarz, aussen dunkelgrün gerandet, die ersten 3 an Basis- 
hälfte, wie der Afterflügel mit sehr schmalem dunkelblauen Aussen- 
saume; Schwanzfedern aussen tiefviolett in’s Schwarze, innen 
scharlachroth mit schwarzem Enddrittel und grünem Spitzenfleck; 
mittelste 2 Schwanzfedern einfarbig schwarz. Schnabel horn- 
schwärzlich an Basis in’s Röthlichbräunliche; Beine bräunlich; 
Iris hellbraun mit innerem gelben Ringe, zunächst der Pupille. — 
Weibchen gleichgefärbt: Schnabel heller. 

Die Zunge ist weit vorstreckbar und trägt an der Spitze ein 
schwärzliches horniges Knöpfehen, welches cylinderartig ein Büschel 
heller Fasern umschliesst, zeigt also ganz die eigenthümliche Be- 
schaffenheit der echten Trichoglossen. 


Allgmeine deutsche menithulogieche Gesellschaft zu Berlin. 
Bericht über die April-Sitzung. 
Verhandelt Berlin, Montag den 7. April 1879, Abends 
72, Uhr, im Sitzungslocale. 
Anwesend die Herren: d’Alton, Mützel, Brehm, Bolle, 
Cabanis, Hausmann, Reichenow, Schalow, Böhm, 
Thiele, Grunack und Lestow. 


332 Allgem. deutsche ornithologische Gesellschaft zu Berlin. 


Von auswärtigen Mitgliedern: Herr Prem.-Lieutenant Krüger- 
Velthusen (Spandau). 

Als Gäste die Herren: Dr. Taschenberg (Halle a. S.), 
Schmidt, Lindemann, Schmelzpfennig (Berlin). 

Vorsitzender: Herr Bolle, Schriftführer: Herr Schalow. 

Der Bericht über die März-Sitzung wird verlesen und in der 
vorliegenden Fassung angenommen. 

Der Vorsitzende widmet dem am 17. d. vergangenen 
Monats in Dresden verstorbenen Geheimen Hofrath Prof. Dr. 
Ludw. Reichenbach in warmen, tief empfundenen Worten einen 
ehrenden Nachruf. In allgemeinen Zügen entrollt er ein Bild des 
Lebens des Dahingeschiedenen und weist auf die hohe Bedeutung 
hin, die der Verstorbene sich durch seine Arbeiten in verschiedenen 
Fächern der Wissenschaft erworben. Seine Verdienste um die 
Ornithologie sind so allgemein anerkannt, dass sie nicht in einem 
Nachruf eine gewisse officielle Bestätigung nöthig haben. n 

Die Mitglieder ehren das Andenken LudwigReichenbach’s 
durch Erheben von den Sitzen. 

Ein kurzer Nekrolog findet sich im Ornithologischen Central- 
blatte, Seite 56. 

Herr Reichenow legt die neu eingegangenen Publicationen 
vor und bespricht die wichtigeren derselben in eingehender Weise, 
so besonders E. F. v. Homeyer: die Spechte und ihr Werth in 
forstlicher Beziehung, sowie ferner: Sharpe, Catalogue of the Pas- 
seriformes or Perching Birds in the Collection of the British Museum, 
Cichlamorphae pars r. Containing the families Campephagidae and 
Muscicapidae (London 1879). 

Herr Reichenow nimmt ferner Veranlassung, kurz über die 
Mittheilungen zu berichten, die für das verflossene Jahr an den 
Ausschuss der Beobachtungsstationen der Vögel Deutschlands ein- 
gegangen sind. Es ist darunter viel brauchbares Material, und die 
Menge der eingehenden Arbeiten legt Zeugniss davon ab, wie der 
Gegenstand an Ausdehnung zunimmt und die Betheiligung an den 
Beobachtungen von Jahr zu Jahr eine regere wird. Sehr verdient 
hat sich, wie im vergangenen, so auch in diesem Jahre der Verein 
in Grossenhain um das Sammeln und Zusammenstellen von Beob- 
achtungen gemacht. Er hat gezeigt, was geleistet werden Kann, 
wenn mit Lust und Liebe die Sache in Angriff genommen und mit 
Eifer gearbeitet wird. Die eingesandten Beobachtungen sind klar 
und präcis und verdienen das weitgehendste Lob. Mögen auch 
andere Gesellschaften dem Verein in Grossenhain recht bald nach- 
folgen und Aehnliches leisten. 

Auf Antrag des Herrn Brehm wird beschlossen, dem Verein in 
Grossenhain im Namen unserer Gesellschaft den Dank für seine rege 
Betheiligungan denArbeiten der Beobachtungsstationen auszusprechen. 

Herr Hausmann spricht über das Vorkommen von Otis tetra» 
in Mecklenburg. Wir entnehmen den Ausführungen des Vor- 
tragenden die folgenden Notizen, die derselbe von Herrn Gym- 


Bericht über die April-Sitzung. 333 


nasiallehrer C. Struck, dem Conservator des Maltzaneum in Waren, 
erhalten hat. „Im Jahre 1377 zeigten sich auf dem Gute Schwarzen- 
hof bei Waren in den Tagen vom 16.—18. Decbr.: 4 Zwergtrappen, 
die meistens auf einem Roggenschlag nach Futter suchten. Es hatten 
dort Lupinen vorher gestanden und es ist zu vermutben, dass sie nach 
dem ausgefallenen Samen, der sich dort vielfach zeigte, äugten. Am 
18. December 1877 schoss der dortige Inspector mit Hühnerschrot 
dazwischen und erlegte 1 Exemplar. — Die Flügel und Federn hat 
Herr Struck selbst gesehen; das Thier aber war leider gebraten 
und verspeiset. Die andern 3 Stück verschwanden aus der Gegend. 

Das in unserm Museum zu Waren befindliche Exemplar wurde 
im October 1828 zu Niekranz bei Rostock zwischen frischeu Dung- 
haufen geschossen. Es ist ein Weibchen und war lange eine 
Zierde der Sammlung des Dr. Benefeld in Rostock. Nach Bene- 
feld’s Tode erwarb Herr Struck dies Exemplar für’s Warener 
Museum. Ferner hat der Kreiswundarzt Herr Schmidt in Rostock 
in seiner Sammlung 1 Exemplar, das in den 50er Jahren auf der 
Insel Poel bei Wismar erlegt wurde. — 

Auch bei Steenbock in Rostock soll nach Herrn Struck’s Erinnerung 
1 Exemplar sich befinden, welches bei Doberan geschossen ist. 

Schon Siemessen führt an, dass bei Ludwigslust Zwergtrappen 
beobachtet worden sind und dass sich 1 Exemplar von Ende des 
vorigen Jahrhunderts in der Lembke’schen Sammlung in Schwerin 
befinde (welches ebenfalls aus Mecklenburg stammen soll). Jeden- 
falls ist der Zwergtrappe in Mecklenburg öfter erlegt, wenn auch 
nichts darüber bekannt wurde. 

Der im Museum zu Waren befindliche „Kragentrappe‘‘ (Otis 
Maegueeni G.) wurde 1847 von dem Herrn C. Seer auf der Feld- 
mark des Gutes Rederank bei Kröpelin mit einer einläufigen Schrot- 
flinte erlegt. Es zeigten sich dort 2 Exemplare, die so wenig scheu 
waren, wie Seer selbst Herrn Struck erzählte, dass er ganz nahe 
herangehen konnte. Das erlegte Exemplar ist ein altes Männchen.“ 

Mit Bezug auf die letzte Mittheilung des Herrn Hausmann 
über das in Mecklenburg erlegte Exemplar des Ötis Maqueeni 
Hardw. entspinnt sich eine längere Discussion. Herr Schalow be- 
spricht kurz die Charaktere dieser Art sowie die der nahe ver- 
wandten und mit jener oft verwechselten Otis Houbara Gm. Die 
erstere Art ist als eine asiatische, die letztere als eine mediterrane, 
bezüglich afrikanische zu betrachten. Die Angaben, welche sich 
in vielen Arbeiten über die Vögel Deutschlands auf ein Vorkommen 
der Otis Houbara in dem genannten Gebiet beziehen, lassen sich 
in fast allen den Fällen, in denen Beschreibungen der betreffenden 
Exemplare gegeben werden, auf die asiatische Art, auf ©. Mac- 
queeni Hardw. zurückführen. Herr Brehm führt eine Reihe von 
biologischen Beobachtungen über ©. Houbara auf, die er in Afrika 
machen konnte. Herr Bolle vervollständigt diese Mittheilungen 
und spricht über das Vorkommen des afrikanischen Kragentrappen 
auf der canarischen Insel Fuorteventura. 


334 Allgem. deutsche ornithologische Gesellschaft zu Berlin. 


Herr Brehm giebt eine Reihe von Mittheilungen über die 
Zugstrassen der Vögel im westlichen Sibirien. 

Derselbe giebt ferner einen kurzen Bericht über einen 
Besuch, den er vor einiger Zeit dem Pester Nationalmuseum abge- 
stattet, und weist auf einige Seltenheiten hin, die die ornithologische 
Abtheilung jener Anstalt besitzt. Zu erwähnen aus jener Samm- 
lung ist eine schöne im Jahre 1878 im Neacrater Comitate geschos- 
sene Xema Sabinü (Leach): weiss, ein Fleck hinter dem Auge 
dunkelaschgrau, Mantel lichtmövenblau, Nackenband und obere Reihe 
der Flügeldeckfedern mattschwarz. Vielleicht ist noch zu erwähnen 
eine im Cipser Comitate geschossene Frocellaria haesitata Kuhl. 

Herr Brehm bespricht das bisher gänzlich unbekannte regel- 
mässige Brutvorkommen von #rismatura leucocephala (Scop.) in 
Siebenbürgen. Er theilt eine Reihe von Beobachtungen über diese 
Art mit, die er von dem Custos des Pester Museums Herrn 
Otto Hermann erhalten. Danach erscheint die Ente Mitte Mai in 
dem Gebiet und sucht sich ein mit Röhricht stark besetztes Wasser- 
becken auf. Zuerst zusammen haltend trennen sich bald die ein- 
zelnen Paare. Plötzlich verschwindet das ? und man sieht nur 
noch das Z allein auf dem Wasser; der weisse Kopf desselben 
leuchtet weithin. Das 2 brütet, wo wusste Hermann nicht zu sagen. 
Der Vorsicht, mit der diese Ente sich dem Jäger entzieht, der aus- 
gezeichneten Tauchfähigkeit, wird noch besonders Erwähnung gethan. 

Herr Reichenow legt einen von unserem auswärtigen 
Mitgliede Herrn Baumeister Sachse (Altenkirchen) eingesandten 
Magen von TZetrao bonasia vor, zur Untersuchung des Inhalts. 
Herr Bolle wird diese Untersuchung vornehmen u. z. Z. darüber 
berichten. 

Herr Böhm legt eine kleine Schrift vor: R. von Meyerinck, 
Naturgeschichte des Wildes, 2. Auflage, und referirt kurz über 
den ornithologischen Theil derselben. 

Herr Reichenow bespricht eine vor Kurzem an das Berliner 
Museum gelangte Sammlung des Afrikareisenden Schütt. Derselbe 
sucht im Auftrage der Deutschen afrikanischen Gesellschaft die 
Route des Dr. Pogge zu verfolgen und in das Innere einzudringen. 
Von Paolo de Loanda aus hat er seine Reise angetreten, über 
Dondo nach Malange. Durch verschiedene Widerwärtigkeiten auf- 
gehalten, musste er eine Zeit lang in dem letztgenannten Orte ver- 
weilen und benutzte die unfreiwillige Musse zu naturwissenschaft- 
lichen Sammlungen. Die ornithologische Collection enthält zwar 
keine für die Wissenschaft neuen Arten, wohl aber solche, die für 


das Gebiet neu sind und von Barboza du Bocage in seiner 


Ornithologie Angolas nicht genannt werden. Herr Reichenow legt 
einzelne Arten vor und knüpft an verschiedene derselben Mit- 
theilungen über Färbung und Verbreitung. 

Zum Schluss der Sitzung verliest Herr Reichenow das Programm 
für die diesjährige Ende Mai dieses Jahres in Stettin stattfindende 
Jahresversammlung unserer Gesellschaft, wie dasselbe von den beiden 


ee I ng 


Bericht über die Mai-Sitzung. 335 


Localgeschäftsführern Dr. Dohrn und Dr. Bauer vorläufig ent- 
worfen und an den Vorstand eingesandt worden ist. 
Bolle, Schalow. Cabanis, Gen.-Secr. 


Bericht über die Mai-Sitzung. 
Verhandelt Berlin, Montag den 5. Mai 1879, Abends 
ur Uhr, im Sitzungslocale. 

Anwesend die Herren: Cabanis, Reichenow, Mützel, 
Sy, Hausmann, Jahrmargt, Böhm, Schalow, Walter, 
Krüger, Grunack, Thiele und d’Alton. Als Gäste die 
Herren: Schmeltzpfennig, Thiede, Schellack, Bohnen- 
stengel und Lindemann, sämmtlich aus Berlin, Vorsitzen- 
der: Herr Cabanis, Schriftführer: Herr Schalow. 

Der Bericht über die April Sitzung wird verlesen. Mit Bezug 
auf die in demselben gegebenen Mittheilungen Brehm’s über das 
Brüten von Eriswatura leucocephala in Siebenbürgen weist Herr 
Schalow nachträglich auf die eingehenden Beobachtungen hin, 
welche von Danford und Harrie Brown über das Brutvorkommen 
dieser Ente in dem beregten Gebiet im Ibis (1875 p. 427) veröffentlicht 
worden sind, und deren Herr Brehm nicht Erwähnung gethan hatte. 

- Anknüpfend an eine kleine Arbeit seines Vaters, des Herrn 
Joh. F. L. Hausmann, über: „Das Gebirgssystem der Sierra Newada 
und das Gebirge von Jaen im südlichen Spanien“ (Göttingen 1842), 
bespricht Herr Hausmann eingehend den geologischen Bau und die 
Vegetationsverhältnisse derjenigen Gebiete der iberischen Halbinsel, 
welche demnächst von S. K. K. Hoh. dem Kronprinzen Erzherzog 
Rudolf von Oesterreich und Dr. Brehm werden besucht werden. 
Herr Hausmann sucht im Verlaufe seiner Mittheilungen den Nach- 
weis zu führen, dass die geologischen Formationen eines Gebietes 
für die Entwickelung der Lebensweise der Thiere von nicht zu 
unterschätzender Bedeutung seien. 

Herr Hausmann giebt eine Reihe kleinerer Mittheilungen 
über das Eintreffen einzelner Vögel in diesem Frühjahre in der 
Umgegend von Berlin. Diese Mittheilungen werden durch die 
Beobachtungen anderer Mitglieder ergänzt und erweitert. \ 

Herr Cabanis spricht in einer längeren Mittheilung über die | 
Fluvicolinen-Gruppe Aulanaz. Nach kurzer Charakterisirung der 


‚Arten A. nigricans (Sws.) von Mexico und A. aquaticus (Sclat.) aus 
- Central-America, wendet er sich der von ihm im Museum Heineanum 
' (I. p. 68.) beschriebenen A. latirostres zu, von der das Berliner 
. Museum seiner Zeit ein jüngeres Exemplar aus Bolivien erhalten hatte. 


4-4. latirostris ist die grösste der 4 nahe verwandten Arten 


(oder Abarten) und hat ausserdem breitere weisse Ränder an den 


Schwingen und Flügeldecken. Diese Art wurde neuerdings von 


. Herrn Prof. A. Döring an den Bergbächen im Gebirge von Tucuman 
‚ beobachtet. Sie hat also die s ‚üdlichste geographische Ver- 
‚breitung von allen 4 Arten: Bolivien und Argentinien. 


Mit A. cineracea (Lafr.) von Venezuela ist sie durchaus nicht 


336 Nachrichten. An die Redaction eingegang. Schriften. 


identisch, denn A. eineracea ist kleiner und in Grösse und Färbung 
der aquatica am ähnlichsten. 

Herr Reichenow macht einige geschäftliche Mittheilungen 
über die in den Tagen vom 23. bis 26. Mai in Stettin stattfindende 
Jahresversammlung unserer Gesellschaft sowie über die für den 
7. Juni festgesetzte Frühjahrsexcursion nach dem Spreewalde. 

Kleinere Mittheilungen und allgemeine Discussionen bilden 
den Schluss der Sitzung. Schalow. Cabanis, Secr. 


Nachrichten. 
An die Redaction eingegangene Schriften. 
(Siehe Seite 223,224.) 

1534. Dr. Th. Studer. Die Fauna von Kerguelensland. [Separat- 
abdr. aus Archiv f. Naturgesch. XXXXV. Jahrg. V. Bd.] — 
Vom Verfasser. 

1535. Dr. Ad. Döring, Prof., Noticias ornithologicas de las Regiones 
Ribereüas del Rio Guayquiraro. [Abdr. aus Organo de la 
Sociedad Zoologica Argentina. I. Buenos Aires, 1875.] — 
Vom Verfasser. 

1536. The Ibis. A Quarterly Journal of Ornithology. Edited by 
Salvin and Sclater. Fourth Series, Vol. III. No. 11. July 1879. 
— Von der British Ornithologist’s Union. 

1537. Index of Genera and Species and Index to the Plates in 
„Ihe Ibis“ (First, Second and Third Series) 1859—1876. 
Edited by O. Salvin. London 1879. — Von Derselben. 

1538. Th. Salvadori. Prodromus Ornithologiae papuasiae et 
Moluccarum. VII. Passeres. Hirundinidae - Muscicapidae. 
(Separat-Abdr.) — Vom Verfasser. 

1539. W. A. Forbes.. On the Systematie Position of the Genus 
Laihamus of Lesson. [From Proc. Z. Soc. London, Febr. 18, 
1879.] — Vom Verfasser. 

1540. W. A. Forbes. On the Systematic Position and Scientific 
Name of „Le Perroquet mascarin“ of Brisson. — [From The 
Ibis, July 1879.] — Von Demselben. 

1541. @G. N. Lawrence. Catalogue of the Birds colleeted in 
Martinique by F. A. Ober. [From Proc. Unit. St. National 
Museum, Mai 10. 1879.) — Vom Verfasser. 

1542. G. N. Lawrence. Catalogue of a Collection of Birds 


obtained in Guadeloupe by Ober. [From Proc. U. St. National 


Mus. Apr. 22, 1879.] — Von Demselben. 

1543. G. N. Lawrence. A. General Catalogue of the Birds noted 
form the Islands of the Lesser Antilles visited by Ober, 
with a Table showing their Distribution and those found in 
the United States. [From Proc. Unit. Nat. Mus. 1879, 486— 
88] — Von Demselben, 


@. Pätz’sche Buchdruckerei (Otto Hauthal) in Naumburg a/8. 


Cab. Journ f. Orn. 1879 Tab, I 


I Cosmopsarus regius.. 2.3.Speculipastor bicoler _ 


“4 5. Kier von Ixos xanthopygius. H.eet Eihrb 


T ar atalt+r r > pe 


* ei: n ri 5 
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JOURNAL 


für 


ORNITHOLOGIE. 


Siebenundzwanzigster Jahrgang. 


N 148. October. 1879. 


Uebersicht der von Dr. 6. A. Fischer auf einer zweiten Reise 
durch das ostafricanische Küstenland von Mombassa bis 
? Wito und am Tana-Fluss gesammelten Vögel. 
Von 
Dr. G. A. Fischer und Dr. Ant. Reichenow. 
FAM. CHARADRIUDAE. 

1. Charadrius pecuarius Tem. 

227a: 2. Mambrui 23/6. Iris braun, Schnabel schwarz, Tibia 
schwärzlich, Tarsus grau, Zehen grauschwarz. Länge 150, Flügel 
100, Schwanz 45, Lauf 30, Mundspalte 20 Mm. 

2. Hoplopterus spinosus (L.). 

404: d. Tschara 8/12. Iris karminroth, Schnabel und Beine 
schwarz. Wapokomo-Name: Tirangole. Flügel 195, Schwanz 100, 
Lauf 68, Mundspalte 30 Mm. 

3. Limnetes crassirostris (de Fil.). 

403: 9. Tschara 8/12. Iris schmutzig korallenroth, verbreiterte 
Augenlider korallroth, Basis des Schnabels bis über die Nasen- 
löcher weinröthlich, Spitzendrittel braunschwarz, Beine purpur- 
roth. Länge 280, Flügel 210, Schwanz 105, Lauf 80, Mundspalte 
34 Mm. 

4. @Glareola ocularis Verr. 

300: d. Ngau 2/9. Iris dunkelbraun, Schnabel braunschwarz, 
Ränder und Basis lackroth, Beine schwärzlichbraun. Länge 211, 
Flügel 195, Schwanz 75, Mundspalte 24, Lauf 27 Mm. — 299: 2. 
Ngau 2/9. Länge 220, Flügel 190, Schwanz 72, Mundspalte 22 Mm. 
Nackte Theile wie beim & gefärbt. 

5. Cursorius cinctus Heugl. 

381: 2. Massa 4/11. Länge 220, Flügel 150, Schwanz 75, 
"Lauf 65, Mundspalte 25 Mm. Iris braun, Oberschnabel und Spitzen- 


Cab. Journ. £. Ornith. XXVII. Jalırg. No. 148, October 1879. 22 


338 Dr. @. A. Fischer und Dr. Ant. Reichenow: 


drittel des Unterschnabels braunschwarz, Oberschnabel um die 
Nasenlöcher und Unterschnabel graugrün, Beine blasshornfahl. 

6. VOedicnemus vermiculatus Cab. 

369: 92. Ualimi 27/10. Iris grüngelb mit schwarzen Punkten 
und Adern, Schnabel schwarzbraun, Fleck um das, Nasenloch und 


Basis des Unterschnabels gelbgrün, Beine blassgrünlieh. Vulgär- 


name (Wapokomo): Keriombe. Länge 364, Flügel 200, Schwanz 
110, Lauf 80, Mundspalte 55 Mm. 
FAM. OTIDIDAE. 
7. Otis maculipennis Cab. 


on. 


236: 2. Gelidja 29/6. Iris gelbbraun, Oberschnabel Tat E 


braun, Unterschnabel blasshorngelblich, ebenso breiter Rand des 


Oberschnabels, Beine gelblichweiss. Länge 600, Flügel 350, | 


Schwanz 125, Lauf 13, Mundspalte 62 Mm. 


Von dem Typus im Berliner Museum unterscheidet sich das 


vorliegende Exemplar durch: etwas abweichende Rückenzeichnung, 
indem die helle Zeichnung auf den Federn lanzenförmige Spitzen 
bildet, und durch die Schwanzfedern, » welche weniger deutliche 
Querbinden zeigen. Die äussersten Schwanzfedern sind fast ganz 
schwarzbraun, nur an der Spitze gelbbräunlich gezeichnet. 
FAM. SCOLOPACIDAE. 

8. Actitis hypoleucus (L.). 

309: &. Engatana 12/9. Iris braun, Obersulmißel, und Sitzen. 
theil des Unterschnabels braunschwarz, Basis des Unterschnabels 


fahl, Füsse blass grünlichgrau. Länge 141, Flügel 107, Schwanz 


55, Lauf 25, Mundspalte 30 Mm. 
FAM. RALLIDAE. 
9. Parra africana Gm. 


296: pullus. Tschara 18/3. Oberseite rothbraun, ein:Band | 


über den Oberkopf und Nacken schwarzbraun, ebenso 'ein Strich, 
der vom Schnabel durch das Auge läuft und sich hinter demselben 


mit dem Nackenbande vereinigt, Untenseite weiss, Iris braun, 
Schnabel blaugrau, Basis des Unterschnabels hornfahl, Beine | 


grünlich. Länge 180 Mm. 
10. Ortygometra pygmaea (Naum.). 


340: & jun. Muniuni 2/10. Iris gelblichroth, vchite ee | 
lidrand hell lederbraun, Oberschnabel braun, an der Basis undoden 
Rändern mehr grünlichbraun, Unterschnäbel grüngrau wie die 


Beine. Länge 150, Flügel 83, Schwanz 40, Lauf 27, Mundspalte 
20 Mm. AO N 


' Vögel. von Ostafrika.  . 339 


FAM. SCOPIDAE. 
11. Scopus umbretta L. 


: 868: d. Ualimi 24/10. (Scelett). 

FAM. ARDEIDAE. 

12. Oeniscus atricapillus (Afzel.). 

302: 3. Ngau 6/9. Iris gelb, über dem schwarzen Zügel ein 
grüngelber Streif, Oberschnabel und Rand des Unterschnabels 
‘schwarz, Unterschnabel gelblichgrün, Beine vorn braun, hinten 
‚gelb. Flügel 170, Schwanz 65, Lauf 46, Mundspalte 73 Mm. 


FAM. TETRAONIDAE. 
13. Turnix lepurana (Smith.). 


207: &. Malindi 8/6. Iris hellgelb, Oberschnabel und Spitze 
des Unterschnabels braun, Rand des Oberschnabels gegen die Basis 
‘zu und Unterschnabel blassblaugrau, Beine hornweisslich. Länge 
122, Flügel 70, Schwanz 35, Lauf 20, Mundspalte 15 Mm. 

14. eu Granti Hartl. 

272: 2. Kipini 2/8. Iris braun, Oberschnabel braun, Unter- 
schnabel ebenso, aber Spitze und Basis hornfahl, Beine schmutzig 
‚korallroth. Länge 275, Flügel 135, Schwanz 80, Lauf 35, Mund- 
spalte 22 Mm. 

15. Francolinus nudicollis (Gm.). 

247: 2. Kipini 19/7. Iris braun, Schnabel, nackter Kopf und 
Halstheile, sowie die Beine korallroth, Schnabelspitze hornfahl, 
'Schnabelfirste an der Basis bräunlichroth. Länge 314, Flügel 
180, Sun uz 75, Mundspalte 30 Mm. 


FAM. COLUMBIDAE. 
16. Chalcopelia afra (L.). 


226: & jun. Mambrui 22/6. Iris:braun, Schnabel braun- 
schwarz, Füsse röthlichbraun. Länge 173, Flügel 100, Schwanz 
68, Mundspalte 16 Mm. an 

17. Treron Wakefieldi Sh. 

-308:&. Engatana 11/9. Iris seidenweiss, Spitzenhälfte des 
Schnabels bläulichweiss, Basishälfte bis etwas über die Nasenlöcher 
«zinnoberroth. Länge 240, Flügel 155, Schwanz 87, Mundspalte 23 Mm. 


FAM. FALCONIDAE. 
18. Falco semitorguatus Smith. 


376: 92. Massa 2/11. Iris braun, nackte Haut um’s Auge und 
‚Wachshaut gelblichroth, Schnabel weisslichblau, Spitze blauschwarz, 
‚Beine gelbroth, Mageninhalt Eidechsen. Länge 170, Flügel 110, 
Schwanz 75, Mundspalte 15, Lauf 25 Mm. 

19. Avicida Verreauxt Lafr. 


340 Dr. &. A. Fischer und Dr. Ant. Reichenow: 


323: 2. Muniuni. 21/9. Iris gelb, Oberschnabel und Spitze 
des Unterschnabels dunkelschwarzbraun, Unterschnabel sonst blass- 
blaugrau, Beine dunkelgelb, Mageninhalt Heuschrecken. Länge 


437, Flügel 300, Schwanz 210, Lauf 31, Mundspalte 26 Mm. 
FAM. STRIGIDAE. 
20. Scotopelia Peli (Temm.). 


| 
406: &. Kau. 10/12. Iris tiefbraun, Wachshaut bleifarben, 
Beine blassgraugelb. Länge 520, Flügel 410, Schwanz 240, Lauf 


70, Mundspalte 47 Mm. 
21. Budo lacteus (Temm.). 


270: 2. Kipini 29/7. Iris dunkelbraun, Oberaugenlid fleisch- | 
farben, das untere bläulich, Schnabel blassblaugrau, Wachshaut 
bleifarben, Zehen graublau. Länge 530, Flügel 420, Schwanz 230, 


Lauf 70, Mundspalte 45 Mm. 
22. Syrnium Woodfordi (Sm.). 


342: 9. Muniuni 4/10. Iris braun, Schnabel, Beine und Wachs- 
haut hellgelb. Länge 320, Flügel 240, Schwanz 160, Mundspalte 
27 Mm. — 324: 3. Muniuni 22/9. Iris braun. Länge 320, Flügel 


255, Schwanz 155, Mundspalte 26 Mm. 
FAM. MUSOPHAGIDAE, 
23. Corythaix Fischeri Rchw. 


329: 2. Muniuni 25/9. Iris braun, Schnabel dunkelbraunroth, 


Augenlid korallroth, Beine glänzend braunschwarz. Länge 360, 
Flügel 170, Schwanz 190, Mundspalte 23 Mm. — 352: 2? Muniuni 


12/10. Länge 380, Flügel 170, Schwanz 190, Mundspalte 27 Mm. 


— 346: &. Muniuni 5/10. Iris braun, Schnabel dunkelbraunroth, 
Augenlidhaut korallroth, Beine glänzend braunschwarz. Länge 
380, Flügel 170, Schwanz 190, Mundspalte 26 Mm. 

24. Schizorhis leucogaster Rüpp. 

380: &. Massa 3/11. Iris braun, Schnabel und Beine schwarz. 
Länge 440, Flügel 210, Schwanz 260, Mundspalte 27 Mm. — 
379: 9. Massa 3/11. Iris braun, Schnabel grün, Basis des Unter- 


schnabels graublau, Beine schwarz. Länge 440, Flügel 210, 


Schwanz 250, Mundspalte 29 Mm. 
FAM. COLLIDAE. 
25. Colius senegalensis Gm. 
243: 9. Kipini 13/7. Iris, Basishälfte des Oberschnabels, 
nackte Haut um’s Auge und am Grunde des Unterschnabels lack- 


roth, Schnabel schwarz, Beine schmutzig weinröthlich. Länge 


312, Flügel 88, Schwanz 230, Mundspalte 16 Mm. — 227: 2. Mam- 


Vögel von Ostafrika. 341 


brui 23/6. Iris roth, Oberschnabel, Augenlidrand, nackte Haut 
um’s Auge und Basisrand des Unterschnabels lackroth, Spitze des 
Oberschnabels und Unterschnabels schwarz, Füsse schmutzig wein- 
röthlich. Länge 330, Flügel 88, Schwanz 230, Mundspalte: 14 Mm. 

26. Colius leucocephalus sp. n. 

Ornith. Centralbl. 1879 p. 114. 

362: &. Kinakomba 23/10. ‚Iris dunkelbraun, Haut um’s 
Auge grauschwarz, Schnabel blassblau, Spitze des Oberschnabels 
hornbraun, des Unterschnabels hornfahl, Beine blass rosenroth. 
Länge 290, Flügel 35, Schwanz 210, Mundspalte 12 Mm. 

FAM. CUCULIDAE. 

27. Centropus supercilVosus Hempr. Ehr. 

186: pullus. (Die Federn noch in Kielen.) Malindi 3/6. Iris 
dunkelbraun, Oberschnabel dunkelgraublau, Unterschnabel grau- 
blau, Beine bleifarben. 

28. Centropus nigrorufus (Cur.). 

402: 9. Tschara 5/12. Länge 370, Flügel 165, Schwanz 170, 
Mundspalte 27 Mm. — 237: 9. Gelidja 30/6. Iris braun, Schnabel 
und Beine schwarz, im Magen Heuschrecken. Länge 390, Flügel 
170, Schwanz 180, Mundspalte 28 Mm. 

29. Cuculus validus Sp. n. 

Ornith. Centralbl. 1879 p. 139. 

330: 2. Muniuni 25/9. Iris braun, Augenlidrand gelb, Ober- 
schnabel und Ränder des Unterschnabels dunkelbraun, Unter- 
sehnabel gelbgrau, Beine strohgelb, im Magen Raupen. Länge 
336, Flügel 220, Schwanz 200, Mundspalte 29 Mm. 

30. Queulus leptodetus Cab. 

274: & jun. Kipini 5/8. Iris gelblichgrau, Spitzenhälfte des 
Oberschnabels und Spitze des Unterschnabels hornbraun, ebenso 
die Firste an der Basis des ersteren, Schnabel sonst grünlichgelb, 
am Mundwinkel orange, Augenlidrand und Beine gelb. Länge 
320, Flügel 210, Schwanz 180, Mundspalte 30 Mm. 

31. Indicator minor Steph. 

195: 3. Malindi 6/6. Iris röthliehbraun, Oberschnabel und 
Spitze des Unterschnabels schwarzbraun, Basis des Unterschnabels 
fahl, Füsse schmutzig grünlichgrau. Länge 140, Flügel 85, 
Schwanz 58, Mundspalte 15 Mm. 

32. Indicator Sparmanni Steph. 

358:9. Ualimi 19/10. Iris gelbbraun, Schnabel blassbraun, Füsse 
graubraun. Länge 180, Flügel 103, Schwanz 67, Mundspalte 17 Mm. 


342 Dr. G. A. Fischer und Dr. Ant. Reichönset 


33. Indicator variegatus Less. 
366: d. Ualimi 24/10. Iris graubraun, Oberschnabel hornbraun. 
34. Chrysococcyz Claasi (Steph.). 


283: &. Kau 11/8. Iris gelbbraun, Augenlidrand blassgrün- | 


lich, Oberschnabel und Spitze des Unterschnabels braun, Unter- 
schnabel graugrün wie die Füsse. Länge 160, Flügel 95, Schwanz 
74, Mundspalte 20 Mm. — 282: 3. Kau 1/8. er 160, Flügel 
93, Schwanz 74, Mundspalte 20 Mm. 

35. Öhrysococeyz cupreus (Bodd.). 

159: &. jun. Sansibar 20/3. Iris graugelb, Oberschnabel und 
Spitze des Unterschnabels röthlichbraun, Unterschnabel und Augen- 
lidrand blassröthlich, Füsse bleifarben. Länge 175, Flügel 108, 
Schwanz 83, Mundspalte 18 Mm. : 

36. Zanclostomus australis (Sh.). 


257: 2. Kipini 25/7. Iris bräunlichroth,. Schnabel gelb, Firste‘ 


braun, Beine glänzend braunschwarz, im Magen Heuschrecken. 
Länge 315, Flügel 120, Schwanz 200, Mundspalte 29:Mm. — 


258: &. Kipini 25/7.. Iris bräunlichroth, Schnabel gelb, an der 


Firstenbasis braun, Beine glänzend braunschwarz, im Magen Heu- 
schrecken. Länge 310, Flügel 120, Schwanz 175, Mundspalte 23 Mm. 
37. Coccystes pica (Ehrbg.). 
273: 3. Kipini 5/8. Iris. braun, Schnabel schwarz; ‚Füsse 


bleifarben. Länge 325, Flügel 150, Schwanz 180, Me 


FAM. TROGONIDAE. 
Trogon narina Vieill. 
317: Z jun. Muniuni 18/9. Iris braun, Schnabel grünlichgelb, 
Firste und Spitze blass grünlichgrau, nackte Haut am Kopfe 'bläu- 
lich, Kehlfleck grau, Beine blass grauröthlich. Länge 290,' Flügel 


130, Schwanz 190, Mundspalte 23 Mm. — 304: 9. Engatana 8/9 
Iris braun, Schnabel grünlichgelb, Firste bräunlich, Spitze fahl-. 
bläulich, nackte Stelle am Kopfe und Kehle graublau, Füsse grau- 
röthlich. Länge 280, Flügel 125, Schwanz 180, Mundspalte 25 Mm. 


FAM. CAPITONIDAE. 
39. Trachyphonus sgquamiceps Heugl. 58 
356:&. Kibaradja 18/10. Iris braun, Schnabel fahlgrün, Füsse 


bleifarben. Länge 170, Flügel 73, Schwanz 80, Mundspalte 23 Man: 


40. Pogonorhynchus melanopterus (Ps). = 


301:9. Ngau 3/9. Iris braun, Schnabel fahlbläulich, le 


bleifarben. Länge 180, Flügel 88, Schwanz 68, Mundspalte. 27 Mm. 


41. Barbatula affinis sp. n. | | ‚dsıdlary 


Vögel von Ostafrika. DA er 


Ornith. Centralbl. 1879 p. 114. 

.260::8. Kipini 26/7. Länge 95, Flügel 50; Schwäng 32, 
Mundspalte 15 Mm. Iris röthlich, Schnabel und Band schwarz. 
173a: 2. Malindi 31/5. Iris braun, Schnabel und Beine schwarz. 
Länge 90, Flügel 50, Schwanz 30, Mundspalte 15 Mm. 

FAM. PICIDAE. 

42. Picus nubicus Gm. 

276: &. Kau 9/8. Iris blassrosenroth, Oberschnabel und 
Spitze des Unterschnabels hornbräunlich, Unterschnabel grünlich- 
grau wie die Beine, Länge 190, Flügel 105, Schwanz 70,.Mund- 
spalte 23 Mm. 

43. Picus schoönsis Rüpp. 

332: 2. Muniuni 26/9. Iris braun, Oberschnabel hornbraun, 
Unterschnabel graubraun, Füsse grünlichgrau. Länge 200, Flügel 
122, Schwanz 78, Mundspalte 35 Mm. — 331: 2. Muniuni 26/9. 
Iris röthliehbraun, Oberschnabel hornbraun, Unterschnabel grau- 
braun, Füsse grünlichgrau. Länge 190, Flügel 120, Schwanz 70, 
Mundspalte 32 Mm. 

FAM. BUCEROTIDAE. 

44. Buceros melanoleucus Lcht. 

231: 2. Mambrui 26/6. "Iris gelb, Schnabel ziegelroth mit 
schwärzlichen Rändern, Füsse schwarzbraun. Länge 450, Flügel 
215, Schwanz 210, Mundspalte 80 Mm. 

FAM. CORACIADAE. 

45. Coracias garrula L. x 

327:9. Massa 1/11. Iris braun, Schnabel schwarz, Beine 
grünliehgrau, Sohlen gelblich. Länge 320, Flügel 200, Schwanz 
140, Mundspalte 42 Mm. 

46. Eurystomus afer (Lath.). 

293: 9. Tschara 15/8. Iris erdbraun, Schnabel selb, Füsse 
grünliehbraun, Rachenschleimhaut blassgrün. Länge 220, Flügel 
165, Schwanz 98, Mundspalte 30 Mm. 

FAM. ALCEDINIDAE. 

47. Ceryle maxima (Pall.). 

371: 2. ‘Massa 31/10. Iris braun, Schnabel schwarz, Basis 
des Unterschnabels schieferfarben, Fuss grau. Länge 440, Flügel 
200, Schwanz 135, Mundspalte 105 Mm. ' \ 
048 Haleyonirrorata Rchb. 

183: 9. Malindi 3/6. Iris braun, Schnabel korallenroth. Länge 
200, Flügel 105, Schwanz 70, Mind te 53 Mm. 


344 Dr. G. A. Fischer und Dr. Ant. Reichenow: 


49. Halcyon chelicutensis (Stanl.). 

171: 2. Malindi 29/5. Iris dunkelbraun, Schnabel braun- 
schwarz, an der Basis des Unterschnabels röthlich, Füsse röthlich- 
braun. Länge 170, Flügel 73, Schwanz 45, Mundspalte 36 Mm. 

FAM. UPUPIDAE. 

50. Irrisor cyanomelas (Vieill.). 

217: 2. Malindi 17/6. Iris braun, Schnabel und Füsse schwarz. 
Länge 250, Flügel 102, Schwanz 150, Mundspalte 33 Mm. 

FAM. CYPSELIDAE,. 

51. Oypselus stietilaemus Sp. n. 

Ornith. Centralbl. 1879 p. 114. 

360: &. Ualimi 22/10. Iris braun, Schnabel und Beine schwarz. 
Länge 135, Flügel 135, Schwanz 50, Mundspalte 16 Mm. 

FAM. CAPRIMULGIDAE. 

52. Caprimulgus Fossii Verr. 

170: 2. Sansibar 11/5. Iris braun, Schnabel braunschwarz, 
Füsse graubraun. Länge 210, Flügel 155, Schwanz 115, Mund- 
spalte 25 Mm. 

FAM. ZIRUNDINIDAE. 

53. Hirundo Monteiri Hartl. 

209: 2. Malindi 11/6. Iris braun, Schnabel und Beine schwarz 
Länge 210, Flügel 135, Schwanz 110, Mundspalte 20 Mm. — 
210: 2. Malindi 12/6. Länge 220, Flügel 140, Schwanz 110, 
Mundspalte 20 Mm. 

54. Hirundo filifera Steph. 

291: d. Tschara 15/8. Iris erdbraun, Schnabel und Beine 
schwarz. Länge 150, Flügel 110, Schwanz 78, Mundspalte 15 Mm. — 
Das Nest gleicht ganz dem unserer Hirundo rustica. Ebenso 
die Eier. 

55. Hirundo puella Temm. 

410: 4. Mombasa 21/12. Iris braun, Schnabel und Beine 
schwarz. Länge 180, Flügel 100, Schwanz 100, Mundspalte 14 Mm. 

56. Hirundo aethiopica Blanf. 

194: 3. Malindi 6/6. Iris dunkelbraun, Schnahel schwarz, 
Füsse schwarzbraun. Länge 140, Flügel 107, Schwanz 65, Mund- 
spalte 15 Mm. 

57. Hirundo albigular.s Strickl. 

206: 3 juv. Malindi 8/6. Iris dunkelbraun, Ba Br 
Beine schwarz. Länge 120 Mm. 


Vögel von Ostafrika. 345 


FAM. CAMPEPHAGIDAE. 

58. Campephaga nigra (Vieill.) 

320: 3 juv. Muniuni 18/9. Iris braun, Schnabel schwarz, 
Basis des Unterschnabels horngelblich, Haut im Schnabelwinkel 
gelb, Beine schwarz. Länge 200, Flügel 100, Schwanz 100, 
Mundspalte 21 Mm. — 255: 2. Kipini 23/7. Iris graubraun, 
Schnabel braunschwarz, Beine schwarzbraun, Sohle blassgelbgrau, 
Mund und Rachenschleimhaut gelb. Länge 190, Flügel 98, Schwanz 
98, Mundspalte 20 Mm. 

FAM. MUSCICAPIDAE. 

59. Muscicapa cinereola F. et H. 

326: d. Muniuni 23/9. Iris braun, Oberschnabel und Spitze 
des Unterschnabels schwarz, Unterschnabel im Uebrigen blassblau- 
grau, Beine grauschwarz. Länge 130, Flügel 75, Schwanz 58, 
Mundspalte 17 Mm. 

60. Bradyornis pallida (v. Müll.) 

166: d. Bagamojo 26/4. Iris braun, Schnabel und Beine 
schwarz. Länge 155, Flügel 85, Schwanz 68, Mundspalte 18 Mm. 
— 233: & juv. Gelidja 27/6. Oberseite graubraun mit weissen 
Tropfenflecken, ebenso die Flügeldecken, Unterseite weiss, Brust- 
federn mit braunen Säumen, Weichen grauisabell, Unterflügel- 
decken isabellfarben, Iris praun, Schnabel schwarzbraun, Basis 
des Unterschnabels fahlgelblich, Beine schmutzig’bleifarben. Länge 
150, Flügel 78, Schwanz 65, Mundspalte 20 Mm. 

61. Trochocercus bivittatus n.Sp. 

Ornith. Centralbl. 1879 p. 120. 0% 

319: &. Muniuni 18/9. Iris braun, Schnabel blau mit schwarzer 
Spitze, Beine graublau. Länge 130, Flügel 50, Schwanz 70, Mund- 
spalte 15 Mm, 

327: 2. Muniuni 24/9. Iris dunkelbraun, Schnabel bläulich 
mit schwarzer Spitze, Beine blaugrau. 

62. Terpsiphone Ferreti (Gu£r.) 

281: 3. (im weissen Kleide) Kau 11/8. Iris braun, Augen- 
lidhaut blau, Schnabel blaugrau, Spitze schwärzlich, Beine grau- 
blau. Länge 280, Flügel 80, Schwanz 200, kleinere Schwanzfedern 
80, Mundsp. 20 Mm. 

264: & (im weissen Kleide). Kipini 27/7. Länge 315, Flügel 
78, mittlere Schwanzfedern 240, kürzeste Schwanzfedern 80, Mund- 
spalte 20 Mm. — 245: & (braun). Kipini 17/7. Iris braun, 
Schnabel blaugrau mit schwarzer Spitze, Augenlid blau, Beine 


346 Dr. &. A. Fischer und Dr. Ant. Reichenow: 


dunkelblaugrau. Länge 180, Flügel 77, Schwanz 110, Mundspalte 
20 Mm. — 214: 9. Malindi 16/6. Iris graubraun, Schnabel 
bläulichschwarz, Füsse bleifarben. Länge 165, Flügel 72, Schwanz 
85, Mundspalte 19 Mm. — 284: & (jun). Kau 11/8. Länge 155, 
Flügel 70, Schwanz 90, Mundsp. 19 Mm. | ' 

63. Platystira pririt (Vieill.) - 

162: 2. Sansibar 29/3. Iris gelb, am Aussenrande in’s Grüne 
übergehend, Schnabel und Füsse schwarz, Länge 100, Flügel 52, 
Schwanz 36, Mundspalte 15 Mm. ui 

FAM. LANIIDAE, 

64. Nilaus capensis (Shaw). Rn; 

363: 3. Kibaradja 23/10. Iris dunkelbraun, Oberschnabel 
und Spitze des Unterschnabels schwarzbraun, Unterschnabel blau- 
grau, Füsse bleifarben. Länge 110,- Flügel 72, Schwanz 46, 
Mundspalte 17 Mm. SD 

65. Dryoscopus sublacteus Cass, 

203: &. Malindi 8/6. Iris braun, Schnabel schwarz, Füsse 
hellbleifarben. Long. 190; ala 90; cauda 83; rictus 26 Mm." 
280: 2. Kau 11/8. Long. 180; ala 82; cauda 85; rietus :23 Mm. 

66. Dryoscopus nigerrimus Sp. n. F 

Ornith. Centralbl. 1879 p. 120. h 

244: &. Kipini 15/7. Iris röthlich braun, Beine schwärzlich 
graublau, Schnabel schwarz. Länge 200, Flügel 86, Schwanz 90, 
Mundspalte 25 Mm. 3 Ioybbik el 

67. Dryoscopus lugubris Cab. 

176: &. Malindi 1/6. Iris gelbroth. Schnabel schwarz, 
Beine bleifarben. Länge 155, Flügel 78, Schwanz 65, zz 
23 Mm. 

68. Laniarius gquadricolor Üass. | 

190: 8. Malindi 5/6. 78. Iris schwärzlich, Schnabel übrare, 
Füsse hellblaugrau. Long. 180; ala 72; eauda 80; rietus'22 Mm; 

69. Landarius para (Less.) 

193a: 9. Malindi 6/6. Iris röthlichbraun, Schnabel ‚ci 
Füsse bleifarben. Long. 170; ala 85; cauda 85; rietus 17Mm. 
— 307a: 2. Engatana 10/9. Nackte Theile wie vorher. Long. 
170; ala 80; cauda 80; rictus 13 Mm. x. 

7. Merivieh olivaceus (Vieill.) 2 

241: 2. Kipini 12/7. Iris gelb, Schnabel ehr Beiid 
hellblaugrau. Länge 230, Flügel 110, Schwanz 105, Mundspalte 
31 Mm. 11020096 


Vögel von Ostafrika. 347 


71. Prionops graculinus Cab.- 

312: 2. Muniuni 16/9, Iris gelb; Schnabel orangeroth, an 
der Spitze gelb; Augenrand unı Füsse lackroth. Long. 190; ala 
117; cauda 37; rietus 25 Mm. — 335: &. Muniuni a on 
200; ala 117; Fatsdh 87;.rictus 26 Mm. 

72. Prionbps woche (Stanl.) 

382: 9. Massa 4/11. Iris und Augenlidrand intensiv gelb, 
Schnabel braunschwarz, Füsse orange. Länge 180, Flügel 110, 
Schwanz 90, Mundspalte 25 Mm. 

73. Eurocephalus anguitimens Smith. 

357: 2. Kibaradja 18/10. Iris braun, Schnabel schwarz, Füsse 
dunkelgraublau. Länge 210, Flügel 120, Schwanz 105, Mundspalte 
24 Mm. 

74. Be BRön ie eryihr an (Shaw). 

225: 2. Mambrui 22/6. Iris braun, Schnabel schwarz, Füsse 
hellbleifarben. Long. 200; ala 80; cauda 90; rictus 20 Mm. 

75. Lanius caudatus Cab. 

409: 2. Kipini 15/12. Iris braun, Schnabel und Füsse schwarz. 
Long. 265; ala 110; cauda 160; rietus 25 Mm. 

: 76. Lanius MIN RER N Sev. 

408° 2. Kipini 15/12. Iris braun, Oberschnabel und Spitze 
des Unterschnabels hornbraun, Rand des Oberschnabels und Unter- 
schnabel hornweisslich, Beine braun.. Länge 175, Flügel 90, 
-Schwanz 83, Mundspalte 21 Mm. 

FAM. LIOTRICHIDAE. 

77. Crateropus rubiginosus Rüpp. 

294: &. Kau 15/8 Iris gelb. Schnabel und Beine hornfahl- 
bräunlich. Länge 220, Flügel 85, Schwanz 110, Mundspalte 21 Mm. 

78. Turdirostris leptorhyncha sp. n. 

Ornith. Centralbl. 1879 p. 155. 

405: 8. Tschara 9/12. Iris gelbbraun. Oberschnabel horn- 
braun, Unterschnabel hornfahl, Beine graubraun. Länge 140, 
Flügel 60, Schwanz 60, Mundspalte 20 Mm. 

FAM. CINNYRIDAE. 

79. Cinnyris Longuemari« Less. 

387: &. Massa 5/11. Iris braun, Schnabel und Beine a 
Länge 115, Flügel 64, Schwanz 50, Mundspalte 17 Mm. — 388: 
9. Massa 5/11. Länge 100, Flügel 55, Schwanz 40, an 
16 Mm. 

80. Cinnyris aliner (Ver). 


348 Dr. G. A. Fischer und Dr. Ant. Reichenow: 


179: . jun. Malindi 2/6. Iris braun. Länge 90, Flügel 50, Schwanz 
35, Mundspalte 17 Mm. — 178: 2. Malindi 1/6. Iris braun. Länge 
95, Flügel 53, Schwanz 35, Mundspalte 18 Mm. 

81. Cinnyris Kalckreuthi Cab. 

290: 4. Tschara 14/8. Iris dunkel. Länge 120, Flügel 61, 
Schwanz 42, Mundspalte 22 Mm. — 229: Mambrui 23/6. Iris 
braun, Schnabel und Beine schwarz. Länge 115, Flügel 62, Schwanz 
43, Mundspalte 24 Mm. — 230: Mambrui 23/6. Länge 102, Flügel 
55, Schwanz 38, Mundspalte 22 Mm. 

82. Cinnyris gutturalis L. 

168: 2. Sansibar 10/5. Iris braun, Schnabel und Füsse 
schwarz. Länge 110, Flügel 62, Schwanz 40, Mundspalte 22 Mm. 
FAM. DICRURIDAE. 

83. Dierurus Ludwigi Sm. 

336: 9. Muniuni 29/9. Iris roth, Schnabel und Beine schwarz. 
Länge 165, Flügel 100, Schwanz 85, Mundspalte 24 Mm. 

FAM. BRACHYPODIDAE. 

84. Andropadus flavescens Hartl. 

189: 3. Malindi 4/6. Iris gelb, Schnabel und Beine schwarz. 
Länge 170, Flügel 78, Schwanz 78, Mundspalte 20 Mm. — 181: 
9. Malindi 2/6. Iris gelb. Länge 165, Flügel 83, Schwanz 80, 
Mundspalte 20 Mm. 

85. Criniger Fischeri sp. n. 

Ornith. Centralbl. 1879 p. 139. 

322: d. Muniuni 20/9. Iris weisslich, Schnabel dunkelbraun, 
Beine bleifarben. Länge 190, Flügel 79, Schwanz 90, Mundspalte 
24 Mm. 

86. Criniger strepitans Sp. n. 

Ornith. Centralbl. 1879 p. 139. 

192: 3. Malindi 5/6. Iris röthliehbraun, Oberschnabel und 
Spitze des Unterschnabels dunkelbraun, Basis des Unterschnabels 
hornfahlbläulich, Beine graublau. Länge 170, Flügel 80, Schwanz 
85, Mundspalte 23 Mm. — 191: @. Malindi 5/6. Länge 165, 
Flügel 77, Schwanz 82, Mundspalte 22 Mm. 

87. Criniger flaviventris (Smith.). 

316: &. Muniuni 17/9. Iris rothbraun, Oberschnabel und 
Spitzenhälfte des Unterschnabels hornbraun, Basishälfte des Unter- 
schnabels dunkelblaugrau, Beine dunkelbleifarben. Länge 215, 
Flügel 106, Schwanz 95, Mundspalte 23 Mm. 


' Vögel von Ostafrika. 349 


FAM. MELIPHAGIDAE. 

88. Zosterops tenella Hartl. 

269: 3. Kipini 29/7. Iris hellbräunlichgelb, Oberschnabel und 
Spitze des Unterschnabels dunkelbraun, Basistheil des Unter- 
schnabels graublau, Beine bleifarben. Länge 100, Flügel 52, 
Schwanz 38, Mundspalte 12 Mm. — 298: 3. Tschara 24/8. Iris 
gelblichbraun, Schnabel dunkelbraun, Basis des Unterschnabels 
weisslich, Beine bleifarben. Länge 90, Flügel 52, Schwanz 37, 
Mundspalte 12 Mm. 

FAM. STURNIDAE. 

89. Speculipastor bicolor sp. n. 

Ornith. Centralbl. 1879 p. 120. 

238:3. Kipini 11/7. Iris orange, Schnabel und Beine schwarz. 
Länge 204, Flügel 115, Schwanz 85, Mundspalte 21 Mm. — 240: 
9. Kipini 11/7. Iris orange. Länge 185, Flügel 105, Schwanz 
75, Mundspalte 21 Mm. — 239: 2. Kipini 11/7. Länge 180 Mm. 

90. Cosmopsarus regius Sp. n.. 

Ornith. Centralbl. 1879 p. 120. 

373: &. Massa 2/11. Iris weiss, Schnabel und Beine schwarz, 
Länge 350, Flügel 130, Schwanz 210, Lauf 30 Mm. 

91. Lamprotornis porphyropterus Rüpp. 

367: g. Ualimi 25/10. Iris blassgelb, Schnabel und Beine 
schwarz. Länge 290, Flügel 155, Schwanz 146, Mundspalte 28 Mm. 

92. Lamprocolius melanogaster (Sw.). 

165: &. Bagamoja 25/4. Iris graubraun, Schnabel und Füsse 
schwarz. Länge 170, Flügel 101, Schwanz 68, Mundspalte 22 Mm. 
— 268: &. Kipini 28/7. Iris intensiv gelb, Schnabel und Füsse 
schwarz. Länge 190, Flügel 110, Schwanz 83, Mundspalte 20 Mm. 

FAM. ORIOLIDAE. 

93. Orviolus Rolleti Salv. 

278: &. Kau 9/8. Iris carminrotb, Schnabel braunroth, Beine 
bleifarben. Länge 210, Flügel 120, Schwanz 83, Mundspalte 36 Mm. 

94. Orvolus notutus Pet. 

223: 3. jun. Mambrui 22/6. Iris carminroth, Schnabel röth- 
lichbraun, Füsse bleifarben. Länge 210, Flügel 137, Schwanz 90, 
Mundspalte 30 Mm. 

FAM. PLOCEIDAE. 

95. Hyphantornis nigriceps Lay. 

251: 2. Kipini 21/7. Iris bräunlichgelb, Oberschnabel braun, 
Unterschnabel fahlbläulich, Beine hornbraun. Länge 150, Flügel 


350 Dr. &. A. Fischer und Dr. Ant. Reichenow: 


80, Schwanz 50, Mundspalte 138 Mm. — 252: 3 jun. Kipini 21/7. 
Iris röthlich, Oberschnabel hornbraun, Unterschnabel fahlbläulich, 
Beine fahlbräunlich. Länge 150 Mm. — 398: d. Mitele 18/11. 
‚Iris röthlich, Beine hellbornbraun. Länge 150, Flügel 83, Schwanz 
.55, Mundspalte 19 Mm. | gırdg 

96. Hyphantornis Bojeri Hart. et F. 

347: &. Muniuni 8/10. Iris gelbroth, Schnabel: schwarz, 
Füsse dunkelfleischfarben. Länge 130, Flügel 78, ‚Schwanz '50, 
Mundspalte 17 Mm. — 204:3. Malindi 8/6. Iris röthlich, Schnabel 
schwarz, Füsse fahlbräunlich. Länge. 140, Flügel 75, Schwanz 
55, Mundspalte 16 Mm. — 174: & juv. Malindi 31/5. Iris braun, 
Oberschnabel hornbraun, Unterschnabel blassgelblich, . Füsse fahl. 
Länge 130, Flügel 68, Schwanz 54, Mundspalte 16 Mm. 

97. Hyphanturgus ocularius (Smith). | 

188: 2. Malindi 4/6. Iris gelb, Schnabel schwarz, Füsse blei- 
farben. Länge 145, Flügel 70, Schwanz 59, Mundspalte 18 Mm. 
— 295; 9. Tschara 16/8., Iris blassgelb, Schnabel schwarz, Füsse 
bleifarben. Länge 140, Flügel 67, Schwanz 55, Mundspalte 19 Mm. 

98. Hyphanturgus ee (Vieill.). | 

250: &. Kipini 21/7. Iris roth, Schnabel schwarz, Füsse ‚horn- 
bräunlich. Länge 140, Flügel 75, Schwanz 55, Mundspalte 19 Mm. 
— 249: &. Kipini 21/7. Iris roth. Länge 140, Flügel 78, Schwanz 
58, Mundspalte 17 Mm. — 182: 9. Malindi 3/6. Iris bräunlich- 
roth, Schnabel schwarz, Füsse fahl. Länge 130, Flügel 70, Schwanz 
55, Mundspalte 18 Mm. — 201: 2. Malindi 7/6. Iris bräunlichroth, 
‚Schnabel schwarz, Beine fahlbläulich. Länge 135, Flügel 70, 
Schwanz 55, Mundspalte 16 Mm. — 248: 3. Kipini. 19/7. Iris 
roth, Schnabel schwarz, Beine fahlbraun. Länge 145, Flügel 75, 
Schwanz 56, Mundspalte 17 Mm. — 246: 9. Kipini 16/7. Iris röth- 
lich, Beine fahlbraun. Länge 140, Flügel 72, Schwanz 55, Mund- 
spalte 17 Mm. Nach den Beobachtungen von Dr. Fischer ist 
H. melanoxanthus Cab. das 9. von A. nigricollis. Vergl. Briefliche 
Berichte IV. (J. £. O. p. 280). Y 

99. Sycobrotus Kersteni Hartl. et F. 

307: &. . Engatana 9/9. Iris braun, Schnabel blänlichweise, 
Beine hornfahl. Länge 145, Flügel 87, Schwanz 57, Mundspalte 
20 Mm. — 349: 2. Muniuni 9/10:. nis röthlichbraun, Schnabel 
bläulichweiss, Beine hornfahl. Länge 145, Flügel 83, Schwanz 55, 
‚Mundspalte 20 Mm: — 345: 2. Muniuni 5/10. Iris braun,: Schnabel 
bläulichweiss, Beine hornfahl. Länge 140, Flügel 85, Schwanz 56, 


2 Vögel ‚von Ostafrika. 351 


‚Mündspalte 19 Mm. — 350: &. Muniuni 9/10. Iris röthlichbraun, 
Schnabel bläulichweiss, Füsse hornfahl. Länge 155, Flügel 89, 
Schwanz 58, Mundspalte 20 Mm. .Iris roth, Schnabel blassblau, 
-Schneidenränder heller, Beine blassfleischfarben. Länge 150. 

100. Textor Dinemelli Horsf. . 

354: &. Ndera. 14/10. Iris braun, Schnabel braunschwarz, 
nackte Haut um's Auge schwarz. Länge 180,. Flügel 105, Schwanz 
70, Mundspalte 21 Mm. — 353: 9. Ndera 14/10. . Iris braun, 
‚Schnabel dunkelbraunschwarz, nackte Haut um’s Auge schwarz, 
‚Füsse braunschwarz. Länge 175, Flügel 105, Schwanz 75, Mund- 
spalte 21 Mm. | 

101. Buplectes flammiceps (SW.). = 

173: 9. Malindi 30/5. Iris braun, Oberschnabel ‘hornbraun, 
‚Unterschnabel fahlbräunlich, Füsse hornbraun. Länge ‚120, Flügel 
-65, Schwanz 35, Mundspalte 15 Mm. — 185: 9. Malindi 3/6. 
Flügel 67, Schwanz 43, Mundspalte 16 Mm. 

102. Orynz zanthomelas (Rüpp.). 

164: 8. .Bagamojo 24/4. Iris braun, Oberschnahel schwarz, 
Unterschnabel weiss,. Füsse röthlichschwarz. Länge 120, Flügel 
65, Schwanz 53, Mundspalte 15 Mm. 

103. Penthetria axwillaris (Lin.). 

289: 2. Tschara 24/8. Iris dunkelbraun, Ahbrdchnaket horn- 
braun, Unterschnabel fahl, Beine braun. Länge 150, Flügel 78, 
Schwanz 55, Mundspalte 16 Mm. — 334: & juv. Muniuni 27/9. Iris 
braun, Schnabel bläulichweiss, Beine schwarz. Länge 155 Mm. 

306: d. Engatana 8/9. Iris. braun, Schnabel bläulichweiss, 
Füsse schwarz. Länge 165, Flügel 90, Schwanz 68, Mundspalte 
14 Mm. — 288: 3. Tschara 14/8. Iris dunkebraun. Länge 155, 
Flügel 82, Schwanz 65, Mundspalte 14 Mm. — 399: & juv. Mitole 
19/11. Iris braun, Oberschnabel hornbraun, Unterschnabel hornfahl, 
Füsse bräunlich. Länge 145 Mm. 

104. Vidua principalis Lin. 

228: 2. Mambrui 23/6. Iris braun, Schnabel bräunlichroth, 
Füsse braunschwarz. Länge 105, Flügel 63, Schwanz 48, Mund- 
spalte 8 Mm. 

105. Vidua Verreauxi Cass. 

359: &. Kibaradja 19/10. .Iris braun, Schnabel und Füsse 
schwarz. Länge 235, Flügel 77, kurze Schwanzfedern 57, lange 
Schwanzfedern 170, Mundspalte 12 Mm. — 395: 3. Kibaradja 12/11. 
Iris braun, Beine graubraun, Schnabel schwarz. Länge 380, mitt- 


352 Dr. 6. A. Fischer und Dr. Ant. Reichenow: 


lere Schwanzfedern 310, seitliche 52, Flügel 75, Mundspalte 10 Mm. 

106. Vidua splendens n. sp. 

Ornith. Centralbl. 1879 p. 180, '/« 

396: &. Kibaradja 12/11. Iris braun, Schnabel blassfleisch- 
farben, Beine bräunlich. Länge 250, Flügel 60, mittlere Schwanz- 
federn 200, seitliche 40, Mundspalte 10 Mm. 

107. Hyphantica quelea (Lin.). 

397: &. Mitole 18/11. Iris braun, Schnabel dunkelcarminroth, 
Augenlidrand orange, Beine blassfleischfarben. Länge 120, Flügel 
65, Schwanz 40, Mundspalte 13 Mm. — 219: 3 juv. Malindi 7/6. 
Iris braun, Schnabel dunkelroth, Füsse hellröthlichbraun. Länge 
110, Flügel 68, Schwanz 38, Mundspalte 13 Mm, 

108. Hyphantica aethiopica (Sund.). 

389: d. Massa 10/11. Iris braun, Augenlidrand orange, 
Schnabel dunkelcarminroth mit orangefarbener Spitze, Füsse blass- 
röthlichbraun. Länge 110, Flügel 65, Schwanz 40, Mundspalte 
13 Mm. — 253: &. Kipini 21/7. Iris bräunlichgelb, Augenlidrand 
korallrsth, Schnabel blutroth, Füsse röthlichgelb. Länge 105, 
Flügel 68, Schwanz 45, Mundspalte 14 Mm. 

109. Hyphantica erythrops (Hartl.). 

370: 3. Ualimi 27,10. Iris braun, Oberschnabel hornbraun, 
Unterschnabel hornfahl, Spitze bräunlich, Beine hornbräunlich. 
Länge 110, Flügel 62, Schwanz 33, Mundspalte 13 Mm. 

FAM. SPERMESTIDAE. 

110. Amaurestes fringilloides (Lafr.). 

27: &. Sansibar 13/4. 77. Iris bräunlichroth, Oberschnabel 
dunkelbraunschwarz, Unterschnabel horngraublau mit dunklerem 
Rande und Spitze, Beine hornschwärzlich. 

111. Pytelia citerior Strickl. 

374: &. Massa 2/11. Iris gelblichroth, Schnabel korallroth, 
Füsse fahlbräunlich. Länge 125, Flügel 58, Schwanz 52, Mund- 
spalte 14 Mm. 

112. Lagonosticta minima (Vieill.). 

175: &. Malindi 31/5. Iris röthlichbraun, Schnabel carmin- 
röthlich, Ränder und Mittellinie schwarz, Füsse hornbraun. Länge 
95, Flügel 45, Schwanz 34, Mundspalte 9 Mm. 

113. Pitylia caniceps n. sp. 

Ornith. Centralbl. 1879 p. 139. 

385: 4. Massa 5/11. Iris braun, Oberschnabel dunkelschiefer- 


Vögel von Ostafrika. 353 


farben, Unterschnabel hellgraublau, Beine braunschwarz. Länge 
110, Flügel 55, Schwanz 45, Mundspalte 8 Mm. 
114. Uraeginthus danthinogaster Sp. n. 

Ornith. Centralbl. 18°9 p. 120. 

378: &. Massa 3/11. Iris roth, Schnabel korallroth, Augen- 
lidrand hell ledergelb, Beine grauschwarz. Länge 120, Flügel 53, 
Schwanz 62, Mundspalte 10 Mm. — 377: 9. Massa 3/11. Iris 
roth, Augenlidrand hellledergelb, Schnabel blasskorallroth, Beine 
grauschwarz. Länge 110, Flügel 52, Schwanz 60, Mundspalte 9 Mm. 

115. Pyrenestes unicolor Fisch. et Rchw. 

384: 9. Massa 5/11. Iris braun, Schnabel grünlichgelb, Firste 
und Spitze braun, Füsse schwarz. Länge 145, Flügel 80, Mund- 
spalte 15, Schwanz 58 Mm. Von dem Weibchen des südlichen 
Pyrenestes albifrons unterscheidet sich das vorliegende durch ein 
dunkleres Braun der Oberseite und dunklere, braunschwarze, bei 
jenem heller braune Strichel der Unterseite. 

FAM. FRINGILLIDAE. 

116. Criihagra chloropsis Cab. 

158: &. Sansibar 20/3. Iris graubraun, Schnabel schwärz- 
lich, Unterschnabel und Basis des Oberschnabels hornfahl, Füsse 
fahlbläulich.. Länge 100, Flügel 65, Schwanz 41, Mundspalte 
11 Mm. 

117. Xanthodira pyrgita Heugl. 

392: 9. Kibaradja 12/11. Iris graubraun, Schnabel bräunlich- 
grau. Länge 130, Flügel 76, Schwanz 53, Mundspalte 14 Mm. 

FAM. EMBERIZIDAE. 

118. Polymitra flavigastra (Rüpp.) 

375: 9. Massa 2/11. Iris braun, Oberschnabel hornbraun, 
Rand desselben und Unterschnabel hornfahl, Beine hornfahl. Länge 
125, Flügel 70, Schwanz 67, Mundspalte 11 Mm. 

FAM. ALAUDIDAE, 

119. Corapkites leucotis (Stanl.). 

199: 3. Malindi 7/6. Iris braun, Schnabel fahlbräunlich, Füsse 
fahl. Länge 120, Flügel 80, Schwanz 17, Mundspalte 14 Mm. 

120. Alauda poecilosterna sp. n. 

Ornith. Centralbl. 1879 p. 155. 

394: 3. Kibaradja 12/11. Iris hellgraugelb, Oberschnabel 
und Spitze des Unterschnabels hornbraun, Unterschnabel weisslich- 
grau, Füsse hornfahl. Länge 145, Flügel 87, Schwanz 68, Mund- 
spalte 13 Mm. 


Cab. Journ. f. Ornith. XXVII. Jahrg. No. 148. October 1879. 23 


354 Dr. G. A. Fischer und Dr. Ant. Reichenow: 


121. Spilocorydon hypermetrusn. Sp. 

Ornith. Centralbl. 1879 p. 155. 

361: &. Kibaradja 23/10. Iris hellbraun, Oberschnabel braun, 
Unterschnabel und Rand des Oberschnabels nicht ganz bis zur 
Spitze hornweisslich, Spitze des Unterschnabels bräunlich, Füsse 
fahl. Länge 205, Flügel 110, Schwanz 80, Mundspalte 26 Mm. 

FAM. SYLVIADAE. 

122: Oisticola haematocephala Cab. 

180: &. Malindi 2/6. Iris gelbbraun, Oberschnabel und Rand 
des Unterschnabels braunschwarz, Unterschnabel hornfahlbläulich, 
Beine hornfahl. Länge 125, Flügel 54, Schwanz 54, Mundspalte 
17 Mm. — 218: 3. Malindi 17/6. Länge 134, Flügel 55, Schwanz 
53, Mundspalte 18 Mm. — 177: &. Malindi 1/6. Iris gelbbraun, 
Flügel 50, Schwanz 58, Mundspalte 17 Mm. 

123. Cisticola tenella Cab. 

259: 3. Kipini 26/7. Iris hellbräunlichgelb, Schnabel schwarz, 
Beine hornfahl. Länge 115, Flügel 48, Schwanz 50, Mundspalte 
15 Mm. 

124. Apalis chariessa Sp. n. 

Ornith. Centralbl. 1879 p. 120. 

310: &. Mitole 13/9. Iris gelbbraun, Schnabel schwarz, 
Beine blassfleischfarben. Länge 110, Flügel 47, Schwanz 50, 
Mundspalte 13 Mm. — 400: 3. Mitole 19/11. Iris gelbbraun, 
Beine hellgelblichbraun. Länge 125. 

125. Camaroptera brevicaudata (Rüpp.) 

344: &. Muniuni 5/10. Iris bräunlich gelb, Schnabel braun- 
schwarz, Basis des Unterschnabels in’s Graublaue, Beine horn- 
bräunlich. Länge 95, Flügel 54, Schwanz 29, Mundspalte 16 Mm. 

126. Camaroptera olivacea Sund. 

411: Z. Sansibar 2/10. Iris hellgelbbraun, schmaler Augen- 
rand hellledergelb, Schnabel‘ braunschwarz, Beine fleischfarben. 
Länge 110, Flügel 54, Schwanz 41, Mundspalte 17 Mm. 

127. Bradypterus brachypterus (Vieill.) 

287: 8. Tschara 14/8. Iris gelblichbraun, Oberschnabel 
dunkelhornbraun, Unterschnabel horngraublau, Beine bräunlich. 
Länge 140, Flügel 55, Schwanz 60, Mundspalte 18 Mm. — Das 
Nest hat die Form unserer Schilfsänger-Nester, ist aus Schilfgras 
fest gebaut, mit sehr tiefer Mulde, in die Innenseite sind einige 
Federn eingewebt. Die Eier sind auf weissem Grunde ziemlich 
dicht weiss gefleckt und messen 19 und 14 Mm. | 


Vögel von Ostafrika. 355 


128. Sylviella leucopsis sp.n. 

Ornith. Centralbl. 1879 p. 120. 

174a: &. Malindi 31/5. Iris gelbbraun, Oberschnabel und 
Spitze des Unterschnabels hornbraun, Unterschnabel hornfahl- 
bräunlich, Beine hornfahl. Länge 90, Flügel 53, Schwanz 27, 
Mundspalte 15 Mm. — 365: 3. Kibaradja 23/10. Länge 80 Mm. 

129. Addon psammochroa Sp. n. 

Ornith. Centralbl. 1879 p. 139. 

386: 9. Massa 5/11. Iris braun, Oberschnabel und Spitze 
des Unterschnabels hornbraun, Unterschnabel blass, Beine horn- 
bräunlich. Länge 145, Flügel 78, Schwanz 64, Mundspalte 20 Mm. 

130. Thamnobia guadrivirgata sp. n. 

Ornith. Centralbl. 1879 p. 170. 

263: d. Kipini 27/7. Iris braun, Schnabel schwarz, Beine 
hornweisslich. Länge 155, Flügel 80, Schwanz 70, Mundspalte 
18 Mm. — 1267: 3. Kipini 28/7. Iris braun, Schnabel schwarz, 
Beine blass graublau. Länge 150, Flügel 77, Schwanz 73, Mund- 
spalte 19 Min. 

FAM. SYLVICOLIDAE. 

131. Motacilla vidua Sund. 

313: &. Muniuni 17/9. Iris braun, Schnabel und Füsse 
schwarz. Länge 180, Flügel 91, Schwanz 97, Mundspalte 20 Mm. 

132. Anthus Raalteni Temm. 

221:2. Mambrui 21/6. Iris braun, Oberschnabel und Spitze 
des Unterschnabels hornbraun, Unterschnabel und Rand des Ober- 
schnabels fahlgelb. Länge 144, Flügel 80, Schwanz 60 Mm. 

133. Maeronyz croceus (Vieill.) 

235: &. Gelidja 29/6. Iris braun, Oberschnabel hornbraun, Rand 
des Oberschnabels und Unterschnabel hornblau, Beine hornfahl. 
Länge 170, Flügel 85, Schwanz 65, Mundspalte 22 Mm. 

134. Macronyz tenellus Oak. 

364: &. Kibaradja 23/10. Iris braun, Oberschnabel horn- 
braun, Unterschnabel graublau, Beine gelblichgrau. Länge 135, 
Flügel 82, Schwanz 54, Mundspalte 18 Mm. 

FAM. RHACNEMIDIDAE. 

135. Petrocincla saxatilis (L.) _ 

412: &. Bagamojo 20/11. Iris braun, Schnabel braun- 
schwarz, Basishälfte des Unterschnabels grau, Beine grün. Länge 
175, Flügel 120, Schwanz 65, Mundspalte 25 Mm. 


136. Campicola pileata Gm. 
23% 


356 Nehrkorn: Nest u. Ei von Rhynchocyclus einereiceps Sclat. 


163: &. Bagamojo 23/4. Iris braun, Schnabel und Beine 
schwarz. Länge 140, Flügel 90, Schwanz 60, Mundspalte 22 Mm. 

137. Saxicola isabellina Rüpp. 

407: &. Kipini 15/12. Iris braun, Schnabel und Beine 
schwarz. Länge 145, Flügel 102, Schwanz 60, Mundspalte 21 Mm. 

138. Cichladusa guttata (Heugl.) 

2855: 2. Kau 11/8. Iris braun, Schnabel und Beine horn- 
braun. Länge 150, Flügel 74, Schwanz 73, Mundspalte 20 Mm. 
— 200: 92. Malindi 7/6. Länge 150 Mm. 

139. Bessornis Heuglini (Hartl.) 

262: d. Kipini 26/7. Iris braun, Schnabel schwarz, Beine 
hornbraun. Länge 180, Flügel 88, Schwanz 80, Mundspalte 21 Mm. 

140. Bessornis natalensis (Smith.) 

198: 9. Malindi 7/6. Iris braun, Schnabel schwarz, Beine horn- 
bräunlich. Länge 160, Flügel 88, Schwanz 73, Mundspalte 22 Mm, 
— 213: 2. Malindi 16/6. Länge 150, Flügel 87, Schwanz 72, 
Mundspalte 21 Mm. — 216: 3. Malindi 17/6. Länge 155, Flügel 
93, Schwanz 76, Mundspalte 21 Mm. — 193: 9. Malindi 5/6. 
Länge 155, Flügel 87, Schwanz 68, Mundspalte 21 Mm. 

141: Turdus gutiatus Vig. 

266: &. Kipini 28/7. Iris braun, Oberschnabel und Spitze 
des Unterschnabels hornbraun, Unterschnabel hornweisslich, Beine 
fahl. Länge 190, Flügel 110, Schwanz 85, Mundspalte 23 Mm. 
265: 2. Kipini 28/5. Iris braun, Oberschnabel und Spitzentheil 
des Unterschnabels hornbraun, Basistheil des letzteren hornweiss- 
lich wie die Beine. Länge 183, Flügel 108, Schwanz 80, Mund- 
spalte 25 Mm. 


- Nest und Ei 
von Rhynchocyclus einereiceps Selat. 


Vor Kurzem erhielt ich unter einer Sendung Eier und Nester 
aus Chiriqui (Centralamerika) auch eins mit einem Ei und Vogel- 
fragmenten, die Herr Professor Cabanis als obiger Species zuge- 
hörig bestimmte. 

Das beutelförmige Nest hängt an der Spitze eines Zweiges 
(wie ich errathe einer Magnolia) und ist so fest geflochten, dass 
der Zweig, an dem noch die schönen grossen Blätter sitzen, nur 
mit Gewalt losgerissen werden könnte. Es besteht aus einer hohlen 
Kugel und einer ansitzenden Flugröhre, durch die man indess in 


Verzeichniss der im Kanton Schaffhausen vorkomm. Vögel. 357 


den Napf hineinsehen kann. Die Länge von der niederen Oeffinung 
bis zum Napfe beträgt 40 Mm. und die von dem oberen Rande bis 
zum Napfe 80 Mm. so dass die Einflugsöffnung 40 Mm. weit ist. 
Die Napfbreite beträgt 25 Mm., die Nestwandung durchschnittlich 
10 Mm., die ganze Nestlänge 170 Mm. 

Die Materialien des Nestes sind meist zarte Gräser, darunter 
auch solche, die zähen Bast haben. Am ganzen Bau eingewebt 
findet man grünliche Spinnenkokons und vertrocknete Blüthen. 
Der Napf ist dicht ausgekleidet mit brauner Pflanzenwolle, die man 
ohne nähere Prüfung für Lamawolle halten könnte. 

Das Ei, das 22 4 14,, Mm. misst, ist fleischfarben und am 
stumpfen Ende mit einem Kranze von violetten Unter- und kleinen 
rothbraunen Oberflecken versehen. Es ähnelt bis auf die etwas 
gestrecktere Form und weniger lebhafte Zeichnung den Eiern von 
Rhynchocyclus brevirostris Cab. 

Da dies eine Ei den Napf des Nestes bereits fast vollständig 
ausfüllte, so glaube ich mit Bestimmtheit annehmen zu können, 
dass der Vogel überhaupt nur 1—2 Eier legt. 

Herr Carl Euler beschreibt in Cab. Journ. 1867 das Nest des 
Oyclorhynchus olivaceus Gray aus Brasilien, was ziemlich auf das 
uns vorliegende Nest passt. 

Riddagshausen bei Braunschweig im October 1879. _ 

A. Nehrkorn. 


Verzeichniss 
der im Kanton Sehaffhausen vorkommenden Vögel. 
Von Emil Aug. Goeldlin, Prof. - 
Die vor den Namen befindlichen Sternchen geben die Zahl der im Museum 
stehenden, im Kanton Schaffhausen erlegten Exemplare an. 
Il. Rapaces. 
A. ACCIPITRINAE. 


1. *Aquila haliaötos. Gemeiner Flussadler. Ein geübter 
Stosstaucher, der die Fische meist so tief hinein verfolgt, dass das 
Wasser über iım zusammenschlägt. Ziemlich regelmässig am 
Untersee; ein von dort stammendes Exemplar steht im Schaffh. 
Museum. Desgleichen lange Jahre regelmässig am hinteren 
Hemming (Denggibuck, Winterifohren, Rossberg), wo er durch 
Herrn Thierarzt Pfeiffer in Neukirch genau beobachtet und in 
mehreren Exemplaren erlegt wurde. Zwei davon stehen in seiner 
Privat-Sammlung; die übrigen sind in andere Hände übergegangen 


358 Emil Aug. Goeldlin: 


Ein von dort her kommendes Gelege ist Herrn Vogel in Zürich 
übermittelt worden. Der Fischzucht schädlich. 

2. *Milvus ater. Schwarzer Milan. Wird hin und wieder 
im Kanton Schaffhausen beobachtet. Ein hübsches Exemplar aus 
hiesiger Gegend steht im städt. Museum; ein weiteres aus dem 
Klettgau ist in der Privat-Sammlung des Herrn Thierarzt Pfeiffer. 

3. *Milvus regalis. Rother Milan. Wird ziemlich häufig 
angetroffen, besonders an Orten mit höherer Lage, und scheint über- 
haupt ziemlich hoch hinauf zu gehen. Kommt (1879) alle Tage 
regelmässig in einem sehr schönen Exemplare bis in die Stadt 
hinein geflogen. Nistete 1878 in den Gruben, 1879 auf der 
Enge und im Klettgau mehrererorts. Nützlich. 

4. *##*Buteo vulgaris. Gemeiner oder Mäusebussard, In 
hiesiger Gegend allenthalben häufig. Ich besass 1873 2 Exemplare 
lebend, von denen das erstere von Herblingen stammte und jung 
aus dem Neste gefallen war, das andere von Neunkirch kam und 
durch strömenden Regen in Gefangenschaft gerieth. Nistet auf 
dem Kohlfirst, bei Gemmersbrun, bei Herblingen und 
Thayngen, auf Griesbach. Vorwiegend nützlich. 


5. **Buteo lagopus. Rauhfüssiger Bussard. Viel seltener, 
doch kehrt er hin und wieder in unserer Gegend ein. Wurde schon 
in mehreren Exemplaren erlegt. 

6. *Astur palumbarius. Für den Kleinwildständ sehr 
gefährlich; glücklicher Weise seltener als Buteo vulyaris. Verfolgt 
die Tauben oft bis in den Schlag hinein und geht verhältniss- 
mässig leicht in Stellfallen. Nistet bei Thayngen. Sehr 
schädlich. yu 

7. Circus rufus. Sumpfweihe. Diesen sonst seltenen 
Vogel sah ich zu verschiedenen Malen im Sommer 1878 im 
Schaarensumpfe, als der Moorboden weit hin derart ausge- 
trocknet war, dass selbst Lerchen dort nisten konnten. Ob die 
Sumpfweihe dort in der Nähe vistete, habe ich nicht ermitteln. 
können; ich möchte es glauben. 

8. Circus cyaneus. Ist in unserm Kanton auf morastigen 
Niederungen schon beobachtet worden, hi 

9. er Astur nisus. Dieser „Teufel in Vogelsgestalt“ er- 
setzt durch Tollkühnheit und maasslose Frechheit, was ihm an 
Grösse und Stärke abgeht. Verdient, wie sein Vetter, der Tauben- 
habicht, wegen Vertilgung einer Menge kleinerer Vögel (bis zur 


Verzeichniss der im Kanton Schafihausen vorkomm. Vögel. 359 


‚Grösse eines Rebhuhns) zur gänzlichen Ausrottung empfohlen zu 
werden. Noch häufig genug; Gemmersbrunn, Buchthalen, 
namentlich im Klettgau z. B. Gächlingen. 

10. #**Pernis apivorus. Wespenbussard. Gehört jedenfalls 
für unseren Kanton zu den seltenen Nistvögeln. Ein Exemplar 
wurde im Klettgau von Hr. Th. Pfeiffer beobachtet, als es sich 
mit einem Wespenneste zu schaffen machte; ein zweites steht in 
‚seiner Sammlung. In den Nachbarkantonen soll dieser Vogel in 
gewissen Jahrgängen mehrfach angetroffen worden sein. 

11. **Falco rufipes. Rothfüssiger Falke. Von diesem 
hübschen Vogel stehen 2 Exemplare im städt. Museum: ein Männ- 
chen und Weibchen, welche beide in unserem Kanton erlegt wurden. 
Ob er wohl bei uns nistet? 

12. Falco subbuteo. Der Baumfalke ist hier zu Lande 
eine ziemlich seltene Erscheinung. Herr Th. Pf. in Neunkirch 
sah ein Exemplar hinter seinem Hause auf Schwalben stossen 
(nach seiner Meinung ein Weibchen). Einige Tage vorher wurde 
ebendaselbst in der Nähe des Bahnhofes ein Männchen geschossen. 
Nistplätze sind bis zur Stunde noch nicht entdeckt worden. 

13. Falco peregrinus. Dieser edelste unter den inlän- 
‚dischen Falken besucht unser Gebiet selten; am Bodensee dagegen 
ist er schon hie und da angetroffen worden. Nistplätze sind noch 
keine gefunden worden. 

14. ####*Tinnunculus alaudarius. Der Thurmfalke, ein 
ebenso munterer als kecker Raubvogel, ist in dem oberen Theile 
des Kantons eine seltene Erscheinung, was umsomehr auffallen 
kann, als die Bedingungen, welche er stellt, reichlich vorhanden 
wären (z. B. beim Herblinger Schlösschen). Im Klettgau kommt 
er öfter vor, besonders auch als Brutvogel (Aasenberg bei 
Neunkirch). 

B. STRIGIDAE. 

15. Bubo maximus. Der Uhu ist wiederholt um den Mu- 
noth angetroffen worden. Zweimal wurde er lebend gefangen. Es 
kann auffallen, dass dieser Fürst der Finsterniss, der sonst am 
liebsten in einsamen dunklen Berg- u. Waldschluchten haust, auch 
die nächste Nähe der Stadt mit seinem, für die gefiederten Sänger 
immerhin verhängnissvollen Besuche beehrt. Hr. Ermatinger zum 
„Rüden“ schoss ein Exemplar im Hauenthal; nach dem Seiler’- 
schen Verzeichniss sollen sich Uhus auch am Hohentwiel vor- 
finden. Ob er irgendwo im Kanton nistet, habe ich nicht ermitteln 


360 Emil Aug. Goeldlin: 


können; Hr. Th. Pfeiffer verneint dies wenigstens für das Kistigas 
des bestimmtesten. Schädlich. 

16. **Otus sylvestris. Wird in unsern Wäldern alljährlich 
gefunden. Griesbach, Enge, Thayngen, Herblingen. 
Nützlich. 

17. #®#*Syrnium aluco. Unsere gemeinste Eulenart und in 
den meisten grösseren Waldungen zu finden. Nistet zuweilen in 
unmittelbarer Nähe der Häuser, z. B. lange Jahre bei Rüdlingen, 
Munoth, Griesbach, Thayngen, Instetten. 1879 erhielt 
ich 2 junge Exemplare des Waldkauzes vom Kohlfirst her. 
Nützlich. 

18. Athene noctua. Das unschuldig klingende, aber nichts- 
destoweniger zu allerlei Mährchen Veranlassung gebende „kuiwitt, 
kuiwitt“ des Käuzchens kann zu gewissen Abenden auf dem Munoth, 
auf St. Johann, indenKreuzgängen, namentlich aber in der 
Nähe der alten Kaserne gehört werden. Auf dem Oberthor- 
thurm wohnte ehemals auch ein Pärchen; seit einigen Jahren ist 
er verlassen. Der Leichenvogel wird jedoch bei seiner versteckten 
Lebensweise nur selten gefangen. Herr Reallehrer Schneider in 
Neunkirch besass 1878 längere Zeit ein Exemplar, welches ihm 
aus der Umgegend zugekommen war. Nistet wahrscheinlich an 
einem der bezeichneten Orte. Nützlich. 

19. *Strix flammea. Schleier- oder Perleule. Im oberen 
Theile des Kantons nicht häufig; öfter wird sie im Klattgau 
angetroffen. Herr Thierarzt Pfeiffer besitzt in seiner ge 
mehrere hiesige Schleiereulen. Nützlich. 

20. *Otus brachyotus. Die Sumpfrohreule ist für unsere 
Gegend nur Zugvogel, indem sie sich erst zur Winterszeit in der 
ebenen Schweiz einzustellen pflegt. Doch erscheint sie nur unregel- 
mässig und selten so zahlreich, wie sie zu Zeiten in den Nachbar- 
kantonen beobachtet wird. Zwei Exemplare stehen in der Samm- 
lung des Herr Th. Pfeiffer. 257 

21. Strix dasypus. Rauhfüssiger Kauz. Dieser hübsche 
Vogel ist selten in unserem Kanton; dazu ist er äusserst scheu 
und weiss sich vortrefflich ausserhalb des Bereiches der Schrote 
zu halten. Ein aus dem Klattgau stammendes Exemplar een 
Herr Th. Pfeiffer. 

22. Ephialtes scops. Die Zwerg-Ohreule, ein mehr dm 
Süden angehöriger Vogel, wird bei uns bloss hin und wieder beob- 


Verzeichniss der im Kanton Schaffhausen vorkomm. Vögel. 361 


achtet. Zwei aus unserem Kanton stammende Exemplare hat 
Herr Th. Pfeiffer in seiner Sammlung stehen. 


II. Scansores. 
A. PICIDAE. 

23. ”*Picus Martius. Der Schwarzspecht kann hie und 
da in unseren Waldungen beobachtet werden, doch nur vereinzelt 
und nie regelmässig. Nicht selten trifft man ihn auf dem Kohl- 
first, sodann in den Wäldern des Klettgaus. 1878 begegnete 
ich ihm auch in der Nähe von Stein a./Rh. Nistplätze sind mir 
nicht bekannt. 

24. *Picus viridis. Ist öfters wahrzunehmen, sofern der 
Beobachter seinem weithinhörbaren Hämmern folgt; versteckt sich 
aber meist auf die entgegengesetzte Seite des Stammes, um baldigst 
abzustreichen. Brutvogel auf Griesbach, Thayngen; sodann 
im Klettgau. 

25. *Picus canus. Grauspecht.e. Im oberen Theile des 
Kantons ziemlich selten. Im Klettgau dagegen ist er häufiger als 
der vorige. Brütet auch dort. 

26. Picus tridactylus. Dreizehiger Specht. Zur Selten- 
heit in den oberen Randenwaldungen anzutreffen. Dürfte 
wohl kaum Brutvogel sein. 

27. *Picus major. Der grosse Buntspecht ist bei uns 
ziemlich häufig und wird, wie überhaupt sämmtliche Spechtarten, 
von Förstern und Landleuten als Pfleger der Bäume anerkannt 
und geschont. Ständig zwischen Herblingen und Thayngen; 
sodann bei der Enge. 

28. Picus minor. In den nämlichen Gegenden wie der 
vorige und nirgends selten. 

B. CUCULIDAE. 

29. *Cuculus canorus. Ist allenthalben zu hören. Eier 
und Junge sind mir aus unserer Gegend noch nie zu Gesichte 
gekommen, wohl aber Herrn Th. Pfeiffer in Neunkirch. Kohl- 
first, Gruben, Enge, Hemming, Randen u. s. w. 

30. *Iynx torguilla. Der Wendehals ist bei uns Keine 
Seltenheit. Regelmässig sah ich ihn z. B. zwischen Herblingen 
und Thayngen an der Landstrasse. 

C. HALCYONIDAE. 

31. *Alcedo ispida. Der Eisvogel ist im Kanton Schafl- 

hausen an den meisten Bächen eine ständige Erscheinung. Tag- 


362 Emil Aug. Goeldlin: 


täglich wird er z. B. in Thayngen beobachtet und ebenso häufig 
nimmt man ihn bei der Biberer-Mühle zwischen Diessenhofen 
und Stein a./Rh. wahr. Das Nest zu finden hat bekanntlich seine 
grossen Schwierigkeiten; mir ist kein Fall bekannt geworden, dass 
eines in unserem Kanton entdeckt wurde. 


III. Passeres. 
A. DENTIROSTRES. 


32. *Lanius excubitor. Der grosse Würger zeigt sich 
nicht selten an Waldrändern und auf einzeln stehenden Bäumen 
des freien Feldes. Ich beobachtete ihn namentlich auf der Steig; 
sodann auch am rechten Rheinufer gegenüber Diessenhofen. 
1875 wurde einer auf Charlottenfels lebend gefangen, indem er 
gegen ein Fenster stiess. Im Klettgau sieht man ihn oft auf 
Telegraphendrähten sitzen und Herr Th. Pfeiffer besitzt mehrere 
dort erlegte Exemplare. 

33. *Lanius ruficeps. Der rothköpfige Würger lässt sich 
oft in Obstgärten sehen, sowie an mit niederem Strauchwerk be- 
wachsenen Halden. Felsenthal, Thayngen, Buchthalen. 

34. **Laniuscollurio. Der rothrückige Würger oder Neun- 
tödter ist ein ganz niederträchtiger Strauchritter, der abscheulichste 
Feind der kleinen Singvögel — und ist gerade in hiesiger Gegend 
gemein. Auf Spitzwiesen (in der Nähe der Stadt) ist eine 
Naturhecke ganz von ihm bevölkert und gar oft sieht man Meisen 
Finken, Goldammern oder Schwarzköpfe mit zerschlagenem Gehirn 
an den Dornen aufgesteckt; die jungen Frösche haben das Vorrecht, 
durch’s Maul aufgespiesst zu werden; vielleicht will er dadurch 
seinen Widerwillen gegen ihre Musik bekunden! — Fehlt nirgends, 
wo Hecken sind: Steig, Emmersberg, Buchthalen, 
Gruben, Mühlithal, Felsenthal, Herblingen u. s. w. 

35. *Muscicapa grisola. Der graue Fliegenfänger lässt 
sich mit Vorliebe in der Nähe bewohnter Bienenstöcke nieder, 
pflanzt sich auf einer Stütze, einem Rebstecken oder Telegraphen- 
drahte auf und schnappt die erscheinenden Immlein mit grossem 
Geschick weg. Macht sich jedoch durch Wegfanugen einer Unzahl 
von Fliegen und anderem Geschmeiss nützlich und wird von nie- 
mand behelligt. Brutvogel beim Munoth, bei Neuhausen, auf 
dem alten, städtischen Friedhof, Thayngen. 

36. Muscicapa atricapilla. Seltener als der Vorige. 

37, Muscicapa albicollis. Der Halsbandfliegenfänger kann 


Verzeichniss der im Kanton Schaffhausen vorkomm. Vögel. 363 


zwar nicht mit Bestimmtheit als in unserem Kanton vorkommend 
bezeichnet werden, doch ist es möglich, da er in den Nachbar- 
kantonen in vereinzelten Fällen beobachtet wurde. 

B. SUBULIROSTRES. 

38. *Motacilla alba. Die graue Bachstelze ist überall an 
unseren Bächen zu finden und kommt tagtäglich auch in die Stadt 
und in die Dörfer herein, um auf den Dächern Kerfe zwischen 
den Ziegeln hervorzuholen. Nistplätze allenthalben. Im Herbste 
sieht man sie oft noch spät schaarenweise im Winterkleide sich an 
den Bächen herumtreiben, ehe sie sich zur Reise anschickt. 

39. *Motacilla flava. Ist von mir ein Mal im Frühjahr 
nach einem Gewitterregen auf dem Dache der städtischen Thurm- 
halle gesehen worden. Im Klettgau wird sie auf dem Zuge 
zuweilen in Schaaren beobachtet. In den Randenthälern möchte 
die hübsche Schafstelze übrigens auch ständig vorkommen. 

40. *Motacilla sulphurea, sive boarula. Die Gebirgs- 
stelze steigt im Winter, wenn’s droben unwirthlich, nicht selten 
bis zu uns herab. Mit Eintritt freundlicherer Witterung verlässt 
sie uns wieder und kehrt an ihre Alpenseen und Gebirgsbäche 
zurück. Ein hier erlegtes Exemplar steht im Museum; ein zweites 
besitzt Herr Th. Pfeiffer. 

41. *Anthus arboreus. Der Baumpieper bewohnt das 
Rheinthal vom Bündtnerlande an bis zu uns herab und ist in der 
ebenen Schweiz keine seltene Erscheinung. 

42. Anthus aquaticus. Der Bachpieper ist schon mehr- 
mals beobachtet und erlegt worden und zum Theil in Sammlungen 
gelangt. 

43. Anthus campestris. Der Brachpieper — von dem 
Vorigen durch seine lehmgelbe Farbe und seinen monotonen Gesang 
ausgezeichnet — durchzieht das eine Mal im Frühling, das andere 
Mal im Herbste unsere Gegend. Als Standvogel ist er noch nicht 
beobachtet worden. 

44. Anthus pratensis. Der Wiesenpieper, dessen Färbung 
im Wesentlichen mit der von Anth. aquaticus übereinstimmt, von 
dem er sich aber durch seine lange Kralle an der Hinterzehe 
unterscheidet, wird zur Zeit der Wanderung auf Moorboden, Wiesen 
und Aeckern hie und da angetroffen. 

45. ***Oriolus galbula. Die stattliche Goldamsel führt in 
den dichtesten und höchsten Baumwipfeln von Obstwaldungen ein 
sehr verstecktes Leben; ist aber nicht so selten, wie es scheinen 


364 Emil Aug. Goeldlin: 


möchte. Leidenschaftlicbe Kirschenfreundin. Das kunstvolle Nest 
ist von mir im oberen Theile des Kantons noch nirgends aufge- 
funden worden, wohl aber im Klettgau von Herrn Th. Pfeiffer, 
der auch schon Junge erzog. Kloster Paradies. 

46. Turdus viscivorus. Die Misteldrossel und die kleinere 

47. #*Turdus musicus, Singdrossel, sind die ständigen 
Conzertgeber unserer Nadelholzwälder. Geben namentlich mit 
Unterholz versehenen Tannenwäldern und herangewachsene Baum- 
schulen den Vorzug. Nistet bei Gennersbrunn, auf der 
Enge, im Schaarenwalde. 

48. *#*Turdus merula. Die Schwarzamsel hat bei der Stadt 
Schaffhausen die Scheu vor dem Menschen abgelegt und ist von 
der Waldbewohnerin sozusagen zum Hausthiere geworden. Wo 
man ihr ein paar junge Tännchen darbietet, kehrt sie gleich ein 
und schlägt ihre Wohnung auf — selbst mitten im Getümmel und 
Gerassel der Stadt kann man sie tagtäglich ihren flötenden Gesang 
vortragen hören. Im Walde dagegen ist sie sehr scheu. Allerorts: 
Steig, Promenade, alter und neuer Friedhof, Munoth- 
graben und Emmersberg u. s. w. 

49. *Turdus iliacus. Die Weindrossel gehört wohl nur 
zu den seltenen Gästen; als Nistvogel kommt sie bei uns 
nirgends vor. 

50. *Turdus pilaris. Die Wachholderdrossel liebt dichte 
Waldungen, welche mit Birken untermischt sind; zuweilen trifft 
man sie auch in grösseren Obstwaldungen. Gennersbrunn, 


Enge. Im Früh- und im Spätjahr zieht sie regelmässig in 


kleineren und grösseren Flügen (bis zu 100 Stück) durch das 
Klettgau. 

51. *Oinclus aquaticus. Der gesangliebende Wasser- 
schmätzer bewohnt krystallhelle, wenig tiefe Bäche mit ruhigen 
Tümpeln, wo er, auf dem Grunde laufend, die kleinen Fischehen 
verfolgt. Dem am meisten tosenden Bach mit dem sprühenden 
Mühlrad giebt er den Vorzug. Das Nest findet man in dem 
Gewurzel eines bachfreundlichen Baums, in einer Gesteins- oder 
Mauerhöhlung, selbst in alten, stille stehenden Mühlrädern und hat 
oft ganz ungeheuerliche Dimensionen. Mühlithal, Felsenthal, 
Thayngen. Bleibt das ganze Jahr für Forellenzucht gefährlich! 

52. Tharrhaleus modularis. Die Hecken-Braunelle ist von 
Hr. Th. Pfeiffer am Aasenberg bei Neunkirch mehrfach beobachtet 
und zweimal erlegt worden. Sie hält sich mit Vorliebe im Ge- 


Verzeichniss der im Kanton Schaffhausen vorkomm. Vögel. 365 


büsch auf; der Gesang hat Aehnlichkeit mit dem von Zegulus 
flavicaps. Im oberen Theile des Kantons ist sie noch nicht ge- 
sehen worden, dürfte aber wohl vorkommen. 

53. Pratincola rubetra. Der Wiesenschmätzer ist hier 
nicht selten; doch lässt er den Beobachter nicht leicht soweit heran- 
kommen, dass er deutlich erkannt werden kann. Ich habe ihn 
schon mehrmals beiHerblingen beobachtet, sodann auch in der 
Nähe von Buchthalen. 

54. Saxzrcola oenanthe. Besucht uns zur Zeit der Wande- 
rung fast alljährlich, namentlich aber auf der Herbst- Reise. 
Mehrere hiesige Ex. bei Hr. Th. Pfeiffer in Neunkirch. 

55. *Zuscinia philomela, Sprosser, und 

56. *Zuseinia lusciola, Nachtigall, sind für unsere Gegend 
seltene Gäste. Der erstere gehört mehr dem Osten Europas an, 
die letztere nistet in der Süd- und Westschweiz. Von einem in 
Diessenhofen wohnenden Beobachter soll dieselbe auf dem 
Frühjahrszuge am Rheinufer beobachtet worden sein, und Hr. Th. 
Pfeiffer erhielt wirklich von dort zwei Exempl., welche in der Ge- 
fangenschaft gestorben waren. 

57. *?Sylvia rubecula. Das Rothkehlehen nistet mancher- 
orts in unserer Gegend, alljährlich z. B. im Munothgraben (der 
überhaupt für die verschiedensten Vögel grosse Anziehungskraft zu 
haben scheint); ferner im Schlossgraben auf Lauffen, auf 
der Enge u. s. w. Einzelne Exemplare überwintern. 

58. Cyanecula Wolfii (ohne Stern). Das Blaukehlchen 
trifft man in unserem Kanton, ebenso wie das weisssternige 

— *Oyanecula leucocyanea — an mit Weiden und Erlen 
bewachsenen Bachufern an, besonders in kleineren Trupps zur Zeit 
des Frühlingszuges (Mitte April. Thayngen, Mühlithal; so- 
dann im Klettgau. 

59. **Ruticilla phoenieura. Wälder und Baumpflan- 
zungen bilden den bevorzugtet Aufenthaltsort des Garten-Roth- 
schwänzchens. Mühlithal, Steig,Munothgraben,Emmers- 
berg, Promenade u. S. w. 

60. Ruticilla tithys. Der Hansröthling nistet in und um 
der Stadt überall, sowie in allen Ortschaften des Kantons, soweit 
überhaupt menschliche Wohnungen reichen, und benutzt jeden vor- 
springenden Balken, um sein nachlässig, aber warn gebautes Nest 
darauf anzulegen. Ist bei uns in der ebenen Gegend in der That 


366 Emil Aug. Goeldlin: 


zum Hausthiere geworden, während er im Gebirge nach Altväter- 
Sitte in Felsspalten nistet. Run 

61. Curruca hortensis. Die Gartengrasmücke findet sich 
zuweilen da ein, wo Naturhecken angelegt sind, die ihr etwelchen 
Schutz gewähren. Das Nest ist meist gut versteckt und im dich- 
testen Gestrüppe gelegen. Buchthalen, Klettgau, doch weit seltener 
als Sylvia cinerea. 

62. Curruca atricapilla. Der muntere Schwarzkopf, 
einer unsrer besten Sänger, siedelt sich gern in jedem Obstgarten 
an, der ihm eine dichte Hecke oder ein Gebüsch darbietet, in dem 
er sein Nest anlegen kann. Alter und neuer städtischer Fried- 
hof, Schlossgraben auf Laufen, Munothgraben, Pro- 
menade, Steig u. s. w. 

63. Curruca nisoria. Die hübsche Sperbergrasmücke ge- 
hört leider noch zu den selten gesehenen Gästen unseres Gebietes. 

64. Curruca cinerea. Die Hecken-Grasmücke ist wiederum 
gleich bereit, einzuziehen, wo man ihr eine Hecke darbietet, die 
ihren Lebensbedingungen Genüge leistet. Sie scheut auch die un- 
mittelbare Nähe des Menschen nicht besonders. Emmersberg, 
Gruben, Steig; allerorts im Klettgau. 

65. Sylvia arundinacea. Den Schilfrohrsänger treffen 
wir regelmässig da an, wo grössere Rohrbestände ihm einen ange- 
nehmen Aufenthalt bieten. Das in einiger Höhe über dem Wasser 
stehende und von 3 bis 4 Schilfstengeln getragene Nest ist jedoch 
schwer aufzufinden und flüchten die Jungen, selbst wenn sie noch 
nicht flügge sind, mit erstaunlicher Geschicklichkeit durch das 
Röhricht. Eglen-See bei Thayngen, Schaaren-Weiher und 
beide Rheinufer bis zur Höhe von Langwiesen. 

66. Sylvia turdoides. Die Rohrdrossel bewohnt die näm- 
lichen Reviere. Der Gesang, welcher einfach, aber ansprechend ist, 
lautet wie: torre, torre, torre, karre, karre, karre, kei, kei, kei, ki, 
ki, ki! und kann fast jedesmal bei Annäherung an das Röhricht 
gehört werden. Alljährlich nistend am Schaaren-Weiher, am 
linken Rheinufer bis Paradies, am Eglen-See bei 
Thayngen. Das Nest ist schwierig aufzufinden und noch schwerer 
hält es, zu demselben zu gelangen. 

67. Calamoherpe cariceti. Seggenrohrsänger. Dureh die 
dunkleren, auf der gelblichen Brust regelmässig vertheilten Feder- 
chen leicht kenntlich. Rheinufer und Untersee, 

68. Calamoherpe phragmitis, Schilfrohrsänger. Zeichnet 


% 


Verzeichniss der im Kanton Schaffhausen vorkomm. Vögel. 367 


sich durch sein einfaches, lehmgelbes Federkleid und den helleren 
Fleck über dem Auge aus. Schaaren; Eglen-See. 

69. Calamoherpe locustella, Heuschrecken-Rohrsänger. 
Oben olivengrün; unten schmutzig weiss. Der Gesang hat etwelche 
Aehnlichkeit mit dem Zirpen einer Heuschrecke. Bewohnt nied- 
riges Gestrüpp an Sümpfen und auf Moorboden. Seltener als die 
Vorigen. Untersee. 

70. Calamoherpe palustris, Sumpfrohrsänger. Ober- 
seite bräunlich grau, übrigens Sylvia arundinacea sehr ähnlich. 
Mehr in der Nähe von Getreidefeldern und verworrenem Gebüsche. 
Gesang sehr melodienreich, ähnlich dem von Turdus polyglottus. 
Eglen-See bei Thayngen. 

7. Troglodytes parvulus. Der muntere Zaunkönig fehlt 
kaum einem Striche unseres Landes, der ihm einen mit Buschwerk 
bewachsenen Bach darbietet. Geht auch in die Höhe und ist auf 
den obersten Wettertannen des Randens ebenso gut zu Hause als 
im Mühlithal, im Felsenthal und an der Rheinhalde. 
Singt auch im Winter bei der grössten Kälte unverdrossen sein 
eifrig hervorsprudelndes Liedchen. 

12. Hypolais hortensis. Der grosse Laubsänger ist im 
oberen Theile des Kanton Schaffhausen ziemlich selten. Herr Th. 
Tfeiffer hörte ihn im Mai 1862 auf der Promenade bei der Stadt. 
Derselbe Beobachter traf ihn zuweilen am Aasenberg bei Neun- 
kirch; das in seiner Sammlung befindliche Exempl. stammt von 
Schmerlat ebendaselbst. Herr. Th. Pfeiffer betrachtet ihn für 
unseren Kanton als Brutvogel. 

Diese 3 Species der Wald- 
laubvögel beleben mehr 


\ st .__ | oder weniger zahlreich alle 
13. Phyllopneuste sibilatrix. urkbrahehten, Febaiz 


= 1 nn bestände, so z.B. K ohl- 
. Phyitopneuste ruja. first, Buchhalde, so- 


dann denalten, städti- 
schen Friedhof. 

[NB. Dank der bevorzugten Lage unseres Kantons haben wir 
in Sylvien-Arten einen Reichthum aufzuweisen, wie kaum eine 
andere Gegend des Schweizerlandes.. Was die aufgezählten Cala- 
moherpen anbetrifft, so mögen dieselben den Bewohnern unseres 
Kantons zum grössten Theil noch unbekannt sein, da ihre Beobach- 


368 Emil Aug. Goeldlin: 


tung vermöge ihrer eigenthümlichen Lebensbedingungen mit be- 
deutenden Schwierigkeiten verbunden ist.] 
C. CONIROSTRES. 

76. *Parus major. Die Fink- oder Kohlmeise ist bei uns 
überall zu Hause. Im Herbste, wenn die kalten Tage kommen 
stellt sie sich mit Finken und Ammern vor den Häusern ein, um 
die hingestreuten Brusamen zu holen, und verliert übrigens bei der 
Unbill der Witterung den Galgenhumor keineswegs. — Schädlich 
kann sie werden, wenn sie in Hanffelder oder in Gärten einfällt, 
wo sie Salat- und Mohnköpfe und Sonnenblumen ausklaubt. Auch 
fällt sie nicht ungern über schwächere Vögel her, um ihnen das 
Gehirn auszupieken; im Frühjahr vernichtet sie viele Blüten beim 
Suchen nach Kerfen. 

17. *Parus caeruleus.)\ Von diesen 4 Arten gilt das Näm- 

78. *Parus eristatus. |liche. Par. caerul. und —ater sind 

19. *Parus ater. allgemein verbreitet; — ceriszat. und 

80. *Parus palustris.) — palustris sind weniger häufig. 

81. *Regulus flavicapillus. Kommt gar nicht selten in 
mit dichtem Unterholz versehenen Tannenwäldern vor. Desgleichen 
sein feuerköpfiges Vetterchen 

82. *Regulus Ügnicapillus. Ich beobachtete beide Gold- 
hähnchen auf der Enge gegen Griesbach hin und bei Gem- 
mersbrunn. Hr. Th. Pfeiffer hat ebenfalls beide im Klettgau 
wahrgenommen und besitzt sie auch in seiner Sammlung. 

83. **Alauda arvensis. Die Feldlerche, dieser Liebling des 
Landvolkes, hat sich Dank der Schonung, die ihr zu Theil wird, 
schon so vermehrt, dass in denjenigen Gegenden, welche ausge- 
dehnte Felder haben, fast jedes Stück Boden 1—2 Pärchen auf- 
zuweisen hat. Sie hat auch ohnedies Feinde genug: Raubzeug, Mäuse 
und Ratten und noch obendrein das Wasser halten ihr stets Schach 
und eine nicht geringe Anzahl von Bruten geht jeweils bei der 
Ernte zu Grunde. Buchthalen, Herblingen, Moris- 
hausen, Klettgau u. s. w. 

84. *Alauda arborea. Wird über niederen Waldungen 
und Rodungen nicht selten gehört. 

85. Alauda calandra. Die Kalander-Lerche soll schon 
beobachtet worden sein; jedenfalls ist sie sehr selten. 

86. Alauda cristata. Die sonst seltene Haubenlerche be- 
sucht uns hie und da in strengen Wintern, indem sie sich in Ge- 
sellschaft mit Ammern, Finkenmännchen und Spatzen vor Scheunen 


Verzeichniss der im Kanton Schaffhausen vorkomm. Vögel. 369 


und auf Höfen einstellt. So soll sie laut dem Seiler’schen Ver- 


zeichniss in dem strengen Winter 1846 mehrmals in der Vorstadt 
von Fuhrleuten mit der Peitsche heruntergezwackt worden sein. 

NB. Die Mehrzahl der verschiedenen Lerchenarten zieht über 
den Winter weg, doch bleiben auch nicht wenige zurück und fristen 
in der eben angegebenen Weise ihr Leben. Die todten Exemplare, 
die man oft an jenen Orten antrifft, beweisen, dass diese Vögel für 
die Kälte sehr empfindlich sind. 

87. *Emberiza citrinella. Die Goldammer, hie zu Lande 
„Emmeritz, Gelbfink, Strohvogel“ geheissen, ist das ganze Jahr bei 
uns zu sehen. Im Sommer sucht sie mit Vorliebe mit Gesträuch 
bewachsene Geröllhalden, Kiesgruben und Steinbrüche auf; im 
Winter kommt sie bekanntlich schaarenweise in die Ortschaften 
herein, um in Gesellschaft mit Lerchen, Finken und Spatzen Bro- 
samen zu suchen. Ihr nachlässig gebautes Nest kann man schon 


' in nächster Nähe der Stadt, z. B. beim Pulverthurm, auf 


Spitzwiesen, finden. 

Werden nur vereinzelt wahr- 
genommen und höchstens zur 
Zugzeit. Nistplätze sind mir 
weder von der einen noch 
von der andern bekannt. 
Stehen in hübschen Exempl. 
in der Pfeiffer’schenSammlung. 

90. Emberiza cia. Scheint noch seltener zu sein als die 
vorigen. Herr Thierarzt Pfeiffer hat sie im Klettgau noch nicht 
beobachtet; er erklärt sich dies aus dem Mangel an Hecken. Da 
sie indess in unseren Nachbarkantenen Zürich und Thurgau vor- 
kommt, wird sie unserer Gegend kaum gänzlich fehlen. 

91. Miliaria valida. Die Gerstenammer wird hie und da 
zur Zeit der Wanderung gesehen; als Nistvogel gehört sie meines 
Wissens dem Kanton Schaffhausen nicht an. Ein schönes Exem- 
plar ist von Hr. Th. Pfeiffer im Klettgau erlegt worden. 

92. *Fringilla montifringilla. Der „Gägler“ oder 
„Bergfink“ kann zu Zeiten auf spärlich bewaldeten Randenhügeln 
wahrgenommen werden und zwar vorzugsweise zur Zugzeit. 

93. *Fringilla chloris. Der Grünfink fehlt wohl kaum 
einem grösseren Obstgarten oder einer Parkanlage. Er wird aber 
von Unkundigen wohl nur selten wahrgenommen, da er durch sein 
grünes Kleid im Laubwerk trefflich geschützt ist, verräth sich jedoch 

Cab. Journ. f. Ornith. XXVII. Jahrg. No. 147. October 1879. 24 


88. Emberiza hortulana. 
89. Emberiza schoenielus. 


370 Emil Aug. Goeldlin: 


dem Kenner alsbald durch seinen eigenthümlichen, monotonen Ge- 
sang. Nest in mässiger Höhe über dem Boden auf Pappeln, Birken, 
Rosskastanien und Platanen. Friedhof und die umliegenden An- 
lagen auf Emmersberg, Munothgraben, Promenade, 
Steig u. s. w. 

94. #*Fringilla caelebs. Nebst dem Spatzen der ge- 
meinste und bekannteste aus der Finken-Familie. Die Unterschei- 
dung zwischen Wald- und Feld-Buchfinken scheint mir IpapR Haltes 
zu entbehren. 

95. *Fringilla carduelis. Der Distelfink gehört wiederum 
zu denjenigen Vögeln, welche bei uns von Jahr zu Jahr häufiger 
werden und sich immer zutraulicher den von den Menschen be- 
wohnten Gegenden nistend nähern. So siedelt er sich jedes Jahr 
mitten in der Stadt und an den belebtesten Strassen auf Ross- 
kastanien und Platanen an. Vordergasse, Münsterplatz, 
Promenade, Munothgraben, Friedhof u. s. w. Zur Zug- 
zeit treibt er sich bis gegen Anfang November in Schaaren bis 50 
Stück an Wegrändern, auf Feldern und in Obstgärten herum, um 
endlich die Reise über die Alpen anzutreten. 

96. *Cannabina linota. Den Bluthänfling sieht man oft 
in Vorhölzern und Obstgärten, indem er auf der höchsten Spitze 
eines Baumes oder auf einem einzeln stehenden Aste sitzend, seinen 
hübschen Gesang hören lässt. Gegen Ende Oktober zieht er von 
den höher gelegenen Strichen in Schaaren von 6 bis 10 Stück in 
die Ebene und vorzugsweise gegen die Rheinufer. Randenhügel, 
bei Thayngen, bei Herblingen, bei Lohn. 

97. ##Pringilla linaria und Cannabina flavirostris. Wird 
hie und auf der Wanderung angetroffen; gehört jedoch den 
Birkenwaldungen des hohen Nordens an. Vorzugsweise zur 
Winterszeit. 

98. Serinus hortulanus. Der Girlitz ist ein zwar noch 
meist unbekannter, aber keineswegs seltener Vogel. Er gehört 
eigentlich dem Süden an, rückt aber alljährlich weiter nach Norden 
vor. Ich beobachtete ibn längere Zeit zwischen Gruben und 
Buchthalen, wo er eine ziemlich öde Gegend in der anmuthigsten 
Weise belebte. 

99. *Spinus viridis. Der Erlenzeisig wird zuweilen zur 
Zeit der Wanderung in starken Zügen beobachtet; Niststellen sind 
keine bekaunt. 

100. *Passer domesticus. Den allbekannten Spatzen, von 


Verzeichniss der im Kanton Schaffhausen vorkomm. Vögel. 371 


dem man fast noch heutzutage, wie vor 2000 Jahren „zween um einen 
Pfennig‘‘ kaufen kann, dürfen wir hier füglich übergehen, — Ueber 
Nutzen und Schadens des Sperlings herrschen verschiedene An- 
sichten; doch einigt man sich neuerdings mehr zu der Meinung, 
dass der auf Kosten des Menschen lebende Schmarotzer dessen 
Schutz nicht verdient. Brütet 3 bis 4 Mal im Jahre. 

101. *Passer montanus. Der Feldsperling ist scheuer als 
sein Vetter, kommt ungezwungen auch niemals in die unmittelbare 
Nähe des Menschen. Brütet 2 bis 3 Mal im Jahre in Baumhöhlen 
und Felsenspalten. Gesellig lebend. Ober-Neuhaus, Herb- 
lingen, Eglen-See bei Thayngen. Vorwiegend nützlich! 

102. *Pyrrhula vulgaris. Der hübsche Dompfaff ist so 
ziemlich überall zu Hause: in den obersten Wettertannen des 
Randen, wie in den Nadelholzwaldungen der Ebene ertönt gleich 
oft sein heller Lockruf. Während er im Sommer ein ziemlich 
einsiedlerisches Leben führt, nähert er sich im Winter den mensch- 
lichen Wohnungen und besucht nicht selten in starken Flügen bis 
auf 50 Stück die Platanen unserer Stadt, um von dort aus in 
Gemeinschaft mit Ammern, Finken und Spatzen die Strassen zu 
durchsuchen. (Promenade, Klosterbogen.) In Gegenden, wo grössere 
Strecken mit Nadelwald bestanden sind und dieser heimliche, 
wenig besuchte Dickichte enthält, nistet der Gimpel. Enge, 
linkes Rheinufer zwischen Diessenhofen und Paradies. 
Vorwiegend nützlich! 

103. Citrinella alpina... Der Citronfink kommt nur in 
unsere Gegenden, wenn er im strengen Winter von der Unbill 
der Witterung in den Hochthälern verdrängt wird. Ist sonst 
Gebirgsvogel und gehört den obersten Waldungen der Alpen an, 
Selten. 

104, **Lozia curvirostra. Der Fichtenkreuzschnabel ist 
in unseren Gegenden nur dann ein gewöhnlicher Gast, wenn die 
Fichten- und Kiefernsaamen, von denen er sich hauptsächlich nährt 
recht gut gediehen sind. In solchen Jahren schreitet er auch zum 
Nestbau und zwar zu allen Zeiten: im kalten Januar, wenn der 
Schnee dick auf den Zweigen liest und alle anderen Waldbewohner 
verstummt sind, ebensowohl wie im Hochsommer. Das Nest ist 
regelmässig durch vor und über demselbem verlaufende Zweige 
nach oben vor dem darauf fallenden Schnee gedeckt. Enge, Randen. 
Kann seiner Seltenheit halber nicht als forstschädlich bezeichnet 


werden; nützt hingegen dadurch, dass er in saamenreichen Jahren 
24* 


372 Emil Aug. Goeldlin: 


die überladenen Wipfel durch Abbeissen der Fichtenzapfen erleichtert 
und diese hiemit erhält. 

105. **Lozia pityopsittacus. Der Kiefernkreuzschnabel 
stellt sich nur ausnahmsweise, dann aber in mehr oder weniger 
zahlreichen Gruppen in unseren Waldungen ein. 

106*. #*Coccothraustes vulgaris. Der Kirschkernbeisser 
scheint für unsere Gegend nur Strichvogel zu sein und findet sich 
nur in solchen Jahren regelmässig ein, wenn seine Lieblingsfrucht 
reichlich gediehen is. Er macht sich dann durch seine Ver- 
wüstungen in Kirschgärten und Gemüsepflanzungen dem Landmann 
verhasst. Schädlich! Klettgau. 

106. Bombyeilla garrula. Der Seidenschwanz, dessen 
Heimat der hohe Norden Europas und Asien ist und mit dessen 
Naturgeschichte wir erst seit 1856 bekannt geworden, verfliegt 
sich nur in strengen Wintern bis in’s Schweizerland. In jüngster 
Zeit sind mir keine Berichte von seinem Vorkommen in hiesigem 
Kanton zu Ohren gekommen. 


IV. Corvinae. 
A. CORVINAE. 


107. Corvus nobilis sive C. corax. Der stattliche Vogel 
der Sage, der Rabe, ist in die Alpenregion zurückgedrängt und 
in unserer Gegend, wie überhaupt in den Niederungen bis zu 
3000 m. absoluter Meereshöhe kaum mehr anzutreffen. In der 
„guten, alten Rad- und Galgenzeit“ bewohnte er zweifelsohne auch 
den Kanton Schaffhausen. 

108. *Corvus corone. Die Rabenkrähe ist bei uns der 
grösste Vertreter der schwarzen Familie und allenthalben bekannt. 
Schädlich durch Verfolgung kleinerer Vögel, namentlich zur 
Brutzeit. 

109. *Corvus cornixz. Die Nebelkrähe gehört zu den 
selteneren Vögeln; davon, dass sie im Kanton niste, ist mir noch 
nichts zu Ohren gekommen. Ich beobachtete sie 1878 zur Winters- 
zeit in einem Exemplar auf dem Viehmarkte in der Stadt unter 
einer Schaar gewöhnlicher Krähen. Schädlich. 

110. Corvus frugilegus. Die Saatkrähe ist für uns nur 
Zugvogel. Nistend ist sie noch nirgends angetroffen worden. 
Nützlich. 

11l. *Pica caudata. Die Elster, „ein Strauchritter und 
Gaudieb ersten Ranges“, lässt in ihrer Umgebung kaum eine Brut 


Verzeichniss der im Kanton Schaffhausen vorkomm. Vögel. 373 


kleiner Vögel aufkommen und kann für eine Gegend zur wahren 
Landplage werden. Dabei ist sie ungemein frech, stets aber vor- 
sichtig und klug und weiss sich listig ausserhalb des Bereiches der 
Schrote des erbitterten Landmannes zu halten. Ständig bei Buch- 
thalen und Thayngen. Da einzelne der oberen Gemeinden 
hiesigen Kantons ein Schussgeld auf sie gesetzt haben, sah sie 
sich zum Rückzuge gezwungen. Auch im Klettgau ist sie nach- 
gerade selten geworden. Sehr schädlich. 

112. *Corvus monedula. Die Dohle bewohnt zu Hunderten 
das alte Gemäuer der Stadt, Auf dem Lande schlägt sie ihre 
Wohnung in Felslöchern und Baumhöhlen auf. Gewinnt durch ihr 
kluges Benehmen und ihre eleganten Bewegungen; lustig durch 
ihr Geschrei und nach unparteiischen Untersuchungen vorwiegend 
schädlich. Zudem vermehrt sie durch Anhäufung von brennbaren 
Stoffen an ihren Nistorten die Feuersgefahr. Munoth, Ober- 
thorthurm, St.Johann, Münster, sowie manche Privatgebäude 
in der Stadt. Thayngen, Andelfingen. 

113. **@Garrulus glandarius. Der Eichelhäher, hie zu 
Lande „Hätzel“ genannt, ist nebst Sperber und Elster wohl der 
schädlichste aller unserer Vögel und gerade dieser Gauner schreit 
aus jedem Busch sein schnarrendes „Jäg“. Der Schrecken aller 
kleineren Vögel und überaus gewaltthätig und mordlustig. Trotz- 
dem die Jungen als Leckerbissen gelten, hat seine Anzahl nicht 
abgenommen — im Gegentheil, sie nimmt von Jahr zu Jahr zu. 
Wäre würdig, dass auf seinen. Kopf ein Schussgeld ausgesetzt 
würde! 

114. Coracias garrula. Die Blauracke ist im Kanton seit 
langen Jahren erst 2 mal beobachtet und erlegt worden. Das 
eine Exemplar (2) steht in der Pfeiffer’schen S.; das andere von 
H. Haupt. Keller auf dem Hallauer Berge geschossene 
Exemplar (2) besitzt Herr Dr. Keller in Hallau. Bei der auffallend 
schönen Färbung dieses Vogels ist es kaum wahrscheinlich, dass 
früheres Vorkommen oder Durchziehen etwa unbeachtet geblieben 
sein könnte. Indess sind sie bekanntlich sehr scheu. 

115. *Nucifraga caryocatactes. Der Tannenhäher ist 
hier, wie allerorts in der Schweiz, eine Seltenheit. Gewinnt den 
Beobachter durch seine Lebhaftigkeit und zeigt viel liebenswürdigere 
Eigenschaften als sein pöbelhafter Vetter. Ich beobachtete ihn 1876 
beigennersbrunn. Drei schöne Exemplare aus hiesigem Kanton 


374 Emil Aug. Goeldlin: 


stehen in der Pfeiffer’schen Sammlung: ein Paar davon stammt 
von dem Rossberg, der dritte ab dem Randen. 


116. **Szurnus vulgaris. Der viel verfolgte Staarmatz 
ist allenthalben zu finden, trotzdem man ihm hier zu Lande nur 
selten die sog. Staarenkasten auf die Bäume setzt, wie es in der 
Ostschweiz überall geschieht. Er begnügt sich hier mit einem 
Astloch und ist dabei guter Dinge. Im Herbste aber führt er ein 
Schlaraffen-Leben, fällt schaarenweise in Obstgärten und Rebberge 
ein und macht den Nutzen zu nichte, welchen er den Sommer über 
durch Insekten-Vertilgung geleistet. In unmittelbarer Nähe der 
Stadt bei der Rheinhalde, an der Steig und im Hohlen- 
baum. 


117. Acridotheresroseus. DerRosenstaar, dieser Zigeuner- 
vogel par excellence, besucht in Heuschreckenjahren auch unsere 
Gegend. Die beiden Exemplare im hiesigen Museum stammen 
jedoch aus seiner Heimat Sibirien. Das letzte Mal ist er 1870 
gesehen worden. 

B. TENUIROSTRES. 

118. **Sitta europaea. Spechtmeise, Baumpicker, Kleiber. 
Ist einer der häufigeren Vögel. Ein gutmüthiges, regsames, in 
seiner Lebensweise in mancher Hinsicht an die Meisen erinnerndes 
Thierchen, das durch Insekten-Vertilgung zu unseren nützlichsten 
Vögeln gezählt werden muss. Buchthalen, Thayngen u. s. w. 

119. Certhia familiares. Der Sichelschnäbler, vom Land- 
volke hier „Baumläuferli“ genannt, ist beinahe allenthalben zu 
Hause. Belebt die Feldbäume und erfreut den Beobachter durch 
sein geschicktes Benehmen. Thayngen, Klettgau. 


120. **Tichodroma muraria. Der Alpenmauerläufer, 
dieser schönste unter den schweizerischen Vögeln, verirrt sich in 
strengen Wintern nicht selten in die Nähe der Stadt. Zuver- 
lässigen Erkundigungen zufolge ist er zweimal beobachtet worden: 
das eine malam Munoth, das andere mal am Oberthorthurm. 
Bedenkt man, dass nicht immer gleich ein Kundiger an Ort und 
Stelle ist, wenn uns der hübsche Gast mit seinem Besuche beehrt, 
so darf man füglich annehmen, dass er sich bei grosser Kälte 
öfters bei uns einstellt. Das Seiler’sche Verzeichniss (1847) giebt 
an, dass er in früheren Jahren einmal beim Schützenhause und an 
den Ruinen des Hohentwiel öfters wahrgenommen wurde. 


121. *Upupa epops. Der komische Gesell, dessen Nest 


Verzeichniss der im Kanton Schaffhausen vorkomm. Vögel. 375 


die Volkssage einen unerträglichen Gestank andichtet, ist sicherlich 
bei uns Brutvogel. Ich beobachtete ihn 1876 zu verschiedenen 
Malen in einem Pärchen in einer sumpfigen Niederung an der 
Bahnlinie Herblingen-Thayngen, unweit des zweiten Bahn- 
häuschens. Nach Herrn Thierarzt Pfeiffer brütete er schon auf 
dem Gächlinger Berge. Derselbe Beobachter sah und erlegte 
ihn auch am hinteren Hemming. — Die Angabe Seiler’s, dass 
der Wiedehopf im ganzen Kanton vorkomme, ist nicht richtig, er 
sehört bei uns entschieden zu den seltenen Erscheinungen. Der 
von Seiler bezeichnete Nistort, nämlich das Wäldchen vis-&-vis dem 
Rheinfall, fällt für unsere Zeit ausser Betracht, da er, wie unsere 
Nachforschungen ergaben, dort nicht mehr gesehen wird. 
C. FISSIROSTRES. 

122. **Hirundo rustica. Rauchschwalbe, beim Volke 
unter dem Namen ‚‚Zimmerschwalbe‘“ bekannt. Folgt dem Menschen 
überall hin. Mit Vorliebe jagt sie inmitten der Stadt über der 
Einmündung des Gerberbachs und über dem alten Friedhof, 
wo sich über dem nicht selten stagnirenden Wasser allabendlich 
eine Unzahl von Kerfen zeigt. — Versammlungsorte vor der Ab- 
reise sind der Münsterthurm und die Telegraphendrähte am 
Museum. Ankunft Mitte April, — Abreise Mitte September. 

123. *Zirundo urbica. Die von der vorigen Art durch das 
Zurücktreten des Schwarzen am Halse ausgezeichnete Stadt- oder 
Kirchenschwalbe kommt bei uns in der Stadt häufiger vor als die 
Rauchschwalbe und zwar sieht man vielleicht auf 3 von dieser 
Art keine von jener. In den Landdörfern trifft dieses Verhältniss 
nicht mehr zu. 

124. *Hirundo riparia. Die Uferschwalbe ist ein mun- 
terer, beweglicher Vogel, welcher öde, sonst an Vögeln arme Fluss- 
ufer in anmuthiger Weise belebt. Die grösste Kolonie befindet sich 
am rechten Rheingestade in der Nähe der Biberer-Mühle, wo 
sie zu Hunderten vorkommt. Ferner ist eine Kolonie unterhalb 
Neuhausen und im Sommer 1879 wollte sich eine kleinere 
Gruppe dieser Vögel an einer ziemlich steil abfallenden Erdwand 
in der Nähe von Buchthalen niederlassen, zog dann aber mit 
Hinterlassung ihrer begonnenen Nistarbeiten weiter. 

125. **Cypselus apus. Die Spyre bewohnt unsere Thürme 
oft in grosser Anzahl und benutzt die Luftlöcher und Spalten der 
Mauern, sowie die Dachtraufen der Wohnhäuser, um ihr ärmlich 


376 Emil Aug. Goeldlin: 


aussehendes Nest darin anzulegen. Die Jungen sind am ersteren 
Orte meist einer erdrückenden Hitze ausgesetzt und arg vom Un- 
geziefer (Philopterus communis) gequält, am letzteren nicht selten 
in Gefahr zu ertrinken im Regenwasser. Erscheint bei uns zu An- 
fang Mai und zieht wiederum früher als die Hausschwalbe dem 
Süden zu. In der Stadt bewohnt sie ausser manchen Privat-Ge- 
bäuden den Oberthorthurm, den Münster- und St. Johann- 
Thurm, sowie den Munoth. 

126. Caprimulgus europaeus. Der Ziegenmelker ist 
auch in dieser Gegend wohl gar kein so seltener Vogel; doch wird 
er bei seiner versteckten Lebensweise selten beobachtet und noch 
seltener erkannt. Nach Hr. Th. Pfeiffer brütet er im Wan gen- 
thal. Zwei aus dem Klettgau stammende Exempl., wovon das 
eine bei Neukirch zur Abendzeit durch einen Knaben mit der 
Peitsche aus der Luft gezwackt worden ist ‚ Stehen in der Samm- 
lung des Hr. Th. Pfeiffer. 


V. Columbae. 

127. *Palumbus torquatus. Die grösste unserer Wild- 
tauben, die Ringeltaube, bewohnt ziemlich zahlreich die Waldungen 
unseres Kantons. Das Nest ist sehr wenig solid gebaut, steht 3 
bis 30 m. hoch über dem Boden und ist auf Fichten, Kiefern, 
Eichen und Buchen, seltener auf Erlen und Linden angelegt. Nistet 
in jedem grösseren Wald: Enge-Griesbach, Hemming, 
Kohlfirst, Herblingen, Thayngen, Gemmersbrunn, 
Gruben u. s. w., ziemlich zahlreich auch am Hohentwiel. Ver- 
dient wegen Aufzehrens von Unkrautsamen verschiedenster Art ge- 
schont zu werden; trägt auch wesentlich zur Belebung unserer 
Wälder bei. 

128. Columba oenas. Die kleine Holztaube ist seltener als 
die vorige aus dem sehr triftigen Grunde, weil sie nicht wie jene 
das Nest auf den Bäumen anlegt und nicht überall leben kann, 
sondern an alte Bäume mit passenden Höhlungen gebunden ist. 
Sonst bewohnt sie die nämlichen Reviere, wie die vorige. Gem- 
mersbrunn, Thayngen. In zahlreichen Schaaren sieht man 
sie hie und da zur Zugzeit von Emmersberg herkommend nach 
Süden streifen. 2 aus dem Klettgau stammende Exempl. besitzt 
Herr Th. Pfeiffer. 

129. *Turtur auritus. Mit dem Namen „Turteltaube“ wird 
hier zu Lande, wie in anderen Gegenden der Schweiz, die aus Ost- 


Verzeichniss der im Kanton Schaffhausen vorkomm. Vögel. 377 


afrika und Südarabien stammende Lachtaube (Turtur sive Strepto- 
pelcia risoria) bezeichnet, welche zuweilen — und zwar nicht selten 
aus Gründen des Aberglaubens — im Käfig gehalten wird, während 
die wirkliche Turteltaube meist unbekannt geblieben ist. Sie be- 
wohnt die Waldungen der Niederung; doch ist die Anzahl alljähr- 
lich stark dem Wechsel unterworfen. Trifft im April ein und ver- 
lässt uns im September. 

130. **Columba livia. Zahlreiche verwilderte Abarten der 
Haustaube, sog. Feldflüchter, nisten auf St. Johann, an der 
Schiffslände, an der Münsterkirche und am Museum. 
Das Nest stimmt mit dem von der wilden Haustaube überein. 

[INB. Die Taubenarten sind laut der Vollziehungsverordnung 
zum Bundesgesetz über Jagd (vom 17. Sept. 1875) vom obrigkeit- 
lichen Schutz ausgenommen. Absolut schädlich ist keine, dagegen 
nützen sie alle durch Vertilgung von Unkrautsaamen. Sie fressen 
z. B. mit Vorliebe den Saamen der für die Landwirthschaft so 
lästigen Vogelwicke. (Vicia crocea L.)] 


Vl1. Gallinae. 
A, GALLINACEAE. 

131. Tetrao uwrogallus. Dies edle Wild ist nachgerade 
zur Seltenheit geworden. Mir sind in jüngster Zeit keine Berichte 
zu Ohren gekommen, dass in dieser oder jener Gegend unseres 
Kantons ein Auerhahn beobachtet und erlegt worden sei. Indess 
dürfte er in höher gelegenen Randenwaldungen vielleicht nicht 
gänzlich fehlen und nur Dank seiner verborgenen Lebensweise 
nicht wahrgenommen werden. 

132. Tetrao tetrix. Der Birkhahn, bei Forstmännern und 
Jägern unter dem Namen „Spielhahn‘‘ bekannt, gehört zwar den 
hohen Alpen an, wo er sich in den krummholztragenden Hängen 
herumtreibt, sowie an freien, sonnigen Berglehnen. Was sein Vor- 
kommen im Kant. Schaffhausen anbetrifft, so gilt von ihm das 
Nämliche, wie von dem Auerhahn. 

133. *Perdix cinerea. Wo bei uns in den ebeneren Ge- 
genden die Bedingungen zu seinem Fortkommen vorhanden sind, 
zeigt sich das Rebhuhn überall in einzelnen Ketten. Das Nest mit 
den Eiern oder die Jungen fallen nicht selten bei der Ernte dem 
Landmann in die Hände. Indess gelingt es der Alten häufig, ver- 
mittelst ihrer bekannten List den Verfolger zu täuschen. 

134. *Perdixz rufa sive saxzatilis. Das Steinhuhn, das 


378 Emil Aug. Goeldlin: 


mit den verwandten Varietäten ?. rudra und P. petrosa eigentlich 
dem Süden Europa’s angehört, wird zuweilen auch bei uns ange- 
troffen. Ein Exempl. aus hiesiger Gegend steht im Museum. E 

135. Tetrao buona-asa. Herr Th. Pfeiffer traf vor einigen 
Jahren in der sog. „Burch“ (Waldtheil zwischen Neunkirch 
und Osterfingen) ein auf den Eiern sitzendes Haselhuhn, dem 
er sich bis auf einen Schritt nähern konnte. Da er von einem 
Holzhauer an die Stelle geführt worden war und in grösster Nähe 
einige „Wellenmacher“ arbeiteten, rettete er die Eier für die Samm- 
lung des Hr. Vogel in Zürich vor dem rührenden Ende in einer 
Osterfinger-Pfanne, das ihnen sicherlich zu Theil geworden wäre. 

136. *Coturnix daectylisonans. Die Wachtel ist, wo sie 
vorkommt, wegen ihres angenehmen Rufes und Benehmens überall 
beliebt und gehegt. In der Nähe der Stadt wird sie nur höchst 
selten beobachtet; dagegen fehlt sie dem Klettgau nicht gänzlich. 


VO. Grallatores. 

137. *Oedienemus crepitans. Ein im hiesigen Museum 
stehender Diekfuss soll laut seiner Etiquette im Kant. Schaffhausen 
erbeutet worden sein. Leider sind wir nicht im Falle, über das 
interessante Vorkommniss des osteuropäischen Vogels Näheres an- 
geben zu können. In kantonalen und schweizerischen Verzeich- 
nissen wird er nicht aufgeführt, ausgenommen bei Moesch. 

138. **Fulica atra. Das Blässhuhn ist so ziemlich überall 
zu Hause, wo grössere Teiche oder mit Schilf bewachsene Sümpfe 
und Flussufer ihm einen zusagenden Aufenthalt darbieten. Wird 
häufig am Untersee beobachtet; hie und da auch im Klettgau. 
Seiler führt auch das Mühlithal als Standort an; ich habe es in 
den letzten Jahren dort nicht entdecken können. 

139. *Gallinula chloropus. Das grünfüssige Rohrhuhn 
bewohnt ungefähr dieselben Reviere wie das Blässhuhn. Paradies, 
Schaaren, Thayngen, Klettgau. Ein von mir am Eglen- 
See erlegtes Exemplar ist in’s Gymnasium gewandert (1878). 

140. **Ortygometra porzana. Die gesprenkelte Ralle ist 
an den nämlichen Orten, wie die vorige Art, anzutreffen. DUeie 

a/Rh., Paradies. 

141. *Rallus aquaticus. Ebenso. Mühlithal; Unter- 
see und Rhein. 

142. Crex pratensis. Man hört den Wiesenknarrer vor- 
züglich in der Abenddämmerung seinen wie arp-scharp, kraep, 


Verzeichniss der im Kanton Schaffhausen vorkomm. Vögel. 379 


kraep klingenden Gesang vortragen. BeiThayngen. Im Klett- 
gau wird er von Jahr zu Jahr seltener. 

143. Charadrius auratus. Der Goldregenpfeiffer wird in 
gewissen Jahrgängen im Spätherbst und Vorwinter zuweilen in 
starken Flügen beobachtet. 

144. Charadrius minor. Wie der vorige; dürfte wohl bei 
uns Nistvogel sein, da er am Bodensee und am Rhein schon 
in allen Entwicklungsstadien erlegt wurde. — | 

145. #Machetes pugnax. Der Kampfhahn wird nicht gar 
selten am Untersee erlegt. Auch im Klettgau wird er wahr- 
genommen. Hr. Th. Pfeiffer hat denselben im Frühling schon 
mehrmals am Wasser auf den Wiesen um Neunkirch gesehen; ein 
Exemp. in. dessen Sammlung ist am dortigen Mühlweiher geschossen 
worden. Immer ohne Kragen. ' 

146. Limosa melanura. Schwarzschwänzige Uferschnepfe. 
Besucht hie und da den Bodensee und dürfte dann wohl auch 
unser Gebiet berühren. 

147. *Actitis hypoleucus. Trillernder Wasserläufer. Ist 
mehrfach zur Sommerszeit angetroffen worden, woraus sich 
schliessen lässt, dass er in unserem Kanton oder in der Umgegend 
brütet. 

148. Strepsilas interpres. Der Steinwälzer besucht in 
einzelnen Jahrgängen den Bodensee und das st. gallische Rhein- 
thal; dürfte dann wohl auch in unserem Kanton anzutreffen sein. 

149, *Vanellus eristatus. Der Kibitz ist für uns nur 
Zugvogel; während der Wanderung auf sumpfigen Wiesen anzu- 
treffen. Durchzieht alljährlich im März das Klettgau in grossen 
Flügen. Ä - 
150. Numenius phaeopus. Der Regenbrachvogel wird zu 
Zeiten am Bodensee, wenn auch mehr am südöstlichen Theile ge- 
funden. Doch trifit man ihn bisweilen auch in unseren Gegenden. 
Ein Exempl. aus dem Klettgau besitzt Herr Th. Pfeiffer, ein 
zweites ist auf dem Hallauer-Berge geschossen worden. 

151. **Numenius arguatus. Im oberen Rheinthale brütet 
der grosse Brachvogel regelmässig; dürfte auch bei uns als Brut- 
vogel zu finden sein. Zwei Exempl. stehen im Museum. Im „Am- 
gatt“ (Klettgau) vernimmt man nach Hr. Th. Pfeiffer bei Nacht- 
zeit seinen Ruf öfters aus hoher Luft. 

152. Scolopax rusticola. Waldschnepfe. Durchzieht 
meist vor Eröffnung der Jagdzeit unseren Kanton und entgeht so- 


380 Emil Aug. Goeldlin: 


mit den Schroten der Jäger. In ziemlicher Anzahl wird sie in ge- 
wissen Jahrgängen zur Herbstzeit bei Andelfingen geschossen. 

153. Scolopaz gallinago. Bekassine. Die gemeine Sumpf- 
schnepfe wird alljährlich zur Zeit der Wanderung beobachtet, zieht 
aber vor Eröffnung der Jagd. 

154. Scolopax gallinula. Die kleine Sumpfschnepfe ge- 
hört dem Norden an; brütet selbst an der deutschen Küste nur 
selten. Zur Zugzeit kann sie hie und da bei uns gesehen werden. 

155. *Totanus glottis. Hellfarbener Wasserläufer. 

156. *Totanus ochropus. Punktirter Wasserläufer. 

Diese beiden Wasserläufer werden fast alljährlich am Boden- 
und Untersee beobachtet und erlegt. 

157. Totanus stagnatilis. Sumpf-Wasserläufer, 

158. Totanus calidris. Kleiner, rothschenkligerWasserläufer. 

159. Totanus glareola. Bruchwasserläufer. 

Auch diese werden am Boden- u. Untersee gesehen, doch 
nur unregelmässig. Der letztere hält sich mehr an Sümpfe und 
Teiche als an grosse Wasserflächen; ich sah ihn zu verschiedenen 
Malen am Eglen-See bei Thayngen. 

160. *Tringa variabilis. Veränderlicher Strandläufer. 
Wird zur Zeit der Wanderung gesehen, theils einzeln, theils in 
kleineren Schaaren. Er soll übrigens im st. gallischen Rheinthal 
als Brutvogel vorkommen, 

161. Tringa ferruginea. Isländischer Strandläufer. Be- 
wohnt die nördlichen Länder Amerikas, Europas und Asiens und 
ist als Küstenvogel auf dem Festlande eine seltene Frscheinung. 
Auf dem Zuge kommt er auch etwa durch die Schweiz. 

162. Tringa minuta. Zwergstrandläufer. Gehört dem 
Norden der alten Welt an. Wird öfter auf dem Herbstzuge als 
auf dem Frühlingszuge gesehen. Durch die nordöstlichen Kantone 
reist er in gewissen Jahrgängen. 

163. *Ciconia alba. Wird fast jedes Jahr beobachtet; doch 
gehört der Storch nicht mehr zu unseren Nistvögeln. Vor 1847 
soll er, laut dem Seiler’schen Verzeichniss, im hiesigen Kanton ge- 
nistet haben und eine Gemeinde auf dem Reyath soll bis vor 
wenigen Jahren für ein Storchnest auf einem Privathause ein 
Miethgeld bezahlt haben. — Während des Sommers 1878 sah ich 
ihn eines Vormittags in geringer Höhe über die Stadt wegfliegen; 
1879 ist er beim Schaaren gesehen worden. Auch im Klett- 
gau hat ihn Hr. Th. Pfeiffer wahrgenommen und erlegt. 


N 


Verzeichniss der im Kanton Schaffhausen vorkomm. Vögel. 381 


164. **Ardea cinerea. Ständig am Untersee und am 
Rhein bis Langwiesen. Horste würden wohl ohne Schwierigkeit 
in der angegebenen Gegend aufzufinden sein. Auch bei Thayngen 
sieht man ihn öfters, zuweilen auch im Klettgau. So wurden 
vor einigen Jahren ab einer Eiche im Aesenberge über den Has- 
lacher Wiesen Junge ausgenommen. Für die Fischzucht gefährlich. 

165. Ardea purpurea. Der Purpurreiher wird zur grossen 
Seltenheit am Bodensee und am Rhein erlegt. 1828 wurde 
er bei Arbon (Kant. Thurgau), 1872 bei Lustnau (Oesterreich) 
geschossen. Ist in Ungarn und in den Donauländern häufig. 

166. *Ardea minuta. Zur Zugzeit wird die Zwergrohr- 
dommel in einzelnen Flügen auch bei uns beobachtet. Ein Exemplar 
ist im hiesigen Museum; ein zweites besitzt Herr Thierarzt Pfeiffer 
in Neunkirch. 

167. *Ardea nyeticoraz. Berührt im Osten unser Gebiet, 
zumal den Untersee, von wo das im hiesigen Museum stehende 
Exemplar stammt. Am Bodensee wird der Nachtreiher hin und 
wieder gehört und wahrgenommen. 

168. *Ardea stellaris. Am Untersee hört man zur 
Paarungszeit die Rohrdommel öfters. Der gebrüllartige Lockruf 
lautet wie: „u prumb“ und wird auf weite Entfernungen hin ver- 
nommen. Gehört wegen der Unzugänglichkeit ihrer Lieblingsplätze 
nicht zu den allgemein bekannten Vögeln. Da sie nebst Tritonen 
auch Fröschen, Fischen und jungen Vögeln nachgeht, ist ihr Nutzen 
zweifelhaft. Soll schon mehrmals am Schaarenweiher erlegt 
worden sein; ein weibliches Exemplar wurde am 7. April 1864 am 
„Haslacher-Weiher“ (Klettgau) geschossen. 


VIII. Natatores. 
A. ANATIDAE. 


169. Anas boschas. Die Stockente besucht unsere Gegenden 
besonders im Winter in starken, sich bis in die Hunderte belaufenden 
Flügen. (Kloster Paradies.) Bei Eintritt wärmerer Witterung 
verlässt sie uns und zieht nordwärts. Den Sommer über fehlt sie 
als Brutvogel keinem grösseren Teiche; doch wird sie dann nur 
paarweise angetroffen. Eglen-See, Schaarensumpf, 
Untersee u. S. w. 

170. Anas fusca. Sammet-Ente. Wird hie und da zur 
Winterszeit am Bodensee beobachtet. Kommt nur so weit 


382 Emil Aug. Goeldlin: 


südlich, wenn sie durch grosse Kälte aus ihrer Heimat, den Nord- 
polarländern, vertrieben wird. 

171. Anas nigra. Dasselbe gilt von der Trauerente. Doch 
ist diese noch weit seltener und zudem als scheue, grosse Wasser- 
flächen liebende Ente schwierig zu beobächten und zu erlegen. 

172. *Anas leucophthalma. Die weissäugige Ente besucht 
in einzelnen Jahrgängen Ober- und Untersee; so wurde sie 
1868 und 1871 gesehen. Ein vom Untersee stammendes Exemplar 
besitzt das städtische Museum. 

173. *Anas strepera. Die Schnatter-Ente. Auch diese Art 
gehört dem Norden. Da sie jedoch für die Kälte sehr empfindlich 
ist, ist sie eher in unserer Gegend anzutreffen, als die drei vorher- 
gehenden Arten. Das im hiesigen Museum stehende Exemplar 
kommt vom Untersee. 

174. Anas rufina. Soll nach einem aus dem. Jahre 1808 
stammenden Verzeichniss (Hartmann, Beschreibung des Bodensees) 
früher am Boden- und Untersee nicht selten wahrgenommen 
worden sein.. Auch das Seiler’sche Verzeichniss giebt an, dass 
diese Ente bis unterhalb Stein a/Rh. vorkomme. Für die Gegen- 
wart ist das Letztere nieht mehr richtig; die hübsche Kolbenente 
kehrt nur höchst unregelmässig ein. Ein Exemplar ist im Besitze 
des Herrn Thierarzt Pieiffer in Neunkirch. 

175. Anas ferina. Tafelente. Gehört mehr der gemässigten 
Zone an und bleibt nur in gelinden Wintern das ganze Jahr. 
Zieht im November weg und kehrt im März zurück. Duunsz und 
Untersee. 

176. Anas pterocyanea. Die niedliche und fluggewandte 
Knäck-Ente wird fast alljährlich am Untersee und bei Stein a/Rh. 
wahrgenommen. 

177. *#Querguedula erecca. Das ebenso hübsche Kriek- 
Entchen wird jedes Jahr bei Radolfzell und bei Stein a/Rh. 
erlegt und scheint am Untersee eine gewöhnliche Erscheinung zu 
sein. Vorübergehend hielt es sich auch am Eglen-See bei 
Thayngen auf. 

178. Olangula glaucion. ;‚Schell- Ente. Spiegel weiss, 
Füsse gelb und schwarz. Das eigenthümliche Geräusch, welches 
die alten Männchen beim Fliegen verursachen, hat ihr den Namen 
eingebracht. Untersee und Rhein. 

179. Mareca Penelope. Pfeiffente. Untersee. Kommt auf 


Verzeichniss der im Kanton Schaffhausen vorkomm. Vögel. 383 


dem Frühjahrszuge auch auf den Neunkircher Wiesen vor, wenn 
dieselben Wasser haben. 

180. Fuligula cristata. Die Reiher-Ente wird in gewissen 
Jahrgängen am Boden- und Untersee beobachtet. Herr Thier- 
arzt Pfeiffer hat eine Reiher-Ente in seiner Sammlung stehen, 
welche er in den „Wyden“ bei Neunkirch geschossen hat. 

181. Anser cinereus. Die Grau- oder Wildgans kann man 
ziemlich regelmässig zur Zeit der Wanderung in der bekannten 
Winkel-Form durch unseren Kanton ziehen sehen. Doch fliegt sie 
meist sehr hoch und gönnt sich keine Rast bei uns. 

182. Mergus merganser. Sägetaucher gehören auf dem 
Boden- und Untersee zu den regelmässigen Gästen. 

B. PELECANIDAE. 

183. *Carbo cormoranus. Die Kormoranscharbe wird bei- 
nahe jeden Winter in den oberen Theilen des Kantons beobachtet. 
Schreit: kra, kra, kra, welches Aehnlichkeit hat mit dem Krähen- 
geschrei. Der Fischzucht schädlich. 

184. Pelecanus onocrotalus. Der Pelekan ist zu Anfang 
dieses Jahrhunderts zwei Mal auf dem Bodensee gesehen worden: 
[1806, 1811]. Seither ist von seinem Vorkommen in unserer Nähe 
nichts mehr laut geworden. 

C. LARIDAE. 

185. Lestris catarrhactes. Die grosse Raubmöve stellt 
sich nicht gar selten am Untersee ein und dehnt zuweilen ihr 
Raubgebiet auch über den Rhein aus. Schädlich. 

186. Larus ridibundus. Die Lachmöve ist am Boden- 
und Untersee häufig. Auch im Klettgau wird sie zur Zeit 
der Wanderung gesehen. Hr. Th. Pfeiffer beobachtete dieselbe ein- 
mal in einer Gruppe von ca. einem Dutzend Stück bei Schneege- 
stöber über den Grienbänken unterhalb der Ziegler-Fellis’schen 
Fabrik. Im März sollen nach dessen Versicherung zuweilen Trupps 
von 20 bis 40 Stück wahrgenommen werden. — Das Volk nennt 
sie hier „Ragägel“, während es den Reiher blos „Ragel“ zu be- 
nennen pflegt. — Die Lachmöve brütet kolonienweise an bewach- 
senen Ufern und Inseln mit schwammigem Moorboden. Die Eier 
sind geniessbar und werden zu Hunderten auf die deutschen Märkte 
gebracht. 

187. Sterna Cantiaca. Brand-Seeschwalbe. Von Mistel- 
drosselgrösse; leicht kenntlich an dem schwarzen Schnabel mit der 
gelben Spitze. Fast alljährlich am Boden- und Untersee, 


384 Emil Aug. Goeldlin: 


188. Sterna fissipes. Schwarze Seeschwalbe. Ist aus- 
schliesslich Süsswasservogel. Kommt zu Ende April und verlässt 
uns zu Anfang August. Wird am Untersee angetroffen. Ich 
beobachtete sie zur Zeit der Wanderung am Eglen-See bei 
Thayngen (1878). — 

189. Sterna hirundo. Fluss - Seeschwalbe, Allenbek. 
Schnabel und Beine mennigroth. Zugvogel: Kommt nach Mitte 
April und geht zu Ende Juli. Bewohnt die meisten Schweizerseen : 
Bialer-, Zürich- und Bodensee. Am Untersee und Rhein wird 
sie ebenfalls angetroffen. 

[NB. Die Seeschwalben-Arten dürften noch zu weiteren Be- 
obachtungen veranlassen.] 

D. COLYMBIDAE. 

190. *Colymbus glacialis. Der hübsch gezeichnete Eis- 
taucher zeigt sich hie und da am Untersee und kommt zuweilen 
auch den Rhein herab. Ein in der Nähe der Stadt erlegtes 
Exempl. steht im Museum. 

191. *Colymbus arcticus. Der Eisseetaucher erscheint in 
unserem Gebiete hin und wieder; im Ganzen ist er unter den 3 
bei uns vorkommenden Arten der seltenste. Ein Exempl. besitzt 
Hr. Th. Pfeiffer, ein zweites steht im hiesigen Museum. Boden- 
und Untersee. 

192. *Colymbus septentrionalis. Nordseetaucher. Der 
Häufigste unter den Eistauchern. Die bei uns vorkommenden 
Exemplare stehen meist im Jugendkleide. 

193. *Podiceps ceristatus. Gehaubter Steissfuss. Wird 
nieht gar selten am Bodensee und Untersee erlegt. 

194. *Podiceps eornutus. (Gehörnter Steissfuss. Eben- 
falls in denselben Revieren. Podiceps arcticus Boje, durch die 
schwächer entwickelten Kopffedern und die dunkel gefärbte, erste 
Feder des Mittelflügels kenntlich, wird nur als eine nördliche 
Varietät angesehen. 

195. Podiceps subcristatus. Ist am Einfluss des Rheins 
in den Bodensee im Jahre 1868 erlegt worden. Ob er auch unsere 
Gegend besucht, bleibt noch zu ermitteln. 

196. Podiceps minor. Der kleine Haubentaucher kommt 
öfters vom Untersee her den Rhein herab und ist schon in 
nächster Nähe der Stadt erlegt worden. Brütete auch schon mehr- 
mals im Klettgau und zwar auf dem „Haslacher Weiher“ 


| Zur Ornithologie der Insel Cypern. 385 
| hei Neunkirch, wo Hr. Thierarzt Pfeiffer die Adlterung der in 
beobachten konnte. 

[NB. Auch in Hinsicht auf Sumpf- und Wasservögel hat sich 
unser Kanton einer ganz besonders günstigen Lage zu erfreuen. 
Wir haben 32 Sumpfvögel, unter welchen 6 Reiher- und 5 Wasser- 
läufer-Arten, sodann 26 Schwimmvögel, unter denen sich 14 Enten- 
Arten finden.] 


Zur Ornithologie der Insel Cypern. 
Von 
Aug. Müller, stud. rer. nat. 

In den Jahren 1877 und 78 erhielt Herr Wilhelm Schlüter 
in Halle a. d. S. mehrere umfangreiche Sendungen Naturalien, die 
auf der Insel Cypern, in der Umgebung der an der südöstlichen 
Küste gelegenen Hafenstadt „Larnaka“ gesammelt waren. Zum 
grössten Theile bestand die ganze Ausbeute aus besagter Insel in 
Vogelbälgen und Eiern, von welchen erstere genaue Etiquetten, 
bezügl. Datum, Geschlecht ete. trugen, während der wissenschaft- 
liche Werth der letzteren dadurch ein um so höherer wurde, als 
solche einmal in Gelege gesondert und ferner noch mit genauen 
Datum-Notizen versehen waren. Wenn mir auch nicht zur Bear- 
beitung dieses kleinen Beitrages zur Ornithologie der Insel Cypern 
die ganze Ausbeute vorliegt, so hatte ich doch nicht versäumt, 
mir genaue Notizen über den Inhalt der verschiedenen Sendungen 
zu machen, um auf diese gestützt: ein Verzeichniss der gesammten 
Arten aufstellen und solches soweit als möglich durch Angaben, 
die ich den beigefügten Etiquetten entnahm, ‚vervollständigen zu 
können. Jedenfalls dürfte dasselbe nicht ohne Interesse sein, um- 
somehr, als meines Wissens nach, und soweit ich aus der mir zur 
Verfügung stehenden geringen Literatur ersehen konnte, ausser 
Unger und Kotschy ‚die Insel Cypern‘‘*) kein wesentlicher Bei- 
trag zur Ornithologie dieses Landes besteht. Zudem beschränkt 
sich der ornithologische Theil in genanntem Werke nur auf ein 
blosses Namensverzeichniss. 

Um nun eine möglichst genaue Uebersicht der bis dato auf 
Cypern beobachteten Vogelarten geben zu können, werde ich neben 
den an Herrn Schlüter gelangten Species, sei es als Bälge oder 
Eier, auch die in Unger und Kotschy enthaltenen Arten namentlich 


*) Unger und Kotschy, die Insel Cypern, Wien 1865, - 
Oab. Journ. f. Ornith. XXVIT. Jahrg. No. 148. October 1879, Pe 


386 Aug. Müller: 


aufführen, und zwar derart, dass die einzig und allein durch letz- 
tere beobachteten Arten durch ein „*“ näher bezeichnet sind, 
während es denselben fehlt, wenn sich solche auch unter der an 
Herrn Schlüter eingegangenen Ausbeute befanden. Die neuen 
Arten dagegen, die also nur ausschliesslich vom Sammler des Hrn. 
Schl. beobachtet, resp. eingesandt worden waren, kennzeichnen sich 
durch gesperrten Druck. 

*|. Gyps fulvus Gr. 

*2, Neophron percnopterus Savig. 

*3. Falco peregrinus Briss. 

4. Falco cenchris Naum. 

5. Falco tinnunculus L. 

6. Falco rufipes Bes. 

12 Stück ($ und 2 ad. sowie junge Exemplare). Eine Sen- 
dung enthielt von vorstehend genannten 3 Arten auch eine be- 
trächtliche Anzahl Eier, unter welchen Falco tinnunculus am häu- 
figsten und Falco cenchris am seltensten vertreten waren. Die 
Gelegenstärke wechselte zwischen 4 und 5, während die Fund- 
daten vom 16/4.—23/5 lauteten.. 

7. Falco aesalon Gm. 

1 Stück (& juv.) datirt vom 26/11. 

*8, Astur palumbarius Bechst. 

*9, Astur nisus K. u. Bl. 

10. Cireus Swainsoni Smith. 

1 Stück (3 ad.) datirt vom 16/2. 

11. Strix noctua Retz var. mereidionalis Risso. 

1 Gel. a 3 St. (4/6.) und 4 Gel. & 5 St. (8/5.—20/5.).*) 

12. Ephialtes scops K. u. Bl. 

1 Gel. &5 St. (8/5.) und 3 Gel. & 4 St. (8/5., 8/5. und 23/5.). 

*13. Caprimulgus europaeus L. 

14. Cypselus melba 1. 

1 Stück (2 ad.) während der Frühlingsmonate daselbst erlegt. 

*15. Cypselus apus Ill. 

16. Hirundo riparia L. 

1 Stück (Z ad.) während der Frühlingsmonate daselbst erlegt. 

17. Hirundo rufula Temm. 

10 Stück, darunter 9 (4 und 2 ad.) sowie 1 juv. 1 Gel. & 
4 St. (23/4.), 2 Gel. & 5 St. (15/5. und 27/5.) und 1 Gel. & 6 St. (18/5.). 

*) Das heisst: 1 Gelege a 3 Stück datirt v. 4/6. und 4 Beleg a 5 Stück 
datirt v. 8/6.—20/6. 


Zur Ornithologie der Insel Cypern, 387 


#18. Zhrundo urbica L. 

19. Hirundo rustica L. 

1 Gel. & 4 St. (14/4.) und 1 Gel. & 5 St. (14J4.). 

*20, Picus spec. ? 

*21. Cuculus canorus L. 

22. Cuculus glandarius L. 

2 Stück (2 ad.) sowie 5 Eier unter Eiern von Pica caudata Ray. 

23. Coracias garrula L. 

10 Stück (3 und 2 ad.). 2 Gel. & 4 St. (22/5. und 23/5.) und 
6 Gel. & 5 St. (15/5.—4[6.). 

24. Merops apiaster L. 

86 Stück, darunter 29 (3 und 2 ad.) sowie 57 juv. 

25. Upupa epops L. 

3 Stück (Z ad.),. wovon ein Exemplar sicher während der Brut- 
periode erlegt worden war, so dass diese Species daselbst Brut- 
vogel zu sein scheint. 

*26. Sıtta syriaca. Ehrenbg. 

27. Parus major L. 

1 Gel. & 4 St. (23/4.) und 1 Gel. 3.5 St. En) 

*28. Parus ater L. 
*29, Muscicapa atricapilla L. 
*30. Butalis grisola Boie. 

öl. Pica caudata Ray. 

5 Gel. & 6 St. (15/4.—20/5.), darunter 5 Eier von Cueulus 
glandarius L. 

*32. Garrulus glandarius Vieill, 
#33. Corvus monedula L. 
#34. Corvus corax L. 

35. Corvus cornix L. 

Eine grössere Anzahl Gelege von je 5 St. (20/4. Mid 21/4.). 
Auffallend ist an diesen Eiern deren verhältnissmässige Kleinheit, 
wenn man solche mit Eiern derselben Art aus anderen nördlicher 
gelegenen Gegenden vergleicht. Die beiden für meine Sammlung 
acquirirten Gelege aus Cypern messen: 

’ Längenachse Breitenachse. 


Gelege I 41 Mm. 27,, Mm. 
41 285 » 
AT 200.5, 
42 N, re 
Ab 5 Bd» 


388 Aug. Müller: 


Längenachse. Breitenächse. 


Gelege II 41, Mm. 27, Mm. 
42» 239» 
4l,; ” 29 » 
40, ” 27,5 ” 
In I 
Durchschnittlich: 441 Mm. 27, Mm., 


während 2 andere Gelege, die ich im vergangenen Jahre bei Hei- 
ligenstadt im Eichsfelde sammelte, folgende Maasse ergeben: 
Längenachse. Breitenachse. 


Gelege I 44, Mm. 29,, Mm. 
RER 30, 03 
44, „ 29 „ 
Id 30 
Gelege II 44 6 lu. us 
44,» 3l.,.,% 
46 „ 30,8 „ 
44,; »„ 30 „ 
45 „” 3l,e „ 
Durchschnittlich: 44, Mm. 30,, Mm. 


36. Oriolus galbula L. 

3 Stück (3 ad.) während der Frühlingsmonate daselbst Be 

37. Pastor roseus Temm. 

1 Stück (juv.) während der Brutzeit erlegt. 

+38. Turdus merula L. 

+39. Turdus musicus L. 

40. Monticola cyanea Cab. 

2 Stück (3 und 2 ad.). 

*41. Saxicola oenanthe Bechst. 

42. Sazicola saltatrix K. u. Bl. 

4 Stück (3 und 2 ad.) während der Frühlingsmonate erlegt. 

43. Sazicola aurita Temm. 

1 Stück (Z ad.) während der Frühlingsmonate erlegt. 

44. Sazicola stapazina Temm. 

3 Stück ( und 2 ad.) während der Frühlingsmonate erlegt. 

45. Sazicola leucomelaK. u. Bl. 

Dieser Vogel scheint für Cypern ein äusserst häufiger Brut- 
vogel zu sein, und erstaunte es mich deshalb solchen in dem Werke 
von Unger und Kotschy nicht erwähnt zu finden. Neben einer 
grossen Anzahl Bälge (Z und ? ad. sowie juv.) hatte der Sammler 


Zur Ornithologie der Insel Cypern. 389 


auch eine nicht unbedeutende Menge Gelege gesandt, die laut Eti- 
quetten in der Zeit vom 10/4.—1/6. gesammelt waren. Eine fer- 
nere zu Anfang des Jahres 78 von Cypern eingegangene Sendung 
brachte abermals Eier dieses Vogels, welehen jedoch, trotzdem sie 
in Gelege gesondert waren, die Datum-Notizen fehlten. Die Brut- 
zeit dieses Vogels reicht somit noch in den Juni und vielleicht 
auch noch in den Monat Juli hinein, wenn nicht etwa, was aller- 
dings hei einem grossen Sammelterrain kaum vorauszusetzen ist, 
die. späteren Bruten durch Ausnehmen der ersten Gelege bedingt 
wurden. Keiner unserer Saxicoliden mag wohl in Bezug auf Zeich- 
nung der Eier so variiren, als gerade S. leucomela. Die braunen 
Flecken sind bei manchen Eiern oft nur fein aufgespritzt und treten 
erst nach dem stumpfen Pole zu, woselbst sie in den meisten Fällen 
etwas mehr angehäuft sind, deutlicher hervor, während man nach 
dem spitzen Pole zu kaum eine Fleckenbildung erkennen kann. 
Die Flecken werden grösser und grösser, nehmen an Intensivität 
der Farbe zu und bilden oft einen stark hervortretenden, scharf 
abgegrenzten, schön dunkelbraunen Fleckenkranz. Nicht immer 
häufen sich jedoch die Flecken nach dem stumpfen Pole zu an, 
dieselben können auch ziemlich gleichmässig über das ganze Ei 
verbreitet liegen und sind alsdann fast regelmässig etwas verwischt, 
so dass die unter der braunen Zeichnung meist nur spärlich ver- 
breitete schwachviolette Fleckenbildung dem Ei einen besonderen 
Charakter verleihen kann. Zwischenstufen und Uebergänge sind 
natürlich vorhanden und machen eine sichere Unterscheidung dieser 
Eier von jenen der Saxicola stapazina und aurita geradezu unmöglich. 
46. Saxicola erythraea Ehrenbg. 
1 Stück ( ad.). 
*47. Lusciola philomela K. u. Bl. 
*48. Sylvia atricapilla Lath. 
*49. Phyllopseuste trochilus Meyer. 
50. Hypolais elaica Cab. 
2 Gel. a 4 St. (17/5. und 4/6.). 
51. Calamoherpe arundinacea Boie. 
Geha 3 St. (22/5.): 
*52, Motacilla alba L. 
+53. Budytes flavus Cuv. 
54. Budytes melanocephalus Br. 
1 Stück (8 ad.) während der Frühlingsmonate daselbst erlegt. 
‚*95. Anthus aquaticus Bechst. 


390 Aug. Müller:. 


56. Alauda cristata L. | 
4 Gel. & 5 St. (21/4.—3/5.) und 1 Gel. & 4 St. (15/5.). 
*57. Alauda calandra L. 

58. Emberiza miliaria L. 

1 Gel. &5 St. (18/5.), 2 Gel. & 4 St. (6/5. und 205) und 1 
Gel. a 3 St. (4/6.). 

*59. Emberiza hortulana L. | 

60. Emberiza caesia Cretz. | 

10 Stück, darunter 9 ad. und 1 juv. 9 Gel. &5 St. (2114.—18/.), | | 
1 Gel. & 4 St. (20/5.) und 2 Gel. a 3 St. (15/5.—4/6.). | 

61. Emberiza pyrrhuloides Pall. 

1 Stück (3 juv.) datirt vom 13/11. 

62. Emberiza melanocephala Scop. 

30 Stück (8 und 2 ad.). 2 Gel. & 5 St. (18/5. und 20/5.). 

*Fringüla flaveola L. (quid.? —) 

*63. Fringüla linaria L. 

"64. Carduelis elegans Steph. 

65. Serinus hortulanus Koch. 

4 Eier, die dieser Art anzugehören schienen. 

*66. Passer domesticus Koch. 

*67. Passer petronius Koch. 

*68. Columba palumbus L. 

69. Columba livia Briss. 

4 Stück (2 ? ad. und 2 juv.). 1 Gel. & 2 St. (7/5.). Unger 
und Kotschy führen allerdings noch Columba oenas L. und Columba 
oenas L. ß domestica an, die ich jedoch aus dem Grunde glaube 
streichen zu können, als ich unter dieser Col. oenas L. die Col. 
livia Briss. vermuthe, umsomehr, als Unger und Kotschy auch unserer 
Haustaube den Species-Namen „oenas“ beifügen, was jedenfalls von 
Seiten des Bearbeiters auf einem Irrthume beruht, zumal unsere 
Columba domestica eine domesticirte Columba livia Briss. ist. 

*70. Columba turtur L. 

*71. Columba risoria L. 

*72. Pterocles alchata Steph. 

*73. Meleagris gallopavo L. 

*74. Gallus Bankiva Temm. 

75. Francolinus vulgaris Steph. 

7 Stück (4 ad., 12 ad., 1 juv. und 1 pull.). Er ist auf Cypern 
häufiger Brutvogel, von welchem folgende Gelege eingingen: 

3 Gel. & 8 St. (4/5., 4/5. und 15/5.), 3 Gel. & 9 St. (4/5. 15/5., 


Zur Ornithologie der Insel Cypern. 391 


4/6.), 4 Gel. & 10 St. (16/5., 19/5., 3/6., 3/6.), 2 Gel. & 11 St. (14/5.) 
und 1 Gel. & 12 St. (14/5.). Da auch von dieser Species, sowie 
der nächstfolgenden noch mit einer späteren Sendung eine Anzahl 
Eier eingingen, so gilt von solehen, bezüglich der Brutzeiten, das- 
selbe, was ich von Sazxıcola leucomela sagte. 

76. Perdix chukar Gray. 

Dieses schöne Steinhuhn ist für Cypern sowohl Winter- als 
Sommer-Vogel und scheint in grosser Anzahl daselbst vorzukommen. 
Die von dort zahlreich erhaltenen Bälge waren zum grössten Theile 
während der Monate November, December und Januar erlegt 
worden; eine spätere Sendung brachte auch einige Pulli, sowie 
Folgendes an Eiern: 1 Gel. & 11 St. (11/4.), 3 Gel. & 12 St. (10/4., 
21/4., 22/4.), 4 Gel. a 13 St. (6/4., 16/4., 22/4., 22/4.), 7 Gel. a 14 St, 
(14/4., 11/4, 18/4., 22/4., 23/4., 23/4., 23/4), 5 Gel. & 15 St. (15/4., 
16/4., 17/4., 22/4., 23/4.) und 1 Gel. & 16 St. (15/4.). 

Unger und Kotschy erwähnen dieses Huhn nicht, dagegen 
Perdiz graeca Briss., die jedoch nichts Anderes als die in Rede 
stehende Art sein kann, ein Versehen, welches umso verzeihlicher 
ist, als sich Perdiw chukar, ganz abgesehen von der röthlichgelben 
Kehlzeichnung, die oft ganz verschwinden kann, nur dadurch von 
Ferd. graeca unterscheidet, dass erstere merklich kleiner ist und 
ein ausgeprägteres Halsband hat. 

77. Coturnix communis Bonn. 

1 Gel. & 13 St. (10/4.) und 1 Gel. & 10 St. (15/5.). 

78. Otis teirax L. 

1 Stück (3 jurv.). 

*79. Glareola pratincola L. 

80. Oedicnemus crepitans Temm. 

1 Stück (8 ad.) datirt vom [5/l. 

81. Hoplopterus spinosus Bp. 

1 Stück (juv.). 

*82. Aegialites hiatieula Boie. 

83. Aegialites minor Boie. 

1 Stück ($ ad.) während der Frühlingsmonate erlegt. 

*84. Haematopus ostralegus L. 

*85. Hlimantopüs rufipes Bechst. 

*86. Tringa alpina L. 

*37. Tringa subarcuata Temm. 

88. Tringa minuta Leisl. 

3 Stück (3 ad.) datirt vom 4/1., 9/2. und 23/2. 


392 Aug. Müller: 


*39, Machetes pugnax Quv. 
*90. Totanus stagnatilis Temm. 
*91, Telmatias gallinago Boie. 
*92. Scolopax? Cyprius Sibth. Species ignota. *) 
*93. Numenius arcuata Lath. 
94. Ibis faleinellus Vieill. 
2 Stück (3 und 2 ad.) während der Frühlingsmonate erlegt. 
*95. Ardea cinerea Lath. 
96. Ardea purpurea L. 
2 Stück (3 und 2 ad.) während der Frühlingsmonate erlegt. 
*97. Ardea alba L. 
98. Ardea Veranyi Roux. 
1 Stück (3 ad.) während der Frühlingsmonate erlegt. 
99. Ardea comata Pall. 
2 Stück (3 und 2 ad.) wälrend der Frühlingsmonate erlegt. 
*100. Ardea nyeticorax L. | 
*101. Ardeola minuta Br. | 
102. Platalea leucorodius Glog. 
1 Stück (3 ad.) datirt vom 1/11. 
*103. Orex pratensis Bechst. 
104. Ortygometra porzana Steph. 
4 Stück (3 ad.) datirt vom 11/11. und 13/11. 
*105. Gallinula chloropus Lath. 
106. Anser cinereus M. und W. 
1 Stück (8 juv.) datirt vom 25/11. 
*Anser cinereus M. u. W. ß domestica. 
*107. Anas boscas L. 
*Anas boscas L. ß domestica. 
*108. Anas? COypria Sibth. Species ignota. 
*109. Anas querquedula L. 
110. Fuligula eristata Steph. 
1 Stück (3 juv.) datirt vom 28/10, 
*111. Sterna minuta L. 
112. Larus canus L. 
1 Stück (3 med.) datirt vom 30/1. 
113. Larus leucophaeus Licht. 
5 Gel. & 3 St. (28/4.) und 1 Gel. & 2 St. (28/4.). 
Laut brieflicher Mittheilung von Seiten des Sammlers nistet 
diese Möve auf Dächern. 


*) Wird wohl Telmatias gallinula Boie gewesen sein. Müller, 


Mittheilungen ü. Nester u. Eier d. Museums Godeffroy z. Hamburg. 393 


114. Larus ridibundus L. 
4 Stück (13 und 3 2 ad.) datirt vom 16/12., 17/12., 1/2. und 14/2. 
*115. Larus marinus L. 
*116. Nectris major Glog. 
*117. Carbo cormoranus M. u. W. 


Mittheilungen 
über Nester und Eier des Museums Godeffroy zu Hamburg. 
Von 
A. Nehrkorn. 


Dem grossen Interesse, welches der Chef der reichen Firma 
J. C. Godefiroy & Sohn in Hamburg Herr Caesar Godefiroy seit 
einer Reihe von Jahren der wissenschaftlichen Erforschung der 
Südseeinseln widmet, verdanken wir eine Fülle von Material, das 
zum grossen Theile bereits seine ständigen Bearbeiter gefunden 
hat. Ueber die Fortpflanzungsgeschichte der Vögel war bisher 
noch Wenig publicirt, und erging daher an mich das ehrenvolle 
Ersuchen: die in dem Museum Godeffroy angesammelten Nester 
und Eier zu sichten und zu beschreiben, eine Aufgabe, deren 
schwierige Lösung ich mir wohl bewusst war, um so mehr, als ich 
häufig gezwungen wurde, bereits vorhandene Notizen zu bezweifeln 
und hier und da in der Literatur sich findende Fehler zu berichtigen. 

Dem Herrn Custos Schmeltz, der mir bereitwilligst die nöthigen 
Notizen gab und mich bei meinen Arbeiten unterstützte, sei hier- 
mit der aufrichtigste Dank abgestattet. 

Um bereits Bekanntes nicht noch einmal wiederholen zu müs- 
sen, wähle ich die Reihenfolge der Vögel nach der „Ornithologie 
der Viti-, Samoa- und Tonga-Inseln“ von O. Finsch und G. Hart- 
laub und füge die dort nicht angeführten Vögel im System ein. 

Astur rufitorqueis Peale. 

Die vielen mir vorliegenden Eier variiren mehr, wie alle an- 
dern mir bekannten Raubvögeleier, sowohl was Grösse als auch 
Färbung anbetrifft. Ich messe 40 Mm. Länge und 34 Mm. Breite 
min. bis 46 Mm. und 36 Mm. max.*) 

Das von Dr. Gräffe derzeit von den Viti-Inseln eingesandte 
erste Ei, welches als das von Platycercus personatus bezeichnet 

*) Bei den Eiermaassen bedeutet die erste Zahl für die Folge immer den 


Längendurchmesser axis, und die zweite den Querdurchmesser diameter in 
Millimetern., 


394 A. Nehrkorn: 


war, gehört, wie Dr. Finsch vermuthete, thatsächlich dem Astur 
rufitorques an. Spätern Sendungen verdanken wir eine grosse Suite 
dieser Eier. Dieselben haben entweder einen weissen Grund mit 
kleinen und grössern braunen Flecken, die am stumpfen Ende einen 
Kranz bilden, oder die Eier sind ganz weiss, oder aber mit einer 
schmutzig gelben Farbe bedeckt, die an bebrütete Podiceps-Eier 
erinnert. 
Scops podarginaF. &H. 

Die beiden mir vorliegenden Eier dieser auf die Palau-Gruppe 
beschränkten Eule sind, wie alle Eulen-Eier, weiss und fast rund 
und messen 35 + 32 Mm., gleichen daher den Eiern unserer 
Scops zorca SWS. 

Platycercus. 

Die Eier der drei Platycercus-Arten: Pl. tabuensis SwS., 
splendens Peale und personatus Gray gleichen sich vollkommen; sie 
sind, wenn unbebrütet, weiss, wenn nicht mehr ganz frisch, vom 
Nestmaterial bräunlich gelb gefärbt und messen 38 + 31 bis 41 
—- 32 Mm. 

Lorius solitarius (Lath). 

Früher von Dr. Gräffe auf Upolu und Viti-Levu nicht brütend 
beobachtet, ist neuerdings von Kleinschmidt, diesem so überaus 
fruchtbaren und zweifellos bevorzugtesten Reisenden des Museums 
Godefiroy, von Taviuni nachgewiesen und auch ein Ei eingesandt, 
was bei seiner papageiartigen Gestalt und Färbung 26 421 Mm. 
misst und ganz matt ist. 

Eudynamis taitiensis (Sparrm.) 

Ein in der Sammlung befindliches von Herrn Kleinschmidt als 
vermuthlich dem Cuculus simus angehörend eingesandtes Ei ge- 
hört wohl ohne Zweifel diesem Vogel an. Dasselbe misst 35 + 21 
Mm., ist stark glänzend, olivenbraun, am stumpfen Ende mit einem 
Kranze von schwarzen verwischten Flecken versehen und birn- 
föormig. Es erinnert an ein Parra-Ei. 

Cuculus simus Peale. 

Kleinschmidt hat aus einem Myiagra-Neste ein Ei eingesandt, 
das er als ein Kukkuksei anspricht. Das Ei ähnelt manchen Pälots- 
Eiern, hat lachsfarbenen bis gelblich weissen Grund mit verwisch- 
ten röthlichen und bräunlichen unregelmässigen Flecken, die am 
stumpfen Ende einen Kranz bilden. Ich messe 24 + 19 Mm. 

Dacelo sacra Schlegel. 
Eier weiss, glänzend und sphärisch. 28 + 25 Mm. 


1 
| 


Mittheilungen ü. Nester u. Eier d. Museums Godeffroy z. Hamburg. 395 


Dacelo chlor?s Schlegel. 

Eier weiss, glänzend; die mir vorliegenden nicht so rund als 
vorige. 33 + 25 Mm. 

Dacelo recurvirostris (Lafrs.) 

Im Museum befindet sich ein am 2. Aug. 1876 gefundenes in- 
teressantes Nest dieses Vogels. Derselbe hat mittelst des Schnabels 
in einem Termitenbau eine Höhle hergestellt, die in den Lichten 
40 mm. hält und eine gleichgrosse Einflugsöffnung hat. Die beiden 
darin befindlichen Eier sind glänzend weiss und sphärisch und 
messen 31 4 24 Mm. 

Collocalia spodiopygia (Peale). 

6 im Museum befindliche Nester stimmen im Wesentlichen 
überein. Alle haben an einer Seite festgesessen und sind daher 
halbkreiskugelförmig. Ich messe 25—30 mm. ganze Höhe, 10—20 
mm. Napftiefe, 60—80 mm. Breite einerseits und 40-50 Mm. 
andererseits. 
2 Nester sind durch Herrn Hübner auf Niaufu gesammelt, die 
übrigen durch Herrn Kleinschmidt auf Upolu. 2 Nester sind neben 
und übereinander gebaut, so dass man auf ein colonieweises Brüten 
schliessen darf, was durch Peale bestätigt wird, der darüber Fol- 
gendes schreibt: „Eine unterirdische Höhle auf der Südseite Upolu’s 
scheint der Hauptsitz dieser Art zu sein. Ein Ton, wie durch 
das Rasseln kleiner Kiesel hervorgebracht, führte zu einer Menge 
von Schwalben, welche durch unsere Lichter aufgestört worden 
waren. Viele andere sahen wir ruhig auf ihren Nestern sitzen, 
deren Unterlage kleine Vorsprünge der Lava bildeten und aus 
Moos und einer beträchtlichen Masse Leim verfertigt waren. Wie 
die Wände der Höhle selbst, troffen diese Nester von Wasser; 
jedes enthielt ein Ei oder einen jungen Vogel, und das Brutgeschäft 
schien an keine bestimmte Zeit geknüpft zu sein. Einige bauten, 
während die Jungen Anderer schon ganz flügge waren. Alte Nester 
wurden mit neuem Moose ausgebessert. Einige der alten Vögel 
waren so arglos, dass sie sich ruhig von uns mit der Hand von 
ihrem Ei heben liessen und, wenn wir uns überzeugt hatten, dass 
nur eins vorhanden war, sogleich zu demselben zurückkehrten.“ 

Die Eier messen 22—23 + 13 Mm. und gleichen in jeder Be- 
ziehung allen übrigen Oypseliden-Eiern. 

Hirundo tahitica (Gul.) 

Die mir vorliegenden beiden Nester dieser Schwalbe von Vanua- 

Levu ähneln denen unseres Hausrothschwanzes, wenigstens ist 


396 A. Nehrkorn: 


aus der Form derselben anzunehmen, dass sie auf einem Balken 
oder einer ähnlichen Unterlage angelehnt aufgesessen haben. Die 
Unterlage besteht aus Koth oder Moder, und der .Napf ist mit 
Grashalmen und zuletzt mit Federn ausgepolster. Ganze Höhe 
60 Mm., Napf fast ganz flach; Breite 152 einerseits und 90 Mm, 
andererseits; Nr. 2 —= 110 Mm. einer- und 80 Mm. andererseits. 
Die Eier ähneln sehr denen unserer Arrundo rustica und messen 
20 + 14 Mm. 
Zosterops flaviceps Peale. 

Die Nester dieses Vogels haben grosse Aehnlichkeit mit denen 
unserer Sylvia cinerea. Von den vier mir vorliegenden sind 3 aus 
zarten Pflanzenstengeln mit durchflochtener Baumwolle gebaut, und 
das vierte ist äusserlich mit Moos decorirt. Alle ermangeln jeg- 
licher Ausfütterung und haben auf Zweigen gesessen. Ihre Höhe 
beträgt 45—50, die Nesttiefe 30—35, die ganze Breite 70—80 
und die innere Breite 50 Mm. 

Die Eier sind matt bläulichweiss und messen 18—19 + 
13—15 Mm. 

Zosterops ponapensis Finsch. 

Ein Nest mit 2 Eiern desselben sitzt an einem Zweige, ist 
äusserlich aus groben Pflanzenstengeln und Moos nebst weissen bis 
10 mm. grossen Theilchen von Spinnenkokons erbaut und inwendig 
mit feineren Pflanzenstengeln ausgepolstert. Die Maasse sind: 35 
sanze Höhe, 30 Napftiefe, 60 ganze Breiteund 45 Mm. innere Breite, 

Die Eier weichen von den übrigen mir bekannten 6 Zosterops- 
Species wesentlich ab, indem sie statt bläulichweiss intensiv blau- 
grün gefärbt sind wie die Eier von Mimus carolinensis, doch ohne 
Glanz. Ich messe 19 — 14 Mm. 

Zosterops explorator Layard. 

Ein Nest mit 2 Eiern von Taviuni in einer Zweiggabel aus 
demselben Material wie voriges erbaut, nur äusserlich statt mit 
Moos mit Baumwolle durchflochten. Höhe 45, Napftiefe 30, ganze 
Breite 80 und Napfbreite 50 Mm.. 

Die Eier sind bläulichweiss und messen 138 + 13 Mm. 

Zosterops Semperi Hartlaub. 

Das von den Palau-Inseln stammende Nest weicht insofern von 
den übrigen Zosterops-Nestern ab, als es auf einem dicken Zweige 
aufsitzt und ausser den bei den vorigen Species genannten Bau- 
materialien mit breiten schilfartigen Blättern ausgekleidet ist. 
Höhe 40, Napftiefe 20, ganze Breite 50 und Napfbreite 40 mm. 


Mittheilungen ü. Nester u. Eier d. Museums Godeffroy z. Hamburg. 397 


Myzomela jugularis Peale. 

Es sind zwei durch Kleinschmidt auf Upolu und Taviuni ge- 
sammelte Nester vorhanden, zarte aus Pflanzenstengeln bestehende 
Baue. Das eine Nest sitzt auf dem Blüthenstengel einer Cocos- 
palme, das andere zwischen dünnen Zweigen. Die Maasse sind: 
Ganze Höhe50, Napftiefe 30, ganze Breite 60 und Napfbreite 42 Mm. 

Von den beiden mir vorliegenden Eiern gehört: zweifellos nur 
das eine dieser Species an. Es hat gelbliche Grundfarbe, ist glän- 
zend und mit matten und dunkelern braunen Flecken bedeckt — 
den Eiern von Zarus cristatus in der Färbung nicht unähnlich, 
Das zweite angebliche M. jugularzs-Ei zeigt Artamus-Charakter. 
| Myzomela nigriventris Peale. 

Zwei Nester von Upolu, den vorigen sehr ähnlich, doch äusser- 
lich mit Baumwolle und Moos bekleidet. Höhe 40, Napftiefe 25, 
ganze Breite 75, Napfbreite 50 Mm. 

Die Eier haben fleischfarbenen Grund mit verwischten hell- und 
graubraunen Flecken, welche am stumpfen Ende einen Kranz bilden 
und 17 — 13 Mm. messen. 

Myzomela rubrata Less. 

Zwei Nester von Ponap& und den Palau-Inseln. Nr. 1 hängt 
zwischen Zweigen, bildet einen tiefen Napf und besteht aus Pflanzen- 
stengeln ohne jede Auskleidung; Nr. 2 ist äusserlich mit schwarzen 
Fasern (Rhizophoren) durchflochten. 

Die Eier, theilweise mit fleischfarbenem, theilweise mit 
ganz weissem Grunde und am. stumpfen Ende mit einem Kranze 
von helleren und dunkleren rothbraunen Flecken versehen, messen 
17—20 + 14--14,5 Mm. 

Ptilotis carunculata (Gml.) 

Einige 20 Nester lagen mir vor. Dieselben sind sämmtlich 
ziemlich unordentliche Baue aus dünnen, flachsähnlichen Stengeln 
zusammengesetzt und äusserlich mit wenig Baumwolle und Moos 
geschmückt ohne jede Auspolsterung. Einige hängen zwischen 
Zweigen wie unsere Pirolnester, andere sitzen auf, Es folgen 
Maasse dreier Durchschnittsnester: 

Nr. 1 von der Insel Kio (Somo-Somo-Meerenge) 
Höhe 50, Napftiefe 35, ganze Breite 90, Napfbreite 60 Mm. 
Nr. 2 von der Insel Upolu 

Höhe 40, Napftiefe 25, ganze Breite 70, Napfbreite 50 Mm, 

Nr. 3 ebendaher 
Höhe 70, Napftiefe 45, ganze Breite 75, Napfbreite 55 Mm. 


398 A. Nehrkorn: 


Besonders interessant sind zwei nebeneinander und durch das 
Nestmaterial verschlungene zwischen einer Zweiggabel hängende 
Nester. 

Die Fundangaben der etwa 24 Eier fallen in alle Monate mit 
Ausnahme des November. 

Die Eier, 2—3 in einem Neste, gleichen sich im Wesentlichen 
unter einander. Alle haben einen hell- oder dunkelfleisehfarbenen 
Grund mit zum Theil verwischten rothbraunen, theils marquirten 
helleren und dunklereu Flecken, die bei allen Eiern mehr oder 
weniger einen Kranz am stumpfen Ende bilden. Bei der Hälfte 
aller Eier finden sich auch zwischen den braunen schwarze Flecken. 
Die Maasse variiren von 23—26 + 17—19 Mm. 


Ptilotis procerior Finsch. 
Die drei mir vorliegenden Nester von Viti-Levu und Upolu 
gleichen denen von Pf. carunculata. Auch in den Eiern ist durch- 
aus kein Unterschied zu finden. 


Ptilotis provocator Layard. 

Das einzige durch Layard von Kandavu eingesandte Nest 
gleicht im Allgemeinen den bereits erwähnten Pixlotis-Nestern, ist 
nur mit Federn und Pflanzenwolle von Compositen dick ausgepol- 
stert und hängt zwischen Zweigen. Die Maasse sind: Ganze 
Höhe 56, Napftiefe 35, ganze Breite 80, Napfbreite 55 Mm. 

Die beiden Eier meiner Sammlung gleichen durchaus denen 
von Pt. carunculata. 


Leptornis samoönsis (Hombr. & Jacqu.) 

Das einzige Ei, was ich vor mehreren Jahren durch ‚die Güte 
des Herrn Schmeltz aus dem Museum Godeffroy erhielt, ähnelt auf 
den ersten Blick Sturnus vulgaris-Eiern, noch mehr denen des .Dilo- 
phus carunculatus vom Cap. Die Farbe ist ein mattes Blaugrün, 
auf dem sich meist nach dem stumpfen Ende zu wenige graue ver- 
wischte Flecken zeigen. Ich messe 32 + 23 Mm, 


Petroica pusilla Peale. 

Ein Nest mit 2 Eiern, deren richtige Bestimmung ich mir 
jedoch anzuzweifeln erlaube. Das Nest sitzt zwischen einer Zweig- 
gabel und ist aus Wurzeln und Pflanzenfasern erbaut, im Napfe 
ohne Auskleidung. Ganze Höhe 100, Napftiefe 40, ganze Breite 
70, Napfbreite 50 Mm. 

Die Eier haben Aehnlichkeit mit denen von Sylvia conspicillata, 
sind jedoch grösser. Die Grundfarbe ist weisslichgrau, und die 


Mittheilungen ü. Nester u. Eier d. Museums Godeffroy z. Hamburg. 399 


graubräunlichen Flecken sind unbegrenzt und verwischt, am stum- 
pfen Ende gehäuft. Ich messe 17 + 14 Mm. 
Psamathia Annae H. & F. 
Siehe Myiagra erythrops H. & F. 
Lamprolia Vietoriae Finsch. 

Ein Nest mit 1 Ei aus Taviuni von Kleinschmidt eingesandt. 
Ersteres ist ein eigenthümlicher Bau, äusserlich aus schwarzen 
Rhizophoren und inwendig aus trockenen Pflanzenstengeln be- 
stehend, mit wenigen Federn im Napfe. Das Nest ist in der Gabel 
eines dünnen Zweiges aufgehängt. Ganze Höhe 62, Napftiefe 35, 
ganze Breite 100, Napfbreite 52 Mm. 

Das am 11. December aufgefundene Ei hat grosse Aehnlich- 
keit mit einigen Varietäten unseres Anthus arboreus. Grundfarbe 
rosafleischfarben mit nahezu gleichmässig über das ganze Ei ver- 
theilten kleineren und grösseren hellbraunen unbegrenzten Flecken. 
Ich messe 24 + 18 mm. 

Drymochaera badiceps Finsch. 

Im vergangenen Jahre übersandte mir Herr Schmeltz 2 Eier 
unter obigem Namen. Da ich denselben weder in Gray’s Handlist 
noch im Thesaurus von Giebel finden konnte, nur in den Nach- 
trägen dieses Werkes erwähnt fand, so durfte ich, da mir die ander- 
weite Literatur nicht zur Hand war, nur muthmassen, dass Finsch 
den Vogel im System in die Nähe der Sylvven (spec. Rohrsänger) 
gestellt haben konnte, Nach Durchsicht der Proceedings of the 
Zoological Society of London bestätigte sich auch meine Ver- 
muthung. In der That sind die Eier den dunkelsten der Sylvia 
Cetti zum Verwechseln ähnlich. Was jedoch Dr. Finsch, veranlasst 
hat, den Vogel unter dem Genus-Namen Drymochaera (Waldfreund ?) 
in die Wissenschaft einzuführen, ist mir unklar geblieben. Klein- 
 sehmidt schreibt nach den „Mittheilungen aus dem Museum Godef- 
froy von Schmeltz‘“: „Ein weiteres Exemplar erlangte ich am 24. 
März 1876 bei Nucke’n ’Dum auf Viti-Levu. In jener Gegend sind 
‘viele Rohrdickichte, und hält sich der Vogel meist in diesen auf. 
Obgleich man ihn öfters, besonders früh Morgens und gegen Abend 
und ganz in der Nähe hört, bekommt man ihn hier nur selten zu 
Gesicht, während er auf Vanua-Levu, von wo die ersten Exemplare 
stammen, und wo er sich mehr im Forst aufhält, eher zu Schuss 
kommt. Gleich europäischen Rohrsängern ist dieser Vogel beständig 
in Bewegung, dann und wann durchziehen ihrer zwei den Busch 
und antworten sich gegenseitig. Die Nähe von Wasser scheinen 


400 A. Nehrkorn: 


sie zu lieben“ etc. Es liegen mir 5 Nester vor, von denen 3 mit 
seitlichem Eingauge versehen, die beiden andern offen sind. Die 
Nester bilden dicke Klumpen, denen unserer Phyllopneuste rufa und 
trochilus nicht unähnlich. Das Material besteht aus Moos, Schilf- 
blättern, Pflanzenstengeln und Farrenblättern ohne Federn- oder 
Haarauskleidung. Ein Nest steht zwischen den Zweigen eines 
Busches und ist länger als die anderen: 225 Mm. lang und 150 
Mm. breit und enthält einzelne Perlotis-Federn. Die beiden offenen 
Nester messen: Ganze Höhe 80, Napftiefe 30, ganze Breite 125, 
Napfbreite 50 Mm. 
Myiolestes vitienses Hartl. 

Die vier mir vorliegenden Nestersind aufZweige gebaut und zei- 
gen Aehnlichkeit mit unsern Kernbeisser-Nestern, Der ziemlich kunst- 
lose Bau besteht aus Wurzelfasern und ist inwendig mit Rhizophoren 
ausgepolstert. Ganze Höhe 66, Napftiefe 25, ganze Breite 120, 
Napftiefe 75 Mm. | 

Nr. 1 ist am. 9. Sept. auf Upolu mit 2 Eiern 
„2 5.» 11. De. „ Taviuni „2 „v(Rlemschuugn 
» 3 „ Ende Nov. 2 
„-4.,„ am.15 Dee. 3 
Dracaene gefunden. 

Die Eier haben mit keinem europäischen Ei Aehnlichkeit, 
Ihre Grundfarbe ist weiss bis gelblichweiss mit graubraunen kleinen 
Schalenflecken und hellbraunen und röthlichen kleinen und grössern 
Oberflecken, die am stumpfen Ende einen Kranz bilden. Ich messe 
27 + 20 Mm. 

Myiolestes nigrogularis Layard. 

Ein Nest mit einem Ei von Kandavu. Ersteres ist aus Pflanzen- 
wurzeln und Stengeln erbaut und der Napf ohne Auskleidung. 
Ganze Höhe 70, Napftiefe 32, ganze Breite 150, Napfbreite 
80 Mm. 

Das Ei ist etwas grossfleckiger als diejenigen von vitiensis, 
28 Mm. lang und 20 Mm. breit. 

Pachycephala vitiensis Gray. | 

Das mir vorliegende am 26. Oct. 1876 durch Kleinschmidt auf 
Kandavu mit 2 Eiern aufgefundene Nest ist aus Pflanzenstengeln 
erbaut und mit etwas Baumwolle durchflochten. Ganze Höhe 50, 
Napftiefe 25, ganze Breite 100, Napfbreite 70 Mm. | 

Die Eier haben im Allgemeinen einen Tyranniden-Charakter; 
gelblichweissen Grund mit grauen rundlichen Schalenflecken und 


„ In der Spitze einer 


Mittheilungen ü. Nester u. Eier d. Museums Godeffroy z. Hamburg. 401 


- gleichfalls rundlichen und länglichen dunkelschwarzbraunen Ober- 
flecken, die am stumpfen Ende gedrängter stehen. 27 + 19 Mm. 
Pachycephala dcteroides (Peale). 

Von diesem Vogel ist ein aus Upolu stammendes Nest vor- 
handen, das wie voriges aus Pfilanzenstengeln und Wurzelfasern 
erbaut ist und folgende Maasse hat: Ganze Höhe 50, Napftiefe 
55, ganze Breite 90, Napfbreite 55 Mm. 

Das Ei ist denen von P. vitiensis in der Färbung ähnlich, hat 
gelblichweissen Grund mit schwarzen und grauschwarzen Flecken, 
die am stumpien Ende einen Kranz bilden und misst 31 4 20 Mm. 

Pachycephalatorguata Layard. 

Obgleich Dr. Hartlaub (Kleine Mittheilungen aus dem Museum 
Godefiroy, Journal des M. G.) diese Species für eine Localrasse 
der P. vitiensis hält, so will ich doch, wie Kleinschmidt 1. c. sagt, 
nicht unerwähnt lassen, dass die Eier, wenn richtig bestimmt, woran 
wohl kein Zweifel zu sein scheint, wesentlich von denen der 2. 
vitiensis abweichen. Dieselben haben blaugrünen Grund mit einem 
Kranze von graubraunen und schwärzlichen ziemlich grossen Flecken 
und messen 29 — 21 Mm. 

Das Nest, was zwischen Zweigen stand, ist auswendig aus 
grossen Blättern und inwendig aus Pflanzenstengeln und Blüthen 
von Gramineen erbaut. 

Lalage terat Bodd. 

Von den 4 mir vorliegenden Nestern erscheinen 3 als Baum- 
wollenklumpen und sind mit dünnen Pflanzenstengeln. durchwebt; 
eins hat weniger Baumwolle, dagegen mehr Pflanzenstengel und 
sitzt auf einem dieken Zweige. Ganze Höhe 50—60, Napftiefe 25, 
ganze Breite 85—90, Napfbreite 60 Mm. 

Das in der „Ornithologie der Viti-, Samoa- und Tonga-Inseln 
von O. Finsch und G. Hartlaub‘‘ Tab. I. als Aplonis tabuensis ab- 
gebildete Ei gehört hierher. Die Eier haben einen blaugrünen Grund 
und sind gleichmässig bedeckt mit grauschwarzen langgezogenen 
Flecken und messen 22 + 17 Mm. 

Artamus mentalis Jard. 

Die bisher von dem Museum Godeffroy unter diesem Namen 
in den Handel gebrachten Eier sind von mir als zu Myvagra casta- 
neiventris gehörig erkannt, mithin die Mittheilungen darüber im 
Finsch & Hartlaub 1. c. zu streichen, und ist das Ei Nr. 5 auf 
Tab. I zu M. castaneiventris zu stellen. Es war auch wohl kaum 
anzunehmen, dass ein so grosser Vogel (Grösse unseres Lanius 

Cab, Journ, f, Omith, XXVII. Jahrg. No. 148. October 1879, 26 


402 A. Nehrkorn: 


minor) so kleine Eier legen sollte. Kleinschmidt hat nun Eier 
unter dem Namen Artamus mentalis eingesandt, die zweifellos 
richtig sind; dieselben haben röthlichweissen Grund, wie einige 
helle Lanius collurio-Eier, mit violetten, leberbraunen verwischten 
und zum Theil scharf begrenzten Flecken und messen 26-+-17 Mm. 

Die beiden vorhandenen Nester sind ganz unordentliche Baue 
mit fast gar keinem Napfe. Das Nestmaterial besteht aus trockenen 
Grashalmen. Ganze Höhe 40—45, Vertiefung kaum merklich, 
ganze Breite 160— 170, Napfbreite 70 Mm. 

Bemerken will ich hier noch, dass die Fier von A. mentalis 
mit denen von A. sordidus in Gould’s Birds of Australia, woselbst 
ein Nest mit 4 Eiern abgebildet ist, übereinstimmen. 

Rhipidura nebulosa Peale. 

Auch bei den Eiern, die diesem Vogel angehören sollen, glaube 
ich einige Zweifel aussprechen zu müssen. Wer sich eingehend 
mit der Oologie beschäftigt hat, wird im Stande sein, auf den 
ersten Blick Verschiedenheiten zweier Eier herausfinden zu können, 
die einem ungeübten Auge nicht auffallen. Mehrere Eier des Mu- 
seums mit der Bezeichnung A. nedulosa haben Lanius - Charakter, 
nur 3 weichen wesentlich ab, haben gelblichweissen Grund mit grau- 
gelben Unterflecken und graubraunen Oberflecken und messen 
17+13 Mm. Diese glaube ich mit grösster Bestimmtheit als zu 
R. nebulosa gehörig ansprechen zu dürfen, zumal dieselben mit 
denen der R. albiscapa Gould in Gould’s Birds of Australia (Nest 
mit 2 Eiern) übereinstimmen. Auch die Eier von R. albifrontata 
Frankl. aus Indien zeigen grosse Aehnlichkeit. Hoffentlich gelangen 
in neuen Sendungen noch mehr sicher bestimmte Eier in unsere 
Hände, um die jetzt obwaltenden Zweifel zerstreuen zu können, 

Die Nester sind sehr sorgfältige Baue, aussen aus Baumwolle, 
sonst aus Pflanzenfasern bestehend. Ganze Höhe 40, Napftiefe 20, 
ganze Breite 55, Napfbreite 45 Mm. 

Rhipidura albogularis Layard. 

Ein von Kleinschmidt aus Viti-Levu eingesandtes Nest ähnelt 
sehr unserm hypolais-Neste, ist mithin ein kunstvoller Bau, bestehend 
aus Pflanzenfasern aussen (flachsähnlicb) und dünnen Pflanzen- 
stengeln innen. Ganze Höhe 65, Napftiefe 25, ganze Breite 65, 
Napfbreite 55 Mm. 

Rhipidura versicolor H. & F. 
Das von Yap stammende Nest ist dem vorigen ganz ähnlich. 


Mittheilungen ü. Nester u. Eier d. Museums Godeffroy z. Hamburg. 403 


Rhipidura Kubaryi Finsch. 

Das von Ponap& stammende Nest ähnelt gleichfalls dem be- 
schriebenen von R. nebulosa. Die beiden Eier haben gelblich- 
weissen Grund mit einem Kranze von leberbraunen, grauen und 
violetten Flecken und messen 18-14 Mm. 
| Rhipidura personata Ramsay. 

Das von Kandavu stammende Nest ist äusserlich mit Pflanzen- 
wolle bekleidet und besteht inwendig aus Pflanzenstengeln ohne 
weitere Auskleidung. Ganze Höhe 42, Napftiefe 22, ganze Breite 
52, Napfbreite 44 Mm,, mithin sehr dünnwandig. 

Die Eier haben lachsfarbenen Grund mit mattrosa, hell- und 
dunkelbraunen Flecken, die am stumpfen Ende einen Kranz bilden, 
Länge 16, Breite 13 Mm. 

Monarcha Lessoni (Hombr. & Jacqu.) 

Das Nest sitzt in einer Zweiggabel, ist äusserlich ganz aus 
Moos erbaut und inwendig nur mit Rhizophoren dicht ausgepol- 
stert. Ganze Höhe 75, Napftiefe 40, ganze Breite 60, Napfbreite 
40 Mm. 

* Die beiden aus Viti-Levu stammenden Eier haben fleischfarbe- 
nen Grund mit leberbraunen und hellbraunen ganz feinen Flecken, 
die am stumpfen Ende einen Kranz bilden. Ich messe 19 + 14 Mm. 

Monarcha Godeffroy: Hartl. 

Ein Nest von Yap. Dasselbe sitzt in einer Zweiggabel, ist 
auswendig mit Baumwoile, Spinnencocons und Moos bekleidet und 
inwendig aus den gleichen zu fast allen Nestern der Südseeinseln 
benutzten Pflanzenstengeln (nach Frau Amalie Diedrich einer Pani- 
cum-Art) erbaut. Ganze Höhe 60, Napftiefe 30, ganze Breite 75, 
Napfbreite 50 Mm. 

Myiagra albiventris (Peale). 

Die von den Samoa-Inseln stammenden Nester sind dünn- 
wandig und durchsichtig, aus Pflanzenstengeln mit wenig einge- 
webter Baumwolle und Moos erbaut, ohne Auskleidung und messen 
Ganze Höhe 10, Napftiefe 28, ganze Breite 75, Napfbreite 50 mm 

Die Eier haben weissen Grund mit hellen und dunkelgrauen 
Flecken, Die Oberflecken sind dunkelolivenfarbig über das ganze 
Ei gleichmässig vertheilt. Ich messe 18-14 Mm. 

Myiagra erythrops Hartl. 

Ein Nest. Das dazu gehörige angeblich rothe Eı ist nicht 
mit eingesandt. Der Umstand, dass sowohl das Nest, das aus 
breiten Schilfblättern erbaut ist, als auch die Angabe über die 


26* 


404 A. Nehrkorn: 


Färbung des Eies veranlasst mich, anzunehmen, dass vielleicht ein 
Irrthum vorliegt. Dr. Finsch ist derselben Ansicht und sagt 
in „die Vögel der Palau-Gruppe“ Seite 23, dass das der Psamathia 
Annae zugeschriebene Nest wohl der Myiagra erythrops, das 
unserm Vogel zugeschriebene indess der Ps. Annae zugehören 
dürfte. Dafür spricht auch die Färbung des in Spiritus aufbewahr- 
ten Eies, das durchaus denen unserer Sylvia Cetti gleicht. 

Es haben mithin: Drymochaera badiceps Finsch 

Calamodyta Oetti Gray 
” cantans »„ (Japan) 
und Psamathia Annae H. & F. 
fast gleiche Eier. 

Das muthmasslich der letztern Species angehörige Nest ist aus 
breiten Schilfblättern erbaut und misst: ganze Höhe 60, Napftiefe 
40, ganze Breite 80, Napfbreite 50 Mm. 

Myiagra pluto Finsch. 

Das mir vorliegende Nest von Ponape& ist ein zarter Bau, aus- 
wendig mit Moos, inwendig mit Rhizophoren und einigen gröbern 
Grasblättchen ausgefüttert. Ganze Höhe 35, Napftiefe 25, ganze 
Breite 65, Napfbreite 44 Mm. 

Die Eier haben durchaus Würgercharakter, wie alle mir be- 
kannten Myiagra-Eier, einen grauweissen Untergund mit matten 
grauen und dunkleren, auch schwärzlichen Flecken, die meist einen 
Kranz am stumpfen Ende bilden. Ich messe 22-15 Mm. 

Myiagra azureicapilla Layard. 

Die Eier dieses Vogels von Taviuni stimmen durchaus mit 
denen der vorigen Species überein. 

Myiagra castaneiventris (J. Verr.). 

Mehrere von Kleinschmidt eingesandte Nester liegen mir vor, 
und will ich dessen briefliche Mittheilungen darüber hier wieder- 
holen: „Obgleich manchmal 2 Eier im Nest, glaube ich dennoch, 
dass immer nur ein Junges ausgebracht resp. aufgezogen wird. 
Das stark gebaute Nest ist gewöhnlich in einer Gabel erbaut; ich 
fand es auf Sträuchern nur 3—4 Fuss von der Erde und auf 
Orangen- und andern Bäumen. Es ist aussen, ähnlich dem des 
deutschen Buchfinken, mit hellgrünen Flechten bekleidet und über- 
haupt sehr elegant gearbeitet. Die Brutzeit dauert von August 
bis Ende des Jahres, ja bis in den Januar hinein.“ 

Die Maasse sind: Ganze Höhe 48—50, Napftiefe 20-25, 
ganze Breite 65—70, Napfbreite 50 Mm. 


Mittheilungen ü. Nester u. Eier d. Museums Godeffroy z. Hamburg. 405 


Die Eier ähneln denen der übrigen Myiagra-Arten (Würger- 
charakter) und messen 19-+15 Mm. 

Das bei Finsch und Hartleib (Il. c. abgebildete Ei No. 5) (Arta- 
mus mentalis) gehört der Myiagra castaneiventris. 

Turdus vanicorensis (Quoy & Gaim.). 

Die Nester dieses Vogels weichen wesentlich von hiesigen 
Drosselnestern ab. Sie sind innen mit Baumblättern, denen unserer 
Fagus-Blätter ähnlich, ausgepolstert, bestehen aber sonst aus Moos 
und Pflanzenwurzeln und messen: Ganze Höhe 55, Napftiefe 30; 
ganze Breite 130, Napfbreite 75 Mm. 

Die vielen mir vorliegenden Eier haben weniger Aehnlichkeit 
mit denen europäischer Drosseln, als z. B. mit denen der 7. falk- 
landicus, Grayi ete. Sehr stark gefleckte Eier der 7. torguatus 
zeigen noch die meiste Aehnlichkeit, nur dass diese ein wenig 
grösser sind. Ich messe 27-22 Mm. 

Turdus vitiensis Layard. 

Die Nester dieses Vogels ähneln durchaus denen unserer 
T. merula. Die innere Ausfütterung besteht aus Schilfblättern. 
Ganze Höhe 80—90, Napftiefe 35—50, ganze Breite 150, Napf- 
breite 100 mm. 

Die Eier gleichen im Allgemeinen denen der vorigen Species, 
haben nur wie einige der T. plaris einzelne schwarze Flecken 
und messen 31-253 mm. 

Turdus bicolor Layard. 

Das Nestmaterial sind Wurzelfasern und trockene Blätter, 
hauptsächlich im Napfe, der damit ausgekleidet ist. Ein Nest ent- 
hält lanzettförmige Farrenblätter, die auf der Unterseite fructificiren. 
Die Maasse sind: Ganze Höhe 85, Napftiefe 40, ganze Breite 155, 
Napfbreite 90 mm. Ein anderes steht auf dem Grunde eines 
Farrenbüschels, ist aus Moos, Wurzeln und Pflanzenstengeln erbaut 
und ohne jede Auskleidung = 130, 40, 130 und 80 Mm. 

Die Eier ähneln sehr denen der beiden vorigen Species und 
messen 27421 Mm. 

Amblynura Kleinschmidti, Finsch. 

Ein Nest und ein Ei. Ersteres ist ein von allen andern 
vorhandenen Nestern abweichender Bau und besteht aus feinen 
Wurzelfasern mit wenig dazwischen geflochtenem Moos ohne 
Auskleidung. Ganze Höhe 45, Napftiefe 20, ganze Breite 80, 
Napfbreite 55 Mm. 

Das Ei ist bläulichweiss und glänzend und misst 21-15 Mm. 


406 A. Nehrkorn: 
Erythrura Pealei Hartl. 

Kleinschmidt sandte von Kandava 1 Nest mit 3 Eiern ein, 
das im Unterbusch nur ungefähr 4 Fuss vom Boden nahe am 
Wasser (Gebirgsbach) gestanden hatte. Dasselbe ist ein grosser 
ungestalteter Klumpen von Moos, Blättern und Wurzelfasern. Der 
Napf ist im Verhältniss zum ganzen Bau klein und mit Blättern 
ausgepolstert. Ganze Höhe 90, Napftiefe 50, ganze Breite 191, 
Napfbreite 59 Mm. 

Die Eier sind, wie alle zu dieser grossen Familie gehörenden 
weiss. Auf den mir vorliegenden finden sich verwischbare eisen- 
farbige Klexe, die wohl vom Nestmaterial herrühren müssen. Ich 
messe 18414 Mm. 

Erythrura cyanovirens (Peale). 

Das Nest dieses Vogels ist gleichfalls ein unförmiger grosser 
Bau aus Bananenblättern und Gras mit tiefem Napfe, auf einem 
Zweige sitzend. Ganze Höhe 95, Napftiefe 60, ganze Breite 150, 
Napfbreite 55 Mm. 

Die Eier sind weiss und messen 17-14 Mm. 

Aplonis brevirostris (Peale). 

Die Eier haben theils Drossel- theils Staar-Charakter. Ihre 
Grundfarbe ist ein mattes Blaugrün; die am stumpfen Ende etwas 
gedrängter stehenden ziemlich scharf begrenzten Flecken sind violett 
bis röthlichbraun. Zwei Eier meiner Sammlung sind ganz und gar 
mit rostbraunen Klexen überzogen, die sich schwer abwischen 
lassen. Vielleicht rührt diese Beschmutzung von Erde her, die 
zum Nestbau benutzt wurde. Die Form der Eier ist Drosselartig. 
Ich messe 27+20 Mm. 

Aplonis vitiensis. 

Das mir vorliegende Ei dieses Vogels ist denen der A. drew- 

rostris fast gleich gefärbt und auch ebenso gross. 
Calornis Kittlitzi H. & FE. 

Die Eier dieses Vogels gleichen im Allgemeinen denen der 
vorigen Species, nur sind die violetten Schalenflecken zum Theil 
grösser und die rothbraunen Oberflecken schärfer begrenzt. Die 
Maasse sind 26—30-+21—22 Mm. 

Calornis nitida Gray. 

Die von Duk of York stammenden Eier haben schmutzig blau- 
weissen Grund mit unregelmässig geformten und über die ganzen 
Eier fast gleichmässig vertheilten mattbräunlichen und violetten 
Flecken und messen 27—28-+21—22 Mm. 


Mittheilungen ü. Nester u. Eier d. Museums Godeffroy z. Hamburg. 407 


Die 10 mir vorliegenden Nester dieses Vogels sind enorme 
Klumpen von allen möglichen Pflanzenstengeln, Wurzeln, Bast und 
Blättern, sitzen auf und zwischen Zweigen mit seitlichem Eingang. 
Höhe 220, Breite 200 Mm. 

Ä Ptilinopus Perousei Peale. 

Das Nest dieser Taube ist wie alle Taubennester ein unordent- 
lich über einander geschichteter kleiner Haufen Reisig, durch 
welchen man die Eier von unten sehen kann. Diese sind weiss 
und messen 30-+-21 Mm. 

Ptilinopus fasciatus Peale. 

Die Eier messen 31424 Mm. 

Chrysoena victor Gould. 

Ausführliche Mittheilungen über das Brutgeschäft dieser Taube 
finden sich in den „Kleinen Mittheilungen aus dem Museum Godeffroy“ 
von Schmeltz pag. 13. Das Nest, sofern überhaupt von einem 
‚solehen die Rede sein kann, ist 130 mm. breit. Die Eier sind, 
„abweichend von allen andern Taubeneiern, ganz matt, rauh und 
lang gestreckt, was schon aus den Maassen 35-+-23 Mm. hervor- 
geht. 

Chrysoena viridis Layard. 

Das von Herrn Kleinschmidt von Kandavu eingesandte Nest 
weicht insofern von dem der vorigen Species ab, dass es gar keine 
Vitis-Ranken enthält, wie jenes. Die Eier sind denen der CA. victor 
vollkommen gleich. 

Columba vitiensis Quoy & Gaim. 

Die sehr dünnschaaligen Eier messen 35 +26 Mm. 

Carpophaga latrans Peale. 

Das mir vorliegende und in meine Sammlung übergegangene 
Ei trägt die nähere Bezeichnung: Somo—Somo Straits, Theil von 
-Vanua—Levu, Ende November 1875. Die Maasse des glänzenden, 
glattschaligen Ei’s sind 50-436 mm. 

Carpophaga oceanica (Lesson). 

Das durch Kubary aus Ponap& eingesandte Nest besteht aus 
2—3 Mm. dicken, etwa 40 Mm. hoch unordentlich über einander 
geschichteten Zweigen und ist 190 Mm. breit. Die Eier sind sehr 
gestreckt und messen 50-33 Mm. 

Phlegoenas Stairi (Gray). 

Finsch & Hartlaub, Ornithol. d. V.S. und T. Inseln, sagen 
pag. 147 in der Anmerkung: Bezüglich der generischen Stellung 
dieser Taube bemerken wir, dass dieselbe ganz mit den von Gosse 


408 A. Nehrkorn:. 


s. n. Geotrygon gesonderten amerikanishen Erdtauben überein- 
stimmt etc. Da nun alle mir bekannten Geotrygon-Eier statt weiss, 
bräunlich, wie die Eier der Cochinchina-Hühner, gefärbt sind, so 
glaube ich annehmen zu dürfen, dass. entweder die Bestimmung 
der mir vorliegenden Eier, die weiss sind und 33 + 23 Mm. 
messen, falsch ist, oder dass die Annahme der Uebereinstimmung 
mit den Erdtauben (Geotrygon) nicht wörtlich zu nehmen ist, ob- 
gleich Kleinschmidt schreibt: „Das Nest findet sich am Boden.“ 
Didunculus strigirostris (Jard.). 

Das mir vorliegende Nest dieser Taube besteht aus Vitis- 
Zweigen und -Ranken mit wenigen andern Pflanzenstengeln ver- 
mischt und ist wie alle Taubennester durchsichtig. Höhe 20, 
Breite 200 Mm. ohne irgend welche napfartige Vertiefung. Die 
Maasse zweier Eier sind 43 + 24 und 52 + 36 Mm. 

Otis australis Gray. 

Die Färbung des mir vorliegenden Eies ist denen unserer 
Trappeneier ähnlich, jedoch sehr hell. Die Maasse sind 85 + 
58 Mm. 

Oedienemus grallarius Latham. 
Die Eier gleichen denen unserer O. erepitans und messen 58 
-- 42 Mm. 
Ardea sacra Gmel. 
Die Eier messen 49 + 36 Mm. 
Ardea javanica Horsf. 

Die von Kandavu durch Kleinschmidt eingesandten Eier messen 
45 + 32 Mm. 

Rallus pectoralis Less. 

Das Nest dieses Vogels ist ein aus Gräsern aufgeschichteter 
Bau wie diejenigen unserer Ralliden. 

Die etwa 80 von mir verglichenen Eier stimmen alle überein; 
ihre Grundfarbe ist rosabraun mit violetten Unterfleeken und ziem- 
lich scharf begrenzten hellbraunen Oberflecken, die meist am stumpfen 
Ende einen Kranz bilden. Ich messe 37—44 4 30—32 Mm. Ab- 
gesehen von der bedeutenderen Grösse stechen diese Eier gegen 
die verwandten Europäer durch gesättigtere Farben ab. 

Ortygometra quadristrigata (Horsf.). 

Die Eier dieses Vogels sind höchst eigenthümlich gefärbt. 
Der Grund ist grauweiss bis schwefelgelb; die über das ganze Ei 
fast gleichmässig vertheilten rothbraunen, matten Flecken sind ver- 
wischt wie bei Porzana minuta Schleg. Die Nester sind 32 -+ 23 Mm. 


Mittheilungen ü. Nester u. Eier d. Museums Godeffroy z. Hamburg. 409 


Eine Verwechselung mit andern Eiern aus der Familie ist der 
eigenthümlichen Färbung wegen nicht möglich. 
Parra gallinacea Temm. 

Die merkwürdigen Eier unterscheiden sich nur durch die ge- 
ringere Grösse von den übrigen bekannten Parra-Eiern. Ich 
messe 30 +25 Mm. 

Sterna Bergii Licht. 

Die in früheren Jahren aus dem Museum abgegebenen Eier 
unter diesem Namen gehören der Sterna panaya an; eine Ver- 
gleichung mit den Eiern vom rothen Meere führte sofort zu dem 
Schlusse und um so sicherer, als später die Eier von S7. panaya 
unter diesem Namen in den Handel kamen. 

„/Sterna panaya Gmel. 

Die Eier haben grauen bis gelblichweissen Untergrund mit 
violetten rothbraunen kleinern und grössern Flecken, ähneln den 
Eiern der S£. fuiginosa und messen 50—55 4 36-38 Mm. 

Sterna melanauchen Temm. 

Die Eier haben die Grösse der St. hirundo, 39 + 28 Mm., 
und ähneln auch einigen hellen Exemplaren derselben. Die Grund- 
' farbe ist ein schmutziges Lehmgelb mit grauen und fast schwarzen 
meist kleineren, aber auch einigen sehr grossen Flecken. 

Sterna lunata Peale. 

Die mir vorliegenden Eier gleichen den Anous-Eiern, sind 46 Mm. 
breit, mithin grösser als die von Anous parvulus und ebenso gross 
als die von Anous leucocapillus. Es ist deshalb fraglich, ob sie 
nicht mit diesen identisch sind. 

Gygis alba (Sparrm.). 

Die Eier dieser Seeschwalbe haben so eigenthümliche Fär- 
bungen, dass man sie eher für Pierocles- und Cursorius-Eier halten 
könnte. Die Grundfarbe ist grau, die Schalenflecken sind violett 
und dunkelgrau, und die Oberflecken, Schnörkel und Wurmlinien, 
die hauptsächlich an einem Pole gedrängter stehen, schwärzlich- 
braun. Die Gestalt ist die der Pierocles-Fier. Ich messe 42—46 
—+ 37—39 Mm. 

Anous stolidus (Linn.). 

Erst die in den letzteren Jahren von den Sammlern des Mu- 
seums eingeschickten Eier sind echt, während die früheren zu 
Sterna fuliginosa gehörten. Die Grundfarbe ist rosa angehaucht 
mit wenigen kaum sichtbaren grauvioletten Schalenflecken und 


410 R. Ridgway: 


intensiv rothbraunen einzelnen Oberflecken, die am stumpfen Ende 
einen Kranz bilden. Ich messe 56—58 +4 39 Mm. 
Anous leucocapillus Gould. 

Die von Ponap& stammenden Eier haben Form, Farbe und 

Fleckung der A. stolidus und messen 44 + 32 Mm. 
Anous cinereus (Neboux) parvulus Cassin. 

Den Eiern dieses Vogels sieht man sofort die Zugehörigkeit 
zu der Familie Anous an; sie gleichen den bereits beschriebenen, 
sind nur bedeutend kleiner und messen 41 + 27 Mm. 

Larus scopulinus Forster. 

Die von Frau Amalie Diedrich in Bowen (Nordostaustralien) 
gesammelten Eier dieser Möve haben weissgelben Grund mit grossen 
violettgrauen Unterflecken und grössern schwarzbraunen verwischten 
Oberflecken und messen 65 + 43 Mm. 

Procellaria coerulea Gmel. 

Das von Viti-Levu stammende und am 28. April 1878 aus- 
genommene Ei meiner Sammlung ist eine Miniaturausgabe von 
Pr. glacialis und misst 53 + 38 Mm. 

Dysporus cyanops (Sunder.). 

Die Eier messen 70—48 Mm. 

Dysporus piscator (Linn.). 

Die Eier messen 59—60 -+ 41—48 Mm. 

Dysporus sula (Linn.). 

Die Eier messen 64 + 42 Mm. 

Graculus melanoleucus Vieill. 

Die vielen von mir durchgesehenen Eier messen 43 4 32 Mm. 
und gleichen allen übrigen G@raculus-Eiern. 


Ueber den Gebrauch der Trinomina in der zoologischen 
Nomenclatur. 
Von Robert Ridgway. 
(Aus dem Bulletin of the Nuttall ornithological Club 1879. vol. IV. No. 3 
p. 129—134 übersetzt von Hermann Schalow.) 

Um einen allgemeinen Meinungsaustausch in Bezug auf den 
Gebrauch der Trinomina in der zoologischen Nomensclatur hervor- 
zurufen, wähle ich diesen Weg, die Fragen einzelner Correspon- 
denten zu beantworten, die sich hinsichtlich dieses Gegenstandes 
an mich gewandt haben. Erüher oder später muss es einem jeden 
wissenschaftlich arbeitenden Naturforscher einleuchten, dass ein nur 


Ueber den Gebrauch d. Trinomina in d. zoolog. Nomenclatur, 411 


‚binäres System, welches allein für scharf unterschiedene Arten zu 
verwenden ist, zur Bezeichnung solcher Formen, die sich noch in 
einem werdenden (incipient) Zustande befinden, vollständig untaug- 
lich ist. Der Gebrauch eines dritten Namens muss daher bei den- 
jenigen Arten zur Nothwendigkeit werden, welche noch nicht vollstän- 
dig scharf charakterisirt sind, d. h. also bei denen, die durch ein Er- 
löschen der Intermediärformen noch nicht isolirt dastehen. In welcher 
Weise nun dieser dritte Ausdruck mit dem Genus- und Speeies- 
namen in Verbindung zu bringen ist, das ist eine Frage, bei deren 
Beantwortung wohl kaum zwei Autoren übereinstimmen. Und da 
es offenbar wünschenswerth erscheint, dass, so frühe als möglich, 
eine allgemein annehmbare Form gewählt werde, so hoffen wir, 
dass der Gegenstand einer gewissen Beachtung begegnen wird. 

[In dem „American Naturalist‘“ vol. V, 1871, pp. 346—373 
weist Dr. Coues nachdrücklich auf den Gebrauch der Trinomina 
hin und giebt die weitgehendsten und umfassendsten Gründe für 
deren Gebrauch; sein ausgezeichneter Aufsatz sollte daher, in Ver- 
bindung mit dem gegenwärtigen Gegenstande, sorgfältig gelesen 
werden. Der erste Ornitholog, der das trinominale System in der 
Nomenclatur in der ausgedehntesten Weise zur Anwendung brachte, 
war, wenigstens was Amerika anbetrifft, Professor Baird, der es in 
seinem im Jahre 1858 veröffentlichten Musterwerke „Birds of North 
Ameriea“ (vol. IX, Pacifie R. R. Reports) und später in seiner 
„Review of American Birds“ (1864—66) benutzte. Der Zweck 
der vorliegenden Arbeit ist daher weniger der, dieses System der 
Nomenelatur zu vertheidigen, da es in Wirklichkeit keiner Ver- 
theidigung bedarf, als vielmehr die Nothwendigkeit einer Ueber- 
einstimmung zwischen den Ornithologen, in welcher feststehenden 
allgemein angenommenen Weise der subspecifische Name mit dem 
Speeiesnamen zu verbinden ist, darzuthun. R. R.] 

Die Frage ist für Ornithologen von grösster Wichtigkeit und 
sollte unverweilt erledigt werden. Um zu zeigen, dass sie auch, früher 
oder später, im Auslande wird erörtert werden, seien die folgenden 
Ausführungen eines Ornithologen in einer der letzten Nummern des 
„Ibis“ mitgetheilt (H. Seebohm, Ibis 1879, pp. 18—21): 

„Es ist der Stolz englischer Ornithologen, dass ihr System 
der Nomenclatur ein binäres sei. Als Linne an Stelle einer ganzen 
Sentenz ein einziges Wort zur Bezeichnung einer Species einführte, 
that er einen ungeheuren Schritt zur Vereinfachung der Nomen- 
clatur. Die Praxis Brisson’s und früherer Ornithologen schlug fehl, 


412 R. Ridgway: 


soweitsie sich auf wissenschaftlicheGenauigkeit bezog, wegen der über- 
aus grossen Menge von Facten, mit denen man zu rechnen hatte. Es 
scheint nun augenblicklich eine Strömung vorhanden zu sein, um 
den Gedanken der binären Nomenclatur zu einer pedantischen Höhe 
zu erheben. Es ist ein allgemeiner Gebrauch unter den Ornitho- 
logen, Speciesnamen ohne Autor aufzuführen, unter dem Vorwande, 
dass dies eine streng binäre Nomenclatur zulasse. In neun von 
zehn Fällen schadet dies nichts, aber im zehnten kann es die be- 
stimmte Art, die gerade bezeichnet werden soll, zweifelhaft lassen. 
Gründlichkeit ist die Basis jeder wissenschaftlichen Untersuchung, 
und von dem Augenblick an, wo sich ein Zweifel an das knüpft, 
was die Bezeichnung feststellen soll, von dem Augenblick an hört 
die Bezeichnung auf, eine wissenschaftliche zu sein. Die Thatsache, 
dass derselbe Speciesname von verschiedenen Ornithologen ver- 
schiedenen Arten gegeben worden ist, macht die Hinzufügung des 
Autors zum Speciesnamen in vielen Fällen zur Nothwendigkeit — 
für die binäre Nomenclatur unzweifelhaft eine unangenehme Noth- 
wendigkeit, aber nichts desto weniger eine nicht zu umgehende 
für den in Wirklichkeit wissenschaftlich Arbeitenden. Es wäre gut, 
wenn die Verwirrung hiermit zu Eude wäre. Allein unglücklicher- 
weise herrscht unter bedeutenden Ornithologen in vielen Fällen 
eine Meinungsverschiedenheit auch in Bezug darauf, welche Species 
eigentlich durch gewisse von einzelnen Autoren gebrauchte Be- 
zeichnungen unterschieden werden soll. 

„Saxicola stapazina z. B. ist ein Name, der eine bestimmte 
"Steinschmätzerart bezeichnen soll. Sazxicola stapazina (L.) zeigt, 
dass dieser Name auf diejenige Steinschmätzerart beschränkt ist, 
welche Linn& Motacilla stapazina benannte. Allein seit der Ver- 
öffentlichung von Dresser’s „Birds of Europe“ hört der Name Saxi- 
cola stapazina (L.) auf, eine bestimmte Bedeutung zu haben, und 
der Leser muss stets im Zweifel darüber sein, ob der so genaunte 
Vogel die Sazxicola stapazina Linn@’s apud Latham, Vieillot- 
Temminck und einer Menge anderer Autoren ist, oder die Saxi- 
cola stapazina Linne’s apud Dresser — zwei durchaus verschiedene 
Vögel. Um jeden Preis muss wissenschaftliche Genauigkeit gewahrt 
werden, und ich sehe keine andere Möglichkeit, als unsere ornitho- 
logische Nomenclatur noch weiter zu verwirren und den schwarz- 
ohrigen Steinschmätzer Saxicola stapazina (Linn.) et Dresser zu 
nennen. 

„Es wäre für die Einfachheit der ornithologischen Nomen 


Ueber den Gebrauch d. Trinomina in d. zoolog. Nomenclatur. 413 


clatur gut, wenn die Verwicklungen selbst hier noch aufhören 
könnten. Von den Tagen Linne’s an bis zu denen von Wallace und 
Darwin stimmten die meisten Ornithologen darin überein, dass die 
Species durch eine scharfe und festbegrenzte Linie getrennt würden» 
und dass die Schwierigkeit, welche der Studirende zu überwinden 
hatte, darin läge, die Trennungslinie, welche die Natur zwischen 
den einzelnen verschieden geschaffenen Species gezogen hatte, zu 
erkennen. Jetzt aber, da die meisten wissenschaftlich arbeitenden 
Ornithologen die Thatsache anerkannt haben, dass diese scharfen 
und festbegrenzten Linien in der Natur selten vorhanden sind, 
dass die Arten nicht als Arten geschaffen, sondern sich nach ge- 
wissen mehr oder weniger bekannten Gesetzen stufenweise ent- 
wickelt haben, und dass es folglich zu jeder Zeit des Daseins der 
Erde eine grosse Anzahl von Arten gegeben haben muss, die sich 
in einem Zustande der Verschiedenheit befanden, jetzt nun sind die 
Schwierigkeiten noch um ein Bedeutendes gewachsen. Naturgemäss 
entsteht die Frage: Was ist eine Species? Wir müssen entweder 
eine künstliche scharfe und engbegrenzte Linie da ziehen, wo die 
Natur keine gezogen hat, oder aber wir müssen die Natur so accep- 
tiren, wie sie ist, und auf das beste die Verwickelungen benutzen, 
welche nothwendigerweise in unserer Nomenclatur dadurch ent- 
stehen, dass wir sie mit Thatsachen, die wir als wissenschaftliche 
Arbeiter nicht leugnen können, in Einklang zu bringen suchen. Es 
scheint mir daher für die jetzt lebenden Ornithologen durchaus 
nothwendig zu sein, das Vorhandensein von Subspecies anzuer- 
kennen, d. h. von werdenden Arten, bei denen die Zwischenformen 
noch nicht ausgestorben sind und bei denen sich eine Serie von 
Formen findet, die von dem einen Extrem zu dem anderen hinüber- 
führt. Von der Gefahr einer solchen Praxis bin ich vollkommen 
überzeugt. Es ist leicht, den Missbrauch herauszufinden, der damit 
getrieben werden kann. Unerfahrene Ornithologen werden oft in 
Versuchung geführt werden, Verschiedenheiten des Alters, Ge- 
schlechts, der Jahreszeit, zufälliger individueller Varietäten gar 
nicht zu gedenken, für Zwischenformen zu halten, denen die Stel- 
lung einer Subspecies gebührt, und unsere Nomenclatur kann Ge- 
fahr laufen, mit Namen überfluthet zu werden, die ebenso nach- 
theilig sein würden wie die unnützen Synonymen des älteren Brehm. 
Ich bin indessen der Meinung, dass alle diese Schwierigkeiten im 
Laufe der Zeit verschwinden werden. Mir scheint es, als ob die 
wissenschaftliche Ornithologie nicht länger im Stande ist, das Vor- 


414 R. Ridgway: 


handensein von Subspecies in der Natur zu leugnen oder den 
Versuch zu machen, die ornithologische Nomenclatur einfacher zu 
gestalten, als es die Dinge in der Natur sind, die sie zu elaalE 
terisiren bestrebt ist.“ 

Bis dieser Gegenstand nun durch ein Uebereinkommen der 
leitenden Ornithologen endgültig zum Austrag gebracht worden ist, 
mag es der freien Wahl eines jeden Schriftstellers überlassen 
bleiben, welche Verbindung von Genus-, Species- und Subspecies- 
namen er zur Bezeichnung geographischer Varietäten der Thiere 
wählt, vorausgesetzt, dass er nicht gegen die wesentlichen Prin- 
cipien der von Linn& geschaffenen und, mit Verbesserungen ver- 
sehen, von der British Association angenommenen Nomenclatur 
verstösst. Linne wie auch die folgenden Autoren des vergangenen 
Jahrhunderts gebrauchten nicht selten einen dritten Ausdruck 
zur Bezeichnung von Racen oder Varietäten. Wenngleich diese 
Praxis durch die Regeln der British Association for the Advance- 
ment of Science nicht direct verboten ist, so schliessen doch die 
drei ersten Zeilen des dritten Absatzes des $ 1 der vorgenannten 
Regeln das Verbot in sich. Die Zeilen lauten: „Da unser Gegen- 
stand sich nur auf das binäre System der Nomenclatur bezieht, 
auf dasjenige, welches eine Species durch zwei lateinische Worte 
charakterisirt, durch einen Genus- und einen Speciesnamen, und 
da diese unschätzbare Methode allein Linne ihren Ursprung ver- 
dankt,“ u. s. w. Zu der Zeit nun, als Linne schrieb, dachte man 
nicht an Zwischenstufen zwischen angenommenen Arten, es war 
daher auch keine Vorsorge für die Benennung geographischer Va- 
rietäten getroffen, welche in Wirklichkeit werdende Arten sind, und 
diese Vorsorge zu treffen wurde auch übersehen, als die wich- 
tigen Regeln der British Association im Jahre 1842 zusammen- 
gestellt wurden. Selbst in der letztrevidirten Ausgabe dieser 
Regeln (1878) wurde dieses wichtige Desiderat vollkommen mit 
Stillschweigen übergangen. Wären alle Arten vollkommen fest- 
stehend, so würde ein rein binäres System zweifellos genügen. 
Allein die neuesten zoologischen Untersuchungen weisen die That- 
sache auf, dass verhältnissmässig wenige Arten das sind, was man 
als vollständig scharf begrenzt bezeichnen könnte, dass eine sehr 
grosse Anzahl noch mit einer Reihe von Individuen verbunden 
erscheint, die noch nicht scharf gesondert ist, ja dass sogar oft der 
Grad der Verschiedenheit dieser Formen bei getrennten geogra- 
phischen Gebieten grösser ist als bei solchen Arten, bei denen 


Ueber den Gebrauch der Trinomina in der zoolog. Nomenclatur. 415 


Zwischenstufen unbekannt und äusserst unwahrscheinlich sind. 
Es ist daher einleuchtend, dass die wahren „Species“ — Formen, 
welche durch eine allein binäre Zusammenstellung genau bezeichnet 
werden können — diejenigen sind, welche durch das Aussterben 
von Zwischenarten isolirt dastehen. Es ist wohl wünschenswerth, 
dass dieser Unterschied zwischen wirklichen und werdenden Arten 
durch eine passende Ergänzung zu den Regeln der Nomenclatur 
praktisch sollte anerkannt werden. 

Der Gebrauch eines dritten Namens in Verbindung mit dem 
der Species und des Genus, um eine „Race“ oder „Subspecies“ 
zu bezeichnen, ist deshalb verworfen worden, weil es gegen die 
Linne’schen Grundgesetze der Nomenclatur vorstösst; allein wir 
finden, dass Linne häufig das, was er als Racen oder Varietäten 
einer Art betrachtete, in der Weise benannte, dass er die Buch- 
staben des griechischen Alphabets vorsetzte. So finden wir z. B. 
in der zwölften Ausgabe des „Systema Naturae“ (1766) auf Seite 
270 u. 271, dass Linne sieben Formen von Phasianus gallus unter- 
scheidet. Die erste derselben nennt er einfach Phasianus gallus, die 
anderen coristatus ß, ecaudatus y, morio d, lanata e, pusiülus & und 
crispus n; jede wird von einer Diagnose begleitet. Andere ältere 
Schriftsteller, deren Werke nach der 12. Ausgabe des ,„Systema 
Naturae“ erschienen, und die das Linne’sche System annehmen, 
folgen demselben Plan. Zahlreiche Beispiele findet man bei Gmelin 
(1788). Auf den Seiten 539 u. 590 von Lathami „Index Ornitho- 
logicus‘‘ (vol. II. 1790) wird die Haustaube „Columba domestica“ 
genannt, als Species „2“ des Genus Columba. Zwanzig Varietäten 
dieser Art werden nun wie folgt benannt „2 f livia“, „2 y rupicola“, 
„20 hispanica“, „28 dasypus“ u. s. w. Vierzehn Varietäten des 
gemeinen Fasans (Phasianus gallus) werden auf den Seiten 626 
bis 628 in derselben Weise aufgeführt. In anderen Fällen charak- 
terisiren Linn& sowohl wie Latham die differirenden Formen, von 
denen sie annehmen, dass sie zu einer Art gehören, einfach durch 
griechische Buchstaben, denen dann eine Diagnose, Nachweise, 
Habitat u. s. w. folgen (z. B. Strepsilas interpres, ß, y, d; Lath- 
Ind. Ornith. II, p. 738 u. 739). 

Gegen die Bezeichnung „var.“ zwischen dem Speciesnamen und 
dem der Race ist einzuwenden, dass eine Varietät eigentlich „eine 
unbeständige oder nicht unveränderliche Verschiedenheit, die durch 
einen zufälligen Wechsel hervorgebracht ist“ (Webster) bezeichnet, 
und in diesem Sinne würde sie nur bei Individuen zu verwenden sein, 


416 R. Ridgway: 


die eine abnorme Abänderung, wie Albinismus, Melanismus, Ery- 
thrismus oder eine ungewöhnliche Form des Schnabels, Fusses u. s. w. 
zeigen, Verschiedenheiten, die aber wenig, wenn überhaupt, irgend 
welche Beziehung zur geographischen Verbreitung haben. Als ein 
passendes Beispiel mögen hier die beiden gewöhnlichen nord- 
amerikanischen Formen des Colaptes (auratus und mezxicanus) 
genannt werden. Sie bewohnen die entgegengesetzten Seiten des 
Continentes. Auf dem neutralen Gebiete nun längs der Trennungs- 
oder vielmehr der Verschmelzungslinie ihrer beiderseitigen Wohn- 
gebiete werden wenig Exemplare gefunden, die der einen Form voll- 
ständig gleichen. Und nicht blos dies. Es werden nicht selten Formen, 
die den intermediären Charakter tragen, weit im Westen oder Osten 
des Gebietes aufgefunden, welches als das Centralverbreitungs- 
gebiet der typischen Form zu betrachten ist. CÜolaptes auratus und 
O. mexicanus unterscheiden sich in ihren Typen weit mehr, als dies 
bei vielen nahe verwandten Arten der Fall ist, bei denen man die 
Zwischenformen nicht kennt (z. B. die kleinen Drosseln des Genus 
Hylocichla, viele der Fringilliden und zahlreiche andere Gruppen)! 
Früher vermuthete man, dass diese Zwischenformen Bastarde 
wären; allein es ist schwer, sich einen Hybridismus in solch’ unge- 
heurer Ausdehnung zu denken. Was ist hier nun zu thun? Sehr 
wenige Ornithologen werden vermuthlich damit einverstanden sein, 
die ganze Serie einfach C. auratus zu nennen, während es anderer- 
seits, da es sich zeigt, dass sie speeifisch nicht verschieden sind, 
begreiflicherweise falsch ist, durch den Gebrauch eines Species- 
namens in jedem Fall, solche Verschiedenheit zu folgern. 

Es scheint als ob Linne selbst gezeigt hat, wie die Schwierig- 
keiten zu lösen sind. Wenn die Thatsachen, die oben mitgetheilt 
worden sind, ihm bekannt gewesen wären, so würde er zweifellos 
die ganze Serie ©. auratus genannt haben und zugleich die west- 
liche vielleicht mit ,„® mezicanus“ und die intermediäre mit 
„Y hybridus“ bezeichnet haben. — Also noch ein Mal kurz zu- 
sammengefasst: da es sich als nothwendig herausgestellt hat, jede 
wahre Race oder Subspecies zu benennen, so habe ich gefunden, 
dass die von Linne angezeigte Methode, wie ich sie oben beschrieben, 
weit einfacher ist als eine jede andere und einer jeden Anforderung 
genügt. Wenn man diese Methode annimmt, so erscheint die Frage 
einer zweckmässigen Nomenclatur um Vieles vereinfacht, weil diese 
Form besseı als jede andere bis jetzt erprobte die relative Stellung 


Vögel des Uman’schen Kreises. 417 


der Formen, welche durch Namen bezeichnet werden soll, er- 
kennen lässt. — 

[Nicht alle amerikanischen Ornithologen theilen die von Ridgway 
in dem oben gegebenen Aufsatze niedergelegten Anschauungen über 
den Gebrauch der Trinomina, welche der Genannte in seinem Be- 
richt über die „Ornithology of the Fortieth Parallel“ zuerst prak- 
tisch verwerthet hat. So verwerfen z. B. J. A. Allen in einer 
längeren Note und Dr. Elliot Coues in einer kürzeren Notiz (Bull. 
of the Nutt. ormith. Club. vol. IV, 1879, No. 3 p. 168 u. 171) die 
Vorschläge Ridgway’s.. Sie treten gleichfalls für eine trinäre 
Benennung ein, setzen die drei Namen aber einfach nebeneinander, 
ohne ein viertes Wort wie var. subsp. aberr. oder einen griechischen 
Buchstaben zwischen Species- und Subspeciesnamen einzufügen. 

HS] 


Vögel des Uman’schen Kreises. 


Herr Forstmeister Goebel bringt weiter vorn p. 266 unter die- 
sem Titel einen Nachtrag zu seinen früheren Mittheilungen über 
diesen Gegenstand. In diesen nachträglichen Mittheilungen sind 
einige Arten aufgeführt, deren Vorkommen daselbst einer näheren 
Begründung bedarf, bevor man dieselben als sicher beobachtet be- 
trachten kann, indem theils keine irgend bezeichnende Beschreibung 
gegeben wird, theils die bis jetzt bekannte Heimat der fraglichen 
Arten doch gar weit entfernt liest. 

Es wäre daher wünschenswerth, wenn Herr Forstmeister 
Goebel es vermöchte, genauere Daten anzugeben, um die vermeint- 
lich beobachteten Vögel auch sicher festzustellen. 

Vorzugsweise handelt es sich hier um drei Raubvögel, die wir 
nachstehend näher betrachten wollen. 

No. 211. Falco Feldeggi. Es wird von diesem Vogel nur 
gesagt: „Die kleineren, dunklen, an der Bauchseite durch die 
grobe Fleckung derselben, erscheinenden Falken, die ich nach ober- 
flächlicher Untersuchung geschossener Exemplare, an Feldeggi gar 
nicht denkend, für peregrinus nahm, gehören entschieden ersterer 
Art an.“ 

In Vorstehendem ist nun nichts enthalten, was berechtigen 
könnte, den fraglichen Vogel für Feldeggi zu halten. 

Der Feldeggfalke ist nicht kleiner als peregrinus, sondern 
etwas grösser und die Fleckung der Unterseite weniger stark, als 

Cab. Journ. f. Ornith. XXVII. Jahrg. No. 148. October 1379. 97 


418 E. F. v. Homeyer: 


gewöhnlich bei den meisten gleichaltrigen Wanderfalken. Auch | 


von diesem giebt es Vögel, welche auf der Oberseite sehr dunkel 
sind, weit dunkler, als der Feldeggfalke jemals vorkommt. Es 


liegt daher in der kurzen Angabe nichts, was für die Wahrscheinlich- 


keit spräche, dass ein Feldeggfalke vorgelegen hätte. Wäre dies 


der Fall, so hätte doch der rostrothe Nacken bemerkt werden 


müssen, was bei alten Vögeln kaum zu übersehen ist. Wäre eine 
genaue Untersuchung vorgenommen, so hätte auch schon das Ver- 
hältniss der Zehen zum Tarsus die Art klar legen müssen. 

Wie es scheint hat Herr Forstmeister Goebel den Artikel ge- 


schrieben, ohne ein Exemplar zur Hand zu haben — aus der | 
Erinnerung und das bleibt doch sehr unsicher. Aus der Be- 
schaffenheit der Eier lässt sich vollends gar nichts schliessen, 
da sie von denen des Wanderfalken nicht zu unterscheiden sind, 


wenn auch durchschnittlich etwas grösser sein mögen. 

Für Europa ist der Feldeggfalke bisher nur in der westlichen 
Türkei und in Griechenland aufgefunden, weder von Finsch und 
Krüper am Balkan, noch von Sintenis in der Debrutscha, oder 


von Demidoff in Südrussland. Goebel will nun von diesem Vogel 
26 Eier erhalten haben und muss derselbe daher dort nicht selten 


nisten. Es ist überhaupt sehr zu bedauern, dass wir von Vögeln 
aus der Gegend von Uman fast nichts kennen, als das Wenige, 
was Holtz bei seinem kurzen Aufenthalt daselbst sammeite. 

214. Aguila orientalis. 

Der Vogel ist nur gesehen, nicht erlegt und die Bestimmung 
scheint wesentlich nach den Eiern gemacht zu sein, was doch 


immer sein Bedenkliches hat, wenn man erwägt, wie ähnlich die 


Eier sich in gewissen Färbungen sind. Auch das Horsten auf 
einem Baume ist für den Steppenadler ungewöhnlich. Es bleibt 
daher eine genauere Feststellung wünschenswerth. 

Agquila Bonelli. 

Dieser südliche Adler soll schon am 4. März 1873 in der 


Gegend von Uman gesehen sein. Goebel hat den vermeintlichen 


Vogel ganz in der Nähe, am Rande eines Waldes gesehen, leider 
ohne darauf zu schiessen. Derselbe spricht von den leuchtenden 
Schulterflecken, was doch gar nicht zu Bonelli passt, mehr der 
lange Schwanz und die helle Unterseite. Man kann danach nicht 
bestimmen, was Goebel sah, aber ein Aguila Bonelli kann es un- 
möglich gewesen sein. 

Schliesslich wird mit Bezug auf eine frühere Arbeit von Ludwig 


Vögel des Uman’schen Kreises. 419 


Holtz die Avifauna von Uman mit der Pommerns verglichen. 
Holtz hatte nachgewiesen, dass Pommern wesentlich mehr Vögel 
habe als der Kreis Uman, und trotz der von Goebel gegebenen 
Nachträgen wird man wohl bei dieser Ansicht bleiben müssen, zu- 
mal Holtz verschiedene Vögel unerwähnt gelassen hat, welche sicher 
in Pommern beobachtet sind. Goebel meint nun, Uman liege nicht 
an einer grösseren Zugstrasse, weil dort kein grosser Fluss sei. 
Nach dieser Aeusserung zu schliessen, ist auch Goebel davon 
durchdrungen, dass die Vögel auf Palmens Wunsch, um in der 
Nähe von Wasser zu bleiben, Kreuz- und Querzüge machen. Es 
wird aber wohl daran liegen, dass die grosse Zahl der durch- 
ziebenden Vögel weniger beobachtet sind, weil Goebel wesentlich 
nur die Brutvögel beobachtet hat. Es fragt sich auch, ob derselbe 
Seeen und Teiche so in der Nähe gehabt hat, um die Stationen der 
ı Vögel hinlänglich beobachten zu können, was doch bei seinen 
Berufsgeschäften nicht immer möglich sein mochte. Auffallen aber 
muss doch die geringe Zahl der beobachteten Vögel. 

Aehnliche Erfahrungen hat man ja auch im südlichen Russland 
und im Nordosten der Türkei gemacht, wo im Vergleich zum 
Westen Europas die Artenzahl eine geringe ist, wenn auch manche 
Art ausserordentlich reich an Individuen auftritt. 

Auffällig ist das Fehlen mancher Arten für den Kreis Uman 
allerdings und es ist wohl anzunehmen, dass noch manche der- 
selben bei fernerer Untersuchung gefunden werden. Es lässt sich 
doch wohl annehmen, dass: 

Phillopneuste trochilus, Curruca garrula, Cynchramus schoeniclus 
und manche andere Arten dort vorkommen, wussten wir doch vor 
Goebel nichts über die dortige Ornis und müssen demselben 
Dank wissen, den Anfang für eine genauere Kenntniss gemacht 
zu haben. Sicher kann es aber nur ein Anfang sein. Zu bedauern 
bleibt nur, dass der Vogelzug fast ganz unberücksichtigt geblieben 
ist. Es liegt leider keine einzige Beobachtung vor, welche 
dazu beitragen könnte, unser Wissen über diesen so wichtigen 
Gegenstand zu bereichern. Dazu zähle ich nicht die Ankunft oder 
den Wegzug dieser oder jener Art, dazu gehört wesentlich die 
Mitberücksichtisung der begleitenden Umstände, als da sind: 
Richtung des Zuges, Windrichtung, Witterung, Tageszeit und 
namentlich wann die Masse zieht, denn die Vorläufer und Nach- 
zügler haben wenig zu bedeuten, wenn es sich um die Zugbeobach- 


tung handelt. Nur bei solcher Auffassung haben Beobachtungen Werth. 
97* 


420 Ant. Reichenow und Herman Schalow: 


Uebrigens wiederhole ich hier, dass ich weit entfernt bin, 
Herrn Forstmeister Goebel irgend einen Tadel auszusprechen, ich 
strebe nur dahin, zu verhüten, dass nicht Arten in eine Fauna 
aufgenommen werden, die nicht dahin gehören. Dergleichen 
Irrthümer sind sehr schwer wieder aus der Literatur zu entfernen. 

E. F. v. Homeyer. 


Compendium 
der neu beschriebenen Gattungen und Arten. 
Von 
Ant. Reichenow und Herman Schalow. 
(Fortsetzung von Journ. f. Ornith. 1879 p. 308—329.) 
1. 


COLYMBIDAE. 
Eudyptes Filholi. 
Hutton. Proc. Linn. Soc. of New South Wales, 1879. IH. 
. 534. | 
b In color and in length of crest, this species is intermediate' 
between E.chrysocome and EZ. chrysolopha; but is easily distinguished 
from both by the supereiliary yellow streaks commeneing behind 
the termination of the culmen instead of between the termination 
of the eulmen and the nostrils, and by the dark color of the back‘! 
advancing on the sides of the lower neck. From E. chrysocome it! 
is also distinguished by the narrowness of the bill, and the different 
shape of the black mark on the under surface of the apex of the 
wing, in which #&. Frlholi resembles E. chrysolopha. From the latter 
species it is also distinguished by its color. 

Lgth. 23 inch. bill. 2; culm. 1,75; wing 5,75; tail. 4,5; tars. 1. 
Hab: Campbell Island. 
RALLIDAE. 

Gallinula Frankii. 
H. Schlegel, Notes Roy. Zool. Mus. Leyden. No. 3. 1879. 
‚163: | 
n It is similar to @. olivacea but has the frontal plate smaller. 
The culmen of the upper mandible is more curved and the bill! 
itself, yellowish in Gallinula olivacea is dusky brown in our new 
species. Legs and feet are grayish brown in the latter species, 
grayish yellow in the former. Of all the characteristics however, 
the coloring of the plumage presents the most striking difference, | 
the Gallinula Frankii having all parts tinged formely with a dark} 
grayish brown, washed with olivaceous, with the exception of thel 
belly, that of the throat, the color of which is somewhat lighter;) 
an that of the quills and tailfeathers which are of a pure dark] 
rown. 


Compendium der neu beschriebenen Arten und Gattungen. 421 


Wing 5 inches (French measure) and 3 lines. Tail 2i. 4L 
Tarse 42 i. Middle toe without nail 22 1. Bill 1 inch. 

 Hab.: New Guinea. 

Porphyrio ellioti. 

T. Salvadori, Atti R. Accad. Sc. Torino Vol. XIV. (Giugno 
1879) p. 1168. 

Oceipite, lateribus capitis et cervice summa nigris; lateribus 
colli, cervice ima, pectore et lateribus saturate ceeruleis; genis 
inferne, collo antico, gutture, humeris et subalaribus eoeruleo-vire- 
scentibus; abdomine imo nigro; crisso albo; tibiis nigris, coeruleo- 
tinetis; dorso, uropygio, supracaudalibus et alis fusco-nigris, paullum 
virescentibus; remigibus primariis, earumque tectricibus exterius 
eonspieue coeruleo-marginatis; cauda fusco-nigra; rostro, pedibus 
et iride rubris. 

Long. c. 0,400; ala 0,235; caud. 0,080; tars. 0,084; rostri a 
marg. post. elypei 0,070 M. 

Hab.: Isole dell’Ammiragliato. 

Rallus macquariensis. 

Hutton, Ibis 1879. p. 455. 

(Statt einer kurzen Diagnose (Linne bestimmte für eine solche 
bekanntlich drei Zeilen!) eine seitenlange Beschreibung! „Per- 
haps the new species approaches Rallus Dieffenbachi more than other 
species; but it is a smaller bird with a longer wing, and the dif- 
ferences in plumage are considerable.“ Die peinliche Wiedergabe 
jeder Feder kann hier wegen des beschränkten Raumes, der uns 
zur Verfügung steht, nicht abgedruckt werden! Ersetzt auch kaum 
eine kurze präcise Diagnose. Hab. Mäcquarie Island. H. S.) 

ARDEIDAE. 

Ardea Lansbergei. 

H. Schlegel, Not. Roy. Zool. Mus. Leyden. No. 2. 1879. 
2.119. 

The plumage presents properly but two colors, viz. white and 
blackish slate-color. The white however strongly inclines to ashy 
gray on the front, the crown, the sides of the head and the basal 
part of the feathers of the throat. The dark color occupies the 
mantle, the whole back, the tail with its upper and under coverts, 
the feathers of the thighs, the sides of the body and the whole 
underside of the wings, which however are lined with white on 
their external margin. The bill is of a yellowish color and the 
feet appear to have been of this same color. 

Wing seven inches. Bill from front twenty six to thirty lines. 
Tarse thirty two to thirty five lines. Middle toe without nail twenty- 
three lines. 

Hab.: Macassar (S. Celebes). 

MEGAPODLUDAE. 

Megapodius Layardi. 

Canon Tristram, Ibis 1879. p. 194. 

M. supra et infra fuliginoso-niger, tergo imo et supracauda- 


422 Ant. Reichenow und Herman Schalow: 


libus brunneo tinetis, secundariis extremis brunneo vix lavatis; 
remigibus et rectricibus atrofuseis; facie, sincipite et cervice undis 
plumulis angustis, ubique sparsis, oceipite cum pileo nigro, tarsis et 
pedibus laete flavis, rostro flavo, unguibus corneis, iride brunnea. 
® mari similis, & lg. 17; al. 9,5; caud. 4; tars. 2,7; dig. med. 1,85; 
unguis 1; rostr. a riet. 1,12; 2 lg. 15,25; al. 9; caud. 4,75; tars. 
2,5; dig. med. 1,6; unguis 0,92; rostr. a rict. 1,1. 

Hab.: Vat& Island, New Hebrides. 

Talegallus pyrrhopigius. 

H. Schlegel, Notes Roy. Zool. Mus. Leyden. No. 3. 1879. 

159% 

A It is in all its dimensions somewhat smaller than Zalegallus 
Cuvieri. The bill is shorter, more rapidedly bent downwards and 
of a brownish gray horn color and not yellow as in Tal. Cuwere, 
The legs, feet and celaws are throughout of a brown horn color 
and show notthe yellow tint of those parts in the common species. 
The feathers of the neck and the upper part of the throat are 
much more developed and more numerous. There exists finally a 
very striking difference in the coloring of the upper tail coverts 
and the rump, these parts being in 7. Cuvieri of the same tint 
as the rest of the plumage, whereas these parts in T. pyrrhopigius 
present a fine chestnut color, lively on the upper tail coverts, faint 
on the rump. Wing eight inches and ten lines (French measure). 
Tail five inches and five lines. Tarse three inches. Bill eleven 
lines. Hab. Nordwest Neu Guinea. 

TETRAONIDAE. 

Bambusicola hyperythra. 

Sharpe, Ibis 1879. p. 266. 

Supra olivascenti — brunnea, nigro transfasciata, dorso postico 
et uropygio latius fasciatis; tectrieibus alarum saturate brunneis, 
late olivascenti-brunneo terminatis, majoribus sordide rufo termi- 
natis; primariis brunneis, extus late sordide rufo vel rufescenti- 
brunneo marginatis, secundariis autem nigro terminatis et subter- 
minaliter pallide olivascenti-brunneo transfasciatis, intimis prope 
apices pallide albicanti-brunneis; cauda saturate brunnea; pileo 
summo nuchaque nigris faseia nigra per collum posticum angustata; 
loris, supercilio angustiore, et fascia lata, per colli latera superiora 
ducta, sordide eineraceis; linea nigra angusta supra et infraoculari 
ad fasciam latam nigram per colli latera vera ductam conjuncta; 
regione parotica et genis posticis sordide ceineraceis; genis anticis 
et corpore subtus castaneo-rufis, hypochondriis magis aurantiacis, 
et plumis nigris pulchre macula ovali subterminali alba ornatis; 
abdomine medio albicante; subalaribus cinerascenti - brunneis, 
axillaribus albido terminatis. Leg. tot. 10,5; ceulm. 0,85; al. 5,2; 
caud. 2,2; tars. 1,6. 

Hab.: Lumbidan, north-western Borneo. 

Hematorty«. 


Sharpe, Ibis 1879. p. 266. 


Compendium der neu beschriebenen Arten und Gattungen. 423 


Genus affine generi Rollulo, sed hallucis ungue majore, pilei 
crista minore et aliter formata, crista nuchali obsoleta, frontisque 
erinibus absentibus distinguendum. Typus est 

Hematortyx sanguiniceps. 

Supra sepiaria, alis dorso concoloribus; cauda paullo saturatiore, 
nigrieante; pileo vix cristato et nucha sordide coccineis, plumis 
medialiter pallidius lineatis, fronte paullo pallidiore; capitis lateribus 
pallide coceineis; gutture cervino vix coccineo lavato, plumis etiam 
pallide fulvo striatis; jugulo et praepectore castaneis; corpore reliquo 
subtus sepiario, plumis obscure pallidiore brunneo marginatis; suba- 
laribus pectori concoloribus; subcaudalibus laetissime coccineis. Lg. 
tot. 12,5; culm. 0,85; alae 5,85; caud. 2,8; tars. 1,85. 

Hab.: Lawas River, Borneo. 

Francolinus Petit:. 

Bocage, Jorn. Sc. Math. Phys. Num. XXV Lisboa Majo 1879 p. 68. 

&: Supra olivascente-fuscus; pileo unicolore; dorso alisque 
fusco-variis et tenuissime vermiculatis; colli postiei et lateralis 
plumis macula scapali fusciori marginibusque pallidioribus; subtus 
pallidior, abdomine medio dilute fuscescente, plumis omnibus scapis 
marginibusque obscurioribus; gula albicante; remigibus dilute olivas- 
cente fuseis; rectricibus obseurioribus. Rostro pedibusque (ut videtur) 
aurantiaco -rubentibus. Long. tot. 340, alae 185, caudae 98, 
rostri 30, tarsi 55 Mm. 

2: Minor; dorso fulvo nigroque laete variegato; teetrieibus 
caudae et rectricibus fulvo nigroque fasciatis. Rostro pedibusque 
utin mare. L. t. 310, alae 160, caudae 76, rostri 25, tarsi 50 Mm. 

Hab.: Landana. 

(Nach späterer briefl. Mittheilung des Autors synonym mit 
Fr. squamatus Üass.) 

Pternistes Lucani. 

Barboza du Bocage, Jorn. Sc. Math. Phys. Lisboa Num. XXV 
Majo de 1879 p. 68. 

9: juv. Similis P. Oranchü, sed diversus: pectore abdomineque 
maculis fuseis scapalibus nullis*; regione ophthalmica, gula, rostro 
pedibusque laete rubris. 

L. t. 300, alae 175, caudae 66, rostri 21, tarsi 50 Mm. 

Hab.: Landana. 

(* 3: striis scapalibus tenuibus fuscis. A. R.) 

PHASIANIDAE. 

Gallus straminevcollis. 

Sharpe, P. Z. S. 1879. p. 317. 

General colour above black, shot with green and purple; wing- 
coverts like the back; the innermost and the scapulars with a 
slight subterminal shine of coppery brown; primary coverts and 
primaries black, the secondaries externally green; feathers of the 
lower back and rump straw-yellow, with darker longitudinal centres 
of black or green; upper tail-coverts and tail glossy oil-green; 
erown of head and nape black; hind neck and neck-hackles, as 


424 Ant. Reichenow und Herman Schalow: 


well as sides of neck, straw-yellow, deeper on the hind neck, with 
green longitudinal centres to.the feathers; remainder of under surface 
of body black with a green gloss; comb short and rounded; sides 
of face and entire throat bare. 

Tot. length 35,5; culm 1,1; wing 9,0; tail 17,5; tars. 3,4. 

Hab.: Sooloo Islands. 

Pucrasia Biddulphi. 

G. F. L. Marshall, Ibis 1879. p. 461. 

(Keine Diagnose, sondern dafür eine Beschreibung, die über eine 
Seite einnimmt! H.S. 

„Mantle black, edged with grey, and tinged with rufous at 
back of neck. Lanceolate feathers at side of neck black, broadly 
margined with pure ashy grey. Under tail coverts rich chestnut, 
with a broad tip of pure white, separated from the chestnut by a 
black line. Side-feathers of the tail deep brown, conspicuously 
tipped with pure white & length of wing 8,75; Light mesial 
crest equal in length to the dark "sineipital tufts. 

Hab.: Kashmir. 

COLUMBIDAE. 

Carpophaga (Globicera) Richardsi. 

Tristram, Ibis 1879. p. 443. 

©. cupreo-viridis; capite, cervice et tergo summo eanis; jugulo 
albo-vinaceo, mento pallidiore; pectore, abdomine, crisso, femoribus 
et tectrieibus caudae inferioribus castaneis; remigibus reetrieibusque 
atro cyaneis viridi micantibus; cervinate tumido rubro; pedibus 
rubris. Lg. 15,75; al. 9; caud. 6. 

Hab.: Solomon Islands. 

Janthoenas Leopoldi. 

Canon Tristam, Ibis 1879. p. 193. 

J. capite et corpore supra fuseis tantisper metallieis; alis caudaque 
paene nigris; pectore fusco, metallice resplendente, peetore imo et 
abdomine castaneis, fusco interruptis; subalaribus fuseis; rostro ad 
basin rubro, ad apicem corneo, pedibus carneis. Lg. 16; al. 8,65; 
caud. 9,2; rostr. a riet. 1,15; tars. 1. 

Hab.: Vate Island, New Hebrides. 

Macropygia Arossi. 

Tristram, Ibis 1879. p. 443. 

M. omnino interne castanea; oceipite et thorace nigro punctatis, 
mento pallidiore; tectricibus remigum et cauda intensioribus; reetri- 
cibus externis macula subterminali nigra in pogonio interiore prae- 
ditis; remigibus brunneis. Lg. 15,5; al. 5,45; caud. 5,95. 

Hab.: Solomon Islands. 

TRERONIDAE. 

Ptilopus ceraseipectus. 

Tristram, Ibis 1879. p. 442. 

& P. supra totus viridis; fronte solum usque ad regionem 
ocularem ceraseo-purpureo; rectricibus alarum indistinete nigro 
maculatis; rectrieibus quatuor externis fascia lata viridi-nigrescente, 


er. 


Compendium der neu beschriebenen Arten und Gattungen. 425 


postea fascia albescenti-viridi terminatis, remigibus nigrescentibus 
viridi limbatis; torque pectorali flavo; pectore et abdomine ceraseis, 
lateribus viridibus; subalaribus schistaceis; abdomine et crisso Havis; 
rostro plumbeo pedibus ceraseis; 2 supra et subtus omnino viridis; 
abdomine et crisso flavis, quoad caudam mari similis. 

Lg. 8,2; al. 4—6; caud. 3,5; tars. 0,7. 

Hab.: Solomon Islands. 

Treron Teysmannii. 

H. Schlegel, Not. Roy. Zool. Mus. Leyden No. 2 1879. p. 103. 

Front, throat, rump and upper tail-coverts greenish yellow. 
Under part of body yellowish green. The middle pair of tail- 
feathers yellowish olive color. The other tailfeathers grayish at 
the base, passing into a large band of dark bluish gray, while 
more than the last third of these feathers is of a grayish white 
color which spreads also over the upperside of the other tail- 
feathers, but in deereasing extension towards the outer feathers. 
Under tail-coverts green, very broadely margined with fulvous 
yellowish white. Crown and sides of the head, neck, small wing- 
coverts, shoulder-feathers and mantle green with a grayish hue; 
with the exception of the hindest part of the mantle and the 
hinder shoulder-feathers, which are both of a brownish red incli- 
ning to purple. Quills black, but the tertiairies washed with green. 
Middle wing coverts black, very broadely margined with limonyellow 
like the tertiairies; great wing-coverts with somewhat smaller, 
and primaries with very small yellow margins. Entire underside 
of the wing bluish ashy gray. 

Habitat: Sumba (Sandelwoodisland). 

FALCONIDAE. 

Microhierax latifrons. 

Sharpe, Ibis 1879. p. 237. plate VIL 

M. similis. M. fringillario, sed fronte latissima alba et fascia 
alba hujus speeiei per latera colli deeurrente nulla distinguendus. 
Lg. 6,5; culm. 0,45; al. 4,0; caud. 2,3; tarsi 0,75. 

Hab.: Lumbidan, north-western Borneo. 

Urospizias pallidiceps. 

Salvadori, Ibis 1879. p. 474. 

Aceipiter eruentus part. Wall. P. Z. S. 1863. p. 22 (Bourou). 

Aceipiter torquatus part. Wall. Ibis. 1868. p. 11 (Bouron). 

Astur Wallaeit' part. Sharpe Cat. B. 1. p. 123 (juv. Bourou). 

Urospizias torguatus, part. Salvad. Ann. Mus. Civ. Gen. X. 
p- 38 u. 28. 1878 (Bourou). 

Nisus rufitorgues, part. Schleg. Not. Leyd. Mus. 1. p. 2. 1878 
(Bouron). 

Urospizias pallidiceps, Salvad. Orn. d. Papuasia e. d. Molucche 1. 
p-. 64. 1879 (ex Schlegelio). 

„Entire head and neck to the middle of the mantle of a light 
greyish white, inclining to a vinous colour on the chest. Breast, 
belly, under tail-coverts, thigh-feathers, and under wing-coverts of 


426 Ant. Reichenuow und Herman Schalow: 


a vinous rusty-red colour. Underside of quills and tail feathers 
light grey. All the upper parts behind the mantle, back, outside 
of wings, and upperside of tail slaty grey. Cere yellow. Length 
of wings 7 inch. 5 lines, tail 5,3, tars. 1,9, middle toe (without 
nail) 1,3, hind toe 0,8, distance from the tips of the primaries to 
the tips of the secundaries 2,4.‘ Schlegel in litt. 


Hab.: Bourou. 

STRIGIDAE. 

Asio butrio. 

Hume, Stray Feathers Vol. VII No. 3—5, Dec. 1878. p. 316. 

(Zu verbessern für Asio butbro in: Compendium I, Journ. f. 
Orn. p. 311; daselbst Diagnose. A. R.). 

Strix inexspectata, 

H. Sehlegel, Notes from the Royal Zool. Mus. Leyden No. 1, 
1879. p. 81. 

In general appearance, size and distribution of colours, Striz 
inexzspectata recalls to the mind Strix Rosenbergii, but 
it shows, on a close examination very different characteristics. One 
of the most striking of these is the shortness of the wings, occa- 
sioned by much shorter primaries which overreach the secundaries 
in a degree lesser than the half as it is the case in Strix Rosen- 
bergü, as will be seen from the comparative measures of the fore- 
said part designated under the name of point of wing. Another 
very remarkable character occurs in the black bars both of the 
primaries and secundaries being smaller and more numerous in 
our new species and fading gradually away on the underside of 
the inner webs of the primaries, running or passing from the last 
to the first of these quills, the latter showing no bars at all. The 
ground-colour of the underside of the primaries is moreover much 
darker and gray with a oilverish hue. The tail of Strix inexspec- 
tata is furnished with nine bars, that of Strie Rosenbergü only 
with five. The downy feathers of the tarsus are more developped 
and cover the foot down to the toes, exactly as in Sirix Novae 
Hollandiae and castanops. The toes are somewhat shorter and 
much more slender. The ground-colour of the upper parts is a 
very bright rufous and not shaked with gray, but the white spots 
are smaller. The ground-colour of the underside of the body is 
as rufous as in the darkest specimens of Strix Rosenbergü, but 
the face is darker and as dark as in Strix castanops and Novae 
Hollandiae. 

I state in addition to the foregoing remarks that in Sirix 
inexspectata the first primary shows eight the second nine black 
bars, where as there are seven such bars on the secondaries. In 
Strix Rosenbergii, there are, on the contrary, only four bars on the 
first primary, five on the second, and four on the seeundaries. 

The measure of the principal parts of Strix «nexspectata are 
as follows. Wing nine and a half inches; point of wing 20 to 24 


Compendium der neu beschriebenen Arten und Gattungen. 427 


lines; tail four inches six lines; tarsus 2Y/, inches; middle toe 
16 lines. Hab. Nord Celebes. 

Strix Oustaleti. 

Hartlaub, J.f. O. 1879. p. 191. 

Hab.: Viti-Levu. 

Strix tenebricosa Arfaki. 

H. Schlegel, Not. Roy. Zool. Mus. Leyden. No. 2. 1879. 
p. 101. 

The bird is in New Guinea the representant of Szrix tene- 
dricosa Gould from South-Eastern Australia. Closely resembling 
the latter, it differs by its smaller size, by the white spots of the 
feathers being larger and more regular orbicular and by the light 
sooty brown color of the face strongly inclining to white. 

Measures (French): Wing 9 inches 1 line; tail 4 inch. 4 L.; 
tarse 30 lines; middle toe (without nail) 18 lines, 

Hab.: New-Guinea. 

TRICHOGLOSSIDAE. 

Oharmosyna Margarethae. 

Tristram, Ibis 1879. p. 442. tab. XL. 

C. fronte, regione oculari, mento, thorace et collo toto rubris; 
occipite nigro, pectore et tergo monili aurantiaco ceireumdatis, hoc 
nigro arcte fimbriato; tergo viridi; uropygio aurantiaco-viridi; cauda 
graduata, rectricibus quatuor mediis rubris aurantiaco terminatis, 
rectricibus lateralibus ad basin rubris, utrinque viridescenti-nigro 
limbatis et aurantiaco terminatis; remigibus nigris, in pogonio 
externo viridi lavatis; abdomine rubro; crisso viridi; pedibus et 
rostro carneis. Long. tot. 7,8; al. 3,85; caud. 4; tars. 0,5; mandib. 
sup. 1,6; mand. inf. 0,3. 

Hab.: Solomon Islands. 

Trichoglossus caeruleiceps. 

(In Compendium I, p. 313 des Journ. f. Orn. ist das folgende 
Citat bei vorstehender Art nachzutragen:) 

d’Albertis et Salvadori, Ann. Mus. Civ. Gen. XIV. 10. 
Marzo 1879. p. 41. 

PALAEORNITHIDAE. 

Tanygnathus Burbidgii. 

Sharpe, P. Z. 8. 1879. p. 313. 

Similis 7. Mueller‘, ex Celebes, sed dorso toto sordide prasino, 
capite flavicanti-viridi et alis omnino viridibus distinguendus. 

Hab.: Sooloo Islands. 

CUCULIDAE. 
Cuculus Audeberti. 
H. Schlegel, Notes Roy. Zool. Mus. Leyden No. 2. 1879. 
»9B: 

5 Similar to ©. sparveroides Vig. but the whole underpart of an 
uniform pure white, without the least trace of longitudinal streaks 
on the chest, or transverse bands on the breast, flanks, and belly; 
nor is the chest by no means washed with rufous. The feathers 


428 Ant. Reichenow und Herman Schalow: 


of the shanks equally white and only marked, instead of by nume- 
rous regular bands, by a few dark transverse spots. The under 
tail-coverts, one inch longer than in (uculus sparveroides, show, 
on the contrary, each, several large and complete transverse black 
bands, whereas in the Indian species this marking oceurs only 
accidentally and is, moreover, reduced to a few obsolete and im- 
perfect transverse spots. The under coverts of tne wing are pure 
white, and not of a rufous colour, transversed with brownish 
black bands. The black bands, so conspicuous on the inner webs 
of the quills in the Indian bird are entirely wanting in the 
species of Madagascar. The dark colour of the upper parts is, 
in our new bird, more dusky, without any reddish hue or ashy 
tinge. The tail-feathers show the usual terminal large black band, 
but it is bordered, at the end, with white and followed by a white 
spot, but the other bands, four or five in number, which render the 
tail-feathers of the Indian species so conspicuous, do not exist in 
our new bird. Last of all, it must be observed that the bird has 
the extremities of both series of quills and of the great wing- 
coverts margined with pure white and that the bill is stronger and 
much larger at its base and that the nostrils have not a sort of 
tubular aspect but that of a simple oblique split. Iris of an uniform 
black color. 

Measures of a female speeimen: Total length fourteen inches 
(French measure). Wing eight inch. and nine lines. Tail eisht 
inch. Tarse eleven lines. Bill from front eleven lines. 

Hab.: Madagascar. 

PICIDAE. 

Dendropicus Sharpii. 

M.E. Oustalet, Nouv. Arch. d. Mus. 11. S., T. IL, Fasc. I. p. 62. 

D. Lafresnayi affınis, sed colore et statura diversus: pileo 
fusco-rufescente, occipite coccineo, cristato; eapitis lateribus gulaque 
albis, vix nigro striatis; dorso et uropygio laete olivaceo-flavescen- 
tibus; caudae tectrieibus superioribus dorso concoloribus; alarum 
tectricibus fuseis, albido limbatis; remigibus brunneis, extus flavo, 
intus albido transversim signatis; reetrieibus brunneis flavido utrinque 
signatis; remigum et rectrieum scapis flavis; subtus albo-virescens, 
crebro nigrante striolatus, rostro et pedibus fusco-plumbeis. — 

Q: mari concolor, sed oecipite nigro. 

& juv: dorso transversim fusco zonato, gula striata, oceipite 
rubro et nigro maculato. 

Long. tot. 0,130; ala 0,085; cauda 0,055; culmen 0,010; tarsus 
0,013 M. 

Hab.: Ogowe (Westafrica). 

ALCEDINIDAE. 

Ceyz gentiana. 

Tristram, Ibis 1879. p. 488 tab. XI. 

C. rostro nigro; capite nigro, ultramarino striato, macula inter 
nares et oculos necnon macula postauriculari albis, dorso medio et 


Compendium der neu beschriebenen Arten und Gattungen. 429 


cauda azureo resplendentibus, utrinqgue ultramarino eircumdatis; 
alis ultramarino striatis, remigibus atris: subtus tota alba. Lg. tot. 
5,8; rostr. 1,8; al. 2,5; caud. 1,25; tars. 0,55; dig. med. 0,6; dig. 
post. 0,2. 
Hab.: Solomon Islands. 
TROCHILIDAE. 

Bourceria assimklis. 

D. G. Ellioth, Monogr. of the Trochilidae 1879. p. 78. 

Top of head blackish-brown; nape black with a bluish gloss. 
Back black, but viewed from behind iridescent, being metallic-red 
sraduating into golden on the rump. Chin brownish-black; throat 
metallic-purple.. On either side of the chest a large patch of 
white. Under parts black with a purple gloss. Under tail coverts 
black fringed with white; upper tail coverts dark purple. Tail 
purplish-black. Bill black. Total length 4°, in. Wing 27], in. 
Tail 2 in. Culmen 1'/,, in. Although the general plumage of the 
bird is like the B. prunelli, the coloring of the throat is very 
difierent, approaching that of the B. Wülsoni. Hab. Ecuador. 

Campylopterus phainopeplus. 

Salvinand F. du Cane Godman, Ibis 1879. p. 202. 

& splendide viridescens, capite summo et fronte paulo obseurio- 
ribus, gula tota nitide caerulea, alis et cauda chalybeo-cyaneis, hac 
unicolori: Lg. 5,3, al. 2,8, caud. 1,8, rostr. a. rict. 1,1. 

Hab.: Sierra Nevada de Santa Marta, Columbia. 

Leueolia Pelzelni. 

Taczanowski, P. Z. S. 1879. p. 239. 

? Rostrum subarenatum, dimidia parte corporis sublongius; 
pileo viridi nitido; corpore supra viridi-subcupreo; cauda subtrun- 
cata, vix emarginata, rectrieibus viridi-aeneis, externis in apice 
cinereis et macula longitudinali fusca notatis; corpore subtus albo 
sericeo; lateribus colli et capitis maculis splendidis viridi-caeruleis 
ornatis; lateribus epigastrii viridi maculatis; ventris lateribus viri- 
dibus; subcaudalibus albis. 

Hab.: Guajango, Nord du P£rou. 

CYPSELIDAE. 

Cypselus Lowi. 

Sharpe, P.’2.S. 1879. p. 333. 

©. similis C. infumato, sed multo major, et corpore subtus 
cinerascente et cauda vix fuscata distinguendo. Lg. 5, al. 5,3, caud. 2, 
tars. 0,7. 

Hab.: Labuan Island. 

AMPELIDAE. 
—ÖOhiromachaeris coronata. 

Boucard, P. 2. 8.1879. 9.478 pl. AVIE 

Head black encircled by yellow feathers forming a coronet; 
back, tail-and wing coverts silky black; wings and tail brownish 
black, paler internally; throat and breast black; abdomen and 
under tail-coverts grey with a whitish spot in the centre of each 


430 Ant. Reichenow und Herman Schalow: 


feather, but this can only be seen by separating the feathers; 
under wing-coverts white with yellow edges; bill on the upperside 
black, paler underneath; feet yellow. Tot. Igth. 3/, inches, bill 4!/, 
lines, wing 2 inches, tail 1 inch. 

Hab.: Columbia. 

Pipreola Lubomirskii. 

Taczanowski, P. Z. S. 1879. p. 236. pl. XXI. 

g laete viridis, capite colloque antico nigro coracinis; abdo- 
mine medio, crisso subceaudalibusque luteis; rostro corallino; pedibus 
nigricantibus, iridibus aurantiacis. 

9 mari similis, capite dorso concolori, pectore abdomineque 
flavo striatis; subcaudalibus flavis viridi maculatis; rostro rubro- 
brunneo. 

Hab.: Tambillo, Nord du Perou. 

TYRANNIDAE. 

Leptopogon minor. 

- Taczanowki, P. Z. S. 1879. p. 233. 

Supra olivaceo viridis, pileo schistaceo, supereiliis albidis, 
macula auriculari nulla, subtus flavus, gula albida, alis nigricantibus 
rufo bifasciatis, secundariis rufescenti marginatis. Rostrum nigrum; 
pedes nigricantes; iris fusco-brunnea. 

Hab.: Tambillo, Nord du Perou. 

ANABATIDAE. 

Synallazis maranonica. 

Taczanowski, P. Z. S. 1879. p. 230. 

Capite et nucha brunnescenti-griseis, superciliis pallidioribus vix 
distinctis; dorso rufescenti-brunneo; subtus grisea, hypochondriis 
brunnescentibus; alis viride cinnamomeis, cauda obscuriore. Rostri 
nigricantis mandibula inferior pallida; pedes fusci, iris fusco-brunnea. 

Hab.: Guajango; Nord du Perou. 

CINNYRIDAE. 

Oinnyris (2?) dubia. 

Ramsay, Proc. Linn. Soc. New. South. Wales. 1879. p. 83. 

Ad. &, all the front of the head, sides of the head, crown, 
ear coverts, and throat black; back of the neck, chest, and all 
the upper and under surface of the body, olive yellow, of a clearer 
yellow on the inter-capular region and back; wings and tail fus- 
cous black; the outer webs of all the quills, except the first two 
primaries, and the outer two rectrices, margined with olive yellow; 
under wing coverts, and the basal portion of the inner webs of the 
quills, white; axillaries, yellowish; under surface of the wings and 
tail; blackish brown under tail-coverts dark brown washed with 
olive yellow. T. length 4, wing 2—6, tail 2, tars. 0,7, bill 0,86. 

Hab.: Savo, Solomon Islands. 

MELIPHAGIDAE. 

Glycyphila satelles. 

Canon Tristram, Ibis 1879. p. 185. 

G. supra olivaceo-cinerea; cauda viridescente, remigibus et 


Compendium der neu beschriebenen Arten und Gattungen. 431 


rectrieibus fuseis, olivaceo marginatis; subtus, thorace et peetore 
olivaceo-fuscis, nec fuscis; abdomine item flavescente. Leg. 5,45, 
al. 2,6, caud. 2,25, rostr. a. rich. 0,7. 

Hab.: Lifu, Loyalty Islands. 

Myzomela caledonica. 

rorbes, P. 2. 8.1878. p. 260. 

& M. sanguinolentae simillima, sed tectricibus alarum 
marginibus albidis carens. 

Hab.: Nova Caledonia. 

Myzomela Lifuensis. 

Canon Tristram, Ibis 1879. p. 186. 

M. & nigerrimus; capite, thorace, tergo et uropygio coceineis, 
linea oculari ad nares nigra, rostro pedibusque nigris. ? tota fusca, 
fronte et gula rubidis. Long. tot. 4,25; al. 2,3; caud. 1,9; rostr. a 
rictu 0,65. 

Hab.: Lifu, Loyalty Islands. 

Myzomela Sclateri. 

Borbess P. 2 8.1819. p. 265. pl. AXV. fie. 2 

& corpore supra, alis caudaque fusco-nigricantibus, eapite satu- 
ratiore, plumis dorsi inferioris apice flavidis; remigibus, alarum 
tectrieibus et rectrieibus externe olivaceo-flavo limbatis ; gula splendide 
coceinea; corpore subtus griseo-favido, gutture sordidiore; subala- 
ribus et margine interna remigum albis; rostro nigro pedibus 
obseuris. Lg. circa 4,5; al. 3,65; caud. 1,7; rostr. 0,6; tars. 0,59. 

Hab.: Nova Britannia. 

Myzomela splendida. 

Canon Tristram, Ibis 1879. p. 191. 

M. corpore, alis et cauda nigris, capite, cervice, tergo, et 
uropygio thorace et pectore summo coceineis, linea oculari nigra. 
9 fusca, fronte et gula rubescentibus. Lg. 5,6; ala 6; al. 0,30; 
caud. 2,2; rostr. a riet. 0,85. 

Hab: Tauna, New Hebrides. 

Zosterops vatensis. 

Tristram, Ibis 1879. p. 444. 

3. Z. griseonotae aflınis, sed robustior, rostro fortissimo, 
thorace et collo favis, abdomine et erisso cinereo-albis. Lg. tot. 5,4; 
al..2, 55; caud. 2,2. 

Hab.: Solomon Islands. 

LIOTRICHIDAE. 

Dendrocitta cinerascens. 

Sharpe, Ibis 1879. p. 250 plate VII. 

D. affınis D. oceipitali ex Sumatra, sed dorso cinerascente, 
pileo einereo et plaga oeccipitali alba nulla, facile distinguenda. Lg. 
tot. 15,5; culm 1,15; al. 5,3; caud. 10; tars. 1,1. 

Hab.: Lumbidan, north-western Borneo. 

Janthocincla Treachert. 

Sharpe, P. Z. S. 1879. p. 248. 

J. similis J. mitratae ($. Müll.) ex Sumatra, sed genis, mento 


432 Ant. Reichenow und Herman Schälow: 


et regione parotica sicut caput castaneis facile distinguenda. Lg. 10; 
culm. 0,85; al. 4,15; caud. 4,5; tars. 1,5. 

Hab. North western Borneo. 

Thryothorus Selater:i. 

Taczanowski, P. Z. S. 1879..p..222, 

Supra griseo-rufus, pileo vix rufescentiore ; subtus albo nigroque 
undulatus; genis et lateribus colli albo nigroque variis; supereiliis 
albis nigro maculatis; cauda griseo nigroque transfasciata, fasciis 
rectricum externarum albis. Rostrum corneum; pedes grisei; iris 
fusco-brunneo. 

Hab.: Guajango, Northern Peru. 

BRACHYPODIDAE. 

Andropadus marchei. 

M.E. Oustalet, Nourv. Arch. Mus. S. II, T. II, Fase. I p. 100. 

A. flavostriato aftinis, sed rostro robustiore nigrescente, alis 
longioribus: supra brunneo-olivaceus, infra sordide albescens, 
hypochondriis olivaceo tinctis, gula albida, pedibus nigrescentibus. 
Long. 0,205; ala 0,110; cauda. 0,110; culm. 0,017; tars. 0,023 M. 

Hab.: Ogowe (West-Africa). 

Buchanga stigmatops. 

Sharpe, P.Z. S. 1879. p. 247. 

DB. similis B. leucophaeae, sed macula lorali alba magna 
distinguenda. Lg. 10; culm. 0,9; al. 5,5; caud. 5,1; tars. 0,7. 

Hab.: North western Borneo. 

Chibia Borneensis. 

Sharpe, P. Z. 8. 1879. p. 246. 

C. similis C. pectorali ex insulis Sulaensibus, sed plumis 
lanceolatis colli lateralis metallice chalybeo-viridibus nec purpura- 
scentibus, et maculis jugularibus et praepectoralibus valde minoribus 
et conspicue metallicis chalybeo-viridibus distinguenda. Lg. 10; 
culm. 1,3; al. 5,9; caud. 4,5; tars. 0,85. 

Hab.: North Western Borneo. 

Criniger ruficrissus. 

Sharpe,P. Z.S. 1879. p. 248. 

C. similis ©, gutturali, sed supra ubique sordidior, supracau- 
dalibus caudaque saturate rufescenti-brunneis; loris et regione 
oculari cum genis et regione parotica sordide cinereis, gula alba, 
corpore reliquo subtus sordide olivascente, subcaudalibus castaneis. 
Lg. tot. $; culm. 0,85; al. 4,0; caud. 4,0; tars. 0,7. 

Hab.: North western Borneo. 

Jxzidia wedbberi Hume. 

Stray Feathers Oct. VIII No. 1. 1879. p. 40. 

Like J. sguamata, but the yellow of upper surface darker 
and more olivaceous; the abdomen and flanks like the breast, and 
almost the whole inner web of the outer tail-feather white. 

Length 6,0; wing 3,2; tail 2,75; tarsus 0,6; bill, at front, 
from frontal bone 0,62. 

Hab.: Tonka (Malacca). 


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Compendium der neu beschriebenen Arten und Gattungen. 433 


Rubigula montis. 

Sharpe. P. Z. 8.1879. p. 247. 

R. similis R. Aaviventri, sed multo minor et gula flava nee 
nigra distinguenda. Lg. tot. 5,7; culm. 0,5; al. 3,1; caud. 2,8; 
tars. 0,7. 

Hab.: North western Borneo. 

CAMPEPHAGIDAE. 

Dierurus Sharpei. 

M. E. Oustalet, Nouv. Arch. du Mus. S. IL, T. I, Fase. I 
p. 97. 

D. Ludwigü affınis sed rostri et alarum longitudine pluma- 
rumque coloribus diversus; corpore toto nigerrimo, nitore vix sub- 
ceoeruleo, nec aeneo; rostro et pedibus nigris. 

Long. tot. 0,180; ala 0,105; cauda 0,100; culmen 0,018; 
tarsus 0,016 M. 

Hab.: Ogowe (Westafrica). 

Edoliisoma Salomoniıs,. 

Tristram, Ibis 1879. p. 440. 

2 E. supra totum cinereum; alis et cauda nigris, tectrieibus 
superioribus arcte cinereo marginatis; loris nigris; gula, pectore, 
abdomine, tectrieibus inferioribus et subalaribus laete castaneis; 
rectrieibus externis castaneis pogonio interno ad basin nigro, proxi- 
mis castaneo marginatis, tertiis stria castanea terminali praeditis, 
mediis einereo tinetis. 

2 jr. superne cinereum, plumis undique albo terminatis; tectri- 
cibus superioribus, primariis et secundariis rufo terminatis: subtus 
castaneum, maculis infrequentibus nigris. Lg. tot. 8,6; al. 4,25; 
caud. 4; tars. 0,9. 

Hab.: Solomon Islands. 

Graucalus Lifuensis., 

Canon Tristram, Ibis 1879. p. 190. 

@G. unicolor, totus niger, intense fuliginosus, minime cinereus. 
be. 14; al. 7,5; caud. 0,7; tars. 1,25; rostr. a riet. 1,75; Sexus 
similes. 

Hab.: Lifu, Loyalty Islands. 

Graucalus monotonus. 

Tristram, Ibis 1879. p. 441. 

@G. supra et subtus caeruleo-cinereo; loris, remigibus primariüs 
et secundariis nigris, his ad marginem cinereo lavatis; reetrieibus 
mediis nigris cinereo adumbratis, lateralibus cinereo terminatis; 
rostro et pedibus nigris. Lg. tot. 9,75; al. 4,75; caud. 4,3; tars. 1; 
rostr. a riet. 1,25. 

Hab.: Solomon Islands. 

Graucalus pusillus. 

Ramsay, Proc. Linn. Soc. New. South Wales 1879. p. 71. 

ad. The whole of the upper and under surface is of a bluish 
lead grey, the tail becoming black above, washed with bluish grey 
on the outer webs of the centre two feathers, and dull blackish 

Cab. Journ. f. Ornith. XXVII. Jahrg. No. 148. October 1379, 28 


434 Ant. Reichenow und Herman Schalow: 


with an ashy grey tinge below; wings black, the third and remaining 
quills margined narrowly on the primaries, broadly on the secondaries, 
with the same tint as the back, which increasing on the tertiaries 
occupies the whole of their outer web, the under surface of the 
wing is asıy grey, becoming whitish ash colour towards the bare 
of the inner webs; the under wing-coverts and axillaries with narrow 
transverse bars of black and white. The lores from the nostrils 
to the eye are black, which color is slightly produced anteriorly 
beneath that organ; bill and legs black. Lg. 8,5; wing 4,9; tail 4,2; 
tars. 4,2. 

Hab.: Guadalcanar, Solomon Islands. 

AÄrses aruensis. 

R.B.Sharpe, Notes Roy. Zool. Mus. Leyden. No. 1 1879. p. 22. 

? ad. macuia anteoculari aurantiaca; pileo nigro; dorso fusces- 
centi-brunneo, collo postico aurantiaco dissimili; supracaudalibus 
vix aurantiaeis, pallidioribus; cauda fuscescenti-brunnea. Hab. in 
insulis Aruensibus et in Nova Guinea meridionali. 

The male in this species only differs from that of A. telescoph- 
thalmus in being rather smaller and in having the a on the 
throat less extended. 

Arses batantae. 

R.B. Sharpe, Notes Roy. Z. Mus. Leyd. No. 1 1879. p. 21. 

2: Macula anteoculari alba; pileo semper cinereo; dorso au- 
rantiaco, alis dorso concoloribus , secundariis intimis omnino au- 
rantiacis, medialiter haud brunneis, vel saturatioribus; uropygio et 
supracaudalibus dorso concoloribus; cauda aurantiaco-castanea, haud 
ad apicem brunnescente. 

Hab. in insulis papuanis „Batanta“ „Waigiou“ dietis. The 
male as well as the female is larger than A. telescophthalmus, 
and the eye-wattle in tlie male bird appears to have been yellow 
during life. 

Clytomyias. 

R.B.Sharpe, Notes Roy. Z. Mus. Leyden No. 1 1879. p. 31. 

Genus Museicapidarum inter genera Todopsis et, Malurus inter- 
cedens, sed cauda quam ala longiore et valde gradata, tarso quam 
culmen longiore, ala rotundata, remigibus primariüs cubitales a 
longitudine culminis haud excedentibus, rostro valde depresso, 
culminato, elongato, latiore quam altum, distinguendum. 

Typ.: Olytomyias insignis. 

Olytomyias insignis. 

R. B. Sharpe, Notes Roy. Z. Mus. Leyden No. 1 1879. p. 31. 

2 ad: supra olivaceo - cinerascens, supracaudalibus ochra- 
scenti-fulvo terminatis; reetricibus brunneis hoc colore lavatis, 
lateralibus pallide ochrascenti-fulvo terminatis; teetricibus ala- 
rum minimis ochrascenti-brunneis, medianis et majoribus fuscis 
sordide ochrascenti-fulvo marginatis; remigibus fuscis extus rufes- 
cente marginatis; pileo summo nuchaque, capitis lateribus, genis 
et regione parotica castaneis; loris fulvescentibus; gula alba; 


Compendium der neu beschriebenen Arten und Gattungen. 485 


corpore reliquo subtus fulvescente, hypochondriis saturatius fulvis; 
pectoris summi lateribus saturatioribus et magis olivaceo lavatis; 
tibiis castaneis; subcaudalibus fuseis castaneo terminatis; subala- 
ribus cervinis; remigibus infra fuscis intus rufescente marginatis. 
Long. 5,3; culmen 0,6; ala 2,15; cauda 2,7; tarsus 0,9 poll. 

Hab.: Tjobonda in montibus arfakianis. 

Monarcha Brodie:. 

Ramsay, Proc. Linn. Soc. New South Wales. 1879. p. 80. 

ad &. I'he whole of the head, chin and throat, ear coverts, 
and all the upper surface of the body, wings and tail deep shining 
black; wings below blackish brown, a little lighter on the margins 
of the inner webs, under margin of the shoulder black, some of 
the feathers tipped with white, under wing coverts white; smaller 
wing coverts above, and the shoulders black, the greater secondary- 
coverts white, forming a large white patch on the wing, tail dull 
black below, the outer three rectrices largely tipped with white. 
From near the angle of the mouth, and below the ear-coverts 
extending on either side of the throat and neck a broad patch of 
white, joining the chest, which with the remainder of the under 
surface and under tail coverts is white; thighs black tipped with 
white; the featers of the throat elongate, spreading of the white 
on the sides and capable of semi-erection as in M. loricata 
Wall, M. leucotis Gould and M. verticalis; the feathers on 
the forehead short and erect; legs lead color; bill black at the 
base, culmen and tip, sides bluish-white, margins and tip of lower 
mandible whitish; bristles black shorter than the bill. Tot. Igth. 
5,6, wing 5, tail 2,85, tars. 0,74, bill 0,63. 

Hab.: Lango, Guadalcanar, Solomon Islands. 

Myiagra cervinicauda. 

Tristram, Ibis 1879. p. 439. 

M. M. modestae Gr., aftinis;, capite plumbeo, dorso ferrugineo 
tincto, pectore et abdomine castaneis; rectricibus tribus exteriori- 
bus per totam longitudinem laete cervinis, ceteris brunneis neque 
albo terminatis. Long. tot. 4,8, al. 2,47, caudae 2,42. 

Hab.: Solomon Islands. 

Myiagra ferro-cyanea. 

Ramsay, Proc. Linn. Soc. New South Wales. 1879. p. 78. 

ad. d. The whole of the head, neck, upper part of tlıe chest, 
the back, rump, and upper tail and wing-coverts black, with 
steel blue reflections; wings and tail above black; under wing- 
coverts, and the basal portion of the secondaries and all except the 
first two primaries, white in the inner webs, remainder of the 
feathers blackish brown; tail below black, under tail coverts, and 
a narrow line at the base on the inner web of the outer two 
feathers pure white; the lower part of the chest, the breast, thighs, 
and remainder of the under surface snow white. The feathers on 
the crown of the head slightly produced, erectile. 

Tot. lg. 5, wing 2,6, tail 2,5, tars 0,65. 

28* 


436 Ant. Reichenow und Herman Schalow: 


Hab.: Guadalcanar, Solomon Islands. 

Myiagraintermedia. 

Canon Tristram, Ibis 1879. p. 189. 

d corpore supra schistaceo, pileo intensiore, thorace et pectore 
laete castaneis, abdomine albo; reetrieibus externis albo marginatis 
in utroque pogonio, ceteris rectrieibus albo arcte terminatis. 
? mari similis, sed pectore et thorace dilutioribus. Lg. 5,25, al. 2,87, 
caud. 2,75, rostri a rietu 0,75, tars. 0,65. 

Hab.: Lifu, Loyalty Islands. 

Myiagra luguieri. 

Canon Tristram, Ibis 1879. p. 188. 

3 & 2. Supra tota nitide nigro-virescens, infra gula et pectore 
splendenti-nigro-virescentibus; abdomine, subeaudalibus et subalari- 
bus albis; rectricibus ad apicem albo marginatis, rectrice extima 
in pogonio interno albo marginata, rostro et pedibus nigris. Lg. 5,7, 
al. 2,8, caud. 2,96, rostr. a rietu 0,75, tars. 0,7. 

Hab.: Lifu, Loyalty Islands. 

Myiagra pallida. 

Ramsay, Proc. Linn. Soc. New South Wales. 1879. p. 79. 

The whole of the head, except the throat, ear coverts, back 
of the neck, and mantle dark bluish ashy grey; back brown, with 
a rufous tinge; wings dark brown; the shoulders ashy; the pri- 
maries, all except the first two, narrowly margined except at the 
tip, and the secondaries broadly margined with pale rufous; sca- 
pulars and upper coverts washed with the same tint, upper tail- 
coverts and tail pale rufous, the centre two feathers, and the two 
on either side on the outer web, washed with brown; under surface 
and the under tail-coverts light rufous; the inner webs of the 
secondaries, and basal portions of the inner webs of the primaries 
pale rufous buff; under wing-coverts white; throat, chest, and 
remainder of the under surface white; bill bluish horn color; legs 
lead blue. T. length 5, wing 2,6, tail 2,5, tars, 0,55, bill 0,65. 

Hab.: Lango, Guadaleanar, Solomon Islands. 

MyiVagratannaensis. 

Canon Tristram, Ibis 1879. p. 192. 

d copore supra schistaceo, pileo nigrescente, thorace et pectore 
laete castaneis, abdomine dilutiore, reetricibus fuseis, pogoniis 
internis pallido albo limbatis. 2 mari similis, coloribus subtus 
dilutioribus. Lg. 5,25, al. 2,75, caud. 2,6, rostr. a riet. 0,65, 
tars. 0,65. 

Hab.: Tanna, New Hebrides. 

Piezorhynchus vidua. 

Tristram, Ibis 1879. p. 459. 

P.3 capite nigro resplendente; collarialbo, dorso nigro ; uropygio 
albo, cauda nigra, rectrieibus tribus externis albo terminatis; teetri- 
cibus superioribus albis, mediis margine nigro circumdatis; remigi- 
bus nigris; mento et thorace nigris; pectore, abdomine et crisso 
albis. Leg. tot. 5,95, al. 3, caud. 3, tars. 0,8. 


Compendium der neu beschriebenen Arten und Gattungen. 437 


Hab.: Solomon Islands. 

Rhipidura cervina. 

Ramsay, Proc. Linn. Soc. New South Wales. III. 1879. p. 340. 

All the upper surface dull earthy brown; the frontal feathers 
tinged with ashy brown at the base, the lores, sides of the head, 
and ear-coverts of a slightly darker tint of brown than that of 
the head, a line of buff over the eye; throat whitish; chest, and 
‚all the under surface, and the under wing-coverts light fawn color, 
a little paler on the under tail-coverts; wings blackish brown, the 
secondaries narrowly margined on the outer web with buff, the 
scapularies rather broadly margined with white and buff; the coverts 
of the secondaries and scapularies distinetly tipped with buff; tail, 
blackish brown, lighter on the inner webs, the shafts of all, except 
the centre two feathers, white on both sides; the outer feathers, 
on either side, margined on both webs, and largely tipped with 
buffy white, all the rest, except the centre two, margined on the 
inner webs with the same tint; bill black; feet and legs blackish 
brown; bristles black, extending to beyond the bill. Tot. Igth. 6 
inch.; wing. 3 inch.; tail 3,65; tars. 0,8. 

Hab.: Lord Howes Islands. 

Rhipidura elegantula. 

R. B. Sharpe, Notes Roy. Zool. Mus. Leyden No. 1.1879. p. 23. 

R. affınis R. sguamatae ex Banda, sed capite nuchaque cin- 
namomeis dorso concoloribus et pectore albo, nee nigro alboque 
squamato, valde diversa. 

Long. 6,5; ala 2,9; cauda 3,9; tarsus 0,85; rostr. a fronte 
0,5 inches. - 

Hab. in insula „Lettie‘“ dieta. 

Rhipidura rubrofrontata. 

Ramsay, Proc. Linn. Soc. New South Wales. 1879. p. 82. 

This species comes close to R. torrida Wall, P. Z. S. 1865. 
p. 477. but is smaller, has the ear coverts brown, not black; the 
black of the chest confined tho that region and not extending over 
the breast; more rufous on the forehead; and much more white 
on the tips of the tail feathers. 

Lgth. 5,2; wing 2,6; tail 3,1; tars. 0,7; bill 0,55. 

Hab.: Lango, Guadaleanar, Solomon Islands. 

(Fortsetzung folgt.) 


Allgmeine dentsche urnithulagische Gesellschaft zu Berlin. 
Bericht über die September-Sitzung. 
Verhandelt Berlin, Montag den 1. September 1879, 
Abends 71), Uhr, im Sitzungslocal, Unterden Linden 13. 

Anwesend die Herren: Falkenstein, Leschke, Krüger, 
Hausmann, Mützel, d’Alton, Cabanis, Reichenow, 


438 Bericht über die September-Sitzung. 


Schalow, Böhm, Walter und Grunack. Von auswärtigen 
Mitgliedern: Herr Reg. Rath Henriei (Frankfurt a. d. ©.) 
Vorsitzender: Herr Cabanis. Schriftführer: Hr. Schalow. 

Die erste Sitzung nach den Ferien ist spärlich besucht, da 
noch viele Mitglieder abwesend sind. 

Herr Cabanis hat in einer früheren Sitzung eine kleine 
Macrony»-Art vorgelegt, die von dem Afrieareisenden Hildebrandt 
in einem Acazienhain in Taita gesammelt und von dem Vor- 
tragenden als Macronyx tenellus beschrieben worden ist. Die 
s. Z. erhaltenen Exemplare, ein $ und 9, waren anscheinend noch 
jüngere im Uebergangs-Kleide befindliche Vögel und noch nicht 
vollkommen ausgemausert. Der Vortragende hatte schon damals 
bei der Characterisirung dieser neuen Form darauf aufmerksam 
gemacht, dass die Tibia bei dieser Art nicht bis zum Ende be- 
fiedert sei, sondern nur ungefähr bis zur Mitte Federn trage. Der 
untere, nackte Theil der Tibia ist mit Schildehen besetzt. Ein 
schönes ausgefärbtes altes $, welches von Dr. Fischer im Wapo- 
Komolande gesammelt und mit einer reichen Sammlung anderer 
Arten vor kurzem an das Berliner Museum gelangte, zeigt nun 
denselben eigenthümlichen Character und beweist zugleich, dass der- 
selbe constant bei dieser Art vorkomme. Auf Grund dieses wichtigen 
Momentes trennt Herr Cabanis die Art von dem Genus Macronyx 
und erhebt sie zum Typus einer eigenen Gattung, für welche er 
den Namen T7metothylacus in Vorschlag bringt. Typus der Gattung. 
ist: Tmetothylacus tenellus (Cab.) Der Vortragende schliesst 
seine Bemerkungen über diese Art mit dem Wunsche, dass wir 
bald in den Besitz biologischer Beobachtungen über diesen Vogel 
gesetzt werden möchten. 

Herr Reichenow legt die 3. und 4. Lieferung seiner „Vogel- 
bilder aus fernen Zonen“ vor und bespricht die auf den Tafeln 
dargestellten Arten in eingehender Weise. Wie den bereits er- 
schienenen Lieferungen so ist auch diesen beiden vorliegenden, 
die demnächst zur Ausgabe gelangen werden, in Bezug auf 
die Zeichnung der einzelnen Arten wie auch auf die treftliche 
Wiedergabe durch den Farbendruck das uneingeschränkteste Lob 
zu zollen. 

Herr Reichenow legt 17 neue Arten vor, welche sich in 
einer Sendung des Herrn Dr. G. A. Fischer gefunden haben. 


Bericht über die September-Sitzung. 439 


Herr Dr. Fischer hat sich augenblicklich als Arzt in Zanzibar 
niedergelassen und damit dürfte ein gewisser Abschnitt in den 
zoologischen Arbeiten des genannten Forschers eingetreten sein. 
Herr Reichenow giebt eine kurze Uebersicht über die ausser- 
ordentliche Thätigkeit, die der Genannte auf ostafrieanischem Boden 
entwickelt hat und weist auf die grossen Verdienste hin, die sich 
die Arbeiten und Sammlungen Fischer’s um die Erweiterung unserer 
Kenntniss der ostafriecanischen Avifauna erworben haben. 

Dr. Fischer verliess um die Mitte des Novembers 1876 Europa 
und begab sich nach Zanzibar. Hier hielt er sich längere Zeit 
auf, um seinen Reisegefährten, Herrn Ingenieur Denhardt, der 
später Deutschland verliess, zu erwarten, um mit demselben den 
Versuch zu machen, den Tanafluss aufwärts zu gehen, nach Witu 
vorzudringen und auf diesem Wege das unbekannte Innere des 
africanischen Continentes zu erreichen. Während seines Aufenthaltes 
in Zanzibar durchforschte Fischer auf das eifrigste dieses Gebiet 
und sandte reiche Sammlungen, unter denen sich auch mehrere 
neue Arten befanden, die von ihm und dem Vortragenden im Orni- 
thologischen Centralblatte beschrieben worden sind, nach Berlin. 
Vor allen Dingen aber sind es ausserordentlich reiche, umfangreiche 
und sorgfältige biologische Beobachtungen, die Fischer sammelte 
und in seinen „Brieflichen Reiseberichten‘“ im Journal für Ornithogie 
veröffentlichte. Sie haben einen ausserordentlichen Werth, enthüllten 
vieles Neue und Unbekannte und suchten mit Eifer längst empfundene 
Lücken auszufüllen. Für diese biologischen Beobachtungen sind 
wir dem Forscher zu tiefstem Dank verpflichtet. Nach Ankunft 
seines Gefährten ging Dr. Fischer -mit diesem den Tanafluss auf- 
wärts bis in das Wapokomoland, wo längere Zeit gesammelt wurde. 
Der Widerstand der Eingeborenen, die Unmöglichkeit, auf diesem 
Wege weiter vorzudringen, sowie eine Reihe anderer Zwischenfälle, 
veranlassten die Reisenden nach der Küste zurückzukehren. Denhardt 
kam hier krank an, suchte in Zanzibar die nothdürftigste Heilung 
und ist augenblicklich auf der Rückreise nach Europa. Dr. Fischer, 
der vom Klima gar nicht gelitten, liess sich in Zanzibar als Arzt 
nieder und wird nach wie vor seine freie Zeit seinen naturwissen- 
schaftlichen Studien widmen und zweifellos den Weg weiter be- 
schreiten, den er mit so grossem Erfolge betreten. 

Ueber die von ihm auf Zanzibar und während einer Reise 
durch das Küstenland von Mombassa bis Wito gesammelten oder 
sicher beobachteten Vögel hat er mit dem Vortragenden in einer 


440 Bericht über die October-Sitzung. 


längeren Arbeit im Journal für Ormnithologie für 1878 berichtet- 
Nicht weniger als 158 Arten konnten hier aufgeführt werden. Bei 
der Reise in das Innere, auf der die Gebiete von Massa, Kipini, 
Muniuni, Kibaradja, Mitole und Kinakomba sammelnd und be- 
obachtend durchforscht wurden, wurde die grosse und ungemein 
reichhaltige Collection von Vögeln zusammengebracht, die vor 
kurzem an Herrn Reichenow gelangt ist und von demselben in der 
heutigen Sitzung des eingehenden besprochen wird. In seinen 
Mittheilungen weist der Vortragende auf die bemerkenswerthe 
Thatsache hin, dass sich in dieser Fischer’schen Sammlung, mit 
Ausnahme gewöhnlicher überall auftretender Formen, nur wenige 
der selteneren Arten gefunden haben, die von Hildebrandt und 
v. Kalkreuth, welche in grosser Nähe von Fischer sammelten, ein- 
geschickt wurden, und umgekehrt. Von den sich in der Sammlung 
vorfindenden neuen Arten wurden bereits zwölf in den No. 14. u. 15 
des Ornithologischen Centralblattes beschrieben. 

Von den noch nicht veröffentlichten characterisirt Herr Reiche- 
now noch die folgenden als neue: Pitylia caniceps n. sp., Quculus 
validus, Orin’ger strepitans, Oriniger Fischeri und Addon psammochroa. 

Herr Henriei (Frankfurt a. O.) theilt mit, dass auf einem 
Felde bei Frankfurt am 1. December v. J., zerstreut umherliegend, 
fünfzehn Eier von Perdix einerea gefunden wurden, die sich bei 
der Untersuchung noch als vollkommen frisch erwiesen. Ferner 
wurde Mitte October desselben Jahres ein Weibchen vorgenannter 
Art beobachtet, welches noch auf sieben Eiern sass. Dasselbe wurde 
aufgescheucht und kehrte dann nicht wieder zu den Eiern zurück. 

Herr Henrici berichtet ferner über den Fund eines blauen 
Kukukseies in einem Neste von Sylvia rubecula. 

Schluss der Sitzung. 

Schalow. Cabanis, Gen.-Secr. 


Bericht über die October-Sitzung. 
Verhandelt Berlin, Montag den 6. October, im 
Sitzungs-Local. 

Anwesend die Herren: Böhm, Walter, Krüger, Gru- 
nack, d’Alton, Mützel, Cabanis, Bolle, Brehm, 
erchespe: Schalow, By Ririchleldorft, Thiele, Jahr- 
margt, Lestow und Ha 

Als Gäste: Die Afrieareisenden O. Schutt, Girow und 
Dr. Pogge. 


Bericht über die October-Sitzung. 441 


Ferner die Herren: Lindemann, Schmidt, v. Cochrane, 
Schmeltzpfennig, Lehmann, Spiess, Dr. Hilgendorf 
und von Riesenthal. 

Vorsitzender: Herr Bolle, Protokollführer: Hr. Schalow. 

Zur Eröffnung der Sitzung ergreift Herr Bolle das Wort und 
heisst in einer längeren Ansprache die in der Gesellschaft an- 
wesenden Africareisenden auf das herzlichste willkommen. Seine 
Worte aufrichtiger Freude und hoher Verehrung richten sich vor- 
nehmlich an Herrn Schütt und dessen Gefährten Herrn Girow, die 
von ihren erfolgreichen Reisen im Innern des westafricanischen 
Continentes vor kurzem heimgekehrt sind und vor wenigen Tagen, 
nach mehrjähriger Abwesenheit, den deutschen Boden wieder be- 
treten haben. Möge ihnen hier die Entschädigung für ihre Mühen 
und Strapazen und die Anerkennung für ihre sorgfältigen Arbeiten 
in reichstem Maasse rückhaltlos zu Theil werden! 

Der Bericht über die Sitzung des verflossenen Monats wird 
verlesen und in der mitgetheilten Fassung angenommen. 

Herr Brehm schildert in einem zweistündigen Vortrage den 
Jagdausflug, welchen er im Frühjahr dieses Jahres in der Begleitung 
S. K. K. Hoheit des Erzherzogs Kronprinz Rudolf von 
Oesterreich-Ungarn nach Spanien unternommen hatte. In 
anziehender und fesselnder Darstellung unterwirft der Vortragende 
ein Bild der Reise. Bei dieser Schilderung des Gebietes sowie 
der beobachteten Thierwelt wird länger verweilt, und in scharfen 
Umrissen das ganze der gesammelten Beobachtungen nach dem 
sorgfältig geführten Tagebuch mitgetheilt, jene Skizze dagegen 
nur flüchtig angedeutet und ihrer nur soweit gedacht, als sie im 
Zusammenhange nothwendig und zum Verständniss des Ganzen 
erforderlich ist. Der Vogelwelt wurde auf der ganzen Reise die 
weitaus grösste Beachtung geschenkt; es wurde viel gesammelt 
und für die Privatsammlung S. K.K. Hoheit desKronprinzen 
präparirt. Es kann nicht in unserer Absicht liegen, den ganzen 
Vortrag hier wiederzugeben. Wir beschränken uns darauf, einige 
Züge aus demselben an dieser Stelle mitzutheilen und in kurzen 
aphoristischen Notizen den Verlauf der Reise zu schildern. 

Am 1. Mai verliess die Kaiserliche Yacht „Miramar‘‘ mit dem 
Kronprinzen und dessen Begleitern an Bord den Hafen von Nizza. 
Einige Procellaria wurden beobachtet, ohne jedoch die Species in 
der Entfernung mit Sicherheit ansprechen zu können. Auch 
Sturmtaucher in ihrem characteristischen wechselvollen Fluge machten 


442 Bericht über die October-Sitzung. 


sich hin und wieder bemerkbar, durch ihre zierlichen, ewig sich ver- 
ändernden Flugübungen das Auge des Beoabchters, das nie müde wird, 
ihnen zuzuschauen, fesselnd. In der Nähe der spanischen Küste zeigten 
sich einige ZLestris-Arten, wahrscheinlich Zestris pomarina. Der 
Cours richtete sich zunächst auf Barzelona, wo die Gesellschaft an 
Land ging. Nicht Zarus melanocephalus, wie man allgemein er- 
wartet hatte, sondern Chroicocephalus ridibundus flog im Hafen 
umher, seinen heiseren Schrei ausstossend. Auf den Wiesen und 
in dem brüchigen Terrain der Umgegend des Hafens wurde das 
Vorkommen von Numenius tenuirostris beobachtet. Von Barzelona 
aus machte der Kronprinz mit seinen Begleitern einen Ansflug 
nach Montserrat. Herr Brehm widmete dieser Excursion eine 
längere prächtige Schilderung, die aber aus naturgemässen Gründen 
wenig Ornithologisches — die Gegend ist nach des Vortragenden 
Mittheilungen ungemein vogelarm — enthalten konnte. Den 
grossen, weitausgedehnten Bruch- und Moorgegenden an der 
Mündung des Ebro galt der folgende Besuch. Allein man kehrte 
von demselben ziemlich enttäuscht zurück, da sich die Hoffnungen 
auf Erlangung seltener Arten, sowie auf einige erfolgreiche Jagden 
nicht in der gewünschten Weise verwirklichten. Fulica atra brütete 
hier in ausserordentlichen Mengen; Fulica ceristata wurde nicht 
beobachtet. Ausser vielen anderen Vögeln führt das Tagebuch 
Numenius phaeopus, Emberiza pyrrhuloides, Recurvirostra avocetta, 
Faleinellus vgneus, Egretta alba, Motacilla cinereocapilla und Sylvia 
eisticola als hier gefunden und erlegt in seinen Blättern auf. Eine 
hübsche Schilderung entwifrt Herr Brehm von dem hier beobachteten 
Leben der Sylvia cinerea. In dem dichten, oft eng verfilzten Ge- 
strüpp der hier in reichster Fülle wachsenden Salieornia-Arten 
führt diese kleine Grasmücke ein sonderbar verstecktes Leben, so 
ganz anders, als sie dies sonst zu thun pflegt, dass sie bei ihrem 
ersten Erscheinen selbst einen Beobachter wie den Vortragenden 
über die Artzugehörigkeit der beobachteten Species in Zweifel 
zu setzen vermochte. Auf kleinen freien Stellen inmitten des Ge- 
strüppes lief dieser Sänger wie eine Bachstelze auf dem Boden 
umher. Ein erlegtes Exemplar zeigte Sylvia cinerea. Dieses 
sowohl, wie mehrere andere daselbst geschossene, zeigten eine 
merkwürdig blasse Färbung in ihrem Gefieder. — Auch der als 
ornithologisch reich bekannte See von Valencia, wohin sich der 
Kronprinz vom Ebro aus begeben hatte, gewährte keine nennens- 
werthe Ausbeute. In die mächtigen eng verflochtenen und ver- 


Bericht über die October-Sitzung. 445 


wachsenen weit ausgedehnten Schilf- und Rohrhorste konnte man 
ohne besondere Vorkehrungen, die mit grossem Zeitverlust verknüpft 
waren, nicht eindringen. Das einfache Vordringen in dem Kahne 
erwies sich nach mehrfachen Versuchen als unmöglich. Beobachtet 
wurden hier Ardea purpurea, Anas rufina, die hier brütet, viele Rohr- 
sänger, Weihen, Parus biarmicus. Dem Besuche von Madrid wurden 
die folgenden Tage gewidmet. Soweit es die zu Ehren des hohen Gastes 
veranstalten Festlichkeiten gestatteten, wurden Ausflüge in die Um- 
gegend von Madrid unternommen und Jagden veranstaltet. Eine 
reiche Ausbeute gewährte eine solche in der Umgegend des königl. 
Lustschlosses, der Casa del Campo, im Süden von Madrid. Die 
mittelspanische Vogelwelt war hier in Arten wie in Individuen reich- 
lich vertreten. Unter vielen Anderen wurden Coceystes glandarius 
und Caprimulgus ruficollis erlegt. Mit gleicher Befriedigung konnten 
die Reisenden auf die Jagden zurückblicken, die in den grossen 
mit immergrünen Eichen, Kiefern und Ulmen reich bestandenen 
Gehegen des königl. Jagdschlosses El Pardo am 10. Mai unter- 
nommen wurden. Neophron percnopterus, Milvus migrans, Merops 
apiaster, sowie ein prächtiger Aguila Adalberti, den der Kronprinz 
schoss, wurden hier den Sammlungen zugefügt. Von Madrid aus 
sing die Reise wieder südlich. Dem Besuch des prächtigen Palmen- 
waldes von Elche in seiner eigenartigen Scenerie, der Umgegend 
von Murcia, wo auf den Excursionen ausser Aedon galaciodes und 
Galeria Teclae nur gewöhnliche Formen beobachtet und gesammelt 
wurden, galten die nächsten Tage. In Almeria bestiegen die 
Reisenden das Schiff, welches von Valeneia hierher beordert worden 
war, und begaben sich nach der Insel Alboran, um dort die 
prächtigste Möve der mediterranen Ornis, Zarus Audouini, welche 
auf der Insel brüten sollte, zu beobachten. Die Vögel selbst wurden 
gesehen, Eier aber nicht gefunden. Dass die Möve aber auf der 
Insel brüte, ist zweifellos durch einige Eier festgestellt worden, 
welche der Leuchtthurmwächter Herrn Brehm übergab. Lord Lilford, 
der um die Ornithologie Spaniens so hoch verdiente englische Orni- 
tholog, hatte kurz vor dem Besuch des Kronprinzen ebenfalls Alboran 
aufgesucht, um Zarus Audouini daselbst zu beobachten und wenn 
möglich einige Exemplare für seine Sammlung zu erlegen. Von 
Alboran kehrte der Kronprinz nach dem Festlande zurück. In der 
Umgegend von Malaga wurde eine kleine Calanderlerche, vielleicht 
die Calandrella baetica Dresser, erlegt. Mit dem Besuch von 
Granada wurde ein Ausflug in die Sierra Newada verbunden. Hier 


444 Bericht über die October-Sitzung. 


hatte der Kronprinz das grosse Glück in der Zeit einer Stunde 
ungefähr am Horste erst das Männchen und darauf das Weibchen 
von Gypaetus barbatus zu erlegen. Ein Junges, welches der Horst 


EN 


enthielt, wurde ausgenommen. In Gibraltar wurde den Reisenden 


der liebenswürdigste Empfang zu Theil. Aquila Bonellii wurde 
hier, auf dem Horste sitzend, beobachtet. Am 24. Mai brachte 
„Miramar“ den Kronprinzen und dessen Begleiter nach Tanger. 
Zu Ehren des hohen Reisenden wurde hier eine grosse Jagd auf 
Wildschweine veranstaltet, die durch die Theilnahme vieler Araber 
in ihren malerischen Costümen ein ungemein farbenprächtiges Bild 
gewährte. Der Aufenthalt auf africanischem Boden währte nur 
kurze Zeit. Nach der Rückkehr nach Spanien verweilte Kronprinz 
Rudolf in Cadix und fuhr dann mit seinem Schiffe den Guadalquivir 
aufwärts zum Besuche der Marismas. Hier war ein reiches Vogel- 
eben und in fesselnder Darstellung entwirft Herr Brehm eine 
Schilderung desselben. Wohl 4—6000 Flaminjos brüten hier in 
den ausgedehnten Brüchen und herrlich ist der Anblick, wenn sich 
die Schaar erhebt und in die Lüfte steigt. Leider wurde kein 
Exemplar von Phoenicopterus erlegt. Neben den Flamingos, die 
das hauptsächlichste Interesse in Anspruch nahmen, wurden hier 
noch Recurvirostra avocetta, Himantopus rufipes, Vanellus, Glareola, 
Pterocles, Calendrella baetica, die letztere sehr häufig, für die 
Sammlungen erlegt. Eine kurze Rast in Sevilla, und die Yacht 
führte die Reisenden nach Lissabon, zum Besuche des Königs von 
Portugal. Einen Aufenthalt in den berühmten prächtigen Gärten 
von Cintra, im Norden von Lissabon, wählt der Vortragende zum 
Gegenstand einer prächtigen Schilderung, die aber nichts an orni- 
thologisch Interessantem bietet. Von Lissabon aus fuhr der Miramar 
nach Norden. Ein Besuch der Gebirge Asturiens bildete den Schluss 
der Reise. Dem Kronprinz gelang es hier, Aguila fulva zu erlegen, 
neben vielen anderen weniger nennenswerthen Arten. Herr Brehm 
weist darauf hin, wie wenig die Sierren der asturischen Gebirge 
erforscht sind und wie Vieles da noch zu erforschen ist. Reich 
ist hier die Vogelwelt vertreten, reicher wohl als in jedem anderen 
Gebirge der iberischen Halbinsel. Der leider nur zu kurz be- 
messene Besuch dieses höchst interessanten Gebietes bildete, wie 
schon erwälınt, den Abschluss der’ Reise. Ueber Paris kehrten der 
Kronprinz und seine Begleiter, um die Mitte des Juni, in die Heimath 
zurück. — 

Dies einige aphoristische Notizen aus dem Vortrage des Herrn 


Bericht über die November-Sitzung. 445 


Brehm, für welchen der Vorsitzende dem Vortragenden den Dank 
der Gesellschaft ausspricht. 
Schluss der Sitzung. 
Bolle. Schalow. Cabanis, Gen.-Secr. 


Bericht über die November-Sitzung. 


Verhandelt Berlin, Montag den 3. November 1879, 
Abends 74, Uhr, im Sitzungslocale. 

Anwesend die Herren: Grunack, d’Alton, Cabanis, 
Reichenow, Schalow, Böhm und Krüger- Velthusen. 

Als Gäste die Herren: v. Oertzen, O.Schütt, v. Coffrane, 
Lehmann, Lindemann, Brune, Spiess und Schmelz- 
pfennig, sämmtlich aus Berlin. 

Schriftführer: Herr Schalow. 

In Abwesenheit des Vorsitzenden übernimmt Herr Cabanis 
den Vorsitz. 

Der Bericht über die Octobersitzung wird vom Schriftführer 
verlesen und in der mitgetheilten Fassung angenommen. 

Herr Cabanis legt diejenigen bis jetzt bekannten und be- 
schriebenen Arten des Genus Corythaix vor, deren verlängerte Schopf- 
federn weisse Spitzen haben, und erläutert dieselben in eingehendster 
Weise. Es sind dies die Formen Corythais albieristata Strickl., 
C. maerorhyncha Fras. sowie O0. Livingstoni Gray. Der Vor- 
tragende bespricht die Kleider der genannten Arten, geht speciell 
auf die differirenden Charactere der einzelnen Formen und deren 
geographischer Verbreitung ein. Zugleich nimmt er Veranlassung, 
eine hierhergehörige neue Species vorzulegen, welche von dem 
in der Sitzung anwesenden Afrikareisenden Herrn Otto Sehütt 
im Innern des südwestlichen Africa, zugleich mit C. Livingstoni 
und Musophaga Rossae gesammelt worden ist. 

Die neue Art: 

Corythais Schuetti Cab. 
ist die kleinste der Gruppe. Durch die lebhaft bläulich violette 
Färbung der Flügel und der Schwanzfedern sowie des Rückens 
und Bürzels ist sie scharf characterisirt und von den genannten 
_ verwandten Arten auffällig unterschieden. Herr Cabanis hat diese 
neue schöne Form zu Ehren ihres Entdeckers, des verdienstvollen 
Africareisenden Herrn Otto Schütt, benannt. 


446 Bericht über die November-Sitzung. 


Herr Böhm theilt eine kleine Notiz mit, dass um die Mitte 
des September bei Elbing ein Exemplar von Turdus Whitei Eyt. 
geschossen worden ist. | 

Herr 0. Schütt giebt eine Reihe von Mittheilungen über das. 
von ihm beobachtete Leben der Corythaix-Arten, vornehmlich über 
das von ©. Schuetti. Wir entnehmen dieser Mittheilungen die 
folgenden Beobachtungen. 

Im Allgemeinen findet der in Westafrica reisende Forscher 
wenig Gelegenheit, die Corythaix-Arten zu beobachten, da sie sich 
nur äusserst selten den spähenden Blicken zeigen und nur durch 
ihr Geschrei, welches nicht allzu selten gehört wird, ihr Dasein 
verrathen. Im dichten engen Gebüsch führen sie ein ungemein 
verstecktes Leben; dass sie an der Küste nie vorkommen sollen, 
ist wohl zu viel gesagt. Sicher ist, dass sie nur äusserst selten 
daselbst beobachtet worden sind. Sie lieben die höher gelegenen 
Gebiete im Innern, fern von der Küste. Auf seinen Wanderungen 
hat sie der Vortragende ein Mal bei Pungo a N’Dongo, am Quanza. 
zu beobachten Gelegenheit gehabt und dann erst wieder östlich 
von Malange, weit im Innern des südafricanischen Continentes. Da 
wo das Gebirgsplateau zum Congobecken abfällt, wurde ein Mal 
ein Pärchen dieser Gattung beobachtet. Nach des Reisenden Wahr- 
nehmungen verlangen diese Vögel hochliegende Felsplateaus, bedeckt 
mit dicht verfilztem, nicht allzu hohem Gestrüpp und Gesträuch 
und klare Wasserläufe. Diese scheinen Bedingungen für ihr Vor- 
kommen zu bilden. Nie wurden Vögel dieser Art in sumpfigem 
Terrain, in der Nähe brackigen Wassers gefunden, aber auch nie 
in allein felsigen, ganz vegetationslosen Gebieten. Meist sieht 
man sie zu zweien, seltener mehrere Individuen beisammen. Werden 
sie aus ihren Verstecken aufgestört, so gurren sie leise im Augen- 
blicke des Auffliegens. Ihr Ruf ähnelt dem unserer Columba turtur. 
Banänen fressen sie mit grosser Vorliebe. Die Exemplare, welche 
Schütt in Gefangenschaft sah, wurden fast ausschliesslich mit Bananen 
gefüttert und befanden sich dabei äusserst wohl. Das Fleisch des 
Corythaiz ist wohlschmeckend. — 

Herr Sehalow verliest die Uebersetzung einer Arbeit Robert. 
Ridgway’s: „On the use of trinominals in the zoological Nomen- 
clature aus dem diesjährigen Julihefte des Bulletin of the Nuttal 
ornithological Club (vol. IV. 1879. No.3 p. 129—134). Die Ueber- 
setzung wird, durch eine Reihe von Anmerkungen erweitert, im 
Journal für Ornithologie ausführlich abgedruckt. An die Vorlesung 


An die Redaction eingegang. Schriften. 447 


der Uebersetzung der Ridgway’schen Arbeit knüpft Herr Schalow 
eine Reihe von Mittheilungen über die verschiedenen Anschauungen, 
die sich bei einzelnen Ornithologen hinsichtlich des Gebrauches 
der trinominalen Nomenclatur geltend gemacht haben. Es ist dem 
Vortragenden in seinem Referate über diese, namentlich in Amerika 
augenblicklich ausserordentlich lebhaft diseutirte Frage weniger 
darum zu thun, dieses trinäre System der Nomenclatur zu ver- 
theidigen, als vielmehr die Nothwendigkeit einer Uebereinstimmung 
zwischen den Ornithologen darzuthun, in welcher allgemein ange- 
nommenen, feststehenden Weise der subspeeifische Name mit dem 
Genus- und Speciesnamen in Verbindung zu bringen ist. Ridgway 
plaidirt dafür, dass der Name der Subspecies durch griechische 
Buchstaben von der zugehörigen Art getrennt werde, und stützt 
sich hierbei auf einzelne Aufzählungen Linne’s in dessen Systema 
naturae. Dr. Elliot Coues dagegen, sowie J. A. Allen, die sich 
Beide vielfach mit diesem Gegenstande beschäftigt haben, sprechen 
sich in dem gleichen Hefte des vorgenannten Bulletin of the Nuttal 
ornithological Club gegen die Ridgway’schen Darlegungen aus und 
suchen die Nichtigkeit derselben in überzeugendster Weise darzu- 
legen. Sie treten dafür ein — und haben diese Ansicht auch 
bereits in vielen ihrer Arbeiten praktisch verwerthet — den sub- 
specifischen Namen einfach dem Namen der Art anzuhängen ohne- 
ein viertes Wort, wie subspecies, aberratio, varietas oder einen 
griechischen Buchstaben, einzufügen. Herr Schalow erörtert kurz. 
die Gründe, die ihn bestimmen, der Coues’schen und Allen’schen 
Anschauung das Wort zu reden. 

Eine lebhafte Discussion, an der sich vornehmlich die Herren 
Cabanis, Reichenow, Böhm und Schalow betheiligen, schloss sich. 
den vorerwähnten Mittheilungen an. 

Schalow. Cabanis, Gen.-Secr. 


Nachrichten. 
An die Redaetion eingegangene Schriften. 
(Siehe Seite 336.) 


1544. Leonhard Stejneger. Beiträge zur Ornithologie Mada- 
gascar’s. |Separat-Aftryk af Nyt Magazin for Naturviden- 
skaberne. Christiania 1877.] — Vom Verfasser. 

1545. W. A. Forbes. Synopsis of the Meliphagine Genus Myzo- 
mela, with deseriptions of two New Species. Cum. Tabb. 
XXIV. 1. Myzomela chloroptera, 2. M. rubrobrunnea, 3. M. 


448 Nachrichten. An die Redaction eingegang. Schriften. 


1546. 


Adolphinae. XXV. 1. M. chermosina, 2. M. Selateri. |From 
Proc Z. 8. London, March 4, 1879.| — Vom Verfasser. 
M. L. Taczanowski. Liste des Oiseaux receuillis au 
Nord du Perou par M. M. Stolzmann et Jelski en 1878. 
Cum Tabb. XXI. Cyelorhis Contrerasi. XXIL Pipreola 
Lubomirskü. [From Proc Z. S. London, March 4, 1879.) — 
Vom Verfasser. 


‚G. Hartlaub. On a new Species of Barn-owl from the 


Island of Viti-Levu. [From Proc Z. S. London, March 18, 
1879.| — Vom Verfasser. 


. M. Alph. Dubois. Description d’oiseaux nouveaux. [Extrait 


des Bulletins, Acad. royale de Belgique, no. 6. Juni 1879.] 
— Vom Verfasser. 


„M. A. Dubois. Remarques sur la faune de Belgique. [Extr. 


Bull. Ac. royale d. Belgique, no. 6. Juni 1879.] — Von 
Demselben. 


. Ph. L. Selater. On a fourth Collection of Birds made by 


de Rev. &. Brown on Duke-of-York Island and in its vieinity. 
Cum. Tabb. XXXVI. Graucalus sublineatus. XXXVIL 1. 
Myzomela cineracea. 2. Donacicola spectabilis. 3. Munia 
Förbesi. [From Proc. Z. S. London, May 20, 1879.| — Vom 
Verfasser. 


. Selater. Horned Parrakeets, Nymphieus cornutus, Addition 10 


the Menagerie. Cum. Tab. XLIV. [From Proe. Z. $. London, 
June 17, 1879.] — Von Demselben. 

Sclater and Salvin. On the Birds collected by the late 
Mr. Salmon in the State uf Antioquia, United States of 
Colombia. Cum Tabb. XLI. Cyphorhinus dichrous. XLIU. 
XLIN. Eggs of Antioquian Birds. [From Proc Z. 8. London, 
June 3, 1879.] — Von Demselben. 

Sclater and Salvin. On the Birds collected in Bolivia 
by Mr. C. Buckley. [From Proc. Z. 8. London, June 17, 
1879.] — Von Demselben. 

Alfr. Newton, Prof. On some moot points in ornithological 
Nomenclature. [From Ann. and Mag. Nat. Hist, August 
1879.] — Vom Verfasser. 

Modest Bogdanow. Die Vögel des Kaukasus. Kasan 1879. 
In russischer Sprache! — Vom Verfasser. 

The Ibis. A. Quarterly Journal of Ornithology. Fourth Series. 
Vol. 3 No. 12. October 1879. — Von der British Ornitho- 
logist’s Union. — 

Sclater and Salvin. Descriptions of some new Tanagers 
of the Genus Buarremon. Cum Tab. X. 1. Buarremon 
latinuchus, 2. B. melanolaemus. |From The Ibis, Octob. 
1879.] — Vom Verfasser. 


m Hi 


(9 Tab 


Cab Journ f.Orn. 18 


ıR ER 


m 


1.2. Uraeginthus ianthinogaster _ 3.Pitylia caniceps 
4. Euplectes diadematus. 


Acanthis eanescens, 182, 

— Holbölli, 183, 

— linaria, 184. 

Aceipiter eruentus, 425. 

— torquatus, 425. 

Acomus inornatus, 310, 

Acredula caudata, 69. 101. 
123. 

Acridotheres melanoster- 
nus, 324, 

— roseus, 374, 

— tristis, 325. 

Acrocephalus arundi- 
uaceus, 58. 118, 

— locustella, 118. 

— turdoides, 58. 118. 170. 

Acryllium vulturinum, 300. 

Actitis hypoleucus, 101. 
125. 297. 338. 379. 

A&don galactodes, 443. 

— psammochroa, 328. 355. 
440. 

Aegialites cantiana, 271. 
273. 274, 

— hiaticula, 271. 273. 274. 
391, 

— minor, 391, 

Aegithalus pendulinus, 69. 
123. 269. 

Aepyornis, 226. 233. 255. 

Aethyia nyroca, 272. 

Agapornis Swinderiana 
224. 

Alauda arborea, 368. 

— arvensis, 59. 119. 368, 

— brachydactyla, 274. 

— calandra, 274. 368. 390. 

— cristata, 368. 390. 

— poecilosterna, 353. 

Alecedo cristata, 303. 

— ispida, 50. 115. 130. 
212. 216. 217. 361. 
Amaurestes fringilloides, 

352. 280. 


Index. 
1879. 


AmblynuraKleinschmidti, 
405. 

Anas acuta, 274, 

boschas, 5. 80. 

246. 381. 392. 

casarca, 157. 

elangula, 274. 

elypeata, 274. 

crecca, 128. 274, 

ceristata, 392. 

cypria, 392. 

domestica, 392. 

ferina, 382. 

fusea, 218. 381. 

leucophthalma, 382. 

nigra, 382. 

nyroca, 274. 

penelope, 128. 

pterocyanea, 382. 

querquedula, 5. 80. 128. 

272. 392. 

rufina, 382. 443. 

strepera, 272. 282. 

— tadorna, 274. 

Anastomus lamelligerus, 
284. 297. 

Andropadus flavescens, 
303, 348. 287, 

— Marchei, 432. 

Anous einereus, 410. 

— leucocapillus, 409. 410. 

— parvulus, 409. 410. 

— stolidus, 409. 410, 

Anser aegyptiacus, 260. 

— albifrons, 127. 

— ceinereus, 16. 77. 79. 
127. 246. 272. 383. 392, 

—. domesticus, 392, 

— leucopsis, 205. 

— minutus, 127. 

— segetum, 127. 246, 

— torquatus, 205. 

Anthus aquatieus, 
389. 


123, 


363. 


Cab. Journ, f. Ornith. XXVII. Jahrg. No. 148. October 1879. 


Anthus arboreus, 59. 119, 

270. 363. 399, 

campestris, 119. 363, 

Nattereri, 224. 

Pe 119. 368. 

aalteni, 279. 294, 299. 

303. 355. 

— rufogularis, 130. 

Apalis chariessa, 288. 329. 
354. 

Aplonis brevirostris, 406, 

— tabuensis, 401. 

— vitiensis, 406. 

Aprosmietus Broadbenti, 
312. 

— callopterus, 312. 

Apternus tridactylus, 217. 

Apteryx, 255. 

— Mantelli, 255. 

Aquila Adalberti, 443, 

— albieilla, 3. 

— Bonelli, 268. 273. 418, 

— fulva, 34. 110. 216. 444, 

haliaetus, 357. 

imperialis, 3. 34, 110. 

274. 

minuta, 273. 274. 

naevia, 37. 110. 256. 

267. 268. 

orientalis, 267.273. 274, 

418. 

— pennata, 33. 110. 274, 

Ara Spixi, 224. 

Aramides calopterus, 224. 

Archibuteo lagopus, 111. 

Ardea, 255. 256. 

— alba, 295. 297. 392. 

atricapilla, 297. 

einerea, 3. 76. 125. 257. 

381. 392. 

comata, 79. 125. 274, 

284, 297. 392. 

egretta, 78. 125. 257, 

274. 


— 


29 


450 


Ardea garzetta, 3. 274. 

295. 297. 

goliath, 284. 295. 297. 

javanica, 408. 

Lansbergii, 421. 

melanocephala , 

295. 297. 

minuta, 125. 381. 392. 

nycticorax, 3. 78. 125. 

274. 297. 381. 392. 

purpurea, 77. 125. 271. 

274. 284. 295. 297. 381. 

392. 443, 

sacra, 408. 

— stellaris, 125. 381. 

Arrenga melanura, 321. 

Arses aruensis, 434. 

— batantae, 434. 

Artamus mentalis, 
402. 405. 

Asio aceipitrinus, 311. 

— butrio, 311. 426. 

— coromandus, 311. 

— madagascariensis, 311. 

Astur nisus, 358. 386. 

— palumbarius, 44. 111, 
130. 358. 386. 

— rufitorques, 393. 394. 

— Wallaeii, 425. 

Asturinula monogram- 
miıca, 292. 

Athene noctua, 114, 360. 

Aulanax aquaticus, 335. 
336. 

— cineracea, 335. 336. 

— latirostris, 335. 

— nigricans, 335. 

Avicida orientalis, 292, 

— Verreauxi, 329, 

Bambusicola hyperythra, 
422. 

Barbatula affinis, 283. 303. 
314, 343, 

— uropygialis, 314. 

elle Cabanisi, 207. 
208. 223. 327. 

— vermivorus, 207. 208. 
223. 

Bessornis Heuglini, 278. 
287. 303. 356. 

— natalensis, 278.287.356. 

Boarula sulphurea, 269. 
273. 274, 

Bombyecilla garrula, 122, 
372. 

Bourcieria assimilis, 429. 

runelli, 429, 

ilsoni, 429. 


284, 


401, 


Brachypteryx flaviventris, | Campylopterus 


328, 


INDEX. 


Brachypteryx saturata, 
328, 

Bradyornis pallida, 277, 
299. 303. 345. 

Bubo ignavus, 114. 

— lacteus, 276. 289. 290. 
340. 

— maximus, 47. 256. 359. 

Bucanetes githagineus, 
178, 

Buceros, 95. 

— abyssinicus, 303. 

— buceinator, 291. 

— melanoleucus, 291. 343. 

Buchanga leucophaea,432. 

— stigmatops, 432. 

Budytes flavus, 119. 389. 

— melanocephalus, 389. 

Buphaga erythrorhyncha, 
292, 

Buphus comatus, 271. 273. 

Butalis grisola, 387. 

Buteo augur, 292. 

— lagopus, 258. 

— tachardus, 273. 274. 

— vulgaris, 41. 111. 273. 
358. 

Cairina moschata, 301. 

Calamodyta cantans, 404, 

— ÖÜetti, 404. 

— phragmitis, 269. 

Calamoherpe arundına- 
cea, 169. 170. 270. 389. 

— eariceti, 366. 

— locustella, 367. 

— palustris, 130. 270.271. 
367 


— phragmitis, 366. 

— turdina, 17. 

Calandrella baetica, 136. 
443, 444. 

— brachydactyla, 268. 
273 


Callithraupis, 206. 207. 
223. 

— cyanictera, 206, 207. 
223. 327. 

Calornis Kittlitzi, 406. 

— nitida, 406. 

Calyptorhynchus Banksi, 
212. 


Camaroptera brevicau- 
data, 288. 354, 

— olivacea, 354. 

Campephaga nigra, 278. 
345. 


Campethera punctata, 189. 
Campicola pileata, 355. 
phaino- 
peplus, 429, 


Canabina brevirostris, 180, 

— flavirostris, 180. 370. 

— sanguinea, 180. 

 Caprimulgus, 252. 

— europaeus, 51.376. 386. 

— Fossei, 300. 344, 

— pulchellus, 314, 

— punctatus, 115. 

— rufieollis, 443. 

Carbo cormoranus, 3. 82. 
129. 273. 373. 383. 

— Desmarestii, 82, 

— leucogaster, 82. 

Carduelis caniceps, 174. 

— elegans, 62. 174. 390, 

— Kawariba, 174, 

Carpodacus caucasicus, 
178, 

— erythrinus, 178. 

— frontalis, 178. 

— purpuropterus, 178, 

— roseus, 178. 

Carpophaga latrans, 407. 

— melanochroa, 96. 

— nigra, 288, 

— oceanica, 407. 

— Richardsi, 424. 

Casuarius, 227. 259. 

— galeatus, 246. 

Cecropis rustica, 212. 

Centropus nigrorufus, 282. 
287. 341, 

— supereiliosus, 282. 341. 

Cereopsis, 260. 

Certhia familiaris, 71. 101, 
123. 374. 


— rudis, 293. 

Ceyx argentata, 95. 
— gentiana, 428, 
Chaetura, 94. 

— novae guineae, 315. 
— picina, 315. 


Chaleites smaragdineus, 
188. 

Chalcopelia afra, 300. 303, 
339. 


— tympanistria, 300. 

Charadrius auratus, 124. 
379, 

— hiaticula, 124. 

— minor, 73. 124. 329, 

— pecuarius, 284. 337. 

— pluvialis, 274. 

Charmosyna Margarethae, 
427, 


Chelidon urbica, 68. 122. 


Chenalopex aegyptiacus, 
295. 296. 301. 
Chibia Borneensis, 432, 


ee; % 
En 


Ceryle maxima, 294, 343, 


Chibia pectoralis, 432. 

Chiromachaeris coronata, 
429. 

Chlamydodera guttata,325. 

— maculata, 325. 

— nuchalis, 325. 

— orientalis, 325. 

Chloris hortensis, 62. 

Chlorophoneus quadri- 
color, 276. 303. 

Chlorostilbon angustipen- 
nis Häberlini, 209. 210. 

— ınexspectata, 209. 

Chroicocephalus ridibun- 
dus, 442, 

Chrysococeyx Claasi, 113. 
300. 342, 

— cupreus, 287. 303. 342. 

Chrysoena victor, 407. 

— viridis, 407. 

Chrysomitris Dybowskii, 
174, 

— spinus, 174. 

Chrysophlegma mystaca- 
lis, 314. 

Chrysotis, 94. 

— autumnalis, 212. 

— ceoccineifrons, 212, 

— farinosa 212. 

— festiva, 212. 

— Finschi, 203. 

— vinacea, 203. 

Cichladusa guttata, 279. 
287. 306, 

Ciconia alba, 76. 125. 247. 
256. 258. 285. 380. 

— episcopus, 301. 

— mycteria, 257. 

— nigra, 74. 247. 258. 274. 

Cinelus aquaticus, 118. 
274. 364. 

Cinnyris dubia, 430. 

— en 348. 

— Jardinei, 347. 

— Kalckreuthi, 348. 

— Longuemarii, 347. 

Cinaetus brachydactylus, 
40. 111, 

— gallieus, 267. 

Circus, 251. 256. 

aeruginosus, 47, 

cineraceus, 46. 113. 

eyanus, 46, 113, 358. 

rufus, 113. 358. 

Swainsoni, 386. 

Cisticola eursitans, 279. 

— haematocephala, 279. 
2837. 303. 354, 


— tenella, 279. 303. 354. 
Citrinella alpina, 174, 371. 


INDEX. 


Clangula glaneion, 382. 

Clytomyias, 434. 

— insignis. 434. 

Coceycolius iris, 187. 188. 
189, 

Coceystes glandarius, 443. 

— pica, 113. 303. 342, 

Coceothraustes japonicus, 
175. 

— melanurus, 175. 

— personatus, 175. 

— vulgaris, 62. 120. 175, 
372. 

Cochoa Beccarii, 320. 

Colaptes auratus, 416. 

— mexicanus, 416. 

Colius leucocephalus, 299. 
313. 341. 

— leucotis, 282. 300. 303. 


— senegalensis, 282. 340. 
Collocalia spodiopygia, 
375. 


Collurio, 214. 
Columba auritus, 73. 123. 
domestica, 390. 415. 
livia, 377. 390. 
livia fera, 247. 250, 
oenas, 72. 123. 247. 
376. 390. 
palumbus, 71. 123, 247. 
250, 390. 
risoria, 218. 390. 
Schimperi, 189. 
turtur, 247. 250. 390. 
— vitiensis, 407. 
Colymbus arcticus, 129. 
217. 272. 273. 274. 384. 
— glacialis, 129. 384. 
— septentionalis, 129, 384. 
Conurus aeruginosus, 222. 
— armillarius, 212. 
eactorum, 212. 222. 
chrysogenys, 222. 
chrysophrys, 222. 
ocularis, 222. 
pertinax, 212. 222. 
xanthogenius, 222. 
— xantholaemus, 222. 
Coracias caudata, 
291. 

— garrula, 51. 115. 291. 
303. 343. 373. 387. 
Coraphites leucotis, 279. 

299. 353. 
Corax nobilis, 268. 
Corvus corax, 63. 121. 372, 
387. 
— cornix, 
372. 387. 
— corone, 64. 121. 372. 


282. 


64. 121. 216, 


451 


Corvus frugilegus, 65. 121. 
216. 372. 

— monedula, 66. 121. 372. 
387. 

— nobilis, 372. 

— scapulatus, 292. 303. 

Corythaixalbieristata, 445. 

— Fischeri, 288. 291. 303. 
340. 

— Livingstoni, 445. 

— macrorhyncha, 445. 

— Schuetti, 445. 

Corythus enucleator, 216. 

Cosmopsarus regius, 299. 
323. 324. 349. 

Coturnix communis, 
124. 391. 

Cotyle riparia, 68, 122. 

— rupestris, 217. 

Crateropus  rubiginosus, 
287. 337. 

Crax, 259. 

— alector, 258. 

Crex pratensis, 126, 378. 
392. 

Criniger Fischeri, 287. 319. 

348, 440. 

flaviventris, 287. 348. 

gutturalis, 432. 

rufierissus, 432. 

strepitans, 278. 287. 

318. 440. 

Crithagra butyracea, 280. 
300. 303. 

— chloropsis, 353. 

Crucirostra, 191. 

Crypturus perdicarius, 
258, 

Cuculus audeberti, 427. 

— canorus, 49. 114, 130, 
169. 170, 171. 172. 212, 
270. 361. 387. 

— glandarius, 337. 

— leptodetus, 341, 

— lineatus, 283, 

— simus, 394. 

— sparveroides, 427. 428, 

— validus, 289. 313. 341. 
440. 

Curruca atricapilla, 

— cinerea, 366. 

garrula, 274. 419. 

— hortensis, 366, 

— risoria, 366, 
Cursorius einclus, 
337. 
Cyanecula 

116. 365. 
— suecica, 117. 
— Wolff, 365. 


29* 


72. 


366. 


310. 


leucocyana, 


452 


Cyanocorax cyanomelas, 
212. 

Cyanopica Cooki, 136. 

Cyelorbynchus olivaceus, 
357, 

Cygnus musicus, 126. 246, 
360, 

— olor, 126, 
260. 274. 

— plutonius 246. 

Cynchramus pyrrhuloides, 
268. 273. 274, 

— schoeniclus, 268. 273. 
274. 419. 

Cypselus apus, 51. 115. 
217. 274. 275. 375. 386. 

— infumatus, 429. 

— Lowi, 429. 

melba, 217. 386. 

parvus, 303. 

stietilaemus, 293. 315. 

344. 

Dacelo chloris, 395. 

— recuvirostris, 395, 

— sacra, 394. 

Dafila acuta, 81. 128, 

Dasycrotopha speciosa, 
95. 


218. 246. 


Dendrocitta cinerascens, 
431. 

— oceipitalis, 431. 

Dendrocygnaviduata, 295. 


Dendropicus Sharpii, 428. 

Dieaeum albo-punctatum, 
316, 

— Everetti, 95. 

— rubro-coronatum, 317. 

— rubro-gularis, 317. 

— schistaceum, 95, 

Dierurus Ludwigi, 
348. 433, 

— fugax, 300. 303, 

— Sharpei, 433. 

Diduneulus strigirostris, 
408. 

Dilophus 
398. 

Dinornis, 233. 285. 

Domicella Kuhli, 330. 

Drepanis, 191. 

Dromaeus, 215. 259. 261. 
277. 

— nova Hollandiae, 246. 

Drymochaera badiceps, 
299. 404, 

Dryoscopus funebris, 300. 
322. 

— leucopsis, 277, 303. 

— lugubris, 277. 346. 


288, 


carunculatus, 


INDEX. 
Dryoscopus nigerrimus, 
322. 346, 
— Salimae, 303. 
— sublacteus, 277. 303, 


346. 

Dysporus eyanops, 410, 

— piscator, 410. 

— sula, 410. 

Eclectus, 94, 

Edoliisoma 
433. 

Fgretta alba, 442. 

Eudyptes chrysocome, 420. 

— chrysolopha, 420. 

— Filholi, 420. 

Eudyptula chrysocoma, 
309. 

— minor, 309. 

— Serresiana, 309. 

Emberiza caesia, 390. 

— cia, 369. 

— cirlus, 294. 

— citrinella, 60. 119. 369. 

— hortulana, 369. 390. 

Emberiza melancephalus, 
390. 

— miliaria, 59. 100. 119. 
271. 390. 

— nivalis, 119. 

— pyrrhuloides, 390. 442. 

— schoeniclus, 119. 369. 

Enneoctonus collurio, 214. 

Ephialtes scops, 360. 386. 

Erismatura leucocephala, 
334, 335. 

— mersa, 260, 
Erithacus rubecula, 
117. 
Erythropus 

129. 267, 
Erythrospiza obsoleta, 138. 
Erythrosterna parva, 270. 
Erythrura cyanovirens, 

406. 

— Pealei, 406. 
Eudynamis taitiensis, 394. 
Euplectes diadematus,210. 

286, 

— flammiceps, 212. 280. 

286, 289. 303. 351. 

— nigriventris, 286. 303. 
Eurocephalusanguitimens, 

347, 

Eurystomus afer, 291. 343. 
Faleinellus igneus, 125. 

442, 

Falco aesalon, 112. 386. 


Salomonis, 


54. 


vespertinus, 


Falco lanarius, 41. 104. 
112. 266. 267. 274. 
peregrinus,112.266.273. 
319 386. 417, 

rufipes, 286. 359, 
semitorquatus, 310.339, 


— subbuteo, 42. 112. 
389, 

— tinnunculus, 43. 112, 
386. 


— vespertinus, 44. 112. 

Fiscus, 214. 

— dorsalis 213. 

Francolinus elamator, 208, 

— Granti, 2834. 300. 303, 
339. 

— nudicollis, 284. 339, 

— Petiti, 423, 

— vulgaris, 390, 

Fregetta moestissima, 309. 

Fringilla borealis, 182, 

cannabina, 120. 

carduelis, 120. 370. 

chloris, 120. 369, 

coelebs, 62. 120, 173. 

216. 223. 370. 

flaveola 390. 

linaria, 120. 184. 185. 

370. 390. 

montifringilla, 120.173. 

Be i 
rrhula, 177. 

REBeNn 174. 

— spinus, 120. 274, 

Fringillaria flavigaster, 
299. 

Fulica atra, 79. 126. 272. 
378. 442. 

— cristata, 442. 

Fuligula elangula, 128. 

— cristata, 128, 272, 273. 
383. 

— ferina, 82. 128. 

— leucophthalma, 128. 

— nationi, 96, 

— nyroca, 81. 

— rufina, 128. 

Galerita eristata, 59. 119, 

— Teclae 443, 

Gallinula chloropus, 378. 
392. 

— Frankii, 420, 

minuta, 126. 

olivacea, 470. 

porzana, 126. 

Gallus Bankiva, 246. 258. 
390. 


— cenchris, 44. 274. 386.|— domesticus, 216. 
— Feldeggi, 266. 273. 274. |— Sonnerati, 246. 258. 


417. 


— stramineicollis, 423. 


Garrulus glandarius, 66. 
122. 287. 373. 

Geecinus Sharpei, 136. 

Glareola, 444. 

— ocularis, 296. 337. 

— pratincola, 274. 391. 

— torquata, 124. 

Glaueidium dasypus, 49. 

— noctua, 49. 

— passerinum, 130. 

Globicera, 94. 

Glyeyphila satellus, 430. 

Graeulus africanus, 284. 

— carbo, 284. 

— lueidus, 284, 

— melanoleucus, 410. 

Grallaria flavotincta, 223. 

— ruficeps, 223. 

Graucalus Lifuensis, 433, 

— melanocephalus, 319. 

. — monotonus, 433. 

— pusillus, 433. 

Grus, 255. 256. 

— cinerea, 218. 

— virgo, 274. 

Gygis alba, 409. 

Gypaetus, 256. 

Gyps fulvus, 386. 

Habropyga astrild, 286. 
303 


Haematopus ostralegus, 
274, 391. 

Haematortyx sanguini- 
ceps, 423. 


Haleyon chelicutensis,293. 
303. 344. 

— eristata, 293. 

— irrorata, 293. 343. 

— orientalis, 293. 

— semicoerulea, 293. 303. 

Haliaetus albieilla, 78.110. 
256. 

— vocifer, 292, 303. 

Halieus, 252. 

Harelda glacialis, 128, 

Harpyia 256. 

Helotarsns ecaudatus, 292. 

Hemignathus, 191. 

Hemipus intermedius, 321. 

Heterophasia simillima, 
318. 

Himantopus rufipes, 74. 
125. 391. 444. 

Hirundo aethiopicea, 302. 
344. 

— albigularis, 344. 

— filifera, 292. 344. 

— Monteiri, 279. 344, 

— puella, 302. 344. 

— riparia, 231. 375. 386, 


INDEX. 


Hirundo rufula, 386. 

— rustica, 67, 122, 292, 
293. 344. 375. 387, 

— senegalensis, 189. 

— tahitiea, 395. 

— urbica, 375. 387. 

Hoplopterus spinosus, 296, 
301. 337. 391. 

Hydrochelidon 
reia, 274. 

— leucoptera 274. 

Hyloterpe brunneicauda, 
321. 

Hypargos niveiguttata, 
280 


leucopa- 


Hyphaena 284. 

Hyphantica 
352. 

— erythrops, 352. 

— quelea, 352. 

Hyphantornis aureoflavus, 
286, 302. 

— Bojeri, 46. 302. 303. 
350. 

— Cabanisi, 281. 300. 

— nigriceps, 281. 302. 

Hyphanturgus melanoxan- 
thus, 230. 281. 350. 


aethiopica. 


— nigricollis, 280. 288. 
316. 350. 

— ocularius, 288, 303. 
350. 


Hypochera ultramarina, 
326, 

Hypolais hortensis, 118.367. 

— elaica, 389. 

Hypotriorchis 
129, 

Janthoeinela mitrata 431. 

— Treacheri, 431. 

Janthoenas Leopoldi, 424. 

Ibis aethiopicus, 224. 295. 
296. 

— faleinellus, 74. 392, 

— hagedash, 295. 296. 

Impennes, 96. 

Indieator maculicollis,282. 
299. 

— malayanus, 313. 

minor, 282, 303. 341. 

Sparrmanni, 299. 341. 

variegatus, 342. 

Irrisor eyanomelas, 291. 
344, 

— erythrorhynchus, 291. 

Ixidia squamata, 432. 

— nigricans, 304. 308, 

— xanthopygius, 304. 308. 

Jynx torquilla, 53. 101. 116. 
361, 


subbuteo, 


453 


Lagonostieta minima, 212. 
352. 

— polionota, 212. 

— rhodopareia, 212. 

— rubricata, 212. 

— rufopicta, 212. 

Lalage terat, 401. 

Lamprocolius chaleurus, 
189, 

— Hildebrandti, 299. 

— melanogaster, 188. 282, 
303. 349. 

Lamprolia Vietoriae, 399. 

Lamprotornis melanogas- 
ter, 292, 

— porphyropterus, 349, 

— purpuropterus, 292, 

Laniarius leucopsis, 287. 

— quadricolor, 287. 346, 

— Salimae, 287. 

— sublaeteus, 237. 

— sulfureipeetus, 346. 

Lanius, 94. 212. 

antinorü, 213. 

caudatus, 294. 302. 303. 

347. 

collaris, 214. 

collurio, 17. 67. 100. 

122. 170. 214. 270, 362. 

dorsalis, 213. 

erythronotus, 214. 

exceubitor, 122. 362, 

major, 216, 223. 

minor, 17. 67. 

122. 

phoenicuroides, 347. 

ruficeps, 274. 362. 

rufus, 100, 122. 

schach, 214. 

— Souzae, 213. 214. 

Laridae, 96, 

Larus argentatus, 274. 

— audouini, 443. 

canus, 274. 392, 

fuscus, 274. 

leucophaeus, 392. 

marinus, 393, 

melanocephalus, 442. 

ridibundus, 128. 194. 

383. 393, 

— scopulinus, 410. 

Leptopogon minor, 430. 

Leptoptilus, 257. 

— erumenifer, 296, 

Leptornis samoensis, 398. 

Lestris catarrhactes, 383, 

— pomarina, 442. 

Leueolia Pelzelni, 429. 

Ligurinus chloris, 174. 

— chlorotieus, 174. 


100. 


454 


Limnetes erassirostris, 296. 
301. 337, 

Limosa melanura, 274. 
379. 

Linaria alnorum, 184. 

— brunnescens, 184. 327. 

— Holboelli, 183. 186. 

— Hornemanni, 182. 183. 
184. 185. 186, 

— rufescens, 185. 

— sibirica, 185. 186. 

Linota canescens, 181. 

— exilipes, 181. 182. 185. 
186. 

— Holbölli, 181. 

— Hornemanni, 181. 182. 

— linaria, 181. 183. 184. 
186, 

— rufescens, 131. 185. 

Liocichla, 148. 

Liothrix laurinae, 317. 

Locustella luseinioides, 
274. 

Lorius solitarius, 394. 

Loxia americana, 129. 

— atrata, 179. 327. 

— bifasciata, 179. 

— curvirostra, 179. 371. 

— elegans, 180. 

— leucoptera, 179. 

— pityopsittacus, 179.372. 

—- pyrrhula, 176. 177. 

Loxioides, 191. 

— Bailloni, 187. 189. 190. 
224. 

Loxops, 191. 

Lusecinia lusciola, 365. 

— major, 274, 

— philomela, 116. 365. 

— vera, 53. 116. 

Lusciola philomela, 389. 

Lyncornis macrotis, 315. 

— mindanensis, 315. 

Machetes puguax, 
379. 392. 

Maeronyx croceus, 294. 
503. 355. 

— tenellus, 299. 355. 438. 

Macropygia Arossi, 427. 

Mareca penelope, 382. 

Megacrex inepta, 309. 310. 

Megalophonus Fischeri, 
294, 

Megapodius Layardi, 421. 

— nicobariensis, 258. 

Melanocorypha calandra, 
268. 273, 

Meleagris gallopavo, 258. 
390, 

Mergus, 360, 


274, 


INDEX, 


Mergus albellus, 128. 

— merganser, 128. 274. 
383, 

— serrator, 81, 128. 274. 

Meristes olivaceus, 287. 
300. 346. 

Merops albicollis, 299. 303. 


— apiaster, 50. 115. 274. 


387. 443. 
— nubieus, 189. 282. 294. 
302. 303. 
Microhierax fringillarius, 
425. 
— latifrons, 425. 
Miliaria valida, 369. 
Milvus ater, 45. 358. 
— Forscali, 303. 
— migrans, 113. 443. 
— parasiticus, 292. 
— regalis, 46. 112. 358. 
Mimus carolinensis, 396. 
Mitua Salvini, 224. 310. 
Mixornis capitalis, 95. 
Monarcha Brodiei, 435. 


.| — Godefroyi, 403. 


— Lessoni, 403. 

— leucotis, 435. 

— loricata, 435. 

— verticalis, 435. 
Monticola eyanea, 388. 
— saxatilis, 388, 


Montifringilla arctoa, 175. 


— brunneinucha, 175. 
— nivalis, 175. 


Morphnus Guianensis, 261. 


262. 263. 264. 265. 266. 


— taeniatus, 261. 262. 263. 


265. 266. 


Motacilla alba, 58. 119. 


270. 271. 363. 389. 

— boarula, 363. 

— ceinereocapilla, 442. 
— flava, 294. 303. 363. 
— stapazina, 412. 

— sulphurea, 363. 

— vidua, 294. 355. 
Munia leucostieta, 327. 


Musecicapa albicollis, 67. 


274. 362. 
— atrieapilla, 362. 387. 
— einereola, of8. 345. 
— collaris, 122. 


— grisola, 67. 122. 302. 


362. 
— luetuosa, 62. 112. 
— parva, 67. 130. 
Musophaga Rossae, 445. 


Mycteria senegalensis, 301. ii 
Myiagra albiventris, 403.| — vermiculatus, 196. 303.) 


— azureicapilla, 404. 


Myiagra castaneiventris, 
401. 404. 405. 

— cervinicauda, 435. | 

— erythrops, 399. 403. 404. 

— ferro cyanea, 435. 

— intermedia, 436. 

— logieri, 436. 

— modesta, 435, 

— pallida, 436. 

— pluto, 405. 

— tannaensis, 436. 

Myiarchus Selateri, 316. 

Myiolestes nigrogularis, 
400. 

— vitiensis, 400. 

Myiophonus dierorhyn- 
chus, 329. 

— flavirostris, 329. 

Myzomela caledonica, 431. 

— jugularis, 397. 

— Lifuensis, 431. 

- u 397. 
rubrata, 397. 

— sanguinolenta, 431. 

— Selateri, 431. 

— splendida, 431. 

Nectarinia collaris, 300. 

— gutturalis, 300. 

— Kalckreuthi, 300. 

— lLonguemarei, 300. 

Neectris major, 393. | 

Neochmia phaeton evan-- 
gelinae, 326. 

Neomorphus radiolosus,, 
224, 

Neophron perenopterus,, 
386. 443. | 

— pileatus, 275. 

Nettapus auritus, 285. 

Nilaus capensis, 346. 

Niltava sumatrana, 320. 

Ninox philippinensis, 311., 

— spilocephala, 311, 

Nisus communis, 45. 111. 

— rufitorques, 425. | 

| 


Nucifraga caryocatactes,, 

121. 212. 373. i 
Numenius arcuatus, 125. 

274. 379. 392. 
— phaeopus, 125.379. 442, 
— tenuirostris, 442. I" 
Numida, 259, | 
— Pucherani, 284, 300. 
Ocniseus atrieapillus, 339, 
Oedienemus, 274. | 
— crepitans, 73. 102, 124, 

378. 391. | 


— grallarius 408. 
338. 


Oena capensis, 203. 

Oraegithus pusillus, 174. 

Oriolus galbula, 68. 122, 
307. 363. 388. 

— notatus, 349. 

— Rolleti, 282. 300. 349, 

Orthogonys ceyanicterus, 
206. 207, 

— viridis, 207, 

Ortygometra nigra, 297, 
303. 

— porzana, 272. 297. 378, 
392. 

— pusilla, 271; 

— pygmaea, 279. 338. 

— guadristrigata, 408. 

Orynx xanthomelas, 351. 

Otis, 255. 256. 

— australis, 408, 

— houbara, 333, 

Macqueenii, 333. 

maculipennis, 284, 338. 

melanogaster, 284. 

tarda, 73. 

tetrax, 211. 217. 332, 

Otus brachyotus, 114. 212. 
273. 360, 

— sylvestris, 114. 360. 

Pachycephala icteroides, 
401, 

— intermedia, 323. 

— neglecta, 323. 

— torquata, 323, 401. 

— vitiensis, 400. 401. 

Pachyrhamphus einereus, 

209. 

cinnamomeus, 208. 

intermedius, 208. 223. 

316. 

polychropterus, 208. 

209. 


— 


rufescens, 208. 209. 

— rufus, 208. 

Palaeornis cyanocephala, 
211. 

— rosa, 211, 

Palumbus torquatus, 376. 

Pandion haliaetus, 39. 111. 
273. 

Panychlora aliciae, 209. 

— inexspectata, 209. 316. 

— stenura, 209. 

Paradisea apoda, 325. 

— novae Guineae, 325. 

Parra africana, 297. 303. 
338. 

— gallinacea, 409. 

Parus ater, 101. 123. 268, 
274. 378. 

— biarmicus, 443, 


INDEX. 


Parus caudatus, 223. 

— coeruleus, 68, 101. 122. 
269. 368. 

— eristatus, 274. 368. 397, 

— major, 68. 101. 122. 218. 
368. 387. 

— paluster, 69. 

— palustris, 69. 101. 123, 
368. 

— pendulinus, 130. 274. 

Passer eisalpinus, 175. 221, 

— domesticus, 60. 119. 
175. 219. 370. 390. 

— hispaniolensis, 175.221. 

— indieus, 175. 

— montanus, 30. 61. 119, 
175. 371. 

— petronella, 299, 

— petronius, 390, 

— Swainsoni, 286. 302. 

Pastor roseus, 120. 216. 
388. 

Pavo eristatus, 258. 

Pelecanus, 252. 253. 272, 
273. 

— onocrotalus, 383. 

— rufesceens, 295. 

Pelidna alpina, 274. 

Peloperdix rubrirostris, 
310. 

Penthetria axillaris, 212. 
286. 351, 

— macroura, 212. 

Perdix chukar, 391. 

cinerea, 124, 147. 252. 

258. 379. 440, 

graeca, 391. 

petrosa, 247. 252. 258. 

378. 

rubra, 247. 252. 258. 

378, 

— rufa, 377. 
saxatıllis, 377. 

Perierocotus montanus, 
321. 

Pernis apivorus, 
267, 273. 359. 

Petrocincla, 303. 

— saxatilis, 355. 

Petroica pusilla, 398. 

Petronia breviroster, 175. 

— rupestris, 174. 

— stulta, 221. 

Pezophaps solitaria, 95. 

Phasianus colchicus, 73. 

124. 247. 258. 

gallieus, 415. 

ignitus, 95. 


41. 111. 


pictus, 247. 258. 


455 


Phasianus torquatus, 247, 
258. 

— versicolor, 219. 

Phlegoenas Stairi, 407. 

Phoenicopterus, 302. 444, 

Phyllopneuste fitis, 118. 
367, 

— rufa, 367, 400. 

— sibilatrix, 57. 367. 

— trochilus, 274. 389. 419. 

Phyllornis aurifrons, 212. 

Pica caudata, 66. 121. 372, 
387. 

Piceus eanus, 52. 101. 116. 

274. 361. 

leuconotus, 216. 

major, 52. 116. 361. 

martius, 51. 274, 361. 

medius, 116. 

minor, 52. 116. 

274. 361. 

nubicus, 289, 

schoe@nsis, 343, 

tridactylus, 361. 

viridis, 52. 101, 116. 

361. 

Piezorhynchus vidua, 436. 

Pinarolestes Powellii, 322. 

— vitiensis, 322, 

Pinieola enucleator, 120. 
180. 

Pionias fuseicapillus, 303. 

— senilis, 212. 

— sordidus, 212. 

Pipreola frontalis, 233. 

— Lubomirskii, 430. 

Pitta angolensis, 214. 

— areuata, 149, 

— Rochi, 96. 

Pitylia caniceps, 336. 352. 
440. 

Platalea, 297, 

— leucorodia, 392. 

Platycereus palliceps, 212. 

— personatus, 393. 

— splendens, 394. 

— tabuensis, 394. 

Platystira peltata, 288. 

— pririt, 288. 346. 

— senegalensis, 288. 308. 

Ploceus aethiopieus, 280. 
236. 

— sanguinirostris , 
286. 

Podica Petersi, 297. 

Podiceps, 252. 253. 

— arctieus, 384. 

— auritus, 83. 129. 


212. 


280. 


nychthemerus, 247.258. | — cornutus, 384. 


— cristatus, 83. 129. 384. 


456 


Podiceps minor, 83. 129. 
223. 297. 384, 

— ruficollis, 129. 

— suberistatus, 83. 384. 

Poeeilodryas capito, 332. 

— flavicincta, 322. 

— leucops, 322. 

Poephila modesta, 212. 

Pogonorhynchus irrora- 
tus, 283. 291. 

— melanopterus, 291. 342. 

Polyboroides typicus, 292. 

Polymitra flavigastra, 353. 

Polyplectron Schleierma- 
cheri, 149, 

Poodytes albo limbatus, 
329. 

Porphyrio Edwardsi, 95. 

— Ellioti, 421. 

Porzana minuta, 408. 

Pratincola rubetra, 55.117. 
365. 

— rubicola, 55. 117. 268. 

Prinia hypoxantha, 329. 

Prionops graeulinus, 287. 
347. 

— poliocephalus, 299.347. 

Prionochilus olivaceus, 95. 

Procellaria ceoerulea, 410. 

— glaeialis, 410. 

— haesitata, 334, 

Procellariidae, 66. 

Psamathia annae, 399. 404. 

Pseudoptynx Gurneyi, 
311. 

Psittacirostra, 191. 

— ieterocephala, 187. 190, 

Psittacula, 210. 

Psittacus Geoffroyi, 211. 

— incertus, 210. 211. 

— passerinus, 210. 

— senegalus, 189. 

— timneh, 212. 

Psittinus, 211. 

— incertus, 211. 

Pternistes Cranchi, 284. 
423. 

— Lucani, 423. 

Pterocles, 259. 444. 

— alchata, 390. 

— arenarius, 157. 

— tachypetes, 258. 

Pteroglossus Gouldi, 212. 

Pteruthius cameran0i,323. 

Ptilinopus fasciatus, 407. 

— Perousei, 407. 

Ptilotis carunculata, 397. 
398, 

— procerior, 398, 

— provocator, 398. 


INDEX. 


Ptilopus, 95. 

— ceraseipectus, 424. 

— Gestroi, 95. 

pietiventris, 95. 

Pucrasia Biddulphi, 424. 

Pyenonotus nigricans, 287. 
303. 

Pyctorhis nasalis, 318, 

— sinensis, 318. 

Pyranga cyanictera, 206. 
207. 

— ieteropus, 206. 

Pyrenestes, 300. 

— albifrons, 353. 

— unicolor, 280. 303. 353. 

Pyrrhula, 191. 

— cineracea, 177. 178. 

— coceinea, 175. 176. 

erythrocephala, 178. 

europaea, 131. 176. 177. 

germanica, 176. 177. 

223. 

major, 131. 175. 176. 

nipalensis, 178. 

peregrina, 176, 

rubieilla, 175. 177. 178. 

rufa, 177. 

vulgaris, 120. 175. 177. 

274, 371. 

Pytelia eiterior, 352. 

—— larvata, 212, 

— melanotis, 300, 

— minima, 280. 286. 

— phoenicotis, 286. 

Querquedula crecca, 382. 

Quiscalus guadeloupensis, 
325, 

Rallina tricoloris, 309. 

Rallus aquaticus, 126. 378. 

— Diefenbachi, 421. 

— gularis aldabrana, 309. 

— macquariensis, 421. 

— pectoralis, 408, 

Rectes brunneiceps, 322. 

Recurvirostra, 274, 

— avocetta, 125. 442. 444. 

Regulus eristatus, 118. 

— flavicapillus, 365. 368. 

— ignicapillus, 118. 212. 
368. 

Rimator albo-striatus, 317. 

Rhea, 255. 

Rhipidura 

402. 

albiscapa, 402. 

atrata, 320, 

cervina, 437. 

elegantula, 437. 

Kubaryi, 403. 

nebulosa, 402. 403. 


albifrontata, 


Rhipidura personata, 403. 
— rubrofrontata, 437. 

— squamata, 437. 

— torrida, 437. 

— versicolor, 402. 


Rhynchastatus funebris, 
276. 277. 
Rhynchocyclus breviro- 


stris, 357. 

— ceinereiceps, 356. 

Rhynchops flavirostris, 
298. 

Rhynchotus rufescens, 258. 

Rubigula flaviventris, 43. 

— montis, 433. 

Ruticilla arborea, 117.130. 

— atra, 117. 130. 

— phoenicura,54. 270.365. 

— tithys, 274. 365. 

Sareidiornis melanotus, 
296, 

Sarcoramphus, 256. 

Saxicola aurita, 388. 389. 

erythraea, 389. 

isabellina, 299. 302. 256, 

leucomela, 388. 389. 

391, 

oenanthe, 55. 117. 365. 

388. 

rubicola, 274. 

saltatrix, 388. 

— stapazina, 388.389. 412. 

Schizorhis leucogaster, 
299. 340. 

Scolopax eyprius, 392. 

— gallinago, 380. 

— gallinula, 380. 392, 

— rusticola, 274. 379. 

Scops Everetti, 311, 

— lempiji, 311. 

— podargina, 394, 

— zorca, 274, 394. 

Scopus umbretta, 284. 296, 
297. 301. 339. 

Scotopelia Peli, 289, 290. 
340, 

Serinus hortulanus, 120. 
174. 370. 390. 

Sitta caesia, 70. 123, 

— europaea, 974. 

— syriaca, 387. 

Sittace severa, 212. 

Somateria Stelleri, 216, 

Spatula celypeata, 128. 

Speeculipastor bicolor, 281. | 
300. 324. 349. | 

Spermestes cantans, 286. | 

— cucullata, 286. 303. 

— rufodorsalis, 286. 303,. 

Spheniscus, 252. 260. 


‚ Spilocorydon 
‚trus, 354, 

Spinus viridis, 370. 

Spizaetus oceipitalis, 276. 
292. 

Stachyris Bocagei, 318. 

Stagnicola chloropus, 79. 
126 


hyperme- 


Steatornis, 151. 

— caripensis, 252. 

Steganopodes, 96. 

Sterna Bergii, 409. 

— cantiaca, 383. 

— fissipes 384. 

— fluviatilis, 128. 

— fuliginosa, 409. 

— hirundo, 81. 384, 409, 

— leucopareia, 81, 

—— lunata, 409. 

-— macroura, 274, 

melanauchen, 409, 

minuta, 129. 274, 392. 

— nigra, 14. 15. 81. 129, 

— panaya, 409, 

Stoparola rufierissa, 320. 

Strepsilas, 274. 

— interpres, 379. 415. 

Strix castanops, 426. 

— dasypus, 360. 

— delicatula, 191. 193, 

flammea, 49, 191. 268, 

273. 360. 

inexspectata, 426. 

‚nısorla, 217. 

noctua meridionalis, 

386. 

— novae Hollandiae, 193. 
194. 426, 

—— nyctea, 216, 

— ÖOustaleti, 191. 193, 194. 
427. 

_ Ben. 193. 

— Rosenbergii, 426. 

— tenebrieosaArfaki,427. 

— uralensis, 216, 

Struthio, 255. 261, 

Sturnus vulgaris, 63. 120, 
374. 398, 

Sula, 253. 

Surnia nisoria, 113. 

Suthora bulomachus, 180, 

Sycobrotus Kersteni, 281. 
288. 302. 350, 

Sylvia arundinacea, 366. 
367. 

-— atricapilla, 56. 118. 389, 

»— Blanfordi, 327, 

— cinerea, 17. 57. 
396. 442, 

— cisticola, 442. 


—— 


— 
— 
— 


— 


118, 


INDEX. 


Sylvia conspieillata, 398. 

— garrula, 57. 118. 

— hortensis, 56. 118. 

melanocephalus, 294, 

nisoria, 56. 118. 270. 

rubecula, 365. 

turdoides, 366. 

Sylviella leucopsis, 279. 
328. 353. 

— microura, 328. 

Synallaxis maranonica, 
430. 

Syrnium aluco, 49. 114. 
360. 

— uralense, 49. 

— Woodfordi, 289, 290, 
340. 

Syrrhaptes paradoxus,216. 
271. 273. 

Tachyphonuschloricterus, 
206 


Taenioptera australis, 316, 
Talegallus Ouvieri, 422. 
— pyrrhopigius, 422. 


Tantalus ibis, 297. _ 
Tanygnathus Burbidgi, 
427. 


— Mülleri, 427. 

Telephonus erythropterus, 
2837. 303. 347, 

Telmatias gallinago, 392. 

Terpsiphone Ferreti, 277. 
345. 

— melanogastra, 278. 288, 
300, 303. 

Tetrao bonasia, 334. 378. 

— Mlokosiewiezii, 138. 

— tetrix, 271. 273. 377. 

— urogallus, 258. 377. 

Textor Dinemelli, 299. 357. 

Thalassidroma pelagica, 
216. 

Thamnobia quadrivirgata, 
278, 328. 355. 


Tharrhaleus modularis, 
364. 

Thaumasius Tacezanows- 
kii, 315. 


— viridiceps, 316. 

Thrasaetus harpyia, 262. 

Thryothorus Selateri, 432. 

Tiehodroma muraria, 374. 

Tiga Everetti, 96. 

Tinamus maculosus, 258. 

Tinnunculus alaudarius, 
359, 

Tmetothylacus, 438. 

— tenellus, 438, 

Totanus calidris, 74. 274, 
380, 


457 


Totanus glareola, 380. 

— glottis, 271. 380. 

— ochropus, 102. 125. 380, 

— stagnatilis, 74. 274. 380. 
392. 

Trachypelmus brasiliensis, 
258. 

— Tao, 258. 

Trachyphonus 
ceps, 299. 342. 

Treron Teysmannii, 435. 

— Wakefieldi, 291. 339. 

Trichas bivittatus, 208. 

Trichoglossus caerulei- 
ceps, 313. 427. 

— nigrigularis, 313. 

— rubiginosus, 330. 

Trichophorus, 214. 

Trichostomus rufifrons, 96, 

Tringa alpina, 391. 

— ferruginea, 380, 

— minuta, 380. 391. 

— subarcuata, 391. 

— varlabilis, 380, 

Trochocereus bivittatus, 
288. 320. 345. 

Troglodytes parvulus, 118. 
367 


squami- 


“ A) 
Trogon narina, 288, 289, 
342, 
Turdinus rufipectus, 323, 
Turdirostris leptorhyncha, 
347, 
Turdus atrigularis, 216, 
— bicolor, 405, 
— falelandicus, 152. 405. 
Grayi, 405. 
guttatus, 278, 287. 356, 
iliacus, 117. 364. 
merula, 56. 117. 364, 
388. 405. 
musicus, 55. 117, 216} 
364. 388. 
Naumanni, 216. 
pilaris, 117. 274. 364. 
405. 


polyglottus, 367. 
ruficollis, 117. 
sibiricus, 216, 
tephronotus, 279, 
torquatus, 405. 
vanicorensis, 405. 
varius, 216. 

viseivorus, 56, 117. 364, 
— vitiensis, 405, 

Turnix lepurana, 284, 339, 
Turtur auritus, 376. 

— capicola, 300. 

— risoria, 377. 

— semitorguatus, 300. 303. 


dere 


458 INDEX. 
Ulula aluco, 256. Vidua prineipalis, 
Upupa, 252. 253. 256. 300. 303. 351. 


— epops, 71.101.123. 212. !— splendens, 300. 


280.| Vultur oecipitalis, 292, 
— perenopterus, 291, 
316.!— pileatus, 291, 292. 


374 387. 352. Xanthodira pyrgita, 353. 
Uraeginthus ianthinogas- |— Verreauxi, 299. 303.| Xema Sabinil, 334 | 
ter, 326. 353. 351. Zanelostomus australis, 

Uragus sanguinolentus, | Volvocivora mindanensis, 283. 289. 303. 342. 
178. 329, Zosterops atricapilla, 317. 

— sibirieus, 178, Vulpanser tadorna, 272.) — explorator, 396. 

Uria, 227. 273. — flaviceps, 396. 


Urospiziaspallidiceps,425. | Vultur einereus, 10. 12.) — griseonota, 431. 


— torquatus, 425. 17. 26. 27. 109. — ponapensis, 396. 
Vanellus eristatus, 74. 124.|— fulvus, 12. 17. 25. 26.] — Semperi, 396. 

218. 218. 379. 444, 27. 31. 109. 256. 275.|— tenella, 278. 288, 349. 
— gregarius, 218. 219. 291. — vatensis, 431, 


1 


G. Pätz’sche Buchdruckenei (Otto Hauthe)) in Naumburg a/ß, 


JOURNAL 


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 ORNITHOLOGIE 


DEUTSCHES CENTRALORGAN 


für die 


gesammte Ornithologie. 


In Verbindung mit der 
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Eug. FE. v. Homeyer, Dr. A. v. Brehm, Prof. Dr. Altum, Dr. Jean Gundlach, Dr. R. 

Blasius, Dr. Kutter, Vietor v. Tschusi-Sehmidhoffen, Dr, Ant. Reichenow, L. Taeza- 

nowski, A. Nehrkorn, Dir. Dr. A. B. Meyer, Prof. Dr. K. Th. Liebe, Herm. Schalow, 

Dir. €. F. Wiepken, Dr. G. A. Fischer, J. Rohweder, Th. Pleske, Dr. R, Böhm 
und anderen Ornithologen- des In- und Auslandes, 


herausgegeben 
von 


Prof. Dr. Jean Cabanis, 


Custos am Königl. Zoologischen Museum der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin; 
General-Seer. d. Allgem, deutschen ornithologischen Gesellschaft zu Berlin. 


XXVI. Jahrgang. 
Heft I. Vierte Folge, 7. Band. Januar 1879. 


a 


7 


Leipzig, 1879. 
Verlag von L. A. Kittler. 


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Williams & Norgate, 14. A. Franck, rue Richelieu, 67. B. Westermann & Co 
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Inhalt des L Heftes, 
era, Berichte, Briefliches ER Rn BR 


Allgemeine desliche ornith. Gesellschaft zu N! 


2. Mitglieder-Verzeichniss der Gesellschaft . . . . » 

3. Benachrichtigung für die Mitglieder (Journal-Angelegenhei) 
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5. An die Redaction eingegangene Schriften. . . . Sa | 


In Angelegenheiten des „Journals für Ornithologie“ sowie. di 
logischen Centralblattes“ und der „Allgemeinen deutschen orni gisch 
Gesellschaft zu Berlin“ wird gebeten das Folgende zu beachten: RE ar 

Alle für die Redaction sowie für die „ornithologische Gese 
schaft“ bestimmten Zusendungen, Mittheilungen, Manuseripte Ind 
gen Postsendungen, sind an den Herausgeber des Journals w 


Jacobs-Str. No. 1034. zu senden; dagegen 
alle den Buchhandel perrelelahn oder dureh Buchhä i 


heit vermittelten Zusendungen, Beilagen etc. an ‚den Verle er,] 
in IRFIE zu richten. . 


u Das Schluss-Heft des I unge 1878 (mit Ind ud 
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9. Pätzsche Buchdruckerel (Ofto Hautha)) in. 


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nowski, A. Nehrkorn, Dir. Dr. A. B. Meyer. Prof. Dr. K. Th. Liebe, Herm. Schalow, 

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XXVI. Jahrgang. 
Heft I. Vierte Folge, 7. Band. April 1879. 


DEUTSCHES CENTRALORGAN 


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Leipzig, 1879. 
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Inhalt des II. Heftes. 


Aufsätze, Berichte, Briefliches etec.: Seite 


1. Ornithologische Beobachtungen in den Auwäldern der Donau bei 
Wien. Vom Kronprinzen Rudolf von Oesterreich und 


Brehm .. 97 
2. Ornithologische Wie aus et ni Una (1878). 

Von Vietor Ritter von Ei zu Schmidthoffen.. . . . 189 
3. Ueber die Fortschritte auf dem Gebiete der Ornithologie vom Jahre 

1875 bis zur Gegenwart. Von Herman Schalow. . . 131 
4. Beiträge zur Geschichte des Creulus canorus. Von Forsimeik 

HGoacbeksts2t 7, EEE 


5. Meine ornithologische Samaluae: yon E. E von Homeyae PR SHg 
6. Ueber einige seltene Vögel der Bremer Sammlung. Von Dr. G. Hart- 


laud.. en - 187 
7. Ueber die sr Eolenie von we ne "Yes Na 
NAEH RE ee ee 


8. Zur Discussion a I Zuatee Yos Dr, J. A. Palmen. . 1% 
9. Ueber ein neues Genus und neue Arten aus Südamerica. Von Hans 
Grafvon Berlepsch . ....." 7 „u. SL Er 
Allgemeine deutsche ornith. Gesellschaft zu Berlin: 
10. Bericht über die November-Sitzung 1878. (Cabanis: Ueber die 


Gattung Psittacula. — Reichenow: Ueber Palaeornis rosa und 
cyanocephala.) . » » » 210 
11. Bericht über die December- Sikrung 1878. (Sch ar. Deber Lok 
Arten.) .... - .. 212 
12. Bericht über er Ta Se 1879. (Alam: U Br Vogl 
sammlung der Forstakademie zu Eberswalde. — Brehm: Häufiges 
Vorkommen der Strix nisoria in den Karpathen. — Altum: Ap- 
ternus tridactylus in der Mark. — Brehm: Ueber das Leben des 
Vanellus gregarius.). - 215 
13. Bericht über die Februar Sitzung 1879. (Ca Ba Bar domaa 
auf Cuba.) . .. 219 
14. Bericht über die Mirz- Ben 1879. (€ a Üaket one 
pertinac und verwandte Arten. — Graf von Berlepsch: Neue 
südamericanische Arten.) ... > 20.7 20 on en 
Nachrichten: 
15. An die Redaction eingegangene Schriften . . » . 2 2 2.2... 28 


In Angelegenheiten des „Journals für Ornithologie“ sowie des „Ornitho- 
logischen Centralblattes“ und der „Allgemeinen deutschen ornithologischen 
Gesellschaft zu Berlin“ wird gebeten das Folgende zu beachten: 

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Eug. F. v. Homeyer, Dr. A. v. Brehm, Prof. Dr. Altum, Dr. Jean Gundlach, Dr. R. 


JOURNAL 
ORNITHOLOGIE, 


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Blasius, Dr. Kutter, Vietor v. Tschusi-Schmidhoffen, Dr. Ant. Reichenow, L. Tacza- 
nowski, A. Nehrkorn, Dir. Dr. A. B. Meyer, Prof. Dr. K. Th. Liebe, Herm. Schalow, 
Dir. €. F. Wiepken, Dr. @. A. Fischer; J. Rohweder, Th. Pleske, Dr. R. Böhm 
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Custos am Königl. Zoologischen Museum der Friedrieh-Wilhelms-Universität zu Berlin; 
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' XXVI. Jahrgang. 


Heft III. Vierte Folge, 7. Band. Juli 1879. 


Mit 1 colorirten Tafel. 


Leipzig, 1879. 
Verlag von L. A. Kittler.. 


NDON, PARIS, NEW-YORK, 
Williams & Norgate, 14. A, Franck, rue Richelieu, 67. B. Westermann &4Co. 
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Preis des Jahrganges (4 Hefte mit Abbildungen) 20 Rmk. praen. 


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NR 


Inhalt des Hl Heftes, 


Aufsätze, Berichte, Briefliches etec.: 


'& 
2. 
3. 


4. 
5. 


6. 


7A 
Allgemeine deutsche ornith. Gesellschaft zu Berlin: 


8. Bericht über die April-Sitzung. Verhandelt Berlin, 7. April 1879, . 


Betrachtungen über die Selectionstheorie vom St a der De 
aus. Von W. v. Nathusius N 
Ueber Morphnmus taeniatus Gurney Ber m. Auer Dead En 
August.v. Pelzeln 

Ueber Vögel des Uman’schen ee \Nachkrer) Won Forstmeister. 
H. Goebel { ?) DR 
Briefliche Bescherichie: aus ; Asia Brise w. ne Di, 6. * inekas 


Zur Naturgeschichte des Icos wanthopygius Hempr. u. Ehrb, Von 


Stud. Aug. Müller. (Hierzu Taf.-I. Fig. 4. 5.) ’ - 
Compendium der neu beschriebenen Gasen und Arten. % Von 
Ant. Reichenow und Hermann Schalow ....., 
Ueber Domicella Kuhli, Von Dr. OÖ. Finsch . 


(Hausmann: Ueber Otis tetrax in Mecklenburg. — A. Brehm: 


Ueber das Brutvorkommen von Zrismatura er in Sieben- 
RI. 


bürgen.) 
Bericht über &e Mai: Bilhny. Verhandiit Horlin,! 5. Mai’ 1879. 
(Cabanis: Ueber Aulanaz latirostris und verwandte Arten.) 


Nachrichten: 
10, An die Redaction eingegangene Schriften . 


11, 


Taf. 1 Fig. Be Cosmopsarus regius Rehnw. 
Fi ig. . 3. Speculipastor bicolor Rthnw. 2 & 3 9 
Fig. 4. 5. Eier von Jxos RORAUSHATOE Hmöpr. Ehbg. 


In Angelegenheiten des „Journals für Ornithologie“ sowie des ‚Orakine, Be 


Seite H N 
225 
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304 


335 


logischen Centralblattes“ und der „Allgemeinen deutschen ornithologischen - 
Gesellschaft zu Berlin“ wird gebeten das Folgende zu beachten: 


Secretair der Gesellschaft Prof. Dr. 
Jatobs-Str. No. 1034. zu senden; dagegen 
alle den Buchhandel betreffenden oder durch Buchhändler-Gelegen- \ Ye 
heit vermittelten Zusendungen, Beilagen ete. an den klang Li. a. Kireie Rn 
in Leipzig zu richten. j | iM 


Alle für die Redaetion sowie für die „ornithologische Gesell 
schaft‘ bestimmten Zusendungen, Mittheilungen, Manusceripte und Sn. 
gen Postsendungen, sind an den Herausgeber des Journals und General- 
Cabanis in Berlin ‚SW., Alte „N 


G. Pätz’sche Buchdruckerei (Otto Hauthal) in Naumburg a/9. 


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JOURNAL 
ORNITHOLOGIE 


DEUTSCHES CENTRALORGAN 
für die 
gesammte Ornithologie. 


In Verbindung mit der 
Allgemeinen eutschen arnithulogischen Genellachaft zu Berlin, 


mit Beiträgen von 


Kronprinz Rudolf von Oesterreich, Eug. F. v. Homeyer, Dr. A. v. Brehm, Dr. G. 

Hartlaub, Prof. Dr. Altum, Aug. v. Pelzeln, Dr. R. Blasius, Dr. Kutter, Vietor 

v. Tschusi-Schmidhoffen, Forstmeister H. Goebel, Dr. Ant. Reichenow, W.v. Na- 

thusius, Graf v. Berlepsch, A. Nehrkorn, Herm. Schalow, Dr. J. A. Palmen, 

Dr. @. A. Fischer, J. Rohweder, Dr. R. Böhm, Prof. E. A. Goeldlin, Stud. Aug. Müller 
und anderen Ornithologen des In- und Auslandes, 


herausgegeben 


von 


Prof. Dr. Jean Cabanis, 


Custos am Königl. Zoologischen Museum der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin; 
General-Seer. d. Allgem. deutschen ornithologischen Gesellschaft zu Berlin. 


XXVII Jahrgang. 
Heft IV. Vierte Folge, 7. Band. October 1879. 


Mit 1 colorirten Tafel. 


Leipzig, 1879. 
Verlag von L. A. Kittler. 


LONDON NEW-YORK, 


‚Williams & Norgate, 14. A. Franck, rue Richelieu, 67. B. Westermann & Co. 
Henrietta Street, Coventgarden. 524 Broadway. 


Preis des Jahrganges (4 Hefte mit Abbildungen) 20 Rmk. praen. 


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Prospectus. 


Vogelbilder aus fernen Zonen. 


Atlas 
der bei uns eingeführten ansländischen Vögel, 


mit erläuterndenm Text. 


Allen Haturfreunden 
insbesondere r 
den Liebhabern ausländischer Stubenvögel und Besuchern 
zoologischer Gärten 
gewidmet von 


Dr. Ant. Reichenow, 


Assistent am Kgl. Zoolog. Museum in Berlin, Stellvertr. Secretair der Allgem. Deutschen 
Ornithologischen Gesellschaft und Redacteur des Ornithologeischen Centralblättes. 


IL. Theil: Papageien. 
Aquarelle von G. MÜTZEL. 


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An alle Vogelfreunde! 


D“ Liebhaberei für ausländische Stubenvögel, deren Pflege und 
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Zucht in der Gefangenschaft hat m den letzten Jahren einen 


‚grossartigen Aufschwung genommen. Die befiederten Bewohner aller 


Breiten, insbesondere die farbenprächtigen Vögel der Tropen, haben 
in immer weiteren Kreisen sich Beliebtheit erworben, als Hausfreunde, 
als Zimmergenossen in Palast und Hütte Eingang gefunden. An 
Stelle der früher beschränkten Anzahl nur gelegentlich übergeführter 
Arten ist jetzt ein regelmässiger Import der mannigfachsten Vogel- 
formen getreten, und der Vogelhandel hat sich demgemäss zu einer 
Höhe erhoben, dass er bereits volkswirthschaftliche Bedeutung be- 
ansprucht. 

Diesen erfreulichen Aufschwung verdauken wir den veränderten 
Motiven, welchen die gegenwärtige Vogelliebhaberei entspringt. Das 
einfache Wohlgefallen an den hefiederten Zimmergenossen, an ihrer 


— — ——— — 
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Färbung, ihrem Gesange, ist jetzt einer ernsteren Auffassung, einem 
tieferen Verständniss gewichen, dem Streben nach Erkenntniss und 
Belehrung, dem tieferen Eindringen in die reichen Schöpfungen der 
Natur, dem-Drange, die Eigenschaften, Sitten und .Gewohnhei 
der Pfleglinge za ‚erforschen. Die werthvollen Beobacht m n 
gefangenen Vögeln, welche verständnissvolle Liebhaber und- Züchter 
in neuerer Zeit so zahlreich uns mittheilen, legen Zeugniss ab von 
dieser ernsteren Auffassung, ebenso wie das Streben der Händler, 
den Markt mit neuen Arten zu bereichern. 

Je weiter aber in diesem Sinne die Vogelliebhaberei sich aus- 
breitet, um so dringender wird das Bedürfniss, die gefangenen, ge- 
pflegten, zur Schau gestellten Vogelarten richtig zu bestimmen, die 
Namen zu wissen, unter welchen dieselben in die Vogelkunde ein- 
geführt und allgemein bekannt wurden, um über ihre Stellung in 
der grossen Reihe der organischen Wesen, über ihre Bedeutung in 
der Entwicklungsgeschichte der 'Thiere, ihren Aufenthalt, ihre Lebens- 
weise in der Freiheit sich zu unterrichten. Eine exacte Bestimmung 
aber ist oft keine leichte,Aufgabe., Die Schwierigkeit, ohne längere 
Uebung nach Beschreibungen in den Handbüchern Vogelarten, ins- 
besondere lebende Vögel, zu bestimmen, wird jeder Vogelfreund er- 
fahren haben. Die Unkenntniss, ‚Unsicherheit, ja Verwirrung, welche 
man hinsichtlich der Namen so vielfach findet, beweist, dass unsere 
gegenwärtigen literarischen Hülfsmittel nicht genügen. Das Wort, 
mag es noch so genau schildern, ersetzt nicht die Anschauung. 
Was man aber durch anhaltendes Studium einer Beschreibung nicht 
erreicht, das bietet mit Leichtigkeit eine gute Abbildung. Hierin 
liegt ein Zweck unseres Werkes. Es soll Vogelliebhabern, Züchtern 
und Händlern durch naturgetreue Abbildungen eine schnelle, richtige 
Bestimmung ihrer Vögel ermöglichen, die wissenschaftlichen und TVri- 
vial-Namen sie kennen lehren. Es wird in dieser Hinsicht auch Be- 
suchern zoologischer Gärten willkommen sein, um unter der oft 
grösseren Anzahl gemeinsam die Fluggebauer bevölkernder Vögel 
die Bezeichnungen der einzelnen zu erfahren, und wird, dei ber wwissen- 
schaftlich genauen. Ausführung der Figuren, in Museen und anderen 
zoologischen Instituten als wichtiges Hülfsmittel zur Bestimmung der 
Arten dienen. Ferner soll der beigefügte Text in kurzer Darstel- 
lung Vaterland, Aufenthalt und Freileben der abgebildeten Vögel 
schildern, und da die auf den einzelnen Tafeln in charakteristischen 
Gruppen dargestellten Arten mit Rücksicht auf ihr Vorkommen oder 
ihre Verwandtschaft ausgewählt sind, so wird man gleichzeitig eine 


Charakterskizze der Vogelwelt eines Landes, oder eine Uebersicht 
über eine Vogelgruppe in Bild und Wort erhalten. Somit werden 
die „Vogelbilder auch allen Naturfreunden belehrende Unterhaltung 
gewähren und endlich als Prachtwerk eine Zierde der Büchertische 
sein. 
Das im Verlage von Theodor Fischer in Cassel 

erscheinende Werk wird in Lieferungen ausgegeben. Jede 

Lieferung enthält drei Tafeln in Folio, mit begleitendem 

Text. — Der Subseriptionspreis ist möglichst niedrig, mit 

> Mark für die Lieferung berechnet. Zugleich wird eine 

Prachtausgabe auf Carton zum Subseriptionspreise von 

8 Mark pro Lieferung veranstaltet. 

Der zunächst erscheinende erste Theil wird 
auf etwa 15 Tafeln die Papageien enthalten und 
ein abgeschlossenes Ganze bilden. 

‘Die Tafeln ‚sind Aquarelle des als Illustrator von „brehm's 
Thierleben“, des „Journal für Ornithologie“ und als Mitarbeiter an 
belletrist. Zeitschriften rühmlichst bekannten Thiermalers G@. Mützel. 
Die artistischen Leistungen der Verlagshandlung sind bekannt genug, 
um auch für unsere „Vogelbilder“ hinsichtlich des Farbendruckes und 
der übrigen Ausstattung das Vorzüglichste erwarten zn lassen. 

So empfehle ich denn das neue Werk allen Naturfreunden an- 
selegentlichst, mit dem Wunsche, dass es als ein nützliches Hülfs- 
mittel, eine belehrende und unterhaltende Darstellung in Bild und 
Wort, als ein schmückendes Prachtwerk, in weiten Kreisen Eingang 
finden und zur Verbreitung der Vogelkunde, zur Förderung der 
Vogelliebhaberei beitragen möge. 

Berlin, im März 1878. 


Dr. Ant. Reichenow. 


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Unterzeichneter verweist auf umstehende Kritik des 
als Autorität anerkannten Dr. A. E. Brehm, dem die 
soeben erscheinende 1. Lieferung vorgelegt ist. 

Aufträge vermitteln alle Buchhandlungen des In- und 
Auslandes,. 

Cassel, im October 1878. 

Theodor Fischer, 


Verlagshandlung. 


Mit ebensoviel Theilnahme als Freude begrüsse ich die erste Lieferung von Reichenows 
„Vogelbildern aus fernen Zonen.“ 


Seit Jahren bestrebt, an Stelle der ungenügenden Thierbeschreibungen nicht minder 
anmassender als unwissender Buchschreiber wahrheitsgetreue, den Errungenschaften der Wissen- 
schaft entsprechende Schilderungen treten zu lassen, gereicht mir das Erscheinen eines Werkes 
wie das vorliegende zu hoher Befriedigung. Ich bin von jeher überzeugt gewesen, dass eine 
gute Abbildung das geschriebene Wort weit hinter sich zurücklassen muss, selbst wenn das 
letztere zu malen im Stande sein sollte. Daher hat mich, zumal bei Bearbeitung meiner „Ge- 
tangenen Vögel,“ vielfach der Gedanke beschäftigt, wie es zu ermöglichen sein möchte, 
ernster strebenden Vogelwirten, Liebhabern wie Händlern, farbige Abbildungen, ein für viele 
unumgänglich nothwendiges, tür alle willkommenes Hilfsmittel zur wissenschaftlichen Bestimmung 
ihrer Pfleglinge unter allscitig annehmbaren Bedingungen zu bieten. Was:ich in dieser Beziehung 
überdachte und ersehnte, sche ich in den „Vogelbildern aus fernen Zonen*- so gut auszeführt, 
als Farbendruck gestattet, vor mir: liegen. Mützels Meisterhand hat treffliche Zeiehnungen, 
Fischers Kunstanstalt Farbendrucke geliefert, welche sich den Besten an die Seite stellen 
dürfen, Reichenow die Abbildungen mit kurzem, aber vollkommen ausreichendem, auf: wissen- 
schäftlichem Grunde ruhendem Texte begleitet: jeder Vogelwirt, Händler, Züchter, Liebhäber ete, 
ist daher im Stande, wit Hülfe der „Vogelbilder etc.* ohne: Zeitverlust und nennenswerthe Mühe 
seine Pfleglinge zu bestimmen. Warnıe, rückhaltlose Empfehlung des Werkes an alle, für welche 
es bestimmt ist, erscheint-mir aus allen diesen Gründen als Pflicht jedes unbefangenen und un- 


parteiischen Beurtheilers. Etc, etc. 
Dr. A. E. Brehm. 


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Im gleichen Verlage ist erschienen: 
OD. v. KRiesenthal, 


Die Raubvögel Deutschlands 
und des angrenzenden Mitteleuropa’s. 


Darktellung und Befchreibung der in Denifdland und den benachbarten Ländern 
von Mitteleuropa vorkommenden Kaubvögel. 


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Med. 5°, 12 M. nebst 60 Tafeln Atlas in Folio in Chromolitho- 
graphie, 60 M.; Pracht-Ausgabe 120 M. 

Ausser den in den meisten forst- und landwirthschaftlichen Zeitschriften erfolgten günstigen 
Empfehlungen dieses Werkes macht die Verlagshandlung auf nachstehende Urtheile besonders 
aufmerksam: 

Im Ornitholog. Centralblatt von Dr. Cabanis & Dr. Reichenow erklärt E. F. v. Homeyer: 
Das Werk wird voraussichtlich bald so wichtig werden, dass es sowohl für den Naturforscher 
wie für den Forstmann und Jäger unentbehrlich ist. 

Geflederte Welt von Dr. Russ. Dies vortreffliche Werk dürfte eine besonders hervorragende 
Stelle einnehmen... Eine solche Darstellung der deutschen Raubvögel in Wort und Bild ist bis 
jetzt entschieden noch nicht vorhanden. 

Dr. Müller schreibt in der „„Natur‘ : Kurz, wir begegnen hier einem deutschen Werke, auf 
das wir sowohl in Bezug auf seinen Verfasser, wie in Bezug auf seinen Verleger stolz sein dürfen. 


A SR En 
Ornithologie Nordost-Afrieas, der Nilgnellen nnd Küsten- 
vehiete des Rothen Meeres und des nördlichen Somali-Landes, 


2 Bände mit 51 'Tfln. eolor. Abbild. u. Karte. 
Royal 8°.’ 142 M. 50 Pf. 
Dr. J. Cabanis, 
Generalzdnder zum FJonenal für Ornithologie. 
Inhalts-Verzeichniss der ersten 15 Jahrgänge, 1853— 1867. 
In Verbindung hit A. Reichenow und M. Helm herausgegeben. 


Gr. 8%. — 15 Mark. 


Rich, Zrömner, Cassel. Ü 


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